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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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schreibet, Konrad Peutinger, dann die Armbruster nach allen Kräf 
ten zu unterhalten; derselbe erkannte das auch und verehrte den 
Schützenbrüdcrn vier feiste Hirsche. Sie wurden von dein Stadt 
koch recht schmackbaft zubereitet, theils zwischen dem Trunk auf ei» 
nem Teller mit Pfeffer, theils gebraten verzehrt. Viele Schützen 
brachten ihre Frauen und mannbare Töchter mit zum Schmause. 
Da wurde gezecht und vollauf gelebt, auf das Wohl des hochge 
borenen Landesfürsten von Bayer» und des gastlich herrlichen Augs 
burg unzählige Becher geleert, zuletzt getanzt bis in die duukle 
Nacht hinein. Alle, welche an diesem Schießabcnteuer Antheil ge- 
nomineu, waren recht froh und heitern Herzens gewesen. 
G- Friedenberg. 
Anekdoten von Thieren. 
Ein Affe rächt sich für Neckereien 
Ich machte einst mit mehreren meiner Schulkameraden eine 
kleine Fußreise von Berlin »ach Potsdam. Nachdem unsere kleine 
Gesellschaft die prächtige Residenz an der Havel in Augenschein genom 
men hatte, besuchten wir auf dem Rückwege die reizende Pfauen- 
Jnsel. Mit uns zugleich ließ sich ein General mit seiner Familie 
übersetzen, zu welcher auch zwei Mädchen gehörten, die sich eben so, 
wie »vir, auf die lebenden Seltenheiten der viel besuchten Insel 
freuten, und ihre Ungeduld kaum unterdrücken konnten, de» großen 
Affen zu betrachten, von dein sie, wie wir während der Ueberfahrt 
vernahmen, schon inanchcs Belustigende gehört hatten. Der General 
war so gütig uns zu erlauben, daß »vir »ns an seine Gesellschaft 
anschließen könnte», und so kain es, daß wir besser, als wir hätten 
glauben können, von de» SehenSlvürdigkeitcn der Insel unterrichtet 
wurden. 
Au diese» gehörte denn allerdings auch ein Affe, der größte, 
den ich gesehen habe. Er war in einem zeltartige,> Käfige von ei 
nigem Utnfangc eingesperrt, dessen Vorderseite auS einem Drathgit- 
ter bestand, um es den Besuchern der Insel bequem zu machen, 
die wunderlichen Manieren und komischen Sprünge des in aufrech 
ter Stellung sich haltenden Gefangenen zu beobachten. Als wir 
uns ihm näherten, saß er gebückt, mit auf de» Boden gehefteten 
Augen auf einer Stange, die in der Mitte des Käfigs angebracht 
war, und erinnerte so umvillkührlich an einen alte» Mann, der von 
den Mühen dcS Tages ausruhe, zumal da er von einem Husten 
geplagt war, bei dessen nicht seltenen Anfällen die wunderlichsten 
Gesichter zum Vorschein kamen, grade wie bei einem Mensche», 
der vom Katarrh geplagt, gern recht ordentlich huste» möchte, wenn 
die Schmerzen in der Brust und im Kopfe ihm dies erlaubten. 
Das arme Thier hätte durch sein Leiden »vokl Mitleid erregen sol 
len, trug aber dasselbe auf eine so höchst komische Weise zur Schau,
        
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