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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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sic nun wohl so denken und thu» nach ihrem kindlichen Sinne, über 
warum Er er auch selbst gebiete» konnte, das ist daraus noch nicht 
klar; und doch hat Er den Israeliten durch Moses jOpfer vorschreiben 
lassen, und in de» heilige» Büchern des alle» Bundes giebt es 
viele göttliche Verordnungen darüber. I» der Stiftehüttc wie im 
Tempel Salomo'S wurde» unzählige Opser gebracht, und Gott hat 
sie gebilligt und gefordert. Warum dies? 
Oder darf inan etwa so nicht fragen? Was als Offenbarung 
sich uns giebt, sollen wir das gleichsam mit zugemachten Augen hin 
nehme»? Ich glaube nicht: denn es ist großer Segen in der gött 
liche» Offenbarung, und der soll erkannt werden. Ich denke über 
jenes so: Den Mensche» gilt das im Ganzen wenig, was ihnen nichts 
kostet. Auch Ihr, Kinder, schätzet bald gering, was Euch keine 
Mühe macht. Die Eltern liebe» die Kinder am meisten, um die 
sie die schwersten Sorgen gehabt, die sie am öftersten in Krankheit 
gepflegt, aus Gefahren gerettet haben. Erfahrenere verstehen mich, 
wem, ich sage: Was ma» sich bezahlen läßt, das wird am beste« 
genutzt. So wollte der liebe Gott eine Art von Bezahlung von den 
Menschen, damit sie selbst merkten und inne würden, wie sehr seine 
Wohlthaten des Dankes würdig seien; das schöne Stück der Heerde, 
die beste Frucht des Feldes, die sie sich selbst entziehen mußten, um 
sie zu opfern, sollte ihnen ein Zeichen sein des höchsten Preises, den 
der Segen Gottes werth sei. 
Aber ich habe auch schon Schuld- und Sülmopfer genannt. 
Was hat es nun damit für eine Bewandtniß? Einzelne Menschen 
haben und ganze Gemeinschaften und Völker im Alterthum, in be 
sondern Fällen und zu bestimmte» Zeiten, Opfer gebracht, um 
Gott den Herrn zu versöhnen über die Sünde, die sie gethan hat 
ten. Wenn Ihr, lieben Kinder, Bruder, Schwester, Freunde erzürnt 
habt, so sagt Ihr wokl: ich will Dir das und das geben, sei nur 
wieder gut; und her Gekränkte nimmt's auch wohl und läßt sich so 
versöhnen. Habe ich jemand beleidigt, so muß ich der Obrigkeft 
Strafe zahlen. Die MeiMen im Alterthum lebten eben mit Gott 
bald wie mit ihres Gleiche». Und der Herr ließ da» auri) in die 
sem Falle zu, weil es uns schwer unb; sauer ankommt, etwas von 
dem Uuftige» hinzugeben ohne sichtbaren Gewinn; weil schon Ihr 
Kinder Eure klcineis Schätze nicht gern angreifet, weim's nicht ge 
schieht, um Euch ein Vergnüge» zu erkaufen. 
Der nun gesündigt hatte, sollte merken und fühlen, daß er et 
was gethan habe, was der Buße werth sei; es sollte ihm auch vor 
seinem Gott etwas kosten, daß er seine Gebote übertreten. 
Aber der Herr hat die Sülmopfer auch geboten; sie machten 
einen wichtigen Theil des jüdischen Gottesdienstes aus, und dies da 
rum. Keines derselben geschah von Früchten, sonder» immer mußte 
ein Thier geschlachtet werden. Dessen Tod sollte den Sünder erin 
nern, welche Strafe das Bose verdient, daß Tod und Schmerzen 
nur auf der Welt sind, weil wir sündigen. — Bejammert Ihr,
        
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