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Forschung und Bildung

Full text: Umrisse Issue 16.2016,2/3 Forschung und Bildung

Forschung und Bildung

Beispiele aus
a
Luzern
Luzeern

Bassel
Basel
Zürich
Zürich
ern
Martinsried-Großhadern
Hambu
urg
Hamburg
Schweinfu
urt
Schweinfurt
Potsdaam
Potsdam
tau
Zittau
Overbach
Overbach
Holzkirch
Holzkirchen
und …

[Umrisse
[U
Umrisse]
[Umrisse]
Zeitschrift für Baukultur

BRÜCKENBAU
BRÜ
CKENBAU
CONSTRUCTION & ENGINEERING

17. Symposium Brückenbau

VERLAGSGRUPPE
W I E D E R Smit MixedMedia
P A Konzepts
HN
Biebricher Allee 11 b
65187 Wiesbaden
Tel.: +49/611/98 12 92-0
Fax: +49/611/80 12 52
kontakt@verlagsgruppewiederspahn.de
www.verlagsgruppewiederspahn.de
www.mixedmedia-konzepts.de
www.symposium-brueckenbau.de

Fundament(e) des Fortschritts

[Umrisse]

Trotz der unbestreitbaren, ja nicht einmal
von Politikern, Lobbyisten oder irgendwelchen (anderen) Funktionären geleugneten oder negierten Tatsache, dass gerade
in einem Land ohne wesentliche Bodenschätze, ohne große Vorkommen an festen, gasförmigen oder flüssigen mineralischen Ablagerungen oder Ansammlungen
letztlich nur Forschung und Bildung als
verfügbare Ressourcen verbleiben, erinnern manche Lehr- und Lernorte eher an
Notbehausungen, scheinen sie nicht mitgewachsen, ergo nicht adäquat ergänzt,
erweitert oder modernisiert worden zu
sein, als die Zahl der Schüler und Studenten mehr oder minder munter anzusteigen
begann. Will man aber nicht das einzige
(vorhandene) Kapital vergeuden oder gar
vernichten, dessen Förderung sich wirklich und zudem auf Dauer lohnt, gilt es
optimale Rahmenbedingungen zu schaffen
und dann langfristig sicherzustellen, und
zwar in jeder Hinsicht und damit in puncto
finanzieller Ausstattung, pädagogischer
Konzepte und Versorgung sowie baulicher
Struktur und Gestalt, was im Übrigen auch
deren kontinuierliche Anpassung an sich
eventuell wandelnde Ansprüche und Herausforderungen beinhaltet. Dem heutigen
wie künftigen Nachwuchs den Weg zu
ebnen, ihm, im besten Sinne, qualitätsvollste Kindergärten, Kindertagesstätten,
Schulen und Hochschulen anzubieten,
die ihm Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln, ihn in seiner Entwicklung begleiten und unterstützen und ihn derart auf
ein Leben in Selbstbestimmung vorbereiten, ist schließlich die Pflicht einer (jeden)
demokratischen Gesellschaft, deren Wohl
und Wehe nicht allein von der Landwirtschaft oder eben Rohstoffen unter der Erdoder Meereswasseroberfläche abhängen
kann oder soll.

Ähnliches trifft natürlich auf die Wissenschaft bzw. die Wissenschaftler zu: Sie
benötigen gleichfalls angemessene Voraussetzungen und daher (wenigstens)
Räumlichkeiten, die es ihnen erlauben, ihre
Ideen und Projekte zielorientiert und in
angenehmer Atmosphäre zu realisieren –
und infolgedessen eine Wertschöpfung
zu entfalten, von der die Allgemeinheit
genauso profitiert wie von hervorragenden Schulen und Universitäten, freilich mit
der winzigen Einschränkung, dass selbige
bereits Vorleistungen erbringen, also das
im Grunde stets unentbehrliche Fundament
des Fortschritts erst erarbeiten mussten
und nach wie vor müssen.
Welchen Einfluss die äußere Form wie
innere Gliederung eines Gebäudes auf das
Denken ausübt, zeigen wiederum die eingangs zitierten Zeilen, indem sie »auf die
Wende von der Dominanz der Sprache
zur Hegemonie des Bildes« hinweisen und
insofern die Anschaulichkeit als ein unverzichtbares Element des Begreifens definieren. Unabhängig von der Frage, ob Horst
Bredekamp hier lediglich punktuell recht
hat oder die Argumentation in seinem vor
über zwanzig Jahren veröffentlichten Buch
»Antikensehnsucht und Maschinenglauben« in toto einleuchtend anmutet, lässt
sich seine Kernthese anhand von Beispielen doch überzeugend verdeutlichen –
(zumindest) im Fall von Bauwerken, Häusern und Hörsälen jüngeren und jüngsten
Datums, die der Forschung und Bildung
dienen und die als wahrlich vorzügliche
Lösungen deshalb in dieser Ausgabe der
[Umrisse] auf den nächsten Seiten zu
begutachten sind.
Michael Wiederspahn

[ Editorial

»Wenn ein jüngerer Versuch, den biologischen Evolutionsprozess via Computer
nachzustellen, die Erschaffung neuer Arten
zu simulieren und diese aus der Unzahl
von Möglichkeiten zu selektieren und zu
ordnen, als ein Versuch gewertet wird,
›den Graben zwischen Kunst und Wissenschaft‹ zu überwinden, ›um zu versuchen,
beide Kulturen zu bereichern‹, so führt
dies zu jener Einheit von Natur und Kunsttechnologie zurück, die für die Kunstkammern bestimmend war. Angesichts dessen, dass sich die Grenzen von Kunst,
Technik und Wissenschaft auf ähnliche
Weise zu öffnen beginnen, wie dies die
Kunstkammer vorgeführt hatte, erhält ihre
Schulung visueller Assoziations- und
Denkvorgänge, die den Sprachsystemen
vorauslaufen, eine Bedeutung, die den
ursprünglichen Stellenwert womöglich
noch übertrifft. Die hochtechnisierten
Gesellschaften durchleben eine Phase
der kopernikanischen Wende von der
Dominanz der Sprache zur Hegemonie
des Bildes. Die Kunstkammer, die schon
einmal fast vollständig auf das Denken
in und durch Bilder gesetzt hatte, lehrt,
dass viele wissenschaftliche Disziplinen
gleichsam blind blieben, wenn sie das (…)
aufgehäufte historische Material ignorieren würden.«

[3

]
Inhalt

Editorial

Fundament(e) des Fortschritts
Michael Wiederspahn

Forum Baukultur

Forschung und Bildung

4]

3

6

Vom Elfenbeinturm in den Leuchtturm
Janine Schiller

10

Gebäude für die universitäre Spitzenforschung
Eberhard Schmid, Elena Almeida, Alfons Lenz, Christian Weiß

15

Führender Standort von großer Zeichenhaftigkeit
Stefan Wirth, Jan Kaundinya

22

Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft
Pamela Schwarz

28

Baukörperform als Metapher
Polina Goldberg

34

Heterogenität in Architektur und Nutzung
Haie-Jann Krause

37

Verbinden, Erschließen, Bewahren
Jens Krauße, Julian Snethlage, Maria Ludewig

42

Schlussstück einer Gesamtanlage
Wolfgang Rossbauer

47

»Haus der Kultur« zur Ergänzung
Maja Mijatovic

52

Orientierung an Tier und Mensch
Christof Hindermann

56

[Umrisse]

[ Inhalt

L

[Umrisse]

Special

Lernen im leistungsfördernden Raum
Gunnar Grün, Susanne Urlaub

60

Aktuell

Ausbau des Südschnellwegs in Hannover
Siegfried Löffler

64

Baurecht

»Neues Bauvertragsrecht« für Planer
Gerald Süchting

68

Rubriken

Immobilienmarkt

70

Produkte und Projekte

71

Software und IT

81

Nachrichten

82

Termine

87

Bücher

90

Impressum

91

[5

Forum Baukultur

]

Fragen zum Flughafen
Gemeinhin reihen sich die Boulevard- und
die Regional- oder Lokalpresse nicht unbedingt in das Spektrum jener Magazine,
Zeitschriften und Zeitungen ein, die über
einen satirisch angehauchten Charakter
verfügen oder gar mit kabarettistischen
Einlagen aufzuwarten pflegen. Doch wie
heißt es so schön: Keine Regel ohne Ausnahme. Und ein solcher Gedanke drängt
sich fast unweigerlich auf, wenn man
gezielt oder eben lediglich unbeabsichtigt
auf eine Internetseite stößt, die von der
Berliner Morgenpost betrieben wird – und
die nicht nur die durchaus provokativ klingende Frage »Ist der BER schon fertig?«
stellt, sondern sie auch gleich mit »Nein«
beantwortet.
Wer nun glaubt, es handele sich hier um
eine rein effektheischende Initiative, um
Politiker oder Funktionäre zu ärgern und
den Rest der Republik zu amüsieren, irrt
sich indessen gewaltig, denn diese Website bietet einiges an fundiertem Informationsgehalt. So liefert sie zum Beispiel ein
detailliertes Bild des Realisierungsfortschritts am künftigen Hauptstadtflughafen
und präsentiert zudem eine Checkliste,
welche Bauabschnitte 2015, 2016 und 2017
abgeschlossen sein soll(t)en – und welche
davon bis dato bereits im Verzug sind, komplettiert um einschlägige Meldungen zum
Thema aus dem letzten wie dem aktuellen
Jahr. Fensterfüllende, im besten Sinne
atmosphärisch zu nennende Videos von
dem Areal und den dort ablaufenden Arbeiten im Hintergrund runden das Ganze letztlich ab – und sorgen derart für wahrlich
tiefgreifende Ein- und Ausblicke.

Aktuelle Informationen als Angebot
© Berliner Morgenpost GmbH

www.istderberschonfertig.de lohnt also
mehr als einen Besuch, obwohl das manchen Berliner vielleicht ein klein bisschen
grämen dürfte.
M. W.

6]

Lektüre für Praktiker und Phantasten
© Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Utopien als Orientierung
Manche Bezeichnungen klingen eher
sperrig, wie etwa Bundesinstitut für Bau-,
Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
(BBR), deren Veröffentlichungen sich
gleichwohl stets höchst soliden, bau- und
planungspraktischen wie -theoretischen
Fragen widmen. Welche Themen jenes
Bundesinstitut im Einzelnen behandelt oder
eben untersuchen lässt, ist relativ einfach
zu überprüfen, finden sich die entsprechenden Angaben, Projektaufrufe und -resultate, Periodika und Broschüren doch allesamt im Internet unter www.bbsr.bund.de.
Wenn nun eine solche gediegen und seriös
anmutende Forschungs- und Informationseinrichtung eine Sonderpublikation mit der
Überschrift »Von Science-Fiction-Städten
lernen« herausgibt, könnte das durchaus
ein klein wenig Kopfschütteln verursachen,
zumal selbiges Druckerzeugnis im Rahmen
des Forschungsprogramms »Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt)«
des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)
entstanden ist und zudem mit dem leicht
irritierenden Untertitel »Szenarien für die
Stadtplanung« aufwartet. Das Wundern ob
eines vermeintlichen Abweges sollte sich
aber trotzdem in Grenzen halten, denn das
Ganze bzw. der in Summe 72 Seiten umfassende Band wurde gemeinsam von
den Lehrstühlen Stadtmanagement, Angewandte Medienwissenschaft sowie Entwerfen und Gebäudekunde der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU)
Cottbus-Senftenberg als Auftragnehmer
erarbeitet, hat also zumindest einen durchaus ernsthaft zu nennenden Anstrich.

Bereits im September 2015 erschienen, mit
einer ISBN versehen und, überaus erfreulich, inzwischen kostenfrei zum Download
verfügbar, ist diese Studie in acht Kapitel
gegliedert, wobei sich das Spektrum von
einer »Einleitung«, dem »Stand der film- und
literaturwissenschaftlichen Forschung«
und »Städtische Utopien« über die »Auswahl der Werke für die vergleichende Analyse«, die »Entwicklung der Analysemethode« und die »Auswertung« bis hin zur »Anschlussfähigkeit von Science-Fiction und
Stadtplanung« und einem »Ausblick« erstreckt, was per se die Hoffnung auf genauso weitreichende wie tiefgründige Erkenntnisse nährt.
Und sie bleibt nicht unerfüllt, freilich gepaart mit der winzigen Einschränkung,
dass die Lektüre auch ohne irgendwelche
nutzen- oder nutzerorientierten Hintergedanken größten Spaß bereitet, da sie zur
Neu- oder lediglich Wiederentdeckung von
Klassikern einlädt, die eine nähere, ja eine
intensive Begutachtung noch heute verdienen – gerade weil ihre Ideen und Phantasien nicht nur frühere Generationen in
außerordentlich fruchtbarer Form und Gestalt zu inspirieren wussten oder wenigstens halfen. Die Frage nach den realisierbaren Perspektiven müssen indessen
Leser und mögliche Bauherren zu einem
späteren Zeitpunkt beantworten.
M. W.

[Umrisse]

Bauhaus ohne Ende
www.bauhaus.de – für jene, die es bisher
nicht wissen dürften – zu lesen ist: »2019
begeht Deutschland mit Partnern in aller
Welt den 100. Jahrestag der Gründung des
Bauhauses als einer der bedeutendsten
kulturellen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts. Bis heute ist das Bauhaus in seiner internationalen Ausprägung der wirkungsvollste und erfolgreichste kulturelle
Exportartikel aus Deutschland im 20. Jahrhundert. Das Bauhaus gehört der Welt,
aber es kommt aus Deutschland.«
Na ja, könnte man jetzt denken, zumal seit
kurzem die Bauhaus-Schätze im -Nukleus
Boston (gleichfalls) online stehen: Zwei
Jahre lang haben Robert Wiesenberger
und Stefan Engelhorn an Struktur und Präsentation gearbeitet, um die nicht gerade
winzig zu nennende Sammlung der Harvard Art Museums sämtlichen Interessierten via Internet zugänglich zu machen.
Immerhin 32.000 Exponate umfassend und
unter anderem mit dem Teeservice von
Wilhelm Wagenfeld (1924), Walter Gropius’

und Erwin Piscators Konzept für das Totaltheater (1927) sowie mit vielen, vielen Architekturmodellen und -skizzen aufwartend,
gliedert sich dieses Archiv in Unterpunkte
wie »Chronologie«, »Bestand«, »Ressourcen«, »Credits« und einer Karte zu den
Bauhaus-Bauten in Boston – und damit zu
einer Stadt, in der Gropius nach 1937 als
Professor gelehrt und in der er 1948–1950
das Harvard University Graduate Center
errichtet hat. Der auf jener Website nicht
minder anzutreffende Essay »The Bauhaus
and Harvard« empfiehlt sich deshalb als
einleitende oder wenigstens ergänzende
Lektüre.
Das Schmökern auf und in www.harvardmuseums.org unter dem Stichwort »The
Bauhaus« ähnelt daher einer Reise, indem
es ermöglicht, bis dato Unbekanntes neu
oder Vergessenes wiederzuentdecken, finden sich doch allein in der Unterkategorie
»Architektur« im Menüpunkt »Bestand«
über 7.000 Projekte, die eine genauere
Betrachtung verdienen.
S. L.

20. – 23. September 2016

Energie gewinnen
statt aus dem
Fenster werfen
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[ Forum Baukultur

Das Bauhaus, 1919 in Weimar gegründet,
1925 nach Dessau umgezogen und bereits
1933 in Berlin geschlossen, existierte zwar
nur 14 Jahre, war aber zweifelsohne hochbedeutend und hat infolgedessen diverse
Nach- und Spätwirkungen von größerer
und eben auch kleinerer Qualität entfaltet,
die sich dank ihrer nicht selten wechselnden Ausdrucks- und Erscheinungsformen
hier kaum aufzählen lassen. Wer will oder
wollte sich also wundern, dass aller Anfang zum 100-jährigen Jubiläum angemessen gewürdigt werden soll.
So haben die drei sammlungsführenden
Institutionen in Berlin, Weimer und Dessau
in Kooperation mit dem »Bauhaus Verbund
2019« als einer Art Koalition aus den Bundesländern Baden-Württemberg, Berlin,
Brandenburg, Niedersachsen, NordrheinWestfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie der Bundesregierung in einem ersten Schritt die
Plattform www.bauhaus100.de ins Leben
gerufen, auf deren »Schwesterseite«

Forum Baukultur

]

Denkmale mit Lobby
Trotz aller Redesign-, Reeditions- und Rekonstruktionsbestrebungen samt deren
wachsender, nachgerade grenzen- und
schrankenlos anmutender Beliebtheit
gibt es noch immer Bauwerke aus vergangenen Dekaden, die um ihre Existenzberechtigung quasi kämpfen müssen, deren
Qualitäten also nicht nur in der breiten
Öffentlichkeit, sondern auch unter vermeintlichen oder tatsächlichen Experten
umstritten sind – wie zum Beispiel jene
Gebäude aus den 1960er und 1970er Jahren, die oft und gerne unter dem Begriff
des Betonbrutalismus subsumiert werden.
Sie verfügen scheinbar über keine oder
kaum eine Lobby, die sich für ihren Erhalt
engagiert oder wenigstens für eine wissenschaftliche Aufarbeitung sorgt, um
eine angemessene, auf Fakten beruhende
Einordnung ihres historischen Ranges und
ihrer künftigen Perspektiven vornehmen zu
können. Einen Gedanken, der zumindest in
diese Richtung weist, verfolgt nun ein Forschungsverbund aus Bauhaus-Universität
Weimar und Technischer Universität Dortmund, der eine finanzielle Förderung durch
das Bundesministerium für Bildung und
Forschung im Rahmen der Initiative »Die
Sprache der Objekte. Materielle Kultur im
Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen«
genießt.
Unter der zweifellos wohlmeinend gestellten Frage »Welche Denkmale welcher
Moderne?« oder, in Kurzform, WDWM auftretend, beschäftigen sich hier Fachleute
aus den Bereichen Architektur, Denkmalpflege, Kunstgeschichte und Sozialwissenschaft mit Bauwerken, Stadträumen und
Theorieansätzen seit den1960er Jahren,
wobei letztlich geklärt werden soll, »wie,
warum und von wem die Architektur dieser Zeit wahrgenommen, wertgeschätzt
und weiterverwendet wird«. Auf die Dokumentation der angekündigten Resultate bis
Ende 2017 darf man sicherlich gespannt
sein, zumal www.welchedenkmale.info
schon heute neugierig macht.
M. W.

Bauwerk (noch) mit provisorischer Holzverkleidung
© Universitätsklinikum Jena

Anatomieturm vor Rettung
Bauliche Zeugnisse aus vergangenen
Jahrhunderten, die sich für keine kommerzielle Zweit-, Dritt- oder Viertverwertung
anbieten und weder Kapellen noch Kirchen
sind, geraten nicht selten aus dem Blickfeld vermeintlicher oder tatsächlicher
Denkmalschützer, fallen oft oder sogar
zumeist dem überregionalen Vergessen
anheim und fristen somit ein Dasein, dessen Dauer lediglich von der Qualität ihrer
originären Substanz und dessen Widerstandsfähigkeit gegen Vandalismus und
alle sonstigen Arten der Verschandelung
und Vernichtung abhängt.
Und so darf, ja muss man sich freuen, dass
der Anatomieturm in Jena inzwischen größere Aufmerksamkeit genießt: Das Universitätsklinikum Jena (UKJ) hat entschieden,
dieses bedeutende Stück Stadt- und Medizingeschichte vor dem Untergang zu bewahren. Das heißt, zunächst erfolgen die
Trockenlegung des Gewölbekellers und
die Sanierung des Natursteinmauerwerks,
bevor dann ein Glasdach auf dem Turm
montiert wird, um das weitere Eindringen
von Regen und Schnee zu verhindern. Die
Kosten für die geplanten Arbeiten liegen
bei ca. 340.000 € und werden jeweils zur
Hälfte vom UKJ und der Stadt Jena getragen, wobei das Thüringer Landesverwaltungsamt zudem Fördermittel aus dem
Bund-Länder-Programm »Aktive Stadtund Ortsteilzentren« in Höhe von 170.000 €
bewilligt hat, von denen die Stadt wiederum ein Drittel als sogenannten Mitleistungsanteil finanziert. »Das Universitätsklinikum Jena ist sich seiner historischen
Verantwortung bewusst. Daher sind wir
sehr glücklich, dass nun in Kooperation

mit der Stadt die Sanierung starten kann«,
so Dr. Christian Graudenz, Projektleiter am
UKJ im Geschäftsbereich Betreibung und
Beschaffung. Das Restaurierungskonzept
wurde im Übrigen vom Architekturbüro
Dr. Anja Löffler aus Gera in Abstimmung
mit dem UKJ und der Stadt Jena als verantwortlicher Denkmalschutzbehörde
erstellt.
Die Nutzung als Anatomieturm begann
1750, als auf Veranlassung von Prof. KarlFriedrich Kaltschmid auf dem damaligen
Stumpf des Wehrturms ein Anatomisches
Theater mit hohen Fenstern, einem Seildach
und Platz für bis zu 60 Personen errichtet
wurde. 1777 übernahm dann Justus Christian Loder den Lehrstuhl für Anatomie und
regte Johann Wolfgang von Goethe an,
seine anatomischen Studien doch erneut
aufzugreifen – mit dem Resultat, dass der
Dichter und Naturwissenschaftler 1784
im Jenaer Anatomieturm schließlich den
menschlichen Zwischenkieferknochen
»entdeckte«. Doch nicht nur Goethe forschte im Anatomieturm, sondern auch die
Gebrüder Humboldt. Wilhelm von Humboldt
zum Beispiel hat hier 1794 seine anatomischen Studien begonnen, und Alexander
von Humboldt machte in Vorbereitung auf
seine großen Amerikaexpeditionen 1797
in Jena Zwischenstation.
Welchem Zweck der künftig nutzbare Innenraum des Turms tatsächlich dienen
wird, steht bisher zwar nicht fest, gedacht
wird aber unter anderem an die Unterbringung von Schautafeln zur Jenaer Medizingeschichte. Zumindest erste Ein- und Aussichten zu gewinnen, erlaubt bereits heute
www.klinikum-jena.de.
S. L.

8]

[Umrisse]

Open Access in Berlin
Access« bedeutet und damit jedermann
und -frau ermöglicht, über die hier anzutreffenden Bilddateien frei zu verfügen,
im Übrigen genauso wie über die begleitenden Forschungsresultate, die auf dem
Repositorium DepositOnce zu finden sind:
»Die Änderung unserer Nutzungsbestimmungen ist ein weiterer wichtiger Schritt
in Richtung Open Access, des freien Zugangs zu wissenschaftlicher Information«,
so Dr. Hans-Dieter Nägelke, Leiter des
Architekturmuseums.
Eine zweites Vorhaben von ähnlicher Relevanz verantwortet hingegen der Lehrstuhl
für Bühnenbild und Szenischer Raum, indem er die bedeutende Theaterbausammlung der TU Berlin erschließen und digitalisieren will: In Kooperation mit der Beuth
Hochschule für Technik wird seit Februar
2016 zunächst an der Sichtung eines Fundus gearbeitet, der als Teil des Nachlasses
des Theatertechnikers und Bühnenarchitekten Prof. Friedrich Kranich im Grunde
auf einem Konvolut aus Planmappen mit
319 Theatergebäuden, über 600 Glasplatten-Negativen in verschiedenen Formaten,

44 Aktenordnern und Mappen mit Lehrmaterial aus den 1950er und 1960er Jahren
sowie Mappen mit diversen historischen
Bühnenbildzeichnungen basiert – und als
einmalige Dokumentation den Status quo
der Theaterbaulandschaft nach den visionären Entwicklungen der 1920er bis 1930er
Jahre und dem Rückbau während des
Nationalsozialismus widerspiegelt.
Nachfolgend seien deshalb die zugehörigen Internetseiten
– www.architekturmuseum.ub.
tu-berlin.de,
– www.depositonce.tu-berlin.de,
– www.tu-buehnenbild.de
aufgelistet, denn sie verdienen mehr als
Aufmerksamkeit und ihre Initiatoren bzw.
die des »Inhalts« zudem höchstes Lob. Ob
sie darüber hinaus zu weiteren Erwägungen oder gar zur Nachahmung anregen,
sie also die gleichfalls von Steuerzahlern
finanzierten, in ihrer Einsichtgewährungspolitik aber bis dato ziemlich rigide verfahrenden Institutionen zum Einlenken bewegen können, bleibt indessen fraglich.

[ Forum Baukultur

Der Titel dieses Beitrags ist, zugegebenermaßen, leicht irreführend, da er keineswegs
besagen soll, dass die in Berlin ansässigen
Architektur-, Bau- und Wissenschaftsverlage ihre Periodika und sonstigen Publikationen künftig als gemeinfreie Güter der
Öffentlichkeit zugänglich machen und derart ihr bisheriges Geschäftsmodell zu unterminieren gedenken, sondern er verweist
lediglich auf die Vorreiterrolle der dortigen
Technischen Universität (TU), wie sie sich
unter anderem an der vor zehn Jahren
begonnenen Digitalisierungskampagne
zeigt.
Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes namens »Digiplan« hat das Architekturmuseum der TU Berlin seit 2006 seinen
gesamten Bestand von immerhin 140.000
Objekten, wie zum Beispiel Gemälde, Planzeichnungen, Photographien, Skizzenbögen
und Artefakte aller Art, entsprechend erfasst, dann in einer Datenbank abgelegt
und selbige nun online gestellt – und zwar
unter der sogenannten Creative Commons
Public Domain Mark, was letztlich »Open

S. L.

Beton?
Natürlich.

Natürlich temperierend.
temperierend.
:LPUNYVLZ[OLYTPZJOLZ:WLPJOLY]LYT€NLUTHJO[)L[VUa\LPULTPKLHSLU)H\Z[VɈ0T:VTTLYISLPI[
(\LU^pYTL^LP[LZ[NLOLUKKYH\LU\UKPT>PU[LY^PYK0UULU^pYTLPT9H\TNLOHS[LU:VLU[Z[LO[
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)L[VURLYUHR[P]PLY\UNUVJOLɉaPLU[LYNLZ[HS[LU/PLYLYMHOYLU:PLTLOY!
www.beton.org/temperierend
www
w.beton.org/temperier
.beton.org/te
end oder QR-Code einscannen

Vom Elfenbeinturm in den Leuchtturm
Über das Verhältnis von Wissensarchitekturen und Stadtentwicklung

10]

Einleitung

Wissensarchitekturen
als Corporate Architecture

Ausgangspunkt der folgenden Ausführungen ist die Beobachtung, dass die Kunsthochschulen in Zürich, Basel und Luzern in
städtischen Entwicklungsgebieten in die
bauliche Infrastruktur investieren oder wie
in Bern, um konkurrenzfähig zu bleiben,
Investitionen für Erweiterungsbauten einfordern. Die Pädagogische Hochschule
Zürich hat 2013 einen vielbeachteten Neubau in der Stadtmitte über einer ShoppingMall bezogen, die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich plant Erweiterungen für eine urbane Verdichtung der
Science City Hönggerberg. Die Universität
Zürich, die ETH und das Universitätsspital
schließlich wollen das zentral gelegene,
gewachsene Hochschulquartier erneuern
und es mit dem Schauspielhaus und dem
Kunsthaus um eine »Bildungs- und Kulturmeile« erweitern. Zugespitzt lässt sich
im direkten wie übertragenen Sinn die
These formulieren, dass die unternehmerisch geführte Hochschule einen Umzug
vom Elfenbeinturm in den Leuchtturm
anstrebt. Durch diese Investitionen in die
Corporate Architecture werden die Bedeutung des Standorts der Hochschulen und
ihr Bezug zur Stadt akzentuiert. Dies ist
zum einen als Folge der Hochschulpolitik
zu lesen, die sich im verstärkten internationalen Wettbewerb auf dem Bildungsmarkt
bewähren muss. Darüber hinaus, und hier
von besonderem Interesse, manifestiert
sich darin baulich und sozial ein neues
wechselseitiges Verhältnis von Wissensarchitektur und Stadtentwicklung: Hochschulen werden nicht mehr als in sich abgeschlossene Wissenssysteme errichtet
und gedacht, sondern sie öffnen sich erkennbar zum städtischen Umfeld und nehmen darauf Bezug. Für die Kommunen sind
die Hochschulen in urbanen Transformationsprozessen städtebaulich wichtige
Elemente und maßgebliche Entwicklungsfaktoren. Diese beiden Perspektiven von
Hochschule und Stadt sollen nachfolgend
beleuchtet und anhand der eingangs erwähnten Beispiele ausgeführt werden.

Mit der aktuellen Wissensgesellschaft
haben sich die Rahmenbedingungen für
die Bildung verändert, das Hochschulwesen ist einer globalen Wettbewerbssituation ausgesetzt. Es geht um knapper
werdende Budgets, innovative Forschungsergebnisse und eine immer mobilere Bildungselite. Danach stehen nicht mehr Bildungschancen für alle im Zentrum, sondern Prinzipien wie Exzellenz und Qualität.
Hochschulen befinden sich vermehrt unter
dem Druck, sich regional, national und
international zu positionieren, um konkurrenzfähig zu bleiben. Je nach Bedarf und
Leistungsziel wird entweder die Lehre oder
die international ausgerichtete Forschung
mit Innovationspotential als zentraler Treiber der Positionierung ins Zentrum der
Hochschulstrategie gerückt. Forciert und
getrieben wurde dieser Wandel unter anderem mit dem im Jahr 2000 formulierten
Beschluss des Europäischen Rats, dem
sogenannten Lissabonner Abkommen,
dem zufolge die Europäische Union sich
zu einem der »wettbewerbsfähigsten und
dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsräume in der Welt« entwickeln
sollte, sowie der Bologna-Reform, durch
welche das Ideal eines einheitlichen europäischen Hochschulraums mit vergleichbaren Studienformaten erreicht werden
sollte.
Im Rahmen dieser Positionierung der Einzelinstitutionen und insbesondere mit der
Entwicklung der Fachhochschulen wurden
in den letzten zehn Jahren auch in der
Schweiz neue baulich-räumliche Anforderungen an die Bildungsinstitutionen
gestellt. Viele Hochschulen investierten
deshalb in ihre Standorte und Gebäude,
sie leiteten umfassende Modernisierungsprojekte ein oder errichteten neue, teils
spektakuläre Bauten. Die Gestaltung der
neuen Hochschulen und deren Anbindung
an die Stadt spielen in solchen Planungen
eine zunehmend wichtigere Rolle – mit
dem Ziel, sich im Wettbewerb behaupten
zu können. Die Bedeutung der Architektur

und Infrastruktur wird damit für die Hochschule noch größer. Neben den inhaltlichen und baulichen Anforderungen sind
ein attraktiver Standort und modernste
Infrastruktur Teil von intensivierten Marketingmaßnahmen im Sinne der Corporate
Architecture. Das bedeutet, es wird architektonisch in die behauptete Potenz investiert, um der Exzellenz der Lehr- und Forschungsanstalten materiell wie visuell
Ausdruck zu verleihen. Das Image und die
Strahlkraft der Hochschule reichen über
das Fächerspektrum, das Studienangebot
und den Lehrkörper hinaus und unterstreichen bewusst Argumente des Standorts,
sei es fürs Wohnen oder fürs Arbeiten.
Damit sollen die begabtesten Studenten,
die renommiertesten Forscherinnen und
die besten Dozenten angesprochen werden. Im direkten wie übertragenen Sinn
vollzieht die unternehmerisch geführte
Hochschule damit den Umzug vom Elfenbeinturm in den Leuchtturm. Wie sich die
Öffnung der Hochschulen zum urbanen
Umfeld auf den Lehr- und Forschungsbetrieb auswirkt und wie sich mit der intensivierten Nachbarschaft der gesellschaftliche Anspruch an die Bildungsinstitution
weiter verändert, lässt sich heute noch
schwer abschätzen. Gewiss ist, dass die
Hochschulen hinsichtlich der Legitimation
und Verwertbarkeit des von ihnen »produzierten« Wissens stärker in den öffentlichen Fokus rücken.

[Umrisse]

Stadtentwicklung
durch »Studentification«
Als öffentliche Institutionen prägten und
prägen die Hochschulen das Gesicht und
die Geschichte der Stadt mit. Dass Hochschulen als Orte des Wissens, als Impulsgeber für Kreativität, Innovation und Kultur
verstanden und dementsprechend durch
die Städte gefördert werden, ist an sich
kein neuer Befund. In der wissensbasierten Gesellschaft nehmen die Hochschulen
in urbanen Entwicklungsprozessen aber
eine zunehmend bedeutendere Rolle ein.
Die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen zeigen sich im räumlichen System:
So häuft sich in stadtentwicklungspolitischen Leitbildern die Formulierung von Zielen rund um den Begriff der »Wissensgesellschaft«. Unter Stichworten wie »Stadt
des Wissens«, »UniverCity«, »Science City«
oder »Knowledge City« wurden und werden
Forschungsprogramme und Wettbewerbe
formuliert, die das städtische Zusammenspiel von Globalisierung, regionalem Strukturwandel und dem veränderten Stellenwert von Wissen für Politik, Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft untersuchen. Dies
bekräftigt nicht zuletzt das Motto der Internationalen Bauausstellung (IBA) in Heidelberg: »Wissen schafft Stadt«. Die IBA bezeichnet damit doppelsinnig das Wissen
und die Wissenschaft als Motor der Stadtentwicklung. Obwohl ein gehöriges Maß
an Rhetorik, Stadt- oder Standortmarketing
darin steckt, ist diese Entwicklung durchaus ernst zu nehmen.

