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Periodical volume

Full text: Jahresbericht Issue 2011

Eine Publikation der TSB Technologiestiftung Berlin

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011

Grußwort · Senatorin Sybille von Obernitz

Wissens- und Technologietransfer bleibt beständige Herausforderung für die Technologiestiftung Berlin
Zukunft beginnt in der Gegenwart. Wissenschaftliche Erkenntnisse, Forschungs­ ergebnisse und technologische Entwicklungen bieten Potenzial für profitable Inno­ vationen. Pulsierende Zukunftsorte können aus sensiblen, oft fragilen Keimzellen entstehen, in denen sich Forschung und Wirtschaft vereinen. Aber sie müssen zueinander finden, zueinander passen. Sie brauchen Katalysatoren, die die richtigen Konditionen schaffen, Kooperationen ermöglichen.

Einen solchen Katalysator hat Berlin mit der TSB Technologiestiftung Berlin und ihrem Tochterunternehmen, der TSB Innovationsagentur Berlin. Mit beiden ist die Hauptstadt für die wichtige Aufgabe Wissens- und Technologietransfer gut aufgestellt. Dieser Auftrag verliert auf dem Weg zu einer profitablen wissensbasierten Wirtschaft in Berlin nichts an Bedeutung. Im Gegenteil: Die Anforderungen an das Ermöglichen und Umsetzen reibungslosen Transfers steigen in dem Maße, wie die vielseitige Forschungslandschaft der Hauptstadtregion Ergebnisse generiert und andererseits eine wachsende innovative Industrie nach neuen Erkenntnissen ruft, um Verfahren und Produkte erfolgreich weiter entwickeln zu können. Es bleibt wesentliches Ziel, aus technologischen Entwicklungen auch marktfähige Produkte, neue und sichere Arbeitsplätzen zu machen. Dafür bietet sich der Berliner Wirtschaft eine hervorragende Basis: ausgezeichnete Forschung an akademischen Einrichtungen und Technologieentwicklung, die vielfach schon in enger Kooperation zwischen Unternehmen und Forschungs­ instituten umgesetzt wird. Erfolg versprechender Technologietransfer zwischen Forschung und Wirtschaft ist Kernauftrag der TSB und bleibt Herausforderung, wie auch die stete Justierung und Optimierung der Strukturen, die Transfer möglich und effizient machen. Forschung spezialisiert sich, um Spitzenergebnisse zu erzielen. Für Unternehmen wird die Identifizierung des richtigen Ansprechpartners zur Optimierung von Produkten und Verfahren schwieriger und gleichzeitig wichtiger. Auch die Forschung ist gefordert, sich in ihren unterschiedlichen Bereichen und mit effektiven Partnern in der Industriestadt Berlin zu vernetzen, um Projekte zur Innovation, um Ideen zur kommerziellen Verwertung zu bringen. Hier sind Verbindungen zu schaffen, hier ist das Einsatzfeld der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TSB. Analysen und strategische Empfehlungen, Information und Beratung, Projektinitiierung und Koordination sind gefordert.

Das Arbeitsfeld der TSB wandelt und erweitert sich. Berlin und Brandenburg bilden einen gemeinsamen Wirtschaftsraum und verfolgen mit der innoBB eine gemeinsame Innovationsstrategie mit der Fokussierung auf fünf Cluster. Die Managements für Gesundheitswirtschaft, Verkehr/Mobilität/Logistik, Energietechnik, Optik sowie IKT/Medien/Kreativwirtschaft stellen die TSB Innovationsagentur, die Berlin Partner und die ZukunftsAgentur Brandenburg. Die Bildung gemeinsamer Teams gehört zur Etablierung der Cluster, die 2011 weitgehend abgeschlossen wurde. 2012 besteht der Transferauftrag der TSB auch darin, mit der Verknüpfung von Forschung und Unternehmen die Cluster für eine zielgerichtete Innovations- und Wirtschaftsförderung zu entwickeln und die Basis für Wachstum zu schaffen. Denn Wachstum sichert Zukunft. Innovationen bringen Wachstum.

