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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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der Freude, wenn man sich so mit ihm einließ. Einen der Baden 
den liebte er besonders, umkreiste ihn stets, wenn er im Wasser 
war, und ließ sich alles von ihm gefallen. Ja als der junge Mann 
auf längere Zeit verreiste, u»d nicht mehr gewohnter Weife täglich 
wieder kam, soll man an dem Thiere Zeiche» des GramS bemerkt 
haben, und er erschien nicht mehr bei der Gesellschaft der Badenden. 
Gewiß fällt vielen von Euch, meine Leser, dabei auch jene 
Fabel ein, die der Dichter A. W. Schlegel in einer Romanze so 
schön erzählt. Sie ist in manchen Gedichtsammlungen für die Ju 
gend abgedruckt und heißt Arion. Sollte derselben nicht eine ähn 
liche »aturgeschichtliche Beobachtung zum Grunde liegen, wenn er 
zählt wird: der Sänger Arion sei von räuberischen Schiffern, die 
ihn »ach der Hcimath bringen sollten, in's Meer geworfen worden. 
Doch er habe noch vorher auf seiner Leier schön gespielt, Delfine 
hätten sich um das Schiff gesammelt, ihm zuzuhören, und »un, 
eh' Fluthen ihn ersticken, 
beut einer ihm den Rücken 
und trägt ihn sicher hin zum Port. 
Ganz natürliche und unbestreitbare Fälle der Art giebt es 
übrigens genug, wo ein Thier einem Menschen das Leben gerettet 
hat, und wenn sich auf diese oder andre Weise ein Verhältniß der 
Liebe und Anhänglichkeit zwischen beiden .bildet: so ist es mir we 
nigstens etwas Rührendes, an das Ende desselben durch den Tod 
zu denken. 
DaS Thier stirbt oder der Mensch, und dieser muß ähnlich 
dann bei sich selbst sprechen, wie Arion zu dem Delfin: 
Leb wohl, und könnt' ich Dich belohnen, 
Du treuer, freundlicher Delfin! 
Du kannst nur hier, ich dort auch wohnen, 
Gemeinschaft ist uns nicht verlieh». A. M. 
In dem Intelligenz-Blatte vom 2. Januar dieses Jahres stand 
eine Anzeige, deren Inhalt mich erschüttert und herzlich betrübt hat: 
den» der darin berichtete Trauerfall hat die Familie eines Man 
nes getroffen, den ich aufrichtig verehre, der auch an diesem Blatte 
mir seine Theilnahme bethätigen will, und dem ein großer Theil 
unserer Berliner Jugend das Beste verdankt und noch verdanken 
wird, was sie empfangen kann, nemlich einen wahrhaft belehrenden 
und erregenden Schulunterricht. 
So gehet denn auch Euch, meine Leser, diese Anzeige näher 
an, und ich würde sie Euch schon mitgetheilt haben, wenn eher Raum 
dazu ,'n diesen Blättern gewesen wäre, da sie auch noch aus einem 
andern Grunde Eurer lebhaftesten Aufmerksamkeit und treuen Be 
herzigung werth ist, wie Ihr gleich sehen werdet.
        
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