[Umrisse]

In all ihrer Verschiedenheit zeugen die
Überlegungen der »wissensbasierten«
Stadtentwicklung davon, dass die Frage
des Verhältnisses von Stadt und Wissen
gegenwärtig neu verhandelt wird. Selten wird kritisch im Sinne der »Enträumlichungsthese« hinterfragt, ob für die Wissensproduktion denn überhaupt physischmaterielle Infrastrukturen, sprich ein Standort, notwendig sind. Ganz im Gegenteil:
Das Konzept der »Proximity«, also der
Nähe-Beziehungen, spielt in der Regionalökonomie eine große Rolle; es setzt auf
die sozialräumlich vorhandene Ressource
Wissen, die nebst der globalen technologiebasierten Kommunikation face-to-face
in Wissensnetzwerken gebündelt werden
soll. Die räumliche Nähe von unterschiedlichen Wissensträgern gilt auch gemäß
Saskia Sassen als Voraussetzung für einen
prosperierenden Standort. Global bedeutende Städte sind heute nicht mehr nur
durch die Finanzökonomie geprägt, sondern zunehmend auch durch eine hochspezialisierte Wissensökonomie: Bestehend aus einem Netzwerk aus Spezialisten, vertraut mit der lokalen Geschäftskultur und einem hochdifferenzierten urbanen Wissenskapital, das die Besonderheit
einer Stadt abbildet und damit eine besondere Begabung (»Capacity«) verknüpft.
Neben branchen- oder fächerspezifischen
Kompetenzen bilden Hochschulen generalisierende Handlungsfähigkeiten aus: die
Fähigkeit, situationsadäquat neue Kompetenzen auszubilden und sie für Problemlösungen einzusetzen (Rudolf Stichweh).
Diese Möglichkeit, Lerneffekte auf andere
Problemstellungen zu übertragen, wird
auch als »Productivity Spillover« bezeichnet. Deshalb ist der Wissensaustausch
zwischen Hochschulen, Unternehmen
und Stadt zentral.
Aus diesen Darlegungen dürfte deutlich
werden, warum die Kommunen Interesse
an den Hochschulen, ihren Absolventinnen
und Absolventen haben und mittels Stadtentwicklung die Qualität des Wissensstandorts sichern wollen. Dabei ist das Verhältnis von Hochschule und Stadtentwicklung
nicht nur an ökonomisches Wachstum
geknüpft, es ist vielfältiger. Auffallend ist,
wie gerade in den städtischen Entwicklungsgebieten vermehrt auf Wissensarchitekturen gesetzt wird, um den Wandel und

die künftige Nutzung eines Quartiers zu
fördern. Für die Städte sind Bildungs- und
Forschungsinstitutionen neben der wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung
eigentliche »Urbanitätstreiber«. In Ergänzung zu den materiellen und baulichen
Komponenten von Hochschulen in Entwicklungsgebieten sind soziale Komponenten für die Areale wichtig. Das heißt, die
Stadt kann für noch wenig belebte Gebiete
ein junges, dynamisches oder kreatives
Image generieren. Dies kommt vor allem
bei urbanen Transformationsprozessen
zum Tragen, wo die große Zahl von Studierenden und Dozierenden die Entwicklung
des Quartiers befördert. Kritik an der Tatsache, dass Hochschulangehörige damit
als Statisten oder kritische Masse für die
Stadtentwicklung instrumentalisiert werden, wird mit dem Stichwort »Studentification« in Anlehnung an den Begriff der
Gentrification ausgedrückt.

Statt eines Fazits: sechs Beispiele
Wie konkret die Öffnung der Hochschule
hin zur Stadt und der Einbezug von Wissensarchitekturen für die Stadtentwicklung
geplant werden, sollen die nachfolgenden
Beispiele aus der Deutschschweiz verdeutlichen. Anhand der realisierten oder
geplanten Vorhaben werden jeweils unterschiedliche Aspekte gestreift. Die Wertigkeit des Wissens in den Stadträumen und
deren elementare Bedeutung für die Quartiere zeigen alle diese Leuchtturmprojekte
auf. Eine Bilanz, wie das wechselseitige
Verhältnis von Stadt und Hochschule an
der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik
und Gesellschaft ausfällt, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gezogen werden, dazu
müssten die Akteure über ihre Alltagsrealität befragt werden. Für die städtebaulichen Prozesse indes gilt: Es muss mit
einem Zeithorizont von mindestens zehn
Jahren gerechnet werden. Dass einige
»Stadtreparaturen« notwendig sind und
folgen werden, zeichnet sich allerdings
schon heute ab.

[11

Hochschule für Gestaltung und
Kunst Luzern – vom Industrieareal
zum Werk- und Denkplatz:
Auf einer Fläche so groß wie die Luzerner Altstadt entsteht am Ufer der Kleinen
Emme ein neuer Stadtteil namens »Viscosistadt«, in dem Arbeit, Bildung und Kultur
sowie Wohnen Platz finden sollen. Auf dem
Industriegelände, dessen Bauten überwiegend erhalten bleiben, sind mehr als 50
Firmen oder Freischaffende aus Industrie,
Gewerbe und Bildung aus über 15 Branchen tätig. Kernstück und als öffentliche
Institution ein wichtiger Anker für die Planung ist der auf den Hauptplatz ausgerichtete »Bau 745«, das umgebaute Kunsthochschulgebäude, das rückseitig an den
16.000 m² umfassenden Emmen-Park am
Fluss grenzt. Rund 300 Studierende und 90
Dozierende der Hochschule werden 2016
an den neuen Standort ziehen. (Masterplan
Monosuisse-Areal 2012 sowie Umbau für
die Kunsthochschule Departement Kunst
und Design im »Bau 745«: EM2N Architekten, Zürich)

Künftiger Standort am Emme-Park als Freifläche und öffentliche Zone in Luzern
© EM2N Architekten

Hochschule für Gestaltung und Kunst
Basel – Campus der Künste:
Rund 750 Studierende und 200 Dozierende
haben seit Herbst 2014 im neuerrichteten
Hochhaus sowie im umgebauten ehemaligen Zollfreilager ihre Studien- und Arbeitsplätze. Die von der Kunsthochschule genutzten Liegenschaften, die auf dem Dreispitz-Areal konzentriert wurden, stoßen
alle an den Freilager-Platz, dem als Treffpunkt und Veranstaltungsort eine übergeordnete und identitätsstiftende Bedeutung
zukommen soll. Die Hochschule für Gestaltung und Kunst, Fachhochschule Nordwestschweiz (HGK FHNW) wird zum ge-

Freilager-Platz als zentraler Treffpunkt vor dem umgebauten
Zollfreilager mit Ateliers und Werkstätten
© Hans-Peter Huser/HGK FHNW

12]

wichtigen Faktor innerhalb der Quartierentwicklung, deren Gestaltung über Grünund Freiflächen erfolgt. Das Areal wird von
kulturellen Nutzungen sowie Wohnungen
und Büros geprägt: Transitlager, Haus für
elektronische Künste, Ausstellungsraum
Oslo10, Internationales Austausch- und
Atelierprogramm Region Basel iaab sowie das Archiv- und Wohngebäude des
Architekturbüros Herzog & de Meuron.
(Entwicklungskonzept Vision Dreispitz:
Herzog & de Meuron, Basel; Hochhausneubau: Morger + Dettli Architekten, Basel;
Umbau Zollfreilager: Müller Sigrist Architekten, Zürich)

Campus Dreispitz in Basel: ein Hochhaus für die Künste
© Hans-Peter Huser/HGK FHNW

[Umrisse]

Toni-Areal im ehemaligen Industriequartier als Sitz der Hochschule
© Regula Bearth/Züricher Hochschule der Künste

Züricher Hochschule der Künste – von
der Joghurtfabrik zur Kunsthochschule:
Die Züricher Hochschule der Künste ZHdK
ist im Sommer 2014 aus 35 Standorten ins
Toni-Areal gezogen. Mit dieser Umsiedlung
soll die Idee einer Kunsthochschule verwirklicht werden, die alle Kunst- und Designdisziplinen umfasst und an einem Ort vereint ist. Die Öffnung der Hochschule hin zur
Stadt zeigt sich über einen sogenannten
Kulturboulevard mit Konzert-, Kino- und
Ausstellungsräumen, die über die Rampe
für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Auf
der Stadtebene ermöglichen die Werkstätten einen Einblick in die Produktion der
Hochschule, zudem laden ein Bistro und
Musikklub zum Verweilen ein. (Umbau
Toni-Areal: EM2N Architekten, Zürich)

Rampe der ehemaligen Molkerei: Kulturboulevard für das Stadtpublikum
© Regula Bearth/Züricher Hochschule der Künste

Pädagogische Hochschule Zürich –
Haus des Lernens als Wegmarke
im neuen Quartier:
Die Pädagogische Hochschule Zürich (PHZ)
ist Teil des Stadtentwicklungsgebiets Europaallee, an zentralster Lage beim Hauptbahnhof Zürich gelegen. Das neue Quartier
mit einem Nutzungsmix von Dienstleistung,
Gewerbe und Wohnbauten soll auf einer
Fläche von ca. 80.000 m² die Innenstadt
erweitern und ergänzen sowie eine stärkere Verbindung zu den Quartieren Aussersihl und Industrie herstellen. Die Hochschule wurde im sogenannten Baufeld A

als erstes Gebäude der neuen Überbauung
auf dem Areal der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) im Sommer 2012 eröffnet.
Rund 600 Angestellte und über 2.500 Studierende, die hier erstmals konzentriert an
einem Standort zusammengefasst werden,
stehen für die Bedeutung von Bildung. In
unmittelbarer Nachbarschaft zur PHZ sind
zudem die Fachhochschule Sihlhof, eine
Privatschule sowie die Berufsschule angesiedelt. (Masterplan Europaallee: Kees
Christiaanse, KCAP, Rotterdam; Gebäude:
Max Dudler Architekten, Zürich)

Maximale Dichte für die neuen
Gebäude am Campusplatz
© Mike Krishnatreya/Pädagogische
Hochschule Zürich

[Umrisse]

[13

ETH Zürich –
from Science City to City of Science:
Zentrales Element für den Ausbau und Entwicklungsplan der ETH Hönggerberg, die in
den 1970er Jahren auf der grünen Wiese
für die autogerechte Stadt entworfen wurde, ist, mehr Diversität und Dichte in den
Campus zu bringen. Mit Wohnungen für
Studierende und zusätzlichen Restaurants,
Läden und Gewerbebetrieben sollen urbane Qualitäten gestärkt und ein Anschluss
an die Stadt ermöglicht werden. Seit 1999
verfolgt die ETH Zürich eine Infrastrukturentwicklungsstrategie in den drei Wissensräumen ETH Zentrum, ETH Science City
sowie ETH World. Es ist hier erklärtes Ziel,
sämtliche Innen- und Außenbereiche der
ETH als Teil eines universitären Wissensraumes zu gestalten. Dies beginnt bei der
städtebaulichen Planung, ETH Zentrum und
Science City, sowie auch bei dem durch
Informationsarchitektur zu gestaltenden
virtuellen Raum ETH World. (Masterplan
Science City: Kees Christiaanse, KCAP,
Rotterdam)
ETH, Universität und Universitätsspital –
Bildungs- und Kulturmeile
City Campus Zürich:
Die Bauten von Universität und ETH Zürich
thronen über der Stadt und verkörpern das
Verhältnis von bürgerlicher Gesellschaft
und Bildung im 19. Jahrhundert. Um sich im
internationalen Wettbewerb zu behaupten,
wollen beide Einrichtungen nun gemeinsam mit dem Universitätsspital das gewachsene Hochschulquartier erneuern.

Ausbau im Modell: mögliche Volumina und verbindende Elemente in der Science City
© Kees Christiaanse/KCAP

Im Masterplan bildet ein neuer HochschulPlatz von 150 m x 50 m, an den Universität
und ETH sowie Universitätsspital grenzen,
als Herzstück das öffentliche Zentrum, das
mit einer Bildungs- und Kulturmeile entlang
der Rämi- und Universitätsstraße ergänzt
wird sowie Kunsthaus und Schauspielhaus
einbezieht. Markante Neubauten sollen
eine Verdichtung ermöglichen, ehemalige
durch Institute genutzte Wohnbauten ans

Quartier zurückgegeben werden. Außerdem ist vorgesehen, im neuen Hochschulbereich Bildung und Kultur räumlich durch
Park- und Grünflächen zu verzahnen: Stand
2014 des Masterplanes Hochschulgebiet
Zürich.
Janine Schiller
lic.phil. MAS ETH gta
Züricher Hochschule der Künste

Anmerkung
Bei diesem Beitrag handelt es sich um die leicht
überarbeitete Fassung eines Artikels, dessen
Erstveröffentlichung am 3. September 2015 im
Onlinemagazin Common the Journal zum Thema
»Geschichten, Bilder und Metaphern der Stadt.
Bedeutungsüberschuss als schöpferisches Potential« erfolgt ist; vgl. www.commonthejournal.com/
category/staedte-als-produzenten-von-geschichten.
Mögliche Neubaugebiete im gewachsenen Quartier:
Ersatz der impliziten durch eine systematisch geplante Verzahnung
© Stadt Zürich

14]

[Umrisse]

Gebäude für die universitäre Spitzenforschung
Weiterentwicklung des High-Tech-Campus Martinsried-Großhadern
Gebäude für »Lifesciences«

Einleitung
Der Forschungscampus Martinsried kann
heute bereits auf eine 20-jährige Entwicklung zurückblicken. 1995 erhielt das damalige Universitätsbauamt München den
Auftrag, einen Architektenwettbewerb für
einen neuen Campus der Ludwig-Maximilians-Universität München westlich des
Areals des bestehenden Klinikums Großhadern, auf dem Gemeindegebiet von Planegg im Ortsteil Martinsried, durchzuführen. Auf einer Fläche von 28.000 ha sollten
hier im Rahmen eines städtebaulichen
Ideenwettbewerbs 270.000 m² Geschoßfläche entwickelt werden. Anlass für den
Realisierungsteil dieses Wettbewerbs war
die Verlagerung der Fakultät für Biologie
vom Botanischen Garten an den
Stadtrand.

Drei neue Gebäude: Biomedizinisches Zentrum (A),
Forschungszentrum für Molekulare Biosysteme (B),
Centrum für Schlaganfall- und Demenzforschung (C)
© Staatliches Bauamt München 2

[Umrisse]

Mittlerweile hat sich der Campus in Martinsried weiterentwickelt: Nach zwei Bauabschnitten für die Biologie und einer
Mensa folgte das Biomedizinische Centrum (BMC), das am 26. Oktober 2015 in
Anwesenheit von Ministerpräsident Horst
Seehofer und Bundesforschungsministerin
Johanna Wanka feierlich eingeweiht
wurde. Der neue Campus Martinsried ist
nun knapp zur Hälfte gefüllt. Basierend auf
dem städtebaulichen Konzept von 1996
wird die Notwendigkeit erkannt, ihn mit
den Instituten nördlich des Klinikums
Großhadern zu vernetzen. Die interdisziplinäre Forschung erfordert inzwischen
auch bauliche Lösungen, um den Austausch über Forschungsinhalte der verschiedenen Institute zu ermöglichen. Auf
der Großhaderner Seite nördlich des Klinikums entstanden nahezu zeitgleich das
Centrum für Schlaganfall- und Demenzforschung (CSD) und ein Forschungszentrum
für Molekulare Biosysteme (BioSys M).

Über die Jahre hat sich der Campus Martinsried-Großhadern zu einem weltweit
renommierten Standort der »Lifesciences«
etabliert. Neben den Instituten der LudwigMaximilians-Universität München (LMU)
befinden sich in unmittelbarer Nähe das
Universitätsklinikum Großhadern und die
Max-Planck-Institute für Biochemie und
Neurobiologie. Das Forschungsspektrum
reicht also von der Biologie über die Biochemie bis zur Chemie und steht im direkten Austausch mit der Medizin. Vereinfacht
ausgedrückt geht es um die Erforschung
des Lebens. Der Fokus richtet sich dabei
auf die Zellforschung und die Wirkungsweisen von Bioprozessen. Mit der Erkenntnis der Funktionsmechanismen der Zellen
aufgrund von Erbinformationen können
Methoden zur Beeinflussung der Stoffwechselprozesse und Heilung von Krankheiten entwickelt werden. Die Institute
leisten folglich einen wesentlichen Beitrag zur Grundlagenforschung für Krebserkrankungen, Stoffwechselleiden, Autoimmunerkrankungen oder Allergien. Aktuelle Erkenntnisse aus den Bereichen der
molekularen Biologie, der Zellbiologie,
der Physiologie und der Humangenetik
sind die Basis für ein besseres Verständnis von zahlreichen Krankheiten und die
Entwicklung zukunftsweisender Therapieansätze.
Die Einrichtung des BMC bildet die Schnittstelle zwischen medizinisch-theoretischer,
klinischer und medizinorientierter, naturwissenschaftlicher Forschung. Zudem wird
die vorklinische Lehre für alle Studenten
der Humanmedizin an der LMU künftig
größtenteils am BMC stattfinden. Dementsprechend ist es auch baulich aus zwei
Teilen konzipiert: dem sogenannten Zellzentrum, das der Forschung gewidmet ist,
und dem Lehr- und Zentralgebäude.

[15

Varianz in der Architektur
Neurodegenerative Erkrankungen und
Schlaganfälle zählen heute weltweit zu
den zehn häufigsten Erkrankungen und
damit zu den drängendsten gesundheitlichen Herausforderungen in alternden
Gesellschaften. Das neue Forschungszentrum des CSD soll im Rahmen eines
bundesweiten Netzwerks Beiträge zu Prävention und Therapie liefern. Das Deutsche
Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und das Centrum für Schlaganfall- und Demenzforschung (CSD) haben
das neue Bauwerk bezogen. Ziel des integrativen Forschungsansatzes ist der intensive Austausch von grundlagen- und
anwendungsorientierter Forschung.
Der Schwerpunkt der Forschungstätigkeiten im BioSys M liegt im Bereich der molekularen Systembiologie. Das heißt, Intention sind die Entwicklung und Anwendung
neuer Verfahren für die Analyse und Steuerung biologischer Systeme auf molekularer
Ebene. Dazu führt das Forschungszentrum
BioSys M verschiedene Disziplinen biologisch-chemischer Forschungen zusammen und etabliert damit innovative Technologien an der Grenzfläche von Biochemie,
Genetik, Bioinformatik, Synthesechemie
und Bioimaging. Durch Teamarbeit soll vor
allem ein zentraler Prozess allen Lebens
im Detail geklärt werden: die Regulation
der Gene. Gleichzeitig soll ein enger Bezug
zur medizinischen Anwendung hergestellt
werden, insbesondere in der Krebs-, Stammzell- und Kreislaufforschung. Der Neubau
wird eine international kompetitive Infrastruktur schaffen, die für die molekulare
Biosystemforschung essentiell ist.

Alle drei Bauwerke weisen inhaltlich ähnliche Raumstrukturen auf, denn für Forschungsgebäude sind Labore unterschiedlichster Ausformung die wesentliche Anforderung. Das Spektrum reicht hier von
Einzellaboren bis zu Kombilaboren, in denen zwischen dem Labor- und Auswertungsbereich differenziert wird. Das BMC
und das CSD verfügen darüber hinaus
noch über Tierhaltungen. Obwohl bei allen
drei Gebäuden durch die Labore große
Ähnlichkeiten bestehen, zeigen sie sich
doch in sehr unterschiedlichem Gewand
und verfügen über eine vielfältige Gestaltung.
Das BMC ist eingebettet in den Formenkanon der Bestandsbauten für die Biologie.
Bandfassaden mit vorgehängten Keramikplatten prägen daher sein Erscheinungsbild, mit einem leuchtenden Grün werden
aber zugleich neue Akzente auf dem Campus gesetzt. Zu den Außenseiten wurde
die Keramik hellgrün changierend glasiert,
zum Innenhof hin in Rotbrauntönen gehalten. Eine Metallverkleidung bietet dem
Audimax im Innenhof ein angemessenes
Kleid.
Wesentlich zurückhaltender ist auf den
ersten Blick die Fassade des CSD: Der
quadratische Kubus erhielt eine Hülle aus
Streckmetall. Die Felder können mechanisch aufgeklappt werden, wobei dann
jeweils zwei Flügel nach außen stehen und
als Sonnenschutz dienen. In der Praxis
erweist sich die geschlossene Hülle als
sehr praktikabel. Der Lichteinfall durch die
Streckmetalltafeln ist für eine natürliche
Belichtung in Fassadennähe bereits
ausreichend.

Neue Wege wurden im BioSys M beschritten, indem die geschlossenen Brüstungen
mit weißbeschichteten Glasplatten verkleidet sind. Die Fensterbänder erhielten senkrechte bewegliche Sonnenschutzlamellen
aus feinperforiertem Lochblech. Durch die
Rundungen des Gebäudes wird eine »endlos« umlaufende Fassade suggeriert. Der
weiße Baukörper erzielt eine ausgesprochen homogene Wirkung und setzt sich
sehr deutlich von den Bestandsbauten der
Fakultät für Chemie und Pharmazie ab.

Aspekt: Energieeinsparung
Alle Forschungsbauten unterschreiten die
maßgeblichen Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009 für die Gebäudehülle und den Primärenergieaufwand
um ca. 30 %.
Im BMC wird das Grundwasser ganzjährig
für Laborkühlwasser und Betonkernaktivierung genutzt. Der Bau wird, wie auch die
anderen Gebäude, mit Fernwärme versorgt
und ist mit einer Photovoltaikanlage sowie
einer hocheffizienten Wärmerückgewinnung bei den Lüftungsanlagen ausgestattet. Durch die Maßnahmen zur Energieoptimierung ergibt sich allein für dieses
Gebäude eine Einsparung von insgesamt
4.840 t CO2 im Jahr gegenüber einer lediglich den Mindestanforderungen entsprechenden Ausführung.
Beim CSD wurden eine thermische Nutzung von Grundwasser für die Kälteerzeugung, eine Photovoltaikanlage und ein
Konzept zur passiven Nachtauskühlung
realisiert.
Beim BioSys M erfolgte die Umsetzung der
energetischen Maßnahmen mittels hocheffizienter Wärmerückgewinnung, adiabater Kühlung und bedarfsgerechter Regelung im Bereich der raumlufttechnischen
Anlagen sowie der Nutzung von »Freier
Kühlung« in den Bereichen Laborkühlwasser und Serverraum.

Erscheinungsbild aus nordöstlicher Richtung
© Staatliches Bauamt München 2

16]

[Umrisse]

Biomedizinisches Centrum
am Campusplatz
© Stefan Müller-Naumann

Das Biomedizinische Centrum
Im Jahr 2007 lobte das Staatliche Bauamt
München 2 für den Neubau des BMC einen
begrenzt offenen Realisierungswettbewerb
mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren nach den »Grundsätzen und Richtlinien
für Wettbewerbe auf den Gebieten der
Raumplanung, des Städtebaus und des
Bauwesens« (GRW) aus. Einstimmig wur-

de beschlossen, die Arbeit des jungen
Freiburger Büros K9 Architekten Borgards.
Lösch.Piribauer mit dem ersten Preis auszuzeichnen. Das Gesamtkonzept der Architekten wird abschnittsweise umgesetzt,
das heißt, der westliche von insgesamt
vier Baukörpern ist noch zurückgestellt
und wird in einem zweiten Bauabschnitt

realisiert. Das BMC weist Labore für ca.
450 Mitarbeiter in der Forschung und in
der Lehre auf und bietet zudem Platz für
bis zu 2.000 Studentinnen und Studenten.
Die Dimensionen des Gebäudes sind beeindruckend: Die Hauptbaukörper haben
Abmessungen von ca. 178 m x 108 m, die
Nutzfläche 1–6 beträgt 18.200 m².

Großer Hörsaal im Innern
© Stefan Müller-Naumann
Grundriss des ersten Obergeschosses
© K9 Architekten GmbH

Kunstwerk von Peter Kogler
© Stefan Müller-Naumann

[Umrisse]

[17

Das BMC bildet durch die Anordnung der
einzelnen Baukörper, die ringförmig erschlossen werden, einen zentralen, begrünten Innenhof aus. In diesem Innenhof
liegt die Sonderform des Audimax für 950
Zuhörer. Der langgestreckte Baukörper
im Süden beinhaltet die sonstigen Räumlichkeiten für die Lehre. Labor- und Büroflächen für die Forschung befinden sich
in den zwei Baukörpern im Osten und Norden des Gesamtkomplexes. Beide verfügen
jeweils über einen eigenen kleinen Innenhof, an dem Kommunikationsflächen, Seminarräume und Teeküchen angegliedert
sind. Die eigentlichen Laborflächen waren
im Wettbewerb als konventionelle Laborräume vorgesehen. Im Zuge der weiteren
Planung wurde hingegen ein Mix aus konventionellen Laborräumen und großflächigen Kombilaborzonen mit abgeteilten Auswertebereichen entlang den Fassaden entwickelt. In den Untergeschossen befinden
sich die Räume für die Tierhaltung, dabei
stehen die beiden Ebenen in direktem
Zusammenhang: Die Tierhaltungsräume
liegen im zweiten Untergeschoß, während
das erste im Wesentlichen der Unterbringung der Gebäudetechnik dient. Sie muss
redundant ausgeführt werden, so dass die
Druckhaltung der Lüftung und die Stromversorgung zu jeder Zeit gewährleistet
bleiben.

Die bislang diagonal über den Campusplatz
führende Großhaderner Straße wurde verkehrsberuhigt, als historische Zäsur beibehalten und in eine Fuß- und Radwegeverbindung umgewandelt.
In unmittelbarer Zukunft ist die Verlängerung der U-Bahn aus dem Stadtzentrum
auf den Campus Martinsried geplant. Der
»Brain Train« wird dann die beiden Forschungscampus Martinsried und Garching
verbinden. Und auch in Richtung des angrenzenden Ortes Martinsried mit seinen
Wohn- und Gewerbegebieten strahlt die
Dynamik des Campus aus: Im Rahmen
eines geförderten städtebaulichen Modellprojekts wurde in einer Planungswerkstatt
ein Konzept für die Neugestaltung der
heute sehr heterogen wirkende und durch
eine unglückliche Verkehrsführung malträtierten Ortsmitte von Martinsried entwickelt. Diese neue Ortsmitte wird das
hoffentlich bald pulsierende Leben auf
dem Campus ergänzen und zu einem
gelungenen Miteinander von Wissenschaft und Anwohnern beitragen.
Aufgrund der überregionalen Bedeutung
des Forschungsansatzes, der im BMC verfolgt wird, wurde das Zellzentrum als ein
Teilbereich gemäß Art. 91 b Abs. 1 Nr. 3
Grundgesetz mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziell gefördert. Mit 125 Mio. € ist es der
größte bisher geförderte Forschungsbau
in Deutschland.

Das Centrum für Schlaganfallund Demenzforschung
Am 21. Mai 2015 wurde das CSD feierlich
durch Wissenschaftsminister Dr. Ludwig
Spaenle eingeweiht. Die Gesamtbaukosten
belaufen sich auf 57,50 Mio. €. Der Projektentwurf wurde im Herbst 2009 im Rahmen
des VOF-Verfahrens in einem Gutachterverfahren zur Realisierung ausgewählt,
wobei das Büro Nickl & Partner Architekten AG, München, den besten Vorschlag
lieferte. Das Baufeld auf dem Campus ist
durch die Großstrukturen des Klinikums
der Universität und der Fakultät für Chemie
und Pharmazie geprägt. Gegenüber der
Feodor-Lynen-Straße sieht das städtebauliche Entwicklungskonzept zwei zurückgesetzte Baukörper vor, so dass sich der
Straßenraum platzartig ausweitet.

Grundriss auf Zugangsebene
© Nickl & Partner Architekten AG

18]

[Umrisse]

Fassade des Centrums für Schlaganfall- und Demenzforschung
© Stefan Müller-Naumann

Der Haupteingang, ebenerdig zur FeodorLynen-Straße im ersten Untergeschoß
situiert, erschließt den Instituts- und Forschungsteil des Gebäudes. Hier befinden
sich die zentral angeordneten Unterrichtsund Konferenzräume. Der zum Klinikum orientierte Eingang der Patientenambulanz
wurde höhengleich zur Marchioninistraße
im Erdgeschoß platziert. In den drei Obergeschossen ist der Regelgrundriss der
Labornutzung um den Innenhof mit dreiseitig umlaufenden Fluren organisiert,
während Büros, Funktions- und Kommunikationsflächen in den Nord- und Südspangen zusammengefasst wurden. Die offenen Laborbereiche weisen nach Osten und
Westen, die Funktionen des Labors sind
zudem über vier Zonen in Grundrisstiefe
gegliedert: Schreib- und Auswerteplätze
liegen an der Fassade; die Laborzone
»Benches« ist durch eine Glaswand von
den Auswerteplätzen getrennt; daran
schließt sich eine Gerätebereichzone im
Labor an; zusätzlich gibt es Sonderfunktionen wie Kühl- und Lagerräume. Die
räumliche Trennung der Laborarbeitsbereiche von den zugehörigen Auswertezonen durch Glaswände und Schiebetüren

schafft eine ruhige, konzentrierte Atmosphäre an den Schreibplätzen. Die Laborflächen erhalten Tageslicht von und verfügen über Sichtbezüge nach außen. Die
im Kellergeschoß die gesamte Grundrissfläche von 53 m x 53 m einnehmende
Tierhaltung bildet die unterste Nutzebene.

Die Tierhaltung im zweiten Untergeschoß
ist hingegen in unterschiedliche Hygienezonen geteilt: in einen spezifiziert pathogen freien (SPF-), einen Experimental- und
einen Quarantänebereich für Mäuse sowie
in eine Fischtierhaltung, die aus Hygienegründen streng getrennt sind. Die SPFTierhaltung erfordert zum Beispiel die
Einhaltung höchster Hygienestandards.
Betriebs-, Material- und Personenströme
müssen daher exakt geplant sein, um diesen Standards gerecht zu werden, weshalb die Quarantänehaltung auch einen
eigenen Gebäudezugang hat. Obwohl die
Tierhaltung im Untergeschoß liegt, können
viele Räume entlang der Ost- und Westfassade dank Abgrabungen natürlich
belichtet werden. Differenziert geregelte
Luftwechselraten reduzieren zudem die
Betriebskosten erheblich.

Auswertezone im Labortrakt
© Stefan Müller-Naumann

[Umrisse]

[19

Forschungszentrum für Molekulare Biosysteme mit Zugang von Süden
© Stefan Müller-Naumann

Das Forschungszentrum
für Molekulare Biosysteme
Im Dezember 2015 wurde das Forschungszentrum für Molekulare Biosysteme
(BioSys M) mit Gesamtkosten von ca.
24,50 Mio. € der Ludwig-MaximiliansUniversität übergeben.

Fassadendetail »mit« Technikzentrale
© Staatliches Bauamt München 2

Eine Besonderheit stellte die Entwurfsphase dar: 2010 wurde zunächst ein bauamtsinterner Wettbewerb im Staatlichen
Bauamt München 2 ausgelobt, an dem sich
sieben Planungsteams beteiligten, wobei
sich dessen Umfang auf Grundrisse im
Maßstab M 1:500, Ansichten M 1:200, einen
Fassadenausschnitt M 1:50 und ein Massenmodell beschränkte. Nach einer Überarbeitung fiel die Entscheidung zugunsten

des Entwurfs von Ahnefeld, Buschermöhle,
Mühleisen, Rupp, der im Grundriss dann
weitgehend unverändert umgesetzt wurde. Für die anschließende Planung standen im Bauamt aber keine Kapazitäten
zur Verfügung, so dass im Rahmen eines
VOF-Verfahrens letztlich das Büro Fritsch +
Tschaidse Architekten GmbH, München,
den Zuschlag für die Realisierung des
Neubaus erhielt.

Gliederung der Gebäudehülle
© Stefan Müller-Naumann

20]

[Umrisse]

Grundriss des ersten Obergeschosses
© Fritsch + Tschaidse Architekten GmbH

Der weitere Campus-Ausbau
Das BioSys M formuliert einen neuen, signifikanten Auftakt am nordwestlichen Eingang des Forschungscampus der LMU in
Großhadern und bildet gleichzeitig den
Abschluss der bestehenden Universitätsbauten der Fakultät für Chemie und Pharmazie. Neben den wissenschaftlichen Einrichtungen verfügt dieses Forschungsgebäude über Räumlichkeiten für Veranstaltungen und Kommunikation sowie über
eine Cafeteria im Eingangsfoyer.
Im Grundriss entspricht der klar strukturierte Baukörper einem Parallelogramm mit
abgerundeten Ecken. Ein kompakter Mittelblock beherbergt in den Obergeschossen
die Biochemie-, Biophysik- und Bioimaging-Labore, wobei, wie bei BMC und CSD,
eine Differenzierung in Einzel- und Kombilabore erfolgte. Im Erdgeschoß befinden
sich der Konferenzraum, ein Präsentationsraum und Computerräume. Auf beiden Seiten des Mittelblocks, abgesetzt jeweils
durch einen großzügigen Flur als Kommunikationszone, sind Büros, Aufenthaltsund Seminarräume sowie kleinere Laboreinheiten angeordnet.