Sybille von Obernitz Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung, Berlin

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011

Inhalt

Grußwort der Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung

Wissens- und Technologietransfer bleibt beständige Herausforderung für die Technologiestiftung Berlin 	 Die TSB Technologiestiftung Berlin im Überblick	 Was wir wollen	
Positionen:

3 7 6

Innovationen für die Hauptstadtregion	
Positionen:

8 10 12

Die Zukunft der Industrie 	 Das Jahr im Bild	
Interview mit Prof. Dr. Dr. h.c. Günter Stock

Ehrfurcht und Ehrgeiz	 Innovationen aus der Hauptstadtregion	

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Die Stiftung	
Technologiekommunikation

24 25 26 27

Informationen, Diskussionen, Ideen	
Bildung & Projektförderung

Aktivitäten entlang der gesamten Bildungskette	
Technologie & Innovation

Daten, Fakten, Handlungsempfehlungen	

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011 

Die Innovationsagentur	
Verkehr & Mobilität

28 29 30 32 33 34 35

Die Verkehrssysteme der Zukunft	
Life Science & Gesundheit

Der innovative Kern der Gesundheitswirtschaft	
Energietechnik

Innovationen für die Energiewende	
Informations- & Kommunikationstechnologien

Offene Standards, vernetztes Leben, funkende Verbindungen	
Optik & Mikrosystemtechnik

Alleinstellungsmerkmal im Wettbewerb der Regionen	
Industrie & Forschung

Energie- und Ressourceneffizienz in der Produktion	

Publikationen der TSB Technologiestiftung Berlin	

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Der Förderverein	

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Treffpunkt für innovative Menschen aus Wissenschaft und Wirtschaft	 39

Köpfe der TSB Technologiestiftung Berlin 	 Gremien der TSB Technologiestiftung Berlin 	

40 42

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011

Die TSB Technologiestiftung Berlin im Überblick

TSB Kuratorium

TSB Aufsichtsrat

Aufsichtsgremium von TSB Technologiestiftung / TSB Innovationsagentur (Personalunion)

TSB Technologiestiftung Berlin
Geschäftsbereiche kk Technologie & Innovation kk Bildung kk Technologiekommunikation Leistungen kk Daten und Fakten für die Technologiepolitik kk Identifizierung von Kompetenzen und Kooperations­potenzialen kk Handlungsvorschläge zur Weiterentwicklung der Region kk Weiterentwicklung des Technologie-Portfolios der Stadt kk Förderung des Nachwuchses für MINT-Berufe kk Schaffung eines innovationsfreundlichen Klimas

TSB Innovationsagentur Berlin GmbH
Geschäftsbereiche kk Life Science & Gesundheit kk Verkehr & Mobilität / Energietechnik kk Optik & MST / IKT / Industrie & Forschung kk Finanzen & Administration Leistungen kk Wissens- und Technologietransfer kk Clustermanagement kk Projektentwicklung und -management kk Netzwerkmanagement kk Innovations- und Technologieberatung kk kaufmännisches Projektmanagement

kk Stiftung bürgerlichen Rechts kk gemeinnützig und unabhängig von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft (Neutralität)

kk100 %ige Tochter der TSB Technologiestiftung kk Neutralität kk vorwettbewerblich tätig

Stiftungszweck kk Förderung von Wissenschaft und Bildung

TSB Förderverein Technologiestiftung Berlin e.  . V kk unterstützt die TSB Technologiestiftung kk lobt den Transferpreis WissensWerte aus

Unternehmenszweck kk Beratung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Bereich Technologietransfer kk Clustermanagement im Auftrag der Länder Berlin und Brandenburg

TIR Technologie- und Innovationsrat Berlin kk berät das Land Berlin/den Regierenden Bürgermeister kk Beirat der TSB Technologiestiftung

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011

Was wir wollen

kk Wir unterstützen Innovation und Technologie­ ntwicklung. e kk Wir fördern die naturwissenschaftlich-technische Bildung. kk Wir arbeiten daran, dass Berlin-Brandenburg seine reiche Forschungslandschaft für die wirtschaftliche Entwicklung nutzt und zur innovativsten Region Europas wird. kk Wir organisieren Plattformen und Netzwerke für den Fortschritt. kk Wir sorgen dafür, dass aus Ideen Projekte und aus Projekten Produkte werden. kk Wir stärken die Hauptstadtregion.

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011

Positionen

Innovationen für die Hauptstadtregion

Berlin muss auf Innovation setzen. Politisches Ziel ist es, die Hauptstadtregion als modernen Wirtschaftsstandort auf Basis wissensbasierter Industrien zu entwickeln. Deshalb braucht Berlin eine Institution, die eindeutig auf Innovationsförderung fokussiert: die TSB Technologiestiftung Berlin.

