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Marke Krankenhaus

Full text: Umrisse Issue 15.2015,5/6 Marke Krankenhaus

Marke Krankenhaus

[Umrisse]
risse]
Zeitschrift für Baukultur
Baukultu

BRÜ
BRÜCKENBAU
CKENBAU
CONSTRUCTION & ENGINEERING

17. Symposium Brückenbau

VERLAGSGRUPPE
W I E D E R Smit MixedMedia
P A Konzepts
HN
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Grundlage aller Genesung

[Umrisse]

Gesundheit ist, wer wollte es bestreiten,
ein hohes Gut, das es zu hegen und zu
pflegen, zu schätzen und (stets) zu bewahren gilt, und zwar als eine, ja als die letztlich sogar entscheidende Prämisse für
eine angemessene Teilhabe am Leben,
lassen sich doch ohne körperliches und
seelisches Wohlergehen oder zumindest
-befinden weder irgendwelche Herausforderungen meistern noch die gerade in
puncto Dauer schon seit langem allseits
munter anwachsenden Bedürfnisse nach
Freizeit, Erholung und Entspannung, nach
Urlaub und anderen berufsfernen Vergnügungen erfüllen. Und weil sich die (dazu)
unabdingbare Fürsorge nicht mehr nur
oder primär auf den Privatbereich beschränkt, sie trotz des generellen Rechts
auf Selbstbestimmung peu à peu zu einer
Art daseinsprägender oder wenigstens
-orientierender Zielmarke zu avancieren
scheint, steigt natürlich auch die Zahl der
entsprechenden Apostel und Anbieter,
beginnend mit den Krankenkassen, die inzwischen eine erstaunlich breite Palette
an Aktivitäten zur Regeneration von Leib
und Seele als förderungs- bis finanzierungswürdig erachten. Man kann es ihnen
kaum verübeln, schließlich müssen sie
sich auf und in einem Markt behaupten,
der dank einer Fülle von Akteuren und Produkten schier unübersichtlich anmutet,
wobei sich das Spektrum von simplen
Bräunungs- und Fitnessstudios über einladend eingerichtete Kurhotels, Ferienlaune
verheißende Thermenlandschaften und
fernöstlich angehauchte Wellnessoasen
bis hin zu den als wirkungsmächtig beworbenen Aufbau- und ernährungsunterstützenden Ausgleichspräparaten erstreckt,
deren Besuch bzw. Einnahme von mancherlei Zusatzversicherungen heute gerne
be- oder entlohnt wird. Das Ganze entwickelt sich also unzweifelhaft zu einer Bewegung, die vor nichts und niemandem halt
zu machen gedenkt, was die ursprüngliche
Bedeutung des Begriffs »Gesundheit« ein
bisschen konterkariert und im Prinzip die
Möglichkeit eröffnet, ihn bei passender
oder eben unpassender Gelegenheit
(beinahe) beliebig zu interpretieren.

Was erwartet einen aber, wenn sämtliche
Bemühungen um Vorbeugung, um Prävention und Kondition(sgewinnung) nicht
fruchten, wenn die aufgetretenen Symptome zudem die Wahl eines geeigneten
Facharztes erschweren – und nicht einmal der Anblick eines Apothekeninneren
und dessen Geruch »nach strengen und
herben Sachen« das erhoffte Quantum
an Heilung oder Linderung zu gewinnen
erlaubt, einem ergo die Fahrt ins sogenannte Krankenhaus nicht erspart bleiben
soll?
Er wird sicherlich stark überrascht sein,
denn in vielen Fällen trifft er nun auf Gebäude, die neben der unverzichtbaren
Funktionalität und einer Gerätetechnik
nach neuesten medizinischen Standards
außen wie innen über eine überzeugende
Gestalt und Struktur verfügen: Indizien für
einen unverkennbaren Wandel von der
Klinik zu einem Gesundheitsbau, der diesen Namen verdient, indem er die Grundlage(n) für eine, im besten Sinne, umfassende Genesung bereitstellt – wie die
nachfolgend dokumentierten Beispiele
unter dem Hefttitel »Marke Krankenhaus«
mit Nachdruck veranschaulichen. Deren
detaillierte Betrachtung empfiehlt sich
deshalb uneingeschränkt, im Übrigen genauso wie die Lektüre der oben zitierten
Zeilen aus »Die Apotheke« von Peter Panter bzw. Kurt Tucholsky und damit eines
exakt 85 Jahre alten Textes von (nichtsdestotrotz) unverbrüchlicher Aktualität.
Michael Wiederspahn

[ Editorial

»Manche Leute gehen in den fremden
Orten immer erst in den Ratskeller, manche zur Sehenswürdigkeit – ich gehe in
die Apotheke. Da weiß man doch. Es beruhigt ungemein, zu sehen, dass auch in
Dalarne, in Faido oder in Turn-Severin die
Töpfchen der Reihe nach ausgerichtet
stehen, jedes mit einem Namen auf dem
Bauch, und fast von keinem wissen wir,
was es ist. Manche heißen furchtbar unanständig, aber die Apotheker meinen
das nicht so. Und immer riecht es nach
strengen und herben Sachen, es sind jene
Düfte, die dem guten, alten Apotheker
langsam zu Kopf steigen, woher er denn
den altbewährten Apotheker-Sparren hat.
(…) Hübsch, so eine Apotheke. Man fühlt
sich so geborgen; es kann einem nichts
geschehen, weil sie ja hier gegen alle
Krankheiten und für alle Menschen ihre
Mittel haben. Es ist alles so ordentlich, so
schön viereckig, so abgewogen rund – so
unwild. (…) Die Apotheke macht besinnlich, wir fordern, nehmen, zahlen und sind
schon halb geheilt. Bis zur Tür. Draußen
ist es wesentlich ungemütlicher, und von
der sanft duftenden Medizin-Insel steuern
wir wieder auf das hohe Meer. Die Apotheke ist das Heiligenbild des ungläubigen
kleinen Mannes.«

[3

]
Inhalt

Editorial

Grundlage aller Genesung
Michael Wiederspahn

Forum Baukultur

Marke Krankenhaus

4]

3

6

Europäisches Pilotprojekt mit Vorbildfunktion
Michael Wiederspahn, Karsten Valentin

10

Eine Pionierarbeit in vieler Hinsicht
Iphigenie Traxler

20

Langfristiger Ausbau mit Zwischenschritten
Michael Cordes

28

Bündelung der medizinischen Kompetenzen
Katrin Lünser

36

Parametrische (T)Raumgestaltung als Neuansatz
Thomas Willemeit, Wolfram Putz, Lars Krückeberg

42

[Umrisse]

[ Inhalt

[Umrisse]

Spezial

Ausbau der Bundesautobahn A 3 im Großraum Würzburg
Siegfried Löffler

47

Rubriken

Immobilienmarkt

52

Produkte und Projekte

54

Software und IT

66

Nachrichten

67

Termine

72

Bücher

74

Impressum

75

[5

Forum Baukultur

]

Große Lösung, kleine Lösung, keine Lösung = Bonner Lösung

6]

Auch über 25 Jahre nach dem Umzug der
Regierung gen Berlin scheint sich in der
ehemaligen Bundeshauptstadt ihre schon
fast legendäre Stagnation in Fragen des
Stadtausbaus erhalten zu haben. Während
früher große Pläne über Jahrzehnte regelmäßig im politischen Streit um Zuständigkeiten zwischen Bund, Land und Stadt oder
im Parteiengerangel untergingen, ist es
mittlerweile die Stadt allein, die eine Verhinderungsmentalität kultiviert hat, mit
zwar wechselnden Protagonisten, aber
immer ähnlichem Ausgang.
Lediglich den in Nachfolge der Ministerien
angesiedelten Unternehmen ist es zu verdanken, dass sich das Stadtbild in den letzten Jahrzehnten überhaupt gewandelt hat,
wenngleich mit mal mehr und mal weniger
überzeugendem Ergebnis. Das Debakel
um das World Congress Center Bonn wirft
zum Beispiel bis heute, nicht nur finanziell,
seine Schatten. Und einen tragfähigen
Gesamtplan für Bonn sucht man vergeblich; dafür finden sich allenthalben größere
Vorhaben, die fast regelmäßig zu mindestens ebenso großen Protesten führen.
Die 2007 bekannt gewordene Idee der drei
großen börsennotierten, in Bonn ansässigen Unternehmen, der Stadt zum 250. Geburtstag ihres berühmtesten Sohnes
Ludwig van Beethoven bis 2020 ein Festspielhaus zu spendieren, scheiterte im
ersten Anlauf: Weil den Teilnehmern
des ausgeschriebenen Wettbewerbs am
Rheinufer der Abriss der dort gelegenen
Beethovenhalle freigestellt wurde und die
drei Erstplatzierten sich hierzu entschieden, regte sich massiver Bürgerprotest,
der die Stadt schließlich 2010 zum Bekenntnis für den Erhalt der Halle nötigte.
Die für deren langfristigen Erhalt notwendigen Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen unterblieben jedoch,
und auch die Pläne für eine 2016 endlich
vorgesehene Sanierung sind noch vage,
da sowohl der erforderliche Umfang der
Arbeiten als auch die Höhe der bereitzustellenden Gelder weiterhin diskutiert
werden.
Das Festspielhaus sollte zwischenzeitlich
rechtsrheinisch und damit außerhalb des
Zentrums untergebracht werden. Doch
selbst dieses Vorhaben blieb im Treibsand
der innerstädtischen Befindlichkeiten stecken. Weil die vom Bund für das Vorhaben

zusätzlich in Aussicht gestellten Mittel zu
verfallen drohten, gab es 2014 erneut einen
Wettbewerb in direkter Nachbarschaft der
Beethovenhalle. Und wieder ging es nicht
weiter. Im Sommer letzten Jahres reichte
es dann einem der Sponsoren, und er zog
sich endgültig aus dem Projekt zurück.
Aktuelles Fazit: kein Festspielhaus und ein
ungewisser Ausgang, was die Sanierung
der Beethovenhalle betrifft. Das klingt wie
in besten Hauptstadtzeiten.
Gleiches Spiel, andere Akteure: das Vorhaben um das sogenannte Bonner Loch,
jenes der Innenstadt zuwandte Areal vor
dem Hauptbahnhof mit seinem unterirdischen Zugang zu den U-Bahn-Gleisen und
einer als Südbebauung bekannten Einkaufszone. In den 1970er Jahren von Friedrich Spengelin als Entree zur Innenstadt
entworfen, fand es trotz unzweifelhafter
gestalterischer Qualitäten keine Akzeptanz
und verwahrloste mangels Pflege im Lauf
der Dekaden. Nach einer Entscheidung
von 2004 für eine komplette Neuordnung
des Bahnhofsvorbereichs stoppte wiederum ein Bürgerbegehren die Pläne. Es folgten über die Jahre die Reduzierung des
Vorhabens, die Ausschreibung eines Wettbewerbs, erneute Proteste, eine weitere
Verkleinerung des Projekts, eine Bürgerwerkstatt zur Ideenfindung – und dabei
blieb es.
Nach einem Ratsbeschluss wandte man
sich im Sommer 2015 mit einem weiteren
Investorenwettbewerb der Entwicklung der
nördlich des Lochs als Parkplatz genutzten
Stadtbrache zu. Man darf gespannt sein.
Mit gleichem Beschluss fällte die Stadt
zudem die Entscheidung für den Verkauf
ihrer direkt der Universität gegenüber gelegenen Liegenschaften im Viktoriaviertel,
um dort einen neuen Einkaufskomplex zu
realisieren. Innerstädtische Belebung
durch Einzelhandel und Gastronomie,
beide bereits existierend, eine zusätzliche
Tiefgarage und dringend benötigte Räumlichkeiten für die Bibliothek der philologischen Fakultät sollten entstehen. Erste
Überlegungen hierzu datieren allerdings
aus dem Jahr 2010, weshalb schon seit
Längerem zwingend gebotene Sanierungen innerhalb des Viertels unterblieben,
die besonders das dort beheimatete
Stadtmuseum und die Gedenkstätte
Bonn betrafen.

Für das Areal fand die Stadt im Sommer
2015 einen Käufer, der Pläne für eine Einkaufspassage konkretisierte. Obwohl diese
Intention seit Jahren bekannt war, regte
sich erst jetzt Widerstand. Der war jedoch
so gut organisiert, dass sich daraus schnell
die Bürgerinitiative »Viva Viktoria« entwickelte, die innerhalb kürzester Zeit Ende
November mit einem Bürgerbegehren das
Projekt stoppen konnte, da sich der Rat der
Stadt, derselbe, der noch im Sommer über
den Verkauf entschieden hatte, nach Vorlage der gesammelten Unterschriften
dem Begehren mit hauchdünner Mehrheit
anschloss. Deshalb wird es keinen Bürgerentscheid geben, bei dem statt knapp
16.500 Gegnern des Projektes über 245.000
Bürger die Chance auf »Anhörung« gehabt
hätten.
Pünktlich zum 24. Dezember wurde nun
bekannt, dass Stadt und »Viva Viktoria«
sich auf eine Bürgerwerkstatt für das Areal
verständigt hätten: Da war doch mal was ...
Gewiss ist zumindest, dass Sanierungen
bei der noch ungewissen Zukunft weiter
ausbleiben werden.
Die im Stadtrat unterlegene CDU befürchtet jetzt, Investoren könnten künftig aufgrund fehlender Planungssicherheit einen
Bogen um Bonn machen. Vielleicht ist es
angesichts der zahlreichen gescheiterten,
gestoppten und verschleppten Projekte
jetzt einfach an der Zeit, die Schatten der
Vergangenheit zu bewältigen und unter
Federführung des im September neu ins
Amt gewählten CDU-Oberbürgermeisters
und in Einforderung seiner Wahlkampfankündigungen in einem transparenten
Dialog mit dem Rat der Stadt und den Bürgern die Vielzahl der Einzelmaßnahmen
gebündelt zu betrachten, Prioritäten zu
setzen, Kompromisse von allen Seiten zu
verlangen und dann einen abgestimmten
Entwicklungsplan für das innerstädtische
Gebiet vorzulegen, statt weiter alle paar
Jahre eine neue Sau durch das
(Bundes-)Dorf zu treiben.
S. T.

[Umrisse]

Neues Zuhause für Buchstaben
Im Juni letzten Jahres gab es den Aufruf:
»Buchstaben suchen ein neues Zuhause«:
Das Berliner Buchstabenmuseum, eine
weltweit einzigartige Präsentation typographischer Stadtgesichter und ihres Wandels, war zwölf Jahre nach seiner Gründung zum inzwischen vierten Mal auf der
Suche nach einer neuen Bleibe für seine
stetig wachsende Sammlung, die endlich
eine permanente werden sollte. Punkte
auf der Wunschliste: mindestens 1.000 m2
in innerstädtischer Lage und zusätzlicher
Raum für Werkstätten, Ausstellungen,
Büroarbeiten und ein Café.
Fast pünktlich zum Jahresende gab es
hier ebenfalls eine erfreuliche Nachricht,
denn die Buchstaben sind in zwei S-BahnBögen am Tiergarten in der Nähe des
Bahnhofs Bellevue umgezogen, über vier
weitere laufen die Verhandlungen.
Insgesamt sechs Bögen könnten künftig
das Zuhause der Sammlung bilden, die ein
Stück Berliner Stadtgeschichte dokumentiert, darüber hinaus aber auch mit Exponaten aus anderen Städten aufwartet. Noch
ist ein wenig Geduld gefragt, konnten die
mittlerweile mehr als 1.000 Schriftzüge
doch zunächst nur eingelagert werden.
Wenn die Zusage für die nebenstehenden
Bögen erfolgt, soll erst einmal eine den
neuen Räumlichkeiten adäquate Ausstellungskonzeption entwickelt werden. Spätestens ab Mitte des Jahres sind dann
Besucher wieder willkommen.
Weiterhin sehr willkommen sind jedoch
Spenden, da das Museum ausschließlich
von der ehrenamtlichen Arbeit seiner
Gründerinnen Barbara Dechant und Anja
Schulze sowie der freiwilliger Unterstützer lebt; eine öffentliche Förderung dieses
Projektes gibt es nicht. 8 € pro Buchstabe
waren in einem Spendenaufruf für den
Umzug kalkuliert worden, wobei die insgesamt benötigte Summe leider nicht
erreicht wurde. Und so hoffen Dechant
und Schulze nun, mit dem Neustart in
greifbarer Nähe, auf engagierte finanzielle
Unterstützung all jener, die sich für die
Relikte ehemals im Stadtbild Orientierung
bietender Schriftzüge und deren Einzigartigkeit begeistern. Näheres dazu unter
www.buchstabenmuseum.de.
S. T.

[Umrisse]

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Forum Baukultur

]

Ehrgeizige Ziele erreicht, neue Ziele im Visier

8]

In Ausgabe 1 · 2015 der [Umrisse] war im
»Forum Baukultur« zu lesen, dass die beiden von Frank Lloyd Wright gegründeten
Schulen Taliesin West in Scottsdale, Arizona, und der Gründungssitz Taliesin East in
Green Spring, Wisconsin, aufgrund geänderter Regularien der Higher Learning
Commission (HLC) in Gefahr seien, ihre
Zulassung als Lehrinstitutionen zu verlieren. Die HLC macht Schulen zur Auflage,
von anderen Institutionen oder Stiftungen
finanziell unabhängig zu sein, die Campusbereiche der Frank Lloyd Wright Schule
werden jedoch maßgeblich, vom Gründer
so gewollt, von der gleichnamigen Stiftung
unterhalten.
Aaron Betsky, seit Ende Januar letzten
Jahres neuernannter Dekan der Schule,
hatte gleich zum Amtsantritt eine umfassende Reform ihrer Struktur und eine großangelegte Spendeninitiative angekündigt.
So sollen Charity-Veranstaltungen in Los
Angeles und Chicago sowie gezieltes
Fundraising bei prominenten solventen
Absolventen ihr die Unabhängigkeit
ermöglichen.
Skepsis schien damals berechtigt, doch
nun hat Betsky alle Zweifler eines Besseren belehrt: Fast pünktlich zum Weihnachtsfest ließ die Frank Lloyd Wright
Stiftung in einer Pressemitteilung verbreiten, man habe das Ziel, immerhin 2 Mio.
US-Dollar einzuwerben, erreicht. Bislang
seien fast 320 Einzelspenden von Privatpersonen, Firmen, Stiftungen und weiteren
Organisationen, eingegangen. Vor dem
Hintergrund dieser Summe könne man jetzt
den langwierigen Prozess der Separierung
zwischen Stiftung und Schule starten, um
der HLC im Sommer 2016 die erforderlichen
Nachweise der Eigenständigkeit zu übermitteln. Allerdings wird die FLW-Stiftung
anfänglich, bis Ende 2019, der Schule jährlich Unterstützung in Form einer 1,40 Mio.
US-Dollar-Spende zukommen lassen und
ihr darüber hinaus weiterhin die Nutzung
der historischen Räumlichkeiten, Klassenzimmer ebenso wie der Studios und Studentenheime gestatten.

Da der Fortbestand der Schule offenbar für
das Erste gesichert ist, wird auch der von
T. Gunny Harboe, Harboe Architects, Chicago, bereits seit Ende 2012 entwickelte
Preservation Masterplan für Taliesin West
umgesetzt werden, der wegen dringend
anstehender Ertüchtigungsmaßnahmen
auf dem über viele Jahrzehnte weitersowie um- und angebauten Campus beauftragt worden war. Undichte Dächer,
marode Wasser- und Elektroleitungen stellen nicht nur ästhetisch ein Ärgernis dar.
Vorab seiner Erarbeitung galt es daher
die Frage zu klären, welche Bauten als
programmatisch und erhaltenswert für
Taliesin West anzusehen seien und welche, aus zeitgenössischem Raummangel
entstanden, das ursprüngliche Konzept
verzerrten und die ehemals vielschichtigen
Landschafts- und Sichtbeziehungen des
Gesamtkomplexes zerstörten.
Der Chicagoer Architekt T. Gunny Harboe,
ein in den USA anerkannter Fachmann für
denkmalgerechte Sanierungen und ausgewiesener Frank-Lloyd-Wright-Experte,
betreute bereits die Instandsetzungen
des Robie-Hauses, des Unity-Tempels,
des Emmond-Hauses und der Beth-SholomSynagoge sowie weiterer Wright-Bauten.
Nach einer eineinhalbjährigen Bestandserfassung hatte er die insgesamt 7.440 m2
große Liegenschaft in vier Zonen, analog
ihrer architektonischen Bedeutung, eingeteilt und Empfehlungen für Maßnahmen in
der jeweiligen Zone und der sie umgebenden direkten Landschaft ausgesprochen.
Da nicht nur nach Wrights Tod weitergebaut wurde, sondern der Schulgründer
selbst immer wieder Erweiterungen und
Neubauten veranlasst hatte, lag die große
Herausforderung für Harboe darin, für die
einzelnen Bereichen festzulegen, in welchen Zustand sie zurückzuversetzen seien
und was gegebenenfalls abgerissen werden könne. Das bedingte die Sichtung
von Tausenden von Entwurfs- und Ausführungsplänen, Photographien und weiteren
schriftlichen Hinterlassenschaften aus der
fast 90-jährigen Geschichte des Wüstenkomplexes. Im Herbst 2015 vermochte
Harboe dann seine darauf basierenden
Pläne vorzustellen.

Zusätzlich sieht er die Errichtung eines
Besucherzentrums vor, um einigen in Teilen bereits als solches genutzten Bauten
ihre ursprüngliche Bestimmung zurückzugeben. Mit fortschreitender Technik hätten
sich über die Jahre auch einige Annehmlichkeiten in Taliesin »eingeschlichen«, die
die Gesamtanmutung störten. Dazu zählten
beispielsweise Alleen von Strommasten
oder die überall präsenten Klimaanlagen.
Und mancher Luxus, wie nachträgliche
Wintergärten an Lehrerhäusern oder das
erst nach Wrights Tod gegrabene dreieckige Schwimmbad, versuchten zwar, in
Wright’scher Manier daherzukommen, bei
ihrer Gestaltung hätten allerdings weniger
die Architektur als der Erholungsfaktor
eine Rolle gespielt, so dass landschaftliche
Bezüge gestört würden, wie Harboe ausführte: Hier schlägt er den radikalen Rückbau vor.
Insgesamt 740 Seiten umfasst seine Masterplan-Dokumentation, die auf einen
ehrgeizigen Zeitplan oder gar einen Kostenvoranschlag für die Umsetzung des
Gesamtprojektes verzichtet und das Ganze
stattdessen als langfristig angelegte Maßnahme versteht, die mit Unterstützung der
Studenten und je nach Verfügbarkeit der
Mittel realisiert werden soll – ganz im
Sinne Wrights. Diese Sicht teilt auch Aaron
Betsky, der den Plan begeistert unterstützt
und darin eine einzigartige, fesselnde Lernmöglichkeit sieht, die der ursprünglichen
Idee des Ortes entspricht: »Studenten
erbauten Taliesin West, und sie sollten es
auch wiederaufbauen«, zu vertiefen unter
www.taliesin.edu.
E. P.

[Umrisse]

Bleibendes von Präsidenten

[Umrisse]

Und Bill Clinton vertraute für sein Archiv
dem Architekten James Polshek, der ihm
in Little Rock, Arkansas, als Blickfang am
Flusshang einen aufgeständerten stählernen Riegel konzipierte.
Die beiden Bushs hingegen orientierten
sich in Texas sehr konservativ: Für George
Bush entwickelte das Büro Hellmuth,
Obata + Kassabaum 1997 eine an klassische Tempelmotive erinnernde Collage
mit einer Rotunde und einem vorgestellten Architrav. Ähnlich hielt es sein Sohn
George W. Bush, für den Robert A.M. Stern
Architects eine Anlage realisierte, die
wie eine Mischung aus Neoklassizismus,
inklusive vorgelagerter Pfeilerhalle, und
Stein gewordener Südstaatenromantik
anmutet.
Und nun also Barack Obama. Der auf
Honolulu geborene noch oberste Heereschef hat die Messlatte für sich wie für die
Entwurfsverfasser hoch gelegt, indem er
die Architekturmetropole Chicago als Ort
wählte. Und: Waren bislang immer amerikanische Architekten oder zumindest solche mit amerikanischer Staatsbürgerschaft
und mit Lebens- und Arbeitsmittelpunkt in
den USA mit dieser Aufgabe betraut worden, könnte jetzt möglicherweise erstmals
ein europäischer Baumeister einen Teil
amerikanischer Erinnerungskultur
bestimmen.
Wie wenige Tage vor Weihnachten verkündet, hat das Komitee der Stiftung des
zukünftigen Obama Presidential Centers
sich in der ersten Phase eines weltweit
offenen zweistufigen Auswahlverfahrens
für insgesamt sieben Finalisten entschieden. Zu ihnen zählen vier Büros mit amerikanischem Hauptsitz und drei europäische,
und zwar Diller Scofidio + Renfro, SHoP
Architects, Tod Williams Billie Tsien Architects, alle New York, das New Yorker Büro
der ursprünglich in London gegründeten
Adjaye Associates sowie John Ronan
Architects, Chicago. Aus Europa empfahlen sich wiederum der in Genua und Paris
ansässige Renzo Piano Building Workshop
und das norwegische Büro Snøhetta, die
beide auch in New York Dependancen
unterhalten.