[Umrisse]

Auf dem letzten Baufeld der Institutsgebäude an der Würmtalstraße wird in direktem Anschluss an das BioSys M ein weiteres neues Forschungszentrum für Chemische Epigenetik (ICE M) angegliedert werden und derart auch eine weitere Brücke
zwischen der chemischen Grundlagenforschung und der Medizin schlagen. Hierfür
wurde der Planungsauftrag bereits erteilt.
Die nächsten Forschungsbauten sind zudem in Vorbereitung. Die Fortschreibung
des Strukturkonzepts wird die Weichen für
eine zukunftsfähige Weiterentwicklung und
Vernetzung der Standorte Martinsried und
Großhadern stellen. Die Realisierung einer
Parkanlage zwischen den beiden Campusteilen könnte dem High-Tech-Standort
darüber hinaus in Zukunft eine grüne
Mitte geben.

Anmerkung
Bei diesem Beitrag handelt es sich um die leicht
überarbeitete und um zusätzliche Bilder ergänzte
Fassung einer Veröffentlichung, die zuvor in Ausgabe 1/2·2016 von bau intern erschienen ist.

Baudirektor Dipl.-Ing. Architekt Eberhard Schmid
Baurätin Dipl.-Ing. Architektin Elena Almeida
Bauoberrat Dipl.-Ing. Architekt Alfons Lenz
Bauoberrat Dipl.-Ing. Architekt Christian Weiß
Staatliches Bauamt München 2

[21

Neue Experimentierhalle nach Fertigstellung
© Jochen Stüber

Führender Standort von großer Zeichenhaftigkeit
Neubauten für das Deutsche Elektronen-Synchrotron in Hamburg
Elektronen durch eine spezielle Magnetanordnung, in der die Laserblitze entstehen. Die Anwendungen sind vielschichtig,

so können mittels der erzeugten Lichtblitze
auf molekularer Ebene chemische Reaktionen visualisiert werden.

DESY
Das Deutsche Elektronen-Synchrotron
(DESY) ist einer der weltweit führenden
Standorte für Teilchenbeschleuniger,
wobei hier vornehmlich Photonen- und
Teilchenforschung betrieben wird. Einer
der auf dem Forschungsgelände in Hamburg-Bahrenfeld installierten Beschleuniger ist FLASH: eine Abkürzung für »FreieElektronen-Laser in Hamburg«.
Das Interesse der internationalen Forschergemeinde an FLASH I ist seit vielen
Jahren enorm, denn es handelt sich bei
ihm um einen Laser, der hochintensive,
ultrakurze Röntgenblitze produziert. Die
Maschine ist schnurgerade und insgesamt
300 m lang. Grundlage ist ein supraleitender
Beschleuniger, der auf der sogenannten
TESLA-Technologie basiert. Das heißt, dieser Linearbeschleuniger schießt schnelle

22]

Schwarzplan
© Renner Hainke Wirth Architekten

[Umrisse]

FLASH ist nun die erste Freie-ElektronenLaser-(FEL-)Anlage der Welt, die Röntgenstrahlung erzeugt hat. Längst nicht jeder
Wissenschaftler, der mit den Laserblitzen
forschen möchte, kommt in Hamburg aber
zum Zug – und deshalb wurde die Anlage in
den letzten fünf Jahren durch eine zweite
Anlage namens FLASH II erweitert. Die beiden Strahlführungen FLASH I und FLASH II
lassen sich jetzt parallel, mit weitgehend
unabhängig einstellbarer Wellenlänge
betreiben, wodurch sich die Nutzerkapazität von FLASH insgesamt mehr als
verdoppelt.
Als Teilnehmer eines Architekturwettbewerbs wurden 2012 Renner Hainke Wirth
Architekten mit dem ersten Preis ausgezeichnet und in der Folge mit der Umsetzung der Bauaufgabe beauftragt. Der Forschungskomplex FLASH II umfasst eine
Experimentierhalle mit Platz für zunächst
sechs Messstationen, den Beschleunigungstunnel, ein Laserlabor sowie diverse
Technikgebäude.

Treppenaufgang zur Erschließung
© Jochen Stüber

Erscheinungsbild
Gestalterisch wurde an die Anlage die
hohe Anforderung gestellt, den Hamburger Standort der Helmholtz-Gemeinschaft
auf ein internationales Niveau zu heben,
da auch zwischen den weltweiten Forschungszentren ein harter Wettbewerb
herrscht.
Der Bestandsbau FLASH I, ehemals als
Satellit der Expo Hannover realisiert,
wurde ehedem als Solitär konzipiert. Der
Neubau FLASH II lehnt sich mit seiner
Kubatur an ihn an. Eine von Tageslicht
durchflutete Erschließungszone trennt im
Norden die beiden Hallen voneinander

und bewahrt zudem, vom Hauptzugang
gesehen, den solitären Charakter der
beiden Gebäude.
Die interne Erschließung ermöglicht eine
Durchwegung der Baukörper. Sie führt in
das zweite Obergeschoß auf den PETRAWall (PETRA: Positron-Elektron-TandemRing-Anlage) und zu den neuerrichteten
Foyers des zentral gelegenen Vortragssaals in FLASH I. Gestalterisch verbindet
das Foyer im Süden die beiden FLASHGebäude miteinander und kreiert ein hochwertiges, internationales Seminarzentrum
für Kongresse und Veranstaltungen.

Struktur des Linearbeschleunigers
© DESY

[Umrisse]

[23

Modell als Luftbild
© Renner Hainke Wirth Architekten

Der Neubau FLASH II nimmt grundsätzliche
Entwurfsparameter wie das technische
Erscheinungsbild auf und bildet gemeinsam mit FLASH I zugleich ein erkennbares
und ansprechendes Ensemble. Das heißt,
DESY präsentiert sich mit dem Neubau in
einer technisch-körperhaften Anmutung
im städtischen Kontext. In einem sehr
technischen Umfeld, welches sich seit
den 1960er Jahren ständig verändert und
schnell den Erfordernissen der physikalischen Experimente anpasst, war es wichtig, ein Ensemble in einer präzisen, ablesbaren Formensprache zu entwickeln.
Lageplan
© Renner Hainke Wirth Architekten

Perspektive: Foyer
© Renner Hainke Wirth Architekten

24]

[Umrisse]

Bauwerksfront mit »FLASH-Fenster«
© Jochen Stüber

Im nordöstlichen Eckbereich drückt sich
das DESY-Logo reliefartig in die Alucobondfassade und ist so bereits von weitem zu
erblicken. Nach Norden öffnet sich die
Experimentierhalle zudem mit dem großen,
dynamischen »FLASH-Fenster«: Die Wis-

senschaft will sich für jedermann zugänglich zeigen und sich nicht mehr in anonymen Gebäudekisten verstecken. Die Fensterfront vermittelt das Innenleben der rund
um die Uhr durch die internationale Spitzenwissenschaft betriebenen Experimen-

tierhalle. Anlieferungszonen, Eingänge und
Fenster sind als dunkle Einschnitte aus
der silbrigen Gebäudekubatur herausgearbeitet.

Fassadendetails: technisch-körperhafte Anmutung
© Jochen Stüber

[Umrisse]

[25

Experimentierfläche im Halleninneren
© Jochen Stüber

Die Experimentierhalle
Die Haupterschließung von FLASH I und
FLASH II erfolgt im Norden. Im Erdgeschoß
öffnet sich die zwischen den beiden Forschungsgebäuden angeordnete Eingangszone durch eine großformatige Verglasung
in die Experimentierhalle von FLASH II hinein. Von hier aus werden auch die Experimentierstände in der Halle erschlossen.
Über das vorhandene Treppenhaus mit
Lift gelangt man in die Obergeschosse, in
denen die neuen Büroräume und der Seminarraum barrierefrei aufgesucht werden
können. Eine weitere Erschließung befindet sich auf der Ostseite der Halle, die
dafür sorgt, dass die Experimentierfläche
mit der separaten Aufenthaltsebene für die
experimentierenden Wissenschaftler im
Zwischengeschoß und den Verwaltungsräumen im Obergeschoß über einen imposanten Treppenraum verbunden ist.
Neben dem Strahlenschutz wurde bei der
Planung und Realisierung von FLASH II
besonderer Wert auf ein konstantes Klima
und einen schwingungsfreien Versuchsaufbau gelegt, denn weder vorbeifahrende
Lkws noch Orkanböen dürfen die Laserversuche stören. Aus diesem Grund wurde die
etwa 1.400 m² große Versuchsaufbaufläche
als 80 cm dicke, von der Gebäudehülle entkoppelte und fugenlos am Stück gegossene Bodenplatte errichtet. Die Experimentierhalle wird auf 0,10 K stabil temperiert.

26]

Ausstattung des Beschleunigungstunnels
© Jochen Stüber

Die Anordnung von Klimaschleusen gewährleistet darüber hinaus, dass keine
Temperaturschwankungen durch Anlieferungen auftreten können. Die Nutzung der
Experimentierfläche stellte zudem hohe
Ansprüche an die Ebenheit, weshalb die
hochbauüblichen Bautoleranzen deutlich
übertroffen wurden. Der Abgleich der Anforderungen der Physik mit den Möglichkeiten der Baukonstruktion war daher eine
große Herausforderung im Planungsprozess, da der Betonbauer normalerweise
in Zentimetern, der Physiker hingegen in
Nanometern rechnet.
Das Gebäude wurde als konventionelle
Stahlbeton-Fertigteilstruktur mit Porenbetondach ausgeführt. Die Fassadenbrüstung
und die Innenwand des oberhalb der Experimentierhalle liegenden Bürotraktes sind

als Träger ausgebildet, um die darunter
befindlichen Versuchsaufbauten stützenfrei zu überspannen.
Ein reibungsloser Ablauf im Betrieb der
Halle ist für die Forscher sehr wichtig, da
sich das jeweilige Experiment nur über
einen begrenzten Zeitraum erstreckt. Der
Forschungsbetrieb ist so organisiert, dass
die Physiker nach einer erfolgreichen Bewerbung in der Regel für ein kurzes Zeitfenster von ein bis zwei Wochen einen
Messplatz für ein Experiment zugewiesen
bekommen. Nach langer, umfangreicher
Vorbereitung beginnt dann der Versuchsaufbau, eine hier ebenfalls angeordnete
Industriekranbahn sorgt dabei für eine
komfortable Bestückung der Experimentierplätze.

[Umrisse]

Hülle aus goldfarbenem Aluminium
© Jochen Stüber

Der Beschleunigungstunnel
Der bestehende Tunnel, der der Elektronenbeschleunigung dient, verzweigt nach
gut 200 m mit Hilfe einer Spiegeltechnologie in einen neuen, ca. 90 m langen Tunnelabschnitt. Dieser ist mit bis zu 2 m dickem
Stahlbeton ummantelt, um während des
Forschungsbetriebes auftretende, flüchtige Röntgenstrahlen zu absorbieren.
Der gesundheitsgefährdenden Strahlung
begegnete man baulich mit Erd-, Beton-,
Schwerbeton- oder Bleiummantelungen,
wobei der in einer mindestens 3 m dicken
Erdschicht »eingepackte« Linearbeschleuniger auf dem Betriebsgelände der DESY
zugleich ein augenfälliges Landschaftselement verkörpert. Zu den angrenzenden
Anlieferhallen und Technikräumen gewährleisten hingegen 2 m dicke Beton- oder 1 m
dicke Schwerbetonwände den Strahlenschutz, um einen Austritt der Röntgenstrahlung zu verhindern. Wartungszugänge
und Technikleitungen zu dem Beschleunigungstunnel mussten darüber hinaus in
S-Form angelegt werden, Einbringöffnungen wurden mit zweilagig versetzt angeordneten Betonblöcken verschlossen. Die
Strahlensicherheit nahm bei der Planung
naturgemäß einen hohen Stellenwert ein,
bedurfte umfangreicher Abstimmungen
und wurde von einer eigenen Abteilung
ständig durch Messungen überprüft.
Der Tunnel ist großflächig mit Erde bedeckt
und begrünt, seine Hervorhebung erfolgte
gestalterisch durch die Wahl eines zweiten Fassadenmaterials, welches die drei
silberfarbenen Hauptbaukörper verbindet:
Hier kam »goldfarbenes« Aluminium zur
Ausführung.

Tunnelgebäude samt Forschungstrakt
© Jochen Stüber

An das Tunnelbauwerk sind der exponiert
gelegene Labor- und Experimentiertrakt
»Laola« sowie Versorgungs- und Anlieferräume angegliedert. In ihnen befinden sich
die Elektrotechnik, die für die Beschleunigung erforderlich ist, und die Wassertechnik, welche die bei den Beschleunigungsprozessen entstehende Hitze kühlen muss.
Diese Gebäudeteile sind analog zu der
Experimentierhalle mit silberfarbenen
hinterlüfteten Alucobond-Metallfassaden
verkleidet.
Der Beschleunigungstunnel stellt auf dem
DESY-Gelände fast zwangsläufig eine hohe
Barriere dar, die sich nur zu Fuß überwinden lässt. Ein wettergeschützter Treppenraum erleichtert daher die Querung jenes
Walls.

Bauherr
Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY, Hamburg
Architekten
Renner Hainke Wirth Architekten GmbH, Hamburg
Tragwerksplanung
WTM Engineers GmbH, Hamburg

Fazit
Bei DESY hat sich im letzten Jahrzehnt die
Auffassung entwickelt, die weltweit einzigartigen Teilchenbeschleuniger in ansprechende Forschungsarchitektur einzukleiden
und somit ihre internationale Wahrnehmung zu verstärken. Mit dem im Mai 2015
fertiggestellten FLASH II ist ein Forschungsgebäude entstanden, welches sowohl die
komplexen Vorgaben der Physik berücksichtigt als auch mit seiner Zeichenhaftigkeit die architektonische Entwicklung des
Forschungsstandortes vorantreibt.

Haustechnik
Pinck Ingenieure Consulting GmbH, Hamburg
Brandschutz
Brandschutzbüro Thomas Börner, Kiel

Stefan Wirth
Jan Kaundinya
Renner Hainke Wirth
Architekten GmbH,
Hamburg

[Umrisse]

[27

Ausrichtung zum Steendiek-Kanal: Ensemble aus drei Baukörpern
© Klemens Ortmeyer

Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft
Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung in Hamburg
Technologien für die unterschiedlichsten
Themen vorangetrieben: Ingenieure und
Entwickler der Firmen Airbus, Lufthansa
Technik und deren Zulieferern sowie von

Hochschulen und Institutionen führen
innovative Konzepte und Produkte unter
einem Dach schneller und günstiger zur
Einsatzreife in der internationalen Luftfahrt.

Funktion des Neubaus
Nach Plänen des Hamburger Architekturbüros PSP Architekten Ingenieure entstand
der Neubau des Zentrums für Angewandte
Luftfahrtforschung (ZAL) bis Ende 2015 am
Steendiek-Kanal in Hamburg-Finkenwerder, in direkter Nachbarschaft zum AirbusWerksgelände.
Das ZAL stellt ein technologisches Forschungs- und Entwicklungszentrum der
zivilen Luftfahrtindustrie dar und bildet
durch sein Netzwerk die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in der
Stadt Hamburg und deren Metropolregion –
mit dem Ziel, diesen weltweit drittgrößten
Standort der zivilen Luftfahrt in Hamburg
weiter auszubauen. Ausgestattet mit hochwertiger Forschungs- und Testinfrastruktur wird hier die Industrialisierung neuer
Lageplan
© PSP Architekten Ingenieure

28]

[Umrisse]

Entwurf und Gliederung
Der Entwurf sieht einen Zentralbau mit
zwei seitlich angedockten Flügelbauten
vor. Das Gebäudeensemble liegt senkrecht
zum Steendiekkanal an der Elbe, mit klarer
Ausrichtung des Empfangsfoyers als verknüpfenden Elements. Die zentrale Lage
der gleichwertig genutzten Bereiche wie
Konferenz, Innovationsmarktplatz, Besprechung, Kantine und Büro sowie die direkt
angrenzenden Flügelbauten für die Laborund Hallenabschnitte garantieren gleichwertige Anschlüsse, eine gute Orientierung
und kurze übersichtliche Wegeverbindungen. Die Hallen werden außen von den
zugehörigen Laboren und Büros umrahmt,
während der »schwebende« Büroriegel
den Eingang betont.
Das Gebäude wird über einen vorgelagerten zentralen Hof erschlossen, der als
Parkplatz für die Gesamtanlage und als
temporärer Anlieferungsbereich der Hallen
dient. Der Haupteingang befindet sich in
der Mittelachse des Eingangshofes unter

dem markant vorspringenden Büroriegel
(Bauteil B). Analog und damit ebenso im
Verlauf der Zentralachse erfolgt die Erschließung von der Wasserseite, zusätzlich
können die Flügelbauten (Bauteile A und C)
von außen separat gemäß den Nutzungsanforderungen über die Umfahrt erreicht
werden.
Auf 26.000 m² Nutzfläche bietet das ZAL
Raum für ca. 600 Arbeitsplätze. In seinem
mittleren Teil ist der Haupteingang mit einem hochwertigen Foyer- und Empfangsbereich, dem sogenannten Innovationsmarktplatz und einem Auditorium sowie
einer Kantine mit Blick über den Steendiekkanal angeordnet. Vor dem Gebäude
erstreckt sich der Blick in die Umgebung
und auf den wie ein Rollfeld anmutenden
Parkplatz.
Der über dem Haupteingang zu schweben
scheinende, dreigeschossige Baukörper
erinnert an einen Flugzeugrumpf und beinhaltet den Büro- und Verwaltungstrakt.

Hier war insbesondere eine intensive Zusammenarbeit zwischen Architekt und
Tragwerksplaner erforderlich:
Nutzungsbedingt konnte eine Reihe von
Stützen, die in den Obergeschossen für
eine wirtschaftliche Tragkonstruktion sorgt,
nicht durch das erste Ober- und weiter bis
ins Erdgeschoß »durchgesteckt« werden.
Diese Stützen wurden daher an einen
hochbeanspruchten Trägerrost gehängt,
der oberhalb des Daches realisiert wurde
und die Lasten auf wenige grundfeste Stützen ableitet. Neben den statisch-konstruktiven Fragestellungen waren hierbei Belange des Wärmeschutzes, des Brandschutzes und der Abdichtungstechnik zu
berücksichtigen. Die beiden Flügelbauten
beherbergen Labore, Werkstätten sowie
große Werkhallen, in denen zu Forschungsund Testzwecken ganze Flugzeugteile
untersucht werden.

»Schwebender« Büroriegel als Erkennungszeichen
© Klemens Ortmeyer

[Umrisse]

[29

Längsschnitt
© PSP Architekten Ingenieure

Querschnitt
© PSP Architekten Ingenieure

Erdgeschoß
© PSP Architekten Ingenieure

30]

Drittes Obergeschoß
© PSP Architekten Ingenieure

[Umrisse]

Empfangsbereich mit Erschließungsfunktion
© Klemens Ortmeyer

Sowohl der Besucher von der Land- als
auch der von der Wasserseite betreten
den zentralen Verbindungsbau und gelangen im Foyer direkt zum Empfangstresen.
Aufgrund der offenen Gestaltung jenes
Foyers sind eine gute Orientierung und die
Blickbeziehung zum Wasser gewährleistet.
Im Foyer können verschiedene Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden, zum Beispiel im Innovationsmarktplatz und im Auditorium. Für solche Nutzungen steht das
Bistro mit Wasserblick und Außensitzen
ebenfalls zur Verfügung. Großzügige Wartezonen und Sitzecken ergänzen die Funktionen im Eingangsbereich.

Der Innovationsmarktplatz hat über ein
großformatiges Tor direkten Anschluss an
die Cabin & Cargo-Halle in Bauteil A, wobei
in dieser Achse im Bedarfsfall ein Rauchschutzvorhang die unterschiedlichen
Brandabschnitte trennt. Darüber hinaus
lässt sich der Marktplatz zum Foyer mittels
raumhoher Elemente schließen, vom Foyer
wiederum können die Obergeschosse in
Bauteil B sowie die Labore und Hallen in
den Flügelbauten über Treppen und Aufzüge einfach erreicht werden.

Im ersten Obergeschoß des Zentralbaus
sind der Virtual-Reality-Raum und die erforderlichen Besprechungsräume untergebracht, deren natürliche Belichtung über
die eingeschnittenen Innenhöfe organisiert
ist: Hier entstehen Blickbeziehungen innerhalb des Gebäudes. Und wie im Erdgeschoß werden auch im ersten Obergeschoß von jenem Zentralbereich aus die
Flügelbauten erschlossen.
Auf dem Zentralbau (Bauteil B) sind drei
weitere Bürogeschosse als Riegel angeordnet. Durch die Ausrichtung der dort
situierten Büros werden Ausblicke auf
den Kanal und die Elbe eröffnet. Dank
seiner Höhe und der markanten, schräg
verlaufenden Blechfassade betont dieser
Gebäudeteil zudem die gewünschte
Fernwirkung des ZAL.
Der mittige Büroriegel in Bauteil B ist als
Dreibund ausgebildet, das heißt mit zentraler Mittelzone, in der die kommunikativen
Bereiche wie Kleinbesprechung, Copy etc.
liegen. Die Köpfe des Riegels sind optional
als Gruppenräume mit bodentiefer Glasfassade konzipiert.
Die Hallen, in denen an Flugzeugteilen experimentiert und geforscht wird, weisen
Spannweiten von 30 m und 40 m auf und
werden über großflächige Glasfassaden
mit Tageslicht versorgt. Die darin befindlichen Labore werden über offene Gänge
erschlossen und bieten so einen schnellen Austausch zwischen der Arbeit am
Schreibtisch und dem Objekt.

Werkhalle und Akustiklabor in den Flügelbauten
© Martin Kunze

[Umrisse]

[31

Gebäudetechnik

Geometrie und Tragwerk
Bauteil A besitzt eine Grundfläche von ca.
40 m x 93 m und teilt sich in einen durchlaufenden viergeschossigen Massivriegel
und eine Stahlhalle auf.
Das Haupttragwerk der Halle bilden Stahlprofile, welche die Dachkonstruktion tragen. In der Halle wurde zudem ein Brückenkran mit zwei Katzen à 10 t angeordnet. Für die Decken des Büro- und Laborriegels kamen Spannbetonhohldielen zum
Einsatz, Ortbetondecken finden sich nur im
Bereich der aussteifenden Treppenhäuser.
Der Massivbau und die Stahlhalle sind
über zwei Treppenhäuser und die Wand
in Achse 10 ausgesteift.
Bauteil B hat eine Grundfläche von ca.
55 m x 30 m. In Massivbauweise errichtet,
verbindet es in den ersten beiden Geschossen Bauteil A und C. Ab dem zweiten
Obergeschoß kragt ein massiver Riegel
quer über der darunterliegenden Konstruktion aus. Diese beidseitige Auskragung
wurde über einen auf der Decke über dem
vierten Obergeschoß liegenden Verbundträgerrost realisiert. Über dem Erdgeschoß
in den Abschnitten des Informationsmarktplatzes und des Audimax wurde eine Stahlbetonrippendecke ausgeführt, in den an-

deren Bereichen fiel die Wahl auf Flachdecken mit Dübelleisten. Die Aussteifung
erfolgt hier wiederum über zwei Treppenhauskerne und die Wandscheibe in
Achse 10.
Bauteil C verfügt über eine Grundfläche
von ca. 40 m x 120 m und gliedert sich in
einen durchlaufenden dreigeschossigen
Massivriegel und eine Stahlhalle. Als
Haupttragwerk der Halle dienen ebenfalls
Stahlprofile, welche die Dachkonstruktion
tragen. Ein Brückenkran mit einer Katze
à 5 t komplettiert seine Ausstattung. Die
Decken des Büro- und Laborriegels bestehen aus Spannbetonhohldielen, Ortbetondecken wurden lediglich bei den aussteifenden Treppenhäusern ausgeführt. Die
Aussteifung ist hier über drei Treppenhäuser und die Wand in Achse 20 gewährleistet.
Zwischen den Bauteilen A und B (Achse
10) bzw. C und B (Achse 20) wurde eine
Gebäudefuge angeordnet, wobei die Herstellung der Sohle monolithisch für alle drei
Gebäudeteile in Massivbauweise erfolgte.
Die gesamte Hallenkonstruktion gründet
auf Pfählen.

Wärmeerzeugung: Die Energieversorgung
zur Beheizung des Gebäudes erfolgt über
das vorhandene Gas-Versorgungsnetz im
Hein-Saß-Weg. Konkret heißt das, die statische und dynamische Heizung sowie die
Fußbodenheizung werden über zwei Gasbrennwertkessel und eine Blockheizkraftwerk-(BHKW-)Anlage mit nachgeschalteten Pufferspeichern betrieben: Die BHKWAnlage dient zur Abdeckung der Grundlast
und wird in den Übergangs- und Wintermonaten genutzt sowie im Sommer lediglich zur Sicherstellung der Warmwasserbereitung im Bistro. Die gewählte Lösung
verbesserte den geforderten Nachweis
nach der Energieeinsparverordnung (EnEV)
2012 um -30 % auf -35 %. Das BHKW liefert
eine elektrische Leistung von 140 kW, die
direkt zum Eigenbedarf genutzt oder ins
Netz eingespeist werden kann. Die Rücklauftemperaturen (50 °C) der statischen
werden als Vorlauftemperatur für die dynamischen Heizflächen, also die Raumlufttechnischen (RLT-) verwendet und mit
einer Rücklauftemperatur von 30 °C wieder
der BHKW- bzw. der Gasbrennwertanlage
zugeführt.

Andienung über den zentralen Vorplatz
© Martin Kunze

32]

[Umrisse]

Eingangsbereich bei Dunkelheit
© Klemens Ortmeyer

Lufttechnische Anlagen: Zwei Zentralgeräte wurden in den beiden Lüftungszentralen im ersten Obergeschoß aufgestellt,
wobei jenes im Bauteil C zusätzlich die
Nachströmung für den Kompressor erbringt. Ein separater Dachventilator befindet sich ebenfalls auf dem Dach, der, mit
einer Abzugsesse ausgestattet, die Kompressorwärme abführt. Für die Be- und
Entlüftung der Küche ist ein Zu- und Abluftgerät im Bereich der Kältezentrale im
zweiten Obergeschoß positioniert, während die Lüftungsgeräte für die Toiletten
und Nebenräume auf dem Dach über den
entsprechenden Kernen angeordnet
wurden.
Kälteerzeugungsanlage: Die Energieabfuhr
zur Deckung der Kühllasten erfolgt über
zwei Kältemaschinen mit nachgeschaltetem Pufferspeicher in redundanter Ausführung. Die Kältemaschinen und der Pufferspeicher wurden im zweiten Obergeschoß von Bauteil C aufgestellt.
Prozesskälteanlage: Auf dem Dach wurden
zusätzlich zwei Hybrid-Rückkühler mit je
800 kW Rückkühlleistung untergebracht,
um das Rückkühlwasser der Prozesskälte
von 35 °C auf 27 °C zu kühlen. Zum Schutz
der Sprühbefeuchter an den Hybrid-Rückkühlern dient hier eine Wasseraufbereitungsanlage.

[Umrisse]

Gefahrenmanagementsystem: Um der
beträchtlichen Anzahl von Gefahrenmeldesystemen sowie sonstigen Subsystemen
und in diesem Zusammenhang anfallenden Meldungen gerecht zu werden, ist für
die Visualisierung von Meldungen und die
Einleitung von Maßnahmen ein computerbasiertes Gefahrenmanagementsystem
(GMS) realisiert worden. Dessen Basis
bildet der GMS-Server, welcher im sogenannten HVT-Raum von Airbus installiert
ist und mittels TCP/IP über ein lokales
Netzwerk mit den Subsystemen kommuniziert. Die Visualisierung aller Meldungen
und die Bedienung des Systems erfolgen
über einen speziellen Bedienplatz, der
beim Empfang positioniert ist und über
zwei Monitore verfügt.
Pamela Schwarz
PSP Architekten Ingenieure,
Hamburg

Bauherr
FAP First Aviation Property Development Grundstücksgesellschaft mbH & Co. KG, Hamburg
vertreten durch die
ReGe Hamburg Projekt-Realisierungsgesellschaft
mbH, Hamburg
Nutzer
ZAL Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung
GmbH, Hamburg
Architekten
PSP Architekten Ingenieure, Hamburg
Tragwerksplanung
Weber · Poll, Ingenieurbüro für Bauwesen GbR,
Hamburg
Haustechnik
Pinck Ingenieure Consulting GmbH, Hamburg
Brandschutz
hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH,
Hamburg
Freiflächengestaltung
Mertins Landschaftsarchitektur, Hamburg

[33

Künftiges Erscheinungsbild bei Nacht
© nps tchoban voss GmbH & Co. KG

Baukörperform als Metapher
SKF Großlager-Testcenter in Schweinfurt

Aufgabe und Konstruktion
In nur wenigen Monaten wird in Schweinfurt das weltweit größte Großlager-Prüfzentrum fertiggestellt. Mit dem Entwurf
zweier zueinander verschobener Röhren
gewannen die Architekten einen geladenen Realisierungswettbewerb. Die von
ihnen vorgeschlagene, dynamisch geneigte, »windschiefe« Form der beiden Baukörper ist das Markenzeichen des Neubaus und gleichzeitig eine Metapher für
dessen Nutzung – das Testen von Großlagern für Windkraftanlagen.

Im Zuge der Errichtung auf einem Grundstück im Gewerbegebiet Hafen-West
haben weder Abbruchmaßnahmen noch
Baumfällungen stattgefunden. Als Bodenplatte der beiden Volumina, die in Massivbauweise mit Stahlbetonstützen und
-decken ausgeführt wurden, fungiert eine
Sohlplatte aus Faser- und Stahlbeton. Die

Gründung der Halle erfolgte auf Einzelbzw. Köcherfundamenten, die Teststände
selbst sind entkoppelt und auf bis zu 6 m
tiefen Einzelfundamenten gegründet. Bei
dem charakteristischen Vordach als Bug
sowie dem Heck handelt es sich hingegen
um Abschnitte, die in Stahlbauweise konstruiert wurden.

Gebäude (noch) im Bauzustand
© nps tchoban voss GmbH & Co. KG

34]

[Umrisse]

Modell: Kombination zweier »Röhren«
© nps tchoban voss GmbH & Co. KG

Längsschnitt
© nps tchoban voss GmbH & Co. KG

Funktionen und Fassade
Die beiden Gebäudeteile haben unterschiedliche Nutzungen: In der eingeschossigen und gleichzeitig höheren »Röhre«
entstehen zwei neue Prüfstände für Großlager sowie zwei kleinere Prüfstände. Ein
100 t tragender Brückenkran sichert dabei
das Einbringen der hochsensiblen Maschinenbauteile. In der zweiten, zweigeschossigen »Nebenröhre« befinden sich wiederum die Zentralhydraulik, Haustechnikräume und die Raumlufttechnik-(RLT-)Zentrale,
Lager für Prüflinge, der sogenannte Workshop, Foyer und Empfang, Seminar- und
Konferenzbereiche für ca. 50 Personen,
Büros, die Leitwarte, Neben- und Sozialräume sowie Umkleiden.

[Umrisse]

Querschnitt
© nps tchoban voss GmbH & Co. KG

[35

Erstes Obergeschoß
© nps tchoban voss GmbH & Co. KG

Für die Fassade wählten die Architekten
großformatige beschichtete Aluminiumtafeln mit separatem Farb- und Materialkonzept, wobei alle geschlossenen Flächenabschnitte mit Mineralwolle gedämmt
werden. Die Halle erhält eine Verglasung
aus zweischaligem Bauprofilglas, die sich
in ihrer Fensterform an die SKF-Logotype
anlehnt. Bei Dunkelheit hebt sich mittels
dimmbarer LED-Projektoren der blau illuminierte Firmenschriftzug auf der Nordseite
hervor. Das heißt, dank seiner enormen
Größe von 25 m x 6 m wird das Logo von
der hier verlaufenden Bundesstraße gut
erkennbar sein und den Standort als Hochburg der Wälzlagerindustrie auch visuell
zeitgemäß präsentieren.
Bei dem Bauvorhaben, dessen Fertigstellung für Ende 2016 terminiert ist, wird
zudem eine LEED-Gold-Zertifizierung
angestrebt.
Dipl.-Ing. Polina Goldberg
nps tchoban voss GmbH & Co. KG

Gesamtareal mit Grundriss des Erdgeschosses
© nps tchoban voss GmbH & Co. KG

Bauherr
SKF GmbH, Schweinfurt
Architekten
nps tchoban voss GmbH & Co. KG, Hamburg
Assoziierter Partner: Frank Focke
Projektleiter: Stephan Müller
Team: Annett Neitzel, Daniel Schnettka, Ramon
Otte, Martina Clasen, Johannes Galandi

36]

Bauleitung
Architekturbüro Holger Philipp, Schonungen
Tragwerksplanung
Ingenieurbüro Dr. Binnewies, Hamburg

Landschaftsplanung
Hubert Wiggenhorn & Martin van den Hövel,
Hamburg

Haustechnik
RMN Ingenieure GmbH, Hamburg

Lichtplanung
a·g Licht GbR, Bonn

[Umrisse]

Eingangsfront mit Medienwand nach Fertigstellung
© Inros Lackner SE

Heterogenität in Architektur und Nutzung
Lehrgebäude für Inklusionspädagogik der Universität Potsdam

Neue Forschungslandschaft
Die Zahl der Studierenden und Wissenschaftler an der Universität Potsdam ist in
den vergangenen Jahren stetig gewachsen, ebenso wie der Raumbedarf an den
drei Standorten Campus Golm, Neues
Palais und Griebnitzsee.