In den letzten zehn Jahren haben wir die Stärken der Region analysiert und mit Brandenburg eine Strategie verabredet, die sich auf fünf Cluster konzentriert. Wir sind gespannt, wie sich diese Technologiefelder entwickeln. Es sind allesamt Bereiche, die vor großen Herausforderungen stehen und das Leben eines jeden von uns stark beeinflussen.

liche Durchbrüche. Andererseits wollen wir nicht nur persönlich als Techniknutzer davon profitieren, sondern auch ökonomisch als Region, indem hier Produkte für den Weltmarkt erfunden, entwickelt und produziert werden. Der Ansporn ist also ein doppelter. Und wir haben allen Grund, beständig daran zu arbeiten, dass Forschung und Entwicklung vernünftige Rahmenbedingungen haben, effektiv unterstützt werden und Wertschätzung erfahren.

Erfolge der Innovationspolitik Unsere Zukunft wird von Technologie und Innovation geprägt sein
Was erwarten wir für die nächsten Jahrzehnte? Die Lebenswissenschaften sollen die Mittel hervorbringen, um insbesondere die Krankheiten des Alters soweit zu beherrschen, dass weder Lebensspanne noch Lebensqualität schmerzlich verringert werden. Die Energietechnik muss die Voraussetzungen schaffen, dass regenerative Energien kostenmäßig mit der konventionellen Energieerzeugung aus fossilen Quellen mithalten können. Im Bereich Verkehr und Mobilität erwarten wir vor allem im Individualverkehr, aber auch in der Warenlogistik in den großen Metropolen Systemveränderungen, die mit den nun startenden Groß­er­ v suchen der Elektromobilität einen ersten Impuls erhalten, aber noch viel weiter reichende Veränderungen bringen werden. Informations- und Kommunikationstechnologie wird unseren Alltag noch viel weiter durchdringen, als das heute schon der Fall ist. PCs werden verschwinden, dafür werden Tische, Kleider, Fenster, Zahnbürsten und Sonnenbrillen computerisiert. Optik und Mikrosystemtechnik schließlich werden Leistungsfähigkeit und Effizienz einer Vielzahl von Geräten von der medizinischen Diagnostik über Fotovoltaik und Umweltmonitoring bis zur Datenübertragung weiter verbessern. Wir können von Glück sagen, dass nicht nur bei uns, sondern überall auf der Welt an diesen großen Aufgaben gearbeitet wird. Je größer die Anstrengungen, desto größer die Chancen auf wirkDie Berliner Wirtschaft wuchs in den letzten Jahren stärker als jedes andere Bundesland. Alleine zwischen 2004 und 2010 stieg das Bruttoinlandsprodukt um 14,3 Prozent. Bundesweit waren es 6,7 Prozent. Für diese positive Entwicklung spielen Innovationen und neue Produkte eine besondere Rolle: Ihr Anteil am Umsatz beträgt in Berlin mehr als 36 Prozent; im Bundesgebiet sind es 26 Prozent. Berlins Wirtschaft wächst vor allem im Bereich der Spitzentechnologien, ein Bereich, der sich gemessen am Umsatz durch einen besonders hohen Anteil an Forschungs- und Entwicklungsleistungen auszeichnet. Und noch etwas fällt ins Auge: In Berlin wird gegründet, wobei der Schwerpunkt bei den Spitzentechnologien und im Bereich der wissensorientierten Dienstleistungen liegt. Die Zahlen lassen zwei Schlüsse zu: Zum einen zeigen sie, dass unsere Strategie, sich auf bestimmte Bereiche zu konzentrieren und eine enge Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft zu bewirken, richtig ist. Zum anderen zeigt der ungebrochene Trend, dass das Entwicklungspotenzial für die Stadt nach wie vor im Technologie- und Innovationsbereich liegt.

