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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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nur von Schlangen und Wasserwürmer» und schädlichen Jnsecten 
lebt, und der daher von den alten Aegyptern göttlich verehrt wurde. 
Noch nützlicher als der Ibis ist der Ichneumon, ein graues vicr- 
füsiiges Thier mit langem Schwanz, das mit der größte» Kampf 
lust auf die giftigen Schlange» losspringt, ihnen den Kopf zerbeißt 
und sie dann auffrißt. Auch auf Ratten und Mäuse (wie viel cS 
deren hier giebt, sollt Ihr gleich hören) macht der Ichneumon 
Jagd; er vertilgt ferner die Eier des Krokodils, ja er tobtet sogar 
dieses furchtbare Thier selbst, indem er ihm in den Rache» läuft, 
die Eingeweide und den Magen ausfrißt, und dann wieder heraus 
kriecht. Da halte» sich dann viele Aegypter ei» Ichneumon als 
Hauethier, wie wir wohl eine Katze zur Vertilgung der Mäuse im 
Hause haben. Auch dieses Thier genoß bei den heidnischen Einwoh 
nern des Landes göttliche Verehrung. 
Um Euch nun einen Begriff von der Noth zu geben, welche 
die Aegypter durch das Ungeziefer auszustehen haben, will ich Euch 
eine Stelle aus einem Briefe mittheilen, den der französische Rei 
sende Mich au d vor vier Jahren auö Aegypten schrieb. Er sagt 
darin: 
Unser Fahrzeug bietet uns von den siebe» Plagen Aegyptens 
ein Modell im Kleinen dar. Alle Insekten, von denen wir im vo 
rigen Jahre auf dem Hcllespont gequält wurde», kommen auf dem 
Nil wieder zum Vorschein. Es ist kein Brett in unserem Schiffe, 
aus dem nicht tausende von Wanzen und anderem Ungeziefer her 
vorkröchen, um uns zu belagern und uns keinen Augenblick Ruhe 
zu lassen. Weder das reinigende Nilwasser, noch die zwanzig Mal 
am Tage wiederholten Waschungen, sind im Stande, uns dagegen 
zu verwahren. Als ich mich bei unserm Schiffsherrn darüber be 
klagte, erwiederte er: „Sie sind »och sehr glücklich, daß die Mük- 
ken noch nicht angekommen sind; diese zeige» sich erst im Monat 
Juni. Dann kann man nicht den Mund öffne», ohne das Unge 
ziefer aufzuschnappen, und auch nicht ein Winkclchen auf der Haut 
bleibt von Stichen verschont." Wir müssen also schon mit unserm 
Leiden Geduld haben. Was aber von allen unseren Plagen daS 
schlimmste und ekelhafteste ist, das sind die Ratten und Mäuse. 
Wir hatten gar keine, als wir abfuhren; jetzt aber ist unser Schiff 
voll davon. So oft wir uns dem Ufer nähern, und das Schiff vor 
Anker liegt, ermangeln die Ratten nicht, die Seile hinaufzuklettern, 
und cs ist kein Dorf, aus dem wir nicht eine solche Kolonie erhiel 
ten. Diese Ratten tragen keine Scheu, am hellen Tage durch unsre 
Kajüte zu laufen, und während der Nacht springen sie uns auf 
dem Leibe umher; sic wissen besser als unser Koch, wo unsre Mund- 
vorräthe sich befinden. muß die Qualen empfinden, die die 
ses Gezücht verbreitet, um zu begreife», wie die alten Aegypter 
darauf kamen, die Katzen als Götter zu verehren. Wenn die Rat 
te» alles verschlungen "haben, was sie an Eßwaaren vorgefunden, 
so zernagen sic die Bretter des Schiffs. Kürzlich weckte uns eines
        
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