[Umrisse]

Der junge Studiengang Inklusionspädagogik, der im Oktober 2013 startete, hat auf
dem Campus Golm ein neues Institutsgebäude für ca. 5,10 Mio. € erhalten, dessen
feierliche Eröffnung im Oktober 2015 stattfand.
Sechs Professuren zur Inklusionspädagogik und die Forschungsgruppe »Heterogenität und Inklusion« verfügen hier auf
950 m² Nutzfläche über verschiedene

Arbeitsräume, ein Lernlabor sowie ein
Labor für die experimentelle empirische
Forschung mit Elektroenzephalographie(EEG-)Kabine, Kraftmessplatte, Eye-Tracking
und 3-D-Bewegungsanalysesystem. Für die
Studierenden gibt es zudem zwei große
Seminarräume. Das gesamte Haus wurde
barrierefrei nach DIN 18040 errichtet,
seine Erschließung erfolgt über einen
Aufzug.

[37

Fassade aus Cortenstahl in verschiedenen Rosttönen
© Inros Lackner SE

Fassade als Sinnbild
Innerhalb seiner Gestaltung reagiert das
Bauwerk nach außen durch den Kontrast
der Umgebung zu der Fassadenmaterialität, wobei in die Gebäudehülle aus Cortenstahl eine HDMI-LED-Wand zur Inter-

aktion eingelassen wurde. Diese innovative Fassadengestaltung des Hauses, eine
in verschiedenen Rosttönen schimmernde
Verkleidung, ist ein Sinnbild für die Heterogenität in einer Schule – für die Verschie-

denheit in einer »Schule für alle«, in der
jedes Kind nach seinen Bedürfnissen und
Begabungen gefördert werden soll, das
heißt auch Kinder mit Behinderungen.

Lageplan
© Inros Lackner SE

38]

[Umrisse]

Frei stehendes Modulbauwerk
Barrierefreiheit im Innern
© Inros Lackner SE

Der Bau zeigt beispielhaft, worauf bei Planung und Errichtung von Schulen zu achten ist:
– Der Haupteingang wurde zur leichteren Orientierung deutlich zurückgesetzt.
– Extrabreite Türen lassen sich auch mit
dem Rollstuhl gut passieren.
– Die schwarze Farbe der Türen bildet
einen starken Kontrast zu den weißen
Wänden und den signalroten Fußböden, die Menschen mit Sehbehinderung den Weg weisen.

–

Alle Räume sind in Brailleschrift
gekennzeichnet.
– Die Seminarräume wurden mit akustischer Technik für Menschen mit
Hörbehinderung ausgerüstet.
Als Besonderheit ist an der Eingangsfront
des Gebäudes zudem eine 15 m² große
Medienwand installiert worden, die eine
vielfältige Nutzung im Außenraum verspricht, zum Beispiel für Live-Übertragungen von Vorlesungen oder Veranstaltungen, die eventuell an anderen Standorten
der Universität stattfinden.

Inros Lackner war im Auftrag des Brandenburgischen Landesbetriebs für Liegenschaften und Bauen (BLB) für die komplette Generalplanung dieses einzigartigen
Labor- und Forschungsgebäudes verantwortlich. Das dreigeschossige, quaderförmig ausgebildete Haus wurde als frei
stehendes Modulbauwerk realisiert: Basierend auf einem tragenden Betonskelett,
handelt es um eine Fertigteilkonstruktion,
auf welche dann die vorgefertigten, sehr
unterschiedlich großen Cortenstahl-Platten
montiert wurden – als vorgehängte, hinterlüftete und in verschiedenen Rosttönen
erscheinende Gebäudehülle. Insgesamt
unterschreitet es die Anforderungen der
Energiesparverordnung um 30 %, und zwar
dank der Ausführung eines innovativen
Dämm- und Technikreduktionskonzepts.

Bauwerksentwurf als Visualisierung
© Inros Lackner SE

[Umrisse]

[39

Erdgeschoß
© Inros Lackner SE

Querschnitt
© Inros Lackner SE

Ansichten von Norden und Westen
© Inros Lackner SE

40]

[Umrisse]

Bauherr
Land Brandenburg
Perspektive: Vorplatz und Haupteingang
© Inros Lackner SE

Das fertiggestellte Institut für Inklusionspädagogik wurde als beispielhafte, vorbildliche Lösung zum Tag der Architektur 2015
der Brandenburgischen Architektenkammer ausgewählt und präsentierte sich in

Bauherrenvertreter
Brandenburgischer Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen, BLB Regionalbereich
Baumanagement Süd-Ost, Potsdam

diesem Rahmen der interessierten Öffentlichkeit. Es darf für sich zweifelsohne in
Anspruch nehmen, ein zukunftsweisendes
Erfolgsprojekt im Forschungs- und Hochschulbau zu sein.
Dr.-Ing. Architekt Haie-Jann Krause
Inros Lackner SE,
Rostock

WWW.INROS-LACKNER.DE

Nutzer
Universität Potsdam
Generalplanung
Inros Lackner SE, Rostock
Architekt: Dr.-Ing. Haie-Jann Krause
Generalunternehmer
Goldbeck Nordost GmbH, Ludwigsfelde

Verbinden, Erschließen, Bewahren
Neubau und Sanierung für die Hochschule Zittau/Görlitz

Heutiger Haupteingang als Fuge zwischen Altbau und Neubau
© Michael Moser

Vom Textil zur Energie
Das Gebäudeensemble der ehemaligen
Zittauer Webschule ist seit über 100 Jahren ein Standort für Lehre und Ausbildung
und spiegelt als solcher exemplarisch die
Geschichte vieler kleinerer Hochschulen
in Deutschland wider.
Mit der Gründung der Zittauer Webschule
1898 wurde das repräsentative Haus am
südlichen Altstadtring eröffnet. Es ist gekennzeichnet durch eine reichgegliederte
Fassade mit Sandstein- und Stuckornamenten im Stil des 19. Jahrhunderts und
entspricht der Bedeutung, die der Textilindustrie in der Region um 1900 zukam.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges
übernehmen jedoch modernere Industriezweige die Vorreiterrolle – und es steigt der
Bedarf an elektrotechnisch ausgebildeten
Fachkräften. Der 1954 errichtete Mittelbau
markiert die Umwidmung der Webschule
zur Fachschule für Energie. Seine Fassade
und der Grundriss sind im Stil der Zeit klar
und sachlich strukturiert.

Der sogenannte Altneubau von 1961 ist
die dritte Erweiterung des Gebäudes und
nimmt die Gestaltungselemente des Mittelbaus auf. Das Treppenhaus mit großzügiger geschwungener Treppe und aufwendig
gegliederter Fassade war als Verbindungstrakt zu einem weiteren, nicht ausgeführten Anbau mit Hörsälen geplant. Bald nach

der Errichtung dieser Erweiterung erfolgte
1969 die Erhebung der elektrotechnischen
Fachschule zur Ingenieurhochschule (IHS).
Es entwickelte sich ein technischer Hochschulcampus, dessen östlichen Abschluss
das unter Denkmalschutz stehende Gebäudeensemble heute bildet.

Lageplan
© Heinle, Wischer und Partner

42]

[Umrisse]

Entwurfskonzept
Die ursprüngliche Aufgabenstellung des
Auftraggebers sah eine Sanierung der vorhandenen Häuser sowie des in den 1950er
Jahren gebauten, eingeschossigen Websaales vor. Der Zustand des Websaales
war baulich und brandschutztechnisch
jedoch so desolat, dass eine Sanierung
wirtschaftlich nicht sinnvoll war. Aus diesem Grund wurde durch die Architekten
vorgeschlagen, den alten Websaal abzureißen und durch einen Neubau zu
ersetzen.
Städtebauliche Idee war es, die drei bestehenden Gebäudeteile aus Alt-, Mittel- und
Altneubau durch einen Ersatzneubau zu
einem gemeinsamen Ensemble zu entwickeln. Auf der Seite zum Hochschulcampus und damit auf der Parzelle des
ehemaligen alten Websaales wurde nun
der Neubau als dreigeschossiges modernes Haus mit Innenhof platziert.

Zweigeschossiges Foyer im Verbindungstrakt
© Michael Moser

Er ordnet sich in seiner Kubatur und Gestaltung in den existierenden Gebäudeverband ein. Die neue Fassade vermittelt
durch Aufgreifen und Neuinterpretation
von gemeinsamen Gestaltungsmitteln, wie
Putzfassade, regelmäßigen Lochfenstern
und abgesetztem Sockelbereich, zurückhaltend zwischen den Bestandsbauten.
Der Bronzefarbton der quadratischen Neubaufenster ist an den am Altbau vorgefundenen Fensterfarbton angelehnt.

An der Schnittstelle zwischen Bestand
und Neubau wurde ein großzügiges zweigeschossiges Foyer geschaffen, das sich
als bronzefarbene Fuge deutlich zum Altbau absetzt. Das Foyer übernimmt die
Funktion des zentralen Zugangs zum neuen
Hauptgebäude der Hochschule Zittau/
Görlitz, in dem neben dem Rektorat auch
die Hochschulverwaltung, der Fachbereich
Elektrotechnik sowie das Hochschulrechenzentrum untergebracht sind.
Das technische »Herz« des Verbindungsbaus bildet der neue ca. 650 m² große
Maschinensaal, in dem praktische Lehrveranstaltungen des Fachbereichs Elektrotechnik durchgeführt werden. Die Büros
im ersten Obergeschoß gruppieren sich
zudem um einen Innenhof, in dem drei markante Oberlichter angeordnet wurden, die
den Maschinensaal belichten. Im Sockelgeschoß sind die Anlagen der Gebäudetechnik hochwassersicher untergebracht.

Praktikumsraum für Hochspannungstechnik
© Michael Moser

[Umrisse]

[43

Erdgeschoß
© Heinle, Wischer und Partner

Flurzone nach Umgestaltung
© Michael Moser

Querschnitt
© Heinle, Wischer und Partner

44]

[Umrisse]

Fassade gen Osten: Altneubau, Mittelbau, Altbau (v.l.n.r.)
© Michael Moser

Denkmalgerechte Sanierung
Neben dem Neubau des Verbindungsgebäudes galt es die vorhandenen Ensembleteile aus dem 19. und 20. Jahrhundert zu
sanieren und auf den aktuellen Stand des
Brandschutzes, der behindertengerechten
Erschließung und der energetischen Effizienz zu bringen. Gemäß den Ansprüchen
an ein modernes Lehrgebäude wurden die
gesamte Haus- und Medientechnik neu
installiert, wobei die Hörsäle auch mit Lüftungsanlagen ausgestattet wurden. Der
Primärenergiebedarf des Hauses unterschreitet nach dem Umbau und der Sanierung die relevante Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009 um ca. 21 %. Dieser Wert
ergibt sich durch die Dämmung des Dachs,
den Einbau neuer Fenster und die Versorgung des Gebäudes mit Heizwärme, die in
hocheffizienten Kraft-Wärme-KopplungsAnlagen erzeugt wird.

In Abstimmung mit dem Landesamt für
Denkmalpflege wurden für die Altbauten
besonders denkmalwerte Bereiche festgelegt, deren Sanierung auf der Basis restauratorischer Befunde und Aufmaße geplant
und in sämtlichen Details mit den genehmigenden Behörden besprochen und vereinbart wurde. Dazu gehörten alle Fassaden sowie die Treppenhäuser im Alt-,
Mittel- und Altneubau.
Im Altbau wurden die originalen Kastenals neue Holzfenster mit Isolierverglasung
und außenliegendem Sonnenschutz denkmalgerecht nachgebaut: Die neuen Fenster
nehmen die innere Ebene der Kastenfenster auf. Der dadurch im Sturzbereich entstandene Raum von ca. 10 cm wurde genutzt, um den Behangkasten zu integrieren.

Der Sonnenschutz ist somit von außen
nicht sichtbar. Die Außenseite der Fenster
ist reich profiliert und wurde in Anlehnung
an den ursprünglichen Holzfarbton bräunlich gestrichen, während ihre Innenseite in
gebrochenem Weiß gehalten ist. Das historische Erscheinungsbild der Fassaden zum
Stadtring wurde denkmalgerecht wiederhergestellt, was auch umfasste, dass am
Mittelbau eine adäquate Erneuerung der
Fenster und die Aufarbeitung der Betonwerksteingewände erfolgte. Der Außenputz wurde zudem als durchgefärbter
Kratzputz in enger Abstimmung mit dem
Landesamt für Denkmalpflege komplett
erneuert.

Saniertes Gebäude der früheren Zittauer Webschule am Altstadtring
© Michael Moser

[Umrisse]

[45

Treppenhaus mit Buntglasfenster
und erhöhtem Bestandsgeländer
© Michael Moser

Erhöhung des historischen Treppengeländers
© Heinle, Wischer und Partner

Besondere Detaillösungen
Für die Treppenhäuser als gliedernde und
prägende Bereiche der Gebäude wurden
spezifische Lösungen entwickelt, die sowohl den bauzeitlichen Charakter widerspiegeln als auch heutigen Sicherheitsansprüchen gerecht werden. Im Treppenhaus
des Altbaus wurden die Bestandstüren
durch Feuerschutztüren mit gleichen Abmessungen sowie in gleicher Teilung und
Profilierung ersetzt. Das denkmalgeschützte schmiedeeiserne Geländer wurde erhalten und um einen Obergurt ergänzt, um
somit den zulässigen Mindesthöhen zu entsprechen. Dabei musste die Konstruktion
so konzipiert und realisiert werden, dass
keine Schweißverbindungen im Originalgeländer zur Ausführung kommen und die
entstehenden Lasten von den Granitblockstufen aufgenommen werden können. Die
Stuckprofile an Decke und Wand ließen
sich darüber hinaus ebenso bewahren
wie das Bleiglasfenster an der Südseite
des Ensembles. Auch die frei spannende
Stuckdecke über dem Treppenraum wurde
erhalten und zum Dachraum hin brandschutztechnisch verkleidet.

46]

Das Geländer des Treppenhauses im Mittelbau musste gleichfalls erhöht werden,
zudem wurden die Füllungen so ergänzt,
dass heutige Anforderungen an Absturzsicherheit erfüllt sind. Die Stufen aus
schwarzem Werkstein waren hier lediglich zu überarbeiten und konnten somit
an Ort und Stelle verbleiben.
Die detailgenaue und sorgfältige Sanierung der Bestandsgebäude arbeitet deren
bauzeitliche Besonderheiten heraus und
hebt durch den Erweiterungsbau die Qualität des Gesamtensembles. So vereinen
sich nun vier Zeitschichten in einem Ensemble, das nach Abschluss der Wiederherstellungs- und Neubaumaßnahmen im
September 2015 als neues Hauptgebäude
der Fachhochschule Zittau/Görlitz wirkt
und den nächsten Schritt für den Hochschulstandort Zittau als »University of
Applied Science« angemessen begleitet.
Jens Krauße
Julian Snethlage
Maria Ludewig
Heinle, Wischer und Partner
Freie Architekten,
Dresden

Bauherr
Land Sachsen
Bauherrenvertretung
Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und
Baumanagement, Niederlassung Bautzen
Nutzer
Fachhochschule Zittau/Görlitz, Standort Zittau
Entwurf und Ausführungsplanung
Heinle, Wischer und Partner, Freie Architekten,
Dresden
Team: Jens Krauße (verantwortlicher Partner),
Steffen Thombansen (Projektleitung LPH 2-5),
Julian Snethlage (Projektleitung LPH 5-8),
Armin Pommerencke, Monique Schott,
Timo Neumann, Anke Mierisch, Daniel Weiße
Tragwerksplanung
BfB Büro für Baukonstruktion GmbH, Dresden

[Umrisse]

Erscheinungsbild (kurz) nach Fertigstellung
© Dominique Marc Wehrli

Schlussstück einer Gesamtanlage
Neuer Hort Ilgen in Zürich-Hottingen
Gedanken zum Entwurf
Bereits in der Aufgabenstellung des Wettbewerbs zeigte sich ein Widerspruch, der
zur Prämisse des späteren Entwurfs werden sollte: Das Raumprogramm bedingte
etwa eine Verdreifachung der Flächen des
bisherigen Hortprovisoriums. Gleichzeitig
lief die Parzelle in Richtung des benachbarten Wohnquartiers konisch zusammen
und ließ an der dortigen Seite aufgrund der

Baukörper und Topographie
© Wolfgang Rossbauer Architekt ETH SIA GmbH

[Umrisse]

in Zürich geltenden Grenzabstandsregeln
kein rechteckiges Volumen zu, das alles
Geforderte beherbergt. Im Spiel mit diesen
Grenzabstandsregeln, vor allem mit den
sogenannten Mehrlängenzuschlägen, entstand nun ein hexagonales Volumen, das
die Körnung der umliegenden Wohnbauten
aufnimmt und durch seine nordseitige Platzierung einen Außenraum im Süden der

Parzelle und infolgedessen an der Seite
zum Schulhaus Ilgen A schafft. Das Haus
bildet also nicht die Mitte, sondern der
Freiraum, der damit zum vielfältig bespielbaren, vermittelnden Gelenk zwischen den
drei schulischen Nutzungen Kindergarten,
Schule und neuem Hort wird.

Lageplan
© Wolfgang Rossbauer Architekt ETH SIA GmbH

[47

Längs- und Querschnitt
© Wolfgang Rossbauer Architekt ETH SIA GmbH

Dachgeschoß
© Wolfgang Rossbauer Architekt ETH SIA GmbH

Erdgeschoß
© Wolfgang Rossbauer Architekt ETH SIA GmbH

Untergeschoß
© Wolfgang Rossbauer Architekt ETH SIA GmbH

48]

[Umrisse]

Das Gebäude kann von zwei Seiten betreten und auch gelesen werden: Von der
Schule aus betrachtet, sieht man ein farbiges Holzhaus im Garten, das von mächtigen Ahornbäumen umkranzt wird, mit
denen es im Dialog steht. Über einen Gartenweg gelangt man hier zu einem kleinen
Eingangsbalkon. Vom Wohnquartier kommend, sieht und betritt man hingegen ein
Bauwerk mit einem massiven Sockel, der
das Holzhaus optisch hebt und dessen
Höhenentwicklung unterstützt. Quartier
und Schule sollen sich dadurch verschränken, das Gebäude ist Teil von beidem.
Der Hortneubau ist als Schlussstück der
klassizistischen Schulanlage Ilgen von Diener und Wolff (1877–1889) konzipiert, zu der
auch der Kindergarten von Bruno Giacometti (1950) gehört. In seiner tektonischen
Gliederung aus massivem Sockel als Reaktion auf den Hang und dem aufgesetzten
filigranen Holzbau orientiert er sich stärker
an Giacometti. In Materialität und Farbigkeit waren beide, Schule wie Kindergarten,
Referenz: Der gelbgrünstichige Sandstein
des Hauses Ilgen A, die Stofflichkeit der
Storen, die pastell- und erdfarbenen Töne
der Holzverschalung des Kindergartens,
alldem wurde ein in Farbkraft und Tönung
verwandtes Gebäude gegenübergestellt,
das es sich lediglich erlaubt, in ausgewählten Teilen, wie den orangeroten Stoffstoren,
ein wenig kräftiger zu sein.

Erschließungskern aus Stahlbeton
© Dominique Marc Wehrli

[Umrisse]

Sechseckiges Gebäude in Hanglage
© Dominique Marc Wehrli

Im Grundriss sucht der neue Hort seine
Referenz im Zürcher Schulhaustyp des
19. Jahrhunderts: Pro Geschoß gibt es zwei
Klassenzimmer, die von einer Erschließungshalle und einem Schaltzimmer getrennt werden. Die umlaufende Hülle wurde dabei als tragender Holzbau geplant,
der räumlich und gestalterisch spürbar
bleibt und den Schülern Platz zum Sitzen
und Hinausschauen anbietet. Die pentagonalen Klassenräume sind symmetrisch und

auf den Horizont der Kinder angelegt, die
sie fassen und nutzen. Die plastische Innenwelt, Kerne und Geschoßdecken beinhaltend, ist in Betonbauweise realisiert
worden und löst derart die Frage der Erschließung und all die komplexen Anforderungen wie Brand- und Schallschutz.
Und: Das Gebäude wurde nach den Kriterien von Minergie-Eco-Standards erbaut
und zertifiziert.

Fensternischen zum Sitzen
© Dominique Marc Wehrli

[49

Gebäude und Umgebung
Aufgrund seiner Körnung und Setzung wird
das neue Hortgebäude zum Vermittler zwischen der großmaßstäblichen Schulanlage
Ilgen und dem benachbarten Wohnquartier
Hottingen: Während die Schulhäuser in
klassizistischer Manier als kräftige Baukörper auf einer geometrisierten Terrasse
thronen, ist der Hort sorgfältig in seinen
Garten mit mächtigem Baumbestand und
fließender Topographie eingebettet.
In puncto Charakter und Maßstäblichkeit
bezieht sich die neugestaltete Umgebung
des Hortes auf die Gartenstimmung ihres
Umfelds. Das heißt, wie Außenzimmer von
unterschiedlicher Größe und Stimmung
wurden die Spiel- und Ruheflächen in
Pflanzkissen eingelassen, wobei deren

»Gartenlandschaft« mit Holzhaus
© Dominique Marc Wehrli

Höhe von maximal 100 cm einerseits Geborgenheit für die Kinder schafft und andererseits den Betreuern dennoch den
notwendigen Überblick bietet. Die durch

die Modellierung des relativ steilen Hanges entstandenen Böschungen wurden
punktuell mit Spielgeräten möbliert und
so spielerisch erlebbar und überbrückbar
gemacht. Die kleinkörnigen, weich materialisierten Außenräume bilden insofern
einen bewussten Kontrast zum weitläufigen, harten Pausenplatz der Gesamtanlage.
Neben den asphaltierten Wegen unterstreichen zudem Pflasterungen, Kiesbeläge
und Sand sowie die unterschiedlichen
Kleingehölze die gärtnerische Stimmung
der Kindergarten- und Hortumgebung und
eröffnen derart vielfältige Spielmöglichkeiten.
Das Grundstück wie die gesamte Anlage
ist von einem eindrucksvollen Baumbestand geprägt, der weitestgehend erhalten
wurde. Mit Ersatzpflanzungen wurde der
vorgefundene Vegetationssaum zugleich
so ergänzt, dass er die erweiterte Gesamtanlage heute zusammenfasst. Eine Hecke
als quartiertypisches Element grenzt den
Außenraum des Hortes zusätzlich zur
Fehrenstraße hin ab.

Gestaltung der Freianlagen
© Wolfgang Rossbauer Architekt ETH SIA GmbH

50]

[Umrisse]

Architektur und Raumprogramm
Auf einem kräftig ausgebildeten Sockel,
der den Hang optisch und konstruktiv
abfängt, wurde ein filigran wirkender Baukörper angeordnet, der nach Süden und
damit in Richtung Schule direkt auf dem
Gelände aufsetzt. Eine Auskragung nach
Norden verleiht ihm zudem einen leichten,
schwebenden Ausdruck.
In diesem Sockel befindet sich eine weitläufige Eingangshalle, die von der Fehrenstraße aus auch für die Anlieferung genutzt
wird. Links der Halle liegt die Regenerierküche, in der täglich bis zu 240 Mahlzeiten in zwei Schichten aufbereitet werden,
während rechts von ihr der Speisesaal angrenzt, in dem bis zu 80 Kinder essen können. Der Saal lässt sich darüber hinaus
für kleinere Veranstaltungen verwenden.
Zwei Installations- und Erschließungskerne
spannen den symmetrischen Baukörper
auf, in dessen Normalgeschossen beidseitig die Aufenthaltsräume eingebettet sind.
Die Position der Aufenthaltsräume sowie
ihre Erschließung und Belichtung wurden
einfach gewählt, so dass sie auf ein vielfältiges Nutzungsbild, zum Beispiel reguläre
Klassen- oder Kindergartenzimmer, zu reagieren vermögen. Zwischen den beiden
Aufenthaltsräumen, quasi im Betonkern
»eingespannt«, erfolgte die Unterbringung
eines sogenannten Schaltzimmers, das
sich von dem Hortpersonal ebenso als
Büroraum nutzen lässt.

Aufenthaltsräume und Spielzimmer von ungewöhnlichem Zuschnitt
© Dominique Marc Wehrli

Das 2015 fertiggestellte Gebäude korrespondiert mit seiner Umgebung, und entsprechend wurde die Fassade in den Naturraum eingefügt: Horizontale Elemente
sind aus Blech sowie altkupferfarben gestrichen; vertikal erheben sich Flächen aus
massiven sägerauen Holzbrettern, die mit
einer dunkelgrünen Schlammfarbe versehen wurden und derart das feine Holzflechtwerk im Umfeld aufnehmen.
Durch die außergewöhnliche Grundrissform des sechseckigen Bauvolumens ergab sich zugleich ein maximal möglicher
Innenraum bei kleinstmöglicher äußerer
Erscheinung. Das Verstecken eines Großteils des Raumprogramms im Sockel, dem
»Gartengeschoß«, unterstützt den Anspruch, die volumetrische Präsenz des
Gebäudes quartierverträglich gering zu
halten.
Wolfgang Rossbauer

Bauherr
Stadt Zürich, Amt für Hochbauten,
Benjamin Kerland (Projektleiter)
Architekten
Wolfgang Rossbauer mit Susanne Triller
Wolfgang Rossbauer Architekt ETH SIA GmbH,
Zürich
Mitarbeit: Susanne Triller (Projektleitung),
Florian Binkert, Aline Vuilliomenet, Martina
Candreia, Christian Leutwyler, Alena Komarek,
Laurens Bekemans, Christian Zöhrer, Christoph
Küng, Maria Sanchez Payo, Ana Sofia Goncalves,
Sarah Bosen
Bauleitung
Steiner Hutmacher Bauleitung AG, Zürich
Landschaftsarchitektur
mavo landschaften gmbh, Zürich
Tragwerksplanung
MWV Bauingenieure AG, Baden
Timbatec Holzbauingenieure Schweiz AG, Zürich
Haustechnik
Hans Abicht AG, Zürich
Bauphysik
Amstein + Walthert AG, Zürich
Elektroplanung
Schmidiger & Rosasco AG, Zürich

Sockel als Eingangsbalkon
© Dominique Marc Wehrli

[Umrisse]

Sanitärplanung
Hunziker & Urban Haustechnik AG, Zürich

[51

»Verschobene« Obergeschosse als ein Charakteristikum
© Werner Huthmacher

»Haus der Kultur« zur Ergänzung
Stadtteilschule in Hamburg-Bergedorf
Gliederung und Konstruktion
Das als Massivkonstruktion mit zwei zentralen Erschließungskernen aus Stahlbeton
realisierte Atriumgebäude erhält seine
außergewöhnliche Gestalt durch die Verschiebung der Obergeschosse in Richtung

des Schulhofes. So konnten zum einen auf
der Westseite des Bauwerks und damit im
geschützten, außenliegenden Hof Flächen
zur Unterbringung des von den Schülern
gepflegten Kleintierzoos geschaffen werden.

Funktion und Vorgehen
In Hamburg-Bergedorf entstand auf dem
vorhandenen Areal einer Ganztagsschule
das sogenannte Klassenhaus H 1. Im November 2015 fertiggestellt, ergänzt es als
»Haus der Kultur« die weiteren thematischen Gebäude auf dem Schulcampus um
einen zusätzlichen Baustein.
Im Zuge mehrerer planungsbegleitender
Workshops, die gemeinsam mit Lehrern
und Schülern dieser Stadtteilschule durchgeführt wurden, ermittelte blauraum das
Raumprogramm, wobei die Resultate der
gemeinsamen Projektarbeit und die vorgegebenen Anforderungen der Behörde
eingeflossen sind.

Überdachung von Pausenbereich und Eingangszone
© Werner Huthmacher

52]

[Umrisse]

sie sorgen demnach auch für die geschoßweise Aufteilung der einzelnen Jahrgänge.
Multifunktionale Differenzierungszonen bilden hier zudem neue Orte der Kunst und
Begegnung: Sie orientieren sich zur hofgewandten Seite und sind gleichzeitig
durch ihre Offenheit und Adaptierbarkeit
ein ideales Angebot für Schüler, um sich
zum einen jahrgangsübergreifend durchmischen und zum anderen die Möglichkeit
wahrnehmen zu können, sich diese Fläche
individuell anzueignen und für entsprechende Interessen zu gestalten. Spezielle
Schwingflügelfenster gewährleisten daher
eine kommunikative Verbindung aus den
Differenzierungszonen zum Campus. Die
Erschließung der Jahrgangsetagen erfolgt
über Treppenhäuser, die sich im westlichen Bereich des Gebäudes befinden.
Patio mit Freiluftklassenzimmer-Funktion
© Werner Huthmacher

Zum anderen wird das Erdgeschoß in
seiner besonderen Funktion als »Kulturebene« markiert und ein Vorbereich des
Schulhofes ausgebildet, der sich als überdachte Pausen- sowie als Eingangszone
des Hauses flexibel für verschiedene kulturelle Aktivitäten nutzen lässt. Das Kulturgeschoß widmet sich der Musik und den
darstellenden Künsten: Verbunden werden
dabei die Musikräume durch ein zentral
positioniertes, multifunktionales Foyer.
Ein Patio im Obergeschoß fungiert als
Freiluftklassenzimmer.
Die Obergeschosse, die in ihrer Kubatur
zum Schulhof verschoben sind, beinhalten
die sogenannten Jahrgangsetagen, die
sich wiederum in Unterrichtsräume und
Differenzierungszonen gliedern. Dabei
wurden die Klassenräume nach aktuellen
pädagogischen Anforderungen konzipiert,

[Umrisse]

Unterrichtsräume auf allen Jahrgangsebenen
© Werner Huthmacher

[53

Lageplan
© blauraum

Querschnitt
© blauraum

Regelgeschoß
© blauraum

Erdgeschoß
© blauraum

54]

[Umrisse]

Farbkonzept: Leitsystem und Orientierungshilfe
© Werner Huthmacher

Fassade und Farbkonzept
Bei der Fassadengestaltung wurden zwei
Materialien gewählt: zum einen ein Handwerksputz, dessen Beschaffenheit der
Gebäudehülle je nach Sonnenstand eine
immer wieder neue Struktur verleiht. Zum
anderen orientierte man sich an den vorhandenen Bauwerken auf dem Schulcampus und wählte keramische Fliesen, um
den Eingangsbereich zu definieren. Dabei
greifen sie in ihrer Farbigkeit das Umfeld
auf, was bedeutet, dass die Fliesen in einer
Form von Pixellierung vom hellen Himmelblau in das Grün der angrenzenden Umgebung verlaufen. In ihren glatten Oberflächen spiegeln sich die umliegenden
Lichter und Schatten wider, sie schaffen
somit ein Wechselspiel mit ihrer Nachbarschaft. Gleichzeitig setzt sich das Farbkonzept im Inneren des Gebäudes fort
und dient, kombiniert mit den dazugehörigen Komplementärfarben, als Leitsystem
und Orientierungshilfe zur Stärkung der
Jahrgangsidentifikation, die gemäß dem
pädagogischen Anspruch der Schule
gefördert wird.

Bauherr
Freie und Hansestadt Hamburg
SBH Schulbau Hamburg
Entwurf
blauraum Architekten GmbH, Hamburg
Volker Halbach, Rüdiger Ebel, Carsten Venus
Tragwerksplanung und Bauphysik
Assmann Beraten + Planen GmbH, Hamburg
Technische Gebäudeausrüstung
Pinck Ingenieure Consulting GmbH, Hamburg

Maja Mijatovic
blauraum,
Hamburg

[Umrisse]

[55

Orientierung an Tier und Mensch
Neugestaltung an der Veterinärmedizin der Universität Zürich

Haupteingang als zeitgemäßes Entree
© Tom Bisig

Ausgangslage
Der Demonstrationshörsaal im sogenannten Gebäude TDE und damit des IrchelTierspitals in Zürich ist für Lehrveranstaltungen, Vorlesungen, Demonstrationen mit
Tieren und Forschungspräsentationen
komplett ausgebucht.
Die haustechnischen Leitungen im besagten Saal waren 1983 installiert worden und
hatten nach rund 30 Jahren Betriebszeit
ihre Aufgabe erfüllt. Das heißt, das Ende
ihrer Lebenszeit war erreicht. Die Komponenten entsprachen energetisch, hygienisch und wirtschaftlich nicht mehr dem
aktuellen Stand der Technik und waren
daher dringendst durch eine zeitgemäße
Lösung zu ersetzen.
Durch die Notwendigkeit dieser haustechnischen Maßnahme drängte sich auch die
Neugestaltung des Demonstrationshörsaals sowie der Eingangsbereiche mit Vorzone auf: Das in jenem Perimeter platzierte
Empfangsareal wird durch die Kunden und
die Angestellten sehr häufig begangen.

