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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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tcs Hand, mochte sie diese nicht erkennen noch die Wohlthat, die 
auf das Gebet des Propheten dem ganzen Lande widerfahren war; son 
dern wüthete gegen ihn, daß er die Priester ihres Götze» zu Grun 
de gerichtet batte, und sandte ihm schreckliche Drohungen zu. Und 
Keiner im Bolke war gesonnen, den Mann Gottes zu schütze», daß 
er wieder aus dem Lande stiehcn mußte: was Wunder, daß seine 
Seele matt wurde, und er zu sterbe» wünschte. Aber der Herr 
hatte ihn noch zn andern Werken bestimmt, deßhalb stärkte er ihn 
wunderbar ans seiner Flucht bis in das Gebirge Sinai. Und hier 
wurde ihm eine Offenbarung zu Theil, welche der schönsten eine ist, 
die das alte Testament erzählt. 
Das Wort des Herrn kam zu ihm und sprach: WaS magst du 
hier, Elias? Er sprach: Ich habe geeifert um den Herrn, den Gott 
Zebaoth; den» die Kinder Israel haben deinen Bund verlassen und 
deine Altäre zerbrochen, und deine Propheten mit dem Schwcrdt er 
würget; und ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten danach, 
daß sie mir mein Leben nehmen. Die Stimme sprach: Gehe her 
aus und tritt auf de» Berg vor den Herrn. Und siehe ein starker 
Windwirbcl brauste vorüber, der die Berge zerriß und die Felsen 
zerbrach; aber der Herr war nicht in dem Winde. Danach geschah ein 
Erdbeben, aber der Herr war nicht im Erdbeben. Und nach dem 
Erdbeben kam ein Feuer, aber der Herr war nicht im Feuer. Und 
nach dem Feger kam ei» stilles sanftes Sausen. Da das Elias 
hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging hinaus 
und trat in die Oeffnung der Höhle. Da ertönte eine gewaltigere 
Stimme denn vorher und sprach: Was hast du hier zu thun, Elias? 
Er aber antwortete wie zuvor; doch der Herr verwies ihm seinen 
Unmuth, und sandte ihn aus zu neuen Werken. 
Wohl hatte er Grund dazu, sei» Antlitz zu verhüllen, als der 
Herr kam, denn er hatte wohl gewirkt für seine Ehre, aber nicht 
immer auf die rechte Weise. Heiliger Eifer und strafender Zorn 
sind 'gut, aber es nuiß immer der Apfel bei der Ruthe liegen, Milde 
muß der Strenge folgen. Dar hatte der Herr seinen Propheten 
und uns lehren wolle» in jener Erscheinung, und so wirkte Mas 
nun auch noch eine Weile fort; daun, als er eine» Nachfolger im 
Prophctenthum, den Elisa, sich erwählt hatte, wurde er hinwcgge- 
nommcn von der Erde vor dessen Augen in einer feurigen Lust- 
Erscheinung. Die Juden erwarteten seine Wiederkunft, aber er 
kam nicht zu ihnen, sondern nur die zu ihm, welche Gottes Erschei 
nung in seinen Offenbarungen lieb hatten. Wie viel hat cs der 
Herr sich kostest lassen an Wundern und Zeichen, Strafen und 
Wohlthaten, um sein Volk in der schlimmste» Zeit vom sittlichen 
und leiblichen Untergänge zu retten; aber nur wenige haben sich 
zurückhalten lassen. Darüber klagen alle Propheten, und nur from 
me Ueberbleibsel' in Israel sind ihr Trost gewesen. Soll uns das 
verwundern? Ach, das Denken und Trachten des menschlichen 
Herzens ist böse von Jugend auf. Auch an uns thut her Herr
        
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