Path:

Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

223 
einmal zurückgekehrt, des Hundes Rücken liebkosend gestreichelt hatte, 
denselben seinem neuen Herrn. 
Ein halbes Jahr nach dieser Begebenheit geschahe es, daß Mäk 
ler in seinen eignen Dienstvcrrichtungen und Handelsgeschäften eine 
weite Reise in die entferntesten Gegenden der Monarchie machen mußte, 
auf welcher er eine sehr ansehnliche Summe Geldes mit sich führte. 
Er kam, nach zwei zurückgelegten Tagemärschen gegen Abend'in ei 
ner, ziemlich einsam gelegenen Schenke an, in welcher er, da die 
Stadt noch zu weit entfernt lag, übernachten wollte. 
Der ganze Ort, das Haus, die Gestalt des Wirthes (den er, 
er wußte nicht wo? schon einmal gesehen habe» mußte), alle? kam 
ihm so unheimlich und verdächtig vor, daß er bei sich beschloß, auf 
seiner Hut zu sein und sei» Leben so tbcuer als möglich zu verkau 
fen. Er aß von dem ihm vorgesetzten Essen fast nichts, als ein we 
nig Brod, unter dem Vorwände, daß er nicht wohl sei, auch der 
Ruhe bedürfe, um morgen mit dem Früheste» wieder auf zu sein, 
und seine Reise weiter fortzusetzen. 
Als er nun allein war. untersuchte er sorgfältig die Beschaffen 
heit der Thür, bei welcher er, leider! wahrnahm: wie sie weder von 
außen, noch von innen verschlossen oder verriegelt werden konnte. Die 
eben so schlechten Fenster gingen zwar auf die Landstraße hinaus, 
doch schien ihm, im Falle eines Angriffs, von daher wenig oder gar 
keine Hülfe zukommen zu können, weil die Gegend so sehr öde und 
einsam war. 
Dennoch vertraute er auf den Beistand des Höchsten, der aus 
mancher Noth ihm und den Seinigcn schon geholfen, und beschloß 
ruhig und gefaßt die Stunde der Mitternacht zu erwarten. 
Vorher aber trat er zu dem ihm bestimmten Bette, nahm das 
darin befindliche leichte Kopfkissen in die Höbe, machte daraus eine 
Art Puppe und legte solche darnach zugedeckt in die Lage eines Schla 
fenden. Er selbst trat, mit seinem Taschenmesser bewehrt, auf die 
Seite »eben der Thür, wo er, wenn diese geöffnet ward, nicht so 
gleich bemerkt werde» konnte. Richtig vernahm auch, als die Nacht 
bereits angebrochen war, sein aufmerksam lauschendes Ohr draußen 
vor der Thür die leisen, vorsichtigen Tritte eines sich nahenden Men 
schen, von einem, wie es ihm ebenfalls schien, diesen begleitenden 
Hund gefolgt; zugleich ward auch kurz darnach die Thür mit eben 
der leisen vorsichtigen Weise geöffnet, und eine männliche Gestalt lehnte 
sich herein, legte auf die im Bett befindliche Puppe eine Flinte an 
und schoß auf dieselbe. 
In diesem Augenblick trat Mäkler aus seinem Verstecke schnell 
hervor und packte mit starken Armen den mörderischen Wirth an, 
ehe dieser »och Zeit hatte, seine ihm entfallene Flinte wieder zu er 
greife» und zu laden. 
Der Kampf zwischen beiden Männern war furchtbar und wäre, 
da des Wirthes Ruf seine» großen Hund gegen Mäkler hetzte, ohn- 
streitig zu des Schlächters Nachtheil ausgefallen, hätte sich nicht auf
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.