Darüber hinaus waren die sanitären Anlagen veraltet und genügten vor allem in
Bezug auf die Verteilung »Männer- und
Frauentoiletten« sowie hinsichtlich der

Anforderungen an die Architektur nicht
mehr dem heutigen Standard und mussten
angepasst werden.

Demonstrationshörsaal: Vorlesung »am« lebenden Beispiel
© Tom Bisig

56]

[Umrisse]

Spezialboden (schon) im Empfangsbereich der Großtierklinik
© Tom Bisig

Realisierte Maßnahmen
Der Demonstrationshörsaal hat zwei Vorbereiche: einen als Empfang für Kunden
auf der Ebene Unter- sowie einen als Foyer
für Gäste auf der Ebene Erdgeschoß. Er
dient aber zugleich der gesamten Großtierklinik und wird daher sehr häufig benutzt.
Vor seinem jetzigen Umbau entsprach er
jedoch in keiner Art und Weise einem
modernen Entree für eine universitäre
Klinik.

Vorzone mit Informationstafel
© Tom Bisig

[Umrisse]

[57

Grundriss
© Bureau Hindermann GmbH

Dem Spannungsfeld zwischen Nutztieren,
Dozenten, Studierenden und Tierbesitzern
als Nutzern wurde bei der Umsetzung
der Neukonzeption Rechnung getragen.
Ein wesentliches Augenmerk lag hier auf
den jeweiligen Eingangssituationen. Konkret bedeutet das, es wurde zwischen dem

Zugang für Menschen im Ober- und dem
Zugang mit Anmeldung für Tiere im Erdgeschoß unterschieden. Da es sich bei Letzterem ebenso um den Kundenempfang
der Großtierklinik handelt, wurde dieser
Bereich entsprechend aufgewertet und
attraktiver gestaltet. Dazu gehörte auch

eine klare Orientierung für die Kunden,
was mit räumlichen Maßnahmen wie einer
großzügigeren Öffnung und mit einfachen
Mitteln wie Licht, Farbe und Signaletik realisiert wurde. Die abgenutzten Oberflächen
wurden in dem Zusammenhang tier- und
kundengerecht erneuert und bearbeitet.

Anpassung von Bestuhlung und Belichtung
© Tom Bisig

58]

[Umrisse]

Toilettenanlagen nach Fertigstellung
© Tom Bisig

Den Hörsaal galt es nicht umzubauen, sondern die Charakteristik des ursprünglichen
Entwurfs mit gezielten Eingriffen zu optimieren. Das beinhaltete neben seiner
gestalterischen Aufwertung insbesondere
die Anpassung an die heutigen Rahmenbedingungen für einen zeitgemäßen Studienbetrieb. So wurde die Bestuhlung zum
Beispiel mit Elektrosteckdosen ausgestattet, um den Studenten das Arbeiten am
Laptop zu ermöglichen. Bei der Auswahl
des neuen Bestuhlungssystems waren die
angetroffene Raumsituation, der optimale
Sitzkomfort sowie die Lebensdauer und
seine weitestgehend einfache Reinigung
die entscheidenden Kriterien.

Neben der Erneuerung der Haustechnik
war der wohl größte bauliche Eingriff die
Umstrukturierung der Toilettenanlagen, vor
allem in puncto Zugang für Frauen und
Männer: Sie entsprachen nicht mehr den
heutigen Normen sowie den aktuellen
Bedarfszahlen, da Studentinnen gegenüber Studenten inzwischen klar in der
Mehrzahl sind.
Bei sämtlichen Maßnahmen standen die
Funktionalität und die Anforderung an den
täglichen Gebrauch an oberster Stelle,
denn gerade bei dieser interessanten
Aufgabe war und ist die Beanspruchung
des Raumes eine »tierische«.
Christof Hindermann

Bauherr
Kanton Zürich, Baudirektion
Nutzer
Universität Zürich, Vetsuisse-Fakultät
Planung und Bauleitung
Bureau Hindermann GmbH, Zürich
Elektrotechnik
E-net GmbH, Regensdorf
Haustechnik
Luginbühl & Partner AG, Zürich

[Umrisse]

[59

Lernen im leistungsfördernden Raum
Studie zum Einfluss des Raumklimas auf die Lernleistung von Schülern

Einleitung
Schulen sind viel mehr als Arbeitsräume:
Sie sind Lebensräume, die Einfluss auf
Konzentration, Motivation und produktives
Lernen der Lehrenden und Lernenden gleichermaßen ausüben. Neben einer Qualitätssicherung in der Lehre muss auch das
Schulgebäude als ein Baustein der Verbesserung der Ausbildungssituation begriffen
werden. Neben einer anregenden architektonischen Gestaltung wirken sich hier
insbesondere die thermische und akustische Behaglichkeit sowie die Licht- und
Luftqualität auf die Leistungsfähigkeit der
Schüler aus.

Science College im Bildungszentrum Overbach:
Projekt im Forschungsvorhaben »EnEff:Schule«,
wissenschaftliche Begleitung durch das Fraunhofer-Institut für Bauphysik
© Fraunhofer-Institut für Bauphysik

Die Umgebungsbedingungen in europäischen Klassenzimmern haben sich in den
vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich
verbessert. Dass Schulgebäude bei erhöh-

ter Energieeffizienz ein passendes und
schließlich auch leistungsförderndes Raumklima bereitstellen können, wird nicht zuletzt durch das vom Bundesministerium
für Wirtschaft und Energie geförderte Forschungsvorhaben »Energieeffiziente Schule (EnEff:Schule)« immer wieder in Demonstrationsobjekten gezeigt. In der Praxis
findet man dennoch nur selten optimal
betriebene Räumlichkeiten in europäischen und deutschen Schulbauten. Eine
grundlegende, vom Fraunhofer-Institut für
Bauphysik (IBP) durchgeführte Erhebung
anhand einer umfangreichen Analyse wissenschaftlicher Publikationen bestätigt
den deutlichen Nachholbedarf in diesem
Sektor.1
Kinder verbringen einen Großteil ihrer Zeit
in Klassen- und Lehrräumen, um zu lernen
und sich ein solides Fundament für ihren
beruflichen Werdegang zu schaffen. Rund
elf Millionen Schüler werden im Schuljahr
2015/2016 an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Deutschland unterrichtet. Europaweit sind es ca. 18 % der
Bevölkerung bzw. 95 Millionen, die sich als
Schüler oder Student auf ihr Berufsleben

Gemessene Werte von CO2-Konzentrationen in Schulen aus sechs europäischen Ländern:
Mittelwerte als Balken, Minimal- und Maximalwerte als Linien
© Fraunhofer-Institut für Bauphysik

60]

[Umrisse]

Ergebnisse und Erkenntnisse

Einfluss von Lüftungsraten auf Lernergebnisse:
steigende Arbeitsgeschwindigkeit mit zunehmender Lüftungsrate
© Fraunhofer-Institut für Bauphysik

vorbereiten.2 Auch wenn bekannt ist, dass
ein gutes Innenraumklima die Leistungsfähigkeit steigert und motiviertes Lernen
fördert: Viele der Lehranstalten können aus
unterschiedlichen Gründen kein optimales
Innenraumklima anbieten. Eine mangelnde
Lüftungsrate mit daraus resultierendem zu
hohem CO2-Gehalt ergab sich bei Messungen ebenso wie zu hohe Raumtemperaturen im Sommer. Die Ergebnisse, die aus
ca. 200 wissenschaftlichen Studien der
Jahre 1965–2015 aus unterschiedlichen
begutachteten Fachpublikationen zusammengetragen wurden, weisen ein breites
Spektrum auf: Bezüglich der CO2-Konzentration fanden sich in der Mehrzahl unbedenkliche Messwerte von 750–2.000 ppm,
welche für eine hygienische und unauffällige Raumluftqualität stehen. Nicht selten
jedoch werden CO2-Konzentrationen von
über 2.000 ppm angetroffen, die für einen
längeren Aufenthalt nicht mehr empfehlenswert sind. In einzelnen Untersuchungsreihen wird mitunter auch von Werten bis
zu 6.000 ppm berichtet.3
Neben der adäquaten Belüftung ist eine
ausreichende Versorgung mit Licht ein
ausschlaggebender Faktor für eine gute
Lernumgebung. Eine ausgewogene Beleuchtung ermöglicht die passende Informationsverarbeitung beim Lernen, und dar-

[Umrisse]

über hinaus wirkt Tageslicht unmittelbar
biologisch auf den Menschen, zum Beispiel bei der Steuerung des circadianen
Rhythmus. Empfohlen werden üblicherweise Beleuchtungsstärken von 300–500 lux 4,
was typischerweise mit einem Tageslichtquotienten von 3–5 % einhergeht. Daher
wurde in der durchgeführten Studie ebenfalls der Faktor Tageslicht betrachtet.

Sieben der 200 analysierten Originalstudien
beschäftigen sich explizit mit der Untersuchung verschiedener Lüftungsraten. In diesen wurden allerdings nur Lüftungsraten
unter den üblichen Belüftungsstandards
getestet – was leider auch der vorzufindenden Situation entspricht. Inwieweit sich die
Erkenntnisse bei einem Luftaustausch über
den generell verlangten 7,40 l/s 5 verändern
würden, ist bis dato noch nicht erforscht.
Die Messgrößen und -verfahren für die
Leistungsfähigkeit von Schülern variierten
zwischen den Studien. Zusammenfassend
kommen die Studienautoren zu ähnlichen
Schlussfolgerungen, dass die Fehlerrate
bei zunehmendem Luftwechsel abnimmt.
Für unterschiedliche Leistungsmaße liegt
die angegebene Leistungszunahme zwischen ca. 2 % und bis zu 15 % (bezüglich
Arbeitsgeschwindigkeit, siehe 1).
Wird die CO2-Konzentration im Klassenzimmer als Indikator für die Luftqualität verwendet, so ist das Bild ähnlich. Die Datengrundlage wissenschaftlicher Untersuchungen ist klein, jedoch zeichnet sich der
Trend ab, dass bei abnehmender CO2-Konzentration die Aufmerksamkeit und Konzentration der Schüler besser sind.
Grundsätzlich kamen die Studienbetreiber
aber zu dem Schluss, dass die Arbeitsgeschwindigkeit mit zunehmender (sauberer)
Frischluftmenge im Raum um bis zu 15 %
steigen kann.

Einfluss der CO2-Konzentration auf das Lernverhalten:
steigende Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit
bei niedrigem CO2-Level in der Raumluft
© Fraunhofer-Institut für Bauphysik

[61

Lösungsansätze

Auch die wissenschaftliche Literatur bezüglich des Einflusses der CO2-Konzentration auf das Lernverhalten ist ähnlich spärlich. Insgesamt fünf wissenschaftliche
Publikationen konnten bei der entsprechenden Suche identifiziert werden, die
die Anforderungen an sowohl ein wissenschaftliches Versuchsdesign als auch die
Dokumentation der statistischen Kenngrößen erfüllten. Aus ihnen lässt sich
ebenfalls ableiten, dass Aufmerksamkeitsund Konzentrationsfähigkeit der Studienteilnehmer mit abnehmendem CO2-Gehalt
in der Raumluft zunahmen.
Weitere Studien zeigen den Trend auf,
dass die Abwesenheitsrate von Schülern
und Studierenden bei schlechter Luft zunimmt und demnach Fehlzeiten mit der
CO2-Konzentration bzw. der Luftwechselrate im Lehrraum korrelieren. Die Analyse
ergibt dabei einen großen Unterschied in
den zugrundeliegenden Untersuchungen,
die schließlich in sehr unterschiedlichen
Raten resultieren: zwischen 2 % und 20 %
je 1.000 ppm CO2-Konzentrationsunterschied. 6 7 8
Dass auch das Tageslicht das Lern- und
Arbeitsverhalten beeinflusst, bestätigen
ebenfalls einige Studien, wenngleich in der
Literatur kaum systematische Ansätze zur
Untersuchung des Zusammenhangs mit
Tageslicht zu finden sind. Zusammenfassend lässt sich feststellen: Je mehr Tageslicht ins Klassenzimmer fällt, umso höher
ist zugleich die Leistungsfähigkeit der Nutzer. In den betrachteten Räumen mit dem
größten Tageslichtanteil waren beispielsweise in der Studie 9 die Schüler um 7–18 %
leistungsfähiger als in den Räumen mit
dem niedrigsten Tageslichteinfall.

62]

Die meisten Schulen sind heute noch auf
eine natürliche und manuelle Lüftung angelegt. Im Idealfall sollte grundsätzlich
mehr gelüftet werden. Das heißt, zwischen
jeder Unterrichtseinheit von 45 min sollten
jeweils mindestens 10 min stoßgelüftet
werden 10, am besten aber häufiger. Um
auch in kälteren Jahreszeiten für ausreichende Belüftung bei einem aus Gründen
der thermischen Behaglichkeit meist reduzierten Lüftungsverhalten zu sorgen, können mechanische Lüftungssysteme oder
innovative Systeme der natürlichen Lüftung, wie zum Beispiel automatisch gesteuerte Fenster, zum Einsatz kommen.
Solche Lüftungskomponenten schaffen
kontrolliert gute Bedingungen, indem sie
Raumluftparameter, wie zum Beispiel relative Feuchte, CO2-Konzentration und Temperatur, messen und sich bei definierten
Werten einschalten. Mit den passenden
Regelalgorithmen lässt sich somit eine
gute Luftqualität bei gleichzeitig thermisch

akzeptablen Bedingungen erreichen 11, was
auch im Versuch gezeigt werden konnte.
Weitere Vorteile mechanischer Lüftung liegen in den Möglichkeiten der zusätzlichen
Kühlung, Filterung, Schalldämpfung oder
Wärmerückgewinnung. Dabei ist jedoch
zu beachten, dass mechanische Systeme
sorgfältig entworfen und installiert sowie
regelmäßig gewartet werden müssen.
Dabei sollten sie den Nutzer aber nicht in
der Kontrollmöglichkeit einschränken und
tunlichst keine Geräusche verursachen,
die Schüler und Lehrer in ihrer Konzentration und Aufmerksamkeit stören.
Bei der Planung der Fenster sollte besonderer Wert auf deren Größe und Position
gelegt werden, wobei für eine ausreichende Tageslichtversorgung ein Tageslichtquotient von 5 % anzustreben bleibt. Dies
ist typischerweise der Fall, wenn das Verhältnis von Fenster- zu Grundfläche ca.
20–30 % beträgt. Insbesondere sollte darauf geachtet werden, dass der Rahmen-

Versuchsgebäude des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik am Standort Holzkirchen
für Untersuchungen zu Raumklima und Luftqualität in Klassenzimmern
© Fraunhofer-Institut für Bauphysik

[Umrisse]

anteil nicht zu groß gewählt wird, um eine
maximale Tageslichtausbeute zu ermöglichen. Da die Tageslichtausbeute stark vom
Breitengrad abhängt, sollte gleichzeitig
die für den Ort passende Beschichtung
gewählt und deaktivierbare Sonnenschutzvorrichtungen installiert werden – auch
um Blendung zu vermeiden. Hierfür eignen
sich bei entsprechender Gebäudekubatur
vor allem Dachfenster, welche, bezogen
auf die Grundfläche, eine um bis zu 50 %
höhere Tageslichtversorgung erzielen können. Die ergänzende Kunstlichtversorgung
sollte hinsichtlich der Tageslichtverfügbarkeit und Raumnutzung zudem regelbar
gestaltet werden12.

9

10

Heschong, L.: Daylighting in schools: an investigation into the relationship between daylighting and human performance; in: Research
Report, Heschong Mahone Group, 2003.
Mørck, O.; Paulsen, A.; Steiger, S.; ErhornKluttig, H.; Erhorn, H.; Zinzi, M.; Buvik, K.; Thomsen, K.: Screening of Energy Renovation Measures for Schools: Germany, Denmark, Norway,
and Italy. Bericht des EU-Projekts »School of
the Future«, 2013. Verfügbar unter: http://
www.school-of-the-future.eu/index.php/
project-results.

11

12

Steiger, S.; Hellwig, R.: Hybride Lüftung für
Schulräum, automatisierte Fensterlüftung; in:
Deutscher Kälte- und Klimatechnischer Verein
(DKV): Deutsche Kälte-Klima-Tagung 2009,
Proceedings. CD-ROM, Berlin, Hannover, 2009.
Steiger, S.; Park, S.; Erhorn, H.; de Boer, J.:
Improved Indoor Environmental Quality. Retrofit guidelines towards zero emission schools
with high performance indoor environment. Bericht des EU-Projekts »School of the Future«,
2014. Verfügbar unter: http://www.school-ofthe-future.eu/index.php/project-results.

Literatur
1
Grün, G.; Urlaub, S.: Impact of the indoor environment on learning in schools in Europe.
Study Report. Fraunhofer IBP. Dezember 2015.
2
Eurostat: Education Statistics, Distribution of
pupils. Students by level [educ_ilev], extrahiert
am 21.06.2015.
3
Umweltbundesamt: Gesundheitliche Bewertung von Kohlendioxid in der Innenraumluft;
in: Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz, Heft 51, 11. Jg.,
2008, S. 1358–1369.
4
EN 12464-1:2011-08: Light and lighting. Lighting
of work places, Part 1: Indoor work places.
5
ASHRAE 62.1-2013: Ventilation for acceptable
indoor air quality.
6
Shendell, D.; Prill, R.; Fisk, W.; Apte, M.; Blake,
D.; Faulkner, D.: Associations between classroom CO2 concentrations and student attendance in Washington and Idaho; in: Indoor Air,
Heft 14, 2004, S. 333–341.
7
Gaihre, S.; Semple, S.; Miller, J.; Fielding, S.;
Turner, S.: Classroom carbon dioxide concentration, school attendance and educational
attainment; in: Journal of School Health, Heft
84, 2014, S. 569–574.
8
Mendell, M.; Eliseeva, E.; Davies, M.; Spears,
M.; Lobscheid, A.; Fisk, W.; Apte, M.: Association of classroom ventilation with reduced illness absence: a prospective study in California
elementary schools; in: Indoor Air, Heft 23,
2013, S. 515–528.

[Umrisse]

Bildquelle: shutterstock – goodluz

Prof. Dr. Gunnar Grün
Abteilungsleiter Energieeffizienz und Raumklima
Fraunhofer-Institut für Bauphysik,
Holzkirchen
Dr. Susanne Urlaub
Fraunhofer-Institut für Bauphysik,
Stuttgart

Auf IT gebaut – Bauberufe mit Zukunft
Wettbewerb
Anmeldung: bis 14. November 2016
Anmeldung: bis 14. November 2016
Abgabe: bis 21. November 2016
P
Abgabe:
bis 21. November 2016
Preisverleihung: 17. Januar 2017
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Ansprechpartner:
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Günter
Blochmann,
Leiter
RG-Bau,
06196
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Günter Blochmann, Leiter der RG-Bau, 06196 495 – 3502, blochmann@rkw.de
Tanja
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[63

Ausbau des Südschnellwegs in Hannover

Aktuell

]

Symposium mit anschließender Exkursion
Anlass und Ablauf
Für gewinnbringende Ein- und Ausblicke
sorgen insbesondere jene Konferenzen
und Kongresse, die Theorie und Praxis
sinnstiftend miteinander verbinden, also
mit einer Kombination aus instruktiven Vorträgen und nachfolgender Exkursion aufwarten – wie eben die Veranstaltung »Ausbau des Südschnellwegs in Hannover«, die
am 28. und 29. Juni direkt vor Ort stattfand.
In Kooperation mit dem Niedersächsischen
Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sowie der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr
initiiert und ein Vorhaben thematisierend,
das dank des gewählten Verfahrens mit
vorgeschaltetem Ideenwettbewerb und
begleitendem Kommunikationskonzept
zu den derzeit wohl meistdiskutierten in
Deutschland gehört, war diese Tagung
zweifelsohne von hervorragender Qualität,
referierten in Hannover doch ausschließlich die jeweils Verantwortlichen aus Bauverwaltung, Projektmanagement und den
beteiligten Ingenieur-, Architektur- und
Landschaftsarchitekturbüros, so dass letztlich sämtliche Aspekte zur Sprache kamen,
die bei Entwurf und Realisierung der hier
vorgeschlagenen Lösungen sowie bei den
bereits begonnenen Ertüchtigungsmaßnahmen eine Rolle spielen, und zwar genauso
differenziert wie kompetent. Gleiches gilt
im Übrigen auch für die Begehung des Planungsgebietes und die Besichtigung der
Brücke Hildesheimer Straße unter Feder-

Heutiger Südschnellweg in Richtung Westen (links) und Osten im Bereich Döhren
© Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr

Vorhaben und Vorgehen
führung der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, die
in überaus anschaulicher Form zusätzliche Erkenntnisse vermittelte, sowie für die
beiden Abendprogramme, die den ca. 100
Anwesenden mannigfaltige Gelegenheiten
boten, um sich in zwangloser Atmosphäre
austauschen, neue Kontakte knüpfen oder
aber um bestehende auffrischen und damit
intensivieren zu können. Nicht unerwähnt
bleiben darf zudem ein Engagement, das
sich als vorbildlich bezeichnen lässt: Wie
bei generell jedem Symposium der Verlagsgruppe Wiederspahn hatten Studierende
aus Hochschulen und Universitäten die
Möglichkeit zur kostenfreien Teilnahme,
die in Hannover von ca. 20 »Vertiefern«
gerne genutzt wurde.

»Landschaft Straße Stadt« als Wettbewerbsthema
© Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr

64]

Auf der Intention beruhend, das Gesamtprojekt in all seinen Facetten angemessen
zu beleuchten, umfasste das Vortragsprogramm an beiden Tagen in Summe 16 Präsentationen, die sich in puncto Themenwahl wie Reihenfolge an dem vorgesehenen und zum Teil schon absolvierten Ablauf
sowie an den bereits in der Bauphase befindlichen Ertüchtigungsmaßnahmen orientierten und den Anwesenden derart einen
prägnanten, ja einen ebenso detaillierten
wie konzentrierten Eindruck zu gewinnen
erlaubten – von den enormen, in toto zu
bewältigenden Herausforderungen ästhetischer, funktionaler, organisatorischer und
technischer Natur bis hin zu den inzwischen erarbeiteten Lösungen, bei deren
Entwicklung in mancher Hinsicht Neuland
betreten wurde und noch wird.
Der Auftakt im Dormero Hotel Hannover
galt freilich dem Veranstaltungsort: Nach
der offiziellen Begrüßung durch Dipl.-Ing.
Michael Wiederspahn, der zugleich als
Moderator fungierte, war es Dr. Christoph
Wilk, Abteilungsleiter im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit
und Verkehr, offenkundig ein Anliegen, sein
Grußwort um einen kurzen Exkurs durch
die Planungshistorie anzureichern und in
dem Zusammenhang aufzuzeigen, dass in
diesem Bundesland von jeher Konzepte
zur Anwendung gekommen sind, die den
Fortschritt zu befördern halfen. Dipl.-Ing.

[Umrisse]

Sebastian Tacke, Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr,
der als Nächster sprach, wusste den Hinweis von ihm umgehend aufzugreifen, indem er den Ausbau des Südschnellweges
im Stadtgebiet von Hannover als ein Vorhaben bewertete, das zu seiner Verwirklichung die Erprobung innovativer Verfahrenswege fast unweigerlich bedinge.
An seinen exakten Überblick über Anlass,
Vorgeschichte und künftige Planungsschritte gliederten sich jetzt vertiefende
Einzelbetrachtungen an, die sich den verschiedenen Aspekten widmeten und deren
jeweilige Spezifika erhellten, wobei Dipl.Ing. André Fiedler, Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH, den Anfang machte
und unter dem Titel »Projektstrategie auf
neuen Wegen« nachvollziehbar dokumentierte, warum man hier letztlich auf eine
andere als die bis dato übliche Vorgehensweise setzen musste und muss. Die passende Ergänzung lieferte direkt danach
Dipl.-Ing. Nicole Jaschinski, Schüßler-Plan
Ingenieurgesellschaft mbH, vermochte sie
doch in erfreulicher Klarheit jene Kriterien
zu skizzieren, die bei der »Streckenplanung
im Ideenwettbewerb« als Prämissen zu
erfüllen waren und sind. Dessen Resultat
präzisierte darüber hinaus der Juryvorsitzende Prof. Dr. Hartmut Topp, topp.plan,
der im Rahmen seiner Erläuterungen zudem begründete, weshalb die Durchführung von interdisziplinären Wettbewerben
gerade bei verkehrsplanerischen Problemstellungen außerordentlich sinnvoll ist. Das
konnte Dipl.-Ing. Jens Hanel, Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und
Verkehr, im Anschluss nur bestätigen, zumal er quasi den Bogen »Von der Idee zum
genehmigungsfähigen Plan« und insofern
bis zu einem Zielpunkt schlug, der als zu
realisierendes Endergebnis ja auf der Entscheidung des Preisgerichts und damit auf
einer Kombination der prämierten Entwürfe
beruhen soll.

[Umrisse]

Lagepläne der einstimmig prämierten Entwürfe
© Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr

Kommunikation und Konzepte
Mit der Frage nach der adäquaten Form
wie dem Inhalt der Bürgerbeteiligung bei
einem mehrjährigen Prozess, dessen spätere bauliche Konsequenzen einen erheblichen Einfluss auf das Erscheinungsbild
der Stadt in den betroffenen Streckenabschnitten ausüben werden, beschäftigten
sich hingegen zwei Vorträge, beginnend
mit »Kommunikationskonzept mit Transparenz« von Dr.-Ing. Christoph Ewen, team
ewen, der plausibel definierte, wie ein solches Instrument der Öffentlichkeitsarbeit
strukturiert zu sein hat und welche Akteure
dabei einzubinden sind, während »Gestaltung des Planungsdialogs« von Dipl.-Geogr.
Ralf Eggert, IFOK GmbH, die Funktion eines
Gremiums veranschaulichte, das aus Vertretern diverser Interessengruppen besteht
und ins Leben gerufen wurde, um beratend
tätig zu werden und derart die Akzeptanz
in der Bevölkerung zu erhöhen.
Der Kern des Ganzen, um den sich die meisten Diskussionen drehen und künftig weiter
drehen werden, sind natürlich die im Wettbewerb durch die Jury mit zwei ersten und
einem zweiten Preis ausgezeichneten Bei-

träge, da sie als Basis für alle künftigen
Konkretisierungen dienen oder zumindest
dienen sollen: Über das Potential und die
wesentlichen Elemente dieser beiden ersten Preise informierten die verantwortlichen Projektverfasser, also Dipl.-Ing. Bernd
F. Künne für das Team aus BPR Dipl.-Ing.
Bernd F. Künne & Partner mbB, schneider +
schumacher StädteBauProjekte GmbH &
Co. KG, lad+ landschaftsarchitektur diekmann und grbv Ingenieure im Bauwesen
GmbH & Co. KG sowie Prof. J. Miller Stevens und Dipl.-Ing. Franz Reschke für Stadt
Land Fluss Büro Städtebau und Stadtplanung, Franz Reschke Landschaftsarchitektur und Hoffmann Leichter Ingenieurgesellschaft mbH. Auf eine Begutachtung des
zweiten Preises und infolgedessen der
Arbeit von Gertz Gutsche Rümenapp Stadtentwicklung und Mobilität, yellow z urbanism architecture und bgmr Landschaftsarchitekten GmbH musste das Auditorium
aber leider verzichten, denn Dipl.-Ing. Jens
Rümenapp hatte sehr kurzfristig abgesagt
und weder einen Ersatz benannt noch
seine Präsentation übersandt.

[65

]
Aktuell
Hamburger Deckel: Streckenabschnitt, Bauphasen und künftiges Erscheinungsbild
© DEGES GmbH

Für den passenden Ausklang sorgte wiederum Dr.-Ing. Karl Morgen, WTM Engineers GmbH, vor allem weil er unter der
genauso wohl- wie logisch klingenden
Überschrift »Ohne Dach ist Krach: der
Hamburger Deckel« über die Charakteristika eines Bauvorhabens berichtete, das
über ähnlich imposante Dimensionen verfügt und deshalb durchaus vergleichbar
anmutet – und von ihm im Übrigen als eine
Vision eingestuft wurde, deren Gestaltwerdung für Anwohner wie Autofahrer
etliche Perspektiven und Verbesserungen
verheiße.
Mit einem gemeinsamen Abendessen in
dem exquisiten Restaurant der Herrenhäuser Gärten in Hannover endete dann der
erste Tag des Symposiums, der überaus
anregend war und somit auch nicht wenig
Neugierde auf den Themenblock am Mittwochvormittag und die an ihn anschließende Exkursion weckte.

Ertüchtigung und Erneuerung
Der erste Redner am Mittwochvormittag,
Dipl.-Ing. Tobias Behr von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau
und Verkehr, steckte das Feld gleichsam
ab, und zwar durch die Ankündigung, dass
die Brückenertüchtigung in Niedersachsen wie der gesamten Bundesrepublik
Deutschland zu jenen Aufgaben zählte
und zählt, die Bauverwaltung, Ingenieurbüros und Bauunternehmen in den nächsten Dekaden primär zu meistern haben,
wobei er für die Anwendung einer einheitlichen Methodik zur Gewährleistung der
angestrebten Zukunftsfähigkeit der Bauwerke plädierte. Wie sich das en détail

66]

interpretieren lässt, vermittelte er indessen mit seinem zweiten Vortrag über drei
Brücken am Südschnellweg in Hannover,
nämlich die Unterführung Hildesheimer
Straße sowie die Leine- und die Leineflutbrücke, die momentan bzw. ab 2017 verstärkt werden, um ihre Restnutzungsdauer
um zehn Jahre zu verlängern. Was das für
einen Prüfingenieur faktisch bedeutet und
mit welchen Schwierigkeitsgraden er bei
einer solchen Vorgabe tatsächlich konfrontiert wird, schilderte zur Abrundung nun
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Reinhard Maurer, Technische Universität Dortmund, dessen Ausführungen darob auf größte Aufmerksamkeit stießen.
An der Eignung der Feuerverzinkung als
Korrosionsschutz für Brücken dürften
eigentlich keinerlei Zweifel mehr existieren, wie Dipl.-Ing. Gunnar Pöppe, Institut
Feuerverzinken GmbH, einleitend und un-

ter Verweis auf die seit 2014 vorliegenden
Forschungsresultate betonte, um danach
deren Relevanz anhand von Beispielen jüngeren wie älteren Datums zusätzlich zu
untermauern. Ob und wann die Überwachung von Konstruktionen im Bauzustand
unverzichtbar ist oder wird und welche
Chancen aus der Implementierung von
»Messsystemen und Monitoring im Hinblick auf Industrie 4.0« erwachsen, illustrierte zum Abschluss des Vortragsprogramms Dipl.-Ing. Marie-Barbara Schaller,
GGB GmbH, die in und mit ihrem Resümee
auch die ökonomischen Vorteile einer kontinuierlichen Sammlung und Auswertung
von aktuellen Daten überzeugend zu
erklären verstand.

[Umrisse]

Aufteilung der Exkursionsteilnehmer in zwei Gruppen
© Michäel Provost/Sweco Belgium nv

Arbeitshöhe im Hohlkasten
© Michäel Provost/Sweco Belgium nv

Begehung und Besichtigung
Die Rahmenbedingungen waren nahezu
perfekt: Überwiegend blauer Himmel, frühlingshafter Sonnenschein und eher milde
Temperaturen erlaubten es, die relativ
kurze Strecke vom Dormero Hotel Hannover zur Brücke Hildesheimer Straße zu Fuß
zu bewältigen, an der die Exkursionsteilnehmer dann von Dipl.-Ing. Fabian Schulze
und Dipl.-Ing. Marc Oliver Meng, Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau
und Verkehr, und Dipl.-Ing. Oliver Buss,
Eurovia GmbH, empfangen und begrüßt
wurden. Und dort ging es sofort in medias
res, das heißt, die Besichtigung der immerhin 484 m langen, in 16 Felder à 56 m Stützweite gegliederten und überdies 14,20 m
breiten Spannbetonstruktur erfolgte in zwei
Gruppen, so dass eine jede von ihnen über
genügend Zeit für eine minutiöse Begutachtung der Pfeiler und des einzelligen
Hohlkastenquerschnitts von außen wie
innen (!) verfügte. Da das Bauwerk mittels
Anordnung einer externen Vorspannung
verstärkt und derart für eine Restnutzungsdauer von zehn Jahren ertüchtigt wird,
stießen hier speziell die Details der Hilfskonstruktionen, der Ablauf aller Arbeiten
bei »rollendem« Verkehr sowie Auf- und
Unterbringung der Spannglieder auf besondere Neugierde, während im Fall des
Planungsgebietes, das danach aufgesucht
und im besten Sinne erwandert und durchstreift wurde, vor allem die Qualität der
prämierten Wettbewerbsvorschläge in
Relation zu dem bisher vorhandenen Kontext aus Grünanlagen, Wohnhäusern,
Bürogebäuden und Gewerbebetrieben
genauer überprüft und diskutiert wurde.

