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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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Tafel. DalM mußte er täglich zur Speisung haben dreißig Schef 
fel Semmelmehl und sechc-zu Scheffel andres Mehl, dreißig Rinder 
und hundert Schafe, dazu Hirsche, Rehe,'Gemsen und'andres Witd. 
Diese Borrälhc wurden von seinen Amtleuten in den verschie 
denen Theilen des Reiches aufgebracht; jeder besorgte den Bedarf 
eines Monats zur bestimmten Zeit, und es durfte an nichts fehlen. 
Auch Hafer und Stroh für die Rosse und seine Reisige» brachten 
sie auf seinen Befehl an den Ort, wo er jedesmal sich aufhielt: denn 
er hatte im Lande umher vierzig tausend Wagenpferde, die Kriegs- 
wagc» zu ziehe», und zehntausend immer gerüstete Fußsoldaten, da 
sonst das Volk sich zu den Kriegen nur bewaffnete, wenn cs noth 
that. , > ' 
Aber eben, weil er^ immer gerüstet war zum Streit, erhielt 
er Frieder. im Lande, mft de» unterworfenen Völkern und seinen 
Nachbarn, daß Juda und Israel sicher wohnten während seiner Re 
gierung, cinJedcr unter seinem Weinstock und Feigenbaum von Dan 
bis ge» Barsaba. So hieß er mit Recht Salomo, das bedeutet ei 
nen Friedensmaiin, wie unser Name Friedrich, und Gott verlieh 
ihm dieses' Glück, weil er bei großer Weisheit so demüthig und 
fromm war zu Anfang seiner Regierung. 
Denn er begann sie mit ernste» Betrachtungen, und seine Seele 
wünschte sich nicht die Vergrößerung der Reichs, und trachtete nicht 
»ach herrlichen Eroberungen, sondern er redete mit Gott im Gebete 
also: Herr, mein Gott, du hast mich, deinen Knecht, zum Könige 
gemacht an meines Vaters David Statt; und ich bi» wie ein klei 
ner Knabe, weiß nicht, weder meinen Ausgang noch Eingang. Dein 
erwähltes Volk ist groß, daß es Niemand zählen kann: so wollest 
du deinem ^ned)te geben ei» gehorsames Herz, daß er dein Volk 
recht regieren möge, und verstehen, was gut und böse ist. Denn 
wer vermag ein Volk wohl zu regieren, wenn du ihn nicht aus 
rüstest lyit deiner Weisheit. 
. Das ist aber grade die rechte menschliche Weisheit, daß man 
erkennt, alle gute Gabe komme von oben herab, und sie sich erbit 
tet vom Vater des Lichts. Und er giebt reichlich Gnade, wenn wir 
um die rechten Güter bitten, so dem Salomo ein verständiges Herz, 
viel Wissenschaft und Kunst, daß seine Weisheit größer war, als al 
ler Kinder gegen Morgen und aller Aegypter. Und er war berühmt 
unter den Heiden umher, und verfaßte dreitausend Sprüche, und 
dichtete tausend und fünf Lieder. Er kannte die Natur der Bäume 
und Pflanzen, von der Ccder auf dem Libanon an bis auf den Epheu, 
der aus der Wand wächst. Auch wußte er zu reden vom Vieh, von 
Vögeln, von Gewürmen und Fischen. Und es kamen aus allen 
Völkern Könige und gelehrte Leute, die von seiner Weisheit gehört 
hatten, sic zu erproben und von ihm zu lernen; besonders aber ge 
reichte sie seinem Volke zum Heil: denn er richtet« über Verbrechen 
und Streitende mit Gerechtigkeit und Milde. 
Was die Pfleger des Rechts im Lande nicht entscheide« und
        
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