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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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noch die Axt vom Schlitten ergreifen oder sonst auf Vertheidigung 
denken konnte, befand sich der unglückliche Greis schon unter des 
Raubthiers mörderischen Tatzen — 
Jonas stand nur drei Schritte davon, bei dem Schlitten. Sein 
erster Gedanke war die Hunde los zu machen, damit diese ihn un 
terstützen möchten, allein nur da, wo man diesen Thieren die Frei 
heit nicht allzu sehr verkümmert, und sie durch Liebe an sich fesselt, 
opfern sie das Leben für die Rettung ihres Herrn. Kaum hatte 
der Knabe den seinen die Stränge gelöst, so liefen sie, ängstlich heu 
lend, so rasch sie konnten, der Heimath zu. 
Jonas hätte wohl am Klügsten gethan, wenn er ihrem Beispiel 
gefolgt wäre, dem Großvater konnte er ja doch nicht helfen, und 
wenn das wüthende Thier mit diesem fertig war, machte es sich 
sicher auch über ihn her, wenn er blieb. 
Unser wackere Knabe ließ sich indeß durch diese Sorge nicht 
schrecken. Hurtig ergriff er die Axt, lief auf den Bären zu und 
versetzte ihm einen so nachdrücklichen Schlag gegen die Stirn, daß 
beide" Augen aus ihren Höhlen gerissen wurden, und das Unthicr 
außer sich über den furchtbaren Schmerz wie über den unvermuthe- 
ten Angriff, sein erstes Opfer los ließ und auf den muthigen Kna 
ben los stürzte. 
Wohl war es ein großes Glück für den armen Jonas, daß 
sein starker Feind nicht mehr sehen konnte, die Gefahr blieb indeß 
noch immer groß genug, denn des Bären seiner Geruch ersetzte das 
verlorene Augenlicht. Rache dürstend lief er immer grade auf den 
Knaben zu, und dieser würde bald in dem gefährlichen Blindekuh, 
spiel besiegt, und wie sein Namensvetter, der Prophet JonaS, in 
des Raubthiels offenen Rachen gewandert sein, wenn er nicht plötz 
lich Muth gefaßt hätte stehn zu bleiben, und als das Thier schon 
nach der Beute schnappte, des Großvaters eisenteschlagenen Stab 
so tief in das blutige Thor des Rachens zu bohren, daß Zunge und 
Schlund zerrissen wurden, und der eiserne Bissen darin stecken blieb, 
als letzte bittre Kost. 
Schrecklich röchelnd schleppte sich der Bär noch einige Schritt 
weit fort, und sank dann todt zu Boden. 
JonaS hielt sich -nicht lange bei ibm auf, sondern eilte rasch 
zum armen Großvater, brachte ihn mit Mühe zur Besinnung, warf 
das Holz auf die Erde, setzte den Verwundeten in den Schlitten 
und zog diesen hierauf mit Anstrengung aller seiner Kräfte, auS 
dem gefährliche» Walde in das Dorf zurück. 
Kaum hatte sich die Kunde von dem, was er vollbracht hatte 
hier verbreitet, so eilten alle Männer und Jünglinge vereint hin 
aus, das getödtete Raubthier zu holen. Jeder pries 'den Muth des 
Knaben, und die Jäger selbst gestanden ein, daß sie mit ihren Ge 
wehren, Gruben und Schlingen noch kein so starkes Thier erlegt hätten 
. Den kleinen Helden zu belohnen, schleppten Alle Holz, so viel 
I>e »ur fortbringen konnten, in seine Hütte und die leckersten Stücke
        
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