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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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Vermögen in Gold umgesetzt, und machte sich und dem Baron das 
Vergnüge», letzterm das Ergebniß seiner Thätigkeit und seines Glük- 
kes zu zeigen. Der Baron erfreut darüber, gab ihm gute Rath 
schläge zu seinen fernern Unternehmungen und äußerte, daß er daS 
frohe Bewußtsein habe, Irland diesen thätigen Mann gegeben zu 
haben- Nicht ohne Rührung schied NicholS von seinem Gönner, 
um nach Ztiand zurück zu kehren. Er hatte sich mit einem Vor- 
rathe seiner Leiwand versehen, die er bald mit bedeutendem Gewinn 
absetzte, und nun hatte er den Gipfel seiner Wünsche erstiegen und 
beschloß nach Fermer« zu gehen, und den liebsten Wunsch seines Her 
zens zu befriedigen. Welches Gefühl für ihn, da er sich seinem Ge 
burtsorte näherte, den er als armer Knabe ohne Mittel und Aus 
sicht verließ, und nun im Wohlstände betrat, um die Früchte seiner 
Thätigkeit in den Schooß seiner Familie »sederzulege». Es^erhvb 
ihn dies Gefühl und schmeichelte seinem Herzen. Um seine Freude 
zu erhöhe» und die Ueberraschung vollkommener zu machen, legte er 
seine alte Kleidung wieder an, in der er das väterliche Haus ver 
kamen hatte, und die ihm, da er nicht sehr gewachsen war, noch ziem 
lich passte. Seine Pferde, seine» Wagen und seinen Bedienten, den 
er seit einiger Zeit angenommen hatte, ließ er im Wirthehause, und 
trat des Abends in das Haus seiner Aeltcrn. In seiner alten Tracht 
erkannte ihn sei» Bruder sogleich, als er die Thür des Hofes öff 
nete. Ach, mein Bruder! rief er einmal über das andere, indem 
er ihn umarmte. Ach, NicholS! Bei diesem Ausrufe eilten die Mut 
ter und die Schwestern vom Tische u»d stürzten sich dem Wieder- 
Fehrenden in die Arme. Die Mutter zitterce vor Freude, ihr gelieb 
tes Kind wiederzusehen und rief: Ach, mein armes Kind! Siedrückte 
ihn an ihre Brust und sank vO Ueberraschung und Freude in Ohn 
macht. Nachdem sich die Mutter wieder erholt hatte, nahm sie ih 
ren Nichts an die Hand, führte ihn zum Dater, indem sie diesen 
bat, ihm freundlich z» begegnen. Der Vater aber redete ihn hart 
an und machte ihm Vorwürfe. Nichole unterbrach ihn und sagte: 
Lieber Dater, erlauben Sie, daß ich meinen Geschwister» einige 
kleine Geschenke mache. Das kam natürlich dem Vater lächerlich 
vor, daß sein so ärmlich gekleideter Sohn von Geschenken sprach. 
Aber wie erstaunte er, als NicholS seiner Mutter 5t), und jedem 
seiner Geschwister 25 Goldstücke gab. In seinem Erstaunen bildete 
sich der Vater ein, daß dieses Geld nicht durch erlaubte Mittel in 
die Hände seines Sohnes gekommen sei, und im Gefühl dieser Krän 
kung rief er aus: Mein unglücklicher Sohn! wie hast du so weit 
kommen können? Vater, sagte NicholS, denken Sie nicht Arges 
von mir; hören Sie meine Geschichte, und dann urtheilen Sie, ob 
Sie, liebe Aelter» und Geschwister, sich meiner zu schämen haben. 
Als er sich darauf zu seinen Geschwistern, die in Thränen zerflossen, 
an de» Tisch gesetzt hatte, erzählte ihnen der kleine Kaufmann, wie 
er nach Gallowai gezogen, wie er de» Baron von Baltimore gefun 
den, wie dieser Zutrauen zu ihm gefaßt, ihm eine Summe GoldeS
        
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