[Umrisse]

Beginnende Ertüchtigung der Brücke Hildesheimer Straße
© Michäel Provost/Sweco Belgium nv

Nach fast drei Stunden, die dank der ebenso sach- wie fachkundigen Führung und
der Beantwortung sämtlicher, ja selbst der
spontan aufgetauchten Fragen mannigfaltige Ein- und Ausblicke ermöglichten,
endete letztlich der Ausflug in die Bau- und
Entwurfspraxis – und damit auch ein rundherum gelungenes Symposium, wie alle
Anwesenden mit Nachdruck bestätigten.
Und wie jedem Symposium der Verlagsgruppe Wiederspahn liegen sämtliche Vorträge natürlich zusätzlich in gedruckter
Form vor – als Ausgabe 3 ∙2016 der Zeitschrift »Brückenbau«, die als Einzelheft
14 € kostet und in jeder gutsortierten
Fachbuchhandlung oder aber direkt über
den Veranstalter zu erwerben ist.

www.maurer.eu

Ausgabe 3. 2016
Ausgabe

Symposium
S
ymposium
Ausbau
Ausbau des Südschnellw
Südschnellwegs
schnellwegs in Hanno
Hannover
ver

www.verlagsgruppewiederspahn.de
w
ww.verlagsgruppewiederspahn.de
ederspahn.de

ISSN 1867-643X
67-643X

Tagungsband mit allen Vorträgen
© Verlagsgruppe Wiederspahn

Siegfried Löffler
Fachjournalist,
München

[67

»Neues Bauvertragsrecht« für Planer
Bericht aus der Werkstatt des Gesetzgebers

Baurecht

]

Anlass und Stand des
Gesetzgebungsverfahrens

68]

Das aktuelle Werkvertragsrecht für Architekten und Ingenieure lässt am Bau Beteiligte verzweifeln. Gesetzliche Grundlagen
sind nur rudimentär vorhanden, und die vorhandenen sind nur schwer verständlich.
Es hat sich nebengesetzlich ein hochspezielles, zerklüftetes Rechtsgebiet herausgebildet, welches von der Rechtsprechung,
der baurechtswissenschaftlichen Literatur und einem ausufernden Vertragsrecht
unübersehbar ausdifferenziert wird. Das
Honorar- oder »Preisrecht« der Architekten und Ingenieure ist ein eigener Wissenschaftszweig, welcher nur wenigen
Erleuchteten zugänglich ist. Die ebenfalls
unübersichtlichen Regelungen zur Unwirksamkeit unangemessen benachteiligender Allgemeiner Geschäftsbedingungen
und eine kaum vorhersehbare Entscheidungspraxis der Gerichte in diesem von
unbestimmten Rechtsbegriffen geprägten
Bereich tun ein Übriges. Die Reform des
Werkvertragsrechts für Architekten und
Ingenieure ist ein tiefempfundenes Bedürfnis der Praxis, um eine interessengerechte, rechtssichere Gestaltung und
Abwicklung von Planungsverträgen zu
ermöglichen.
Das Bundesministerium der Justiz und für
Verbraucherschutz hat 2015 den »Entwurf
eines Gesetzes zur Reform des Bauvertragsrechts und zur Änderung der kaufrechtlichen Mängelhaftung« vorgelegt,
welcher sich in fünf Paragraphen speziell
dem Architekten- und Ingenieurrecht
widmet – mit dem Ziel, die komplexen und
auf eine längere Erfüllungszeit angelegten
Planerverträge gesetzgeberisch in den
Griff zu bekommen sowie klarere und
speziellere gesetzgeberische Vorgaben
auszuformulieren. Anders als bei Bauerrichtungsverträgen ist der vertraglich
geschuldete Erfolg bei Abschluss eines
Architekten- oder Ingenieurvertrags zu
Beginn des Leistungsaustausches den
Beteiligten noch nicht klar. Es ist gerade
die herausgehobene Aufgabe des Planers,
gemeinsam mit dem Auftraggeber bzw.
Bauherrn das Ziel der gemeinsamen Planungsbemühung fortschreitend zu konkretisieren und dem Bauherrn dabei beratend
zur Seite zu stehen. Dieser Besonderheit
ist gesetzgeberisch Rechnung zu tragen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Entwurfs ist
die Regelung der gesamtschuldnerischen
Haftung des Architekten oder Ingenieurs
für Baumängel neben den bauausführenden Unternehmen.
Nach der aktuellen Planung soll das Gesetzgebungsverfahren in der zweiten Jahreshälfte 2016 abgeschlossen sein. Ende
Februar informierte der Bundesjustizminister Heiko Maas Vertreter der Planungsund Bauwirtschaft über die geplanten
Änderungen. Der Bundesminister beabsichtigt, das neue Bauvertragsrecht jedenfalls noch im Laufe dieser Legislaturperiode Gesetz werden zu lassen. Gegenstand
der Beratungen wird der seit dem 11. März
2016 vorliegende Regierungsentwurf eines
neuen Bauvertragsrechts sein (im Folgenden: Reg.-Entwurf). Der Regierungsentwurf
nimmt die wesentlichen Intentionen und
Begründungen des früheren Referentenentwurfs aus dem Bundesjustizministerium
auf, die Änderungen sind im Wesentlichen
redaktionell. Im Einzelnen:

Vertragstypische
Pflichten aus Architektenund Ingenieurverträgen
»(1) Durch einen Architekten- oder Ingenieurvertrag wird der Unternehmer verpflichtet, die Leistungen zu erbringen, die
nach dem jeweiligen Stand der Planung
und Ausführung des Bauwerks oder der
Außenanlage erforderlich sind, um die
zwischen den Parteien vereinbarten
Planungs- und Überwachungsziele zu
erreichen.
(2) Soweit wesentliche Planungs- und
Überwachungsziele noch nicht vereinbart
sind, hat der Unternehmer zunächst eine
Planungsgrundlage zur Ermittlung dieser
Ziele zu erstellen. Er legt dem Besteller
die Planungsgrundlage zusammen mit
einer Kosteneinschätzung für das Vorhaben zur Zustimmung vor.« § 650 o BGB
Reg.-Entwurf
Diese neue, aus dem aktuellen BGB nicht
bekannte Vorschrift soll verdeutlichen,
dass Planerverträge komplex sind (sic!)
und sehr unterschiedliche Planungs- und
Leistungsschritte umfassen. Der Planervertrag als gemeinsames, iteratives Konkretisierungsverfahren zwischen dem Bau-

herrn und dem Architekten oder Ingenieur
zur Bewältigung der Planungs- und der Bauaufgabe soll damit zumindest im Ansatz in
den Blick genommen werden. Als Leitbegriffe des Vertragsvollzugs sollen Planungsund Leistungsziele zudem ermöglichen,
vertragliche Leistungen des Architekten
oder Ingenieurs von zusätzlich zu vergütenden Mehrleistungen abzugrenzen.

Anwendbare Vorschriften
»(1) Für Architekten- und Ingenieurverträge
gelten die Vorschriften des Kapitels 1 des
Untertitels 1 sowie die §§ 650 b, 650 d bis
650 g, soweit sich aus diesem Untertitel
nichts anderes ergibt.
(2) Für die Vergütungsanpassung im Fall
von Anordnungen nach § 650 b Absatz 2
gelten die Entgeltberechnungsregeln der
Honorarordnung für Architekten und Ingenieure in der jeweils geltenden Fassung,
soweit infolge der Anordnung zu erbringende oder entfallende Leistungen vom
Anwendungsbereich der Honorarordnung
erfasst werden. Im Übrigen ist die Vergütungsanpassung für den vermehrten oder
verminderten Aufwand aufgrund der angeordneten Leistung frei vereinbar. Soweit
die Vertragsparteien keine Vereinbarung
treffen, gilt § 650 c entsprechend.« § 650 p
BGB Reg.-Entwurf
Durch den Verweis auf Kapitel 1 des Entwurfs ist geklärt, dass der Planervertrag
als Werkvertrag einzuordnen ist und die
werkvertraglichen Regeln anzuwenden
sind. Damit wird die höchstrichterliche
Rechtsprechung der letzten Jahre gesetzgeberisch aufgenommen. Das häufig vertraglich geregelte und ansonsten richterrechtlich angenommene Anordnungsrecht
des Auftraggebers bzw. Bestellers ist nunmehr gesetzlich geregelt (Verweis auf
§ 650 b Entwurf). Ergänzend dazu soll auch
der Architekt oder Ingenieur berechtigt
sein, die Bauhandwerkersicherung durch
Hypothek oder Bürgschaft zur Absicherung
seines Vergütungsanspruchs verlangen zu
können (§§ 650 d; 650 e Entwurf): Dies entspricht der aktuellen, richterrechtlich herausgearbeiteten Rechtslage. Kündigungen
des Planervertrags sollen formbedürftig
und nur schriftlich zu erklären sein (§ 650 g
Entwurf), das wäre neu.

[Umrisse]

Teilabnahme

»(1) Nach Vorlage von Unterlagen gemäß
§ 650 o Absatz 2 kann der Besteller den
Vertrag kündigen. Das Kündigungsrecht
erlischt zwei Wochen nach Vorlage der
Unterlagen, bei einem Verbraucher jedoch
nur dann, wenn der Unternehmer ihn bei
der Vorlage der Unterlagen in Textform
über das Kündigungsrecht, die Frist, in
der es ausgeübt werden kann, und die
Rechtsfolgen der Kündigung unterrichtet
hat.
(2) Der Unternehmer kann dem Besteller
eine angemessene Frist für die Zustimmung nach § 650 u Absatz 2 Satz 2 setzen.
Er kann den Vertrag kündigen, wenn der
Besteller die Zustimmung verweigert
oder innerhalb der Frist nach Satz 1 keine
Erklärung zu den Unterlagen abgibt.
(3) Wird der Vertrag nach den Absätzen 1
und 2 gekündigt, ist der Unternehmer nur
berechtigt, die Vergütung zu verlangen,
die auf die bis zur Kündigung erbrachten
Leistungen entfällt.« § 650 q BGB Reg.-Entwurf
Diese Regelung ist für die Auftraggeber
gut, für die freiberuflichen Planungsbüros
eher nachteilig. Nach der heutigen Rechtslage kann der Architekt oder Ingenieur,
welcher in seinem Leistungsbild mit allen
Leistungsphasen beauftragt ist, im Falle
einer freien Auftraggeberkündigung seine
volle vertragliche Vergütung für erbrachte
und nicht erbrachte Leistungen abrechnen,
abzüglich durch Kündigung ersparter Aufwendungen oder anderweitigen Erwerbs
(§ 649 Satz 2 BGB, hier stark verkürzt wiedergegeben). Dies soll nach dem Referentenentwurf anders werden. Nach einer
Zielfindungsphase erhält der Auftraggeber ein Sonderkündigungsrecht, welches
binnen kurzer Frist von 14 Tagen auszuüben ist. Hat sich der Auftraggeber binnen
dieser Überlegungsfrist gegen die Durchführung des gemeinsamen Projekts entschieden, soll dem Architekten oder
Ingenieur nur das Honorar für erbrachte
Leistungen zustehen.

[Umrisse]

Gesamtschuldnerische Haftung
mit dem bauausführenden
Unternehmer
»Nimmt der Besteller den Unternehmer
wegen eines Überwachungsfehlers in
Anspruch, der zu einem Mangel an dem
Bauwerk oder an der Außenanlage geführt hat, kann der Unternehmer die Leistung verweigern, wenn auch der ausführende Bauunternehmer für den Mangel haftet und der Besteller dem bauausführenden Unternehmer noch nicht erfolglos eine angemessene Frist zur Nacherfüllung bestimmt hat.« § 650 s BGB
Reg.-Entwurf
Eine verunglückte Formulierung, welche
folgende Funktion erfüllen soll: »Die Regelung ist darauf gerichtet, die überproportionale Belastung der Architekten und
Ingenieure im Rahmen der gesamtschuldnerischen Haftung zu reduzieren und der

Nacherfüllung durch den bauausführenden Unternehmer eine größere Bedeutung zu verschaffen. Gesamtwirtschaftlich
gesehen kann dies zu einer Entlastung
führen, weil ein mit dem Bauwerk vertrauter Bauunternehmer den Mangel häufig
mit geringeren Kosten beseitigen kann
als ein mit dem Bau nicht vertrauter Bauunternehmer, dessen Vergütungsanspruch
Maßstab für die Höhe des Schadensersatzanspruchs gegen den Architekten
oder Ingenieur ist.« (Referentenentwurf
Seite 34) Die Formulierung dieses Regelungsvorschlags wirft dogmatische Fragen
auf: Ist nur ein Leistungsverweigerungsrecht gewollt, oder ist eine Anspruchsvoraussetzung gemeint, deren Fehlen den
Schadensersatzanspruch nicht entstehen
lässt? Materiell-rechtlich bleibt es unklar,
wann und unter welchen Voraussetzungen
der bauausführende Unternehmer »zuvor
erfolglos« auf Nacherfüllung angegangen
worden sein muss: Wie ist zu entscheiden,
wenn der Bauherr, vielleicht sogar böswillig, mit der Durchsetzung von Mängelansprüchen wartet, bis seine Ansprüche
gegen das ausführende Bauunternehmen
verjährt sind und nur noch der Architekt
oder Ingenieur als Haftungspartner zur Verfügung steht? Dieser Regelungsvorschlag
überlässt es der Vertragspraxis und der
Rechtsprechung, das gesamtschuldnerische Verhältnis zu konkretisieren.
Wirklich neu sind an dem vorliegenden
Entwurf das Sonderkündigungsrecht am
Ende einer frühen Zielfindungsphase des
Planervertrags, die Möglichkeit zur Teilabnahme nach Beendigung der Bauerrichtungsphase und die erforderliche Schriftform für die Kündigung des Planervertrags.
Die Änderungen für die Praxis bei Verhandlung, Abschluss und Vollzug von Planerverträgen sind überschaubar. Der Entwurf des neuen Bauvertragsrechts lässt
also die meisten Regelungswünsche, welche insbesondere auf eine radikale Vereinfachung des Honorarrechts gerichtet sind,
offen.

[ Baurecht

Sonderkündigungsrecht

»Der Unternehmer kann ab der Abnahme
der letzten Leistung des bauausführenden
Unternehmers oder der bauausführenden
Unternehmer eine Teilabnahme der von
ihm bis dahin erbrachten Leistungen
verlangen.« § 650 r BGB Reg.-Entwurf
Dieser Vorschlag des Referentenentwurfs
entspricht der bisherigen Praxis der öffentlichen Hand in den Vertragsformularen
der Vergabehandbücher: Dem Architekten
oder Ingenieur wird dort regelmäßig die
Möglichkeit eingeräumt, nach Ende der
Leistungsphase »Objektüberwachung
(Bauüberwachung) und Dokumentation«
eine Teilabnahme zu verlangen. Dies ist
vom aktuellen Werkvertragsrecht nicht
vorgesehen. Die rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen für die Architekten und Ingenieure sind beachtlich. Ist
nach der Bauerrichtungsphase zusätzlich
die letzte Leistungsphase »Objektbetreuung« beauftragt, droht dem Architekten
oder Ingenieur ohne Teilabnahme eine
»ewige« Sachmängelhaftung, deren Verjährungsfrist erst zum Ende der Objektbetreuung zu laufen beginnt. Dies führt zu
einer Sachmängelhaftung der Architekten
und Ingenieure, welche die Haftungsfristen
aller anderen am Bau Beteiligten zeitlich
weit überragt. Der Lösungsvorschlag des
Referentenentwurfs ist zu begrüßen. Mit
einer Teilabnahme beginnt die Mängelhaftung für die bis dahin erbrachten Planungsleistungen zeitlich eng anschließend an
die Bauerrichtungsphase.

Prof. Dr. Gerald Süchting
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht
Master of European and International Business Law
Hochschule St. Gallen
Professor für Baurecht und Bauplanungsrecht
an der Fachhochschule Potsdam
Süchting Rechtsanwälte
Partnerschaftsgesellschaft mbB,
Berlin und Leipzig

[69

Radstation am Hauptbahnhof von Frankfurt am Main

Immobilienmarkt

]

Zukunftsweisende Perspektiven für urbane Mobilität dank CA Immo
Am Frankfurter Hauptbahnhof wird die Zukunft der Mobilität in europäischen Großstädten verdichtet erlebbar, denn mit der
erst vor kurzem erfolgten Eröffnung der
Fahrradstation im neuen Parkhaus und damit nahe dem künftigen Fernbusbahnhof
bieten sich verschiedene Optionen an
einem zentralen Ort der Stadt: »Mit dem
Fernbusbahnhof und den Parkplätzen für
Autos und Fahrräder kommen wir an dieser bestens an den öffentlichen Nah- und
Fernverkehr angebundenen Stelle den

Wünschen der Reisenden nach einem
multimodalen Angebot ein ganzes Stück
näher«, so der Verkehrsdezernent.
In dem neuen Parkhaus direkt am Hauptbahnhof stehen 350 Parkplätze für Autos
sowie 420 Fahrradstellplätze samt Servicewerkstatt zu Verfügung. Entworfen von
den Architekten schneider + schumacher,
wurde das Gebäude von CA Immo errichtet, betrieben wird es von der ParkhausBetriebsgesellschaft, einer Tochter der
ABG Frankfurt Holding.
www.caimmo.com

Parkhaus (noch) als Visualisierung
© CA Immo Anlagen AG

Pop-up-Wohnen in Frankfurt am Main
»Studentisches« Pilotprojekt der Nassauischen Heimstätte
Ab Oktober 2016 stellt die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/Wohnstadt
mit dem »Cubity« in Frankfurt am MainNiederrad energieeffizienten, gemeinschaftlichen und kostengünstigen Wohnraum für Studierende mit und ohne Fluchthintergrund zur Verfügung: »Der Cubity
passt hervorragend nach Niederrad als
weiterer Baustein unserer energetischen
und sozialen Quartiersentwicklung, die wir
in der Adolf-Miersch-Siedlung seit 2015
betreiben und die ganz im Sinne der Nachhaltigkeit ganzheitlich angelegt ist«, so
Nassauische-Heimstätte-Geschäftsführer
Dr. Constantin Westphal. Bauherr ist hier
die Deutsche Fertighaus Holding AG, die
den Prototyp bereits vor zwei Jahren als
Beitrag der Technischen Universität Darmstadt beim Solar Decathlon in Versailles
errichtet hatte: »Ich freue mich, dass wir
den Cubity nach zwei Jahren Winterschlaf
hier wieder aufbauen und nun unter Realbedingungen testen können«, so Vorstandsvorsitzender Thomas Sapper. Entwickelt haben diesen Kubus Architekturstudenten der Technischen Universität
Darmstadt unter Federführung von Prof.
Annett-Maud Joppien und ihrem vor kurzem verstorbenen Kollegen Prof. Manfred
Hegger.
»Cubity« vereint die Begriffe »cube«, »city«
und »community« und steht außerdem für
Pop-up-Wohnen. Das heißt, binnen sechs

70]

Wochen lässt sich das Gebäude aus nachwachsenden Rohstoffen und einer Polycarbonat-Fassade aufbauen und ermöglicht
damit an jedem geeigneten Standort ein
Wohnen auf Zeit. 250 m2 umfassend und
nach dem Haus-im-Haus-Prinzip konstruiert, wartet er in einer großräumigen Halle
mit sechs zweigeschossigen Wohn-Cubes
auf, wobei sich in jedem 8 m² großen Wohnwürfel ein Bett, Tisch, Stuhl, Schrank und
zusätzlicher Stauraum sowie ein eigenes
Bad befinden. Im Gemeinschaftsbereich
sind wiederum die gemeinsame Küche,
der zentrale Marktplatz, eine Galerie und
Terrasse angeordnet, so dass er Raum
für vielgestaltige Formen des Zusammenlebens bietet.
Als Plus-Energie-Haus erzeugt der »Cubity«
mit Hilfe einer Photovoltaikanlage auf dem
Dach zudem mehr Energie, als er verbrauchen kann. Heizung und Kühlung werden
über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe geregelt, ein Heizwasser-Wärmespeicher übernimmt die Warmwasserversorgung. Das
wirkt sich auch auf die Miete aus: Sie soll
ca. 250 € warm für einen der Wohnwürfel
kosten. Die Vermietung der Räume erfolgt
durch das Studentenwerk Frankfurt. In
einen der Cubes wird übrigens ein Sozialwissenschaftler der Technischen Universität Darmstadt einziehen, der das Projekt
wissenschaftlich begleitet.
www.naheimst.de

Cubity beim Solar Decathlon 2014 in Versailles
© Thomas Ott/Nassauische Heimstätte Wohnungs- und
Entwicklungsgesellschaft mbH

Gemeinschaftsraum in Inneren
© Thomas Ott/Nassauische Heimstätte
Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH

[Umrisse]

Neues Flughafen-Terminal in München
Steuerungstechnik und Gebäudeautomation von Lamilux
Der Flughafen München hat vor wenigen
Wochen den Terminal-Erweiterungsbau
»Satellit« in Betrieb genommen – und bei
der Realisierung dieses 900-Mio.-€-Projektes auf Steuerungstechnik und Gebäudeautomationen aus dem Hause Lamilux
gesetzt: Der Tageslichtsysteme-, RWAund Gebäudesteuerungsspezialist war
während der vergangenen drei Jahre
exklusiver Zulieferer und Monteur aller
sicherheits- und komfortrelevanten sowie
energieeffizienzsteigernden Gebäudesteuerungen für den Rauch- und Wärmeabzug (RWA), die natürliche Be- und Entlüftung, den Sonnenschutz und viele weiterer Steuerungsbereiche. Wie bereits bei
der Errichtung des Terminals 2 vertraute
der Airport bei der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) also wiederum auf die
Kompetenzen von Lamilux.
Der »Satellit« mit 52 Gates ist als ein dem
Terminal 2 vorgelagertes Abfertigungsbauwerk auf dem großflächigen AirportGelände entstanden und von den ca. 400 m
Meter entfernt liegenden, bereits existierenden Flughafenbereichen nur über unterirdische Verbindungswege zu erreichen.

Durch den riesigen Neubau mit einer
Bruttogeschoßfläche von 126.000 m² sind
zusätzliche Abfertigungskapazitäten für
jährlich 11 Mio. Fluggäste geschaffen
worden.
Teil des 4 Mio. € schweren Auftrags an
Lamilux war neben der Konzeption, Lieferung und Installation einer Vielzahl steuerungstechnischer Komponenten, wie zum
Beispiel Steuerungszentralen, Aufzugschachtentrauchungen, Klappen- und
Türsteuerungen, unter anderem die Integration von 200 RWA- und Lüftungsflügeln
in das Dach des Gebäudes. Für die Verwirklichung des komplexen, von hohen
sicherheitstechnischen Anforderungen
geprägten Brandschutz-, Lüftungs- und
Sonnenschutzkonzeptes hat Lamilux 110
Steuerschaltschränke installiert und programmiert, 150.000 m Last- und Steuerkabel verlegt sowie rund 2.800 Antriebe
für die Entrauchungs- und Nachströmklappen im Dach und der Fassade geliefert und
montiert. Für diese aufwendigen Arbeiten
war ein elfköpfiges Team von Lamilux
seit Sommer 2013 permanent vor Ort
beschäftigt.
www.lamilux.de

LAMILUX - LEADING IN
INNOVATION AND DESIGN

LAMILUX TAGESLICHTSYSTEME
SPAREN SIE ENERGIE
mit hohem Tageslichteinfall
und natürlicher Be- und
Entlüftung durch integrierte
Klappensysteme

Integration aller sicherheits- und komfortrelevanten Komponenten
© Lamilux Heinrich Strunz GmbH

BEWAHREN SIE ENERGIE
mit thermisch getrennten
Konstruktionen und innovativen
Verglasungssystemen
STEUERN SIE ENERGIE
mit intelligenten Steuerungen
und Automationen für Lüftung,
Sonnenschutz und RWA

bim
Technische Gebäudeausrüstung von höchster Qualität
© Lamilux Heinrich Strunz GmbH

[Umrisse]

PLANEN SIE 3D
mit virtuellen BIM-Objekten

LAMILUX HEINRICH STRUNZ GMBH
Postfach 15 40 | 95105 Rehau
Tel.: 0 92 83/5 95-0 | information@lamilux.de
www.lamilux.com

Maßgefertigter Architekturbeton für Fassaden

Produkte und Projekte

]

Hochwertige Gebäudehüllen von Hering Architectural Concrete

Die Marke Hering Architectural Concrete
vereint intelligente, von passionierten Ingenieuren und Handwerkern maßgeblich mitund weiterentwickelte Materialkonzepte
des Werkstoffs Beton mit jahrzehntelanger Erfahrung in gestaltungsfokussiertem
Betonfassadenbau. Als Spezialist für individuelle Gebäudehüllen lässt Hering mit
seinen Produkten großen Spielraum für
Architekten und Planer: Diese können bei
Neubauten und Sanierungen angewendet
werden, und zwar sowohl für die Fassade
als auch zur Verkleidung von Dächern,
Dachuntersichten oder als Bodenbelag.

Parkhaus von Karstadt in Bad Homburg
© David Hollnack

Neben der technologischen Komponente
steht die Ästhetik im Mittelpunkt neuer
Entwicklungen, denn die Außenhaut gilt
heutzutage als Identitätsträger eines
Gebäudes. Das heißt, farbige Zuschläge
und Pigmente in der Betonrezeptur bieten
in Kombination mit unterschiedlichen Oberflächenbearbeitungsverfahren hier nahezu
unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten,
um den Charakter eines Hauses zum Ausdruck zu bringen. In den vergangenen Jahren erfolgte darüber hinaus die Ergänzung
um neuartige Bearbeitungstechniken, die
weitere Alternativen eröffnen – vom eindrucksvollen Fotobeton über Reliefbeton
und Matrizenschaltechnik bis hin zu Sichtbetonfassaden mit Glaszuschlägen und
lichtreflektierendem Beton.

Pädagogische Fakultät der Hochschule Arnheim in Nijmwegen
© Ben Vulkers

Büro- und Laborgebäude SkyLabs in Heidelberg
© Dirk Wilhelmy

Bereits in den 1990er Jahren beschäftigte
sich Hering mit dem Thema »Nachhaltiges
Bauen und Konstruieren« und suchte nach
entsprechend ressourcen- und umweltschonenden Lösungen. Daraus resultierte
unter anderem die Innovation betoShell®
und damit die nur 2–4 cm dicken, also sehr
dünnwandigen Fassadenplatten aus Textilbeton. Textilbeton ist ein zementgebundener, mineralischer Verbundwerkstoff, bei

dem zwei- oder dreidimensionale, technische Textilien aus Glas- oder Carbonfasern
als Bewehrungsmaterial eingesetzt werden, so dass, verbunden mit einer speziellen Betonrezeptur, extrem hohe Biege-,
Zug- und Schlagfestigkeiten erreicht werden. An der Oberfläche von Textilbeton
treten zudem keine Faser aus, weshalb er
auch ein wesentlich breiteres Gestaltungsspektrum aufweist als Faserbeton.
www.hering-ac.com

betoShell®-Platte aus Textilbeton
© Hering Bau GmbH & Co. KG

72]

[Umrisse]

Sicherheit für Glas- und Fassadenflächen
Sprengwirkungshemmende Folie von Haverkamp
Die Anschläge in Paris und anderen europäischen Städten haben auch in Deutschland zu einer veränderten Einschätzung
der Sicherheit geführt. So raten Experten
dazu, gerade kritische Gebäudebereiche
wie Fenster und Fensterfronten nachträglich zu schützen – davor, dass im Fall einer
Explosion die Scheiben bersten und umherfliegende Glassplitter zahlreiche Menschenleben gefährden könnten.
Das Unternehmen Haverkamp aus Münster, Sicherheitsfolienhersteller seit mehr
als 35 Jahren, hat hierfür eine Produktlösung, die von deutschen Materialprüfungsämtern getestet worden ist, und zwar zertifizierte Sicherheitsfolien zur Nachrüstung:
Profilon® P3A und Profilon® ER 1 sind demzufolge die stärksten Sicherheitsfolien
weltweit – sowohl in der Einbruch- und
Durchwurfhemmung (P3A) als auch für den

[Umrisse]

Explosionsschutz (ER1). Darüber hinaus
erlauben die von Haverkamp hergestellten
Folien eine nicht sichtbare, schnelle Nachrüstlösung auf ungeschütztem Einfachund Isolierglas in anschlaggefährdeten
Bereichen.
www.haverkamp.de

Zertifizierung nach ausführlichen Versuchen
© Haverkamp GmbH

[73

»Print-System« für Fassaden

Produkte und Projekte

]

Selbsttragende Laminatplatten von ABET
MEG oder, in Langform, Material Exterior
Grade ist eine selbsttragende, nach EN 438,
Teil 6 gefertigte Laminatplatte für Fassadenbekleidungen und Balkongeländer. Als
»Print-Fassadensystem« mit der Zulassung
Z-33.2-14 des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) zertifiziert, ist sie ein hervorragendes Material in der Hand des Architekten.
Den Kern der Platte bilden mehrere Schichten aus mit Phenolharz imprägniertem
Kraftpapier und zwei Deckschichten aus
Zellulosepapier, imprägniert mit Melaminharzen. Beide Harze gehören zu den Duroplasten. Das heißt, sie sind irreversibel
chemisch vernetzt und sorgen für ein ausgehärtetes, stabiles High-Pressure-Laminate-(HPL-)Produkt, dessen Eigenschaften

Referenzprojekte: Privathaus …
© ABET GmbH

Abet Laminati Headquarters in Italien …
© ABET GmbH

Möbelhaus in Belgien …
© ABET GmbH

Villa Naim im Libanon
© ABET GmbH

74]

alle Voraussetzungen einer Außenanwendung erfüllen: Die beidseitige Beschichtung garantiert die geforderten Qualitäten
der Oberfläche und gibt der Platte ihre
besonderen ästhetischen Merkmale.
Die garantierten Werkstoffeigenschaften
von MEG stellen einen deutlichen Vorteil
gegenüber ähnlichen Fassadenmaterialien
dar. So ist MEG beständig gegen Witterung
und Sonnenlicht sowie mechanisch robust,
splitterfrei und besonders durchschlagsfest.
MEG gibt es wahlweise in den Baustoffklassen B 2 und B 1 und damit den Euroklassen B und D nach EN 13501-1. Eine
große Auswahl an Dicken und Formaten
ermöglicht dem Architekten zudem die
notwendigen Spielräume, optimal und
budgetgerecht zu konzipieren.
Die bekannte Dekorvielfalt von ABET findet
auch bei den zahlreichen Uni- und Holzdekoren der MEG-Fassadenplatte ihre Entsprechung. Somit sind gerade mit diesen
Platten Entwürfe realisierbar, die einen
durchgehenden Farb- und Dekorverbund
aufweisen – vom Innenraum bis zur Gebäudehülle. Die Digitaldrucktechnologie er-

weitert dabei die gestalterischen Möglichkeiten von MEG entscheidend, so können
Auftraggeber zum Beispiel ihre Corporate
Identity durch definierte Farb- und Dekorvorgaben umsetzen lassen.
Die besondere Qualität der MEG-Platten
wird im Übrigen durch Zertifizierungen
nach ISO 9001 und dem Umweltmanagementsystem ISO 14001 beglaubigt. Durch die
Ausstattung mit modernsten Mehretagenpressen ist ABET darüber hinaus in der
Lage, eine langfristige und kontinuierliche
Produktqualität bei Kompaktplatten zu gewährleisten: ein unverzichtbarer Vorteil bei
Projekten mit mehrjährigem Planungsvorlauf. Und: Selbstverständlich sind FSC- und
PEFC-Zertifizierungen integraler Bestandteil einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Produktion, und zwar ebenso wie die
nötige Sicherheit in der Umsetzung von
Projekten durch die Betreuung und Unterstützung von qualifizierten ABET-Architektenberatern.
www.abetlaminati.com
www.abet.de

[Umrisse]

Fraunhofer-Institut in Bayreuth
Leistungsfähiges Lichtlenksystem dank Okalux
Im Neubau des Fraunhofer-Instituts für
Hochtemperatur-Leichtbau HTL in Bayreuth werden Werkstoffe für die Energie,
Antriebs- und Wärmetechnik sowie für
Luft- und Raumfahrt entwickelt. Das heißt,
auf ca. 900 m² Büro-, 1.300 m² Technik- und
350 m² Lagerfläche wird hier seit Juli 2015
an der Verbesserung der Qualität sowie
der Material- und Energieeffizienz von
industriellen Wärmeprozessen gearbeitet.
Von kister scheithauer und gross architekten und stadtplaner entworfen, weist das
Gebäude als verbindendes Element ein
wiederkehrendes Netzmuster aus Keramikfliesen auf, das die gesamte Außenhaut
überzieht – mit dem Resultat eines quasi
diszipliniert ornamentierten Erscheinungsbildes. Um nun in den Technik- und Laborbereichen des Fraunhofer-Instituts eine
blendfreie und angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen, kam in den konischen
Hallenfenstern eine Lösung von Okalux zur

Neues Büro- und Forschungsgebäude in Oberfranken
© Yohan Zerdoun/Okalux GmbH

Ausführung: Im Scheibenzwischenraum
dieses leistungsfähigen Lichtlenksystems
sind feststehende Lamellen integriert, die
einen Großteil der solaren Strahlung nach
außen reflektieren und dadurch den Innenraum vor direktem Sonneneinfall schützen.
Im Sommer verringern sich durch den derart reduzierten Wärmeeintrag zudem die
Kühllasten, was letztlich bedeutet, das
verwendete Funktionsglas hilft auch die
Gesamtenergiebilanz des Bauwerks zu
optimieren.
www.okalux.com

Hallenfenster mit integrierten Lamellen
© Yohan Zerdoun/Okalux GmbH

MATERIAL
MA
ATERIAL EXTERIOR GRADE
G

HPL FASSADEN
DEUTSCHES INSTITUT FÜR BAUTECHNIK BERLIN
Zulassung: Z-33.2-14 / PRINT Fassadensystem

Fassaden

Balkone

Sonnenschutz

Stadtmöblierung

Außenbeschilderung

ABET GmbH
32051 Herford / Füllenbruchstraße 189
T 05221 34770 / meg@abet.de
www.abetlaminati.com

Unlimited selection

Modellfabrik der Zukunft in Darmstadt

Produkte und Projekte

]

Erstmaliger Einsatz des Parametric System von Schüco
Die Technische Universität Darmstadt hat
vor kurzem die sogenannte ETA-Fabrik eröffnet, wobei das hier gewählte Kürzel für
»Energieeffizienz Technologie- und Anwendungszentrum« steht. In dieser »Modellfabrik der Zukunft« erforschen nun Maschinenbauer, Bauingenieure und Architekten
gemeinsam, wie sich industrielle Produktionsprozesse energetisch optimieren lassen – mit dem Ziel einer Energieverringerung um 40 % gegenüber Standardproduktionshallen.
Neugierig auf das Geschehen im Innern
machen die komplett verglasten Stirnseiten: Auf der Nordfront schützt eine Schüco
FW 60+ Structural Glazing-(SG-)Fassade die
dahinterliegenden Büros vor Überhitzung,
wobei in die Scheibenzwischenräume der
opaken Öffnungsflügel hochdämmende
Vakuumisolierpaneele eingelegt wurden,
um den bestmöglichen Wärmeschutz und
Nutzerkomfort zu gewährleisten. An der
Südflanke verhindern hingegen in den
oberen zwei Dritteln der Fassade Lichtlenklamellen in den Scheibenzwischenräumen der Schüco Element-Vorhangfassade
USC 65 FSG eine direkte Solareinstrahlung.
Das heißt, jene Lamellen lenken das Tageslicht an die Decke, von wo aus es reflektiert wird und die Fabrikhalle gleichmäßig
ausleuchtet.
Als Eyecatcher dient wiederum die spektakulär gestaltete Verglasung im unteren Fassadendrittel, bei der erstmals das Schüco
Parametric System an einem Gebäude
verbaut wurde: Die parametrischen Glaselemente erlauben einen effektiven Son-

Südfassade als (technischer) Blickfang
© Schüco International KG

76]

Forschungsgebäude nach Fertigstellung
© Schüco International KG

nenschutz an der stark dem Zenitlicht ausgesetzten Südseite und gestatten zugleich
vielfältige Sichtbezüge zwischen Innen
und Außen. Die Fassade besteht aus sechs
vorgefertigten, je 3,50 m x 2,40 m großen
Elementen, die mit einem Autokran in das
zuvor montierte Stahlskelett eingehängt
wurden. Bei den drei oberen, stärker von
der Sonne beschienenen Scheiben sind
32 % des Glases zudem mit einem Punktmuster als Sonnenschutz bedruckt. Die
unterste Scheibe ist transparent und nach
vorn zum Boden geneigt, um störende
Reflexionen zu vermeiden und Passanten
von außen blendfrei in die Halle schauen
zu lassen.

