Path:

Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

174 
einem spitzen Aufsätze. Die ersten Waffen dieser Art wurden zu Da 
yonne, einer Stadt im südwestlichen Frankreich verfertigt; daher der 
Name derselbe» Bajonnett (Flintenspieß, Flintendolch). Das Füsi 
lier-Regiment, das Ludwig XIV. im Jahre 1670 errichtete, bekam 
zuerst Bajonette; sie wäre» kurz und stark, die jetzigen sind länger 
und so eingerichtet, daß sie auch während des AbfcuernS auf dem Ge 
wehre stecken bleiben können. 
Bei dem Fußvolke wird ei» Regiment in mehrere Schlachthaufen 
(Bataillone, v. bataille, battre) und diese in mehrere Schaarc» (Com 
pagnien) getheilt. Der untere Befehlshaber einer Schaar ist der Rot 
ten- oder Zugführer (Lieutenant, lieulenant, d. i. Statthalter), der 
obere Anführer mehrerer Regimenter oder eines Heeres ist der Gene 
ral oder Marschall. Man leitet dieses Wort von Mar, Mähre, d. 
i. Roß, und Schalk d. i. Diener ab. Früher bedeutete es Stallmei 
ster eines großen Herrn, jetzt ist es einer der höchste» Titel. Jeder 
Schlachthaufe bat eine Fahne, bei der die Soldaten schwören müssen, 
sie nicht zu verlassen und treu zu kämpfen. In der Vorzeit knüpf 
ten die Deutsche» ein Band an eine Fahne, welche der Herzog vor 
dem Heere hertrug. Von diesem Bande soll das Wort Fahne ent 
standen sein, indem aus Band Ban, Zahn entstanden sei; woher auch 
Banderian, ein Banner, Pannier stammt. Die Römer führten einen Adler 
auf einer Stange. Die Trommeln und das Horn lernten die Eu 
ropäer, so wie auch die frühere Sitte das Pferd zu bepanzern, von 
den Saracenen in den Kreuzzügen kennen. So wie auch die Janit- 
scharen- Musik von den Türken angenommen ist.— Stehen die Sol 
daten im Lager oder liegen sie in einer Stadt einquartiert, so weckt 
sie die Morgentrommel, und auch deS Abends wird ihnen durch den 
Trommelschlag angezeigt, sich in ihr Quartier zu begeben. Man nennt 
dieses letztere Zeichen den Zapfenstreich; dies Wort stammt näm 
lich daher: wenn die Soldaten ehemals i» Zelten im Bivouac (von 
biwaken, Beiwacht) lagen, so wurde des Abends den Feldkrämern 
(Marquetcndern) ein Zeichen mit der Trommel gegeben, den Zapfen 
in's Faß zu schlagen und den Soldaten nichts mehr zu verkaufen. 
Vor dem Gebrauch der Handgcwebre im Kriege, waren das ei 
gentlich erste Geschütz große Mörser, um Steine und Kugeln gegen 
die Mauern der Festungen zu werfen; sie wurden auch Bombarden 
oder Donnerbüchsen genannt. Zu den Kanonen (v. Kanon, Röhre), 
woraus eiserne Kugeln oder Kartätschen geschossen wurden, bedient 
man sich einer Mischung von Kupfer, Zinn re, des Stückgutes, wo 
raus sie gegossen und dann ausgebohrt werden. Gustav Adolph König 
von Schweden, hatte im dreißigjährigen Kriege auch lederne Kano 
nen. Ungeachtet die ältere» Kanonen wegen ihrer Schwere und ih 
rer geringen Wirkung sehr unvollkommen waren, so verbreitete sich 
das grobe Geschütz doch sehr schnell. Zu Anfange deS 15. Jahrhun 
derts waren fast alle Länder Europa'-, Rusland ausgenommen, wo 
man erst 1475 die Kunst, Kanone» zu gießen, lernte, damit versehen; 
Eines jener früheren unbehülflichen Geschütze war die faule Grete,
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.