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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

Berliner 
LLmdct-LStorhettvl.rtt 
J\i 3. Jahrgang V. 1836. 
Redacteur A. Merzet. Verleger George Gropius. 
Aegypten's Plagen und merkwürdige Thiere. 
Gewiß habt Ihr, meine jungen Freunde, als ich Euch im vo 
rigen Blatte von den Merkwürdigkeiten der Aegyptischen Natur er 
zählte, jenes Land mit unserm lieben Deutschland verglichen. Da 
werdet Ihr denn wohl gefunden haben, daß cs bei uns doch besser 
ist, als in jenen Gegenden des UeberfluffeS. Ich will gar nicht 
von der traurigen Jahreszeit rede», wo ganz Aegypten unter der 
furchtbaren Dürre schmachtet, wo die Menschen kaum die Hitze der 
strahlenden Sonne ertragen, wo nur einzelne Bäume auf dem stau 
bigen, von allen Gräsern und Blumen entblößten Erdboden zu er 
blicke» sind. Aber selbst im Winter, der lieblichsten Jahreszeit für 
dieses Land, sieht man überall dieselben Gegenstände, ohne die Ab 
wechselung von Bergen und Thaler», von Wiesen und Feldern und 
Gärten. Der Himmel ist, wie ich schon angedeutet habe, eben so 
eintönig. Die Luft hat das ganze Jahr hindurch dieselbe hellblaue, 
fast weiße Farbe und einen Glanz, den das Auge nur mit Schmer 
zen erträgt. 
Dennoch wäre Aegypten eins der glücklichsten Länder der Erde, 
wenn cs nicht von einigen furchtbaren Plagen heimgesucht würde. 
Ihr habt wohl Alle schon von der schrecklichen Krankheit gehört, 
welche man die Pest nennt. Die wüthet fast in jedem Jahre in 
Aegypten, und grade in derjenigen Jahreszeit, die wir als die an 
genehmste kennen gelernt haben, ich meine die nach der Uebcrsehwem« 
mung. Nur ein geringer Theil derer, welche von der Pest befal 
len werden, kommt mit dem Leben davon; ja manche Stadt hat 
in einem Jahre den dritte» Tbeil ihrer Einwohner durch diese an 
steckende Krankheit verloren. Eine andre nicht weniger furchtbare 
Plage trifft das Land im März und April. Da stellt sich nämlich 
der vcrheereirde Wind ein, welchen man Chamfi» oder Samum 
nennt, und der aus der Wüste herüberweht. Dann trübt sich der 
sonst reine Himmel, die Sonne verliert ihren Glanz und sicht wie 
eine violette Scheibe aus. Die Luft scheint mit einem feinen, über 
all durchdringenden Staub angefüllt zu sein. Eine glühende Hitze, 
gleich der, welche aus einem Schmelzofen ausströmt, versengt die 
Pflanzen, und verursacht einen solchen Schmerz, daß man glaubt,
        
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