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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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Da flöhe David aus SaulS Nähe, und des Königs eigne Kin 
der vcrhalfen ihm dazu, denn sie liebten den Jüngling: JonathanS 
Her;, des Sohnes von Saul, hakte sich mit ihm zu inniger Freund 
schaft verbunden, und Michal, des Königs Tochter, war seine Ge- 
mahlin geworden, aus eigner Neigung, und weil sie der Vater dem 
Sieger über Goliath versprochen hatte. Nun irrte David im Elend 
umher, fliehend vor Sauls Zorn, und Jonathan und Michal sagten 
ihm an, wenn der Vater Böses gegen "ihn beschlossen hatte. 
Auch a» David ist cs wahr geworden, daß cs ein köstliches 
Ding ist einem Manne, wenn er das Joch in seiner Jugend trägt, 
und er hat cS getragen mit großer Tugend. Eine kleine Schaar 
junger Männer "aus "Israel folgte ihm auf seiner Flucht, ihn zu ver 
theidigen, und sie lebten von den Gabe» derer, welche mit Hoffnung 
auf David sahen als ihren künftige» König, da sie von dem Miß- 
muth des zürnende» Saul viel zu erdulde» hatten. Der aber verfolgte 
seinen Nebenbuhler, wofür er ihn ansah, auf Wegen und Stegen, 
mit einem reisigen Haufen, und so kam cS, daß er einst mit seinen 
Mannen in derselben Bergschlucht Rast hielt, wo im Hintergründe 
auch David lag mit den Weinigen. 
Und Saul war eingeschlafen in der Hitze des TageS, und seine 
Gefährten mit ihm, da sagten die Freunde Davids cs diesem an 
und ricthen ihm, er solle den Feind todten, den Gott jetzt in seine 
Hand gegeben habe. Aber David sprach: DaS sei ferne, daß ich 
meine Hand legen sollte an den Gesalbten des Herrn. Gott wird 
ihm fei» Ziel setzen nach seinem Rathe. Und er ging leise hin zwi 
schen die schlafenden reisigen Männer, wo Saul lag, und schnitt ihm 
ein Stück von seinem Mantel ab, ohne daß er's merkte; ging dann 
hin auf die Höhe, bis der König erwachte, und zeigte ihm aus der 
Ferne die wundersame Beute. Da erschrak Saul, und ward sehr 
gerührt, weinte und sprach: Du bist gerechter als ich. Du hast mir 
Gutes erwiesen, ich aber habe dir Böses gethan. Der Herr hat 
mich in deine Hand gegeben und hast meiner gcschonct. Der Herr 
vergelte dir Gutes für diesen Tag. Und siche, ich weiß, daß du 
König werden wirst: so schwöre mir nur, daß du meine Nachkom 
men nicht ausrotten willst; und David schwur. Darauf zog Saul 
heim und hatte sich »och nicht ausgesöhnt mit David, dieser daher 
ging wieder in die Wüste, und wohnte daselbst mit seinen Beglei 
tern in einer Burg an der Grenze der Philister. 
Von dort bekriegte er die Feinde seines Volkes und that ihnen 
Abbruch an ihren Grenzen, so sich Dank verdienend um Israel, wäh 
rend der König ihn noch immer verfolgte. Aber es entstand ein 
neuer, schwerer Krieg mit den Philistern, und Saul führte daS Hcer 
der Israeliten gegen sie, doch nicht mit der früheren Kraft und Ein 
sicht: denn Freudigkeit und Muth waren von ihm gewichen, seitdem 
er dem Rathe Gottes und Samuels nicht mehr folgte, und den Da 
vid anfeindete. Darum siegten die Philister in großer Schlacht, das 
Heer Israels ward geschlagen und flöhe von allen Seiten, und nun
        
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