Die Entwicklungsdynamik bleibt bestehen
Keine andere Region Deutschlands ist so mit Forschungseinrichtungen gesegnet wie die Hauptstadtregion. Die im Sommer 2011

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011 Innovationen für die Hauptstadtregion

erschienene TSB-Studie „Kapital in Köpfen“ hat gezeigt, welchen Anteil alleine die technischen Hochschulen am Gründungs­ geschehen in Berlin haben. Gleichzeitig ist die Hauptstadtregion ein Magnet. Nach Berlin kommen Menschen, die etwas ausprobieren wollen, die vielleicht etwas Neues wagen wollen, die neugierig sind. Das ist eine Stärke. Die breite Forschungslandschaft, die Offenheit und Experimentierfreude sind eine Basis, auf der die Innovationspolitik aufbauen kann. Berlin hat sich vor diesem Hintergrund in den letzten Jahren gut aufgestellt: Eine länderübergreifende Innovationsstrategie hat zu einer Konzentration der Aktivitäten in den Clustern Gesundheitswirtschaft, Verkehr/Mobilität/Logistik, Energietechnik, Optik sowie IKT/Medien/Kreativwirtschaft geführt. Dabei legt die Strategie besonderes Augenmerk auf die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft sowie Wissens- und Technologietransfer, die einen Schwerpunkt der Arbeit der TSB darstellen.

Strategien und Kreativität sind gefragt, aber auch Geduld
Der Weg, auf die eigenen Stärken zu setzen und die Entwicklung zu begleiten, kostet Zeit, Geduld und erfordert Kreativität. Es gibt keine Patentrezepte. Vielmehr müssen für die verschiedenen Bereiche passgenaue Angebote gemacht werden. Innovative Medika­ ente in die Anwendung zu bringen, erfordert andere m Maßnahmen als die Weiterentwicklung von Batterien für Elektrofahrzeuge. Die richtigen Angebote zu konzipieren, anzubieten und zu managen, ist Aufgabe der TSB. Neben der Arbeit in den einzelnen Clustern engagiert sich die TSB dafür, die Cluster miteinander zu verknüpfen, Impulse zu geben und bisher unerkannte Stärken herauszuarbeiten, die in die Entwicklung einbezogen werden sollen. Natürlich ist nicht zu erwarten, dass bei dieser Arbeit völlig neue Themen entdeckt werden. Aber Studien, wie die zum Turbomaschinenbau in der Region, die die TSB Anfang 2011 herausgegeben hat, zeigen, dass es nach wie vor Themen gibt, die mehr Aufmerksamkeit verdienen, weil ihre gezielte Weiterentwicklung wichtige Impulse und spürbare Effekte bringen kann. Stärker als bisher wird die TSB zukünftig außerdem Expertise von außen mit einbeziehen. Wie machen es andere Regionen? Was kann man lernen? Was können Experten mit ihrem Blick von außen der Region raten?

Berliner Zukunftsorte nicht kleinteilig entwickeln
Berlin hat Platz für Neues. Nicht in Randlage, wo Flächen erst angebunden werden müssen. Nein, insbesondere in den letzten Jahren sind Flächen hinzugekommen, die mitten im Geschehen liegen, eine spannende Geschichte haben und viel Platz für Zukunft bieten. Ich nenne diese Orte deshalb gerne Zukunftsorte und denke dabei an Flächen wie die alten Flughäfen Tegel und Tempelhof, das Gelände am neuen Hauptbahnhof oder den Campus Charlottenburg in enger Nachbarschaft zur Technischen Universität und der Universität der Künste. Diese Flächen dürfen nicht einzeln betrachtet und im schlimmsten Fall in Konkurrenz zueinander entwickelt werden. Berlin sollte vielmehr die Chance ergreifen, ein Konzept für diese Zukunftsorte und deren Entwicklung zu formulieren und in eine Hand zu legen. Es müssen klare Profile herausgearbeitet und Konzepte entwickelt werden, wie sich die Flächen aus eigener Kraft, mit gezielten Anstößen und Leuchttürmen weiterentwickeln können. Der Blick auf Adlershof zeigt, wie es gehen kann, und bestätigt: Es werden die innovativen Ideen und Projekte aus der Forschung und Entwicklung sein, die Zukunft generieren und auf deren Förderung sich die Stadt konzentrieren muss. Größere Ansiedlungen von außen sind in ein solches Entwicklungskonzept jederzeit integrierbar, wenn sie kommen. Sich auf diese zu konzentrieren, wäre aber der falsche Weg.

