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Full text: Das Berliner Kinder-Wochenblatt / Gropius, George Issue 5.1836

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auch im Hause, und beide waren leichtsinnig, und spotteten der 
AndachtSübunge» der Familie und des Glaubens,, der dem Abra 
ham lmd seinem Sohne Isaak über alles ging. Damit nun dieser 
in den jungen, leicht verführbaren Jahren nicht verdorben und gott 
lob würde, mußte der Vater sich entschließen, die Magd mit ihrem 
Sohne zu verstoßen. 
Er entließ sie aus dem Hause, gab ihnen Trank und Speise 
mit, sie sollten im Nachbarlande sich ei» Unterkommen suche». Ha 
gar aber ging irre in der wüsten Gegend, durch welche ihr Weg 
führte, und da Lebensmittel und Getränk ihr ausgingen, und ihr 
Sohn dem Verschmachten nahe war, da lehrte die Noth sie beten, 
was sic früher nicht gemocht hatte, und worüber sie den Abraham 
verspottete; sie fiel nieder auf ihre Knie, bat de» Herrn, er möchte 
den Knaben ihr erkalten, und GotteS Engel zeigte ihr einen frische» 
Quell in der Wüste, daraus tränkte sie den Jsmael, daß er wie 
der auflebte; und sie kamen beide zu dem Nachbarlande, und der 
Herr »ahm sich ihrer an, also daß der Knabe späterhin auch Stamm 
vater eines Volkes wurde. Und er erkannte danach sein früheres Un 
recht und die Frömmigkeit feines gläubigen Vaters: denn als Abra 
ham gestorben war, begrub er ihn mit^Jfaak gemeinschaftlich. 
Wir haben aber noch die größte That des Gehorsams gegen 
Gott in Abrahams Leben zu betrachten, das ist feine Bereitwillig 
keit, den eignen Sohn zu opfern, als der Herr es forderte. 
Abraham stand eines Morgens früh auf, und belud einen Esel 
mit Holz und Opfergeräth, und nahm seinen Sohn Isaak mit sich, 
und machte sich auf nach dem Berge Morijah. Und gingen die 
Beide mit einander, still und schweigend, denn dem Abraham war 
das Herz zu voll und gedrückt von der Schwere der Pflicht, die er 
erfülle» sollte, und Isaak schritt ohne Frage neben den, Vater, in 
Ehrfurcht vor dem, was seinen Simi bewegen mochte. Als sie aber 
das Ziel der Reise vor sich sahen: da sprach Jsadk: Mein Vater, 
Holz ist lsicr und das Geräth zum Opfer; wo ist aber das Opfer- 
thier, daS wir dem Herrn darbringen wollen? Und Abraham ant 
wortete: Mein Sob», der Herr wird sich selbst ein Opfer ersehen. 
So gingen die Beide wieder schweigend nüt einander. Und als sie 
auf die-Höhe des Berges gekommen waren, errichtete Abraham ei 
nen Altar von Steinen, und schichtete das Holz auf zum Brande, 
band seinen Sohn daraus und wollte ihn schlachten. Da erschien 
ein Engel des Herrn und spracht Lege deine Hand nicht an den 
Knaben! Gott hat deinen Gehorsam gesehen, und würd dich segnen. 
Siehe, da ist ein Opfcrthierl Und Abraham wandte sich um und 
erblickte einen Widder im Gebüsch, der mit seinen Hörnern in den 
Zweige» hängen geblieben war. Den nahm er und opferte ihn dem 
Herrn mit dankerfülltem Herzen, daß er ihm daö Schwerste erspart 
habe. 
Und sollte denn Gott wirklich von Abraham den Sohn gefor 
dert haben? — Er fordert noch von den Eltern die- Kinder, wenn
        
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