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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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D i e Waffen. 
(Beschluß) 
Nach einer alten Bewaffnung theilt man die Infanterie in Gre 
nadiere, Musketiere, und Füsiliere. Die Grenadiere oder Granaten 
werfer daben diesen Namen, weil sie ehemals kleine mit Pulver ge 
füllte Granaten anbrenne» und unter die Feinde werfen mußte»; 
jetzt werden größere Granaten aus Haubitzen geschossen. Die 
jetzigen Grenadiere trage» nur noch das Bild eiucr Granate an den 
Huten oder Pakronkaschen. Die ersten tragbaren Fcucrgewehre wur 
den durch eine Lunte abgeschossen; daher waren vordem zum Schie 
ßen zwei Personen nöthig; die eine zielte und die andere zündete. 
Darauf schrob man an das Gewehr eine» Kiesel oder Feuerstein, und 
brachte vor demselben ein stählernes Rad an, welches mit einem be 
sondere» Schlüssel gestellt und ausgezogen wurde, und das durch die 
schnelle Reibung an dem Feuerstein Funken gab und diese in die 
Fanne warf. Dies ist das sogenannte Deutsche oder Nürnberger 
Feuerschloß. DaS jetzige oder französische Schloß welches die Fran 
zosen nur in der Folge verbesserten, ist eine Erfindung der Deutschen 
aus dem 16ten Jahrhunderte. Bei jeder Verbesserung erhielten die 
Fcuergewebre auch andere Namen. Eine schwere Art Gewehre hieß 
.Hackenbüchse (Jtaqucbouse, Arquebouse von Arc-bouse), welche auf 
einem Bocke ruhte; diese ist ebenfalls eine Erfindung der Deutschen. 
Von diesem Worte stanime» die veralteten Wörter: arqucbousircn 
d. h. erschießen; Arqucbousirer d. h. Schutze; auch nannte der Er 
finder desbalb das Schußwundenwasser Arquebousade. Das folgende 
Handschießgewedr war die Muskete; diese hat de» Namen von Mu- 
chetus, d. i. ein Hahn und zwar der eines Sperbers, und wurde 
wahrscheinlich so genannt »ach dem zncrst angebrachten Hahne. Der 
Herzog Alba führte in den Niederlanden bei seinen Kricgsleuten die 
Musketen ein, die schon mit einem stählerne» Rade versehen waren. 
Bon diesen Musketen wurden die Truppen Musketiers genannt, im 
Gegensatz zu denen, die nur Lanzen oder Hellebarde» (Helmbarten, 
eine Barte mit einem Helme) führten. Als man das französische 
Schloß erfand, so »ahm inan statt des gewöhnlichen Feuersteins eine 
besondere Art Feuer- oder Hornstein, der im Deutschen wie in andern 
Sprachen VlynS oder FljnS hieß. Von dem Namen dieses Steines 
legte man der Muskete den Namen Flinte bei. Die ersten Solda 
ten welche in Frankreich damit von Ludniig XIV. bewaffnet wurden, 
hieße» Füsiliere, welches von Füsil, d. h. Flinte stammt. DicFlinte» ka- 
men durchgehende an die Stelle der schweren Musketen und die Trup. 
pen, die sie führten, hießen Füsiliere, d. i. Flintner und gehören 
zu den leichten Truppen. Noch lange nach Erfindung des Schieß- 
gewchrö bediente sich das Fußvolk nur des Sabel« im Handgemenge. 
Dadurch war dasselbe wenig gegen die Angriffe der Reiterei'und der 
Lanzenträger gesichert. Dian sann also darauf, wie man diesem Man. 
grl abhelfen könnte, und versah zu dem Ende das Schießgewehr mit
        
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