Die sehr unterschiedlichen Entwerfer, von
denen jeder eine exzellente Wahl wäre,
wie Martin Nesbitt, Sprecher der Stiftung,
bei ihrer Vorstellung betonte, würden eine
spannende Bandbreite an Alternativen
verheißen. So offen wie die für den künftigen Planverfasser ist aktuell zudem die
abschließende Entscheidung für den genauen Standort. Zur Disposition stehen
zwei prominente, im Süden Chicagos
befindliche große Parklandschaften: der
nach dem ersten Präsidenten der USA
benannte Washington Park und der dem
siebten Präsidenten Andrew Jackson
gewidmete Jackson Park. Für beide
Stätten gilt es nun Vorentwürfe
einzureichen.
Um die ehrenvolle Aufgabe hatten sich insgesamt 140 Büros aus 25 Ländern beworben. Die Mehrheit erster Vorschläge kam
aus den USA, darunter zahlreiche von Chicagoer Firmen. Dass es nur eine von ihnen
in die Auswahl schaffte, wurde in der Stadt
am Michigansee mit großem Bedauern zur
Kenntnis genommen. »Ein bisschen viel
New York« sei vertreten, klagte der Architekturkritiker Blair Kamin in der Chicago
Tribune, und Lynn Osmond, Präsident der
Architekturstiftung Chicago, der die bedeutsame Rolle der Stadt für die Entwicklung der modernen Architektur in den
USA hervorhob, wird mit den Worten
»Wir hatten mehr erwartet« zitiert.
Die endgültige Entscheidung darüber, wer
Obamas politisches Erbe gestalterisch in
Szene setzen darf, wird für Mitte 2016
erwartet. Das letzte Wort hierzu haben der
Präsident und die First Lady, denen die
Finalisten im ersten Quartal des Jahres im
Weißen Haus persönlich ihre Ideen für die
zwei Orte erläutern sollen. Spätestens mit
der Wahl des Entwurfs soll dann auch die
Frage des Grundstücks definitiv geklärt
werden. Die Bauarbeiten sollen nach Ende
der Amtszeit beginnen und spätestens
2021 abgeschlossen sein.
Auf www.barackobamafoundation.org ist
Näheres zum Verfahren, dem Raumprogramm sowie den Architekten und ihren
Vorentwürfen zu finden.

[ Forum Baukultur

Die Deutungshoheit über die Geschichte
ist, besonders was die Amtszeiten von
Staatsoberhäuptern und ihre politischen
Erfolge in denselben betrifft, immer eine
sehr heikle und, wie im Fall der amerikanischen Präsidentschaften, zugleich sehr
persönliche Sache.
Seit der Amtszeit von Herbert Hoover, dem
31. Präsidenten der Vereinigten Staaten
(1929–1933), besteht der Brauch, im Nachgang ein Presidential Library genanntes
Archiv mit den wichtigsten politischen und
oft auch sehr privaten Dokumenten des
jeweiligen POTUS (President of the United
States) zu errichten. An der Konzeption
und damit der Interpretation ihrer Amtszeiten sowie der Gestaltung und Ausstattung
nehmen die Amtsinhaber in puncto Auswahl der Archivalien wie der Architektur
stets sehr engagiert teil. Meist wird die
Errichtung dieser Gebäude zum Ende der
letzten Regierungsperiode beauftragt,
wobei die für die Präsidenten gemeinsam
mit den für die Aufgabe extra ins Leben
gerufenen Stiftungen über den Standort
entscheiden. Häufig werden die Geburtsorte oder größere Städte in der Nähe derselben, wie unter anderem bei Truman,
Nixon, Carter und Clinton, oder die Orte
ihrer größten politischen Erfolge vor der
Präsidentschaft, wie bei Reagan oder
den beiden Bushs, dazu bestimmt.
Aufschlussreicher als die Wahl des Standortes ist aber die des Architekten. Ronald
Reagan beispielsweise beauftragte den
Architekten der Berliner Kongresshalle,
Hugh Stubbins, mit dem Entwurf eines im
kalifornischen Rancho-Stil angelegten
Anwesens, während sich Lyndon B. Johnson auf dem Campus seiner Alma Mater in
Austin, Texas, von dem Pritzker-Preisträger
Gordon Bunshaft einen beeindruckenden,
der klassischen Moderne verpflichteten
zehngeschossigen Kubus mit einem seitlich angegliederten Riegel bauen ließ.

S. L.

[9

Europäisches Pilotprojekt mit Vorbildfunktion
Ein Gespräch über die Charakteristika des neuen Klinikums Höchst

Valentin

Technischer Geschäftsführer der ZEG
© Paul Müller/Verlagsgruppe Wiederspahn

10]

Einführung

Wiederspahn

Das Klinikum Höchst als zweitgrößtes
Krankenhaus in Frankfurt am Main kann
auf eine lange, eine über 150 Jahre währende Geschichte zurückblicken – und erhält nun einen Neubau, der sich in puncto
Struktur, Organisation und Qualitätskriterien von den sonst üblichen Projekten in
mehrfacher Hinsicht unterscheidet. Basierend auf der Planung von wörner traxler
richter, die den 2010 europaweit ausgelobten Architektenwettbewerb gewannen,
erfolgt hier die Verwirklichung einer Konzeption, die nicht nur einen (modifizierten)
Passivhausstandard erfüllt, sondern ebenso unter funktionalen und damit betrieblichen Perspektiven zielorientiert optimiert
wurde – und sich insofern als vorbildlich
bezeichnen lässt. Grund genug für uns, das
Gespräch mit dem technischen Geschäftsführer der ZEG GmbH zu suchen und mit
ihm Aspekte des Entwurfs und der Realisierung dieses zweifelsohne richtungsweisenden Gebäudes eingehend zu diskutieren, wobei auch der zum 1. Januar 2016
vertraglich vereinbarte Klinikverbund mit
dem Main-Taunus-Kreis und die aus ihm
resultierenden Konsequenzen detailliert
Erwähnung fanden. Karsten Valentin und
Michael Wiederspahn trafen sich im Büro
der ZEG, das eine direkte Inaugenscheinnahme des bestehenden Krankenhauskomplexes wie des Neubauareals
erlaubt.

Zur Vorbereitung unseres Termins habe
ich natürlich auch auf Ihrer Internetseite
nachgeschaut, die ja bereits erfreulich
viele Informationen bereithält. Was ich
dort aber nicht finden konnte: Wer oder
was ist die ZEG tatsächlich? Die Langform
»Zentrale ErrichtungsGesellschaft« bietet sicherlich einen Hinweis, doch wann
wurde sie gegründet und welche Funktion
soll sie erfüllen?

Die ZEG wurde vor 2010 für den Zweck der
Errichtung des Neubaus Klinikum Höchst
gegründet. In der Stadt Frankfurt werden
oftmals Betrieb und Besitz sowie Errichtung voneinander getrennt, und da es sich
um eine Spezialimmobilie handelt, hat man
damals in der Stadt entschieden, für dieses Spezialprojekt auch eine eigene
Gesellschaft zu gründen.
Es gibt weitere Beispiele: Für den Bau
des Stadions wurde damals eine eigene
Gesellschaft gegründet, ebenso für den
der Müllverbrennungsanlage. Aktuell ist
es das Tunnelprojekt, das auch in einer
eigenen Gesellschaftsform auftritt. Das
ist eine typische Abwicklungsart in der
Stadt Frankfurt.

Ansicht von Fassade und Haupteingang
© wörner traxler richter/ZEG GmbH

[Umrisse]

Chirurgische Klinik nach Fertigstellung 1916
© ZEG GmbH

Lageplan von 1928
© ZEG GmbH

Klinikgelände mit Bettenhochhaus im Jahr 1965
© ZEG GmbH

Wiederspahn

Wiederspahn

Das heißt also, die ZEG ist eine zeitlich
begrenzte Gesellschaft, die irgendwann,
wenn das Klinikum errichtet worden und
in Betrieb gegangen ist, aufgelöst werden
wird.

Wer sich mit der Geschichte des Klinikums
in Höchst befassen will, stößt fast unweigerlich auf zahlreiche Veröffentlichungen,
die in Summe eine nahezu lückenlos erscheinende Dokumentation ergeben. So
ist es zum Beispiel nicht das älteste Krankenhaus Frankfurts, doch das zweitgrößte,
wie ich gelesen habe. 1858 gegründet,
erfuhr es zahlreiche Ergänzungen und
Erweiterungen, die schon 1883 begannen
und unter anderem die Errichtung der Bettenflachbauten (1962), des bis heute prägenden Bettenhochhauses (1965), einer
Geriatrischen Tagesklinik (1978), der Neurochirurgie (1982), der Neurologie, Psychiatrie und der Augenklinik (1986) sowie
einer zentralen Notaufnahme (2005) umfassten. Das klingt nach einer kontinuier-

Valentin
Nein. Der Gesellschaftszweck wurde
letztes Jahr angepasst. Er beinhaltet nun
nicht nur das Errichten, sondern auch das
Betreiben. Man muss zudem wissen, dass
die ZEG im Zuge des vor kurzem beschlossenen Klinikverbundes aktuell eingegliedert wurde in diesen Verbund und sie jetzt
als Tochtergesellschaft des Klinikums fungieren wird. Im Hinblick auf die Zukunft im
Bereich Tertiärgeschäft, also dem Betreiben von Immobilien, wird sie dann wahrscheinlich eine wesentliche Rolle spielen.

[Umrisse]

lichen Entwicklung zu einem Klinikum der
höchsten Versorgungsstufe, wie im Übrigen auch die Tatsache, dass hier 2.000
Beschäftigte jährlich ca. 36.000 stationäre
und 80.000 ambulante Patienten aus einem
ziemlich großen Einzugsgebiet betreuen
und versorgen.
Jetzt stellt sich natürlich, wenn ein Neubau in Angriff genommen werden soll, die
Frage: War eine Sanierung des Bestandes
nicht möglich? Die Kosten für die Errichtung des neuen Gebäudes betragen immerhin ca. 240 Mio. €. War also eine Ertüchtigung mit Erweiterung oder Ergänzung
nicht denkbar oder zu teuer? Oder aus
welchen Gründen wurde eine solche Idee
nicht weiterverfolgt?

[11

Wiederspahn
Das ist eine klare Aussage.
Und das bedeutet im vorliegenden Fall
zugleich, die Finanzierung erfolgt zum
Großteil durch die Stadt Frankfurt, wobei
das Land Hessen einen, zumindest habe
ich das so gelesen, Zuschuss in nicht
unbeträchtlicher Höhe gewährt. Ein ÖPPbzw. PPP-Modell oder andere öffentlichprivate rechtliche Partnerschaften kommen hier dementsprechend nicht zur
Anwendung, der Neubau wird direkt aus
dem Frankfurter Haushalt finanziert?
Erläuterung anhand von Grundrissen und Schnitten
© Paul Müller/Verlagsgruppe Wiederspahn

Valentin
Genau.

Wiederspahn
Valentin
Das Erste, was man dazu wissen muss,
betrifft den Unterschied zwischen einem
Bürokomplex und einer Krankenhausimmobilie: Ein Krankenhaus ist ein hochkomplexes Gebilde, das insbesondere von seiner
Betriebsorganisationsstruktur lebt. Das
heißt, je effizienter meine Betriebsorganisation ist und die Schnittstellen zwischen
den verschiedenen medizinischen Einheiten sind, desto besser kann sowohl für
den Patienten als Kollektiv als auch unter
ökonomischen Aspekten ein Krankenhaus
betrieben werden.

Die Strukturen der 1960er und 1970er Jahre
und damit jene Gebäude, die Sie hier bei
einem Blick aus dem Fenster sehen, sind
überall in Deutschland gebaut worden:
klassischer Breitfuß mit einem Bettenhaus
obendrauf. Die Strukturen waren damals
vollkommen andere, als man sie heute realisieren würde, was natürlich auch seinen
Grund in der Veränderung der Medizin hat.
Und somit würde eine Sanierung lediglich
die Bausubstanz reaktivieren, die Betriebsorganisation hingegen im Wesentlichen
auf dem gleichen Stand belassen – und
das ist in der heutigen Krankenhausfinanzierung nicht mehr möglich.

Ich möchte kurz an den Aspekt »Organisation« anknüpfen: Das Klinikum Höchst ist
Mitglied in einer Klinikallianz, zu der vier
Frankfurter Häuser gehören, die miteinander kooperieren. Darüber hinaus wurde
zum 1. Januar 2016 ein sogenannter Klinikverbund mit dem Main-Taunus-Kreis geschlossen, also mit den Kliniken in Hofheim
und in Bad Soden. Diese beiden Standorte
sind zweifelsohne wesentlich kleiner und
bieten wahrscheinlich auch keine Maximalversorgung.
Welchen Einfluss, welche Konsequenzen
hatte und hat das auf die betrieblichen,
funktionalen und baulichen Strukturen,
die in Höchst realisiert werden? Übernehmen Sie, simpel gefragt, Abteilungen, die
dann in Bad Soden und Hofheim nicht
mehr vorgehalten werden müssen? Oder,
vice versa, lagern Sie etwas nach Hofheim
oder Bad Soden aus?

Valentin
Dieses Krankenhausprojekt hat ja eine
lange Historie. In 2010 wurden die ersten
Entwürfe aufgelegt, und in 2012, als der von
Ihnen erwähnte Klinikverbund in die Diskussion kam, wurde die Planung gestoppt,
sie dann genau auf die Belange eines Verbundes überprüft und schließlich angepasst. So gesehen, wurde das Projekt eigentlich zweimal geplant: Planung sowie Überplanung.
Blick aus dem Fenster: Bestandsgebäude und Neubauareal
© Paul Müller/Verlagsgruppe Wiederspahn

12]

[Umrisse]

Wiederspahn
Außer dem Hauptgebäude, dem neuen
Klinikum Höchst, soll auch ein Gesundheitszentrum entstehen, wie ich der Tagespresse entnehmen konnte. Das heißt, das
Gesamtareal ist in mehrere Einheiten
unterteilt, die nacheinander bebaut werden. Wie sieht das genau aus, wann und
wo werden welche Bauwerke errichtet?

Luftbild des Baufeldes (oben rechts)
© wörner traxler richter/ZEG GmbH

Valentin
Das medizinische Konzept für den Klinikverbund steht mittlerweile im Grobkonzept.
Sie haben es vielleicht mitverfolgt, dass
inzwischen der Aufsichtsrat konstituiert
und die Geschäftsführung besetzt worden
ist, angesiedelt hier im Klinikum Höchst.
Deren Aufgabe als neue Dachgesellschaft
wird es 2016 nun sein, die medizinische
Strategie für die drei Standorte weiter zu
entwickeln.
Unabhängig davon ist das Krankenhaus
so konzipiert, dass es auch alleine funktionieren kann. Denn hätten wir es in nicht
selbständiger Form geplant und wäre der
Prozess des Verbundes gescheitert, hätte
eine Krankenhausimmobilie errichtet werden müssen, die nicht als Solitärgebilde
Medizin anzubieten vermag – und das
wäre sowohl vom Geldgeber als auch von
der Betriebs-GmbH nicht zu akzeptieren
gewesen.

Wiederspahn
Architekten des Neubaus sind wörner
traxler richter, die hier als Generalplaner
auftreten. Bis zu welcher Phase ist das
Büro involviert und in welcher Form
erfolgt die Bauausführung?

Valentin
wörner traxler richter haben dieses Projekt
praktisch vom Entwurf bis zur Genehmigungsplanung komplett als Generalplaner
bearbeitet. Das bedeutet konkret, dass
auch die Planung aller Gewerke in Abstimmung mit ihnen durchgeführt wurde bzw.
wird.
Im Fall der Bauleistungen haben wir uns
für eine Generalunternehmer-(GU-)Vergabe entschieden. Die nächsten Planungsphasen erbringt also der GU selbst.

Der geplante Klinikum-Campus gliedert
sich in drei Bauabschnitte. Der erste ist
das neue, hochverdichtete Krankenhaus
»Klinikum Höchst«, und zwar auf dem
Grundstück direkt neben dem Bestand. Im
zweiten Bauabschnitt wird dann ein sogenanntes Funktionsgebäude errichtet, für
dessen Finanzierung bereits eine Grundsatzzusage der Stadt Frankfurt vorliegt.
In diesem Gebäude werden im Wesentlichen Verwaltung, Speisenversorgung,
Konferenzzentrum und einige periphere
medizinische Einrichtungen untergebracht
werden. Der dritte Bauabschnitt beinhaltet
zunächst den Abriss des alten Krankenhauses, um auf jener Fläche unter anderem die Psychiatrie neu zu bauen. Angedacht ist zudem, dort eine Krankenpflegeschule und ein ambulantes Zentrum zu
realisieren. Für den dritten Bauabschnitt
gibt es allerdings noch keine Zielplanung.

Masterplan im Modell
© wörner traxler richter/ZEG GmbH

[Umrisse]

[13

Wiederspahn
Inwieweit ist dieser Neubau, den Sie jetzt
errichten, so flexibel konzipiert, dass man
beispielsweise eine oder mehrere Abteilungen vergrößern oder eben auch verkleinern kann, wenn sich Anforderungen oder
Ansprüche verändern?

Valentin

Valentin
Zunächst: Generell sind alle Pflegeebenen
variabel. Das Gebäude verfügt über eine
Doppel-H-Struktur, die von den Architekten
auch im Hinblick auf den Zuschnitt und die
Anforderungen des Grundstückes gewählt
wurde. Und diese Doppel-H-Struktur bietet
natürlich die Möglichkeit, innerhalb von
Stationen gegebenenfalls Verschiebungen
und Verlagerungen durchzuführen.
Krankenhäuser werden heute generell in
Skelettbauweise errichtet, so dass sie im
Innern komplett flexibel sind. In Kombination mit der Trockenbauweise für Innenwände etc. kann ich so jederzeit auch Bereiche
entkernen und wieder neu aufsetzen, ohne
in die Gebäudeinfrastruktur oder das Tragwerk eingreifen zu müssen.

Wiederspahn
Wenn man sich ein bisschen näher mit
diesem Projekt beschäftigt, fallen einem
immer wieder zwei Schlagworte ins Auge:
»Optimierung der Arbeitsabläufe« als
Begründung für den Neubau, von Ihnen
eingangs schon erwähnt, sowie »Passivhausstandard«, den Sie hier ja realisieren
wollen. Was kann oder muss sich ein
Nichtmediziner, ein Architekt oder Bauingenieur nun unter »Optimierung der
Arbeitsabläufe« in einer Klinik vorstellen?

Ein Beispiel für das Verständnis für Architekten und Ingenieure, wobei Architekten
mittlerweile viel gelernt haben: Es gibt
gewisse Zusammenhänge zwischen der
Notfall- und der stationären Versorgung,
also dem Notfall- und den Elektivpatienten.
Die zentralen Einrichtungselemente, die
diagnostischen Einheiten müssen sowohl
für den Notfall- als auch den elektiven
Patienten gut erreichbar sein. Um Ihnen
ein Kriterium zu nennen, das in einem
Krankenhaus gewährleistet sein muss,
damit es gut funktioniert: Die Operationseinheiten und die intervenierenden Verfahren müssen über eine Direktanbindung an
die Intensivstation, die Notfallmedizin und
den Hubschrauberlandeplatz verfügen.
Das ist ein Basiselement, das ein Architekt
zwingend zu berücksichtigen hat.

Doppel-H-Struktur als (ein) Element
© wörner traxler richter/ZEG GmbH

14]

[Umrisse]

Beziehungen zwischen Funktionsbereichen
© Lohfert & Lohfert AG

Valentin
Wiederspahn
Für ein früheres Bauvorhaben, das ich verantwortlich betreut habe, wurde ehedem
eine sogenannte Beziehungsmatrix erstellt,
die im Prinzip idealisierte und aufeinander
abgestimmte Funktionsabläufe in einem
Krankenhaus veranschaulicht. Es handelte
sich um das PPP-Projekt »HochtaunusKliniken«, bei dem es für den Bieter keinen
Architektenentwurf gab, sondern tatsächlich nur eine Betriebsorganisationsplanung
– und deren wesentliches Element war
eben jene Matrix. wörner traxler richter
kennen diese Matrix, weil sie sich damals
als Mitglieder eines Konsortiums am
Wettbewerb beteiligt hatten.

[Umrisse]

wörner traxler richter sind ja ohnehin ein
im Krankenhausbau überaus erfahrenes
Architekturbüro …
Und zum zweiten Schlagwort, dem Passivhausstandard: Die Stadt Frankfurt versteht
sich in dem Punkt gerne als Vorreiter, indem sie ihre eigenen Gebäude, insbesondere aber Kindergärten, Kindertagesstätten und Schulen bevorzugt oder sogar ausschließlich nach jenen (Qualitäts-)Kriterien
errichtet. Im Fall von Kliniken dürfte das
hingegen ein absolutes Novum sein, zumindest in und für Deutschland. Die Entscheidung, ein solches Bauwerk im Passivhausstandard realisieren zu wollen,
bedingt im Vorfeld sicherlich mannigfaltige Überlegungen, zumal bisher keine
entsprechenden Normen und Regelwerke
für Krankenhäuser existieren. Resultierte
diese Entscheidung infolgedessen aus
einer politischen Zielvorgabe, für die erst
nachträglich eine Art fachlicher Unterbau
geschaffen werden musste? Oder hat man
die Studie des Passivhaus-Instituts von
2003 quasi als Anstoß zur praktischen
Erprobung der Theorie aufgefasst?

Die Stadt Frankfurt hat ja die Zielvorgabe,
2050 eine grüne Stadt und damit klimaneutral zu sein. Und so hat sie sehr früh entschieden, dass zur Erreichung dieses Ziels
auch eine solche große Sonderimmobilie
energetisch optimal errichtet werden soll.
Nachdem man Kontakt mit dem Passivhaus-Institut in Darmstadt und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Berlin aufgenommen hatte, wurde
schnell erkannt, dass es möglich ist, ein
Krankenhaus in einem modifizierten »Passivhausstil« zu errichten, und die entsprechende Entscheidung gefällt.
Die hier letztlich zur Anwendung kommenden Kriterien des modifizierten Passivhausstandards sind gemeinsam von Planern,
Bauherren und dem Institut entwickelt
worden – in einem iterativen Prozess, bei
dem alle Seiten viel gelernt haben. Das
Ergebnis wird ein Bauwerk sein, das als
Passivhaus zertifiziert werden kann, was
als zwingende Vorgabe auch Teil der Ausschreibung war. Das war und ist neben der
Funktionalität des Gebäudes das höchste
Ziel im Projekt, steht ganz oben im Bauvertrag und hat absolute Priorität für die
Stadt.

[15

Wiederspahn
Und dennoch verwenden Sie überwiegend
oder sogar ausschließlich Standardelemente für Roh- und Ausbau …

Wiederspahn
Wie lange hat dieser Prozess der Kriterienentwicklung gedauert? Und wird das
Resultat überprüft, erfolgt neben oder
außer der Zertifizierung auch ein Monitoring, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen?

Valentin
Der Entwicklungsprozess der Kriterien,
der ja sehr weit in die Simulation hineinreichte und bei dem vor allem auch Aspekte der Anpassung bzw. Modifizierung zu
klären waren, hat insgesamt fast vier Jahre
gedauert. Die Fragen des Abgleichs, also
was ist Wissenschaft und was technisch
machbar, haben dabei die meiste Zeit
beansprucht.
Ein Monitoring ist aktuell nicht ausgeschrieben und wird demzufolge seitens
des GUs nicht durchgeführt werden. Wir
sind hier im Dialog mit dem Bundesministerium, und es finden Vorgespräche statt,
um Fördermöglichkeiten auszuloten. Wie
dieses Monitoring genau aussehen wird,
da ein Standardverfahren hier nicht zur
Anwendung kommen kann, wird sich
daher erweisen.

Valentin
Wiederspahn
Auf der Internetseite des Bundesinstituts
für Bau-, Stadt- und Raumforschung
(BBSR) lässt sich ein, im allerbesten Sinne,
Hinweis auf Ihr Projekt entdecken, und
zwar unter »KfW-Förderprogramme« bzw.
ganz exakt unter »Energieeffizienter Neubau von Nichtwohngebäuden kommunaler
und sozialer Einrichtungen«. Wer diese
Rubrik oder Auflistung ein bisschen gründlicher studiert, wird überrascht sein, dass
sie lediglich mit zwei Krankenhäusern aufwartet: dem Klinikum Frankfurt Höchst und
dem sogenannten Teilersatzneubau des
Klinikums Harlaching. Bei Letzterem steht
freilich der Satz: »Im Sommer 2014 hat der
Münchner Stadtrat die Umsetzung eines
Sanierungskonzepts beschlossen, so dass
offen ist, wie es mit der Planung in Harlaching weitergeht.« Das heißt im Klartext,
Höchst ist das Pilotprojekt Deutschlands.

Valentin
Es ist in der Form das Pilotprojekt Europas.

Hinsichtlich der Baustruktur ist es heute
nicht so komplex, einen Passivhausstandard auch im Spezialbereich Krankenhaus
zu erzielen. Kein Auftraggeber ist in der
Lage, eigene Produktentwicklungslinien
laufen zu lassen für ein solches Bauwerk,
die Intelligenz steckt daher in der Anordnung der Elemente.
Die Technikzentrale etwa, die standardmäßig immer im Keller oder auf dem Dach
untergebracht wird, liegt in Höchst im
zweiten Obergeschoß und insofern genau
in der Mitte, wie Sie an den Plänen erkennen. Somit habe ich nach oben und unten
kurze Wege, was insbesondere für die in
einem Krankenhaus unabdingbare Lüftungstechnik wichtig ist, um Druckverluste zu
minimieren. Wir haben zudem keine neuen
Filter entwickelt, sondern sie einfach eine
Dimension größer gewählt, was den Druck
auf sie verringert und ebenfalls weniger
Druckverlust bedeutet. Das sind zwei
Bespiele, wie man es mit Standardtechnik
schafft, eine hohe Energieeffizienz zu
erreichen.

Anordnung der Technikzentralen
© wörner traxler richter/ZEG GmbH

16]

[Umrisse]

Technikebene mit Leitungsführung
© wörner traxler richter/ZEG GmbH

Valentin

Wiederspahn
Ich kann Ihnen nur zustimmen: In puncto
Rohbau sollte es im Prinzip nicht schwierig
sein, einen Passivhausstandard zu erzielen. Die medizinischen Geräte und Gerätschaften scheinen mir hingegen durchaus
verbesserungswürdig, dürften hinsichtlich
des Energiemanagements noch über erhebliches Optimierungspotential verfügen.
Obwohl, wie Sie sagen, Standardelemente
installiert werden, würde ich doch gerne
wissen, ob und, wenn ja, welche Entwicklung sich auf diesem Gebiet zumindest
abzeichnet.

[Umrisse]

Der deutsche Geräte- oder Absatzmarkt in
der Medizintechnik ist relativ unbedeutend.
Es sind andere Kontinente, die wesentlich
prägnanter definieren, bestimmen und
auch entwickeln, was angeboten wird. Und
in diesen Ländern steht das Thema Energieeffizienz im Bereich der Medizintechnik
noch nicht im Mittelpunkt. Ein Beispiel: Es
ist möglich, einen Magnetresonanztomographen zu entwickeln, der weniger als die
Hälfte an Energie verbrauchen würde, wie
das Passivhaus-Institut ermittelt hat. Aber
es fehlt die entsprechende Nachfrage, so
dass er nicht in die Serienherstellung geht,
und wir als Klinik müssen uns natürlich am
Markt orientieren und können nur das
erwerben, was verfügbar ist.

