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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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JW 15. Jahrgang V. 1836. 
Redacteur A. Merzet. Verleger George Gropius. 
Wie die Familie Jakobe nach Aegypten kam. 
Jakob wohnte nun wieder im Lande seiner Väter, und hatte 
von seinen beiden Frauen zwölf Söhne, zehn von der Lea und zwei 
von der Rahel, den Joseph und Benjamin. Josephs Geschichte will 
ich Euch hier, lieben Kinder, nicht so schön und ausführlich erzählen, 
wie sie in der Bibel siebt, denn Ihr kennet sie gewifi schon; ich 
will Euch nur Gottes Finger, seine leitende Hand darin zeigen, 
wen» Ihr mir folgen wollt. 
An Joseph nehmlich ist wahr geworden, was der Prophet Jere- 
mias sagt: Es ist ein köstliches Ding einem Manne, daß er das 
Joch in seiner Jugend tragen, und jenes andere Wort: Wen Gott 
lieb hat, den züchtigt er; und was wir schon bei Jakob gesehen ha 
ben, daß die Werke böser Menschen den Auserwählten Gottes zur 
Erziebung gereichen. 
Roch ein Knabe war Joseph an Jahren, etwa fünfzehn war 
ihre Zahl, da hatte der Vater ihn schon zum Aufseher über seine 
Brüder gesetzt. Er ging hinaus auf das Feld, nach ihnen zu sehen, 
ob sie das Vieh sorgfältig hüteten, und andere Arbeiten thäten nach 
dem Willen des Vaters. Es ist ein gefährliches Amt, das eines 
Aufsehers, das wissen auch Kinder schon, die etwa, wenn sie die äl 
teren sind in der Familie, ihre jüngeren Geschwister zu leiten haben; 
oder die in der Schule, wo sie sich durch Fleiß und Ordnunng aus 
zeichnen, von den Lebrern beauftragt werden,irgend wie über Ruhe 
und Anstand in der Klasse zu wachen. Gefährlich nenne ich ei» sol 
ches Amt, weil man leicht mehr oder weniger sagt, als man gese 
hen hat; weil in das eitle Herz sich wohl die Schadenfreude cin- 
schleicht, wenn man Böses bemerkt und anzuzeigen l)Ot, weil die Gunst 
der Eltern oder Lehrer uns von denen beneidet wird, über wel 
che sie uns zu Aufsehern gesetzt haben; und weih endlich die, ( über 
deren Betragen wir wachen sollen, unS eher dafür mit Abneigung 
lohnen als mit Dank. 
So ging es dem Joseph, und vielleicht war er nicht ohne 
Schuld an dem Hasse, welchen die Brüder auf ihn warfen. Er
        
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