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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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lieben Kinder, die Thiere, die deßhalb starben, und meint: sie hatten 
es nicht verdient? Wie haben sie es denn verdient, daß sie getöd- 
trt werden zu unsrer Nahrung? Der geistige Nutzen, welchen die 
Mensche» im heiligen Alterthum von ihrem Sündopfer haben konn 
ten, ist wohl höher anzuschlagen als die leibliche Nahrung. 
Alles aber geschah bei und mit den Opfern zur stärkeren Er« 
Weckung der Gesinnung, die dabei zum Grunde liegen sollte: bei 
den Dankopfern die Dankbarkeit, bei denen zur Versöhnung die 
Reue. 
Und als der himmlische Vater die Menschen nun für reif hielt, 
daß ihr» Gesinnung und ihr Gefühl allein und von innen heraus 
stark genug sein könnte, sie zu seinem Throne zu führen, daß Ein 
doch in der Welt aufgerichtetes Zeichen sie lebhaft genug erwecken 
könne zu Lob und Buße: da sandte er seinen Sohn, Christum, des 
sen Geburt wir gefeiert haben zu Weihnachten; der ist gestorben 
für uns, und hat so den Opfern ein Ende gemacht; ja 
was der Opfer Schatten 
vorgebildet hatten, 
das ist nun erfüllt. 
Lieben Kinder, die Ankunft des Herrn Christus aus Erden 
wird der Mittelpunkt aller Geschichten sein, die ich Euch erzähle. 
Er ist gekommen, da die Zeit erfüllet war, d. h.: als alles das 
geschehen, was die Geschichte erzählt bis zu seiner Zeit. Nicht früher 
und nicht später kam er als grade da, und deßhalb ist die Kennt 
niß alter Weltbcgebenhciten auch nöthig, um ihn zu erkennen und 
seine Erscheinung, und sie lieb zu haben. 
Wie die Opfer geschahen. 
Herodot beschreibt ein Opfer bei den Acgyptern so: 
Sie führen das auserlesene reine Thier, Stier oder Schaaf, zu 
dem Altar, da sie opfern und zünden ein Feuer an. Sodann 
sprenAen sie daselbst Wein auf das Opferthier und rufen den Gott 
au, und nun schlachten sie's. Und wen» sie es geschlachtet haben, 
so schneiden sie den Kopf ab, und den Leib deS Thieres häuten sie, 
den Kopf aber verfluchen sie und verkaufen ihn auf dem Markt an 
Fremde, oder werfen ihn in den Fluß. Das Ausweiden und Ver 
brennen des Thieres ist verschieden je nach der Gottheit, der inan 
opfert.; für die Isis aber geschieht es auf diese Weise: Nachdem 
die Opfernden gefastet haben und gebetet, schlacht«, sie den Stier 
und ziehen ihm die Haut ab, und nehmen den Magen ganz heraus, 
die Eingeweide ober lassen sie in dem Leibe und das Fett; und 
schneide» die Schenkel ab und die Hüftknochen und die Schulter 
blätter und den Hals. Und wenn sie das gethan, fo fülle» sie den 
übrigen Leib des Stieres mit »einem Brod und Honig, mit Rosi- 
uen, mit Feigen, mit Weihrauch, mit Myrrhe» und anderm Räu- 
cherwerk. Und wenn sie ihn damit gefüllet, verbrennen sie ihn und
        
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