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Periodical volume

Full text: Südseite Issue 2016,3

03 | 2016

Sanierungszeitung Südliche Friedrichstadt · Semt yenileme gazetesi · ‫صحيفة اصالح وتأهيل المنطقة‬

Kinderspielplatz am Besselpark eröffnet

Engpässe durch BVG-Tunnelsanierung

Runder Tisch der Kurt-Schumacher-Schule

Neubau im Zwiespalt der
Interessen

FONTÄNE ZUM TRINKEN

inhalt · içindekiler · ‫المحتويات‬
Das Haus Enckestraße 4/4a bröckelt 		
und bröckelt ...
Encke sokag˘ındaki 4/4a numaralı ev,
dökülüyor da dökülüyor…
	 ‫ أ في شارع اينكه شتراسه‬4/4 ‫البناية رقم‬
	 ‫تنهار وتتحطم‬

4

Die BVG-Tunnel-Sanierung	
	 5
schafft Engpässe
BVG tünel onarımı yolu daraltıyor
	
‫تجديد انفاق قطارات المواصالت‬
	
‫ببرلين يتسبب في اختناقات مرورية‬
Ein runder Tisch lenkt die Kurt-	
	 5
Schumacher-Schule durch das Chaos
Yuvarlak masa görüs¸meleri, Kurt-Schumacher
okulunu kaostan çıkıs¸a dog˘ru yönlendiriyor
	
‫طاولة مستديرة تأخذ بيد مدرسة كورت‬
	 ‫شوماخر بعيدا عن الفوضى‬
Hat die Nachverdichtung des Quartiers 		6
die Bewohner im Visier?
Semtteki yog˘unlas¸tırılma, semt sakinlerinin
çıkarlarını göz önünde bulunduruyor mu?
	
‫هل ياترى تجري عملية توسيع‬
	
‫وتكثيف البناء في الحي السكني‬
	
‫لمصلحة ساكنيه؟‬
Heilig Kreuz ist mehr als Kirche 		
Kutsal Haç Kilisesi (Heilig Kreuz), bir
kiliseden daha da fazla
	
‫الصليب المقدس اكثر من مجرد كنيسة‬

8

Breites Engagement: Porträt der		
Kiezbewohnerin Doris Vogt
Büyük çaplı angajman: Semt sakini Doris
Vogt`un portresi
	
‫ صورة دوريس‬:‫إسهامات واسعة‬
	
‫ إحدى ساكنات الحي‬،‫فوغت‬

9

Die Geschichte des Parkhauses 		
in der Franz-Klühs-Straße hat ein Ende
Franz-Klühs sokag˘ındaki Parkevi´nin
hikayesi sona erdi
	
‫نهاية قصة مركن السيارات في‬
	
‫شارع فرانز كلوس شتراسه‬

9

Viel Prominenz auf den Friedhöfen	
	 10
hinter dem Halleschen Tor
Hallesches Tor`un arkasındaki mezarlıkta
yatanlar arasında birçok ünlü isim
	
‫الكثير من المشاهير في المقابر‬
	
‫خلف هاليشيس تور‬

2

Partystimmung auf dem Spielplatz am Besselpark: Am 13. Juli hat Hans Panhoff, Bau­
stadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, den
„wunderschön sanierten Spielplatz“ wieder
zum Spielen freigegeben. Mit dabei war die
Klasse 3a der Galilei-Grundschule, die erst ein
Lied sang und dann zum Sturm auf die Spielgeräte ansetzte. Besonders die neue Seilbahn weckt bei den Kindern Begeisterung.
Großen Spaß macht ihnen auch das Wasserspiel, bei dem von zwei Seiten Wasser auf eine gepflasterte Fläche spritzt. „Sowas haben
wir nicht auf jedem Spielplatz“, betont Hans
Panhoff. Die Fontänen werden nämlich mit
Trinkwasser gespeist. „Wenn ihr beim Spielen
Durst bekommt, könnt ihr das Wasser auch
trinken“, sagte Panhoff zu den Kindern. Sie
hatten lange auf den Spielplatz verzichten
müssen. Der Umbau hat fast ein Jahr gedauert und kostete alles in allem 550 000 Euro.
Es wurden nicht nur neue Geräte aufgestellt,
der Platz erhielt auch neue Sitzbänke, einen
frischen Rasen und zusätzliche Bäume. K

