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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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Ehrgeiz tyrannischer Herrn ermatteten, blieben nur die Schwachen, 
die Greise, Kinder und Weiber daheim, und besorgten die Heerden, 
den Reichthum Israels, daß doch nicht jedes Besitzthum ihnen ver» 
loren ging. 
Aber unter all diesem Elend vermehrte sich doch das Volk von 
Jahr zu Jahr, da faßte der König von Aegypten einen »och grau 
sameren Beschluß. Alle männliche» Kinder, die von jüdischen Müt 
tern geboren würden, sollten getödtet werden; und da natürlich kein 
Vater die Hand legen wollte an sein Kind, so wurden Kriegsknechte 
in die Häuser umhergeschickt, welche die neligcborencn Knabe» aufsu 
che» und ermorden mußten. — Trauriges Geschick des heiligen 
Volkes, das den Herrn seinen Gott nannte! Aber er führt seine 
Heiligen wunderbar. So unglücklich mußte eö den Israeliten gehen 
im fremden Lande, damit sie eine rechte Sehnsucht empfinden möch 
ten nach dem Lande ihrer Väter, dem verheißenen Kanaan. Denn 
bisher war es ihnen wohl gewesen in dem reichen, fruchtbaren Ae 
gypten, bei den Fleischtöpfen und der guten Nahrung. Sehnten sie 
sich doch später noch zurück nach diesem sinnlichen Wohlergehen, und 
der Herr mußte sie desselben noch an Ort und Stelle berauben, da 
mit sie des fernen Erbes nicht vergäßen, das sie sich freilich erst er- 
obern, und wohin sie nur gelangen sollten durch manche Noth und 
Entbehrungen. 
Und jenes schwerste Leiden, daS Israel in Aegypten zu erdulden 
hatte, daß seine Knaben getödtet wurden nach der Geburt, die künf 
tigen Väter und Stammhalter des Geschlechts, es war grade die 
Vorbereitung zur Errettung des Volkes. So nur konnte jenes Kind 
auf wunderbare Weise erhalten und Gott für sein Leben verpflichtet 
werden, daS hernach Israels Erlöser auS der Aegyptischen Knecht 
schaft wurde. Und nur indem Moses von einer Prinzessin aus dem 
Wasser gerettet ward, konnte er eine Erziehung und Ausbildung er 
halten, wie sie dem Manne nöthig war, der ein unruhiges, verzag 
tes Volk durch Wüsten und Gefahren in das verheißene Land füh 
ren und das Gesetz ihm bekannt machen sollte, welches das Pfand 
feiner Erwählung und seiner gnadenreichen Verbindung mit Gott war. 
Ja des Herrn Rath ist wunderbar, aber er führet alles herr 
lich hinausl A. Merg et. 
Ehrlich wahrt am längsten. 
Im Jahre 1756 ging eine arme Wittwe in Lissabon mehr 
mals auf das Königliche Schloß, um den König zu sprechen. Sie 
wurde immer barsch abgewiesen. Doch alle diese fruchtlosen Versuche 
schreckten sie nicht ab, sich immer wieder einzustellen, versichernd: sie 
müsse den König nothwendig sprechen. 
Eines Tages kam in eben dem Moment, wo man sie wieder 
fortschicken wollte, der König aus seinen Gemächern. Die Wittwe
        
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