Wiederspahn
In einem Krankenhaus wird logischerweise
viel Abwärme produziert, die sich theoretisch sinnvoll oder sogar intelligent nutzen
lässt. Passiert das in Höchst?

Valentin
Eine derartige Nutzung stößt bei einem
solchen Projekt unweigerlich an Grenzen.
Die Lüftungsanlagen zum Beispiel, die
den Luftaustausch in Räumen garantieren,
haben hocheffiziente Wärmetauscher.
Man nimmt also möglichst viel Wärme mit
auf. Um die Abwärme aber verwenden zu
können, benötige ich wieder Technologie,
gegebenenfalls sogar Hilfsenergie in Form
von Strom bzw. Ventilatoren. Und wenn
man das in Bilanz setzt, wird schnell erkennbar, ob eine Nutzung, die theoretisch
machbar erscheint, auch gesamtwirtschaftlich sinnhaft ist. Und weil sich das
eher selten zeigt, stößt man oft an Grenzen. Wesentlich bleibt insofern die Frage:
Was verbrauche ich an Primärenergie,
an fossiler oder regenerativer Energie?

[17

Brennstoffzelle für »Brandschutz«
© wörner traxler richter/ZEG GmbH

Wiederspahn
Um beim Thema Energie zu bleiben: Ein
Krankenhaus, insbesondere eines dieser
Größenordnung, braucht natürlich sehr viel
Energie, also Heizenergie, Strom etc. Wie
soll die Energieversorgung erfolgen? Wird
zum Beispiel, dem Zeitgeist geschuldet,
eine Photovoltaikanlage installiert oder
gegebenenfalls ein Blockheizkraftwerk
eingesetzt?

Valentin
Im Zuge der Entwicklung des Gebäudes
sind die energieerzeugenden Einheiten
natürlich genau durchleuchtet worden,
wobei unterschiedliche Modelle eine
detaillierte Prüfung erfahren haben. Das
Resultat war, dass die Stromversorgung
konventionell erfolgen soll – allerdings mit
einer Ausnahme, auf die ich zum Schluss
nochmals eingehen möchte. Eine Photovoltaikanlage wird hier nicht realisiert, da
sie sich wegen der Dachaufbauten nicht
unterbringen lässt und ihre Installation
zudem ohne Fördergelder aktuell nicht
finanzierbar ist.
Für die Kälteversorgung werden klassische
Turboverdichter zum Einsatz kommen, aber
mit einer hocheffizienten Rückkühlungseinheit, einer aktiven freien Kühlung. Das ist
eine spezielle und äußerst fortschrittliche
Technologie, die zugleich sehr flexibel ist:
In einem Krankenhaus hat man das Problem der Variabilität, und eine Kompressionskältemaschine ist einfach am flexibelsten und somit am besten nutzbar. Da-

18]

Wiederspahn
rüber hinaus werden wir in allen Pflegeebenen eine Bauteilaktivierung haben, um
dort einen höheren Behaglichkeitsgrad zu
erreichen.
Im Bereich der Wärmeversorgung, ein
äußerst spannendes Thema, hat man
ebenfalls verschiedene Modelle durchgerechnet. Sie haben das Wort »Blockheizkraftwerk« in den Mund genommen: Im
Rahmen unsere Ermittlung wurde festgestellt, dass es nicht das wirtschaftlichste
und nicht das nachhaltige Modell ist, und
zwar aufgrund des geringen Energieverbrauchs dieser Immobilie. Die Wärme wird
daher ganz klassisch mit Gasbrennwertgeräten erzeugt.
Wir werden allerdings zusätzlich eine
Brennstoffzelle mit 100 kW elektrisch und
100 kW thermisch einsetzen. Warum
machen wir das? Zum einen ist es hoch
innovativ, und zum anderen erlaubt sie uns,
diese 100 kW bei Tag und Nacht zu nutzen.
Das heißt, sogar in der schwächsten Lastphase können wir sie nutzen, da wir 100 kW
stets für die Warmwasseraufbereitung
etc. benötigen. Und wir werden mit dieser
Brennstoffzelle auch unseren Brandschutz
in den Rechenzentren garantieren. Das ist
eine Innovation, mittlerweile zertifiziert und
ganz neu am Markt, die viele Vorteile bietet: Man benötigt keine teuren Löschanlagen in den Rechenzentren und hat eine
inerte Umgebung, in der überhaupt kein
Brand entstehen kann, was für eine noch
höhere Sicherheit sorgt.

Gibt es weitere Besonderheiten, die Sie
für unbedingt erwähnenswert erachten?
Damit meine ich im Übrigen nicht den
sogenannten Hybrid-OP, auf den in der
Tagespresse oft und gerne hingewiesen
wird, obwohl ein solcher Operationssaal
in den meisten modernen Kliniken vorzufinden sein dürfte.

Valentin
In Höchst werden wir generell den neuesten Stand der Technik bieten.
Zwei Themen, die das Haus von anderen
vielleicht abhebt, möchte ich allerdings
ansprechen: So sind hier alle Nasszellen
rollstuhlgerecht konzipiert, also etwas
geräumiger als nach der neuen DIN 18040
erforderlich. Und es gibt das »Höchster
Zimmer«, das kein abnormes Wissenschaftsmodell ist, sondern einfach ein
Patientenzimmer, das ein bisschen breiter
ist. Das hat den erheblichen Vorteil, dass
die Betten in solchen Zimmern reibungslos
aneinander vorbeikommen und sie sich
in Richtung Flur besser bewegen lassen,
außerdem erhöht es das Wohnklima. Dadurch wird der Bau des Krankenhauses
natürlich teurer, denn wir haben hier statt
des Standardachsmaßes von 7,50 m exakt
7,80 m. Das war bei der Projektierung ein
großer Diskussionspunkt, aber man hat
sich dafür entschieden, und ich glaube, es
war eine sehr gute Entscheidung, da es
sich später in der Betriebsorganisation
positiv darstellen wird.

[Umrisse]

Wiederspahn
Ich komme jetzt zu den beiden letzten
Aspekten, wobei ich mit einer Frage beginnen will, die tatsächlich dem Zeitgeist
geschuldet ist und einer im Prinzip absolut
unsinnigen, weil lediglich politisch motivierten Diskussion entspringt: Mittels welcher Vorkehrungen sorgen Sie dafür, dass
Ihr Großprojekt kosten- und termingerecht
realisiert wird? Dass eine GU-Vergabe
erfolgt ist, hatten Sie bereits zu Anfang
angesprochen …

Valentin
Ja, zum einen muss man sagen, dass bei
solchen hochkomplexen Projekten für
öffentliche Auftraggeber aus meiner Sicht
nur eine GU-Vergabe in Frage kommt. Das
resultiert vor allem aus dem Insolvenzrisiko, das ein öffentlicher Auftraggeber
anhand der Vergaberichtlinien nur sehr
unbefriedigend bearbeiten bzw. auf das er
nur sehr unbefriedigend reagieren kann.
Eine Insolvenz bedeutet ja stets Terminverzug, und Terminverzug heißt Kostenerhöhung.
Zum Zweiten muss man als Auftraggeber
und Bauherr sehr genau sein Bausoll kennen. Und das besagt: keine Veränderungen
mehr nach dem Beginn und während der
Bauphase, denn sonst entstehen unweigerlich Mehrkosten. Wir als Bauherr binden uns daher sehr stark im Hinblick auf
Zusagen für Entscheidungen, für einen
Bauablauf und auch im Hinblick auf die
Festlegung, den Bauablauf nicht durch
Änderungen zu behindern.
Darüber hinaus braucht man natürlich eine
sehr kompetente Projektsteuerung. Und:
Die im Bereich Gesundheitswesen tätigen
GUs haben sich sortiert, der Markt hat sich
verändert, ist kleiner geworden. Zugleich
muss man sagen, dass die heute anbietenden GUs bauen, ja gut bauen können. Wir
sind daher sicher, das Klinikum Höchst
termin- und kostengerecht zu errichten.

[Umrisse]

Karsten Valentin und Michael Wiederspahn im Dialog
© Paul Müller/Verlagsgruppe Wiederspahn

Wiederspahn
Dem »Building Infomation Modeling« oder,
in der Kurzform BIM, möchte ich mich zum
Abschluss widmen, da es ein Thema ist,
das immer mehr an Bedeutung gewinnt.
So haben wir im Frühjahr eine Ausgabe der
[Umrisse] mit dem Titel »BIM: von Anwendern für Anwender« erarbeitet, zu der auch
Stefan Traxler einen sehr interessanten
Beitrag beizusteuern wusste. Die Frage,
ob das neue Klinikum Höchst als ein hochkomplexes Projekt unter Anwendung dieser Methode realisiert wird, drängt sich
infolgedessen aus wenigstens zwei
Gründen auf.

Wiederspahn
Herr Valentin, ich bedanke mich ganz
herzlich für dieses Gespräch.

Valentin
Das integrale Planen und Dimensionieren
ist heute nahezu Standard. BIM ist natürlich mehr, wird aber aktuell weder von den
Honorarrichtlinien abgebildet noch von
den geldgebenden Institutionen gefördert.
So wird uns weder das Land Hessen die
BIM-Anwendung fördern, noch hatten wir
die Möglichkeit, zu sagen, wir bauen dieses Projekt in ganzheitlicher Definition
nach und mit BIM. Dafür waren die finanziellen Mittel einfach nicht vorhanden. Was
wir hingegen tun, ist, BIM Light zu nutzen,
indem dreidimensional geplant wurde und
die energetischen Betrachtungen mittels
dreidimensionaler Simulationen erfolgten.
Außerdem wird der Bau, so ist der momentane Diskussionsstand, BIM-ähnlich ausgeführt. Der GU ist dazu nicht verpflichtet,
er hat jedoch den Anspruch, das Gebäude
mit BIM Light zu verwirklichen.

[19

Erscheinungsbild der künftigen Niedrigenergieklinik
© wörner traxler richter

Eine Pionierarbeit in vieler Hinsicht
Der Neubau des Klinikums Frankfurt Höchst

Standard und Anspruch
Krankenhäuser sind Gebäude, die funktionieren müssen: sieben Tage pro Woche,
24 Stunden am Tag. Bislang waren sie deshalb akzeptierte Energieschleudern, aber
keine Bauwerke, die im besonderen Fokus
des Umgangs mit unseren Ressourcen
standen – obwohl ein herkömmliches
Krankenhaus mit 1.000 Betten den Energiebedarf von 1.300 Einfamilienhäusern
aufweist.
Die Stadt Frankfurt am Main setzt auf energieeffizientes Bauen und will nun zeigen,
dass dies nicht nur im Wohn- und Schulbau
möglich ist, sondern ebenso bei der Realisierung einer Klinik. Die Umsetzung ist
komplex, erfordert großes Wissen, eine
dynamische Planung, die Bereitschaft zum
interdisziplinären Arbeiten, frühzeitig konkrete Festlegungen seitens des Bauherrn,
Forschungsgeist und Geduld. Doch das

20]

lohnt sich, denn auch unter unternehmerischen Aspekten sind Energieeffizienz und
Nachhaltigkeit, nicht zuletzt in Bezug auf
die Betriebskosten des Gebäudes, neben
Zentralisierung und kurzen Wegen gewinnbringende Bestandteile der strategischen
Ausrichtung eines Krankenhauses.

Dynamische Planungsmethode
Es ist eine Pionierarbeit – eine der ersten
Niedrigenergiekliniken Europas im Frankfurter Westen zu planen und zu bauen.
Mit Hilfe einer sogenannten dynamischen
Planung soll das neue Klinikum trotz eines
engen Budgets, hoher architektonischkonzeptioneller Einzelanforderungen und
innovativen Technikanspruchs zu einem
grünen Leuchtturmprojekt im Herzen des
Frankfurter Stadtteils Höchst werden.
BIM ist eine solche »dynamische Planungsmethode«.

Mit BIM kann zumindest zum jetzigen
Zeitpunkt nach unserer Erfahrung nicht
schneller geplant werden, und BIM bedeutet auch keinen geringeren Planungsaufwand. Aber BIM schafft höhere Kostensicherheit durch eine verbesserte Kalkulationsgrundlage, geringere Planungskollisionen durch größere Transparenz
im Planungsgeschehen, kann Betriebsabläufe simulieren, für eine perfekte Gebäudedatendokumentation sorgen und Folgekosten, wie die Betriebskosten eines
Gebäudes, erheblich beeinflussen bzw.
verringern. Voraussetzung dafür war eine
genaue Ermittlung der Nutzungsprofile
aller Räume, sowohl in zeitlicher Hinsicht
als auch in Hinsicht auf die Nutzung der
medizinischen Einrichtungen.

[Umrisse]

Bei der Entwicklung des Neubaus »Klinikum Frankfurt Höchst« ließ sich durch die
Betrachtung der Raumlufttechnik über die
dynamische Planung definitiv das Volumen
der einzubauenden Gebäudeausrüstung
verringern. Denn über eine raumweise
Abbildung der »realen« Profile der Heizund Kühlleistungen, die raumweise Auswertung der Raumtemperaturen innerhalb
der Zeitverläufe und die Identifizierung
sogenannter Hot Spots im Haus, also von
Räumen mit hohen Kühllasten und bzw.
oder Raumtemperaturen, war es möglich,
eine passgenaue technische Ausrüstung
zu konzipieren. Und derart konnte im
Bereich der Stromversorgung gegenüber
einer auf klassischer Planung basierenden
Konzeption die Anzahl der Transformatoren
von sechs auf vier reduziert werden. Die
handfeste positive wirtschaftliche Auswirkung präsentiert sich hier bildhaft und
birgt sogar Effekte auf den städtebaulicharchitektonischen Entwurf.

Struktur des Neubaus
Der erste Spatenstich für den Neubau soll
im Juni dieses Jahres erfolgen. Ein Generalunternehmer übernimmt die bauliche
Umsetzung der Planungen des Architekturbüros wörner traxler richter aus Frankfurt
am Main. Dann erhält die Stadt einen
sechs Stockwerke umfassenden Neubau,
der flexibel auf kommende Herausforderungen reagieren kann.
Das aus vier miteinander vernetzten Querriegeln gebildete Klinikgebäude wird auf
ca. 34.500 m² Nutzfläche ca. 79.000 m²
Bruttogeschoßfläche, 664 stationäre und
61 intensivmedizinisch überwachte Betten
sowie 40 tagesklinische Plätze, zehn Operationssäle (OPs) und einen Hybrid-OP
beherbergen. Auf dem Klinikgelände wird
außerdem ein Gesundheitszentrum errichtet, während die Augenklinik, das im Stadtteil Höchst wohlbekannte, tiefrote Gebäude, in die bisherige Zentrale Notaufnahme
aus dem Jahr 2005 ziehen wird, die als
einziger Teil des jetzt bestehenden Klinikensembles langfristig erhalten bleiben soll.
Mit einer Fertigstellung des Neubauprojekts wird bis Ende 2018 gerechnet und
mit der Inbetriebnahme im ersten Halbjahr
2019.

[Umrisse]

Vergleich: klassische und »dynamische« Planung
© wörner traxler richter

Antwort auf
gesellschaftlichen Wandel
Die zwischen der Bauherrin, der Zentralen
ErrichtungsGesellschaft für das Klinikum
Höchst (ZEG), und den Architekten wörner
traxler richter im Vorfeld verfassten Planungsgrundlagen für den Neubau beinhalteten die Schaffung von zentralen Aufnahme- und Behandlungsstrukturen, die
konsequente Zusammenführung miteinander korrespondierender Funktionsstellen
und die architektonische Antwort auf die
zunehmende Bedeutung des demographischen Wandels in der Bevölkerung.
Erkrankte Menschen brauchen Zuwendung.
Besonders Kinder und Senioren benötigen
mehr als medizinische Höchstleistungen in
high-end-ausgestatteten Krankenhäusern,
um gesund zu werden. Eine liebevolle, respektvolle und umfassende Behandlung
schließt deshalb immer ein mit dem Alter

korrespondierendes Umfeld mit ein, das
die Rekonvaleszenz der verschiedenen
Patientengruppen unterstützt und die
unterschiedlichen Bedürfnisse kindlicher,
jugendlicher, älterer oder betagter Patienten nach Sicherheit, Rückzug und Freiraum
bewusst berücksichtigt. Wer, wie das Klinikum Frankfurt Höchst, seine Patienten
nicht nur medizinisch-pflegerisch, sondern
ebenso emotional begleiten will, der weiß,
dass auch das private Netz in den Therapiezusammenhang gehört, und fördert dessen aktive Beteiligung. Deshalb stehen die
Weichen im Klinikum Höchst auf Empfang,
und alle sind willkommen – über eine platzartige Eingangssituation, die das Entree
markiert und barrierefrei in das neue
Gebäude leitet.

Gebäudegliederung in Doppel-H-Form
© wörner traxler richter

[21

Entwicklung der baulichen Ausformung
© wörner traxler richter

Raumsituationen und Farbigkeit
© wörner traxler richter

Entwurf und Gebäudeentwicklung
Der Neubau verfolgt durch einen kompositorischen Dreiklang von Gebäudehülle,
Außenanlage und Innenarchitektur die
Ziele Orientierung, Differenzierung und
Kompetenz. Voraussetzung für die Realisierung jener Begriffe trotz der Komplexität
des Hauses sind Transparenz, menschliche
Dimensionierung und das Aufgreifen vertrauter Elemente in Wiederholungen oder
Modifizierungen.
Form und Format des Neubaus sind stark
durch die Größe und den Verlauf des zur
Verfügung stehenden Grundstückes
geprägt. Das mögliche Gebäudevolumen

wurde in seiner Höhen- und Breitenentwicklung, städtebaulich passend und den
Standort respektierend, geschliffen, einladend eingeschnitten und mittig ausgestanzt, um die natürliche Belichtung aller
Gebäudeteile, Transparenz und Orientierung zu sichern. Diese bauliche Ausformung bildet gleichzeitig die strategisch
idealtypische Organisation und Verknüpfung der Funktionsstellen nach.
Es entstehen innerhalb des Gebäudes
vertikale Schnittflächen, die im Bau als
Licht und Farbe reflektierende Glaswände
ausgeführt werden, während die tatsäch-

lich das Gesamtvolumen umfließenden
Frontflächen als Putzfassade in Grüntönen
behandelt werden. Die harte Sicherheit
vermittelnde Schalung des Hauses weicht
nach innen also einer weicheren, lichteren, spielerischeren Strukturierung und
Optik.
Nach Betreten des massiven Gebäudes
entwickeln sich sehr maßstäbliche Raumsituationen und eine Farbigkeit, die der
unterschiedlichen Klientel des Hauses den
Weg durch die unterschiedlichen Funktionalitäten weist.

Gebäudelängs- und -querschnitt
© wörner traxler richter

22]

[Umrisse]

Die Haupterschließung des Gebäudes,
das sich vertikal in einen Funktionssockel
und in die Pflegebereiche gliedert, erfolgt
horizontal über eine Magistrale über alle
Geschosse, die über sorgsam platzierte
Lufträume auch vertikal erlebbar und lesbar wird. Unmittelbar auffindbar entlang
der Magistrale liegen alle Adressen. Im
Zentrum des Gebäudes sind acht Personenaufzüge angeordnet, die alle gehfähigen Patienten, Besucher und Mitarbeiter
im Gebäude verteilen, komplettiert durch
zwölf Betten- und Logistikaufzüge entlang
der Magistrale.
Im Neubau werden alle angebotenen Disziplinen und die soziale Fürsorge unter einem
Dach abgebildet. Vernetzte Stationen und
einander ergänzende Therapiemöglichkeiten führen zu erhöhter Reaktionsfähigkeit
und kurzen Patientenwegen.
Die kurzen Wege im Haus sind nicht allein
für die Arbeitsprozesse, sondern bei komplexen Krankheitsbildern, die mit vielfältigen Untersuchungen verbunden sind,
ebenfalls von großer Bedeutung für das
Erleben des Krankenhausaufenthaltes.

Isometrische Darstellung der Funktionsverteilung
© wörner traxler richter

Denn lange Wege und banges Warten vor
geschlossenen Türen an unattraktiven
Orten gehören zu den prägendsten Negativereignissen im Zusammenhang mit einer
Erkrankung, egal ob der Patient auf Stippoder Langzeitvisite ist. Alle Bereiche im

neuen Klinikum sind rollstuhlgerecht und
dank einer über alle Ebenen wie ein Fluss
anmutende Magistrale in Blau ermutigend
schnell erreichbar, und die Wartebereiche
liegen wie Uferplätze am magistralen
Fluss.

Empfang und Magistrale mit Sitzgelegenheiten
© wörner traxler richter

[Umrisse]

[23

Grundrisse aller Ebenen
© wörner traxler richter

24]

[Umrisse]

Natürliche Belichtung im Inneren
© wörner traxler richter

Über die im Gebäudeinneren liegenden,
sich über verschiedene Geschosse erstreckenden Innenhöfe erfahren alle Orte und
sämtliche Wartebereiche eine natürliche
Belichtung und Anbindung. Die Höfe werden als visuelle Erlebnisräume gestaltet,
je nach Lage und Einblick leuchten sie in
Rot, Grün und Anthrazit. Das sind die Farben, die auch mit der äußeren Architektursprache des Hauses korrespondieren.
Die Leitstellen, wesentliche Ziele im Haus,
sind nach ein und demselben Prinzip entwickelt und verortet, je nach Bereich aber
unterschiedlich gefärbt bzw. materialisiert
worden. Wiedererkennung und Orientierung werden so sichergestellt.
Unterschiedliche Patientengruppen begegnen in ihren Bereichen unterschiedlicher
Gestaltung: Emotionale Begriffe aus dem
Umfeld der jeweiligen Klientel wurden
architektonisch interpretiert und in Material und Farbtongruppen nachvollzogen.

Leitstellen in unterschiedlichen Farben
© wörner traxler richter

Architektonische Interpretation emotionaler Begriffe
© brandherm + krumrey interior architecture

[Umrisse]

[25

Höchster Zimmer: größere Achsmaße
© wörner traxler richter

Das »Höchster« Pflegezimmer mit größeren Achsmaßen als üblich, Übernachtungseinrichtungen in jedem Kinderpatienten- oder Palliativzimmer, altersgerechte
Spielzimmer bzw. seniorengerechte Aufenthaltszonen, in denen alle verweilen,
sich bewegen und miteinander sprechen
können, inklusive der Ärzte und Pflegenden, gehören zum weiteren räumlichen
Angebot des Hauses.
Im Erdgeschoß, im Bereich der Kinderklinik, bietet in südlicher Ausrichtung ein
geöffneter Hof eine Freifläche, die zu Spiel
und Bewegung einlädt – als ein Ort der
Begegnung und Entspannung für alle.

Palliativzimmer mit Einrichtung
© wörner traxler richter

Anhand der planerischen Überlegungen
soll sich eine Atmosphäre entwickeln, die
auch den längere Zeit in der Klinik Bleibenden, ihren Angehörigen und Freunden zu
helfen vermag, weiter ihre sozialen Kon-

takte zu pflegen, Stress zu mindern und
Ängste abzubauen. Sie stabilisiert und
motiviert auch die in der Klinik Tätigen,
schützt sie und unterstützt ihre Arbeit
am Patienten.

Patienten- und Spielzimmer in der Kinderklinik
© wörner traxler richter

26]

[Umrisse]

Passivhaus-Koordination
FAAG Technik GmbH, Frankfurt am Main,
in Verbund mit wtr planungsgesellschaft mbH

Und in welcher Bedeutung sehen wörner
traxler richter die dynamische Planung in
diesem Zusammenhang? »Sie verhilft dem
Bauherrn in der Hand erfahrener Architekten zu guten Bauten mit angemessener
Technikausstattung in einem kalkulierbaren Kostenrahmen mit prognostizierbaren
Betriebskosten«, das lässt sich bereits
sagen.
Dr. Iphigenie Traxler
wörner traxler richter,
Frankfurt am Main

Innenarchitektur
brandherm + krumrey interior architecture, Köln,
in Verbund mit wtr planungsgesellschaft mbH
Bauherr
Klinikum Frankfurt Höchst GmbH, Frankfurt am Main
Bauherrnvertreter
ZEG Zentrale ErrichtungsGesellschaft mbH,
Frankfurt am Main
Finanzierung
Stadt Frankfurt am Main

Tragwerksplanung
R & P Ruffert Ingenieurgesellschaft mbH,
Frankfurt am Main,
in Verbund mit wtr planungsgesellschaft mbH
Brandschutz
HHP West Beratende Ingenieure GmbH, Bielefeld,
in Verbund mit wtr planungsgesellschaft mbH

Rechtsberatung
HFK Rechtsanwälte LLP, Frankfurt am Main

Technische Gebäudeausrüstung
Brendel Ingenieure GmbH, Frankfurt am Main,
in Verbund mit wtr planungsgesellschaft mbH

Projektsteuerung
BOS Projektmanagement GmbH, Frankfurt am Main
HDR TMK Planungsgesellschaft mbH,
Frankfurt am Main

Medizintechnikplanung
mtp Planungsgesellschaft für Medizintechnik mbH,
Frankfurt am Main,
in Verbund mit wtr planungsgesellschaft mbH

Architekten
wörner traxler richter planungsgesellschaft mbH,
Frankfurt am Main

Außenanlagen
Adler & Olesch Landschaftsarchitekten und
Ingenieure GmbH, Mainz

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[27

Notfallaufnahme mit Eingang zur Ambulanz, dahinter das Brückengebäude mit dem Bettenaufzug
© BBR/Andreas Meichsner

Langfristiger Ausbau mit Zwischenschritten
Interim-Notfallaufnahme für das Bundeswehrkrankenhaus in Berlin

Aus langer Tradition
Das Bundeswehrkrankenhaus in BerlinMitte dient als eines von fünf Bundeswehrkrankenhäusern der Bundesrepublik
Deutschland der medizinischen Versorgung sowohl von Bundeswehrangehörigen
als auch – als Teil der zivilen Regelversorgung des Landes Berlin – zivilen Patienten.
Es verfügt über eine Kapazität von maximal
370 Betten und umfasst 14 medizinischklinische Fachdisziplinen, darunter eine
Sektion Rettung und Notfallmedizin mit
einer interdisziplinären Notfallaufnahme
und Aufnahmestation.