Berlin braucht Nachwuchs
Die Anregungen, die die TSB gibt, erfolgen immer mit dem Blick der Naturwissenschaftlerin beziehungsweise des Naturwissenschaftlers, der Technikerin oder des Technikers auf das Innovations­ eschehen. Dabei kennt und versteht die TSB beide g Seiten: Wissenschaft und Wirtschaft. Auch das TSB-Engagement für naturwissenschaftlich-technische Bildung beruht auf der Überzeugung, dass Berlin für seine weitere Entwicklung diesen Sachverstand braucht und hierfür werben muss – je früher, desto besser.

Norbert Quinkert Vorsitzender des Vorstands TSB Technologiestiftung Berlin

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011

Positionen

Die Zukunft der Industrie

Rückblickend ist immer alles einfach und klar. Die Vorstellungen von der ersten industriellen Revolution sind heute recht einheitlich: Dampfmaschine, mechanischer Webstuhl, Fabriken. Auch wenn von der zweiten industriellen Revolution die Rede ist, denken die meisten vor allem an weitgehende Mechanisierung und Massenproduktion, wie wir sie von Charlie Chaplin in Moderne Zeiten gezeigt bekamen. In Hinblick auf eine etwaige dritte gehen die Meinungen dagegen schon deutlich auseinander.

Je mehr wir uns der Jetztzeit nähern, desto unklarer ist, ob wir große Umwälzungen gewärtigen und wodurch sich diese auszeichnen. Wurde eine dritte Revolution durch die Mikroelektronik eingeleitet und ist als „Digitale Revolution“ noch in vollem Gange? Oder sollen wir uns den „Aufbruch in ein ökologisches Jahrhundert“ darunter vorstellen? Oder das „Ende der Arbeit“? Es zeigt sich: Die markanten Benennungen eignen sich besser für die Vergangenheit als für die Zukunft. Wenn wir darüber nachdenken, wie sich die Industrie in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird, brauchen wir keine Revolutionen auszurufen. Es geht darum, Trends zu erkennen, sich Herausforderungen zu stellen und Zeichen zu setzen. Und warum nicht mit Blick auf Berlin? Die Hauptstadt der führenden Wirtschaftsmacht Europas war einst ein strahlender Industriestandort, konnte es dann lange nicht mehr sein, glaubte vielleicht eine Weile, es nicht mehr werden zu müssen, besinnt sich nun aber wieder auf den Wert realer Wertschöpfung.

diesen Punkt möchte ich besonders betonen: Weil Industrie auf ständige Innovation angewiesen ist, stärkt sie Forschung und Entwicklung. Innovation ist die entscheidende Größe, der wir größte Beachtung schenken müssen. Es ist nämlich müßig, über die vielen Vorzüge von Industriearbeitsplätzen zu sprechen, wenn wir nicht zielgerichtet daran arbeiten, dass sie entstehen. Mancher glaubt, sie lassen sich kaufen. Auch Berlin-Brandenburg versucht, wie alle anderen Standorte, nach Kräften finanzielle Anreize für Ansiedlungen zu bieten. Dem kann man sich kaum entziehen, aber wie jeder weiß, sind unsere Möglichkeiten in dieser Hinsicht sehr begrenzt. Deshalb muss die Devise lauten: Selber machen! Und an dieser Stelle deutet sich an, dass die Reindustrialisierungsgeschichte Berlin durchaus auf ein Happy End zusteuern kann. Natürlich brauchen wir Ausdauer, natürlich muss die Politik die richtigen Weichen stellen. Aber die Voraussetzungen sind gut, und der eingeschlagene Weg ist Erfolg versprechend.

Innovation ist nicht gleich Innovation Moderne Industriearbeitsplätze
Nun schauen wir, was wir haben und was wir können. Wir sind erschrocken, wenn das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung uns sagt, dass der Stadt 100.000 Industriearbeitsplätze fehlen. Diese 100.000 würden in der Tat einen großen Unterschied machen. Denn Arbeitsplätze sind nicht gleich Arbeitsplätze. Moderne Industriearbeitsplätze sind etwas Besonderes: Sie liefern Produkte, die weltweit verkauft werden, und sorgen so dafür, dass Geld von außen in die Region fließt. Sie bieten Arbeit auf einer Vielzahl von Qualifikationsniveaus und vorwiegend im Bereich mittlerer Einkommen. Sie sorgen für mehr Jobs: Ein moderner Industriearbeitsplatz schafft in der Regel drei bis vier zusätzliche Arbeitsplätze in industrienahen Dienstleistungen. Und, „Wissens- und Technologietransfer“ lautet der etwas spröde Fachbegriff. Im Kern geht es darum, aus Ideen Projekte und aus Projekten Produkte zu machen. Überlegene Produkte. Überlegen, weil innovativ. Solche Produkte fallen nicht vom Himmel. Und Innovation ist auch nicht gleich Innovation. Generell gilt: Je weiter am Anfang der Wertschöpfungskette die Innovation steht, desto bedeutender ist sie. Innovative Verpackungen, Werbemotive oder Vertriebskanäle haben ihre Berechtigung und können unter Umständen zu einem schnellen, spektakulären Erfolg verhelfen. Sie zeitigen jedoch keine nachhaltige Wirkung. Maßgebliche Verbesserungen am Beginn der Wertschöpfungskette, etwa ein innovatives Wirkprinzip, wie die