WEITER KOPFLOS
Kopflos und in graue Plastikplanen eingepackt präsentiert sich derzeit die Clio-Statue auf dem Mehringplatz. Im Mai 2016 wurde der Marmorfigur bei Bauarbeiten der BVG
der Kopf abgeschlagen – natürlich unbeabsichtigt. Die Verkehrsbetriebe hatten daraufhin eine zügige, fachgerechte Restaurierung
versprochen. „Wir haben ein Sanierungskonzept erstellt und beim Denkmalamt eingereicht, warten aber noch auf die Zustimmung“, so eine Sprecherin. Beim Amt bestätigt man, dass die Abstimmungen derzeit
noch laufen. Mit einer Genehmigung sei aber
voraussichtlich in diesen Tagen zu rechnen.
Wie lange es dann dauern wird, bis die Sta-­
tue wieder in voller Pracht zu sehen sein
wird? Das weiß zurzeit keiner. K

AUF QUARTIERSUCHE

THEODOR-WOLFF-PARK:
SPIELGERÄTE IM BAU
Es soll Leute geben, die den Spielplatz im
Theodor-Wolff-Park langweilig finden. Doch
eine komplette Umgestaltung ist wegen des
Denkmalschutzes nicht möglich. Es werden
aber die Spielgeräte erneuert und zum Teil ergänzt. Dazu gab es bereits im letzten Jahr ein
intensives Beteiligungsverfahren, bei dem
Kita- und Schulkinder Modelle von ihrem
Traumspielplatz entworfen haben. Noch im
September sollen die Bauarbeiten beginnen,
heißt es im Grünflächenamt. Derzeit werden
die neuen Spielgeräte in einer Werkstatt gebaut. Noch in diesem Jahr sollen sie aufgestellt werden. Für die kleineren Kinder wird
es einen Bereich mit Wipptieren, Babyschaukel und Rutsche geben. Die Größeren bekommen ihren heiß­ersehnten Wassermatschbereich mit Pumpe, außerdem ein Balancierboard und eine Kletterrutschkombination. K

Dass eine Sanierung kein Zuckerschlecken
ist, wissen die Mieter der Friedrichstraße 4
nur zu gut. Seit über einem Jahr ist das Hochhaus eingerüstet, weil die Fassade hergerichtet wird. Nun sollen sämtliche Mieter für die
Dauer der Strang- und Asbestsanierung ausquartiert werden. Baubeginn ist zwar erst im
Mai 2017, doch um das Haus rechtzeitig leer
zu haben, hat der Eigentümer, die städtische
Wohnungsbaugesellschaft Gewobag, bereits
jetzt mit entsprechenden Vorbereitungen
begonnen. Sie bietet den Mietern Umsetzwohnungen an, einige Bewohner wollen sich
aber lieber selber etwas suchen. 111 der insgesamt 125 Wohnungen sind belegt. Nach Angaben der Gewobag haben alle der Modernisierung zugestimmt „In so kurzer Zeit wurde
das noch nie bewerkstelligt“, so Sabine Ku­
nert von der Gewobag. Geholfen hat vermutlich, dass die Mieterhöhung mit 27 Cent pro
Quadratmeter recht moderat ausfallen wird.
Zur Farbgestaltung der Fassade wurde inzwischen ein Ideenkonzept entwickelt. K

	 Aus dem Sanierungsbeirat
	

Die wichtigsten Themen der letzten Sanierungs	 beiratsitzungen waren:

J	 Runder Tisch Kurt-Schumacher-Schule
J	 Wettbewerb zur Besselpark-Umgestaltung
J	 Planung/Bauarbeiten Mehringplatz
J	 Neubau der Gewobag
	 	
		
		

Termine und Protokolle der Sitzungen
finden Sie unter
www.sanierung-suedliche-friedrichstadt.de

Kostenlose Mieterberatung
Alle zwei Wochen bietet asum montags von 16 – 19 Uhr im
tam – Interkulturelles Familienzentrum
Wilhelmstraße 116/117
eine kostenlose Beratung für Mieter an. Bitte vorher
unter Telefon 2934310 anmelden.