28]

Seine wesentliche militärische Funktion
liegt neben der Patientenversorgung in
der Ausbildung für den Sanitätsdienst der
Bundeswehr. Als Einrichtung des Bundes
ist es zudem offizielles Krankenhaus der
Bundesregierung.
Die Geschichte der Liegenschaft reicht bis
1853 zurück, als das heutige Hauptgebäude
als zentrales Garnisonslazarett unter König
Friedrich Wilhelm IV. errichtet wurde. In
der Folge wurde das Gebäudeensemble
kontinuierlich umgebaut und erweitert und
steht heute in weiten Teilen unter Denk-

malschutz. In der Weimarer Republik wurde
die Liegenschaft als Staatskrankenhaus
der Polizei genutzt. Nach dem Zweiten
Weltkrieg diente das Krankenhaus der
Volkspolizei und dem Innenministerium
der DDR. Nach dem Fall der Mauer ging
die Liegenschaft in die Verantwortung der
Bundeswehr über, die den gesamten Versorgungskomplex 1991 offiziell als Bundeswehrkrankenhaus auswies. Seit dieser Zeit
wird sie durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) respektive
dessen Vorgängerinstitution betreut.

[Umrisse]

Die Gesamtanlage und ihr Ausbau
Der Krankenhauskomplex besteht im
Wesentlichen aus einer axialsymmetrischen Anlage von mehreren miteinander
verbundenen Baukörpern auf dem zentralen historischen Grundstück östlich der
Scharnhorststraße, in denen der medizinische Kernbereich sowie die Verwaltung
untergebracht sind.
Das Garnisonslazarett war ursprünglich als
U-förmige Anlage zur Scharnhorststraße
hin ausgebildet. Diese erfuhr in mehreren
Phasen, insbesondere in den 30er und 70er
Jahren des 20. Jahrhundert, zahlreiche
Erweiterungen. Heute bildet der an der
rückwärtigen Fassade des ehemaligen
Lazaretts anschließende Patientenpark
das Zentrum des Gesamtareals. Vor dem
Hintergrund der historischen Kulisse des
Altbaus und links und rechts gerahmt von
Flügelbauten aus späteren Zeiten, bietet
die grüne Oase in der zunehmend verdichteten Bebauung in Berlin-Mitte einen Ort
der Ruhe und Erholung. Die meisten dienenden Funktionen wie zum Beispiel Technikzentralen, aber auch Wohnheime, Parkplätze und eine Hubschraubernotlandefläche befinden sich auf direkt angrenzenden, später zur Liegenschaft hinzugekommenen Flächen.

Rückwärtige Fassade des denkmalgeschützten Ursprungsbaues
© BBR/Andreas Meichsner

Um den hohen, sich verändernden Anforderungen als Notfall- und Bundeswehrkrankenhaus sowie als Ausbildungsstätte
gerecht werden zu können und dabei zeitnah flexibel auf die mittlerweile sehr kurzen Entwicklungszyklen in der Medizintechnik reagieren zu können, ist ein kontinuierlicher Baubetrieb erforderlich. Dieser
umfasst auch die für einen reibungslosen
Betrieb notwendige vielschichtige Infrastruktur wie zum Beispiel Labore, Apotheken, die Zentralsterilisation, die Kranken-

hausküche, Verwaltungsbereiche, den
Wirtschaftshof und die Technikzentralen.
Sie alle fortlaufend neuen Erfordernissen
anzupassen und notwendige Um- und
Erweiterungsbauten in das komplexe
Gefüge einzupassen, stellt in einer historisch gewachsenen Liegenschaft mit teilweise denkmalgeschützter Bausubstanz
eine besondere Herausforderung dar,
zumal alle baulichen Interventionen bei
laufendem Betrieb erfolgen müssen und
daher eine weit vorausschauende Planung
erfordern. Als Grundlage der langfristigen
Entwicklung dient daher eine 2004 detailliert erstellte und seither regelmäßig fortgeschriebene, in drei Phasen eingeteilte
Zielplanung, die bis in das Jahr 2037 reicht.

Von den späteren Flügelanbauten eingefasster Patientengarten,
links der vorgesetzte Verbindungsgang zur Notfallaufnahme
© BBR/Andreas Meichsner
Lageplan des Gesamtareals mit Notfallaufnahme (rot)
© Heinle, Wischer und Partner

[Umrisse]

[29

Kopfseite der Notfallaufnahme mit dem vorgelagerten überdachten An- und Abfahrbereich für die Rettungswagen
© BBR/Andreas Meichsner

30]

Neubau der Notfallaufnahme

Baukörper und Fassaden

Die Notfallaufnahme stellt die zentrale
Anlaufstation zur Aufnahme von neuen
Patienten dar und hat somit für den Betrieb
und die Auslastung des Krankenhauses
eine hohe Bedeutung. Ihr Neubau wurde
erforderlich, da die ursprüngliche Unterbringung dem gestiegenen Bedarf nicht
mehr genügte und zudem technisch überholt war. In der Zielplanung ist die Notfallaufnahme langfristig in einem neuzuerrichtenden medizinischen Multifunktionsgebäude in direkter räumlicher Nähe
zum Operationsbereich (OP-Bereich) vorgesehen. Da dieses Bauvorhaben unter
anderem aufgrund der aktuell begrenzten
Flächenkapazität und daraus resultierenden baulichen Abhängigkeiten jedoch voraussichtlich erst 2025 abgeschlossen sein
wird, wurde zwischenzeitlich der Neubau
einer Interim-Notfallaufnahme notwendig.
Auf insgesamt ca. 800 m² Nutzfläche finden
hier eine Aufnahmestation mit zentralem
Monitoring, ein Bereich zur Schockbehandlung mit eigenem Computertomographen
(CT) für Schwer- und Schwerstverletzte,
ein Eingriffsraum sowie Untersuchungsund Behandlungsräume für ambulante
Patienten Platz. Die Behandlung in der
Notfallaufnahme ist für maximal 24 Stunden ausgelegt. Danach wird der Patient
entweder entlassen oder in die zuständigen medizinischen Abteilungen des
Krankenhauses verlegt.

Der Baukörper setzt sich, durch die Funktionen der einzelnen Bereiche bestimmt,
aus mehreren Bauvolumen zusammen.
Die medizinischen Untersuchungs- und
Behandlungseinheiten sind ebenengleich
im eingeschossigen Hauptbaukörper angeordnet. Die dienende Haustechnik ist im
darüberliegenden, gestaffelt zurückversetzten Technikgeschoß untergebracht.

Die erforderliche schwellenfreie Anbindung an die weiteren medizinischen Bereiche des Krankenhauses erfolgt im Erdgeschoß über einen Verbindungsgang, der
direkt an die Radiologie-Station anschließt
und im weiteren zum OP-Bereich führt. Ein
Brückengebäude mit Bettenaufzug bindet
im ersten Obergeschoß an eine Bettenstation und im zweiten Obergeschoß an
die Intensivstation an. Die Liegendanfahrt
mit ihrem Wetterschutz ist in den Hauptbaukörper integriert.

Patienteneingang (links) und Einfahrt für die Rettungsfahrzeuge
© BBR/Andreas Meichsner

[Umrisse]

Notfallaufnahme und Anschluss an den Trakt mit Radiologie und
Intensivstation über das Brückengebäude und den Verbindungsgang
© BBR/Andreas Meichsner

Da die Notfallaufnahme an einen der
beiden den Patientenpark umfassenden
Flügelbauten anschließt und in direkter
Nachbarschaft zu der denkmalgeschützten historischen Fassade des Lazarettbaus
liegt, war bei der Fassadengestaltung eine
hohe gestalterische Sensibilität gefordert.
Der Entwurf des Architekturbüros Heinle,
Wischer und Partner aus Berlin fügt sich
in seiner zurückhaltenden Architektursprache und mit einer flächenbetonten Fassade
von dezenter Farbigkeit unaufdringlich in
das Denkmalensemble ein. Mit der Entscheidung für Faserzementpaneele wurde
auch optisch eine angemessene Materialität für ein Provisorium in historischem
Kontext gefunden.

Notfallaufnahme als Solitär
© BBR/Andreas Meichsner

[Umrisse]

Provisorische Erschließungen mit räumlichen Verschneidungen:
von der Notfallaufnahme ausgehende Anbindungen an die weiteren Krankenhaustrakte
© BBR/Andreas Meichsner

Der Hauptbaukörper mit seiner klaren Geometrie ist farblich durch einen leicht changierenden, mehrheitlich hellgrünen Ton mit
lichtgrauen Akzentuierungen definiert, der
das Umgebungsgrün des Parks widerspiegelt. Die Verbindungsbauten hingegen
nehmen die Farbigkeit der Natursteinfassade sowie das horizontale Fugenbild des
angrenzenden Bestandsgebäudes auf. Die
versetzt angeordneten Paneele der Stülpschalung des Hauptbaus betonen in Verbindung mit den asymmetrisch angeordneten Fensterbändern die Solitärform.
Die Zugänge sind hier durch orange Aluminiumpaneele stark hervorgehoben und
markieren so auch für ortsunkundige
Personen die Eingänge.

[31

Längsschnitt der Notfallaufnahme mit Bettenaufzug und Brückengebäude
© Heinle, Wischer und Partner

Grundriss des ersten Obergeschosses (Technikzentrale)
© Heinle, Wischer und Partner

Grundriss des Erdgeschosses mit eingetragenen Wegeführungen
© Heinle, Wischer und Partner

32]

[Umrisse]

Grundriss und Innenräume
Das Gebäude wird über die innere Erschließungsstraße für Rettungswagen,
Privat-Pkw und einen parallel verlaufenden
Fußweg erreicht. Die innere Organisation
und Wegeführung ist darauf ausgelegt, die
Bereiche für ambulante Patienten und für
schwere liegend transportierte Notfälle
weitgehend getrennt zu halten. Rettungswagen fahren an der seitlich angelagerten,
sichtgeschützten überdachten Liegendanfahrt vor, von wo aus der Patient über
die Triage in das Gebäude gebracht wird.
Patienten, welche mit dem privaten Fahrzeug gebracht werden, werden an der
Anmeldung mit dem angegliederten Wartebereich in Empfang genommen. Zudem
stehen mehrere Behindertenparkplätze in
direkter Nähe zum Eingang zur Verfügung.

Triagebereich vor dem Schockraum
© BBR/Andreas Meichsner

Im Zentrum des Gebäudes befinden sich
die medizinischen Kernbereiche Schockraum und Eingriffsraum. Der übergreifend
als Schockraum bezeichnete Bereich liegt
direkt an der Triage und ist ausgestattet
mit einem eigenen CT-Raum, einem Elektrokardiogramm (EKG), einer Röntgenanlage
sowie Deckenversorgungseinheiten und

OP-Leuchten. Hier können Schwerstverletzte sofort umfassend untersucht und
versorgt werden, ohne dass Zeit für den
Transport in die Fachabteilung der Radiologie oder den eigentlichen, im Haupthaus
gelegenen Operationstrakt verlorengeht.
Der aseptische Eingriffsraum mit Deckenversorgungseinheiten, OP-Leuchten und
mobilem Röntgengerät ist vornehmlich für
Katastrophenfälle vorgesehen. Er liegt im
westlichen Gebäudeteil und wird durch
Vorbereitungsräume und Personalumkleiden angedient. Alle weiteren Bereiche liegen natürlich belichtet an Außenfassaden.
Im südlichen Teil sind der Untersuchungsund Behandlungsbereich und im nördlichen Teil eine Aufnahmestation mit sieben
Behandlungsplätzen angeordnet. Sie sind
verbunden durch den Gang mit dem zentralen Monitoring-Tresen zur Patientenund Instrumentenüberwachung. An der
Westfassade liegen die Diensträume des
medizinischen Personals.

Ausstattung des Schockraums
© BBR/Andreas Meichsner

[Umrisse]

[33

Ambulanter Untersuchungsbereich
© BBR/Andreas Meichsner

Untersuchungsbereich mit stationärer 24-h-Aufnahmemöglichkeit
© BBR/Andreas Meichsner

Konstruktion und Brandschutz
Um die neue Notfallaufnahme in kürzester
Zeit realisieren zu können, wurde entschieden, sie in Systembauweise zu erstellen.
Da eine Unterkellerung nicht erforderlich
war, wurde eine vorgefertigte Stahlkonstruktion auf einer frostsicher gegründeten
Bodenplatte mit einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade gewählt. Nur im Bereich
des rückversetzten Staffelgeschosses
wurde aus Kostengründen ein Wärmedämmverbundsystem aufgebracht.

34]

Der Innenausbau ist konventionell in
Leichtbauweise ausgeführt. Lediglich die
Bereiche, in denen sich die Röntgengeräte
und der Computertomograph befinden,
wurden im Ausbau entsprechend einem
erforderlichen Strahlenschutzkonzept
baulich abgeschirmt. Aus Gründen der
Revisionierbarkeit sind die abgehängten
Decken weitestgehend als Element- oder
Kassettendecken ausgeführt.

Im Brandschutzkonzept wurde das Erdgeschoß als ein Brandabschnitt mit zwei
Rauchabschnitten konzipiert. Aufgrund
der zahlreichen erdgeschossigen, direkt in
das Freie führenden Ausgänge konnten die
gesetzlichen Anforderungen an Rettungswege sogar übererfüllt werden. Eine eventuell notwendig werdende Evakuierung von
hilfsbedürftigen Patienten ist aufgrund des
rund um die Uhr anwesenden Personals
gewährleistet. Gemäß den Auflagen an
den anlagentechnischen Brandschutz sind
eine flächendeckende Brandmeldeanlage
sowie eine Alarmierungsanlage installiert.

[Umrisse]

Zentraler Monitoring-Tresen der Notfallaufnahme
© BBR/Andreas Meichsner

Projektorganisation

Technische Gebäudeausstattung
Die Haustechnikplanung des Büros KMG
Ingenieursgesellschaft für Gebäude- und
Versorgungstechnik sieht das komplette
Obergeschoß als Technikzentrale vor.
Eine zentrale Teilklimaanlage versorgt alle
Bereiche mit mechanischer Be- und Entlüftung. Eine zentrale Kälteanlage ist angebunden an die Lüftungsanlage, Umluftkühlgeräte in den medizinischen Kernbereichen sowie an den Computertomographen.
Die Wärmeversorgung erfolgt über das
bestehende Fernwärmenetz und die Raumheizung mittels Flachheizkörpern in Hygieneausführung. Eine Batterieanlage sichert
im Notfall die unterbrechungsfreie Stromversorgung der lebenswichtigen medizinischen Geräte.
Alle medizinischen Bereiche sind mit
Anschlüssen für medizinische Gase ausgestattet. Die medizinischen Geräte des
Schockraums werden im separaten Schaltraum gesteuert. Die Daten der medizinischen Geräte der Aufnahme sowie der
Untersuchungs- und Behandlungsbereiche
laufen am 24 Stunden besetzten zentralen
Monitoring-Tresen zusammen.

Zur beschleunigten Umsetzung aufgrund
medizinischer Dringlichkeit wurde die
Maßnahme in 2012 inklusive der Planungsleistungen ab Ausführungsplanung auf
Grundlage einer Genehmigungsplanung
sowie einer Funktionalen Leistungsbeschreibung an einen Generalunternehmer
zur Umsetzung in Systembauweise vergeben. Im Februar 2014, drei Monate vor dem
geplanten Übergabetermin, meldete der
Generalunternehmer Insolvenz an. Der
festgestellte Leistungsstand ließ jedoch
eine Fertigstellung im Terminplan bei weitem nicht erwarten. Infolgedessen musste
durch das BBR in einer Kraftanstrengung
innerhalb kürzester Zeit die Projektorganisation grundlegend neu aufgestellt, der
erreichte Planungs- und Bautenstand
erfasst und die Restleistungen und Mängelbeseitigung für Bau- und Planungsleistungen vergeben werden, so dass der
Baubetrieb im Mai 2014 wiederaufgenommen werden konnte.
Der Neubau konnte dem Nutzer im Dezember 2014 übergeben werden. Nach krankenhausinterner medizinischer Ausstattung und Probebetrieb wurde im März 2015
der Betrieb aufgenommen. Seitdem verfügt
das Bundeswehrkrankenhaus über eine
moderne und hervorragend ausgestattete
Notfallaufnahme zur bestmöglichen Versorgung von zivilen und militärischen
Patienten.
Michael Cordes
Dipl.-Ing. Architekt
Bundesamt für
Bauwesen und Raumordnung,
Berlin

[Umrisse]

Bauherr
Bundesrepublik Deutschland,
vertreten durch das
Bundesministerium der Verteidigung,
vertreten durch das
Bundesamt für Bauwesen
und Raumordnung (BBR), Berlin
Projektleitung: Michael Cordes
Referatsleitung: Michael Berg
Nutzer
Bundeswehrkrankenhaus Berlin
Entwurf
Heinle, Wischer und Partner,
Freie Architekten GbR, Berlin
Ausführungsplanung
designyougo Gesellschaft von Architekten mbH,
Berlin
Tragwerksplanung
Dierks, Babilon und Voigt, Ingenieurbüro
für Tragwerksplanung, Berlin
Prüfstatik
Dr.-Ing. Reinhard Gietzelt, Berlin
Objektüberwachung
PB Projektmanagement Bräuling GmbH, Berlin
Projektsteuerung
DGS Ingenieurbüro für Bauwesen, Berlin
Ingenieurbüro Dipl.-Ing. Thomas Voigt GmbH, Berlin
Landschaftsarchitekten
Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten GmbH,
München
Brandschutz
A-W-K Ingenieurbüro Arndt-Weiher-Koch, Berlin
Technische Gebäudeausrüstung
KMG Ingenieurgesellschaft für Gebäudeund Versorgungstechnik mbH, Berlin, Köln
Medizintechnik
hospitalia international gmbh, Bad Homburg

[35

Gebäude für die Innere Medizin und die Psychiatrie nach Fertigstellung
© Michael Heinrich

Bündelung der medizinischen Kompetenzen
Zusammenlegung und Neubauten der Kliniken in Kempten

Situation und Entwurf
Die Architekten Felix + Jonas aus München gewannen im Jahr 2009 den Realisierungswettbewerb für die Erweiterung
des Klinikstandortes. Dort gab es bereits
mehrere Klinikgebäude unterschiedlichen
Baualters.

Zu planen waren Erweiterungsbauten für
die Notaufnahme mit Hubschrauberlandeplatz, die Funktionsdiagnostik, die Endoskopie, die Kardiologie sowie die Röntgendiagnostik. Des Weiteren war das Bezirkskrankenhaus mit 120 stationären Betten,
teilstationären Funktionsstellen und Therapieeinrichtungen sowie der Psychiatrischen Institutsambulanz anzubinden.

Einleitung
Am Standort des Klinikums Kempten wurden für die Bezirkskliniken Schwaben und
das Klinikum Kempten-Oberallgäu gGmbH
mehrere Neubauten errichtet, die eine
hochwertige Versorgung der Patienten
gewährleisten. Mit dem Zusammenlegen
der beiden Kliniken auf dem Areal an der
Robert-Weiler-Straße konnten die Kompetenzen der medizinischen Betreuung an
einem Standort gebündelt werden.
Das Bauvorhaben bestand aus drei zusammenhängenden Gebäuden, die abschnittsweise hergestellt und an die Nutzer übergeben wurden. Gleichzeitig ist der Haupteingang umfassend umgestaltet und das
vorhandene Funktionsgebäude saniert
worden.

36]

Zentrale Notaufnahme samt Hubschrauberlandeplatz
© Michael Heinrich

[Umrisse]

Im Zuge der Planung wurde ein Konzept
mit drei Bauabschnitten entwickelt: Die
Neubauten werden über den bestehenden,
aber aufgewerteten Haupteingang und
eine neue Magistrale erschlossen. Der
neue Hubschrauberlandeplatz auf dem
Dach und die zentrale Notaufnahme mit
gebündelter Diagnostik sowie möglichst
kurze Wege zu Operations- und Intensivbereichen waren bestimmend für die Platzierung der Funktionen. Die neuen Zentralen für die Haustechnik werden gemeinsam von beiden Bauherren genutzt.
Das zur Verfügung stehende Gelände hat
ein starkes Gefälle, was sich auch durch
die unterschiedlichen Geschosse und
Untergeschosse der angrenzenden
Bestandsgebäude abbildet.

Der Bestand umfasste
– Gebäude A:
Bettenhaus,
– Gebäude B:
Bettenhaus,
– Gebäude C:
Frauen- und Kinderklinik,
– Gebäude F:
Arztdienst, Onkologie, Verwaltung,
Lager usw.,
– Gebäude D:
Intensivmedizin und zentraler
Operationssaal.

Als gemeinsame Bauabschnitte der
Bezirkskliniken Schwaben und des Klinikums Kempten-Oberallgäu waren folgende
Neubauten zu errichten:
– Gebäude E 4b:
Hubschrauberlandeplatz,
Innere Medizin, Psychiatrische
Institutsambulanz,
– Gebäude E 5:
Notaufnahme, Radiologie,
Technikzentrale,
– Gebäude E 6:
Psychiatrie mit erdüberdeckter
Mehrzweckhalle.
Die Umsetzung der Maßnahme erfolgte in
mehreren Bauabschnitten, wobei in allen
Bauphasen der aufrechtzuerhaltende Klinikbetrieb berücksichtigt werden musste.
Provisorien und Interimsnutzungen waren
dabei genauso zu beachten wie funktionale und technische Zwischenzustände.

Anordnung der einzelnen Baukörper
© Felix + Jonas Architekten GmbH

[Umrisse]

[37

Ebene 1 mit angrenzendem Bestand
© Felix + Jonas Architekten GmbH

38]

Tragkonzept

Einordnung des Gebäudes E 5

Die einzelnen Baukörper wurden von den
Tragwerksplanern Leonhardt, Andrä und
Partner aus Stuttgart als regelmäßige
Stahlbetonkonstruktionen entworfen, bei
denen die Lasten mit Flachdecken über
Stützen und Aussteifungswände in die
Gründung eingeleitet werden. Auf Abfangekonstruktionen konnte weitgehend
verzichtet werden. Alle Trennwände sind
nichttragend und damit flexibel in ihrer
Lage.
Insbesondere in den Bereichen mit hoher
Installationsdichte war es das Entwurfsziel,
möglichst flexible, nachrüstbare Durchbruchzonen zu definieren. So liegt zum Beispiel die Vielzahl der Deckendurchbrüche,
die in den Bereichen der Nasszellen erforderlich sind, nicht in der statisch relevanteren und damit kostenintensiveren Stützennähe, sondern in Feldmitte der Stahlbetondecken. Die Gründung wurde mit
Bohrpfählen bis in die Schichten des
tragfähigen Baugrunds geführt.
Für die Tragwerksplaner ergab sich aufgrund der bereits bestehenden Gebäude
die spannende Aufgabe, mit möglichst
geringen Eingriffen in die Bestandsstruktur
den Lastabtrag der neuen Konstruktionen
zu konzipieren.

Ausgangssituation für das Gebäude E 5
war, dass das angrenzende Bestandsbauwerk D nicht für den aus der Hanglage des
Geländes resultierenden einseitigen Erddruck von ca. 12 m Höhe bemessen war.
Dieser Erddruck wurde von einer aufgelösten Bohrpfahlwand mit Spritzbetonschale aufgenommen, deren Pfähle durch
jeweils zwei vorgespannte Ankerlagen im
Baugrund horizontal gehalten waren. Die
16 m langen Anker lagern mit ihren Verpresskörpern unter dem Baukörper des
geplanten Neubaus E 5.

Zusätzliche Lasten durch ein mehrgeschossiges Gebäude konnten von der vorhandenen Bohrpfahlwand nicht aufgenommen werden. Gleichzeitig galt es, das neue
Gebäude in der Höhenlage so zu platzieren, dass keine Unterfangungen für das
Bestandsgebäude A notwendig wurden.

Gebäude E 5: Systemschnitt des Zwischenbau-Zustands
© Leonhardt, Andrä und Partner AG

[Umrisse]

Nach einer Vielzahl von Variantenuntersuchungen ergab sich folgendes Konzept:
Die Horizontalkräfte aus Erddruck, die auf
die bestehende Bohrpfahlwand wirkten,
wurden über neue Zugbänder direkt in die
neuen, außerhalb der Anker liegenden
Gründungspfähle eingeleitet und von ihnen
über Querbettung aufgenommen.
Für die Ausführung der Gründung des
Gebäudes E 5 wurde dafür folgender
Bauablauf entwickelt:
– Erstellen eines Planums auf dem
Gelände des Gebäudes oberhalb der
obersten Ankerlage.
– Zwischen den bestehenden Bohrpfählen wurden neue Bohrpfähle
(d = 1,20 m) gebohrt. Beide Ankerlagen
blieben wirksam, und die bestehende
Bohrpfahlwand hatte nach wie vor ihre
volle Tragfähigkeit.
– Das Gelände wurde auf die endgültige
Höhe der Bodenplatte abgegraben.
Dabei wurde die obere Ankerlage der
Bestandsbohrpfahlwand entspannt.
Die bestehende Bohrpfahlwand trägt
durch die Einspannung im Boden und
den verbleibenden unteren Anker die
Last der anstehenden Erde.
– Abbruch des bestehenden Pfahlkopfbalkens und der Bestandspfähle bis
Oberkante der neuen Gründungebene.
– Die Pfahlköpfe »Bestand« und »Neu«
wurden durch einen Pfahlkopfbalken
miteinander verbunden. Die Verankerung des Zugbandes wurde in den
neuen Pfahlkopfbalken einbetoniert.
– In den Achsen A-A, A-B und A-C
wurden die Gründungspfähle gebohrt
und betoniert.
– Im Bereich dieser Pfähle wurde die
neue Bodenplatte mit den bereits
eingelegten Zugbändern betoniert.
– Die Zugbänder, die jeweils zwischen
den Achsen liegen, wurden zwischen
dem Pfahlkopfbalken und der neuen
Bodenplatte durch Spannschlösser
miteinander verbunden und
einbetoniert.
– Entspannen der Bestandsanker.
– Zwischen den Zugbändern in den
Achsen A-D und A-E wurden die
Bohrpfähle zur Gründung des
Gebäudes E 5 eingebracht.

