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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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dannen führen soll, damit ihr nicht alle fallet unter der erzürnten 
Hand deS Herrn. Danach will ich auSziehn. Mit diesen Worten 
verließ Moses den Pharao. 
Und im festen Vertrauen auf seinen Gott, dessen Wahrhaftig 
keit er kannte, machte er alle Anordnungen zum Auszuge deS Vol 
kes wahrend der Nacht, daß wenn nun das Jammergeschrei der 
Aegypter beginnen würde, die ihre Söhne beweinte», und wenn Pha 
rao sein Kind in den lehren Zügen sehe» würde und befehlen, daß 
man die Israeliten entließe, diese auch gleich bereit wären den gün 
stigen Augenblick zu benutzen, weil cs den wankelmüthigen König 
seines Einschlusses bald gereuen konnte. 
Die Juden sollten ihr Brod nicht säuern, das fle des 'Abends 
buken für den andern Tag, sie sollten ei» gebratenes Lamm verzeh 
ren, um sich zu stärken für die schnelle Abreise, sie sollten es stehend 
essen, in Rcisekleidern und mit Gürteln um de» Leib, um auf 
brechen zu können, sobald der Ruf ertönte. Sie sollten von ihren 
Aegyptische» Nachbarn Sachen von Werth, Gold und Silber sich 
auf die Reise geben lassen,, damit sie etwas hätten, wovon sie in 
Kanaan ihre ersten Einrichtungen bestreite» könnte». 
Und das Volk that, wie Moses ihm geboten hatte, und die 
Aegypter gaben ihnen gern von ihrem Geld und Gut: denn sie hat 
ten zu schwere Erfahrungen gemacht von der strafende» Gewalt des 
Gottes Israels, als daß sie nicht hätten, wünschen sollen, das Volk, 
dessentwegen alle die Plagen über sie gekommen waren, und das ihr 
König nur nicht lasse» wollte, bald möglichst abziehen zu sehe». Sie 
gaben ihnen selbst die Mittel zum Fortkommen in die Hände. 
So kam die letzte Nacht, heran, die Israel in Aegypten erlebte. 
Noch war es nicht Mitternacht, da erkrankten plötzlich hin und her 
in den Aegyptischen Häuser» die erstgcbornen Söhne, und die Va 
ter und Mütter wehklagten und liefen nach Hülfe umher; aber wo 
sie solche suchten, da war gleiche Noth, und so die ganze Stadt voll 
Jammergeschrei, denn die Kinder starben in kurzer Zeit. Da thaten 
sich die geängsteten Menschen zusammen, und liefen im Aufruhr mit 
wildem Rufen bei Fackelschein nach dem Palaste des Pharao, und 
die Beherztesten drangen hinein und forderten vom Könige, er müsse 
das fremde Volk ziehen lassen. Bliebe es noch länger im Lande, so 
würden sie alle sterben. Und Pharao'S Herz war auch schwer ge 
troffen, denn sein eigner Sohn rang mit dem Tode, Angst um sein, 
eignes Leben ergriff ihn, und er befahl, man müsse die Israeliten 
ziehen lassen. 
Das Volk war bereit. Aus einem jeden Hause in deu Dör 
fern des Landes Gosen traten die Familien zu derselben Stunde 
der Nacht, Väter und Mütter mit ihren Habseligkeiten und den 
Gaben der Aegypter beladen, dazu den ungesäuerten Brodteig in 
Tüchern auf den Schultern tragend, die Kinder um, sie her. Kranke 
und Schwache waren auf Wagen geladen, die in der Mitte der Aus 
wandernden fuhren; dazu auch trieben fle alles ihr Vieh in zahlrei-
        
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