03 | 2016

3

»	Wie es jetzt ist, ist
	 es optisch wenig
	ansprechend.«
	 Sven Hoffmann, Projektleiter,
	 über die Immobilie seiner
	 Firma Münchner Grund

EIN HAUS GEHT AM KRÜCKSTOCK
hält das älteste wohngebäude bis zu seiner sanierung noch durch?
Überall rund um den ehemaligen Blumengroßmarkt wird emsig gebaut und aufgehübscht, nur die Enckestraße 4/4a bröckelt
weiter vor sich hin. Vor eineinhalb Jahren
sind die letzten Mieter ausgezogen – nicht
ganz freiwillig. Der Fall sorgte deutschlandweit für Schlagzeilen. Seitdem steht der
denkmalgeschützte Altbau leer. Die Fenster sind zugemauert oder eingeschlagen, ein
Bauzaun sichert das Gelände ab – eine verlassene Wild-West-Kulisse.
Eine Anfrage beim Friedrichshain-Kreuzber­
ger Baustadtrat Hans Panhoff hat jetzt ergeben: Anfang des Jahres wurde ein Bauantrag eingereicht und zwar sowohl für die Sanierung des Altbaus als auch für den Neubau,
der anstelle eines bereits abgerissenen ehe-

maligen Vorderhauses entstehen soll. Geplant sind 71 hochwertige Eigentumswohnungen, dazu zwei bis drei Gewerbeeinheiten und eine Parkgarage mit 34 Stellplätzen.
„Wir würden gern in diesem Jahr beginnen,
noch liegt uns aber keine Baugenehmigung
vor“, heißt es in einer Stellungnahme des Eigentümers, der „Münchner Grund Immobi­
lien Bauträger AG“.
Bleibt zu hoffen, dass der Altbau – immerhin das älteste Haus in der Südlichen Friedrichstadt – bis dahin durchhält. Zum schlechten Zustand des Hauses meint der Baustadtrat: Solange keine Baugenehmigung erteilt
wurde, könne der Denkmalschutz schlecht
eingreifen.
Bezahlbare Mietwohnungen an dieser Stelle vorzuschreiben, ist übrigens nicht möglich. Der Bebauungsplan wurde bereits vor
Inkrafttreten des Berliner Modells der kooperativen Baulandentwicklung verab­schie­det.
Erst durch dieses Modell ist es der öffentlichen Hand möglich, mit einem Bauherrn ein
bestimmtes Kontingent an Wohnraum für
Einkommensschwächere auszuhandeln. K

		
		
		
		

Gehwege und Feuerwehrzufahrten
bleiben auf jeden
Fall frei.	«

		

		

INFO
Und so soll das „Ensemble aus Baudenkmal und Neubau“
einmal aussehen: www.muenchnergrund.de/wohnen/
berlin-enckestrasse-4-4a.html

4

Heike Schumacher,
BVG-Projektleiterin

STELLENWEISE
ENG
die bvg repariert den
tunnel der u6 unter der
friedrichstrasse
Seit Anfang September saniert die BVG im
Fußgängerzonen-Abschnitt der Friedrichstra­
ße den U-Bahntunnel. Damit er von oben abgedichtet werden kann, wird die 150 Meter
lange Strecke zwischen Mehringplatz und
Franz-Klühs-Straße abschnittsweise aufgebaggert. Nacheinander werden sechs Baugruben ausgehoben, an denen jeweils drei
bis fünf Monate gearbeitet wird. Das erste
und größte Baufeld erstreckt sich über 70
Meter. Auf beiden Seiten der Straße bleibt
zwar Raum für Fußgänger, aber es wird stellenweise eng: „Der zur Verfügung stehende
Platz variiert in den einzelnen Bauabschnitten“, erklärt BVG-Pressesprecherin P
­etra
Reetz. So bleiben vor dem Restaurant in
der Friedrichstraße 245 zwar 5,87 Meter frei,
auf der gegenüberliegenden Seite ist jedoch
nur ein 1,44 Meter breiter Streifen vorgesehen. Der Wochenmarkt am Donnerstag muss
deshalb auf den Außenring des Mehringplatzes ausweichen. Im Frühjahr 2018 will die
BVG fertig sein. Dann haben Fußgänger und
Radfahrer wieder freie Bahn. K