Freilegen der Bestandsbohrpfahlwand am Gebäude D
© Leonhardt, Andrä und Partner AG

Gebäude E 5 und Magistrale: Systemschnitt mit Endzustand
© Leonhardt, Andrä und Partner AG

Grundriss und Gründung von Gebäude E 5
© Leonhardt, Andrä und Partner AG

[Umrisse]

[39

Psychiatrie mit erdüberdeckter Mehrzweckhalle
© Michael Heinrich

Überbauen des Bestands
Die Anordnung der neuen Magistrale für
die Anbindung der Neubauten E 4b, E 5,
und E 6 war im Grundriss durch die Lage
von Aufzügen und Treppen im Bestandsgebäude A vorgegeben. Damit wurde es
erforderlich, Flurebenen des vorhandenen
Gebäudes D zu überbauen.

Dieser Bestandsflur konnte jedoch keine
zusätzlichen Lasten aus der Aufstockung
aufnehmen. Eine zusätzliche Herausforderung war der laufende Betrieb im Gebäude
D, in dem die Operationssäle funktionsund einsatzfähig bleiben mussten.
Mit lastumlenkenden Wandscheiben wurden die Lasten aus der neuen Magistrale in
die neue Gründung geführt und Verstärkungen im Bestand vermieden.

Hubschrauberlandeplatz
Auf dem Gebäude E 5 befindet sich der
Hubschrauberlandeplatz: Das Gebäude
wurde von der Plattform für den Hubschrauber schwingungstechnisch entkoppelt. Die Decke des Landeplatzes wurde
mit Stahlbetonhalbfertigteilen ausgeführt,
so dass hierfür keine zusätzlichen Schalungsarbeiten notwendig wurden. Seine
Deckschicht ist zudem beheizt, um Vereisungen im Winter zu verhindern.

Mehrzweckhalle …
© Michael Heinrich

40]

[Umrisse]

Resümee
Die Fertigstellung und Inbetriebnahme der
ersten Bauabschnitte erfolgten im Jahr
2012, die letzten Abschnitte wurden 2015
feierlich übergeben.
Besonders hervorzuheben ist, dass es hier
zwei Bauherren gelungen ist, gemeinsam
einen Standort weiterzuentwickeln und
über einen Haupteingang die Gebäude
zu erschließen und zu nutzen. Mit der
»Einhäusigkeit« für das Klinikum KemptenOberallgäu und der Integration der Bezirkskliniken konnte die Versorgung der Patienten in der Region Kempten-Oberallgäu
maßgeblich verbessert werden.
Dipl.-Ing. Katrin Lünser
Leonhardt, Andrä und Partner
Beratende Ingenieure VBI AG,
Stuttgart

Hubschrauberlandeplatz als »Dachabschluss«
© Michael Heinrich

Bauherren
Klinikum Kempten-Oberallgäu gGmbH, Kempten
Bezirkskliniken Schwaben, Augsburg
Architekten
Felix + Jonas Architekten GmbH, München
Bauüberwachung
Architekturbüro Unzeitig, Sonthofen
Landschaftsarchitekten
Mahl-Gebhard-Konzepte Landschaftsarchitekten
BDLA, München
Tragwerksplanung
Leonhardt, Andrä und Partner,
Beratende Ingenieure VBI AG, Stuttgart
Bauphysik
Jürgen Troue Ingenieurbüro für Bauphysik &
Akustik, Göppingen

[Umrisse]

Heizung, Lüftung, Sanitär
IBDG Ingenieurbüro für Haustechnik GmbH,
Waltenhofen
Elektrotechnik
Ingenieurbüro Gutmann Elektroplanung GmbH,
Kempten
Bodengutachten
Geo-Consult Sauter + Stüber GmbH, Blaichach
Prüfingenieur
Dipl.-Ing. Norbert Nieder, Kempten

[41

Parametrische (T)Raumgestaltung als Neuansatz
Pilotprojekt zur Entwicklung patientengerechter Intensivstationen

Weiche und »fließende« Formen …
© Tobias Hein

Einfluss von Raumwirkungen
Raumwirkungen und deren Einfluss auf das
physische Befinden sind Stiefkinder der
sogenannten Krankenhausarchitektur: Die
Tatsache, dass wir nicht von »Bauten für
die Gesundheit« reden, spricht Bände. Seit
Jahren allerdings stellen Anästhesisten
und Stationsärzte empirisch die negativen
Einflüsse steriler und rein funktional ausgestatteter Räumlichkeiten auf Patienten fest,
und zwar gerade auf solche, die in Intensivstationen liegen. Mehr und mehr wird
deutlich, dass die Wirkung des Raumes
und in dem Zusammenhang insbesondere
das Gefühl des Ausgeliefertseins, welches
durch Nüchternheit und reine Funktiona-

42]

lität entsteht, eine Atmosphäre allgemeiner
Nervosität und fehlender Privatsphäre,
aber ebenso fehlendes Tageslicht und eine
als aggressiv erlebte Akustik, Stress auslösen und dadurch starken Einfluss auch
auf den körperlichen Heilungsverlauf nehmen. Solche Phänomene sind Mitverursacher noch viel dramatischerer Effekte
wie des häufigen Auftretens des »Delir«,
welches kognitive Langzeitschäden, Pflegefall- und hohe Rückfallraten nach sich
ziehen kann. Hier geht es um das nächtliche Schlafverhalten und die Fähigkeit
zur physischen und psychischen Tagesaktivität.

Trotz jener medizinischen Erkenntnisse
handelt es sich bei der Ausnahmesituation
maximaler psychischer Verletzbarkeit um
eine im architektonischen Diskurs überwiegend verdrängte Raumerfahrung. Höchste
Zeit also für die Revision einer Situation,
für die als Zielgruppe im Prinzip jeder
Mensch in Frage kommt.

[Umrisse]

Identifizierung aller Parameter

Im Rahmen einer dreijährigen Entwicklungsarbeit hat das Architekturbüro Graft
in Zusammenarbeit mit der Charité Berlin
zwei Zimmer der Intensivstation 8i des
Virchow-Campus entworfen. Zu deren Realisierung wurde das Forschungsprojekt
»Parametrische (T)Raumgestaltung« aufgesetzt, an dem die Firma Art + Com für
den Mediencontent verantwortlich zeichnet. Die primär aus der Perspektive der
Patienten konzipierten Zimmer wurden im
Oktober 2013 fertiggestellt und kurz darauf
zum ersten Mal belegt.
Die Durchführung dieses Projekts zur
Bekämpfung von Angst, Desorientierung
und Stress sowie zur Förderung des natürlichen Schlafes auf Intensivstationen
erfolgt unter finanzieller Beteiligung des
Bundeswirtschaftsministeriums.

Wie kann in einer Atmosphäre der Dramatik, der Nervosität und des Notfalls die
Architektur dazu beitragen, dass Wohlbefinden und Genesung der Patienten sich
auf allen Ebenen verbessern?
Im Vorfeld der eigentlichen Planungen
wurden von den Architekten sämtliche
(innen)architektonischen Faktoren im Dialog mit Ärzten und Pflegekräften auf ihren
Einfluss auf Wahrnehmung, Psyche, Wohlbefinden und Heilungsverlauf hin unter-

sucht. Nach einer ersten Phase der Identifizierung aller wesentlichen Einflussparameter auf messbare Zustandsdaten der
Patienten, wie unter anderem Lichtverhältnisse, Akustik, Pflegeabläufe, allgemeine
Wahrnehmung des Zimmers, der Präsenz
von Geräten und insbesondere der Oberflächen im Blickfeld des Patienten (Decke
und gegenüberliegende Wand), wurden
diese Zimmer Schritt für Schritt räumlich
entwickelt.

Blickfeldfüllender Bildschirm über dem
Patientenbett als zentrale Komponente
© Tobias Hein

[Umrisse]

[43

Grundriss
© Graft Gesellschaft von Architekten mbH

Schnitt
© Graft Gesellschaft von Architekten mbH

Architektur für die Gesundheit
»Parametrische (T)Raumgestaltung« zielt
schon im Titel auf den Wunsch nach positiv
besetzter Umgebung, nach gutem Schlaf
und dem Gefühl des Aufgehobenseins in
einer so weit wie nur irgend möglich
geschützten Privatsphäre.
Im Innenraumkonzept sorgen daher unerwartet weiche und fließende Formen sowie
die Verwendung von großformatigen Holzoberflächen und dunklen Fußböden für eine
wohnliche und auf Intensivstationen bisher
ungekannte Atmosphäre. Indirektes Licht
und ein individuell steuerbares Lichtkonzept erzeugen hier zugleich eine angenehme Behaglichkeit. Besonderes Augenmerk
liegt zudem auf dem optischen Verschwinden technischer Geräte und Versorgungsleitungen im Hinter-Kopf-Bereich des Patienten. Ein Patienten-Lift erleichtert außerdem die Mobilität der Patienten, während
individuell nutzbare Möbel und Sichtschutz
für die wichtige Privatsphäre sorgen.
Ausstattung und Betreuungssituation der
Zimmer erinnern trotz »State of the Art«Technologie deshalb eher an ein Hotel als
an ein Krankenhaus.

44]

LED-Screen: Szenarien und Regelung
© Graft Gesellschaft von Architekten mbH

[Umrisse]

Verwendung von großformatigen Holzflächen und dunklen Fußböden
© Tobias Hein

Aus der Patientenperspektive heraus trat
schon zu Anfang des Projektes vor allem
die Decke über dem Patientenbett in das
Blickfeld. Zentrale Komponente des Zimmer-Konzepts ist daher ein das Blickfeld
über dem Patienten füllender großformatiger LED-Screen von 2,40 m Breite und bis
zu 7 m Länge, der technisch von Graft in
enger Abstimmung mit der Firma Philips
entwickelt wurde. Dieser Bildschirm dient
als tageslichtunterstützende Beleuchtung
und kann dadurch helfen, die Wachheit der

Patienten zu fördern, damit sie im Ergebnis auch besser schlafen. Darüber hinaus
erlaubt der Screen das Abspielen beruhigender und sich langsam verändernder
Bilder, er lässt sich aber ebenso mittels
iPad interaktiv zur Unterstützung kognitiver
und physischer Trainingsprogramme nutzen. Vom Partner im Forschungsprojekt
Art + Com entwickelte Szenarien aus ziehenden Wolken und einströmendem Sonnenlicht erfüllen nicht nur den Wunsch
nach Beruhigung, sondern auch nach
dringend benötigter Abwechslung.

Die deutlich verbesserte Akustik der
Räume und die ideal auf Pflegeabläufe
abgestimmte An- und Unterbringung aller
technischen Komponenten sollen damit ein
für Patienten und Pflegepersonal messbar
optimiertes Pflegeumfeld schaffen. Störgeräusche durch Geräte und Alarmsignale
konnten gedämpft oder in das zentral angeordnete Beobachtungszimmer verlagert
werden. Ziel ist die weitgehende Eliminierung von Stressoren aller Art, die den
Heilungsprozess negativ beeinflussen.

Blick aus dem Beobachtungszimmer
© Tobias Hein

[Umrisse]

[45

(Weitestgehende) Eliminierung von Stressfaktoren jeder Art
© Tobias Hein

Das vorliegende, auf sämtliche Wahrnehmungsebenen der Patienten fokussierte
und langfristig im realen Betrieb nutzbare
Pilotprojekt ist in der Intensivmedizin weltweit ohne vergleichbares Beispiel.
In einer nun anschließenden Forschungsphase werden die tatsächlichen Effekte
auf Wohlbefinden und Heilungsverlauf
durch die beteiligten Ärzte evaluiert; dies
kann möglicherweise auch zu fortlaufenden Anpassungen des Zimmers führen.
Nach mehrjähriger Zusammenarbeit von
Ärzten, Pflegepersonal, Klinikleitung, Architekten und technischen Planern sowie
unter Beteiligung zahlreicher Firmen ist
daher eher ein Anfang gemacht, als ein
Abschluss erreicht.
Dennoch ist das Projekt ein Aufschlag für
eine Architektur, die unser konventionelles
Verständnis von »Kranken«-Häusern hinter
sich lässt und einen Eindruck davon vermittelt, in welche Bereiche ein Bauen für
die Gesundheit in Zukunft vordringen
muss.
Thomas Willemeit
Wolfram Putz
Lars Krückeberg
Graft,
Berlin

46]

Bauherr
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Entwurf
Graft Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Projektinitiatoren
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Graft Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Forschungspartner
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Graft Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Art + Com AG, Berlin
Charité CFM Facility Management GmbH, Berlin
Technologiepartner
Philips GmbH, Hamburg
Lichtplanung
Licht Kunst Licht AG, Bonn
Firmenpartner
modul technik GmbH, Montabaur
Fresenius SE & Co. KGaA, Bad Homburg
dimedtec GmbH, Berlin
Guldmann GmbH, Wiesbaden
Barrisol Normalu SAS, Kembs, Frankreich
von Berg GnbH, Dernbach (Innenausbau)

[Umrisse]

Ausbau der Bundesautobahn A 3 im Großraum Würzburg
Symposium mit anschließender Exkursion in Nordbayern

Veranstaltung mit Engagement
Für besonders gewinnbringende Ein- und
Ausblicke sorgen stets jene Konferenzen
und Kongresse, die Theorie und Praxis
sinnstiftend miteinander verbinden, also
mit einer Kombination aus instruktiven Vorträgen und nachfolgender Baustellenbesichtigung aufwarten – wie eben die Veranstaltung »Ausbau der Bundesautobahn
A 3 im Großraum Würzburg«, die am 2. und
3. November quasi direkt vor Ort stattfand.
In Kooperation mit der Autobahndirektion
Nordbayern initiiert und ein Gesamtprojekt thematisierend, das zu den derzeit
wohl größten und spannendsten in ganz
Deutschland gehört, war diese Tagung
zweifelsohne von hervorragender Qualität,
referierten in Würzburg doch ausschließlich die jeweils Verantwortlichen aus Bauverwaltung, Ingenieurbüros und Bauunternehmen, so dass letztlich alle Aspekte zur
Sprache kamen, die bei Planung und Ausführung der hier zu errichtenden Brücken,
Tunnel und Lärmschutzwände eine Rolle
spielen, und zwar genauso differenziert wie
kompetent. Gleiches gilt im Übrigen auch
für die Exkursion unter Leitung der Autobahndirektion Nordbayern, die in überaus
anschaulicher Form zusätzliche Erkenntnisse vermittelte, sowie für die beiden
Abendprogramme, die den ca. 150 Anwesenden mannigfaltige Gelegenheiten boten,
um sich in zwangloser Atmosphäre austauschen, neue Kontakte knüpfen oder aber
um bestehende auffrischen und damit
intensivieren zu können. Nicht unerwähnt
bleiben darf zudem ein Engagement, das
sich als vorbildlich bezeichnen lässt: Wie
bei generell jedem Symposium der Verlagsgruppe Wiederspahn hatte der angehende Nachwuchs aus Hochschulen und
Universitäten die Möglichkeit zur kostenfreien Teilnahme, die in Würzburg fast
50 Studierende des Bauingenieurwesens
nutzten, unter ihnen sogar eine Gruppe
aus Wismar, die extra anreiste.

[Umrisse]

Auf der Intention beruhend, das Gesamtprojekt in all seinen Facetten angemessen
zu beleuchten, umfasste das Vortragsprogramm am ersten Tag in Summe elf Präsentationen, die sich in puncto Themenwahl wie Reihenfolge an den geplanten
und überwiegend schon in der Bauphase
befindlichen Maßnahmen orientierten und
den Anwesenden derart einen prägnanten,
ja einen ebenso detaillierten wie konzentrierten Eindruck zu gewinnen erlaubten –
von den enormen, in toto zu bewältigenden
Herausforderungen ästhetischer, funktionaler und technischer Natur bis hin zu den
inzwischen erarbeiteten Lösungen, bei
deren Entwicklung in vieler Hinsicht Neuland betreten werden musste und noch
muss.

keit genießen. Baudirektor Dipl.-Ing. Alexander Leis, Autobahndirektion Nordbayern,
der als Nächster sprach, wusste diesen
Hinweis umgehend aufzugreifen, indem
er die Ertüchtigung des transeuropäischen
Verkehrsnetzes zwischen Heidingsfeld und
Randersacker als ein Vorhaben bewertete,
dessen Verwirklichung auf der Einhaltung
nicht minder hoher Qualitätsstandards
basiere.
An seinen exakten Überblick über Anlass,
Vorgeschichte und Ablauf des A-3-Ausbaus im Großraum Würzburg gliederten
sich jetzt vertiefende Einzelbetrachtungen
an, die sich den verschiedenen Bauwerken
in dem betreffenden Streckenabschnitt widmeten und deren jeweilige Charakteristika
erhellten, wobei Prof. Dipl.-Ing. Christian

[ Aktuell

Gesamtprojekt und Großbauwerke

Kompetente Referenten: (unter anderem) Prof. Dipl.-Ing. Christian Baumgart,
Ltd. Baudirektor Dipl.-Ing. Bernd Endres und Dipl.-Ing. Tobias Mansperger
© Patty Varasano/Verlagsgruppe Wiederspahn

Der Auftakt im Maritim Congress Centrum
galt freilich dem Veranstaltungsort: Nach
der offiziellen Begrüßung durch Dipl.-Ing.
Michael Wiederspahn, der zugleich als
Moderator fungierte, war es Prof. Dipl.-Ing.
Christian Baumgart, Baureferent der Stadt
Würzburg, offenkundig ein Anliegen, sein
Grußwort um einen kurzen Exkurs durch
Würzburgs Historie anzureichern und in
dem Zusammenhang aufzuzeigen, dass
Architektur und Ingenieurwesen in einer
Stadt mit Unesco-Welterbestatus fast unweigerlich eine besondere Aufmerksam-

Baumgart wiederum den Anfang machte
und unter dem Titel »Zur Bedeutung interdisziplinärer Wettbewerbe am Beispiel
Würzburg« die Vorzüge eines Verfahrens
dokumentierte, das im Fall der Talbrücke
Heidingsfeld zur Anwendung kam. Die passende Ergänzung lieferte direkt danach
Ltd. Baudirektor Dipl.-Ing. Bernd Endres,
Autobahndirektion Nordbayern, vermochte
er doch in erfreulicher Klarheit sowohl
die Schäden an der bisherigen Talquerung
zu benennen als auch jene Kriterien zu
beschreiben, die bei Entwurf und Errich-

[47

]
Aktuell

tung des Ersatzneubaus zu erfüllen waren
und sind. Dessen Konstruktion in Stahlverbundbauweise präzisierte darüber hinaus
Dipl.-Ing. Tobias Mansperger, Leonhardt,
Ändra und Partner, Beratende Ingenieure
VBI AG, der im Rahmen seiner Erläuterungen zudem begründete, weshalb es äußerst
zweckdienlich sei, die statische Berechnung einer solchen Tragstruktur anhand
dreidimensionaler Modelle durchzuführen.
Das konnte Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirt.-Ing.
Martin Mensinger, Technische Universität
München, im Anschluss nur bestätigen,
zumal er über Untersuchungen an seinem
Lehrstuhl zum »Plattenbeulen im Stahl- und
Stahlverbundbrückenbau« informierte, die
im Prinzip unabdingbar waren, um die Herstellung der Talbrücke Heidingsfeld in der
ursprünglich konzipierten Form nicht zu
gefährden.
Mit dem Katzenbergtunnel, einem Bauwerk
von ähnlich imposanter Länge und Breite,
beschäftigten sich hingegen zwei Referenten, beginnend mit Bauoberrat Dipl.-Ing.
Tobias Bäumler, Autobahndirektion Nordbayern, der alle planungsrelevanten Parameter konkretisierte, wie unter anderem
Trassierung, Querschnitt, Betontechnologie, Entwässerung, Abdichtung, Fugenausbildung und Portalgestaltung, während
Dipl.-Ing. Sebastian Gramlich, Leonhard
Weiss GmbH & Co. KG, überzeugend veranschaulichte, welche Faktoren den Bauablauf bestimmen und warum man sich
hier definitiv auf den Einsatz von Polypropylen-(PP-)Faserbeton und die Anordnung
eines Chlorid-Monitoring-Systems geeinigt
hat.

Weitere Maßnahmen und Aspekte
Neben den beiden zuvor erörterten Ingenieurbauwerken seien die »Lärmschutzmaßnahmen im Bereich der A 3 bei Würzburg«
sicherlich ein weiteres wesentliches Element dieses Großprojekts, wie Ltd. Bau-

Sach- und fachkundige Erläuterungen vor Ort
© Patty Varasano/Verlagsgruppe Wiederspahn

direktor Dipl.-Ing. Bernd Endres bereits
zur Einleitung betonte, um dann explizit zu
schildern, was wie und wo an entsprechenden Vorkehrungen realisiert wurde
oder noch werden soll, nämlich unter
anderem eine Absenkung der Gradiente,
die Verwendung lärmmindernder Fahrbahnbeläge sowie die Errichtung von Stützund Lärmschutzkonstruktionen mit einer
Höhe von zum Teil mehr als 15 m.
Dass die Instandsetzung der Mainbrücke
Schwarzach an der Bundesstraße B 22 zu
jenen Aufgaben zählte bzw. zählt, die sich
als durchaus exemplarisch bezeichnen
lassen, da im Vorfeld ihrer Ertüchtigung
eine objektbezogene Schadensanalyse
anzufertigen war, vermittelte wiederum
Dipl.-Ing. (FH) Ralf Bothner, Leonhardt,
Andrä und Partner, der in und mit seinen
plausiblen Darlegungen im Übrigen für
eine ganzheitliche Methodik bei Bestandserfassung und nachfolgender Mängelbeseitigung plädierte. An die damit verbundene Einschätzung von Dauerhaftigkeit als
einem unverzichtbaren Attribut und insofern einem per se anzustrebenden Ziel

knüpfte Dipl.-Ing. Dietmar Hildebrandt,
Institut Feuerverzinken GmbH, gleichsam
nahtlos an, indem er das »Feuerverzinken
im Brückenbau und bei Lärmschutzwänden« als beste, weil wirtschaftlichste
Alternative zum Schutz vor Korrosion einstufte. Eine Herausforderung, die ebenfalls
gemeistert werden muss, will man große
Bauvorhaben auch unter organisatorischen
Aspekten kosten- und termingerecht abwickeln, verkörpert das Planmanagement,
wie Dipl.-Ing. (FH) Andreas Fersch, Eplass
project collaboration GmbH, als letzter Vortragender erklärte und an zwei Beispielen
verdeutlichte, deren Prüf- und Genehmigungsprozesse zur Erleichterung und Vereinfachung des sogenannten Workflows im
internetbasierten Projektraum abgebildet
und archiviert werden.
Mit einem gemeinsamen Abendessen in
einem exquisiten Würzburger Restaurant
endete nun der erste Tag des Symposiums,
der buchstäblich hochinteressant war –
und en passant erhebliche Neugierde ob
der Exkursion und der dabei zweifellos zu
intensivierenden Erkenntnisse weckte.

Intensive Begutachtung der Talbrücke Heidingsfeld und des Katzenbergtunnels
© Patty Varasano/Verlagsgruppe Wiederspahn

48]

[Umrisse]

[ Aktuell

Große Resonanz in der Tagespresse
© Main-Post GmbH & Co. KG

Besichtigung: Brücke und Tunnel
Die Rahmenbedingungen waren nahezu
perfekt: Bei weißblauem Himmel, strahlendem Sonnenschein und eher milden Temperaturen starteten die Busse zur Baustelle, an der die Teilnehmer von Ltd. Baudirektor Dipl.-Ing. Bernd Endres, Bauoberrat
Dipl.-Ing. Tobias Bäumler und den Projektbzw. Bauleitern von Confido Ingenieure
GmbH und Donges SteelTec GmbH empfangen und begrüßt wurden. Danach ging
es sofort in medias res, das heißt, die
Besichtigung der Talbrücke Heidingsfeld
und des Katzenbergtunnels erfolgte nacheinander in zwei Gruppen, so dass eine
jede von ihnen über genügend Zeit für eine
minutiöse Begutachtung der beiden in Entstehung befindlichen Großstrukturen verfügte. Da die Talquerung im Taktschiebeverfahren errichtet wird, stießen hier speziell die Details der Hilfskonstruktionen
und der Montage des in Segmenten vorgefertigten und angelieferten Überbaus auf
besondere Aufmerksamkeit, während im
Fall des Tunnels vor allem die Qualität des
inzwischen ausgehärteten PP-Faserbetons
und der Anschluss an die Lärmschutzwände und das Brückenwiderlager genauer
studiert und diskutiert wurden.

Nach rund drei Stunden, die dank der
ebenso sach- wie fachkundigen Führung
und der Beantwortung sämtlicher, ja selbst
der spontan aufgetauchten Fragen für
mannigfaltige Ein- und Ausblicke sorgten,
galt es dann wieder die Busse zu besteigen, wartete doch das Abschlussbuffet im
reservierten Bereich der Raststätte Würzburg Nord auf die »Mitreisenden« – zum
Ausklang eines außerordentlich gelungenen Symposiums, wie alle Anwesenden
mit Nachdruck bestätigten.

