Path:

Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

103 
daß man sich bei den vielen Fratzen, die er während deS Hustens 
schnitt, des Lachens unmöglich erwehren konnte. Neues Lebe» schien ihn 
aber zu beseelen, als er die Gesellschaft seinem Käsige nahe kommen 
sah. In einem Nu war er von der Stange herab und an das 
Gitter gesprungen, an dem er lustig hin und her hüpfte. Wahr 
scheinlich waren dergleichen Besuche bei ihm in gutem Andenken, und 
die Leckerbissen, welche ihm bei solchen Gelegenheiten zugesteckt wur 
den, mußten einen sehr süßen Nachgeschmack zurückgelassen haben; 
denn durch seine sehr hastigen Sprünge, wobei er von Zeit zu Zeit 
anhielt, um seine Bewunderer Zähne fletschend und Augen verdre 
hend zu begrüßen, gab er nicht undeutlich zu verstehen, daß er es 
gern sehen würde, wenn die Fremden ihn als Gast, sich aber als 
die Wirthe ansehen möchten; oder wenn sic das Geld, was sie in 
Menagerien für die Besichtigung von seines Gleichen ausgeben müß 
ten, hier, wo Alles frei war, zu seiner Erquickung und Verpflegung 
verwenden möchten. Mir schien aber, als wenn das bettelnde Thier 
dir Gutmüthigkeit früherer Besucher der Insel schlecht belohnt ha 
ben müsse; denn sein Wärter hatte vor der Vorderseite seines Kä 
figs ei» Seil gezogen und an Stangen befestigt, zum Zeichen, daß 
man gut thun werde, diesem so freundlich und schön thuenden Sub 
jecte zehn Schritt vom Leibe zu bleiben und auf jeden Fall aller 
Neckereien mit ihm sich zu enthalten, die seinen Zorn reizen könntcn. 
Das Erste befolgte ich; das Zweite: eine» Affen nie zu äffe», hatte 
ich mir lange Zeit zur Regel gemacht, weil mir das Thier in sei 
nen lauernden Augen eine zu große Portion Falschheit zu haben 
schien, als daß cs nicht Gutes mit Bösem, BöseS aber gewiß mit 
Bösem vergelte» könne. Anders dachten darüber die beiden Töchter 
des Generals. Nachdem sie sich einige Zeit in den ihnen durch das 
Seil gezogenen Schranken gehalten, und über die Ungeduld des nach 
Leckerbissen ungemein gierigen Affen aus der Ferne sich gefreut hat 
ten, traten sie, der Warnung ihres Vaters ungeachtet, vor das Seil, 
um dem Käfig ganz nahe zu sein. Von hier aus warfen sie von 
Zeit zu Zeit Kleinigkeiten durch das Drathgeflecht in die Mitte des 
Käfigs, über welche der Affe mit großer Gier herfiel, und welche er 
unter possierlichen Grimassen verzehrte. Endlich aber schien der 
Vorrath der beiden Dämchen erschöpft zu sein; denn sie singen nun 
an, Papier-Stückchen zusammen zu drehe», diese wieder mit Papier 
zu umwickeln und dies mehrere Male zu wiederhole», bis sie kleine 
Kugeln zusammengedreht hatten, die sie eine nach der andern dem 
lauernden Thiere zuwarfen. Dieser riß dann eilig, theils mit den 
Zähnen, theils mit den Händen ein Papier nach dem andern ab, 
suchend »ach irgend einem süßen Kern, der in diesen viclschaaligen 
Früchten verborgen sein könne, und gab seinen Verdruß über die 
Enttäuschung, wenn ihm zuletzt nichts als Papier oder nur ein har 
ter Kiesel übrig geblieben war, durch sein komisches Husten zu er 
kennen, gleichsam als ob ihm der Aergcr die Kehle enger zusammen 
ziehe und die leidende Luftröhre krampfhaft ergriffe. Dann setzte
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.