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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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2. Die Berufung -es Males. 
Wenn MoseS die Stimme Gottes gehört hatte: „Mache dich auf 
und führe mein Volk aus der Knechtschaft," als er noch in Acgyp- 
ten war und in den Gemächern des königlichen Palastes, da würde 
er schnell aufgestanden sein und Anstalten gemacht haben zur Erfül 
lung dieses Befehls, wie sie ihm irgend gut gedünkt hätten; aber 
jetzt, da er Ruhe und Demuth gelernt hatte, fand ihn der Ruf 
Gottes in einer anderen Stimmung. 
Eines Tages trieb er seine Schafe tiefer hinein in das Gebirge; 
da sahe er am Abhange eines Hügels einen Busch mit Feuer bren 
nen, und die flammenden Zweige wurden doch nicht verzehrt. Und 
er trat hinzu, die Erscheinung näher zu betrachte»; da rief ihm der 
Engel des Herrn aus dem Busche entgegen: Ziehe deine Schuhe 
aus, denn der Ort, darauf du stehest, ist heiliges Land, heilig durch 
Gottes Nähe. Und der Engel sprach weiter in Gottes Aufträge: 
Das Jammergeschrei und Gebet der Kinder Israel ist vor mich ge 
kommen, und ich will sie erretten aus Aegypten, dem Diensthause, 
wo sie Knechtsarbeit thun, und sie bringen in das schöne Land, das 
ich ihnen verheißen habe, wo Milch und Honig fließt, und du sollst 
ihr Führer sein. Gehe hin zu Pharao und meinem Volke, und sa 
ge ihnen, was ich thun will. 
Aber Moses erschrak und sprach: Herr, wer bin ich, daß ich zu 
Pharao gehe und führe die Kinder Israel aus Aegypten? Und wenn 
ich zu ihnen komme in deinem Aufträge, bei welchem Namen soll 
ich dich nennen; welche deiner heiligen Eigenschaften soll ich zum 
Troste ihnen vorhalten, da sie so tief erniedrigt sind. Und Gott 
sprach: nenne mich ihnen Jehovah (N17P) das heißt: ich werde sein, 
den Unveränderlichen, den Ewigen: denn so wie ich an eu 
ren Bätern, an Abraham Isaak und Jakob mich verherrlicht habe, 
so will ich cs jetzt auch thun an eurem ganzen Volke. 
Aber Moses getraute es sich selbst nicht zu, daß er den König 
von Aegypten und sein eignes Volck, ihm Folge zu leisten, würde 
bewegen können. Er war jetzt zu demüthig dazu, aber vielleicht auch 
zu verzagt. Da rüstete Gott ihn mit der Gabe aus, Wunder und 
Zeichen zu thun, und es war ihm noch an Ort und Stelle vergönnt, 
diese Gabe zu Probestücken zu gebrauchen. Er warf seinen Stab 
zur Erde, und es wurde eine Schlange daraus, da ergriff er sie 
beim Schwänze, und sie war wieder der Stab. Schlangen und 
anderes Ungeziefer aus dem Nilschlamm sollten bald auf seinen Nuf 
über Äegyptrn kommen, und die Einwohner plagen. 
Er steckte seine Hand in de» Busen seines Gewandes, und als 
er sie wieder herauszog, da war sie mit Aussatz bedeckt, so dicht, 
wie der Schnee das Land einhüllt. Er verbarg sie wieder und zog 
sie hervor, da war sie rein wie sein anderes Fleisch. Ansschlag, 
schwarze Blatter» und Pest kamen bald hernach zur Plage über die 
Aegypter, und auf MoseS Gebet entfernten sich die Krankheiten wie
        
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