Und wie bei jedem Symposium der
Verlagsgruppe Wiederspahn liegen sämtliche Vorträge natürlich zusätzlich in gedruckter Form vor – als Ausgabe 5∙2015
der Zeitschrift »Brückenbau«, die als
Einzelheft 14 € kostet und in jeder gutsortierten Fachbuchhandlung oder aber
direkt über den Veranstalter zu erwerben
ist.
Siegfried Löffler
Fachjournalist,
München

www.maurer.eu

Ausgabe 5 . 2015

Symposium
Ausbau der Bundesautobahn A 3 im Großraum Würzburg

www.verlagsgruppewiederspahn.de

ISSN 1867-643X

Tagungsband mit allen Vorträgen
© Verlagsgruppe Wiederspahn

[Umrisse]

[49

Orhideea Towers in Bukarest

Immobilienmarkt

]

Neues Büroentwicklungsprojekt von CA Immobilien
Die sogenannten Orhideea Towers entstehen derzeit im westlichen Zentrum Bukarests, wobei sie als H-förmiges Gebäude
mit einer vermietbaren Bruttofläche von
37.000 m² geplant sind und über zwei 13
bzw. 17 Geschosse aufweisende Türme
verfügen sollen, die durch eine Brücke
verbunden werden. Im Oktober 2015 wurde
mit ihrer Errichtung begonnen, das gesamte, ein Investitionsvolumen von 75 Mio. €
umfassende Projekt wird 2017 fertiggestellt
sein.
Dr. Bruno Ettenauer, Vorstandsvorsitzender von CA Immo: »Unser Büroportfolio in
Bukarest war in den letzten Jahren fast
vollständig vermietet. Um der wachsenden Nachfrage unserer Mieter nach Büroflächen nachkommen zu können, entschlossen wir uns, unsere lokale Marktposition zu stärken und ein neues Bürogebäude zu entwickeln. Dieses wird alle
unsere Qualitätskriterien in Bezug auf
Standort, Architektur und Technik erfüllen.«

(Künftiges) Erscheinungsbild
bei Dunkelheit
© CA Immobilien Anlagen AG

Die Orhideea Towers liegen an der Kreuzung von Splaiul Independenței und der
Orhideelor-Straße mit direktem Zugang
zur U-Bahn-Station Grozăveşti. Dieser einzigartige Standort bietet eine exzellente
Sichtbarkeit sowohl von der Straßenüberführung Basarab, die von 100.000 Kfz/d
passiert wird, als auch vom Splaiul Inde-

pendenței. Die Polytechnische Universität
Bukarest mit insgesamt 25.000 Studierenden und der Campus Regie, wo über 15.000
Studierende leben, befinden sich zudem
ganz in der Nähe. Und: Dank der Straßenüberführung Basarab lässt sich der Siegesplatz, das geschäftliche Zentrum Bukarests, in nur wenigen Minuten erreichen.
www.caimmo.com

Ärztehaus in Bocholt
Erfolgreiche Vermittlung durch Herkules
Eine Immobilie, die trotz widriger Umstände
vermittelt werden konnte: Die Herkules
Group wurde vom Eigentümer beauftragt,
für ein reines Gewerbeobjekt an der Peripherie der nordrhein-westfälischen Stadt
Bocholt Nachmieter für leerstehende Praxisräume zu finden – und damit in einem
Umfeld, in dem aufgrund eines neuerrichteten Ärztezentrums die Nachfrage nach
Praxisflächen rückläufig war und Immobilienbesitzer zudem mit verhältnismäßig
hohen Leerstandsquoten an Büroflächen
zu kämpfen haben.
»Als Experte für B- und C-Lagen-Immobilien haben wir schon viele ›schwierige‹
Immobilien vermittelt. Häufig werfen
Immobilieneigentümer jedoch die Flinte
frühzeitig ins Korn. Sie ›verramschen‹ die
Gewerbeflächen häufig unter Wert an
unsolide Mieter, einfach nur, um über-

52]

haupt eine Lösung für den drohenden
Leerstand zu finden. Dabei zahlen sich
langfristig immer Beharrlichkeit und die
notwendige Expertise aus«, so René Ravn,
Chef der Herkules Group.
Bei diesem Ärztehaus führten die Herkules-Experten nun zunächst eine sogenannte 360°-Analyse durch, änderten dann die
Vermietungsstrategie und kooperierten
zugleich mit regionalen Handwerkern, um
im Fall einer Vermietungschance schnell
reagieren, also die entsprechenden Flächen sofort renovieren zu können. Ein
Vorgehen, das sich eindeutig gelohnt hat,
denn so ließen sich kurzfristig maßgeschneiderte Lösungen anbieten, die auf
große Resonanz stießen – mit dem Resultat, dass entsprechende Mieter gefunden
wurden und das Ärztehaus infolgedessen
ein Ärztehaus bleiben wird.
www.herkules.com

Neuvermietung der Praxisräume nach Leerstand
© Herkules Group

[Umrisse]

Terminal 3 am Flughafen Frankfurt am Main
Symbolträchtiger Bauauftakt mit reichlich Prominenz

[Umrisse]

[ Immobilienmarkt

Über 400 Beschäftigte aus allen Bereichen
der Fraport AG führten Anfang Oktober
den Spatenstich zum Bauauftakt des Terminals 3 am Frankfurter Flughafen durch.
Mit diesem symbolischen Akt setzten sie
ein Zeichen zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Flughafens und, damit verbunden, der Perspektive auf viele neue
Arbeitsplätze. Unterstützt wurden sie dabei
durch den Hessischen Ministerpräsidenten, den Stadtkämmerer der Stadt Frankfurt
am Main sowie den gesamten Fraport-Vorstand und den Aufsichtsratsvorsitzenden
der Fraport AG. »Terminal 3 wird höchsten
Anforderungen an Service und Qualität
entsprechen – damit können wir auch
zukünftig unseren Passagieren und der
exportstarken deutschen Wirtschaft erstklassige Dienstleistungen und moderne
Infrastruktur als wichtigster deutscher
Flughafen gerade auch für Interkontinentalflüge bieten«, so Fraport-Vorstandsvorsitzender Dr. Stefan Schulte, und er
ergänzte: »Terminal 3 wird eine attraktive
Visiten-karte für die gesamte Rhein-MainRegion. Mit dem Bau des Terminals stellen
wir sicher, dass Frankfurt auch zukünftig
Deutschlands Tor zur Welt bleibt.«

»Nachzeichnung« des Gebäudeumrisses durch Beschäftigte
© Fraport AG

Im Süden des Frankfurter Flughafens entsteht bis zum Jahr 2022 mit dem Neubau
ein innovatives und nachhaltiges Terminalgebäude, wobei es in der nun begonnenen
ersten Baustufe mit zunächst zwei Flugsteigen Raum für bis zu 14 Millionen Passagiere im Jahr bieten wird. Zu einem späteren Zeitpunkt kann die Kapazität durch
zwei weitere Piers auf bis zu 25 Millionen
Fluggäste jährlich erhöht werden. Die
Anbindung an die vorhandene Infrastruktur
erfolgt mittels einer neuen Sky-Line-Bahn,
so dass auch in Zukunft beste Umsteigemöglichkeiten und optimale Intermodalität
für die Passagiere und Besucher sichergestellt sind.
Die Grundfläche des neuen Terminals
beträgt ca. 90.000 m², es wird zudem eine
Außenhöhe von 33 m und eine lichte Innenhöhe von 20 m aufweisen. In der Halle ist
unter anderem Platz für bis zu vier Checkin-Inseln mit insgesamt bis zu 104 -Schaltern, 54 -Automaten und 40 Ticketschaltern,
die stufenweise nach tatsächlich benötigtem Bedarf aufgestellt werden. Darüber
hinaus wird es 29 Sicherheitskontrollstellen für abfliegende und umsteigende sowie zehn Gepäckausgabebänder für ankommende Passagiere geben.

Die zwei neuen Flugsteige im Süden werden die Bezeichnungen H und J erhalten,
400 m bzw. 600 m lang und an beiden
Außenseiten verglast sein.
Insgesamt liegt das Investitionsvolumen
bei 2,50–3 Mrd. €, wobei vorgesehen ist,
zumindest einen Teil der entsprechenden
Aufträge an die heimische Bauwirtschaft
zu vergeben.
www.fraport.de

[53

Parkhaus des Klinikums Süd in Nürnberg

Produkte und Projekte

]

Schlüsselfertige Erstellung des Neubaus durch Max Bögl

Steigende Patientenzahlen der letzten 20
Jahre und der damit einhergehende akute
Parkplatzmangel machten den 11-Millionen-Euro-Neubau eines Parkhauses erforderlich, mit dessen schlüsselfertiger Erstellung die Firmengruppe Max Bögl beauftragt wurde. Zusammen mit 428 Stellplätzen auf dem vorhandenen Areal, den 160
Parkmöglichkeiten in der Rosenberger
Straße, den 176 Stellplätzen für Beschäftigte auf dem neuen Forstparkplatz sowie
den 22 Plätzen in der Tiefgarage unter dem
Herz-Gefäß-Zentrum bietet das Klinikum
Nürnberg Süd nun insgesamt 1.565 Parkplätze an. Gegenüber der bisherigen Situation bedeutet dies eine Verdoppelung,
hinsichtlich des Bestandes aus dem Gründungsjahr 1994 sogar eine Verdreifachung.
Das viergeschossige Parkhaus mit 170 m
Länge und 37 m Breite wurde in rund einjähriger Bauzeit inmitten eines lichten Kiefernwaldes entlang der Breslauer Straße
im Süden Nürnbergs errichtet. Eine 10 m
breite Fuge teilt das Gebäude in zwei Abschnitte, die über Brücken miteinander
verbunden sind. Die offene Fassadenverkleidung aus Holzlamellen sorgt für einen
harmonischen Kontrast zur elementierten
Konstruktion aus Betonfertigteilen und
bildet zudem einen offenen Übergang
zwischen dem neuen Bauwerk und dem
gewachsenen Naturraum, den die Mitarbeiter, Patienten und Besucher des
Klinikums hautnah erleben.

Viergeschossiges Parkhaus in Betonfertigteilsystembauweise
© Firmengruppe Max Bögl

Zum Hauptportal führt auf gleicher Höhe
und somit barrierefrei ein Steg von der
obersten Ebene des Parkhauses. Als
Baumwipfelpfad entworfen und »Treewalk« genannt, ermöglicht er Rollstuhlfahrern wie Patienten und Besuchern mit
Rollator oder Kinderwagen einen wesentlich komfortableren Zugang zum Klinikum
als bislang. Und: In dem Neubau sind 15 %
als Behinderten-, Frauen- und Mutter-Kind-

Stellplätze ausgewiesen. Darüber hinaus
garantieren zwei gewendelte Auf- und
Abfahrtsrampen eine zügige Befüllung und
Entleerung, wobei ein modernes Parkleitsystem bereits bei der Einfahrt signalisiert,
ob es noch freie Plätze gibt. Über eine
intelligente Verkehrsführung werden die
Autofahrer dann gezielt und schnell zu
den freien Parkplätzen gelotst.

Steg zur barrierefreien Erschließung
© Firmengruppe Max Bögl

Auf- und Abfahrtspindel aus Sichtbeton
© Firmengruppe Max Bögl

54]

[Umrisse]

[Umrisse]

[ Produkte und Projekte

Die Realisierung erfolgte mit dem neuen
Parkhaussystem der Firmengruppe Max
Bögl. Das heißt, die Nachhaltigkeit stand
bei diesem Projekt ebenso im Vordergrund
wie die Umsetzung innovativer Ideen, die
aufgrund jahrzehntelanger Erfahrung im
Fertigteilbau gesammelt wurden. So wird
die in Fertigteilbauweise errichtete Gesamtkonstruktion aller Parkdecks über
eine gestalterisch anspruchsvolle Auf- und
Abfahrtspindel aus Sichtbeton erschlossen, während Fahrbahn wie Stellplätze
aus eindrucksvollen über 20 t schweren
Trogplatten aus Spannbeton hergestellt
wurden.
Parkdecks zählen zu den am stärksten
beeinflussten Komponenten im Hochbau:
Über parkende Fahrzeuge eingebrachte
Tausalze, Öle und Schmierstoffe sowie
wechselnde Temperaturen und eine mitunter direkte Bewitterung bezeichnen hier
allerhöchste Ansprüche, die sie dauerhaft
erfüllen müssen. Innovative Betontechnologien und Montagekonzepte gewährleisten nun, dass die Trogplatten ohne weitere
Beschichtungen oder Schutzmaßnahmen
auskommen. Für den Bauherrn bedeutet
dies eine wartungsarme und deshalb kontinuierliche Nutzung der Parkdecks. Möglich macht das eine eigens für solche
Zwecke entwickelte Betonrezeptur, welche in Verbindung mit der richtigen Expositionsklasse und Betondeckung eine bauaufsichtliche Zulassung für die verschiedenen Herausforderungen besitzt.

Elemente mit vorgefertigten Oberflächen
© Firmengruppe Max Bögl

Um eine künstlich erzeugte Schwachstelle
im Bereich der Fertigteilaufheber gar nicht
erst entstehen zu lassen, wurde extra für
die Deckenplatten eine spezielle Vakuumtraverse entwickelt – als ein Hebegerät, das
es schafft, die ca. 21 t schweren Platten
nur mittels Luftunterdruck so gleichmäßig
»anzusaugen«, dass eine Verbiegung oder
Torsion der Bauteile ausgeschlossen werden kann. Jene schwenkbaren Saugteller
werden auf Basis statischer Berechnungen positioniert und lassen sich im Übrigen
je nach Plattengröße sogar variabel einstellen bzw. abnehmen.
Diese Montageart erlaubt als weiteren Vorteil die Verlegung der ca. 16,50 m langen
und 2,50 m breiten Bauteile mit einer lediglich 20 mm schmalen Fuge. Das Ergebnis
präsentiert sich als eine Symbiose aus
Fahrkomfort und Erkennbarkeit der gleichfalls 2,50 m breiten Parkplätze, da selbiges
Raster schon auf der Fahrbahn ablesbar
ist und somit die auf den Parkplätzen vorhandene Fahrbahnmarkierung zusätzlich
betont.
Mittels einer Strukturmatrize in der Fertigteilschalung ist die Fahrbahnoberfläche
bereits im Beton rutschhemmend ausgebildet, und zwar mit Rücksicht auf Rollstuhlfahrer und Fußgänger in Form eines feingliedrigen »Nadelgefüges«. Nummerierte

Parkplätze und ein sich ganzheitlich durchziehendes Farbkonzept, zum Beispiel farbige Türen und farbige Streifen an den
Wänden aufweisend, erlauben eine rasche
und übersichtliche Orientierung, so dass
der Besucher bequem und einfach sein
geparktes Fahrzeug wiederfindet. Der
Zugang über die einzelnen Treppenhäuser
besteht ebenfalls aus oberflächenfertigen,
rutschhemmenden Treppenläufen, die
nach der Montage sofort begehbar sind,
also keine aufwendigen Beschichtungsmaßnahmen oder das Aufbringen von
Bodenbelägen bedingen.
Die große Fertigungstiefe sämtlicher Elemente und deren systematischer Aufbau
gewährleisten vor Ort relativ kurze Montagezeiten und infolgedessen eine schnellere Nutzung. Durch die oberflächenfertigen
Betonteile ergeben sich für den Bauherrn
wesentlich geringere Wartungskosten –
lästige, periodisch eintretende Sperrzeiten
aufgrund von Instandhaltungs- bzw. Sanierungsarbeiten an den Oberflächen entfallen komplett. Für die Firmengruppe Max
Bögl rangierte dieser Punkt deshalb ganz
oben in der Priorität bei der Entwicklung
des neuen Parkhaussystems: Innovation
vereint mit Nachhaltigkeit, ganz gemäß
dem Slogan »Fortschritt baut man aus
Ideen«.
www.max-boegl.de

[55

Polarkrankenhaus in Kirkenes

Produkte und Projekte

]

Wirtschaftliche Modulbautechnologie von Cadolto
Eine unvergleichliche Naturlandschaft
empfängt die Besucher in der Region um
Kirkenes am Tor zur Barentssee, liegt die
Stadt doch am nordöstlichen Ende von
Norwegen und damit am Dreiländereck mit
Finnland und Russland. Fast zwei Monate
dauert hier die Polarnacht, zweieinhalb
Monate scheint die Mitternachtssonne,
und die faszinierenden Nordlichter lassen
sich von September bis März beobachten.
Und genau an diesem Ort wird ein modernes Krankenhaus realisiert, und zwar in
Modulbautechnologie von Cadolto mit dem
weltweit höchsten Grad der industriellen
Vorfabrikation.
Neubau (direkt) am Tor zur Barentssee
© Cadolto Fertiggebäude GmbH & Co. KG/Momentum Arkitekter

Gebäude im Passivhaus-Standard
© Cadolto Fertiggebäude GmbH & Co. KG/Momentum Arkitekter

Der Neubau namens »Nye Kirkenes Sykehus«, dessen Errichtung ca. 1,40 Milliarden
norwegische Kronen kostet, wurde von
Momentum Arkitekter als dreigeschossiges Gebäude mit Technikzentrale auf dem
Dach in Passivhaus-Standard mit umfassenden Anforderungen an die Wärmedämmung und -rückgewinnung geplant. Das
Krankenhaus war nicht in Modulbauweise
konzipiert, die Ausschreibung erfolgte
jedoch systemoffen, weshalb das mittelfränkische Unternehmen Cadolto ein Angebot abzugeben vermochte. Da Kirkenes
nördlich des Polarkreises liegt, sind die
Winter sehr lang und das Zeitfenster zum
Bauen witterungsbedingt sehr kurz: Die
dank des hohen Vorfertigungsgrads der
Cadolto-Module zu erzielende minimale
Bauzeit überzeugte die Norweger ebenso wie das garantierte Qualitätsniveau
»Made in Germany«.

Ab Juli 2015 wurde im Werk Cadolzburg
produziert, weil ca. 330 Module schon im
Herbst ins über 3.000 km entfernte Kirkenes geliefert werden sollten. Dort entsteht
dann bis September 2016 auf 16.300 m² das
neue Krankenhaus in Modulbauweise mit
Notaufnahme, Operations- und Kreißsälen,

Radiologielaboren und Zimmern sowie
chirurgischer, medizinischer und psychiatrischer Poliklinik. Die Module werden
exakt an den konventionell geplanten
Grundriss angepasst, so dass bereits
komplette Räume im Cadolzburger Werk
vorgefertigt werden konnten. Das heißt,
die bis zu 5,80 m breiten Module werden
in Kirkenes einfach auf den zuvor betonierten Keller gesetzt.
Aufgrund der extremen Leistungskomprimierung bei Cadolto ist der Transport auch
über weiteste Entfernungen hinweg wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll. Am
Bauplatz werden die Module letztlich
nur noch aufgestellt und zum unmittelbar
bezugsfertigen Gebäude verbunden – bei
vollkommener Gestaltungsfreiheit, basierend auf dem Entwurf der Architekten.
www.cadolto.com

Gestaltungsfreiheit beim Entwurf
© Cadolto Fertiggebäude GmbH & Co. KG/Momentum Arkitekter

56]

[Umrisse]

Shands Children’s Hospital in Gainesville
Farbenfrohe Gebäudefassade dank Haver & Boecker

[ Produkte und Projekte

Heiter anmutendes Erscheinungsbild bei Tag und bei Nacht
© Haver & Boecker OHG

Mit dem Verständnis, dass Krankenhäuser durchaus bedrohlich auf Kinder wirken können, wurde das Architekturbüro
Ponikvar & Associates beauftragt, ein
entsprechendes Sanierungskonzept für
das Shands Children’s Hospital in Gainesville, Florida, zu entwickeln. So sollte sich
die Kinderklinik auch mit einer eigenen
Außendarstellung vom restlichen Gebäudekomplex abheben.
Für die Umsetzung dieser Vorgabe mussten dramatische Veränderungen an der
Fassade vorgenommen werden, hatte der
Blick auf die düstere Backsteinfront doch
der Sicht auf eine leicht und farbenfroh
anmutende Außenhaut zu weichen. Die
Architekten und das ausführende Bauunternehmen Ajax Building Corporation

verbrachten mehrere Monate mit der Prüfung von Gestaltungsideen und der Suche
nach den passenden Produkten – bis sie
sich letztlich für die lackierten Gewebe aus
Edelstahl von Haver & Boecker entschieden. Derartige Architekturgewebe aus
Edelstahl bieten viel Freiraum für die Realisierung individueller Projekte, denn sie
sind in einer Vielzahl von Farb- und Formvariationen verfügbar und zudem robust,
wetterbeständig und wartungsfrei. Die
Wechselwirkung von Kunst- und Tageslicht, Transparenz, Leuchtkraft und Farbe
sorgt bei ihnen darüber hinaus für permanent wechselnde optische Effekte.
Bei dem University of Florida Health Shands
Children’s Hospital kam nun eine zweischichtige Verkleidung in sechs unter-

schiedlichen Farben auf insgesamt ca.
3.000 m² zur Ausführung: 26 grüne Elemente von 26 m Länge bilden die äußere
Hülle, während für die innere Fläche ein
Flachdrahtgewebe aus 4 m langen und
0,80 m breiten Segmenten gewählt und in
fünf fröhlich leuchtenden Farben lackiert
wurde – mit dem Resultat, dass diese
Kinderklinik jetzt einen durchaus heiter
zu nennenden Eindruck hinterlässt.
www.diedrahtweberarchitektur.com
www.haverboecker.com

UTS TRENNWÄNDE

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für Keller und Dachböden

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[Umrisse]

[57

Umnutzung der Struberkaserne in Salzburg

Produkte und Projekte

]

Hochwärmedämmende Verglasungen von Schüco Stahlsysteme Jansen
Die sogenannte Panzerhalle, 1939 als Teil
der Struberkaserne errichtet und 1952 erweitert, wurde bis 1985 vom Österreichischen Bundesheer als Werkstatt für Militärfahrzeuge und Panzer genutzt. Ihre jetzige Umwidmung erfolgt im Rahmen eines
umfassenderen Vorhabens, bei dem das
Gesamtareal in Salzburg-Maxglan in ein
Wohnquartier verwandelt werden soll.
Die Panzerhalle ist zwar nicht als dessen
Zentrum gedacht, könnte es aber werden,
denn sie beherbergt Coworking-Spaces
ebenso wie Bürolofts und Ausstellungsflächen, Veranstaltungsräume, eine 800 m²
große Markthalle und ein Restaurant. Im
zweiten und dritten Obergeschoß sind
zudem Lofts für »betriebsbedingtes« Wohnen angeordnet: Einziehen darf nur, wer
hier auch sein Gewerbe angemeldet hat.
Rund drei Viertel der ursprünglich ca.
200 m langen und 50 m breiten Halle blieben erhalten und wurden für die Sanierung
in die Bauteile B, C und D gegliedert, für
die drei Büros, hobby a. und strobl architekten aus Salzburg sowie LP architektur
aus Altenmarkt, verantwortlich zeichnen.
Auf dem rückgebauten Viertel wurde nach
dem Entwurf von Christoph Scheithauer,
Salzburg, ein sechsgeschossiger Büroturm
errichtet, der den Cluster für Kreative,
Gastronomen und Ärzte vervollständigt.
Zweifelsohne erfordert solch ein ambitioniertes Programm mehr als ein »Facelif-

Historische »Panzerhalle« nach Sanierung und Umwandlung
© Erich Hussmann/Jansen AG

ting«, gilt es doch die historische Substanz
auf den heutigen Standard von Technik und
Komfort zu transformieren. Und so prägen
Sichtbeton, unverputztes Ziegelmauerwerk
und die unverändert belassenen Toröffnungen die »neue« Panzerhalle. Die raumabschließende Hülle bilden erdgeschossig
umlaufend insgesamt 42 großformatige
Elemente, die aus fest verglasten Flächen
und zwei öffenbaren Flügeln bestehen.
Diese Konstruktion musste selbstredend
den heutigen Anforderungen an den Wär-

meschutz entsprechen: Für die Rahmen
war ein Wert von 1,70 W/m²K notwendig,
für das Glas 0,60 W/m²K, weshalb sich
die Architekten für Jansiol HI von Schüco
Stahlsysteme Jansen mit Isolierstegen
aus glasfaserverstärktem Polyurethan entschieden. Ihre Wahl erscheint überaus einleuchtend, denn das von ihnen präferierte
System zeichnet sich neben einer hohen
Wärmedämmung durch eine große mechanische Stabilität aus, die aufgrund des zu
erwartenden Publikumsverkehrs ein weite-

Festverglasung und öffenbare Flügel
© Erich Hussmann/Jansen AG

Längsfront: Backsteinmauerwerk und Originaltore
© Erich Hussmann/Jansen AG

Stahlprofilsysteme (auch) an den Giebelseiten
© Erich Hussmann/Jansen AG

58]

[Umrisse]

res Kriterium war. Die verwitterten Tore
wurden im Übrigen bewusst sparsam repariert und vor die Verglasungen gesetzt.
Sie haben also keinen funktionalen Nutzen,
sondern spiegeln die Geschichte des
Gebäudes wider.

darüber kam VISS Fire TVS EI 30 zur Ausführung. Die verglasten Atrien und Lufträume gestatten nun vielfältige Blickbeziehungen innerhalb jenes Bauteils und unterstreichen derart den einladenden Charakter der realisierten »Eingriffe«.
Das Gelände der traditionsreichen Struberkaserne hat sich mit der Umnutzung in ein

Wohngebiet grundlegend verändert. Geblieben ist die Panzerhalle. Mit ihrer gelungenen Symbiose von historischer Bausubstanz und zeitgemäßer Architektur transportiert sie die jahrzehntealte Identität
des Ortes in eine neue Epoche.
www.schueco.de
www.jansen.com

[ Produkte und Projekte

Sichtbeton, Stahl und Glas als Gestaltungselemente im Inneren
© Erich Hussmann/Jansen AG

Atrien mit schmalen Profilansichten
© Erich Hussmann/Jansen AG

Der zwischen B und D liegende Bauteil C
wird durch in Summe vier nach oben offene Atrien belichtet, die sich von der untersten Ebene bis ins Dach erstrecken, wobei
die ca. 25 m² großen Innenhöfe im Erdgeschoß zugänglich sind, während sie in den
oberen Etagen über eine Festverglasung
verfügen. Der Wunsch, die Leimholzbinder
der Dachkonstruktion hier abschnittsweise
sichtbar einzubinden, bedurfte ebenfalls
einer besonderen Lösung, zumal in dem
Zusammenhang unterschiedliche Brandschutzanforderungen erfüllt werden mussten – und es die Intention der Architekten
war, die verschiedenen Schutzziele in einer durchgängigen Gestaltungslinie zu
realisieren. Die Lösung bot VISS Fire von
Schüco Stahlsysteme Jansen: Es ist mit
den Standardprofilen optisch identisch
und einfach zu kombinieren. Das heißt,
bis zu einer Höhe von 420 cm wurden die
Atrien mit VISS Fire TVS EI 90 ausgebildet,

[Umrisse]

[59

Königliche dänische Botschaft in Peking

Produkte und Projekte

]

Zukunftsweisendes Luftreinigungssystem von Infuser

60]

Peking gehört zu den interessantesten,
wirtschaftlich und politisch bedeutendsten
Metropolen der Welt, weshalb es für viele
ausländische Unternehmen sehr wichtig
ist, mit entsprechend qualifiziertem Personal hier präsent zu sein. Genau wie an vergleichbaren Millionen-Einwohner-Standorten führen aber in der chinesischen
Hauptstadt die stark gestiegene Smog- und
Feinstaubbelastung zu Problemen bei der
dauerhaften Entsendung von Mitarbeitern.
Die königliche dänische Botschaft in Peking präsentierte nun vor kurzem gemeinsam mit dem CleanTech-Unternehmen
Infuser eine neuartige, empirisch erprobte
Luftreinigungstechnologie, mit der sich
neben Feinstaub auch die Belastung durch
andere gesundheitsgefährdende Stoffe in
der Raumluft von Gebäuden äußerst effizient reduzieren lässt. So können durch den
Einsatz des »Climatic« genannten Systems
Institutionen wie Regierungen, Verbände
und Unternehmen ihren Angestellten sogar
in Städten mit hoher Luftverschmutzung
ein gesundes und sicheres Arbeitsumfeld
bieten.
Das Climatic-System entfernt aus der
für die Gebäudebelüftung angesaugten
Außenluft bis zu 98 % des Feinstaubs
und bis zu 83 % der gasförmigen Luftverschmutzung in nur einem einzigen Verfahrensschritt. Bei seiner von der Technischen Universität Shandong und der Universität Kopenhagen wissenschaftlich
begleiteten Installation in der königlichen
dänischen Botschaft wurde daher eine
deutliche Reduktion der Stickoxide, der
volatilen Kohlenwasserstoffe (VOC) wie
Benzol, Toluol und ebenso des aromatischen Kohlenwasserstoffs Naphthalin erreicht. Partikel mit einer Größe ≤ 0,01 μm,
die als besonders gesundheitsschädlich
gelten, sind somit problemlos zu entfernen.
Die Technologie des Climatic basiert auf
einer Verstärkung des natürlichen Reinigungsprozesses der Erdatmosphäre, die
in einem Kompaktreaktor um das Hunderttausendfache beschleunigt wird. Das sgenannte atmosphärisch-photochemische
Verfahren reinigt nicht nur besonders effizient, sondern benötigt zudem deutlich
weniger Energie als konventionelle Luftreinigungsmethoden, da es auf natürlichen
chemischen Reaktionen fußt.