03 | 2016

KEINE GROSSEN REDEN
ein runder tisch will durch das sanierungschaos an der kurt-schumacherschule lenken
Ende Juni erster Runder Tisch zur Kurt-Schumacher-Schule: Elternvertreter, Lehrer, Verwaltungsmitarbeiter von Senat und Bezirk
sowie die Bezirksstadträte für Schule, Peter Beckers, und für Finanzen, Jana Borkamp,
suchten gemeinsam nach Wegen, wie man
die Einschränkungen durch die Baustelle so
klein wie möglich halten kann. Schon seit
Dezember 2012 ist das Hauptgebäude mit
der doppelstöckigen Turnhalle wegen Brand		 »Bei schlechtem Wetter
schutzmängeln gesperrt. Schüler und Lehrer
		 haben die Kinder kaum
müssen im Hort- und Nebengebäude eng zu		
Aufenthaltsmöglich		
keiten.	« sammenrücken und mit vielen Provisorien leben. Selbst wenn nun alles klappt, werden
Gaby Morr von der
		
		
Sanierungsbeauftragten
die Bauarbeiten noch bis Ende 2017 dauern.
		
BSM
Die Probleme haben Lehrer und Eltern zusammengeschweißt. „Sie wünschen sich vor
allem einen verlässlichen Zeitplan“, berichtet Gaby Morr von der Sanierungsbeauftragten BSM, die das Gespräch geleitet hat.
Vereinbart wurden kleine Umbauten. Dass
weitere Schulcontainer aufgestellt werden,
lehnte die Schule ab, weil damit die Kinder
auf dem Pausenhof noch weniger Platz hätten. Eine Aufteilung der Schule – indem man
etwa die fünften und sechsten Klassen an
­einen anderen Standort verlegt – kommt für
alle Beteiligten auch nicht in Frage.
Trotz der ärgerlichen Situation war die Atmo­
sphäre am Runden Tisch entspannt. „Die Betroffenen sind zu Wort gekommen, und die
Stadträte haben keine großen Reden gehalten, sondern zugehört“, sagt Gaby Morr. Der
Austausch wird fortgesetzt: Für Ende September ist das nächste Treffen anberaumt. K

5

KONFLIKTHERD NEUBAU
die nachverdichtung der südlichen friedrichstadt muss die jetzig

		
		
		
		
		
		

6

„Wir brauchen dringend Wohnungen“, sagte
Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel
im August bei einem Besuch in der Südlichen
Friedrichstadt. „Und zwar nicht nur für Menschen, die neu zuziehen, auch für die Berliner,
die schon lange hier wohnen.“ Beim Wohnungsbau will der Senator auch Freiflächen
in der Innenstadt nutzen. „Nur auf der grünen Wiese zu bauen, reicht erstens mengenmäßig nicht aus, und zweitens ist das sauteuer“, so Geisel. Bei neuen Siedlungen am
Stadtrand muss man nämlich Straßen bau»Wir bauen auf
en, eine Kanalisation verlegen und VersorGrundstücken, die uns
gungsleitungen installieren – Dinge, die in
gehören – das macht
die Sache preiswerter.	« der Stadt schon vorhanden sind.
Weil Bauland in der Innenstadt sehr teuer
Stadtentwicklungssenator
Andreas Geisel
ist, konzentriert sich der Senat auf Flächen,
die bereits im Besitz des Landes Berlin oder
städtischer Unternehmen sind. Zum Beispiel
der Parkplatz an der Franz-Klühs-Straße, der
zur Wohnanlage der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag gehört. Ab
2018 will das Unternehmen hier ein siebengeschossiges Haus mit 110 bis 120 Wohnun-

gen bauen. Platz genug ist dort. „Wir haben
keine Probleme mit der Belichtung und mit
dem Abstand zu den vorhandenen Gebäuden“, versichert Frank Schimrigk, Technik-Bereichsleiter der Gewobag. „Ich vermute, dass
die Mieter der drei unteren Etagen nicht begeistert sind“, sagt dagegen Andreas Geisel
mit Blick auf die Nachbarhäuser. Solche Konflikte müsse man aber in Kauf nehmen.
Im Gewobag-Neubau werden 30 Prozent der
Wohnungen gefördert und zu 6,50 Euro pro
Quadratmeter nettokalt vermietet. Für die
übrigen Wohnungen belaufen sich die Mieten auf 10 bis 13 Euro. Wären die Wohnungen wirklich für „die Berliner, die schon lange hier wohnen“ wie die Gewobag sagt, dann
käme man mit dem 30-Prozent-Anteil an
­Sozialwohnungen allerdings nicht hin. asum
(„Angewandte Sozialforschung und urbanes
Management“) weist darauf hin, dass in
der Südlichen Friedrichstadt 74 Prozent der
Haushalte ein so geringes Einkommen haben,
dass es sie zu einer Sozialwohnung berechtigt. Aber für größere Haushalte, die ALG II be-

