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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

Berliner 
Mtnder-rMoeyenvlslt 
JW 28. Jahrgang V. 1836. 
Urhartrur A. Merzet. Verleger George Gropius. 
Saul und David. 
Es ist eine der lieblichsten Geschichten im alten Testament, die 
ich setzt erzählen will, betrübend zwar durch die Schwermut!) und 
Hartherzigkeit Sauls, aber sehr erfreulich, weil David so gelassen 
und freundlich, so muthig und doch so demüthig sich zeigt. 
Samuel salbte ihn, weil Saul nicht mehr dem Rathe Gottes 
folgen wollte, zum Könige, als er kaum aus dem Knabenalter getre 
ten war, wie man etwa die Kinder tauft, die doch erst später durch 
die Einsegnung in die vollen Rechte der Christen eintreten. 
Er war der Sohn eines Mannes Jsai aus der Landstadt Beth 
lehem, und hütete schon als Knabe die Heerde» seines Vaters. Auch 
später hat sich oft der Herr aus den Hirten seine ausgezeichnetsten 
Diener und Helden erwählt, wie ja auch Moses bei den Heerden 
weilte, ehe er das Volk Israel zu führen bekam. Denn cs'ist ein 
frommes Geschäft, die zahmen Thiere zu weiden, wobei man 
Muße hat, die Größe Gottes in der Natur zu betrachte», und man 
che Gelegenheit, die Kraft der Seele und des Armes zu üben in 
der Vertheidigung der Heerde» gegen reißende Thiere u»d Räuber. 
So hatte auch David einen Löwe» und Bären erlegt, ehe er beru 
fen ward, gegen die Feinde Israels in den Krieg zu ziehen. Daß 
er dies aber vermochte als Führer des Volks und König, dazu lei 
tete Gott ihn auf folgende Weise an. 
Das heilige Ocl der Salbung war schon auf seine IünglingS- 
locken auSgegossen, da wurde Saul oft geplagt von einem bösen Gei 
ste der Schwermuth, denn er fühlte sich von dem Herrn verlassen. 
Und seine Diener, die es schlimm bei ihm hatten in solchen Zeiten, 
baten ihn, daß er einen jungen Mann sich erwählen möchte, der schön 
zu spielen verstände aufdcrHarfe und zu singcndazu, derwürde sein trau 
riges Gemüth erheitern. David aber war ein solcher Mann, und wurde 
vor den König geführt, der sich erquickt fühlte durch seine anmuthige 
Kunst, und ihn lieb gewann, so daß er ihn zu seinem Waffenträger 
machte, und David lernte die Sitte eines königlichen Hofes kennen. 
Doch als ei» Krieg ausbrach gegen die Philister, ging er heim zu
        
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