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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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darum tröstete ihn der Herr bald, den Jüngling, der doch ein Erz 
vater werden sollte, und der bei all seiner Schwäche der Einzige 
war in der sündigen Welt, welcher ein Erbe der göttlichen Ver- 
heißungen^werden konnt«. Als Jakob die Augen zugethan hatte zu 
unruhigem Schlummer, sahe er einen tröstlichen Traum. Ihm 
bauchte, eine Leiter stünde zu seinem Haupte, die reichte von der 
Erde bis zum Himmel, und Gott wäre in dem geöffneten Himmel, 
und seine Engel stiegen herab und hinauf. Und er hörte die Stimme 
deö Herrn, die zu ihm sprach: Ich bin der Gott Abrahams und 
Isaaks, deiner Väter; das Land, darauf du liegst, will ich dir und 
deinen Nachkommen geben. Und deine Nachkomme» sollen zahlreich 
sein wie der Sand am Meer, und durch dich und deinen Samen 
sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden. Und siehe, ich 
bin mit dir, und will dich behüte», wo du hinziehest, und will dich 
wieder herbringen in dies Land. 
Da wachte Jakob getröstet auf, wiewohl voll heiliger Scheu 
vor der Nähe Gottes, und als er am ander» Morgen aufstand, 
richtete er den Stein seines Kopfkissens auf zu einem Maal, und 
goß Oel oben darauf, und nannte die Stätte Bethel, das heißt 
Gotteshaus. 
Darauf wanderte er getrost weiter und kam in die Nähe der 
Stadt Haran, wo ffeine Mutter her war, und ruhete daselbst an 
einem Brunnen, wo die Hirten ihre Schafe tränkten. Und siehe, 
eS kam mit den Hirten auch Rahel, die Tochter LabanS, feines 
Oheims, um ihre Schafe zu tränken, und die Gefährten nannten 
ihren Namen, daß Jakob sie erkannte: da eilte er auf sie zu und 
küßte sie, und gab sich ihr zu erkennen, und sie hatte große Freude, 
den Vetter zu sehen, wie auch ihr Vater Laban, da Jakob nun in 
sein Haus kam. 
Ein Paar Tage war er da als Gast, weil er aber lange blei 
ben wollte, mußte er einen Theil des Geschäfts mit übernehmen 
und Heerde» weiden, wie ein erster Knecht des Hauses. Der Ar 
beiter ist seines Lohnes werth, und Jakob arbeitete redlich, darum 
fragte ihn Laban: was soll ich dir geben für deine Dienste? Und 
Jakob hatte die Rahel lieb gewonnen, und bat seinen Obeim: gieb 
mir diese zur Frau! Da hieß eö: wen» du mir siebe» Jahre um 
sie dienest. Und Jakob nahm mit Freuden die Bedingung an, und 
ließ sich keine Mühe verdrießen, bei Tage die Hitze, und Nachts 
die Kälte zu ertragen, und mit den wilden Thieren zu kämpfen, 
wenn sie seine Heerde anfielen, alles, um seinem Oheim zu Gefal 
len zu leben, und die Rahel zu erwerben. So diente er sieben 
Jahre, und es dünkte ihn, als wären eö nur so viel Tage, so lieb 
hatte er daS Mädchen. 
Da kam der Tag der Hochzeit heran, und er harrete seiner 
Braut, vor dem Vater stehend, der ihren Bund segnen sollte, und 
die künftige Frau ward ihm zugeführt, in tiefe dichte Schleier ver 
hüllt, wie cs noch heute Sitte ist bei den Jude» und Morgenländern.
        
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