Sonnenschutz: aufgedrucktes Punktraster
© Schüco International KG

Das Schüco Parametric System erleichtert
die Planung für Bauherren, Ingenieure und
Architekten, denn bislang waren individuell
gestaltete 3-D-Fassaden nur mittels aufwendiger Sonderlösungen zu errichten. Mit
dem Schüco Parametric System sind dreidimensionale Freiform-Lösungen jetzt erstmals als einfach zu konzipierende Systemlösung realisierbar – und mit der Sicherheit
eines Serienprodukts zu kalkulieren, wobei
die Projektbeteiligten in sämtlichen Entwurfs-, Detaillierungs- und Fertigungsstufen auf eine durchgehend geschlossene
digitale Prozesskette zurückgreifen
können.
www.schueco.de

[Umrisse]

Amok-Prävention in Schulen
Größerer Schutz durch Zutrittssysteme von Glutz
Schulen, Behörden, Unternehmen und
andere Institutionen werden immer wieder
durch Gewaltandrohungen in Alarmbereitschaft versetzt. So erhalten allein Schulen
in Deutschland durchschnittlich ca. 400
Amokdrohungen pro Jahr. Die meisten von
ihnen bleiben zwar folgenlos, allerdings
ereigneten sich seit 2009 sechs Amokläufe
in deutschen Schulen.
Um nun die Sicherheit in diesen extremen
Gewaltsituationen zu erhöhen, entwickelte
das Unternehmen Glutz in Zusammenarbeit
mit Sicherheitsexperten spezielle Funkbeschläge für Türen, so dass Klassenzimmer
zu geschützten Zufluchtsorten werden:
Mit Hilfe des drahtlosen Zutrittssystems
eAccess mit Amok-Zutrittsfunktionen werden Schutzzonen eingerichtet, Alarmsyste-

me installiert und im Ernstfall zuvor festgelegte Zutrittspunkte abgeriegelt. Türen
lassen sich im Falle eines Alarms nur noch
von innen öffnen, während die Öffnung
außerhalb des geschützten Bereichs ausschließlich durch die Alarmzentrale oder
durch ein spezielles Rettungskraft-AmokMedium mit entsprechenden Freigabeprivilegien durchführbar ist.
Die Gefahren- bzw. Amok-Prävention gewinnt auch dank des Gesetzgebers eine
zunehmend wichtigere Rolle. In Niedersachsen beispielsweise sind Schulen dazu
verpflichtet, ein individuelles Sicherheitskonzept zu erarbeiten. Und das erfolgt am
besten auf Basis der Zutrittslösung von
Glutz, denn sie ermöglicht Gewaltprävention und gleichzeitig die Durchlässigkeit
in anderen Gefahrensituationen, wie etwa
im Brandfall. Außerdem passt sich dieses
eAccess-System mit Amok-Funktionen in
die Architektur der Schulen ein.
Technische Maßnahmen allein können
das Problem eines gesellschaftlichen
Gewaltpotentials zwar nicht beseitigen,
aber durch die technischen Lösungen
von Glutz ist realisierbar, die Sicherheit
in Schulen deutlich zu erhöhen.
www.glutz.com

Die Leichtigkeit
des Lichts

selux.com

Einsteckschloss zum kontrollierten Öffnen
© Glutz Deutschland GmbH

Funktionsweise in Gefahrensituationen
© Glutz Deutschland GmbH

[Umrisse]

[77

Kindergarten in Kempenich

Produkte und Projekte

]

Kunterbunte Akustikdecke von Fibrolith

Bei Deckensanierungen in pädagogischen
Einrichtungen geht es nicht nur um die Verbesserung der Akustik, sondern auch um
das Design, schließlich soll eine jederzeit
angenehme Atmosphäre erzeugt werden,
die das Lehren und Lernen fördert.
Aufgabe in Kempenich war es nun, die vom
Kindergarten bereits im Vorfeld für die fünf
Betreuungsgruppen verwendeten Farben
Blau, Gelb, Orange, Rot und Grün in die
Deckengestaltung des Gemeinschaftsraumes zu integrieren: Inspiration war hier
das puzzleartige Computerspiel »Tetris«
aus den 1980er Jahren, dessen kantige
Formen und bunte Farben wieder voll im
Trend liegen und gleichzeitig auch an
Bauklötze zum Spielen erinnern.

Gemeinschaftsraum nach Fertigstellung
© Fibrolith Dämmstoffe GmbH

Bei den von unten sichtbaren Akustikplatten, die in diesem Kindergarten montiert
wurden, handelt es sich um mineralisch

gebundene Holzwolle-Leichtbauplatten
mit der Produktbezeichnung »Fibro-Kustik«
in Weißzement mit kleiner Fase und einer
Dicke von 25 mm, wobei sie in der Fläche
überwiegend im Format 1.200 mm x 600 mm
zum Einsatz kamen, im Randbereich erfolgten entsprechende Zuschnitte. Anhand der
durchgeführten Nachhallzeitmessungen
zeigte sich, dass nach dem Einbau der
neuen Akustikdecke der Nachhall in einzelnen Frequenzbereichen um ≥ 2 s gesenkt und die Anforderungen der DIN 18041
erfüllt werden konnten.
Neben dem akustischen Aspekt war für die
Kindergartenleitung und den kirchlichen
Träger aber auch die Wahl eines natürlichen und baubiologisch unbedenklichen
Materials ausschlaggebend – wie eben
der Holzwolle von Fibrolith, die zertifiziert
ist und für deren Herstellung ausschließlich Hölzer aus nachhaltiger Waldwirtschaft verwendet werden.
www.fibrolith.de

Verbesserung der Nachhallzeiten
© Fibrolith Dämmstoffe GmbH

78]

[Umrisse]

Kindertagesstätte in Freilassing
Referenzbau der Innovationsgemeinschaft Raumklimasysteme
Im idyllischen Berchtesgadener Land hat
die Stadt Freilassing ein über die Region
hinaus vielbeachtetes Projekt realisiert,
denn die neue Kindertagesstätte als eingeschossiges Bauwerk für ca. 40 Kinder
plus Betreuer übertrifft die einschlägigen
Energiesparvorgaben und erfüllt in idealer
Weise weitere wichtige Anforderungen.
Ziel war es hier, die hohen Ansprüche an
ein solches Gebäude in puncto Raumklima
und Akustik bestmöglich umzusetzen. Das
heißt, es sollten sowohl der Lärm der Kinder
als auch der Fluglärm von außen, resultierend aus der Nähe zur Einflugschneise des
Flughafens Salzburg, weitestgehend gedämpft werden. Zudem mussten sich unterschiedlich genutzte Räume verschiedener
Größe hocheffizient beheizen oder eben
kühlen lassen, weshalb die Verantwortlichen für die Green Code® AudiothermDecke vom Baustoffwerk Rudolph aus
Weiler-Simmerberg votierten.

Bei diesem System handelt es sich um
großflächige, armierte Decken-Halbfertigteile, die mit Heiz- und Kühlregistern
bestückt sind: Sie führen warmes oder bei
Bedarf kühles Wasser und regulieren so
die Raumtemperatur durch sanfte Strahlungswärme nach dem Prinzip der Sonne,
ganz ohne Staubwalze und bei Reaktionszeit ≤ 1 h. Und die in die Deckenunterseite
bündig eingelassenen Reapor®-Schallabsorberstreifen aus Blähglas benötigen
nur 20 % jener Fläche, um bis zu 70 % der
Schallwellen im Raum zu schlucken, wobei sie sich dank ihres geringen Gewichts
sogar zur Anwendung bei sehr großen
Spannweiten eigen. Sie haben aber noch
einen weiteren Vorteil, indem sie statisch
wie Ortbetondecken wirken und so für
einen deutlichen Nettoraumgewinn
sorgen.
www.igr-raumklimasysteme.de

Kombination von Schalldämpfung
und Temperaturregelung
© Innovationsgemeinschaft Raumklimasysteme e.V.

eA
eAccess
ccess AMOK
Da
Dass Zut
Zutrittssystem
r it tssystem für sic
sichere
here Räume

In Amok-Sit uat ionen ist entscheidend, dass sich Menschen rasch in Räumen einschliessen und
vor Angreifffern in Sicherheit bringen können. Nach ausgelöstem Alarm verhindert das eAccess
Zut rittssystem mit AMOK-Funkt ion die Öffnung ausgewählter Türen von aussen. Die Menschen
sind in den Räumen soffor
ort geschüt zt bis Rett ungs- und Sicherheitskräfte vor Ort sind. Aus den
Räumen kann jederzeit entkommen werden.
Weitere Inffor
ormat ionen unter: www
w.glutz .com

Bioboden aus Deutschland

Produkte und Projekte

]

Hochfester Belag von Windmöller Flooring
Elastische Bodenbeläge in Innenbereichen
werden vor allem wegen ihrer guten Gebrauchseigenschaften immer mehr geschätzt. Zunehmend spielen aber auch
Aspekte wie Wohngesundheit und Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle, die allerdings nicht auf Kosten von Robustheit,
Pflegeleichtigkeit und Vielseitigkeit gehen
dürfen. Nun bringt wineo mit Purline Bioboden den weltweit ersten ökologischen
Polyurethan-Belag auf den Markt, der
überwiegend aus nachwachsenden Rohund natürlichen Füllstoffen besteht.
Den wineo-Produktforschern ist es gelungen, die petrochemischen Polyole im Polyurethan durch Bio-Polyole, gewonnen aus
Raps- oder Rizinusöl, zu ersetzen, so dass
der ausschließlich in Deutschland produzierte und als Rollen- und Plankenware
erhältliche Belag den Namen »Bioboden«
völlig zu Recht trägt. Purline ist zudem PVCfrei, kommt also ganz ohne Chlor, Weichmacher oder Lösungsmittel aus und ist
darüber hinaus geruchsneutral und nahezu emissionsfrei. Und was seine Produkteigenschaften betrifft, steht er herkömmlichen elastischen Bodenbelägen in nichts

Deutsches Museum in München
© Windmöller Flooring Products WFP GmbH

nach: Er ist angenehm zu begehen, fußwarm und trittschalldämmend – und zeichnet sich durch enorme Robustheit, komfortable und kostensenkende Reinigungs- und
Pflegeeigenschaften, ein fast 100%iges
Rückstellverhalten sowie durch enorme
Sanierungsfreundlichkeit aus. Darüber hinaus setzt er im Brandfall keine toxischen
Gase frei und entwickelt kaum Rauch. Die
bauaufsichtliche Zulassung des Deutschen
Instituts für Bautechnik (DIBt) liegt im Übrigen ebenso vor wie weitere relevante Zertifizierungen, zum Beispiel Blauer Engel,
GreenGuard Gold etc.

Und: Die grün erscheinenden Planken des
Designs »wood« sind im Format 1.295 mm x
195 mm lieferbar, während die großformatige stone-Ausführung im Format 859 mm x
397 mm Millimeter eher dem aktuellen Trend
zur Fliesen- bzw. Dielenanmutung mit großzügiger Flächenwirkung entspricht. In stark
frequentierten Bereichen empfiehlt sich
hingegen eher die vollflächige Verklebung,
die Materialdicke beträgt hier 2,20 mm, die
Formate sind 1.298 mm x 200 mm (wood)
und 862 mm x 402 mm (stone).
www.wineo.de

Evangelisches Johanneswerk in Bielefeld
© Windmöller Flooring Products WFP GmbH

Kämmer Bilingual School in Hannover
© Windmöller Flooring Products WFP GmbH

80]

[Umrisse]

Kompatibilität und Funktionszuwachs
Neue Versionen und BIM-Apps von SOFiSTiK

[ Software und IT

Die modernisierten Softwaretools bieten
eine Reihe neuer Funktionen und sind voll
kompatibel mit AutoCAD 2017 und Autodesk Revit 2017. So laufen beispielsweise
die beiden AutoCAD-basierten Produkte
SOFiCAD für Bewehrung und Konstruktion
sowie SOFiPLUS 2016 als Eingabeoberfläche für objektorientierte 2-D- und 3-DModellierung künftig bei voller Funktionalität ebenso unter Autodesk 2017. Außerdem ist die SOFiSTiK Statik-Schnittstelle
namens FEA Extension ab sofort für Autodesk Revit 2017 verfügbar – und bringt
einen zusätzlichen Befehl zur einfachen
Modifikation von Kanteneigenschaften mit.
Für Kunden mit laufendem Servicevertrag
stehen die neuen Versionen kostenlos zur
Verfügung. Die Installationen, die nun auch
für Windows 10 (Professional) freigegeben
sind, können auf der SOFiSTiK-Website
heruntergeladen werden.

Programme für Bauingenieure
© SOFiSTiK AG

Darüber hinaus hat SOFiSTiK sein komplettes Portfolio an Building-InformationModeling-(BIM-)Apps an Autodesk Revit
2017 angepasst: Reinforcement Detailing
(RCD), Reinforcement Generation (RCG),
die BiMTools und Projektvorlagen (BiMTools Library) sowie 3-D-PDF finden sich
aktualisiert im Autodesk App Store.
Einige neue Funktionen zur Generierung
von 3-D-Bewehrung für komplexe Geometrien machen das Potential der durchgängigen 3-D-Planung jetzt hier für den
Bereich Ingenieur- und Brückenbau besonders deutlich. Dazu gehören bei Reinforce-

ment Detailing unter anderem die Revisionskontrolle für Bewehrungspläne und
zugehörige Mengen- und Biegelisten sowie das Frieren bzw. Entfrieren der Geometrie und Eigenschaften verlegter Bewehrungen.
Ab sofort sind die BIM-Apps von SOFiSTiK
analog zu den Produkten von Autodesk
ausschließlich in einem gut skalierbaren
Lizenzmodell zum Abonnement erhältlich.
Diese Subskription für Einzelplatz- und
Netzwerkanwendung lässt sich wie bisher
direkt beim Hersteller oder über autorisierte Vertriebspartner ordern.
www.sofistik.de

Keyboard für alle Geräte
Multifunktionale Tastatur von Logitech
Logitech bietet mit dem Multi Device Wireless Keyboard K 780 die erste Computertastatur mit Ziffernblock an, die unabhängig vom Betriebssystem auch für Smartphones und Tablets genutzt werden kann.
Das K 780 lässt sich über Bluetooth-SmartTechnologie oder Logitech-Unifying mit bis
zu drei Geräten gleichzeitig verbinden –
über den Easy-Switch-Knopf wählen Nutzer dann einfach aus, auf welchem Gerät
sie schreiben möchten, wie zum Beispiel
erst eine lange Mail auf dem Computer,
dann eine Kurznachricht auf dem Smartphone und schließlich einen Social Media
Post auf dem Tablet.

[Umrisse]

Das flache K 780 weist große und speziell
geformte Tasten auf, die schnell reagieren
und besonders leise schreiben, während
der Ziffernblock zur problemfreien Eingabe
von Zahlen dient. Eine stabile, gummierte
Halterung positioniert zudem die mobilen
Geräte, und zwar im richtigen Lesewinkel.
Und: Die modern designte und robuste Tastatur verfügt über einen energiesparenden
Ruhemodus und eine 24-monatige Batterielaufzeit – und ist ab sofort für 99 € erhältlich.
www.logitech.com

Kombination von Mobilität und Flexibilität
© Logitech Europe S.A.

[81

Bayerischer Ingenieurpreis 2017

Nachrichten

]

»Ingenieur Bau Werke« als Thema

Auslobungsbroschüre mit allen Angaben
© Bayerische Ingenieurekammer-Bau

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau
lobt den Ingenieurpreis 2017 aus. Dotiert
mit 10.000 €, lautet das Thema diesmal
»Ingenieur Bau Werke«. Zur Teilnahme zugelassen sind alle Projekte und Bauwerke,
die nach dem 1. Januar 2011 begonnen
wurden und bis zum Zeitpunkt des Bewerbungsschlusses am 21. Oktober 2016 abgeschlossen bzw. errichtet worden sind.
Die Ausschreibung erfolgt bereits zum
neunten Mal für Ingenieurleistungen, Projekte und Bauwerke, die zum Beispiel durch
ihre Bauweise, technisch anspruchsvolle
Konstruktionsprinzipien oder die Verwendung neuer Baustoffe und innovativer
Techniken überzeugen. Ausdrücklich erwünscht sind auch zukunftsorientierte
Lösungen, die sich durch ein besonders

ressourcenschonendes Planen und Bauen,
eine herausragende Energieeffizienz oder
den konsequenten Einsatz erneuerbarer
Energien und nachwachsender Rohstoffe
auszeichnen.
Mit dem Ingenieurpreis 2017 werden also
fortschrittliche technische Ingenieurleistungen gewürdigt, die Funktionalität, Wirtschaftlichkeit, Innovation und Ästhetik bei
der Planung, Errichtung und Nutzung von
Bauwerken vereinen und durch ihren Entwurf, ihre technisch-konstruktive Durchbildung oder ihre exzellente Ausführung
einen hohen Standard repräsentieren.
Eingereicht werden können sämtliche aus
den Fachbereichen der Ingenieurwissenschaft und -praxis im Bauwesen hervorgegangenen Projekte ohne Größen- und
Umfangsregularien. Das heißt, kleine
Detailideen werden hier ebenso berücksichtigt wie größere Projektideen. »Viele
Ingenieurleistungen sind in ihrem Bereich
genial – auch wenn dies Außenstehenden
nicht immer ins Auge sticht. Umso mehr
sieht es die Bayerische Ingenieurekammer-Bau als ihre Aufgabe an, das Genie im
Ingenieur sichtbar zu machen. Wir freuen
uns wieder über zahlreiche Bewerbungen

aus allen Disziplinen des Ingenieurwesens
im Bereich Bauen«, so Dr.-Ing. Heinrich
Schroeter, Präsident der Bayerischen
Ingenieurekammer-Bau.
Als Preisrichter haben zudem folgende
Repräsentanten aus Wissenschaft, Technik, Forschung, Presse und Verwaltung
zugesagt:
– Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Markus Aufleger, Leiter des Arbeitsbereichs Wasserbau, Universität Innsbruck,
– Dr.-Ing. Heinrich Schroeter, Präsident
der Bayerischen IngenieurekammerBau,
– Dr.-Ing. Kurt Stepan, Geschäftsführer,
Sailer Stepan und Partner GmbH,
– Dipl.-Ing. Karl Wiebel, Leiter der Abteilung Straßen- und Brückenbau, Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und
Verkehr,
– Dipl.-Ing. Michael Wiederspahn, Chefredaktion, Verlagsgruppe Wiederspahn,
– Dipl.-Ing. (FH) Ralf Wulf, Vorstandsbeauftragter Ausschuss Öffentlichkeitsarbeit, Bayerische IngenieurekammerBau.
www.bayika.de

SOFiSTiK Preis 2016
Auszeichnung für herausragende Masterarbeit

Dr. Holger Heidkamp, SOFiSTiK AG,
und Erkai Watson (links)
© Andreas Heddergott/SOFiSTiK AG

Der SOFiSTiK Preis geht in diesem Jahr an
Erkai Watson: Der Absolvent der Technischen Universität München (TUM) erhielt
die mit 2.500 € dotierte Auszeichnung für
seine Masterarbeit »Hypervelocity Impact
Phenomena: A Discrete Element Numerical
Simulation Study«, die er am Lehrstuhl für
Baumechanik der TUM zusammen mit dem
Fraunhofer Ernst-Mach-Institut erstellt hat.

82]

Mit seinem bereits zum fünften Mal verliehenen Preis würdigt der Bausoftwarehersteller SOFiSTiK jährlich herausragende
Promotionen und Masterarbeiten im Bereich der numerischen Methoden und
Datenmodelle im Ingenieurbau. So legt
Watsons Arbeit wichtige Grundlagen für
den künftigen Umgang mit Weltraumschrott.
Da die Anzahl der Objekte, die als Müll
durchs All fliegen, ständig zunimmt, wird
es in Kürze nicht mehr möglich sein, ihnen
allen auszuweichen. Und genau deshalb
wenden sich Wissenschaftler und Techniker nun dem passiven Schutz der Satelliten
im Falle einer Kollision zu. Dafür sind aber,
nicht zuletzt wegen der hohen Geschwindigkeit, besondere Simulationstechniken

erforderlich, wie sie eben Erkai Watson
in seiner Masterarbeit entwickelt und
erprobt hat.
Besonders dieser innovative Ansatz und
die anspruchsvolle Behandlung der stark
vernetzten Probleme bei der passenden
numerischen Modellierung beeindruckten
Prof. Dr. Casimir Katz, CTO der SOFiSTiK
AG: »Erkai Watson hat verschiedene wissenschaftliche Untersuchungsmethoden
und Verfahren sehr originell und erfolgreich miteinander verknüpft. Damit leistet
seine Masterarbeit einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag zur Impact-Physik und zum Anwendungsbereich der Diskrete-Elemente-Methode. Eine großartige
und absolut preiswürdige Leistung!«
www.sofistik.de

[Umrisse]

Trauer um Michael Pötzl
Nachruf der Hochschule Coburg
auch im Projektantrag »Der Coburger Weg«
beim Qualitätspakt Lehre des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der
reüssierte, so dass in dessen Rahmen bis
2021 insgesamt ca. 15 Mio. € an die Hochschule Coburg fließen werden.
Darüber hinaus sah er in seiner Hochschule
einen wichtigen Partner für die gesamte
Region Oberfranken, basierend auf dem
Leitgedanken, Politiker, Unternehmen und
die Wissenschaft sollten am besten Kräfte
bündeln und gemeinsam an einem Strang
ziehen. Die TechnologieAllianzOberfranken
(TAO) sorgte in dem Zusammenhang für ein
wichtiges Fundament, an dem er maßgeblich mitwirkte. Die vier oberfränkischen
Universitäten und Hochschulen haben
sich darin zusammengeschlossen, um ihre
Synergieeffekte auf Lehr- und Forschungsebene zu nutzen und weiter zu intensivieren. Und erst vor kurzem entsandte der
Hochschule Bayern e.V. Michael Pötzl in
den Senat der Hochschulrektorenkonferenz, damit er dort die 17 staatlichen
bayerischen Hochschulen vertritt.

Michael Pötzl
© Hochschule Coburg

[ Nachrichten

Prof. Dr.-Ing. Michael Pötzl, Präsident der
Hochschule Coburg, ist am 10. Juni plötzlich und unerwartet verstorben. 1959 in
Westfalen geboren, studierte er Bauingenieurwesen und promovierte danach an
der Universität Stuttgart, an der er zugleich
als wissenschaftlicher Assistent tätig war.
Nach sechs Jahren im Büro schlaich bergermann und partner wurde er dann 2001
als Professor an die Hochschule Coburg
berufen und gründete in dieser Stadt das
Büro Pötzl Ingenieure GmbH, acht Jahre
später erfolgte seine Wahl zum Präsidenten der Hochschule.
Michael Pötzl hat die Hochschule Coburg
in vielen Bereichen vorangebracht, wobei
ihm zwei Ziele besonders wichtig waren:
das interdisziplinäre Studium über Fächergrenzen hinweg sowie die Forschung und
die Promotionsmöglichkeiten an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften.
Im Mittelpunkt stand für ihn hier stets die
ganzheitliche Bildung der jungen Menschen, die sie gut auf das Leben vorbereiten sollte. Das zeigte sich unter anderem

»Wir haben Michael Pötzl als lebhaften,
sprudelnden Menschen erlebt – als Treiber für Innovationen, der die Menschen
in der Hochschule immer wieder dazu
gebracht hat, neue Perspektiven einzunehmen und das Ungewöhnliche zu
suchen. Es lässt sich schwer begreifen,
dass wir ihn nun so plötzlich verlieren
mussten«, so Prof. Dr. Jutta Michel und
Prof. Dr. Eckardt Buchholz-Schuster, die
beiden Vizepräsidenten der Hochschule
Coburg.
www.hs-coburg.de

Exzellenz-Zone für die Bauwirtschaft in Afrika
Initiative von Namibias Botschafter mit Partnern aus Thüringen
Der Botschafter der Republik Namibia
Andreas B. D. Guibeb hat gemeinsam mit
Partnern und Freunden Namibias aus
Thüringen eine Arbeitsgruppe gegründet,
die sich für den Aufbau einer modernen
Bauwirtschaft in Namibia engagiert. Diese
Arbeitsgruppe wurde bei einer gemeinsamen Tagung von Vertretern des Landes
Thüringen, der Bauwirtschaft und interessierter Unternehmen auf Schloss Ettersburg bei Weimar ins Leben gerufen, die
Leitung hat Prof. Dr. Andreas Freytag vom
Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik der Friedrich-Schiller-Universität Jena übernommen.
Botschafter Andreas Guibeb stellte den
Partnern das Projekt einer privat-öffentlichen Zusammenarbeit (POZ) ThüringenNamibia in einer Sonderwirtschaftszone in
Okahandja bzw. der Otjozondjupa-Region
in der Mitte Namibias vor. Geplant ist, dort
auf bewährte deutsche und internationale
Best Practices, Technologien und deren
entsprechendes Know-how zurückzugreifen. Im Rahmen seiner Armutsbekämp-

[Umrisse]

Erstes Treffen der Arbeitsgruppe
© Botschaft der Republik Namibia

fungskampagne möchte Namibia innerhalb
der nächsten fünf Jahre unter anderem
20.000 von insgesamt 200.000 günstigen
Wohnhäusern errichten, wobei vor Ort
einfache, in Deutschland entwickelte Konstruktionsprinzipien zur Anwendung kommen sollen. Eine weitere Intention ist, dass
Ausbildungsmöglichkeiten für Namibier
und Afrikaner aus Nachbarländern entstehen und Unternehmensgründungen
erleichtert werden. Botschafter Guibeb
bekundete das große Interesse Namibias,

die berufliche Fachkompetenz junger Menschen in Namibia zu fördern, bevorzugt
nach dem deutschen dualen Ausbildungsmodell.
Die Kosten für das Namibia-Ermächtigungsprojekt bzw. Namibia Legacy Project werden voraussichtlich aus eigenen privaten
und öffentlichen Mitteln der Partner gedeckt und durch Fördermitteln in Namibia
sowie von Bund und Ländern in Deutschland ergänzt werden.
www.namibia-botschaft.de

[83

Infrastrukturerfassung und -überprüfung aus der Luft
Forschungsprojekt des Fraunhofer-Instituts für Physikalische Messtechnik
Die Veränderung der Infrastruktur durch
Bevölkerungswachstum, Verkehr oder Klimawandel macht ihre verlässliche und effiziente Überprüfung zunehmend wichtiger,
wobei eine Vermessung vom Boden aus
nicht möglich, nicht schnell genug oder
sehr aufwendig ist. Große Gebiete werden
daher schon heute von Hubschraubern,

Präzises Oberflächenmodell als Resultat
© Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik

Flugzeugen oder Satelliten aus vermessen,
was erhebliche Kosten verursacht. Mit den
neuen, leichtgewichtigen Messsystemen,
getragen von sogenannten Unmanned
Aerial Vehicles (UAVs), ließe sich das in
Zukunft wesentlich preisgünstiger durchführen. Damit das Messsystem, welches
unter anderem aus einem Laserscanner
und einem Multikamerasystem besteht,
von UAVs getragen werden kann, sollte
es nicht mehr als 2 kg wiegen und nicht
größer als ein Schuhkarton sein – eine
Herausforderung, an der das FraunhoferInstitut für Physikalische Messtechnik
(IPM) derzeit arbeitet.
Das Laserscanmodul misst die Entfernung
zum Objekt 40.000-mal pro Sekunde auf
Basis von Lichtlaufzeitmessungen: Aus der
Zeit, die der Lichtpuls benötigt, um vom
Messsystem zu einem Objekt und wieder
zurückzugelangen, wird die entsprechenden Entfernung errechnet. Ein sich schnell
drehender Polygonspiegel bewegt den

Laserstrahl zudem 20-mal pro Sekunde
über einen Winkelbereich von 90° und
sorgt so dafür, dass der Strahl nur kurz auf
einem Punkt verweilt. So wird die Augensicherheit des Laserscanners garantiert
und eine hohe Rate an Messpunkten erreicht, aus denen sich ein präzises 3-DModell der Oberfläche ergibt. Der Arbeitsbereich des Laserscanners liegt bei ca.
250 m, die erreichbare relative Genauigkeit,
abhängig von den äußeren Bedingungen,
im Bereich weniger Zentimeter. Am Ende
einer solchen Messung verfügt man über
eine 3-D-Punktwolke, auf deren Basis dann
die Analyse eventueller Unterschiede zwischen Ist- und Soll-Werten oder zwischen
Messungen, welche zu unterschiedlichen
Zeitpunkten erfasst wurden, erfolgt.
Das Projekt »Fast and Reliable Monitoring
of Infrastructure by Small UAVs« startete
im Herbst 2015, ist auf zwei Jahre angelegt
und wird im Rahmen des europäischen
Programms »Eurostars« gefördert.
www.ipm.fraunhofer.de

Mehr Komfort und freiere Pisten am Kitzsteinhorn
Bau einer neuen »Liftanlage« der Gletscherbahnen Kaprun

Im Oktober 2015 realisierten die Kapruner
Gletscherbahnen mit der Kombibahn »Gletscherjet 3+4« und der Neustrukturierung
des zentralen Skigebiets ein Meilensteinprojekt. Diese Anpassungsstrategie setzt
das Unternehmen nun weiter fort: Im Juli
2016 begannen die Bauarbeiten für die
Schmiedingerbahn, eine moderne AchterSesselbahn mit Sitzheizung und Wetterschutzhauben, die vor allem Familien und
Genussmenschen höchsten Komfort und
Regenerationspausen zwischen den Abfahrten bieten wird. Durch ihre Höhenlage
zwischen 2.530 m und 2.775 m liegt sie
knapp unter der 3.000er-Grenze und ist
somit auch Salzburgs höchstgelegene
Sesselbahn.

