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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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womit auf einige Zeit wenigstens, ihrem dringendsten Bedürfniß ab 
zuhelfen war. 
Es ist Astes, was ich mitbringe! seufzte Andreas und wagte 
kaum die Seinen anzufehn, um nicht dem Ausbruch ihrer Verzweif 
lung zu begegnen. Zeder hat zum Feste fein Rind oder Schwein 
eingefchlachtet und morgen, wo ich doch nicht wieder abkommen kann, 
bringen die Andern noch Fische genug zu Kauf. 
Nun Gott wird ja helfen und ein andermal bessern Segen ge 
ben! tröstete der Alte; die arme Mutter aber sah so ergeben und 
zugleich so schmerzlich flehend zu diesem allmächtigen Helfer empor, 
daß Andrea« mehr wie durch laute Klagen, von diesem stummen 
Schmerz ergriffen ward und immer verzweiflungSvvUer die Liefen 
feines Elendes überschaute. 
Seit der Vater, welcher früher rüstig zum Unterhalt der Fa 
milie beitrug, von einer Krankheit befallen ward, die beständig ärzt 
liche Hülfe und theure Arzneien erforderte, kehrten Noth und Man 
gel in der, zwar nie durch Wohlleben, aber vormalö doch durch Ge 
sundheit, wie durch Liebe und Frömmigkeit beglückten Familie ein, 
und als nun auch Elisabeth nicht länger den Anstrengungen ihres 
Gatte» zu Hülfe kommen konnte, hatte dieser traurige Zustand sei 
nen höchsten Gipfel erreicht. 
Nachdem Andreas die Schmachtenden gesättigt, und die wich 
tigsten Geschäfte des Haushalts besorgt hatte, warf er sich schweigend 
in einen Winkel nieder und ließ seinen düsteren Gedanken freien 
Laus. die zunehmende Finsterniß sagte seiner Stimmung am besten 
zu; — in ihrem dichten Schleier konnte er die Thränen verhüllen, 
die, seltne Gäste bei dem kräftigen Manne, dennoch in dieser bangen 
Stunde das Einzige waren, was noch ein wenig sein beklommenes 
Herz erleichterte. Auch der Greis und Elisabeth hinge» still ihren 
Gefühlen nach, bis die Kinder, nachdem sie ihr dürftiges Bespcrbrod 
verzehrt hatten, durch neue Wünsche und Forderungen diese trübe 
Ruhe unterbrachen, indem Eins nach dem Andern fragte: ob denn 
heute gar kein Licht angezündet werde, die Lampe stehe ja längst 
auf dem Tisch. 
Andreas wußte dies wohl und konnte dennoch die Bitte der 
Kleinen nicht erfüllen. Er hatte Oel mit aus der Stadt bringen 
sollen, aber ach, seine Einnahme reichte kaum zum Kauf des Brode- 
hin; nicht einmal das Pfund Fleisch, wovon er dem kranken Greise 
und der schwachen Frau so gern einen FcstschmauS bereitet hätte, 
konnte der Aermste aufbringen. 
O ich bin der elendeste Mensch auf der ganzen Welt, rief er 
jetzt mit herzzerreißendem Tone, ich kann nicht mehr helfen, ich muß, 
ich muß verzagen! — Sohn, Sohn versündige dich nicht, fiel ihm 
der Greis in's Wort. Sollte Gott, der uns 'so lange gnädig war, 
nicht auch künftig helfen und trösten könne»? Wirf nicht 'deinen 
Glaube», dein Vertrauen hin. Sieh mir war vorhin auch bange 
um'S Herz» doch seid uns Georg aus der alten Postille da ein Stück
        
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