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011 Die Zukunft der Industrie

Gentherapie in der Medizin, oder eine neue Speichertechnologie können dagegen echte „Game Changer“ sein, die eine Industrie komplett verändern. Die meisten Innovationen liegen irgendwo zwischen diesen beiden Polen. Wichtig ist: Sie entstehen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Wirtschaft. Diese muss deshalb gehegt und gepflegt werden. Dafür steht uns eine Vielzahl von Instrumenten zur Verfügung: der individuelle Austausch zwischen Forschern und Anwendern auf Konferenzen, Seminaren und anderen Veranstaltungen, Auftragsforschung, gemeinsame Forschungsprojekte, Beratungsleistungen von akademischen Forschern und die Einlizenzierung von geistigem Eigentum. Eine sehr effektive Form des Technologietransfers ist auch die Ausgründung, bei der akademische Forschungs- und Entwicklungsprojekte (FuE-Projekte) in Form eines Unternehmens weitergeführt werden. Sehr hilfreich für die Stimulierung des Wissenstransfers und die Anbahnung kooperativer FuE-Projekte sind themenspezifische Netzwerke.

neue Systeme. Und damit primäre Arbeitsplätze und sekundäre Arbeitsplätze. Ist das alles ein Selbstläufer? Ja und nein. Ja, weil Berlin eine großartige Wissenschaftslandschaft hat, weil es eine Stadt ist, die kreative Menschen anzieht und offen für Neues ist. Das wissen unter anderem auch internationale Konzerne zu schätzen und orientieren sich deshalb nach Berlin. Nein, weil es in Berlin auch Vorstellungen gibt, man könne Beschäftigung von Wachstum entkoppeln, man könne mangelnde Wertschöpfung durch umfänglichere Umverteilung kompensieren, man könne Fortschritt durch Sparen ersetzen. Damit solche Vorstellungen nicht über ein Nischendasein hinauskommen, brauchen wir in der Politik ein klares Bekenntnis zu Wachstum und Technologieentwicklung. Ist Berlin dann bereit für eine neue industrielle Revolution? Die sollen andere verkünden. Was die Hauptstadtregion braucht, ist eine breite Innovationsoffensive, die Mobilisierung aller Kräfte an der Schnittstelle von Wissenschaft und Wirtschaft.

Gute Aussichten für die Hauptstadtregion
In der regionalen Innovationsförderung, mit der die TSB Innovationsagentur Berlin beauftragt ist, werden all diese Ansätze verfolgt. Den Rahmen bildet dabei die Gemeinsame Innovationsstrategie der Länder Berlin und Brandenburg (inno-BB), die eine Konzentration auf fünf Cluster vorsieht: Gesundheitswirtschaft, Verkehr/Mobilität/Logistik, Energietechnik, Optik sowie IKT/Medien/Kreativwirtschaft. Diese länderübergreifende, den gemeinsamen Wirtschaftsraum umfassende Strategie ist auch wirtschaftsstrukturpolitisch, vor allem in Hinblick auf den zukünftigen Zugang zu Mitteln der Europäischen Union (EU), sehr bedeutsam, denn die EU sieht in der Strategie Europa 2020 vor, vorrangig „funktionale Räume“ (wie von uns definiert und gelebt) zu fördern. Die Metropolregion Berlin-Brandenburg ist prädestiniert für das schnelle Voranschreiten hin zur wissensbasierten Ökonomie. Diese entsteht nicht durch einzelne „Wunderinnovationen“ oder monothematische (zum Beispiel auf Klimaschutz fixierte) Technologieförderung sondern durch eine breite Innovationsbewegung mit differenzierter Schwerpunktsetzung. Sie entsteht durch die enge Zusammenarbeit mit Universitäten, Fachhochschulen und den zahlreichen Forschungseinrichtungen der Helmholtz- und der Leibniz Gemeinschaft, der Max-Planck- und der FraunhoferGesellschaft. Das Ergebnis sind neue Produkte, neue Prozesse, Dr.-Ing. Adolf M. Kopp Geschäftsführer TSB Innovationsagentur Berlin GmbH