»	Wir haben hier
	 zu wenig bezahl	 baren Wohnraum
	 für einkommens	schwächere
	Familien.«
	

Kerima Bouali, asum

Parkzone in Sicht

en bewohner ins visier nehmen
ziehen, sind häufig auch Sozialwohnungen
zu teuer.
Benötigt werden im Übrigen auch mehr große Wohnungen: Im Sanierungsgebiet wohnen viele Familien sehr beengt. In der Gewobag-Planung haben aber mehr als die Hälfte
der Wohnungen nur ein oder zwei Zimmer.
Private Bauherren werden von sich aus
kaum Sozialwohnungen errichten. So wer­
den rund um den ehemaligen Blumengroßmarkt überwiegend Eigentumswohnungen
gebaut – zum Teil sogar ausdrücklich „hochwertig“. Die städtische Gewobag muss also
einspringen, wenn die sozialen Sa­nierungs­ziele verwirklicht werden sollen. Die besagen: „Die Wohnbedürfnisse einkommensschwächerer Be­wohnerschichten sind besonders zu berück­sichtigen.“ K

INFO
Konkretisierung der sozialen
Sanierungsziele: www.sanierungsuedliche-friedrichstadt.de/soziale_
sanierungsziele_ba-beschluss.pdf

03 | 2016

		
		
		
		
		

		
		
		

Wohin mit den Autos, wenn an der FranzKlühs-Straße 120 Parkplätze bebaut werden und die Parkpalette dem Abrissbagger
weicht? „Wir haben hier einen optimalen
Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr“,
meint Gewobag-Technikleiter Frank Schimrigk. Freilich werden durch die Neubauten
noch mehr Bewohner mit Autos hinzukommen. Tiefgaragen sind aber sehr teuer. „Kostengünstiges Bauen und Tiefgaragen schlie»Das ist gut für die,
ßen sich aus“, sagt Stadtentwicklungssenadie hier wohnen –
tor Andreas Geisel.
alle anderen
müssen zahlen.	« Der für das Ordnungsamt zuständige Wirtschaftsstadtrat des Berzirkes, Dr. Peter BeWirtschaftsstadtrat
Dr. Peter Beckers
ckers, hält es „für absehbar, dass der gesamzur Parkraumte Bezirk eine Park­
raumbewirtschaftung
bewirtschaftung
bekommt.“ Schon in vielen Bereichen der Innenstadt gibt es Parkzonen, die „Fremdparker“ abschrecken und Anwohnern mit einer
Vignette bessere Chancen auf einen Parkplatz einräumen. K

Kein Abstrich beim Grün
In der Südlichen Friedrichstadt sind zurzeit
rund 300 neue Wohnungen geplant oder bereits im Bau. Mit dem geplanten Neubau der
EB-Group anstelle der maroden Parkpalette
könnten nochmal bis zu 100 Wohnungen hinzukommen. Insgesamt könnte damit die Einwohnerzahl des Sanierungsgebiets um 800
Bewohner steigen – das wäre ein Zuwachs
um 13 Prozent. Da ist es umso wichtiger, dass
die Grünanlagen erhalten und verbessert
werden. Öffentliche Grünflächen werden für
den Wohnungsneubau nicht angetastet. K

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KRAFT UND WÜRDE
die heilig-kreuz-gemeinde ist anwalt und ankläger
Seniorentanz in der Kirche und Fußball
gucken im Kirchgarten – in der Heilig-KreuzKirche in der Zossener Straße normal. Im
Winter verwandelt sich der Kirchenraum einmal pro Woche in eine Wärmestube, wo es für
Bedürftige Suppe und Kleidung gibt, an anderen Tagen wird Gymnastik getrieben oder
meditiert.
Die Evangelische Kirchengemeinde HeiligKreuz-Passion ist berlinweit für ihre Flüchtlings- und Obdachlosenarbeit bekannt und
betreibt unter anderem ein Wohnheim für
Alkoholkranke sowie eine Beratungsstelle
für Geflüchtete. Dabei gehe es aber nicht
nur um karitatives Engagement, wie Pfarrer Storck betont: „Wir wollen auf Missstände hinweisen und Stellung beziehen“. Sorgen
macht ihm die fortschreitende Gentrifizierung im Kiez. Die soziale Mischung von Arm
und Reich nehme immer mehr ab.
Ein besonderes Projekt der Gemeinde ist das
Kultur- und Sozialzentrum „Gitschiner 15.“ In
der „Volkshochschule für Arme und Obdachlose“ kann man im offenen Atelier malen,
Trommelkurse belegen, Bücher ausleihen
und – besonders begehrt – am Flügel spielen.
„Wir wollen die Menschen nicht mit ihren Defiziten wahrnehmen, sondern mit dem, was
sie können“, erklärt Peter Storck. Die kreati-

