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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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wollten, und sandten Boten an die Stämme von Israel, ob keiner 
wäre, der ihnen zu Hülfe kommen möchte: denn das Volk stand 
nicht für Eine» Mann, sondern sie überließen die Brüder, die be 
siegt waren, ihrem Schicksale. 
Aber die Boten kamen zu Saul, dem erwählten Könige, und 
trafen ihn, da er eben vom Felde heimkehrte mit de» Rindern, die 
seinen Pstug gezogen hatte». Und da er das Unglück von Jabes 
hörte, und wie die Stämme Israels nicht helfen wollten, da gericth 
der Geist des Herrn über ihn, und im großen Eifer schlachtete und 
zerstückelte er seine Ochsen, und sandte die Stücke umher im Lande 
und ließ sagen: Wer nicht mit ausziehet gegen den Feind, Saul 
und Samuel nach, deß Rindern soll inan ebenso thun. 
Da sing das Volk an sich vor seinem Könige zu fürchte», und 
sie traten zusammen zu einem gewaltigen Heer, daß Saul die Bo 
ten mit gutem Trost nach Jabes zurücksende» konnte, und er selbst 
zog nach mit der schnell gerüsteten Schaar, und besiegte die Ammoni- 
ter in einer großen Schlacht, also daß die bedrängte Stadt gerettet 
wurde, und die Ammoniter überwunden und zerstreut, daß nicht zwei 
bei einander blieben. Da war große Freude in Israel; man lobte 
und segnete den König, und seine Freunde verlangte», daß nun die 
gestraft werden sollten, welche ihn zuvor nicht hatten anerkennen 
wollen. Saul aber sprach: Es soll diesen Tag niemand sterben oder 
sonst gekränkt werden; denn der Herr hat heute Heil gegeben in 
Israel. 
So hatte er sich kräftig und milde erwiesen, beides zur rechten 
Zeit, und auch dem weisen Samuel seine Ehre gegeben: darum legte 
nun dieser feierlich sei» Richteramt nieder und übertrug cs auf den 
König; nur die hohepriestcrliche Würde behielt er sich vor, und daß 
er Rath geben wollte in allem, wo Gott gefragt werde» müsse. 
Denn Saul war nur ein Mann zu muthigcr That, aber Rath 
und Uebcrlegung war wenig bei ihm. Darum regierte er glücklich, 
so lange er der Leitung Samuels und Gottes folgte; aber erfühlte 
sich verlasse» und verworfen, da er seines Herzens Neigungen und 
Gedanken allein nachhing. Seine Beschlüsse waren rasch, aber auch 
oft übereilt. 
Er hatte eine» trefflichen tapferen Sohn Namens Jonathan. 
Der brach einst allein mit seinem Waffenträger früh Morgens in 
das Lager der »och schlafende» Philister ein, und beide tödteten ih 
rer viele, und brachten eine solche Verwirrung unter das Heer, daß 
es sich zerstreute und die einzelnen Haufen hichin und dorthin flohen. 
Das sahe Saul mit den Seine», die gegen die Philister im Felde 
standen, und sie jagten ihnen nach, sie ganz aufzureiben; aber die 
Erschreckten sammelten sich wieder und hielten Stand, bald hier bald 
dort in Wald und Feld. Aber Saul wollte nicht ablassen vom 
Kampfe, bis die Feinde vernichtet wären; darum gab er den Be- 
fehl: keiner aus feinem Heere sollte Speise zu sich nehmen, bi« die 
Feinde ganz aus dem Felde geschlagen und getödtet wären, wenig
        
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