84]

Anordnung und Trassenverlauf
© Gletscherbahnen Kaprun AG

Sie ersetzt die bisherigen Schmiedingergletscherlifte, die 1969 eröffnet, 1974 zum
Doppelschlepplift ergänzt und in den 1990er
Jahren abermals modernisiert wurden.
Durch den jetzigen Umbau zur Achter-

Sesselbahn kann die vorhandene Lifttrasse in die Pisten integriert und eine weite
Pistenfläche mit beeindruckenden freien
Ausblicken bis zum Zeller See gewonnen
werden.
www.kitzsteinhorn.at

[Umrisse]

Kaiser-Wilhelm-Turm bei Wiesbaden
Erfolgreiche Sanierung dank Deutscher Stiftung Denkmalschutz
europäischer Kurbäder. Der Kaiser-Wilhelm-Turm war infolgedessen Bestandteil
einer sogenannten Kur-Landschaft, die als
»therapeutische Landschaft« zur Stadtentwicklung Wiesbadens gehörte.
Auf Initiative des Wiesbadener Verschönerungsvereins und finanziert aus Spenden
der Wiesbadener Bürger wurde nun um
1905 der ca. 31 m hohe Kaiser-WilhelmTurm aus lokalen, unverputzten Bruchsteinen und Basaltlava errichtet, und zwar in
Anlehnung an einen mittelalterlichen Bergfried. Der zur Spitze hin konisch verlaufende runde Turmschaft misst im unteren Teil
außen ca. 5 m und wird durch schießschartenähnliche, schmale Fenster belichtet.
In ca. 18,50 m Höhe kragt auf mächtigen
Basaltkonsolen zudem eine oktogonale
Galerie aus, die eine begehbare Plattform

Grandioser Blick ins Rheintal
© Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Bauwerk (noch) mit Einrüstung
© Deutsche Stiftung Denkmalschutz

[ Nachrichten

Dank zweckgebundener Spenden und
der Lotterie GlücksSpirale konnte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz für die Mauerwerkssanierung des Kaiser-Wilhelm-Turms
auf dem Schäferskopf bei Wiesbaden 2015
und 2016 insgesamt 46.400 € zur Verfügung
stellen, so dass sich vor wenigen Monaten
seine Wiedereröffnung gebührend feiern
ließ.
Der nahe Wiesbaden gelegene Schläferskopf erhebt sich in einer Höhe von 455 m
im Naturpark Rhein-Taunus – und auf ihm
befand sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein 10 m hoher Aussichtsturm aus
Holz, der 1900 wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. In Verbindung mit
der dort meist ebenfalls anzutreffenden
Gastronomie gehörten Aussichtstürme seinerzeit zum typischen Ausflugsprogramm

mit Zinnenkranz bekrönt. Und auf dieser
Plattform ruht wiederum im Stil einer überdimensionalen Eckwarte ein kleiner achteckiger Turm mit Zinnenkranz und Zeltdach, während sich im unteren Bereich
das sogenannte Turmzimmer anschließt:
ein kleiner zweigeschossiger Anbau aus
Bruchstein mit Pultdach. 1907 erfolgte
darüber hinaus der Bau eines Restaurationsgebäudes, das holzgetäfelte KaiserWilhelm-Zimmer schmückt im Übrigen
ein Ölbild, das den Monarchen bei einer
Jagdszene zeigt.
Das alles erstrahlt jetzt erneut im »alten«
Glanz – und lädt damit zu Besuch und
Besichtigung ein.
www.denkmalschutz.de

Infrastruktur am Weltraumbahnhof
Weiterer Großauftrag für SEH Engineering
Die Entwicklung der neuen Ariane-6-Rakete
erfolgt mit dem Ziel, die Kosten für die Beförderung von Fracht künftig halbieren zu
können, was wiederum eine Anpassung
der vorhandenen Infrastruktur am Weltraumbahnhof Kourou bedingt. Der Startplatz der europäischen Weltraumraketen
befindet sich an der Atlantikküste von Französisch-Guyana in Südamerika – und das
hat technische Ursachen: Je näher ein
Startplatz dem Äquator liegt, desto mehr
»Schwung« verleiht die Erdrotation der
Rakete beim Start, da die Planetendrehung hier eine höhere Geschwindigkeit
aufweist als an Orten weiter im Norden
oder Süden.

[Umrisse]

Ein Konsortium aus Firmen, die entweder
direkt aus der Eiffage-Welt kommen oder
mit dem Konzern anderweitig verbunden
sind, erhielt Anfang Juli nun den Auftrag
zur Realisierung der neuen Infrastruktur
für die Ariane-6-Technologie, wobei dieser Auftrag ein Gesamtvolumen von ca.
200 Mio. € hat. Die SEH Engineering GmbH
als Teil jenes Konsortiums ist mit einem
Auftragsvolumen von ca. 65 Mio. € beteiligt: Inhalt sind unter anderem der Bau
einer Montagehalle für die Ariane 6 und
der einer beweglichen Stahleinhausung
der zum Start aufgerichteten Rakete in
Französisch-Guyana. Die Herausforderung ist groß und anspruchsvoll, und das

resultiert vor allem aus den engen Terminvorgaben, die zu einem Montagebeginn
bereits im März 2017 führen und mit der
Fertigstellung im Februar 2018 enden.
Nach dem Auftrag zum Bau der neuen
Kattwykbrücke in Hamburg im März ist
dies also bereits das zweite Großprojekt
in 2016, das die SEH Engineering GmbH
ab sofort bearbeiten wird.
www.seh-engineering.de

[85

Investitionen am Standort Bielefeld

Nachrichten

]

Umfassendes Aus- und Neubauprogramm von Schüco

Der Fenster- und Fassadenspezialist Schüco
investiert am Standort Bielefeld bis 2020
zusätzlich ca. 75 Mio. € und schafft mit
einem großangelegten Neubau- und Sanierungsprogramm die Voraussetzungen für
weiteres Wachstum.
Insgesamt werden drei neue Gebäude
entstehen: ein Neubau neben der Unternehmenszentrale, ein Logistikzentrum für
Zubehör und Beschläge sowie eine Bauakustikhalle. Zudem wird der vordere Teil
des Hauptverwaltungsgebäudes kernsaniert und eine bereits erworbene, über eine
direkte Anbindung an das Werksgelände
verfügende Immobilie bis 2017 umgestaltet.

Überblick: Unternehmenszentrale (grün), Bauakustikhalle (gelb),
Zentrallagererweiterung (blau), erworbene Immobilie (grün hinten)
© Schüco International KG

Andreas Engelhardt, geschäftsführender
und persönlich haftender Gesellschafter:
»Mit den Neu- und Umbaumaßnahmen
sichern wir die Zukunft des Unternehmens
und schaffen die Voraussetzungen für

weiteres Wachstum weltweit. Dies nutzt
allen Beschäftigten, den Eigentümern von
Schüco, der Stadt Bielefeld und unserer
Region.«
www.schueco.de

Bewährte Philosophie mit neuem Auftritt
Umbenennung von Zerna Planung und Prüfen in ZPP Ingenieure

Die traditionsreiche Bochumer Ingenieurgruppe Zerna Planen und Prüfen hat sich
im Rahmen der langfristig angelegten
Unternehmensstrategie umbenannt und firmiert jetzt unter ZPP Ingenieure GmbH, und
zwar weiterhin an neun Standorten mit
nahezu 200 Spezialisten.
In Bochum wird von jeher konsequent
interdisziplinär gearbeitet und schon seit
30 Jahren auch forciert computerunterstützt, was ZPP zum gefragten Partner bei
BIM-Projekten macht, wie zum Beispiel
beim aktuellen Pilotprojekt der Deutschen
Bahn, dem Umbau des Hauptbahnhofs
Hannover. Infolge der erhöhten Nachfrage
nach derartigen Leistungen hat ZPP zudem
aufgestockt: Neben den BIM-erfahrenen
Ingenieuren in den laufenden Projekten
arbeitet inzwischen eine Taskforce von
entsprechenden Spezialisten an übergeordneten Aufgaben und Weiterentwicklungen der digital vernetzten Prozesse.
Die schon von Prof. Dr.-Ing. Wolfgang

86]

Geschäftsführung des Ingenieurunternehmens
© ZPP Ingenieure GmbH

Zerna gelebte Nähe zu Forschung und
Lehre ist nach wie vor wichtig: Das außergewöhnliche Werkstoff- und TechnologieKnow-how ist in zahlreichen Forschungsund Entwicklungsprojekten von Ministerien, Universitäten oder Privatunternehmen gefragt, unter anderem im Kraftwerksund Tunnelbau, in der Rohrvortriebstechnik
oder beim Entwickeln von neuartigen Verbindungstechnologien bei Betonfertigteilen.

Die Geschäftsführung bei ZPP Ingenieure,
allesamt Gesellschafter, sieht sich daher
gut aufgestellt für die anstehenden Aufgaben quer über alle Disziplinen des Bauwesens hinweg. Die frisch überarbeitete
Website gibt einen guten Einblick in die
ZPP-Welt und -Projekte: von der Endlagersuche in der Schweiz über Low-Cost-Hochhäuser in Russland bis hin zur Bochumer
Perspektive 2022 auf dem Opel-Gelände.
www.zpp.de

[Umrisse]

Gärten der Welt
Ausstellung im Museum Rietberg in
Zürich bis 9. Oktober; Di–So 10–17 Uhr,
Mi 10–20 Uhr.

Ausstellungen
Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur bis 18. September; Di–So 10–17 Uhr,
Do 10–20 Uhr.
Gewerbemuseum Winterthur
Kirchplatz 14, CH – 8400 Winterthur
Tel.: 00 41/52/2 67 51 36

Zukunft von gestern. Entwürfe von
Future Systems und Archigram
Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main
bis 18. September; Di–So 11–18 Uhr,
Mi 11–20 Uhr.
Deutsches Architekturmuseum
Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt am Main
Tel.: 0 69/2 12-3 88 14

André M. Studer.
Vom Maß der Dinge
Ausstellung im Schweizerischen Architekturmuseum (SAM) in Basel bis 25. September; Di–So 10–17 Uhr.
Schweizerisches Architekturmuseum
Steinenberg 7, CH – 4001 Basel
Tel.: 00 41/61/2 61 14 13

Friedrich Kiesler. Lebenswelten
Ausstellung im Österreichischen Museum
für Angewandte Kunst (MAK) in Wien bis
2. Oktober; Di 10–22 Uhr, Mi–So 10–18 Uhr.
Österreichisches Museum für Angewandte Kunst
Stubenring 5, A – 1010 Wien
Tel.: 00 43/1/7 11 36-0

No Name Design
Ausstellung im Deutschen Museum in
München bis 2. Oktober; Mo–So 9–17 Uhr.
Deutsches Museum
Museumsinsel 1. 80538 München
Tel.: 0 89/21 79-0

Theater.Bau.Effekte! Der Architekt
Max Littmann und München
Ausstellung im Deutschen Theatermuseum
in München bis 3. Oktober; Di–So 10–16 Uhr.
Deutsches Theatermuseum
Galeriestraße 4 a, 80539 München
Tel.: 0 89/21 06 91-0

[Umrisse]

Anime Architektur.
Anime Architecture
Ausstellung in der Tchoban Foundation in Berlin bis 16. Oktober; Juli;
Mo–Fr 14–19 Uhr, Sa–So 13–17 Uhr.
Tchoban Foundation
Museum für Architekturzeichnung
Christinenstraße 18 a, 10119 Berlin
Tel.: 0 30/43 73 90 90

World of Malls.
Architekturen des Konsums
Ausstellung im Architekturmuseum der
Technischen Universität München in der
Pinakothek der Moderne in München bis
16. Oktober; Di–So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr.
Architekturmuseum der Technischen Universität
München in der Pinakothek der Moderne
Arcisstraße 21, 80333 München
Tel.: 0 89/2 38 05-0

Carbon. Stoff der Zukunft
Ausstellung im tim Staatliches Textilund Industriemuseum in Augsburg bis
6. November; Di–So 9–18 Uhr.
tim Staatliches Textil- und Industriemuseum
Provinostraße 46, 86153 Augsburg
Tel.: 08 21/8 10 01-50

Engineering the World. Ove Arup
and the Philosophy of Total Design
Ausstellung im Victoria and Albert
Museum in London bis 6. November;
täglich 10–17.45 Uhr, Fr 10–22 Uhr.
Victoria and Albert Museum
Cromwell Road, London, SW7 2RL
Tel.: 00 44/20/79 42 20 00

Anti:modern. Salzburg zwischen
Tradition und Erneuerung
Ausstellung im Museum der Moderne in
Salzburg bis 6. November; Di–So 10–18 Uhr,
Mi 10–20 Uhr.
Museum der Moderne
Mönchsberg 32, A – 5020 Salzburg
Tel.: 00 43/6 62/84 22 20-0

Bergauf Bergab.
10.000 Jahre Bergbau
in den Ostalpen

Der Rhein.
Eine europäische Flussbiografie

Ausstellung im Vorarlberg Museum in
Bregenz bis 26. Oktober; Di–So 10–18 Uhr,
Do 10–20 Uhr.

Ausstellung in der Bundeskunsthalle
in Bonn bis 22. Januar 2017;
Di – So 10–17 Uhr.

Vorarlberg Museum
Kornmarktplatz 1, A – 6900 Bregenz
Tel.: 00 43/55 74/4 60 50

Alle wollen wohnen.
Gerecht. Sozial. Bezahlbar
Ausstellung des M:AI in Halle 18 des sogenannten Clouth-Geländes und damit in
der Xantener Straße in Köln-Nippes bis
30. Oktober; Di–So 11–18 Uhr, Do 11–19 Uhr.
M:AI Museum für Architektur und
Ingenieurbaukunst Nordrhein-Westfalen
Leithestraße 33, 45886 Gelsenkirchen
Tel.: 02 09/9 25 78 22

[ Termine

Plot in Plastilin

Museum Rietberg
Gablerstraße 15, CH – 8002 Zürich
Tel.: 00 41/44/4 15 31 31

Kunst- und Ausstellungshalle
der Bundesrepublik Deutschland GmbH
Friedrich-Ebert-Allee 4, 53113 Bonn
Tel.: 02 28/91 71-0

Alexander Girard.
A Designer’s Universe
Ausstellung im Vitra Design Museum
in Weil am Rhein bis 29. Januar 2017;
täglich 10–18 Uhr.
Vitra Design Museum
Charles Eames Straße 1, 79576 Weil am Rhein
Tel.: 0 76 21/7 02 32 00

Pont Adolphe 1903
Hotel Paradiso.
Perle der italienischen Moderne
Ausstellung im Culturamartell in Martello
bis 1. November; Di–Fr 9–18 Uhr,
Sa–So 8.30–12 Uhr.
Architekturstiftung Südtirol
Sparkassenstraße 15, I – 39100 Bozen
Tel.: 00 39/04 71/30 17 51

Ausstellung im Museum Dräi Eechelen
in Luxemburg bis 8. Mai 2017;
Mi–Mo 10–18 Uhr, Mi 10–20 Uhr
Musée Dräi Eechelen
5, Park Dräi Eechelen, L – 1499 Luxemburg
Tel.: 0 03 52/26 43 35

[87

Veranstaltungen

Messen

Tag des offenen Denkmals 2016

Termine

]

glasstec 2016
Weltleitmesse der Glasbranche in
Düsseldorf vom 20. bis 23. September;
Auskünfte und Anmeldung:
Messe Düsseldorf GmbH
Messeplatz, 40474 Düsseldorf
Tel.: 02 11/45 60-01

Expo Real 2016

EBH 2016
Neunter Europäischer Kongress zum
Bauen mit Holz im urbanen Raum (EBH)
in Köln vom 19. bis 20. Oktober; Auskünfte
und Anmeldung:
Forum Holzbau
Berner Fachhochschule
Postfach 474, CH – 2501 Biel
Tel.: 00 41/32/3 27 20 00

19. Internationale Fachmesse für Immobilien und Investitionen in München vom
4. bis 6. Oktober; Auskünfte und Anmeldung:
Messe München GmbH
Messegelände, 81823 München
Tel.: 0 89/9 49-0

Denkmal 2016
Europäische Leitmesse für Denkmalpflege,
Restaurierung und Altbausanierung in
Leipzig vom 10. bis 12. November;
Auskünfte und Anmeldung:
Leipziger Messe GmbH
Messegelände, 04356 Leipzig
Tel.: 03 41/6 78-0

Deutscher Stahlbautag 2016
38. Tagung (diesmal) zum Thema »Stahl!
Die Lösung im Bauwesen« in Würzburg
vom 6. bis 7. Oktober; Auskünfte und
Anmeldung:
Bauforumstahl e.V.
Sohnstraße 65, 40237 Düsseldorf
Tel.: 02 11/67 07-8 30

Schalungstechnik 2016
26. sogenanntes Kassel-Darmstädter Baubetriebsseminar in Kassel vom 24. bis 25.
November; Auskünfte und Anmeldung:

Traditionelles Angebot zur Begutachtung
von sonst nicht zugänglichen Denkmalen in
Deutschland am 11. September; Auskünfte
und Anmeldung:
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Schlegelstraße 1, 53113 Bonn
Tel.: 02 28/90 91-0

Steirischer Herbst 2016
Interdisziplinäres Festival mit Ausstellungen, Lesungen, Diskussionen, Film- und
Theateraufführungen etc. in Graz vom
23. September bis 16. Oktober; Auskünfte
und Anmeldung:
Steirischer Herbst Festival GmbH
Sackstraße 17, A – 8010 Graz
Tel.: 00 43/3 16/82 30 07

Biennale Architettura 2016
15. Internationale Architekturausstellung
mit Vorträgen, Diskussionen etc. in Venedig
bis 27. November; Auskünfte und
Anmeldung:
La Biennale di Venezia
Ca’ Giustinian, San Marco 1364/A, I – 30124 Venedig
Tel.: 00 39/0 41/5 21 87 11

GfbW Schalung
Hauffstraße 33, 34125 Kassel
Tel.: 05 61/8 70 89-30

Krankenhausbau 2016

Tagungen
Future Logistics
34. Dortmunder Gespräche mit dem Titel
»Zukunftskongress Logistik« oder eben
dem Thema »Future Logistics. How to do
the Revolution« in Dortmund am 13. und
14. September; Auskünfte und Anmeldung:
Zukunftskongress Logistik
c/o Fraunhofer IML
Joseph-von-Fraunhofer-Straße 2–4,
44227 Dortmund
Tel.: 02 31/97 43-4 03

Essener
Membranbau Symposium 2016
Dritte derartige Vortragsveranstaltung
in am 30. September; Auskünfte und
Anmeldung:
Universität Duisburg-Essen
Institut für Metall- und Leichtbau
Universitätsstraße 15, 45141 Essen
Tel.: 02 01/1 83-38 73

88]

Kontinuierlich durchgeführtes Seminar
(diesmal) zum Thema »Herausforderungen
des Marktes, Antworten der Krankenhausplanung« in Wiesbaden am 30. November;
Auskünfte und Anmeldung:
Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen
Bierstadter Straße 2, 65189 Wiesbaden
Tel.: 06 11/17 38-0

IHF 2016
22. Internationales Holzbau-Forum (IHF)
in Garmisch-Partenkirchen vom 7. bis
9. Dezember; Auskünfte und Anmeldung:
Forum Holzbau
Berner Fachhochschule
Postfach 474, CH – 2501 Biel
Tel.: 00 41/32/3 27 20 00

Wettbewerbe
Ulrich Finsterwalder
Ingenieurbaupreis 2017
Würdigung für in Deutschland, Österreich
oder der Schweiz in den Jahren 2014–2016
errichtete Ingenieurbauwerke, Abgabetermin ist der 16. September; Auskünfte
und Anmeldung:
Verlag Ernst & Sohn
Rotherstraße 21, 10245 Berlin
Tel.: 0 30/47 03 13 88

Deutscher Ziegelpreis 2017
Prämierung von herausragenden, gestalterisch und energetisch überzeugenden
Ziegelbauten, Einsendeschluss ist der
26. September; Auskünfte und Anmeldung:
Ziegel Zentrum Süd e.V.
Beethovenstraße 8, 80336 München
Tel.: 0 89/74 66 16-11

[Umrisse]

Deutscher
Landbaukultur-Preis 2017
Würdigung von Landwirten und Architekten bzw. Landschaftsarchitekten für
ihre (gemeinsam) neu- oder umgebauten
Gebäuden im ländlichen Raum, Bewerbungsschluss ist der 30. September;
Auskünfte und Anmeldung:
Stiftung LV Münster
Hülsebrockstraße 2–8, 48165 Münster
Tel.: 0 25 01/80 11 80

Bayerischer
Ingenieurbaupreis 2017
Auszeichnung für vorbildliche Ingenieurleistungen und -arbeiten zum Thema
»Ingenieur Bau Werke«, Einreichungsschluss ist der 21. Oktober; Auskünfte
und Anmeldung:
Bayerische Ingenieurekammer-Bau
Schloßschmidstraße 3, 80639 München
Tel.: 0 89/41 94 34-0

Ingenieurpreis des
Deutschen Stahlbaues 2017
Prämierung von »besonderen« Ingenieurleistungen in den Kategorien Hochbau und
Brückenbau (aus Stahl), Einsendeschluss
ist der 6. November; Auskünfte und
Anmeldung:

Tag der
Stahl.Architektur
am 7.Oktober 2016
in Würzburg

Bauforumstahl e.V.
Sohnstraße 65, 40237 Düsseldorf
Tel.: 02 11/67 07-8 30

Förderpreis der Gesellschaft für
Bautechnikgeschichte 2017
Preis für herausragende Abschlussarbeiten eines Magister-, Master- oder Diplomstudiums sowie für Dissertationen zu
einem Thema der Bautechnikgeschichte,
Bewerbungsschluss ist der 31. Dezember;
Auskünfte und Anmeldung:

Jetzt anmelden!
bauforumstahl.de/anmeldung/325

Gesellschaft für Bautechnikgeschichte e.V.
c/o Lehrstuhl für Bautechnikgeschichte
und Tragwerkserhaltung
BTU Cottbus
Postfach 101344, 03013 Cottbus
Tel.: 03 55/69 30 31

Schinkel-Wettbewerb 2017
Traditioneller Wettbewerb für junge Absolventen und Studierende der Fachdisziplinen Städtebau, Landschaftsarchitektur,
Architektur, Verkehrsplanung, konstruktiver Ingenieurbau und freie Kunst, Anmeldetermin ist der 2. Januar 2017; Auskünfte
und Anmeldung:
Architekten- und Ingenieur-Verein (AIV)
zu Berlin e.V.
Bleibtreustraße 33, 10707 Berlin
Tel.: 0 30/8 83 45 98

Eintritt frei, Einlass nur mit Anmeldung
Congress Centrum Würzburg beim Maritim Hotel
Freitag, 7. Oktober 2016, 10 - 15 Uhr

[Umrisse]

© Philippe SAMYN and PARTNERS (Lead and Design)
Studio Valle Progettazioni – Buro Happold Colours: Georges Meurant

Nachkriegsmoderne: Bochum

Bücher

]

Nachkriegsmoderne: Potsdam
In leichter Abwandlung eines bis heute
sehr beliebten Ausspruches ließe sich
mühelos formulieren: Denk’ ich an Potsdam in der Nacht, bin ich um den Schlaf
gebracht. Wem wollte man eine solche
Interpretation verargen, assoziieren wohlmeinende Menschen mit der brandenburgischen Landeshauptstadt doch vor allem
Unesco-Welterbe, Schlösser, Kirchen und
Gärten, womöglich noch das Holländische
Viertel und sicherlich eine der inzwischen
rekonstruierten Kubaturen, wobei der
große Rest, der neben den überwiegend
barocken Gebilden der früheren preußischen Residenz durchaus vorhandene
Fundus an Gebäuden, leicht übersehen
oder sogar mit Ignoranz be- und abgestraft
wird. Und das ist ebenso geschichtsklitternd wie qualitätsverachtend – wie ein
vor kurzem erschienenes Buch mit
Nachdruck beweist.
»Das andere Potsdam« be- und mit »26
Bauten und Ensembles aus den Jahren
1949–1990« untertitelt, lenkt es den Blick
auf eine Architektur, die weniger freundlich
gesinnte Zeitgenossen oft und gerne als
»Plattenbauten« diskreditieren, und zwar
in (wissentlicher) Geringschätzung dessen,
was nach dem Zweiten Weltkrieg hier tatsächlich entworfen, geplant und errichtet
wurde – und offenkundig zu entdecken und
damit zu würdigen bleibt. Wer den eher
klein zu nennenden Aufwand einer genaueren Lektüre der insgesamt 298 Seiten
nicht scheut, wird infolgedessen reich
belohnt, indem er auf hervorragende Beispiele der »Ostmoderne«, aber auch auf
stählerne und steinerne Strukturen mit
historisierender Verkleidung stößt, die ihm
die Augen öffnen können und sollten. Die
Texte zeugen im Übrigen von Kompetenz,
Fotos und Kartenmaterial sind zudem aussagekräftig, so dass einem im besten Sinne
korrigierenden Erkenntnisgewinn nichts
(mehr) entgegensteht.
Bei einem Preis von lediglich 16,99 € darf,
ja muss die Empfehlung deshalb lauten:
Kaufen und eingehend studieren!
Michael Wiederspahn
Christian Klusemann: Das andere Potsdam.
26 Bauten und Ensembles aus den Jahren
1949–1990. Vergangenheitsverlag, Berlin
2016. 289 S., zahlr. Abb., br., 16,99 €.

90]

Universitäten sind per se höchst vielschichtige Erscheinungen, was stets mehrere
Gründe hat, wie unter anderem die voneinander abweichenden Ansprüche der einzelnen in ihnen untergebrachten Institute und Lehrstühle an Raumprogramm,
Kapazität, Funktionalität oder (separate)
Erschließung. Darüber hinaus spielen natürlich Erwägungen staatlicher oder städtischer Seite sowie Fragen ihrer Ausrichtung und ihrer (abendlichen) Nutzbarkeit
für »Events« externer Anbieter eine nicht
gerade geringe Rolle und üben deshalb oft
einen ganz erheblichen Einfluss auf äußere
Gestalt wie innere Gliederung der jeweiligen »Hochschule« aus.
Im Fall der Ruhr-Universität Bochum und
damit der allerersten, die von der noch jungen Bundesrepublik Deutschland überhaupt gegründet wurde, war das Feld der
ein- und sich insofern auswirkenden Faktoren freilich weit größer, galt es doch die
Leitlinien der 1960er-Jahre-Bildungsreform,
politische Steuerungsvorstellungen und
neuartige Organisationskonzepte ebenso
zu berücksichtigen wie die experimentellen Fertigungstechniken des Betonbaus
oder die Herausforderung, eine Megastruktur realisieren zu wollen, die eine
Aufbruchsstimmung im und für das Ruhrgebiet erzeugt.
Die Entwicklung dieser Ikone oder, nicht
minder zutreffend, Inkunabel der Nachkriegsmoderne zeichnet nun ein Buch nach,
das mannigfaltige Aspekte ihrer Architektur ausführlich beleuchtet, selbige im internationalen Kontext verortet und zugleich
deren Bedeutung für frühere wie spätere
Generationen untersucht, indem es den
Bogen kapitelweise vom »Grundstein« über
den »Bildungsbau« und dessen »Materialität« bis hin zu »Kunst« und »Gebäudeporträts« schlägt, und zwar anhand von
Beiträgen, die kompetente Autoren unterschiedlichster Provenienz verfasst haben.
Das heißt, in puncto Umfang und Textqualität ist hier ein erfreulich schwergewichtiges Werk entstanden.
Michael Wiederspahn
Richard Hoppe-Sailer, Cornelia Jöchner,
Frank Schmitz (Hrsg.): Ruhr-Universität
Bochum. Architekturvision der Nachkriegsmoderne. Gebr. Mann Verlag, Berlin
2015. 352 S., 259 Abb., geb., 79 €.

Nachkriegsmoderne: Hannover
Wer erinnert sich heute noch an Ernst Zinsser, immerhin einen der wichtigsten Vertreter der Nachkriegsmoderne in Deutschland? Dass er (beinahe) in Vergessenheit
geraten oder zumindest im verdeckenden
Schatten seiner damaligen Berufskollegen
Friedrich Wilhelm Kraemer und Dieter Oesterlen verblieben ist, verdankt sich auch
oder wohl primär seiner eher dürftig zu
nennenden medialen Präsenz.
Den Versuch, die Arbeiten dieses herausragenden Baumeisters angemessen zu
würden, hat jetzt Hartmut Möller unternommen – mit einer Hommage in Buchform,
die sich zweifellos als geglückt bezeichnen
lässt, verdeutlicht sie doch Rang und Qualitäten eines Planers, der das Stadtbild
Hannovers in den 1950er Jahren entscheidend geprägt hat. Ein Großteil des Œuvre
anhand von Gesamtansichten, Fassadendetails und Innenraumfotos veranschaulichend und den gesamten »Rest«, überwiegend Wohn- und Reihenhäuser, aus Rücksicht auf die Privatsphäre ihrer Nutzer »nur«
dokumentierend, bietet der in Summe 116
Seiten schmale Band letztlich ebenso überraschende wie begeisternde Ein- und Ausblicke, die Zinssers Tatendrang und Virtuosität nachgerade begreifbar machen.
Wer wollte sich nun weiterhin dem Vorwurf
aussetzen, Person und Werk seien ihm
mangels verfügbarer Lektüre eher sogar
zur Gänze unbekannt?
Michael Wiederspahn
Hartmut Möller: Ernst Zinsser in Hannover.
Ernst Wasmuth Verlag, Tübingen, Berlin
2016. 116 S., 104 Abb., br., 19,80 €.

[Umrisse]

[Umrisse]
Zeitschrift für Baukultur
ISSN 1437 - 2533
16. Jahrgang
Ausgabe 2/3·2016
www.umrisse.de

Herausgeber
Chefredaktion
Verlag

Dipl.-Ing. Michael Wiederspahn
Vorstandsmitglied AIV Wiesbaden
Dipl.-Ing. Michael Wiederspahn
mwiederspahn@verlagsgruppewiederspahn.de

VERLAGSGRUPPE
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P A Konzepts
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Biebricher Allee 11 b
65187 Wiesbaden
Tel.: 06 11/84 65 15
Fax: 06 11/80 12 52
www.verlagsgruppewiederspahn.de

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und Bezugspreis

Beilage

Monika Kriester
Zur Zeit gilt die Anzeigenpreisliste vom Januar 2016.
Christina Neuner
Deutsches Elektronen-Synchrotron in Hamburg
© Jochen Stüber
Deutsches Elektronen-Synchrotron in Hamburg
© DESY
Deutsches Elektronen-Synchrotron in Hamburg
© Renner Hainke Wirth Architekten
SFK Großlager-Testcenter in Schweinfurt
© nps tchoban voss GmbH & Co. KG
Lehrgebäude für Inklusionspädagogik der Universität Potsdam
© Inros Lackner SE
Biomedizinisches Centrum in Martinsried-Großhadern
© Stefan Müller-Naumann
Forschungszentrum für Molekulare Biosysteme in Martinsried-Großhadern
© Stefan Müller-Naumann
Centrum für Schlaganfall- und Demenzforschung in Martinsried-Großhadern
© Stefan Müller-Naumann
Fachhochschule Zittau/Görlitz
© Michael Moser
Züricher Hochschule der Künste
© Regula Bearth/Züricher Hochschule der Künste
Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung in Hamburg
© Klemens Ortmeyer
Hort Ilgen in Zürich-Hottingen
© Dominique Marc Wehrli
Veterinärmedizin der Universität Zürich
© Tom Bisig
ETA-Fabrik der Technischen Universität Darmstadt
© Schüco International KG
Schmidt printmedien GmbH
Haagweg 44, 65462 Ginsheim-Gustavsburg
[Umrisse]
Zeitschrift für Baukultur
erscheint 6 x pro Jahr.
Einzelheft: 9,50 €
Doppelheft: 19,00 €
Jahresbezugspreis: 57,00 €
Abonnement Ausland: 63,00 €
Die Gesamtauflage von Ausgabe 2/3·2016 enthält
eine Beilage der Berner Fachhochschule für Architektur,
Holz und Bau HSB, Biel.

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