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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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fielen von Jehovah und den Götzen der Heiden sich hingaben, sie an 
zubeten mit üppigem, ausschweifendem Dienst: so verloren sie den 
Halt- und Mittelpunkt ihres Volkslebens, und wurden ei» Raub 
der Feinde. Mehr und deutlicher als an irgend einem Geschlechte der 
Welt will Gott in der Geschichte Israels u»S zeigen, daß Gerech 
tigkeit ei» Volk erhöhe, die Sünde aber der Leute Verderben sei. 
Das hatte Moses den Seinigen noch vorgehalten, und darauf 
machte er die nöthigen Verordnungen über die Eroberung CanaanS, 
und wie die dreizehn Stämme im Lande wohnen sollten, jeder in sei 
nem Theile; die Leviten aber, der Priesterstamm, vertheilt unter den 
übrigen. Dann setzte er den Josua zu seinem Nachfolger ein, der 
sollte die Kinder Israel über de» Jordan führen, an die Feinde, und 
siegreich in ihre Städte; und nun segnete er das ganze Volk mit 
Thränen und emporgehobenen Händen, und bereitete sich dann auf 
fein Ende. 
Jenseit des Jordan von Canaan aus liegt der Stadt Jericho 
gegenüber ein hoher Berg, Nebo mit Namen; auf den stieg Moses 
»ach Gottes Befehl, das schöne Land der Verheißung noch mit ei 
nem scheidenden Blicke zu überschauen. Er war hundert und zwan 
zig Jahre alt; seine Auge» waren nicht dunkel geworden, und seine 
Kraft war nicht verfallen, und jetzt öffnete und erweiterte Gott sei 
nen Blick über de» schönsten Strich CanaanS, dessen Auen in man- 
nichfaltiger Abwechselung sich vor ihm ausbreiteten. Da erhoben sich 
Berge mit majestätischen Cedern bewachsen, prächtige Laubwälder 
spiegelten sich in den ruhigen Wassern der Seen, deren Ufer mit 
grünenden Rebenhügeln umkränzt waren; klar und lieblich schlängelten 
sich die Wogen des Jordan am Fuße der Berge und durch lachende 
Ebenen dahin, wo auf de» frischen blumigen Wiesen die schönsten 
Hecrdcn weideten. 
Mit herzliche» Dankgebeten, daß Gott ihm diesen Anblick »och 
vergönnt habe, schaute sein frommer Knecht grade vor sich auf die 
schöne Stadt Jericho, in deren Umgebungen prächtige Palmenhaine 
und blühende Rosengärten seinen Blick ergötzten. Da lag auch nicht 
fern der Hain Mamre, wo Abraham seine ersten Hütten in Canaan 
gehabt hatte; dort waren die Weideplätze, wo die frommen Erzväter 
alle drei gewandelt hatten, Gottes Offenbarungen vernommen und 
gebetet hatten mit lebendigem Gefühl der Erhörung. Alle die wun 
derbaren und erbaulichen Geschichten, welche seine Mutter ihm er 
wählt hatte, waren hier geschehen, und die Oerter, deren Namen sie 
ihm dabei genannt, kamen ihm schöner vor jetzt in der Wirklichkeit, 
als sie selbst in seinen Jugendträumen sich ihm dargestellt hatten. 
Wae dort der Herr seinen Vätern verheiße» hatte, das sollte nun 
in Erfüllung gehe», die Kinder Israel sollten das Land in Besitz 
nehmen, wo Milch und Wein und Honig floß. Und wie gnädig, 
gewaltig und wunderbar hatte sie der Herr bis hierher geführt. 
Wie hatte er ihm, dem Moses, Hand und Herz gestärkt, das'schwere
        
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