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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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Geschwisterliche. 
Mangel an Zuneigung zwischen Geschwistern verräth immer ein 
hartes und edler Empfindung unempfängliches Gemüth; um so be- 
wundernswerther ist der Zug liebevoller Anhänglichkeit an seine 
Geschwister bei einem Manne, der immer als ein rauher Krieger 
geschildert wird. Dies ist der große Schwedenkönig Karl XII. 
Aber so rauh auch seine Außenseite war, so findet man jetzt in 
Schriften, die in Schweden erschienen sind, bisher unbekannte Er 
gebnisse aus seinem Lebe», wodurch man ihn als einen Herrscher 
kennen lernt, der sich durch Gottesfurcht, fromme Ergebung, Zart 
heit der Empfindungen und Achtung für Menschenwerth auszeichnete, 
wie man sie bei Kriegern und Helden nur selten findet. 
Als er den Tod seiner Schwester, der Herzogin Hedwig So 
phie Eleonore, den man ihm aus Schonung zu verbergen gesucht 
hatte, unvorbereitet erfuhr, rief er aus: 
„Ach, meine Schwester! meine geliebte Schwester!" 
Man meinte, das Leben im Getümmel des Krieges habe seine 
Gefühle abgestumpft, oder er sei durchaus Meister seiner Gemüths 
bewegungen, da Niemand, der ihm nahe kam, jemals Zorn, Be 
gierde, Freude oder Sorge, selbst über das Unglück bei Pultawa, 
wo ec eine so entscheidende Schlacht verlor, an ihm wahrnehmen konnte. 
Es befremdete daher sehr, als man ihn über den Verlust dieser 
Schwester so tief gerührt sah; Auge, Hände, Sprache verriethen 
die größte Traurigkeit, und er blieb lange in diesen. Zustande. 
In einem um diese Zeit (Bender den 19. December 1710) 
an seine jüngere Schwester, Ulrike Eleonore, geschriebenen Briefe 
äußert er sich unter andern: 
„Meine einzige Hoffnung ist, daß meine Herzensschwester sich 
bei steter Gesundheit befinden möge. Unser Herr erhalte sie ferner 
und mache mich einst so glücklich, sie noch einmal zu sehen. Diese 
Hoffnung macht mir das Leben noch einigermaßen werth, seit ich 
Die Betrübniß erduldet habe, die ich nicht zu überleben glaubte; 
denn mit frohem Muthe würde ich Alles ertragen haben, wenn ich 
nur so glücklich gewesen wäre, von uns drei Geschwistern der Erste 
zu sein, der sein abgestecktes Ziel erreicht hätte; nun hoffe ich we 
nigstens, nicht so unglücklich zu sein, der Letzte von uns zu werden." 
Karl Müchler. 
Muth und Aufopferung eines zwölfjährigen Knaben. 
Den alten Klaus fror in seiner Hütte; das Feuer brannte 
spärlich auf dem Herd / und der Winter hauste strenger als wir, 
liebe Kinder, ihn hier kennen, dort in einem dreimal kälteren Lande. 
Des Greises wackerer Sohn, der sonst treulich dafür sorgte, 
daß es nie an einem guten Vorrath Holz und nie an Wildpret,
        
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