ve Beschäftigung gebe den Menschen Kraft
und Würde.
Rolf, seit der Eröffnung im Jahre 2000 regelmäßiger Besucher, hat hier zum Malen gefunden. „Ich habe vorher nie gemalt“, sagt er
– und fügt scherzhaft hinzu: „Man hat mich
einfach dazu gezwungen“. Rolf hat im Kiez
eine Wohnung, aber „zu Hause“ ist er in der
Gitschiner 15. K

		
		
		
		
		

»Zu Elternversammlungen gehen
eigentlich nur Leute,
die Gutes über ihre
Kinder hören wollen.	«

		

Doris Vogt hat Verständnis
für den schwachen Besuch
von Elternabenden

		
		

»	Je düsterer die Bilder
	 ausfallen, desto fröhlicher
	 werden die Leute.
	 Sie malen sich die Seele
	 aus dem Leib.«
	 Jürgen Horn,
	 Leiter der Gitschiner 15

INFO
Alle Angebote der
Gemeinde unter
www.heiligkreuzpassion.de

8

FRAU SYDOW IST
ABGEFAHREN
das parkhaus an der franzklühs-strasse wird jetzt
abgerissen
Autos standen zuletzt nur noch wenige im
Parkhaus an der Franz-Klühs-Straße. Seit
dem 1. Juli ist das Gebäude gesperrt. Der Eigentümer, die „EB-Group“ möchte es abreißen und an seiner Stelle Wohnungen bauen.
Das Parkhaus wurde 1971 zusammen mit der
doris vogt gibt den arabisch- und türkischWohnbebauung am Mehringplatz geschafstämmigen müttern eine stimme
fen. Die ersten Bewohner mussten zwangsweise einen Einstellplatz mit anmieten. „Ich
hatte damals noch gar kein Auto“, erinnert
sich Erstmieterin Wulfhild Sydow, „aber ohWenn Doris Vogt beim Einkaufen ist, kann es
ne den Parkplatz hätte ich hier keine Wohschon mal passieren, dass ihr über die Fleisch­
nung bekommen.“ Stolze 60 DM musste sie
theke zugerufen wird: „Doris, das Geld für
monatlich für den Stellplatz zahlen.
die Klassenreise bringe ich morgen mit.“
Heute, 45 Jahre später, ist Wulfhild Sydow
Man kennt die Diplompädagogin, die seit
		
»Der Abriss des
nicht nur einer der letzten Ur-Mieter, ihr zwi­
über 30 Jahren an der Kurt-Schumacher		
Parkhauses ist
schenzeitlich angeschafftes Cabrio war auch
Schule arbeitet.
		
sowieso bald
eines der wenigen Autos, die zuletzt noch
Dass die türkisch- und arabischstämmigen
		
fällig – abgesehen
im Parkhaus abgestellt waren. Die EB-Group
Mütter mittlerweile ganz schön selbstbe		
davon, dass es die
konnte ihr den Einstellplatz nicht kündigen,
wusst für ihre Rechte eintreten – siehe den
		
alte Straßenführung
weil er zusammen mit der Wohnung vermieProtest gegen die Endlos-Baustelle in der
		
verstellt und die
tet war. Als Ersatz erhielt Sie nun einen Park		
Franz-Klühs-Straße
Schule – ist auch ihr zu verdanken. „Ich möchte,
platz unter freiem Himmel – mit einschlägi		
zu einem Alptraum
dass sie hier wohnen bleiben und von der Ent		
macht.	« gem Nachteil: Nach kurzer Zeit war das Verwicklung profitieren“, sagt Doris Vogt. Das
deck des Autos aufgeschlitzt.
ist ihr Hauptanliegen, und dafür hat sie sich
		
