Path:

Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

Berliner 
U tnvcv-LSto tlj envlatt 
Jif 20. Jahrgang V. 1836. 
Redacteur Ä. Mergel. Verleger George Gropius. 
Die Gesetzgebung auf Sinai. 
Wohl brauchte ei» Volk wie das ungeduldige, verzagte, murrende 
Israel, das jetzt durch die Wüste zog, eines bindenden Gesetzes, das 
es fest halten sollte bei seinem Gott, und es unter einander verbin 
den in rechtschaffener Gerechtigkeit. Aber wir alle auch bedürfen ei 
nes solchen Spiegels, der uns zeigt, wie wir im Herzen beschaffen 
sind, eines Riegels, der unS abhält von sündigen Ausbrüchen gegen 
den Willen Gottes, und eines Siegels, das uns vollendet in der 
Erfüllung dieser Gebote. 
Darum im dritten Monate nach dem Auszuge der Kinder Israel 
aus Aegypten sprach Gott durch Moses zu ihnen: Ihr habt gesehn, 
was ich de» Aegyptern gethan habe, und wie ich euch getragen habe 
auf Adlersflügeln, und habe euch zu mir gebracht. Werdet ihr nun 
meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halte», so sollt ihr 
mein Eigenthum sein vor allen Völkern, wiewohl die ganze Erde 
mein ist. Und ihr sollt mir ein priesterlicheS Königreich und ein 
heiliges Volk sein. 
Nach dieser Verkündigung beschick Moses die ganze Gemeine 
Israel an den Fuß des Berges Sinai, und hieß sie in heiliger Scheu 
der Dinge warte», die am dritten Tage geschcben würden. Und 
als nun dieser anbrach, da lagerten sich schwere Wolken um die Gip 
fel des Berges, leuchtende Blitze durchzuckten sie vielfach, und der 
Donner rollte majestätisch um die Höben. Der Berg aber rauchte 
wie ein Ofen, und der Ton einer starken Posaune erscholl aus dem 
Dunkel. Da fiel alles Volk auf sein Antlitz nieder und betete, und 
MoseS stieg in heiliger Andacht hinauf auf den Berg, in das Dun 
kel des Gewölks hinein, und der Gipfel blieb von demselben verhüllt 
40 Tage lang, während der Mann Gottes von dem Engel des Herrn 
die Gebote empfing und sie auf steinerne Tafel» schrieb. 
Aber diese vierzig Tage währten dem ungeduldigen Volke zu 
lange, um in Demuth und Andacht zu erwarten, was Gott ihnen 
verordnen würbe über seinen Dienst. Es war eine fruchtbare Ge 
gend, in der sie sich gelagert hatten, und das gute Leben, welches 
ihnen das Land bot, machte sie üppig und übermüthig, und sie woll 
ten Freudenfeste haben, wie sie wohl ze zuweilen in Aegypten ge-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.