Anordnung des Climatic auf dem Gebäudedach
© Infuser Deutschland GmbH

Kompaktreaktor: atmosphärisch-photochemisches Verfahren
© Infuser Deutschland GmbH

Dieses System kann als eigenständige
Luftreinigungseinheit oder in ein existierendes zentrales Heizungs- und Lüftungssystem eingebaut werden. Wie beim Einsatz in der Industrie entstehen keinerlei
gefährliche oder sonstige Abfallprodukte
und: Da Partikel in der Luft weitestgehend
entfernt werden, erzielen die vorhandenen
Filter eine wesentlich längere Lebensdauer. Die Smart-Air-Technologie steuert das
Ansaugen der Außenluft in Abhängigkeit
vom CO2-Gehalt im Gebäudeinnern, gleichzeitig passt es seine Reinigungsstärke
der aktuellen Schadstoffbelastung der
angesaugten Luft an.
Die gesamte, von außen angesaugte Luft
wird also durch das System gereinigt, so
dass im Gebäude selber nur saubere Luft
zirkuliert. Zudem spart die Anwendung
des Climatic bis zu 50 % der Betriebskosten für bestehende Filter und bis zu 20 %
der Energiekosten ein.
www.infuser.eu

Steuerung durch Smart-Air-Technologie
© Infuser Deutschland GmbH

[Umrisse]

Neues Jahrbuch statt Produktkatalog

OBJEKT DES

IGN

Wichtiges Nachschlagewerk von Feldhaus Klinker
Mit einem imponierenden Umfang von 600 Seiten überzeugt das
frischgedruckte Feldhaus Jahrbuch 2015/2016 in seiner ersten Auflage gleich von Anfang an. »Das neue Jahrbuch ist sofort zu einem
echten Nachschlagewerk geworden«, freut sich Petra Feldhaus,
für das Marketing des Unternehmens zuständig. Die ersten Architekten und Baustoffhändler, die diese neue Beratungs- und Planungshilfe in den Händen hielten, seien von den fundierten technischen Informationen und vor allem der Farbtreue der abgebildeten
Klinker umgehend überzeugt gewesen, so Petra Feldhaus weiter.
Das Nachschlagewerk ersetzt die früheren Planungsordner und
fasst das gesammelte Wissen rund um die Feldhaus-Produkte auf
übersichtliche Weise kompakt zusammen. Nach einer kurzweiligen
Einführung in die Welt der Klinker werden die Produktgruppen
»Klinkerriemchen«, »Verblendklinker« und »Pflasterklinker« jeweils
mit einem Schnellüberblick der unterschiedlichen Produktlinien
sowie mit genauen Datenblättern für jedes einzelne Produkt vorgestellt, wobei Informationen über Formate, Unikate und Besonderheiten die einzelnen Kapitel abschließen. Produkte aus dem Standardsortiment sind hier von den sogenannten Objekt-Sorten also
unmittelbar zu unterscheiden.

Umfassendes Kompendium mit farbgetreuen Abbildungen
© Feldhaus Klinker Vertriebs GmbH

Überhaupt ist das Handbuch sehr benutzerfreundlich konzipiert.
»So, wie es Architekten und Händler schon jetzt einsetzen, wird es
sicher bald auf jedem Beratungstisch einen festen Platz erhalten«,
ist sich Petra Feldhaus sicher. Durch den Aufdruck der Jahreszahlen sei für die Kunden außerdem unzweifelhaft erkennbar, ob sie
mit der aktuellen Ausgabe ausgestattet seien. Dies sei in der Vergangenheit wegen der kontinuierlichen Sortimentserweiterungen
mit den bisherigen Katalogen nicht immer möglich gewesen. Und:
Im Anhang finden die Nutzer detaillierte technische Datenblätter,
Prüfungszeugnisse und alle wichtigen Hinweise zur Verarbeitung
von Klinkerprodukten.
Das Jahrbuch ist durchgehend zweisprachig konzipiert und im
handlichen Hardcover-Format aufwendig gestaltet. Interessierte
können ein Exemplar direkt bei der Feldhaus Klinker Vertriebs
GmbH anfordern.
www.feldhaus-klinker.de

OBJEKTDESIGN
MIT KLINKERRIEMCHEN
Für die Fassadenbekleidung von WDV-Systemen bietet Feldhaus
Klinker Klinkerriemchen für die Gestaltung moderner klassischer
Ziegelarchitektur. Die besondere Klinkerqualität garantiert
zudem einen erstklassigen Objektschutz durch geringe Wasseraufnahme sowie dauerhafte Farb- und Frostbeständigkeit.
Wählen Sie aus unseren umfangreichen Produktlinien oder
lassen Sie individuell für Ihr Objekt bei uns produzieren.

www.feldhaus-klinker.de

[Umrisse]

Oberlichtelement für höchste Effizienz

Produkte und Projekte

]

Perfekte Kombination von Tages- und Kunstlicht bei Lamilux

Maximum an Lichtgewinnung und Lichtausbeute bei Tag und bei Nacht
© Lamilux Heinrich Strunz GmbH

Tageslicht wirkt sich nachweislich positiv
auf Gesundheit, Wohlbefinden und Produktivität aus, da es eine unserer Lebensquellen ist: Wir fühlen uns ausgeglichener und
leistungsfähiger. Mit einem neuen Oberlichtkonzept bringt der TageslichtsystemSpezialist Lamilux jetzt noch mehr Licht
ins Leben. Das heißt, Tages- und Kunstlicht
werden hier kombiniert, wobei reflektierende Materialien für eine weit höhere
Ausbeute an natürlichem Licht sorgen.
Innovative Technik steigert in dem auch
ästhetisch reizvollen Element die Lichtgewinnung wie -ausbeute. So sind in den
Aufsatzkranz des Oberlichts mit der Bezeichnung Lamilux CI-System Prismen-LED
umlaufend im oberen Segment stufenlos zu
dimmende LED-Lichtleisten integriert, die
bei zunehmender Dunkelheit Zug um Zug
den fehlenden Anteil des Tageslichts ersetzen. Und sie verfügen über ein Lichtsteuersystem, um den sich im Tagesverlauf verringernden Lichteinfall bis hin zur Nacht
harmonisch zu kompensieren. Dieses
Oberlicht ermöglicht also die perfekte
Kombination aus Tageslicht und Kunstlicht für eine gleichbleibende Helligkeit im
Raum. Entwickelt wurde es von Lamilux in
Kooperation mit dem international renommierten Lichtlabor Bartenbach GmbH.

62]

Die optimierte Ausbeute an natürlichem
Licht gewährleistet hier das Lamilux Amilux
CI-System Reflective, bei dem die Innenseite des Aufsatzkranzes mit einem hochreflektierenden Material beschichtet ist,
was zur Folge hat, dass die Lichtausbeute
während der Tageshelligkeit um bis zu 50 %
anwächst. Im Endeffekt bedeutet das signifikant mehr Tageslicht bei gleicher Öffnungsgröße des Elements – und zwar bei
blendfreier Wirkung und unvermindertem
Energieeintrag. Lichtplanern ergeben sich
derart flexible Alternativen, Tageslicht
effektiv zu nutzen und in das Rauminnere
zu lenken. Denn: Durch das Reflektormaterial können Räume um täglich bis zu 25 %
länger ausgeleuchtet werden. Darüber
hinaus erhält man sogar bei einer kleinen
Dachöffnung einen hohen Tageslichtquotienten.
www.lamilux.de

Aufsatzkranz mit hochreflektierender Beschichtung
© Lamilux Heinrich Strunz GmbH

Integration von LED-Leisten: Wirkung bei Dunkelheit
© Lamilux Heinrich Strunz GmbH

[Umrisse]

Weiß als neues Schwarz
Helle und puristisch wirkende Türen von Jeld-Wen

Brillantweiß: Oberfläche von zeitloser Schönheit
© Jeld-Wen Deutschland GmbH & Co. KG

Alle Jahre wieder schreiben Medien
von einem »Comeback« oder auch einer
»Renaissance« von Weiß. Aber kann man
das wirklich so sagen? Oder war die Farbe,
die keine ist, nicht schon immer irgendwie
da – nur eben mal mehr und mal weniger?
Fakt ist: Weiß feiert offenbar ein Dauercomeback. Das erste fand im Jahr 2001
statt, als Steve Jobs der Welt den ersten
Apple iPod in einem unerhört edel anmutenden Weiß präsentierte. Kurze Zeit später war diese Nichtfarbe die Designoberfläche schlechthin, sogar in der Autoindustrie, war sie dort doch die beliebteste unter
den Neuwagenzulassungen. Das heißt, von
nun an war sie kein Trend mehr, sondern
ganz groß in Mode. Und heute, nur wenige
Jahre danach, stellen wir fest: Weiß ist
gekommen, um zu bleiben.
Von Weiß geht eine nachhaltige Faszination aus, die sich vor allem durch eine
lange kulturhistorische Geschichte erklären lässt. So wurde es unter anderem
schon immer mit Reinheit, Energie und
Licht in Verbindung gebracht. Und die

Architektur liebt Weiß gerade deshalb,
weil es eine neutrale Oberfläche erzeugt,
auf der sich das Erlebnis eines Raumes
aufbaut, indem es die Wahrnehmung von
Organisation und Ordnung der räumlichen
Prinzipien verstärkt – und es dem mächtigen Spiel von Licht und Schatten ebenso
erlaubt, überzeugend zum Ausdruck zu kommen, wie dem Licht, Gebäude zu durchfluten, ja sie zu durchdringen und derart
den Eindruck von Licht in höchst unverfälschter und fundamentaler Weise zu
gewinnen.
Was für die einen nur ein Trend bleibt,
ist für Jeld-Wen hingegen Strategie und
Zukunft, denn Jeld-Wen setzt auf Weiß –
bei Türdesigns, Zargen und natürlich bei
der Entwicklung neuer Oberflächen. Ab
sofort gibt es deshalb Brillantweiß WL16
(nach RAL 9016) und damit ein helles,
puristisches Weiß, das rein, klar und
zugleich leicht und schlicht wirkt. Eine
Oberfläche, die voller neuer kreativer
Möglichkeiten steckt.
www.jeld-wen.de

LAMILUX - LEADING IN
INNOVATION AND DESIGN

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SPAREN SIE ENERGIE
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und natürlicher Be- und
Entlüftung durch integrierte
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Sonnenschutz und RWA

bim

[Umrisse]

PLANEN SIE 3D
mit virtuellen BIM-Objekten

LAMILUX HEINRICH STRUNZ GMBH
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Tel.: 0 92 83/5 95-0 | information@lamilux.de
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Strahlenschutz in Krankenhäusern

Produkte und Projekte

]

Individuelle Lösungen mit Blei von Röhr + Stolberg

Nuklearmedizinische Pflegestation: Wände und Boden vor und nach Fertigstellung
© Röhr + Stolberg GmbH/Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen e.V.

Insbesondere in medizinischen Einrichtungen ist der Strahlenschutz oft fest in
die Räumlichkeiten integriert und somit
ein wichtiges Element bei der Planung
und dem Bau von solchen Gebäuden. Ein
bewährter Werkstoff ist in dem Zusammenhang Blei, weist dieses Metall doch
entscheidende Vorteile auf: Aufgrund seiner hohen spezifischen Dichte ist es platzsparend, da es im Vergleich zu alternativen
Materialien mit deutlich geringerer Dicke
auskommt. Darüber hinaus ist es kalt formbar und äußerst flexibel, so dass sich mit
Produkten wie Walzblei oder Bleiwolle
auch Unebenheiten, Spalte und schwer
erreichbare Stellen problemlos abschirmen
lassen.

In welchen Varianten es eingesetzt wird,
hängt von den jeweiligen baulichen Anforderungen ab, wobei eine typische Anwendung Röntgenräume in Arztpraxen und
Krankenhäusern sind. Hier reicht in der
Regel bereits eine Bleischicht von wenigen
Millimetern aus, um die Umgebung wirksam zu schützen. Um die Montage zu erleichtern, bietet der Krefelder Hersteller
Röhr + Stolberg nun die selbstklebende
Bleitapete X-Ready an, bestehend aus
Walzbleiblechen, die mit einer leistungsfähigen Klebeschicht versehen sind. Sie
kann unkompliziert auf Wänden oder an
Holzunterkonstruktionen fixiert und anschließend nach Wunsch verkleidet
werden.

In komplizierten Fällen, etwa in nuklearmedizinischen Arealen, bietet es sich hingegen an, die Wände komplett aus Bleibausteinen oder -profilen zu errichten.
Letztere werden in asymmetrischen Geometrien gefertigt, die es ermöglichen,
sie so aufeinanderzustapeln, dass keine
durchlässigen Fugen entstehen. Ähnliches
gilt im Übrigen für Böden und deren Ausbildung mit Bleiprofilen. Darüber hinaus ist
eine Vielzahl von zum Teil individuell gefertigten Bleiprodukten erhältlich, wie zum
Beispiel selbstklebende Bleistreifen für
Fugen oder Hohlwandschalterdosen aus
Blei.
www.roehr-stolberg.de

Selbstklebende Tapete, Fugenstreifen und Hohlwanddosen
© Röhr + Stolberg GmbH

64]

[Umrisse]

Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur Zeit

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(UK¦OWOLFKDXITHEWEAPEN.COM

Projektsteuerung in und mit BIM

Software und IT

]

Fortschrittliche All-in-one-Lösung von Nestler
NestlerSmartBIM ist eine Projektsteuerungslösung für die Abwicklung von Großbauvorhaben, die nicht in die interne ITLandschaft der unterschiedlichen Firmen
eingreift, sondern sich als externe Lösung
für einzelne Projekte nutzen lässt – und
dabei über vordefinierte Schnittstellen mit
den internen Systemen aller Unternehmen
zu kommunizieren vermag. Entwickelt von
Nestler System Ingenieur GmbH, beinhaltet
sie verschiedene Managementmodule, die
je nach Bedarf individuell angepasst werden können, wobei alle Module ineinanderspielen und voneinander profitieren.
Die Bedienung erfolgt dynamisch über eine
webbasierende Datenbank, die von jedem
Ort und zu jeder Zeit erreichbar ist. In ihr
werden sämtliche Basisdaten sowie SollVorgaben zentral erfasst und verwaltet.
Und: Mit Hilfe der Onlineplattform NestlerWeb und mobiler datenbankbasierender
Barcodescanner werden die aktuellen

Ist-Zustände der Pläne, Bauelemente,
-flächen und Dokumente abgerufen, übermittelt und ausgetauscht. Dieser permanente Soll-Ist-Vergleich gewährleistet,
dass Plan- und Lieferdaten sowie Baufortschritte und deren direkte Auswirkungen in
Echtzeit gespeichert und verlässlich an die
Projektbeteiligten kommuniziert werden –
dank personalisierten Zugriffsrechten mit
höchstmöglichem Datenschutz. Voraussetzung hierfür sind die individuelle projektspezifische Barcodevergabe, standardisierte Dokumentenvorlagen, automatisierte Eingangs- und Terminkontrollen
sowie automatische Dokumentenbewertung durch NestlerSmartBIM in Kombination mit einer optimierten Workflow-Lösung
und dem internen Nachrichtensystem.
Derart steht außerdem ein optimiertes
Bauteilmonitoring zur Verfügung, das den
kompletten Verwendungsprozess von Bauteilen und -komponenten abbildet, begin-

nend mit dem Eingang des Rohmaterials,
dem richtigen Einbauort, der Abnahme
durch einen Qualitätsbeauftragten oder
der Fertigstellung des Bauabschnitts. Darüber hinaus eröffnet es die Möglichkeit,
für alle Fertigbauteile einheitliche und standardisierte Lieferpapiere (Systemlieferscheine mit Barcode) zu erzeugen, was
wiederum erlaubt, alle Wareneingänge
der verschiedenen Lieferanten zentral zu
erfassen und die Bauteile sowie Rohmaterialien mit den Barcodescannern auf Baustellen, auf einzelne Gebäude oder sogar
auf ein zugehöriges Geschoß zu buchen.
Das NestlerSmartBIM ist eine der fortschrittlichsten auf dem Markt erhältlichen
Lösungen für BIM-Projekte, erfüllt daher
schon heute die Anforderungen der Europäischen Union und ist zudem vollkommen
unabhängig von der firmeninternen Software.
www.nestler-system.de

Bewährte Technologie unter neuem Namen
Markenumfirmierung von Tekla zu Trimble
Der Softwarehersteller Tekla wird ab dem
1. Januar 2016 unter der Marke Trimble
agieren: Nach der Übernahme von Tekla
im Jahr 2011 ist die Namensänderung ein
weiterer wichtiger Schritt für die Integration im Trimble-Konzern.
Trimble und Tekla haben das gemeinsame
Ziel, durch leistungsstarke und einfach
nutzbare Technologien den gesamten
Gebäudelebenszyklus effizienter zu gestalten und die Zusammenarbeit in der Baubranche zu verbessern. Mit seinem breit
aufgestellten Technologie-Portfolio und
seiner langjährigen Erfahrung entwickelt

66]

Trimble kundenorientierte Lösungen, die
Planung, Entwurf, Bau, Instandhaltung und
Betrieb von Gebäuden und Infrastruktur
optimieren. Ein wichtiger Baustein dabei ist
der offene Building-Information-Modeling(BIM-)Ansatz der beiden Unternehmen.
Er ermöglicht die zunehmende Integration
von Tekla-Software in das Portfolio von
Trimble und die bessere Nutzung von Bauwerksdaten über den gesamten Lebenszyklus. Und dabei können sich die Kunden
der Tekla-Softwarelösungen auch künftig
auf innovative Produkte und gewohnt
exzellenten Service verlassen.

Building Information Modeling und das
Erstellen, Kommunizieren und Auswerten
von Bauwerksdaten spielen weltweit eine
immer größere Rolle, und zwar nicht nur in
Ingenieurswesen und Architektur. Durch
die engere Verbindung von Tekla-BIMSoftware mit den Trimble-Lösungen für
Kalkulation, Projektmanagement und die
Übermittlung von Gebäudedaten auf die
Baustelle entsteht nun ein umfassendes
Angebot für Bauunternehmen mit hoher
Interoperabilität, so dass sich Projekte
kosten-effizienter abwickeln lassen und
die BIM-Methode einfacher in die Arbeitsabläufe integriert werden kann.
www.trimble.com
www.tekla.com

[Umrisse]

Hospitalbauten in Großengottern
Hilferuf der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
Mit einem Hilferuf für die Hospitalbauten in
Großengottern wendet sich die Deutsche
Stiftung Denkmalschutz an die Öffentlichkeit, möchte sie doch für die umfassende
Restaurierung des Denkmalensembles
»Hospital St. Andreas« nach den ersten
10.000 € im vergangenen Jahr weitere
Fördermittel bereitstellen, damit das
Ensemble ein Museum zur Geschichte
des Kranken- und Pflegewesens werden
kann.
Nahe der heutigen Bundesstraße erhebt
sich am Ortsrand auf einer kleinen Grünfläche die Kapelle eines um 1347 gegründeten Spitals, dessen Stiftung der Dank
der Familie eines glücklich heimgekehrten
Kreuzritters gewesen sein soll. Dieses Spital unterstand der Aufsicht des Wilhelmiterklosters in Mülverstedt, deren Kirchengemeinde bis heute die Eigentümerin der
Bauten ist: Man achtete auf die geistliche
wie die körperliche Betreuung der Armen
und Kranken, wobei detaillierte Spitalordnungen regelten, wie den Bedürftigen
Linderung und Sicherheit zu verschaffen
seien. So wurde hier auf abwechslungs-

Ehemalige Spitalbauten von St. Andreas
© Marie-Luise Preiss/Deutsche Stiftung Denkmalschutz

reiche Kost, Krankenpflege, Sauberkeit
und Ruhe, Anstand und sittliches Verhalten größter Wert gelegt.
Von den Spitalbauten in Großengottern
hat sich das auch Hospiz genannte Hauptgebäude erhalten, ein auf rechteckigem
Grundriss errichteter eingeschossiger, teilweise verputzter Fachwerkbau mit Walmdach, der im Inneren in drei Zonen mit je
zwei Wohnkammern untergliedert ist. Die

originale Raumaufteilung der Kammern
und der Küche mit großer Herdstelle und
Schwarzer Küche mit einem steinernen
Ausguss und einem Gewölbekeller ist
nahezu unverändert, das Einmalige in
Großengottern sind jedoch die besonders
gefährdeten kleinen eingeschossigen Wirtschaftsbauten aus Fachwerk, denen der
Hilferuf in besonderer Weise gilt.
www.denkmalschutz.de

Neues Forum in Steinhagen
Größte Produktausstellung von Hörmann
Nach knapp zwei Jahren Bauzeit konnte
Hörmann sein neues Schulungs- und Ausstellungszentrum in Steinhagen eröffnen.
Hörmann Forum genannt, zeigt es die bislang größte Produktschau des Unternehmens auf mehr als 6.000 m² Fläche und bietet zugleich Raum für vielfältige Schulungsund Seminaraktivitäten. Unverkennbarer
Blickfang ist hier indessen die Skulptur
»Großer Kniender«, die von dem bekannten
deutschen Bildhauer Stephan Balkenhol
stammt, 5,70 m hoch ist, ca. 3 t wiegt und
einen knienden Mann in aufrechter Haltung darstellt.

Skulptur von Stephan Balkenhol am Eingang
© Hörmann KG

Mit der Errichtung dieses Gebäudes reagiert Hörmann auf die steigende Nachfrage nach Weiterbildungsmöglichkeiten und
schafft eine zentrale Plattform: Auf drei
Etagen und über 2.500 m² wird die Produkt-

[Umrisse]

welt des Unternehmens von Garagentoren
und Antrieben, Multifunktionstüren aus
Stahl, Industrietorsystemen und Verladetechnik bis hin zu Haustüren und den
neuen Holzinnentüren präsentiert.
www.hoermann.de

[67

Tekla Global BIM Awards 2015

Nachrichten

]

Auszeichnung für vorbildliche Projekte

Die besten Building-Information-Modeling(BIM-)Projekte aus dem Jahr 2015 stehen
fest, wurden die entsprechenden Preisträger der Tekla Global BIM Awards doch
inzwischen ausgewählt: allesamt Konstruktionen, die mit der BIM-Software
Tekla Structures von Trimble erstellt
wurden.
Der Gewinner in der Kategorie »Gewerbebauten«, ein 190.000 m² großes Logistikzentrum in Sipoo, Finnland, ist im Lebensmitteleinzelhandel angesiedelt und wurde
als Fertigteilstruktur vom Freeway Consortium konzipiert, wobei die Modelle von
Tragwerk und Haustechnik kombiniert
wurden, um einen optimalen Bauablauf
zu gewährleisten.