Der Architekturkritiker
		
Dieter Hoffmann-Axthelm
Unumstritten ist das Stadterneuerungsziel,
auch in die Gebietsvertretung wählen lassen.
		
war mit diesem Beitrag
anstelle
des Parkhauses hier Wohnungen
Den Betrof­fenen selber fehle häufig die Ener		
in der Zeitschrift „ARCH+“
zu
bauen.
Die sanierungsrechtliche Genehgie für die Mitarbeit in solchen Gremien. „Vie		
im Dezember 1982 seiner
		
Zeit
voraus.
migung für den Abriss liegt auch schon lanlen Familien sitzt die Not im Nacken, oft ist
ge vor. Doch ein erster Neubauentwurf ist
der Aufenthalt ungesichert oder sie wissen
im Baukollegium der Senatsbaudirektorin
nicht, wie sie die nächste Miete zahlen kön­nen.“
durchgefallen und muss von der EB-Group
Dazu kommt die Angst, wegziehen zu müsüberarbeitet werden. K
sen, weil nach Gebäudesanierung und dem
Zuzug Besserverdienender die Mieten steigen. Wichtig sei, sagt Doris Vogt, dass Menschen das Gefühl haben, willkommen zu sein.
„Unser Schulgarten mit Bienen und Hühnern
entstand auf Initiative der Eltern“, erzählt
die Pädagogin. Gelegentlich wird hier, auf der
großen Wiese, Kindergeburtstag gefeiert. Es
müsste viel mehr betreute Angebote geben,
findet sie: „Warum kann man zum Beispiel
den Schulsportplatz nicht nach Schulschluss
oder am Wochenende öffnen?“ K

„	VIELEN SITZT DIE NOT
	 IM NACKEN“

03 | 2016

9

DICHTERGÖTTER,
TEMPELGRÄBER,
PREUSSENGLAMOUR
auf den friedhöfen vor dem halleschen
tor ruht viel berliner prominenz

Heutzutage geht der Trend zum unspekta- legt, damals noch außerhalb der Berliner
kulär-bescheidenen Urnengrab. Einige Men- Zollmauer. Viele berühmte Menschen wurschen wollen sogar anonym bestattet wer- den hier bestattet, darunter sämtliche Mitden. Für unsere Vorfahren wäre das undenk- glieder der Komponisten-Familie Mendelssohn Bartholdy, der Schriftsteller E.T.A. Hoffbar gewesen. Die Nachwelt sollte schließlich
mann und der Astronom
sehen, welcher Mensch da
TIPP
­Johann Franz Encke, nach
gelebt hat und zu Grabe gedem die Enckestraße im
tragen wurde.
Schnaps und Lieder zu Ehren
des Verstorbenen gibt es nicht nur
Sanierungsgebiet benannt
Mit wieviel Pomp die letzin fernen Kulturen. Alljährlich an
ist. Vergleichsweise be­
ten Ruhestätten für Leute
seinem Todestag, dem 25. Juni,
versammelt sich die E.T.A.-Hoffschei­
den ist das Grab
mit Rang und Namen früher
mann-Gesellschaft (www.etahg.de)
des bekannten Dichters
gestaltet wurden, beweist
zu feucht-fröhlichen Gesängen am
Grab des Schriftstellers.
und Naturforschers Adelein Spaziergang über die
bert von Chamisso. T
­ ypisch
Friedhöfe zwischen Meh­
für das 19. Jahrhundert ist ­
das „Kettenringdamm und Zossener Straße. Da gibt es
prächtige, leicht verwitterte Mausoleen, grie­- Gitter“, mit dem die Grabanlage eingerahmt
wird. Von spätbarockem Prunk zeugt dagechische Götter aus Marmor und aufwändig
gearbeitete Reliefs mit dem Antlitz des Ver- gen das Lüderitz-Grabmal, das älteste überhaupt auf dem Friedhof. Der Königlich-Preustorbenen.
Der älteste Teil des aus fünf Friedhöfen be- ßische Landjägermeister Friedrich Wilhelm
stehenden Areals wurde bereits 1735 ange- von Lüderitz ist unter anderem mit einem girlandengeschmücktem Sandsteinkubus und
­
einem mächtigen römischen Phantasiehelm
zur letzten Ruhe gebettet worden. Als das
INFO
schönste Grabmal des Friedhofs gilt man­
Die App „Wo sie ruhen“ führt zu berühmten Grabstätten
chen
das
tempelartige
Monument
des
Me­
auf historischen Friedhöfen in ganz Deutschland.
diziners Carl Ferdinand von Graefe. K
www.wo-sie-ruhen.de

