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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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gung, obgleich es ihm an Geld zum Handel fehlte. In seiner Bauer 
tracht, mit Hvlzschuhen an den Füßen, einen mit Eisen beschlagenen 
Stock in der Hand, um sich gegen Wölfe zu schützen, weder mit 
Geld, noch mit Waaren versehen, ging er eines Tages im Mai 
aus des Vaters Hause. Aus Furcht, daß ihm sein Plan vereitelt 
würde, hatte er ihn Niemanden mitgetheilt. Am Abend vorher 
war er zärtlicher als je in feinen Liebkosungen gegen seine"Eltern 
und Geschwister, und nahm in Gedanken herzlichen Abschied von 
allen. Nur mit Käse und Brot zur Reise versehen, richtete NicholS 
seinen Weg nach der Stadt Gallowai. Hier erfuhr er, daß der 
Baron von Baltimore anwesend sei, dessen Edelmuth und Wohl 
thätigkeit er sehr rühmen hörte. Hierdurch ermuthigt, faßte Nichols 
den Entschluß, sich ihm als armen Knaben vorzustellen, welcher et 
was Wolle kaufen wolle und dazu keinen Heller habe, um das in 
diesem Lande gewöhnliche Handelsgeschäft zu betreiben. Der frei 
müthige Ton des Knaben gefiel dem Baron, und er war erstaunt über 
die Einsicht und de» Verstand des Knaben. Da der Baron Ver 
gnügen a» der Unterhaltung Nichols fand und aus Allem schloß, 
daß er keine» Laudläufer vor sich habe, so schoß er ihm eine kleine 
Summe zu seinem Handel vor. Der hierdurch erfreute Nichols 
überhäufte seine» Wohlthäter mit Danksagungen, und eilte seinen 
ersten Einkauf zu versuchen. Er benahm sich dabei mit einer in 
feinem Alter seltenen Klugheit und Ueberlegung, und sein erster 
Versuch gelang glücklich. Mit seinem Packen Wolle zog er in eine 
Gegend, wo man wenig Schafe zog und einen ansehnlichen Handel 
mit Wolle trieb, und hier setzte er seine Waaren mit bedeutendem 
Gewinn ab. Dieser günstige Anfang seines Geschäftes flößte ihm 
Muth und ein größeres Vertrauen zu sich selbst ein. Er war auf 
seiner Reise zu Balaclei und erfuhr, daß sei» Wohlthäter hier an 
gekommen sei. Sogleich eilte er zu ihm und sagte: „Das, was Sie 
mir zu leihen die Güte hatten, hat Zinsen getragen, ich bitte, neh- 
nien Sie Ihr Darleh» zurück, empfange» Sie aber zugleich meinen 
innigsten Dank. Der Gewinn wird nun hinreichend sein meinen 
Handel fortzusetzen. Segne Sie der Himmel, daß Sie sich meiner 
angenommen haben. 
Der Baron freute sich über das Glück seines Schützlings, und 
bewunderte nun mehr seine Rechtschaffenheit als seinen Verstand; 
er wollte ihm diesen Vorschuß als ein Geschenk lassen. „Nein, mein 
lieber Herr," versetzte Nichols, „ich bin vorwärts gekommen, und 
würde Rückschritte thun, wenn ich Ihr Geld behalten wollte. Er 
lauben Sie mir, daß ich Ihnen als meinem Wohlthäter zuweilen 
meine Achtung erweisen und Rechenschaft von meinen fernern Un 
ternehmungen ablegen darf." Erfreut über die edle Denkungsart 
Nichols, erwiederte der Baron: „fahre fort, mein Sohn, so zu 
denken, dich so zu betragen, wie du bisher gethan hast. Ich werde 
dir fernerhin mit Rath und That beistehen." Der kleine Nichols er 
griff sogleich die Hände seines Wohlthäters und drückte sie voll
        
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