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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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erschöpft, hatten die Unglücklichen, nach einer Fahrt von 33 Tage», 
die unbeschreihlichr Freude, die Küste von Neukolland;u erblicken» 
und bald darauf i» die TorrcSstraße hinein zu segeln. Sie lande 
ten auf einer kleinen unbewohnte» Insel, nahe an her Küste, und fan 
den hier viele wohlschmeckende Früchte, 'Austern und da« schönste 
Wasser im Ucbcrflust. Mit seligem Gefühl ruhten sie nun »ach 
so langer Zeit, von gesunder Nahrung, erquickt, die erste Nacht.wie 
der auf festem Lande; aber beim Ausgang der Sonne zeigte sich ih 
nen nahe Gefahr. Die Wilden hatte» sich, mit Speere» bewaffnet, 
an der Küste gesammelt, und drohten mit einem Ueberfall, weshalb 
die Insel schleunig verlassen werden muffte. — Beim Durchsegeln 
des Kanals war da« Wetter schon und. rubig. Die Eingeborncn 
winkten mit grüne» Zweigen vom Ufer, zur Landung cinladcich, ober 
Bligh traute den Gesinnungen dieser Kleinen,häßlichen Negerrace nicht. 
Mehrere unbewohnte Insel» dienten zu Ruheplätzen und zum Ein 
nehmen von Früchten und frischem Wasser. Mau fühlte sich neu 
belebt, und in her Hoffnung das Ziel der Leide», die Insel Timor, 
nun bald zu erreichen, herrschte die beste Laune. Aber es war noch 
weit bi« dahin. Nachdem da« Boot die TorreSstraffe verlassenchatte, 
und sich nun auf hohem Meere befand, trat noch und nach jede« 
Ungemach mit verdoppelter Kraft wieder ein. Die ganze Mann 
schaft war krank, einige bis zum Verscheiden. Fast Alle hatten dip 
Hoffnung aufgegeben, jemals eine» sichern Hafen zu erreiche», und 
flchcte» den Himmel nur an, durch baldige» Tod ihre Leiden zu en 
den. Bligh selbst sehr unwohl, bemühte sich, ans alle Weise seinen 
Untergebenen Muth einzuflößen, und gab ibnen die Versicherung» 
daß sie nun bald landen würde». Er hielt Wopt. Am 12- Juni 
Morgens um 3 Uhr, lag die Insel Timor mit ihren hohen Gebir 
gen in freundlicher Majestät vor ihnen. Wie ein elektrischer Schlag 
durchzuckte dieser Anblick die Erschöpfte» und Kranken, S>e. erho 
ben ihre Hände zum Himmel, und nicht leicht ist wohl ein Dankgc- 
bet inniger gewesen. Die holländische Niederlassung Kupang war 
nun in zwei Tagen erreicht, und der dortige Gouverneur nahm dje 
Geretteten menschenfreundlich ans. Bi« auf Einen, dessen Lebens 
kraft gänzlich erschöpft war, ward die Gesundheit Aller bald wieder 
hergestellt, und Bligh fand Gelegenheit, niit seinen UnglückSgefähr- 
tcn „ach England zu schiffen, wo sie im März 1790 anlangten. 
RobolSky. 
Kindesliebe oder die edle Tochter Cantimire. 
(Aus dem Französischen — fiit Kinder erzählt von Robolsky.) 
Cantimire war in Kurdistan in Asien geboren. Ihr.Vater, 
Mcliabeth, war Heerführer und diente treu dem Mirza AbbaS, Für 
sten von Persien, um den er sich durch seinen KriegSmuth uich feine 
Tapferkeit verdient gemacht hatte. Der Fürst belohnte fejn« DM-
        
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