Path:

Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

22 
triumphirender Weise. Er wird leichter gezähmt als irgend ein 
anderes Thier; er ist fähig, große Zuneigung zu zeigen, und scheint 
die Gesellschaft der Menschen zu lieben. Zu "der Zeit, wo die Küsten 
von Großbritannien gegen die Drohung eines französische» Einfalls 
überall befestigt wurden, vergnügte sich eine kleine Partei auf einer 
kleinen Insel in dem Firth of Forth bei Edinbnrg damit, einen 
Seehund zu zähmen. Er hatte alle die Zuthulichlcit und Spiellust 
eines Hundes, fischte für sich selbst und zuweilen (glaube ich) für 
seine.Herren; er schmiegte fich um fie wie eit Hund, leckte ihre 
Hände, und wenn er die, welche eine Fahrt in einem Bote mach 
ten, nicht begleitete, so empfing er sie wenigstens bei ihrer Rückkehr. 
Er kam immer in ihre Hütte, um zu schlafen und benahm sich so, 
als fühle er, daß er zur Partei gehörte. Zuweilen schnappte er ei 
nen Knüppel oder einen Besen weg und machte fich damit nach dem 
Wasser, wo er mit seiner Beute im Maule herumschwamm, oft 
dem Ufer bis an den Bereich seiner Beobachter nahe kam, und 
dann wieder in größerer Ferne war. Aber, obgleich es ihm Ver 
gnügen zu machen schien, fie in dieser Weise zu necken, so kam er 
doch zuletzt immer mit dem zurück, was er weggenommen hatte, 
und legte es schmeichelnd und spielend zu ihren Füßen nieder. Ja, 
wenn sic ihm nicht nachsetzten, so blieb er selten lange im Wasser, 
sondern kam bald zurück, dem Anscheine nach verdrießlich, daß er 
sich i» seiner Erwartung von Vergnügen getäuscht hatte. 
Wenn sie nach Lcith fuhren, um Befehle einzuholen oder Lebens: 
mittel aufzubringen, so begleitete sie der tscehund gewöhnlich, in 
dem er immer an der Seite oder dem Hintertheil des Bootes 
schwamm, nnd wenn das Boot in Leith an die Anlände befestigt 
wurde, so stieg der Seehund ein, und hielt Wache bis zur Ankunft 
der Partei. Fisch war nicht sein einziges Futter, er konnte vielerlei 
fressen und liebte besonders Brod und Milch. Es ist nicht anzuge 
ben, wie weit die Zähmung hätte getrieben werden können, denn er 
kam noch jung ums Leben. 
Grumbach. 
Ganz eine ähnliche Geschichte erzählt schon ein alter Römischer 
Schriftsteller, PliniuS, von einem Seehunde. Es war an einer 
Stelle der Nordküste von Afrika, wo junge Leute aus vornehmen 
Geschlechtern einer der damals dort blühenden Seestädte zu baden 
pflegten. Wenn sie nun in dem Meerbusen umherschwammen und 
Scherze trieben, wie Badende thun, dann kanien Seehunde hinzu, 
denen es Vergnügen machen mußte, die Spiele und Uebungen der 
Jünglinge zu sehen. Ja eines der Thiere näherte sich auch und 
flöhe isicht die Berührung der Hände, sondern spielte mit de» jun 
gen Männern wie ein Hund, trug einen um den andern auf seinem 
Rücken, brachte hingeworfene Sachen von der Oberfläche oder aus 
der Tiefe des Meeres dem Eigenthümer wieder, und gab Zeichen
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.