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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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Prophet erwiederte: Du bist der Mann! Hat dir der Herr nicht 
ganz Israel und Juda gegeben, und seine ledigen Töchter kannst du 
dir zu Weibern nehmen; aber du läßt einen unschuldige» Mann er 
schlagen von Feindes Hand, um seine Frau zu bekommen. Da ging 
David in sich und ward von Herzen betrübt, und es gereuete ihn 
sehr, was er gethan hatte. Vor dem Herrn ergoß er sein Herz, 
und dichtete die Worte des schönen Büßliedes: 
Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, 
Und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit: 
Denn ich erkenne meine Missethat, 
Und meine Uebertrctung ist immer vor mir. 
Ln dir habe ich gesündigt und übel vor dir gethan, 
Und erkenne «unterst deine Gerechtigkeit. 
Entsüstdige mich wieder, daß ich rein werde; 
Wasche mich, daß ich schneeweiß werde. 
Schaffe in mir Gott ein reines -Herz, 
Und gieb mir einen neuen, gewissen Geist. 
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, 
UNd nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. 
Tröste mich wieder mit deiner Hülfe, 
Und dein freudiger Geist halle mich aufrecht. 
tPsalm si.) 
Der Herr selbst auch erinnerte den David schmerzlich an seine 
Sünde, da er das erste Kind ihm sterbe» ließ, welches Batbfeba 
gebar, das zweite aber, Solomo, machte ihm später eine Zeitlang 
Ehre und Freude. Aber ein anderer Sohn, Absalon, bereitete ihm 
großen Kummer. Mancherlei Ucbelthaten waren schon von ihm ge 
schehen, und David, als ein liebender Vater, hatte ihm verziehen: 
da empörte sich der Sohn gegen den König selbst. Durch verstellte 
Herablassung und aufdringliche Theilnahme suchte er dem David 
das Herz des Volkes zu stehlen, und als alles durch manche unru 
hige Mithelfer vorbereitet war, trat er an die Spitze eines offnen 
Aufruhrs und führte ein Heer gegen seinen Vater. Der alte Kö 
nig mlißte aus Jerusalem flüchten, und von wenige» Getreuen be 
gleitet, in bewährten Städten Schutz suchen; ja so hülsloß erscheint 
er in diesem Augenblick, daß ein schändlicher Unterthan es wagen 
durste, ihn auf dem Wege zu beschimpfe», und mit Steinen nach 
ihm zu werfen. Seine Begleiter wollten den Abscheulichen strafe», 
aber er verbot es, und hielt für eine verdiente Züchtigung, was al 
lerdings den Seinigcn ein Majestäsverbrcche» scheinen mußte. 
Bald fand er indeß Hülfe bei treuen Unterthanen, und ein 
Heer war gegen Absalon auf die Beine gebracht, das der Feldherr 
Joab anführte. Als es aufbrach gegen' die Empörer, sprach der 
König zu dem Führer: Fahre mir säuberlich mit dem Knaben 
Absalon; aber jener, dem hier die größte Strenge wohl mit recht
        
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