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011

Das Jahr im Bild

Große und kleine Spatenstiche für das HELLEUM-Kinderforscher­ zentrum am 1. September Thomas Meißner, GeschäftsbeWTT-Kooperationsforum „Angewandte Automation in Industrie, Energie­ systemen und Gebäuden“ im Labor für Regelungstechnik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin reichsleiter Verkehr & Mobilität / Energietechnik bei der TSB Innovationsagentur, testet E-Bikes.

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011 Das Jahr im Bild

Prof. Dr Barbara Lenz, Sprecherin des Clusters Verkehr, Mobilität & Logistik, beim Forschungspolitischen Dialog „Elektromobilität“ im April

Die „Berlin Night“ ist ein beliebter Treffpunkt auf der weltgrößten Bio­ echnologiemesse, der BIO, im Juni in Washington. t

Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung zum Clustermanagement Optik auf dem Innovationsgipfel im August. Von links: Clustersprecher Michael Stamm, Bereichsleiter IKT bei der TSB, im Interview anlässlich der Verleihung des Website Awards 2011 im Weltkulturerbe Völklinger Hütte Prof. Dr. Günther Tränkle, Dr. Adolf M. Kopp, Dr. Steffen Kammradt und Dr. Rolf Strittmatter

Dr. Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, bei der Eröffnung der „Zukunftskonferenz Medizin­ echnik 2011“ im Juni t

Auf der Clusterkonferenz Energietechnik im Dezember werden Resultate aus den fünf Handlungsfeldkonferenzen vorgestellt, auf deren Basis der Masterplan Energietechnik Berlin-Brandenburg entwickelt wird.

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011 Das Jahr im Bild

Über 5.000 Schülerinnen und Schüler der Klassen 3 bis 6 besuchen vom 6. bis 8. September die TSB Aktionstage in der Urania.

Der Treffpunkt WissensWerte im Oktober widmet sich unter dem Titel „Globetrotter – Wissenschaftliches Reiseziel Berlin“ dem Reisen und Ankommen in einer der spannendsten Wissenschaftsregionen der Welt.

Die Reihe „Foreign Researcher Forum“ bietet ausländischen Forschern, die in Berlin zu Gast sind, eine Plattform zum Austausch.

Andrea Ode vom Julius Wolff Institut der Charité ist die Siegerin des BIONNALE Speed Lecture Awards 2011. Rechts: Dr. Kai Bindseil, Geschäftsbereichsleiter Life Science & Gesundheit bei der TSB

Kooperationsbörse des Enterprise Europe Networks (EEN) auf dem „Mobile World Congress 2011“ im Februar in Barcelona

Den Auftakt für den Beschluss, die Clusterzusammenarbeit zwischen Berlin und Warschau im Bereich der optischen Technologien zu stärken, bildet das „Warsaw-Berlin Business Lunch“ am 22. November.

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011 Das Jahr im Bild

Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung treffen sich auf dem TSB Jahresempfang im Mai.

Im Rahmen der vom BMVBS geförderten „Modellregion Elektromobilität Berlin-Potsdam“ werden Verkehrs- und Mobilitätskonzepte des Personenund Gütertransports erprobt. Die TSB Innovationsagentur fungiert dabei als Projektleitstelle. Im Bild ein Elektro-LKW der Hüffermann Transportsysteme

Teilnehmer des deutsch-britisch-französischen Workshops über „Innovative health-promoting food“ im September in der Französischen Botschaft in Berlin

Preisverleihung des Ideen- und Best-Practice-Wettbewerbs im Technologiefeld Open Source/Open Standards am 8. August im Rahmen des Desktop Summit 2011. Von links: Carl-Philipp Wackernagel (TSB), Michael Stamm (TSB), Birthe Russmeyer (Finn GmbH), Sven Hinderlich (Deutsche Telekom, Referenzkunde Finn GmbH), Raffael Reichelt (Sugarlabs Deutschland), Jörn Turner (betterFORM), Steffen Illner (IundS AG Berlin), Nikolaus Bride, Staatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt, Yan Minagawa (teleportR), Ivan Villanueva (Gridcalendar)