10

NUR KEIN LOSER SEIN
outreach kümmert sich um jugendliche
dort wo sie sind: auf der strasse

		
		
		
		
		
		
		
		
		
		
		
		
		
		

Wenn die Streetworker von Outreach Jugendliche ansprechen wollen, müssen sie einfach
»Die Jugendlichen
nur vor die Tür gehen. Klassische Treffpunksind überreizt
te gibt es, anders als früher, nicht mehr, ermit Angeboten
zählen Zeljko Ristic und Seyitali Dikmen. Die
und Terminen.
Jugendlichen sind mobil und verabreden sich
Freie Zeit zu haben,
per WhatsApp spontan. Seit November 2015
einfach mal
ist das Team von Outreach für die aufsuchenfür zwei Stunden
de Straßensozialarbeit vom Mehringplatz
auf der Couch
bis zum Moritzplatz zuständig. „Wir sprezu sitzen und
chen die Jugendlichen an den öffentlichen
nichts zu tun, ist
Orten an und bieten ihnen unsere Unterstütunheimlich wichtig.	« zung an, egal ob es um einen Praktikumsplatz
oder um die Freizeitgestaltung geht“, erklärt
Jugendberufscoach
Seyitali Dikmen hält ein
Zeljko Ristic. Zur intensiven EinzelfallbegleiPlädoyer fürs Abhängen
tung gehört dann nicht nur die Begleitung
zum Jobcenter – wo die Behördenmitarbeiter
dann tatsächlich viel freundlicher sind – sondern auch ein Besuch im ­Cafe danach. Da unterhält man sich dann auch mal über schwule Paare und kulturelle Eigenheiten wie den
Verzehr von Schweinfleisch. „Wir wollen
Res­
pekt und Toleranz vermitteln“, erklärt
Seyitali Dikmen. Das ist nur möglich, wenn
man ein Vertrauensverhältnis zu den Jugendlichen aufgebaut hat. In der Gruppe wollen
viele nicht über Probleme reden oder gar zu-

geben, dass sie noch keine Lehrstelle gefunden haben: Man will sich nicht als Loser outen. Daher sei die Möglichkeit zum Einzelgespräch ganz wichtig, sagt Seyitali Dikmen.
Und wie sind die Jugendlichen vom Mehringplatz so drauf? Nicht viel anders als ihre Altersgenossen in Friedrichshain oder Reinickendorf, sagen die Streetworker. Vielleicht
ist der familiäre Druck in den türkisch- und
arabischstämmigen Familien etwas größer.
Doch der „Stress“ ist überall der gleiche: Ärger
mit der Freundin, Konflikte mit den Eltern,
Kampf um einen Job oder Ausbildungsplatz.
In den Jugendclubs nerven die vielen Verbote.
Und Kreativangebote oder Vereinssport mit
festen Zeiten sind auch nicht das, was diese
Jugendlichen suchen. K

INFO
Outreach Team Friedrichshain-Kreuzberg
Friedrichstraße 1
z.ristic@sozkult.de

03 | 2016

11

vorschau
Es heißt, rund um den Mehringplatz
seien Drogenhandel und -konsum
auf dem Vormarsch. Wir gehen der
Beobachtung nach und fragen die,
die es wissen müssen.

impressum
03 | 2016
3. Jahrgang
Erscheinungstermin: 6. Oktober 2016
Herausgeber:
asum GmbH (VisdP)
Sonntagstraße 21
10245 Berlin
Telefon 2934310
info@asum-berlin.de
www.asum-berlin.de

im Auftrag des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin
www.sanierung-suedlichefriedrichstadt.de
Gesamtherstellung:
H & H Presse Büro Berlin
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin
leserservice@hnh-presse.de
www.hnh-presse.de

Redaktion:
Udo Hildenstab, Birgit Leiß,
Jens Sethmann
Fotografie:
Christian Muhrbeck
Grafik und Layout:
Kersten Urbanke, Freepik
        
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