Logistikzentrum im finnischen Sipoo
© Trimble Solutions Germany GmbH

In der Kategorie »Öffentliche Projekte«
entschied sich die Jury für das MidfieldTerminalgebäude des Abu Dhabi International Airport von der China State Constructions Engineering Corporation, eine
Konstruktion aus 18 Stahlbögen mit einer
Spannweite von jeweils 180 m, die dem
Gesamtkomplex sein einzigartiges
Erscheinungsbild verleihen.
Als bestes Industrieprojekt wurde das
85 m hohe, von Moe A/S realisierte Amager
Bakke in Kopenhagen, Dänemark, und
damit eine besonders effiziente Müllverbrennungsanlage ausgezeichnet, die dank
Anordnung einer Skipiste und einer Kletterwand auf dem Dach bzw. an der Seitenfront ebenso das Zentrum eines Naherholungsgebiets bildet. Bei »Sport und Erholung« wurde hingegen die Rennstrecke
Daytona Rising in den USA prämiert, eingereicht vom Bauunternehmen Barton
Malow unter Einbeziehung der Arbeiten
von Pinnacle, McGill Engineering Inc,
GPLA, Compusteel Detailing und anderen.
Terminalgebäude des Abu Dhabi International Airport
© Trimble Solutions Germany GmbH

68]

[Umrisse]

[ Nachrichten

»Großvaters Brücke« oder, in Finnisch,
Isoisänsilta lautet der Name jenes Steges
in Finnland, der sich in der Kategorie
»Infrastruktur« durchzusetzen vermochte:
eine Geh- und Radwegbrücke von 150 m
Länge, die von der gleichnamigen Projektgruppe entworfen und geplant wurde.
Der Mutant Tree in Vancouver von Apex
Structural Design wurde schließlich als
bestes der kleineren Projekte gewürdigt,
wobei »klein« hier relativ anmutet, da
es sich immerhin um einen 15 m hohen
Stahlbaum als Skelett aus Rohren handelt,
dessen Oberfläche aus 500 dreieckigen
Platten besteht.
www.teklastructures.com
www.trimble.com

Isoisänsilta-Brücke in Finnland
© Trimble Solutions Germany GmbH

Woody Award 2015
Auszeichnung für Jeld-Wen
In diesem Jahr erfolgte zum elften Mal die
Verleihung des Innovationspreises Holz
des Gesamtverbands Deutscher Holzhandel, besser bekannt als Woody Award,
wobei die Designtür Q 45 in der Kategorie
»Innovatives Produkt« ausgezeichnet
wurde. Dass der Preis an Jeld-Wen ging,
hatte mehrere Gründe.
So hieß es in der Laudatio: »Mit der Entwicklung der Designtür Q45 ist dem Team
eine Produktinnovation gelungen, die mit
einer neuen, innovativen Formensprache
architektonisch begeistert und funktional
überzeugt. Mit der 45°-Kante und dem
neuartigen Schließmechanismus hat das
Unternehmen für eine Evolution auf dem
Türenmarkt gesorgt, welche neue Maßstäbe setzt.« Doch nicht allein Optik und

[Umrisse]

Funktionalität wurden prämiert, vielmehr
überzeugte die Jury in gleicher Weise das
Gesamtkonzept der Türvermarktung und
-positionierung.
Das Segment des hochwertigen Innenausbaus wird immer interessanter, auch für
Innentüren. Jeld-Wen hat mit der Q 45 das
Produkt Innentür deshalb völlig neu inszeniert: Das integrale Design bietet eine
neue, reduzierte Form und schafft gleichzeitig mit der Griffstange GS 100 ein smartes Bediengefühl. Q 45 richtet sich nicht
an den breiten Massenmarkt, sondern an
eine kleine Zielgruppe moderner Individualisten, die höchsten Wert auf ein durchgängiges, individuelles und puristisches
Erscheinungsbild legen und ihren eigenen
Stil und Anspruch zeigen wollen.
www.jeld-wen.de

Innentür mit prämiertem Design
© Jeld-Wen Deutschland GmbH & Co. KG

[69

Sicherheit für alle Bauherren

Nachrichten

]

Bundesweite Aufklärungskampagne von Schüco

Siegel für geprüfte Sicherheit
© Schüco International KG

Im Jahr 2014 registrierte die Polizei mehr
als 150.000 Einbrüche. Und: Statistiken
belegen, dass in über 90 % der Fälle die
Täter über gering gesicherte Fenster,
Haustüren und Schiebetüren einbrechen.
Erschreckende Fakten, denn zu Hause
möchte sich jeder Mensch sicher und
geborgen fühlen. Schüco startet deshalb
eine deutschlandweit ausgerichtete Aufklärungskampagne, um Bauherren zu motivieren, von Anfang an in die Sicherheit zu
investieren. Sie soll gewährleisten, dass
er informiert ist und bereits über Vorkenntnisse verfügt, damit eine individuell auf
das jeweilige Projekt zugeschnittene
Konzeption erfolgen kann.

Gefährdungspotential eines Hauses
© Schüco International KG

Der Architekt als enger Berater eines
jeden Bauherr ist eine zentrale Schlüsselfigur, wenn es um Einbruchschutz geht.
Er prüft individuell für jedes Bauvorhaben,
welche Sicherheitsausstattung sinnvoll ist,
und berät bei der Auswahl von Fenstern
und Türen. Schüco sensibilisiert durch
eine breitangelegte 360°-Kommunikationskampagne sämtliche Kunden, wobei Fenster, Türen und Schiebetüren mit Sicher-

heitsausstattung im Mittelpunkt stehen.
Im Rahmen dieser Kampagne präsentiert
Schüco zudem »Bodyguard – Das Musical«, das im November seine DeutschlandPremiere in Köln feierte. Denn für das
Gefühl von Geborgenheit kann ein Bodyguard sorgen – oder eben geprüfte Sicherheits-Systemtechnik von Schüco.
www.schueco.de

Partnerschaft bei Tageslichtsystemen
Übernahme einer Glas- und Metallbaufirma durch Lamilux
Lamilux hat die Firma Mirotec Glas- und
Metallbau GmbH mit Sitz in Wettringen,
Nordrhein-Westfalen, unter das Dach seiner Holding genommen – als ein 100%iges
Tochterunternehmen. Mirotec realisiert
seit 1997 im gesamten Bundesgebiet Glasund Metallbaustrukturen in Form von
großflächigen Glasdachkonstruktionen,
Glasfassaden und verglasten Aufzugschächten, wobei Autohäuser für Ferrari,
das Pergamon-Palais und die Humboldt-

70]

Universität in Berlin oder das PassivhausBürogebäude »Etrium« in Köln zu den
bekanntesten Referenzen zählen.
Unter dem Dach der Lamilux-Gruppe,
eines der führenden deutschen Hersteller
von Tageslichtsystemen, sieht MirotecGeschäftsführer Conrad Ortmeier die Möglichkeit, die Umsetzung anspruchsvoller
Konstruktionen zu optimieren und eine
straffere und kostenoptimierte Produktion
aller Glasdachkomponenten zu erreichen:

»Bei uns stehen die Zeichen auf Wachstum, und wir beabsichtigen, unseren
Personalbestand weiter aufzubauen.«
Und Lamilux-Geschäftsführer Dr. Heinrich
Strunz: »Mit Mirotec haben wir einen
starken Partner gewonnen. Dadurch
bauen wir unsere etablierte Stellung
im Markt weiter aus.«
www.lamilux.de

[Umrisse]

Marktpräsenz (auch) in Frankreich
Lyon als weiterer Standort von Getzner
Getzner hat über 45 Jahre Erfahrung auf
dem Gebiet des Schwingungsschutzes,
ist in Frankreich seit Mitte der 1980er Jahre
tätig, überwiegend im Direktvertrieb. So
erhielten unter anderem auch die Straßenbahnlinien in Grenoble und Marseille einen
Schwingungsschutz von Getzner. »Das
Kunstmuseum ›Glaswolke‹ der Stiftung
Louis Vuitton in Paris und die Philharmonie de Paris zählen ebenfalls zu unseren
Referenzen im Baubereich«, so Frédéric
Caffin, Generaldirektor von Getzner France.
www.getzner.com

[ Nachrichten

Getzner, einer der führenden Spezialisten
im Bereich Schwingungsschutz, ist bereits
seit ca. 30 Jahren am französischen Markt
aktiv und installiert dort elastische Lösungen, die Vibrationen und Lärm minimieren.
Für die Anforderungen der SNCF wurde
zum Beispiel ein Produkt entwickelt, das
hauptsächlich auf Hochgeschwindigkeitsstrecken zum Einsatz kommt: Es sorgt für
mehr Stabilität im Gleisoberbau und senkt
zugleich den Instandhaltungsaufwand
signifikant. »Der steigende Bedarf an
Schwingungsschutzlösungen in Frankreich hat uns dazu bewogen, eine eigene
Niederlassung zu gründen. Vom Standort
Lyon aus können wir noch näher beim
Kunden sein und unseren Service weiter
optimieren«, so Jürgen Rainalter, Geschäftsführer von Getzner Werkstoffe
GmbH. Die Lösungen des österreichischen
Unternehmens basieren auf den selbst entwickelten und hergestellten Werkstoffen
Sylodyn® und Sylomer®, die weltweit in
den Bereichen Bahn, Bau und Industrie
Anwendung finden.

Schwingungsschutzlösungen für Bahn, Bau und …
© Getzner Werkstoffe GmbH



Wo werben?

[Umrisse]
Zeitschrift für Baukultur

Ganz einfach!
Unsere Mediadaten
können Sie als PDF unter
www.umrisse.de
downloaden.

[Umrisse]

[71

Ausstellungen

Termine

]

Blickpunkt Moderne:
Architektur in Augsburg 1960–1980
WeTransForm. Kunst und Design
zu den Grenzen des Wachstums

Ausstellung im Architekturmuseum
Schwaben in Augsburg bis 3. April;
Di–So 14–18 Uhr.

Ausstellung im Staatlichen Museum für
Kunst und Design in Nürnberg bis 19. Juni;
Di–So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr.

Architekturmuseum Schwaben
Thelottstraße 11, 86150 Augsburg
Tel.: 08 21/2 28 18 30

Josef Frank. Against Design

Linie, Form, Funktion.
Die Bauten von Ferdinand Kramer

Ausstellung im Österreichischen Museum
für Angewandte Kunst (MAK) in Wien bis
3. April; Di 10–22 Uhr, Mi–So 10–18 Uhr.

Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main bis
1. Mai; Di–So 11–18 Uhr, Mi 11–20 Uhr.

Österreichisches Museum für Angewandte Kunst
Stubenring 5, A – 1010 Wien
Tel.: 00 43/1/7 11 36-0

Deutsches Architekturmuseum
Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt am Main
Tel.: 0 69/2 12-3 88 14

Die Alpen. Perspektiven
einer Sehnsuchtslandschaft

Adelheid Gnaiger.
Die erste Architektin Vorarlbergs

Ausstellung in der Eres-Stiftung in
München bis 23. April; Di 11–17 Uhr,
Mi 11–17 Uhr, Sa 11–17 Uhr.

Ausstellung im aut. architektur und tirol
in Innsbruck bis 13. Mai; Di–Fr 11–18 Uhr,
Do 11–21 Uhr, Sa–So 11–17 Uhr.

Eres-Stiftung
Römerstraße 15, 80801 München
Tel.: 0 89/38 87 90 79

aut. architektur und tirol
Lois-Welzenbacher-Platz 1, A – 6020 Innsbruck
Tel.: 00 43/5 12/57 15 67

Tiflis. Architektur am
Schnittpunkt der Kontinente

Zoom!
Architektur und Stadt im Bild

Ausstellung im Ringturm in Wien bis
27. April; Mo–Fr 8–17 Uhr.

Ausstellung im Architekturzentrum Wien
bis 17. Mai; täglich 10–19 Uhr.

Vienna Insurance Group
Schottenring 30, A – 1010 Wien
Tel.: 00 43/50/3 50-0

Konstantin Grcic. Panorama
Ausstellung im Grassi Museum für
Angewandte Kunst in Leipzig bis 1. Mai;
Di–So 10–18 Uhr.
Grassi Museum für Angewandte Kunst
Johannisplatz 5–11, 04103 Leipzig
Tel.: 03 41/2 22 91 00

Architekturzentrum Wien
Museumplatz 1, A – 1070 Wien
Tel.: 00 43/1/5 22 31 15

Demo:Polis.
Das Recht auf öffentlichen Raum

Neues Museum
Staatliches Museum für Kunst und Design
Luitpoldstraße 5, 90402 Nürnberg
Tel.: 09 11/2 40 20-0

Masse und Klasse.
Gebrauchsgrafik aus der DDR
Ausstellung im Werkbundarchiv in Berlin
bis 3. Juli; Di–So 10–17 Uhr, Do 10–19 Uhr.
Werkbundarchiv – Museum der Dinge
Oranienstraße 25, 10999 Berlin
Tel.: 0 30/92 10 63 11

Meisterzeichnungen der
Architektur aus der Albertina
Ausstellung in der Tchoban Foundation
in Berlin bis 10. Juli; Mo–Fr 14–19 Uhr,
Sa–So 13–17 Uhr.
Tchoban Foundation
Museum für Architekturzeichnung
Christinenstraße 18 a, 10119 Berlin
Tel.: 0 30/43 73 90 90

Plot in Plastilin
Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur bis 18. September; Di–So 10–17 Uhr,
Do 10–20 Uhr.
Gewerbemuseum Winterthur
Kirchplatz 14, CH – 8400 Winterthur
Tel.: 00 41/52/2 67 51 36

Ausstellung in der Akademie der Künste
in Berlin bis 29. Mai; Di–So 10–17 Uhr.
Akademie der Künste
Pariser Platz 4, 10117 Berlin
Tel.: 0 30/2 00 57-0

Keine Angst vor Partizipation.
Wohnen heute
Ausstellung im Architekturmuseum der
Technischen Universität München in der
Pinakothek der Moderne in München bis
12. Juni; Di–So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr.

Alexander Girard.
A Designer’s Universe
Ausstellung im Vitra Design Museum
in Weil am Rhein bis 29. Januar 2017;
täglich 10–18 Uhr.
Vitra Design Museum
Charles Eames Straße 1, 79576 Weil am Rhein
Tel.: 0 76 21/7 02 32 00

Architekturmuseum der Technischen Universität
München in der Pinakothek der Moderne
Arcisstraße 21, 80333 München
Tel.: 0 89/2 38 05-0

72]

[Umrisse]

Tagungen
Symposium Brückenbau 2016

Verlagsgruppe Wiederspahn
mit MixedMedia Konzepts
Biebricher Allee 11 b, 65187 Wiesbaden
Tel.: 06 11/98 12 92-0

Sofistik-Seminar 2016
Vortragsveranstaltung zum Einsatz von
Software für die Berechnung, Bemessung
und Konstruktion von Bauprojekten in
München vom 22. bis 23. April; Auskünfte
und Anmeldung:

Messen

Sofistik AG
Bruckmannring 38, 85764 Unterschleißheim
Tel.: 0 89/3 15 87 80

Light + Building 2016
Weltleitmesse für Licht und Gebäudetechnik in Frankfurt am Main vom 13. bis
18. März; Auskünfte und Anmeldung:
Messe Frankfurt Exhibition GmbH
Ludwig-Erhard-Anlage 1, 60327 Frankfurt am Main
Tel.: 0 69/75 75-0

Messe München GmbH
Messegelände, 81823 München
Tel.: 0 89/9 49-0

IFAT 2016
Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-,
Abfall- und Rohstoffwirtschaft in München
vom 30. Mai bis 3. Juni; Auskünfte und
Anmeldung:
Messe München GmbH
Messegelände, 81823 München
Tel.: 0 89/9 49-0

Preis des
Deutschen Stahlbaues 2016
Auszeichnung für hervorragende »Architekturen« aus und in Stahl, Abgabetermin
ist der 5. April; Auskünfte und Anmeldung:
bauforumstahl e.V.
Sohnstraße 65, 40237 Düsseldorf
Tel.: 02 11/67 07-8 15

IBF 2016

Bayerischer
Denkmalpflegepreis 2016

13. Internationales Branchenforum für
Frauen (IBF) in der Holz- und Bauwirtschaft
in Meran vom 23. bis 24. Juni; Auskünfte
und Anmeldung:

Prämierung vorbildlicher Lösungen beim
Erhalt denkmalgeschützter Bauwerke,
Einreichungsschluss ist der 6. Mai;
Auskünfte und Anmeldung:

Forum Holzbau
Berner Fachhochschule
Postfach 474, CH – 2501 Biel
Tel.: 00 41/32/3 27 20 00

Bauma 2016
31. Weltleitmesse für Baumaschinen,
Baustoffmaschinen, Bergbaumaschinen,
Baufahrzeuge und Baugeräte in München
vom 11. bis 17. April; Auskünfte und
Anmeldung:

Wettbewerbe

Südschnellweg in Hannover
Symposium zum Ausbau und zur Erneuerung des ca. 4,60 km langen Abschnitts
der Bundesstraße B 3 in Hannover mit
Vorträgen von Bauherren, Projektverantwortlichen und Architekten, Landschaftsplanern und Bauingenieuren in Hannover
vom 28. bis 29. Juni; Auskünfte und
Anmeldung:
Verlagsgruppe Wiederspahn
mit MixedMedia Konzepts
Biebricher Allee 11 b, 65187 Wiesbaden
Tel.: 06 11/98 12 92-0

Veranstaltungen
Passagen 2016

[ Termine

16. Symposium unter dem Motto »Brückenbau ist Baukultur« mit Vorträgen internationaler Referenten in Leipzig vom 16. bis
17. Februar; Auskünfte und Anmeldung:

Bayerische Ingenieurekammer-Bau
Schloßschmidstraße 3, 80639 München
Tel.: 0 89/41 94 34-0

Nachhaltiges Bauen 2016
Ehrung von und für (sogenannte) Spitzenleistungen der Architektur unter dem
Aspekt der Nachhaltigkeit, Bewerbungsschluss ist der 10. Juni; Auskünfte und
Anmeldung:
Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
DGNB e.V.
Tübinger Straße 43, 70178 Stuttgart
Tel.: 07 11/72 23 22-0

Architekturpreis Wein 2016
Würdigung von herausragenden Weingütern, Winzerbetrieben, Weinproduktionsanlagen, Vinotheken und Gastronomiesowie Beherbergungsgebäuden, Einreichungsschluss ist der 15. Juni; Auskünfte
und Anmeldung:
Architektenkammer Rheinland-Pfalz
Hindenburgplatz 6, 55118 Mainz
Tel.: 0 61 31/99 60-0

Sogenannte Interior Design Week mit
diversen Programmpunkten in Köln vom
18. bis 24. Januar; Auskünfte und
Anmeldung:
Büro Sabine Voggenreiter
Kaiser-Wilhelm-Ring 18, 50672 Köln
Tel.: 02 21/2 58 47 23

[Umrisse]

[73

Bücher

]

Alles über Bayern

74]

Der Freistaat Bayern und seine Bewohner haben, wer wollte es bezweifeln, mit
unzähligen Vorurteilen zu kämpfen, die sie
in der Regel aber gleichmütig zu überhören
pflegen, können sie doch im Wissen um
ihre tatsächlichen Charakteristika und
Qualitäten die in solchen Fällen stets empfehlenswerte Ruhe bewahren. Und dennoch dürfte es ihnen nicht ganz unrecht
sein, wenn manche oder zumindest die
größten Ressentiments ausgeräumt und
(wenigstens) ein paar der gravierendsten
Fehl- oder Misseinschätzungen klargestellt
und insofern geradegerückt werden.
Eine hervorragende erste Gelegenheit, um
sich mit den unbekannten oder einem bis
dato eher fremd gebliebenen Seiten dieses
Bundeslandes auseinanderzusetzen, bietet
nun »Total alles über Bayern« – und damit
ein Buch, das über mannigfaltige Vorzüge
verfügt. Zweisprachig in Deutsch und Englisch veröffentlicht, belehrt es den geneigten Leser in durchaus vergnüglich zu
bezeichnender Weise über die (hiesigen)
Eigenarten und -heiten in puncto Dialekt,
Kulinarik und Kultur, indem nicht anhand
der üblichen Textmengen, sondern in Form
von ebenso amüsant wie instruktiv anmutenden Informationsgraphiken im besten
Sinne einschlägige Ein- und Ausblicke
vermittelt werden.
Deren Bandbreite reicht, streng genommen, von der »Lederhosn« über den »Leberkäs« bis hin zu König Ludwig und »Kaiser
Franz«, wobei der sogenannte Wolpertinger, alle Mythen in und um Bayreuth, der
oder die Schuhplattler und das Weißwurstessen samt korrekter Uhrzeit und anzuwendendem Vorgehen genauso Erwähnung finden wie die im Grunde bereits
gebräuchlichen Kürzel BMW, MUC, FCB
oder CSU. Und selbst Fragen, auf deren
Beantwortung wohl nur ortsunkundige
Touristen zu hoffen wagen, wie zum Beispiel jene nach dem jährlichen Bierkonsum
der Einheimischen, dem typischen Tagesablauf zwischen Aschaffenburg und Zugspitze, nach Tiefe und Temperatur des
Chiemsees oder warum die »Maß« auf der
»Wiesn« stets sauteuer ist, werden in dem
Zusammenhang aufgegriffen, ja schlüssig
be- und ausgeleuchtet, was dem bisher

Uneingeweihten letzten Endes ermöglichen sollte oder auch müsste, künftig einige der gröbsten Peinlichkeiten umschiffen,
ihnen ausweichen, sie verschweigen oder
sogar vermeiden zu können.
»Ozapft is!« wäre infolgedessen ein wesentlich stimmiger klingendes Resümee als
der eher profan erscheinende Rat- oder
Vorschlag: kaufen, studieren und
genießen.
Michael Wiederspahn
Martin Wittmann: Total alles über Bayern.
The complete Bavaria. Infographics von
no.parking. Folio Verlag, Wien, 2014. 128 S.,
zahlr. Abb., geb., 19,90 €.

Schweiz mit Lücken
Ein Buch, das laut Untertitel »Die besten
Bauwerke des 21. Jahrhunderts« vorstellen will oder soll, weckt fast unweigerlich
große bis größte Erwartungen, erhofft man
sich als Rezipient in einem solchen Fall
doch (wenigstens) eine Auswahl, die nicht
auf persönlichen Neigungen oder Einschätzungen, sondern auf klar definierten
und in einem einleitenden Kapitel entsprechend thematisierten Kriterien beruht.
Wer den in Summe 280 Seiten umfassenden Band nun zu studieren beginnt, wird
daher relativ schnell enttäuscht sein: Statt
irgendwelcher Hinweise auf die zugrunde
gelegten oder herangezogenen Maßstäbe
und Prinzipien findet er zunächst eine
Sponsorenliste, dann das zweifelsohne
imposant anmutende Inhaltsverzeichnis
und schließlich ein Vorwort, in dem der
Autor in nachgerade episch zu nennender
Breite erläutert, weshalb »nicht jedes gute
Gebäude (…) am Ende gezeigt werden«
konnte, warum hier also der »Mut zur
Lücke« wie die »Bereitschaft zur subjektiven Entscheidung« keineswegs qualitätsmindernd wirk(t)en, sie vielmehr »für die
Kurzweil des Lesers« unvermeidlich waren,
zumal selbiger ja »lieber eine Wundertüte als einen Fachkatalog aufschlagen
möchte«.

Unabhängig von der Frage, ob Architekturführer auch, en passant oder sogar primär,
wie die zuvor zitierten Zeilen suggerieren,
den Wunsch nach einem (papiernen) Kessel Kunterbuntem befriedigen müssen, lässt
sich allerdings kaum verkennen, dass es
sich bei dieser Publikation tatsächlich um
eine Art von geographisch gegliedertem
Rätselheft oder Überraschungsei handelt:
200 (!) Beispiele aus den letzten eineinhalb Dekaden, die überwiegend gehobene
Standards erfüllen, aus deren Beschreibung sich aber nicht ihre Berücksichtigung
erklärt und die zudem sehr wechselhaft
bebildert sind, was sich ebenso in dem
häufigen Fehlen von Grundrissen oder
Schnitten wie dem generellen Mangel an
aussagekräftigen, in puncto Anzahl, Format
und Anordnung sinnstiftend erscheinenden
Fotos auszudrücken pflegt.
Einen aktuellen Überblick zu gewinnen
erlaubt die Lektüre dennoch, freilich ohne
jede Gewähr und in der Gewissheit, eine
ganze Reihe an hervorragenden Zeugnissen eidgenössischer Baukunst jüngeren
wie (etwas) älteren Datums nur anderenorts entdecken zu dürfen. Neben der
Option, in Architektenmonographien zu
stöbern oder Fachzeitschriften durchzublättern, bleibt infolgedessen eine Reise
in die Schweiz wohl alternativlos, um eine
heute populäre Vokabel zu verwenden,
und zwar bis auf Weiteres.
Michael Wiederspahn
Alexander Hosch: Architekturführer
Schweiz. Die besten Bauwerke des
21. Jahrhunderts. Hrsg. vom Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein
SIA. Callwey Verlag, München 2015.
280 S., 670 Abb., kt., 29,95 €.

[Umrisse]

[Umrisse]
Zeitschrift für Baukultur
ISSN 1437 - 2533
15. Jahrgang
Ausgabe 5/6∙2015
www.umrisse.de

Herausgeber
Chefredaktion
Verlag

Dipl.-Ing. Michael Wiederspahn
Vorstandsmitglied AIV Wiesbaden
Dipl.-Ing. Michael Wiederspahn
mwiederspahn@verlagsgruppewiederspahn.de

VERLAGSGRUPPE
W I E D E R Smit MixedMedia
P A Konzepts
HN
Biebricher Allee 11 b
65187 Wiesbaden
Tel.: 06 11/84 65 15
Fax: 06 11/80 12 52
www.verlagsgruppewiederspahn.de

Anzeigen
Satz und Layout
Fotos Titel und Inhalt

Fotos »Rückseite«

Druck
Erscheinungsweise
und Bezugspreis

Monika Kriester
Zur Zeit gilt die Anzeigenpreisliste vom Januar 2015.
Christina Neuner
Neubau des Klinikums Frankfurt Höchst
© wörner traxler richter
Neubau des Klinikums Frankfurt Höchst
© wörner traxler richter
Neubau des Klinikums Frankfurt Höchst
© wörner traxler richter
Schockraum im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin
© BBR/Andreas Meichsner
Notfallaufnahme des Bundeswehrkrankenhauses in Berlin
© BBR/Andreas Meichsner
Karsten Valentin und Michael Wiederspahn
© Paul Müller/Verlagsgruppe Wiederspahn
Notfallfallaufnahme der Kliniken in Kempten
© Michael Heinrich
Neubau des Klinikums Frankfurt Höchst
© wörner traxler richter
Parkhaus des Klinikums Süd in Nürnberg
© Firmengruppe Max Bögl
Neubau des Klinikums Frankfurt Höchst
© wörner traxler richter
Patientengerechte Intensivstation in der Charité in Berlin
© Tobias Hein
Neues Klinikum Frankfurt Höchst
© wörner traxler richter/ZEG GmbH
Neubau des Klinikums Frankfurt Höchst
© wörner traxler richter
Polarkrankenhaus in Kirkenes
© Cadolto Fertiggebäude GmbH & Co. KG/Momentum Arkitekter
Patientengerechte Intensivstation in der Charité in Berlin
© Tobias Hein
Schmidt printmedien GmbH
Haagweg 44, 65462 Ginsheim-Gustavsburg
[Umrisse]
Zeitschrift für Baukultur
erscheint 6 x pro Jahr.
Einzelheft: 9,50 €
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