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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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heilsamer schien für das Wohl des Ganzen, achtete der Mahnung 
nicht; sondern da Absalon mit seinem Heer geschlagen war, verfolgte 
er ihn auf Tod und Leben. Und der Jüngling flöhe durch einen 
Eichenwald, da" verlor er den Helm, und blieb mit seinen lang wal 
lenden Haaren in den Zweigen eines Baumes hangen, und sein 
Maulthier lief unter ihm fort. Als Joab ihn also fand, zwischen 
Himmel und Erde schwebend, stach er ihm den Spieß durchs Herz; 
und die Freudenkunde vom Siege kam zum Vater zugleich mit der 
Traucrpost über den Tod des Sohnes. Schmerzlicher ergriff ihn 
diese als jene freudig, und mehrere Tage seufzte er: O Absalon, 
mein Sohn, mein Sohn! Wollte Gott, ich hätte statt deiner ster 
ben können. 
Doch dies war noch der letzte Schmerz nickt, den er zu dul 
den hatte. Der abwendig gemachte Theil des-Volkes w^gerke sich 
noch, ihn wieder anzuerkennen, und ein neuer Rädelsführer mußte 
erst besiegt sein, ehe David das ganze Land wieder unter fei 
nem Scepter vereinigt sah. Und dies Land hatte hernach noch uian- 
che Plagen zu erdulden, die des Königs Herz schwer trafen, daß der 
Abend seines Lebens nicht heiter war, und er zuletzt fast mit Un- 
inuth, nur froh, erlöset zu werden, von der Welt ging. 
Sein Name bleibt als der eines trefflichen Königs, Weisen, 
Helden und Sängers. Seine Erscheinung muß uns erbaulich sei», 
und sei» Beispiel förderlich zur Heiligung: denn die Schrift nennt 
ihn einen Mann nach dem Herzen Gottes. Wenn wir auch 
schwere Vergehungen von ihm wissen, so hat kein Mensch sie schmerz 
licher bereut, und er war auf einen Ort in der Welt erhoben, de» 
steileAbgründe umgeben. So hoch er stand in seines Gottes Gnade, 
so angesehen und mächtig er war vor den Menschen: so ist er doch 
überall von Herzen demüthig erfunden worden, und der Herr ist 
den Demüthigen nahe und gnädig. 
A. Merzet. 
Das Opfer der Bruderliebe; 
Erzählung (aus einer künftig erscheinenden Sammlung.) 
In einer der reizendsten Gegenden Spaniens, da wo der Masten- 
tragendc Guadalguivir seine Silbcrwoge» dem unermeßlichen Wasserbett 
des alten Ocean zusendet, südlich von Estremadura und Neucastilien, 
nordwärts von den hohen, uncrsteiglichen Gcbirgsmauern der Sierra 
Morena umgaben, lebte still und unbemerkt, aber nur um so glück 
licher, weil das wahre Glück gern die Stille sucht und die Verbor 
genheit liebt, in niedrer, ländlicher Hütte eine Familie, welche aus 
Vater, Mutter und zwei Söhnen, Roderigo und Miguel, bestand. 
Die Gegend, ein lachendes Paradies, in der Fülle aller nur mögli 
chen Erzeugnisse der verschwenderische» Natur, deren größter Theil 
freilich dem schwelgerischen Despotismus strenger Gebieter und Zwing-
        
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