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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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in welchen schon häufige politische Zuckungen die nahe Entwickelung 
deS Krieges gegen die Franzosen vorbereiteten) unterworfen war. 
Die Verfassung eines Landmanns damaliger Zeit war nicht eben die 
glücklichste; das Land, oder vielmehr der Hof, bedurfte viel, in de» 
immer offene» Schoost der Günstlinge des Königs und der Königin 
ergossen sich die reichsten Quellen des Reichs, und die Menge der 
Auflagen und Steuern drückte die Bewohner hart. Doch Eltern 
und Kindern bangte für jetzt nicht; Andalusiens ergiebiger Boden lie 
ferte ihnen bei unermüdckcr Thätigkeit, was sie brauchten, ihr kör 
perliches Wohlsein forderte, wovon sic ihre Abgaben entrichteten, und 
noch immer blieb ihnen etwas Weniges zurück, was zur Stärkung 
und Ergötzung ihnen gereichte. 
Wen» sie mit den vollen Säcken, die mit den wohlriechenden Ge- 
birgskräutern angefüllt waren, heimkehrten; wenn am Abend eines 
heißen Tages, an welchem eS ihnen recht sauer geworden, doch kein 
Ton des Murrens, nur der des Frohsinnsund derHcitcrket ihren Lippe» 
entquoll, sie auf dem sammetweichen Rasenstücke vor der Hütte mit 
sammen niedersaßen, das Spartumgras, das sie geschnitten, zu künst 
lichen Matte» aneinanderfügten, und die Klänge erhebender Lieder, 
wie gaukelnde Schmetterlinge um Blumen, hin und herzogen: dann 
hob der Eltern Brust sich höher und freudiger, Dank gegen Gott 
durchdrang ihre Herzen, und sie neideten nicht die glänzenden Reich 
thümer, nicht die stolze Pracht des reichen Sennor, welchem das 
Dorf und die ansehnlichen Ländereien rings umher gehörte». 
Ja, der Zufriedene hat immer genug! Wenn der reiche Miß 
günstige um ihn her, mitten unter allen seinen Schätzen sich elend 
und unglücklich fühlt; wenn nichts, auch nicht das Beste und Glän 
zendste ihn befriedige» und seiner Lippe eine» Ton des Beifalls ent 
locken kann: o, auch bei dem Kleinsten ist jener heiter, auch das Un 
bedeutendste erhebt ihn, und dankend und preisend feiert er jeden 
Tag als einen Theil seines Glückes für die Ewigkeit! 
Der Alcade des Dorfes, zu welchem die Familie gehörte, ein 
herber, strenger Mann voll rauher Grundsätze, nur dem Vortheil 
seines gnädigen Gebieters ergeben, hatte eine Tochter, LiSbetha, die 
ganz das Gegentheil von ihrem Vater war. Schön und sittig, der 
thaubepcrltcn Rosenblüthe ähnlich, blühete die Jungfrau zur Freude 
aller derjenigen, welche ein Wohlgefallen an Tugend und Schönheit 
hatten, empor, und der musterhafte Fleiß, die angestrengte Thätigkeit, 
mit welcher sie ihre Geschäfte betrieb, die Demuth und Bescheiden 
heit, die aus ihrem ganzen Thun und Leben sprach, erwarben und 
sicherten ihr die Liebe und Achtung eines Jeden, welcher sic kennen 
lernte. Was Wunder also, wenn auch die beiden Jünglinge um 
ihre Gunst sich bewarben? Dies durfte aber nur ins Geheim ge 
schehen, denn der Alcade wollte für sein Kind einen vermögenden 
freier haben, nicht aber einen so dürftigen, als die beiden Jünglinge 
waren. Dennoch gelang cS dem kräftigen, niuthigen Rodrigo, (wie 
wohl Miguels sanftes Herz ganz an LiSbetha hing) der Jungfrau
        
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