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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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Oie Jüdischen Feste. 
Die Israeliten feiern noch heute den siebenten Tag der Woche, 
den Soniiabcnd, als ihren Sabbath, Feier- und Ruhetag. Da thun 
sie kenie Art von Arbeit. Früher hielten sie auch den Tag des 
neuen Mondes heilig, als den Anfang eines neuen Monats. Ihre 
hohen Feste sind: Ostern, Pfingsten, der Versöhnungstag und daS 
Laubküttenfest; andere wurden für spätere geschichtliche Begebenhei 
ten zum Gedächtnis! eingesetzt: so das Purim oder HamanSfest. 
Das Osterfest wird bei ihnen Passah genannt, das heißt Vor 
übergang: denn sie feiern cS zum Andenken an die Nacht des 
Auszuges aus Aegypten, wo der TodcSengel an ihren Hütten vor 
überging und die ägyptische Erstgeburt schlug. 
Moses gebot ihnen, daS Passah folgendermaßen zu begehen: 
Die Hauptftier fand schon vor dem eigentlichen Feste statt; wir wür- 
den sagen am heiligen Abend, doch müßten wir bedenken, das weil 
die Morgenländer den Tag mit dem Abend beginnen, zwischen dem 
Passahmahl und dem erste» Feiertag noch ein Tag verging. Wenn 
mit einem Sonnenuntergange also der erste Feiertag begann, so wurde 
am Abend vorher das Passahmahl gehalten. Ein Lamm wurde ge 
schlachtet und gebraten, jede Familie besonders versammelte sich zum 
Genusse desselben; wo aber nicht Mitglieder genug waren, um ein 
Lamm ganz zu verzehren, da vereinigten sich mehrere Haushaltungen. 
Auf dem Tische standen außerdem ungesäuerte Kuchen und bittere 
Kräuter wie Sallat. Die Feiernden standen um den Tisch in Rei 
sekleidern, mit Stäben in den Händen, und wenn so das Hauptge 
richt verzehrt war, brach der Hausvater das Brod, umwickelte die 
Stücke mit den bittern Kräutern, theilte die Bissen herum und sprach: 
„das ist das Brodt der Trübsal, das eure Väter in Aegypten geges 
sen haben." Hierauf reichte er einen Becher mit Wein herum, in 
den einige Tropfen von dem Safte der Kräuter geträufelt waren 
und sprach ähnliche Worte. Nun trat ein anwesender Knabe hervor und 
fragte: „Was ist das für ein Gebrauch, den wir heute begehen? 
und der Hausherr erzählte die Geschichte des Auszuges aus Aegyp 
ten: Das was die Art dieser Vorfeier auf Ostern. Acht Tage wa 
ren darauf geheiligt, und in diesen durfte kein anderes als ungesäu 
ertes Brod gegessen werden.. 
Sieben Wochen nach dem Passah fiel daS Pfingstfest, wie bei 
uns. Für die Juden war es ein Erndtcfefi zum Dank für die er 
sten gesammelten Fcldfrüchte, zugleich mit der Erinnerung an die 
Gesetzgebung auf Sinai. 
Das große VersöhnungSfest heißt jetzt bei den Juden die lange 
Nacht. Sie fasten da einen ganzen Tag, gedenken ihrer Sünden 
und bitten Gott um Vergebung derselben. Von Moses aber war 
für diese ernste Feier ein besonderer vorbildlicher Gebrauch angeord 
net. ES wurde» im Dorbofe der Stiftshütte, später im Tempel zu 
Jcrusaleni, zwei junge Böckchen dem Hohenpriester vorgeführt, auf
        
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