Ministerin Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst, Minister Ralf Christoffers und Senator Harald Wolf beim Innovationsgipfel

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011

Interview mit Prof. Dr. Dr. h.c. Günter Stock

Ehrfurcht und Ehrgeiz Interview

Herr Prof. Stock, ich habe Ihnen keine Fragen mitgebracht, sondern neun Begriffspaare, die viel mit Ihrem Wirken zu tun haben. Wir würden gerne hören, was Ihnen spontan dazu einfällt.
Einverstanden.

Berlin und Brandenburg
Die Akademie, an der ich tätig bin, ist eines der ältesten und besten Beispiele dafür, dass es zwischen beiden Ländern funktioniert. In einer Zeit, in der wir von der Globalisierung des Wissens sprechen, ist es anachronistisch, scharf zwischen Berlin und Brandenburg zu differenzieren. Auch in der TSB haben wir, insbesondere mit der Initiative BioTOP, gezeigt, dass die Zusammenarbeit in bestimmten Bereichen hervorragend funktioniert.

Dann beginnen wir mit: Technologie und Innovation
Beides soll uns weiterbringen und beides basiert auf Forschung. Im öffentlichen Dialog scheint es besser, Innovationen anhand von Produkten zu diskutieren und nicht anhand der zugrunde liegenden Technologien. Wenn über Gentechnologie oder Nanotechnologie gesprochen wird, verbindet man damit etwas Abstraktes, und es ist fast trivial zu sagen, Technologie bringt Gutes und Schlechtes zugleich. Dann kann man das Gute betonen oder das Schlechte hervorheben. Deshalb sollten wir lieber fragen: Möchtest Du neue Medikamente haben? Oder: Möchtest Du einen Autolack haben, der nicht so empfindlich ist? So kommen wir weiter. Entscheidend ist, ob eine Innovation wünschenswert und sicher ist, und nicht, ob das Produkt mit dieser oder jener Technologie hergestellt wird.

Fortschritt und Wachstum
Es gibt viele Menschen, die glauben, wir seien genug gewachsen. Sie wollen eine Abkehr vom Höher-Schneller-Weiter. Das scheint auf den ersten Blick sympathisch. Andererseits muss man sehen, dass sehr vieles noch nicht optimal gelöst ist. Ich bin fasziniert von den neuen Möglichkeiten, die die Wissenschaft eröffnet. Es wäre eine Sünde wider den Geist, wenn man diese notwendigen Innovationen nicht zulassen würde, weil man genug vom Wachstum hat. Das Wesen des Fortschritts besteht darin, dass wir nicht die Richtung bestimmen. Schauen Sie die moderne Informationstechnologie an, die heute unseren Alltag prägt und auf die niemand mehr verzichten will. Die war nicht geplant und wurde nicht vorausgesehen. Wir sollten uns also nicht anmaßen, den Fortschritt steuern oder bremsen zu wollen, wir sollten ihn lediglich mit einer Kosten-Nutzen- beziehungsweise Chancen-RisikenAbwägung begleiten. Wenn wir „Ja“ sagen zum Fortschritt, dann ist es genauso klar, dass es auch weiteres Wachstum gibt.

Akademie und Industrie
In den vergangenen Jahrzehnten haben wir sehr viel gelernt. Früher hat man strikt getrennt. Im akademischen Bereich wurde Grundlagenforschung betrieben. Dann übergab man an die Industrie, die daraus irgendwelche Produkte machte. Physiker, Chemiker und Techniker haben schon relativ früh gesagt, dass es für sie wichtig ist, zu sehen, was aus ihren Erfindungen wird. Sie haben daher engere Kontakte zur Wirtschaft gepflegt. Mit dem Aufkommen der molekularen Medizin hat sich auch im biologischmedizinischen Bereich etwas völlig Neues ergeben. Wir haben sehr viel mehr naturwissenschaftliche Technologien angewendet. Die Industrie hat sich, gerade im Biotech-Bereich, weit in die elementare Forschung begeben, und an akademischen Einrichtungen wird versucht, mit Partnern, auch Produktentwicklung zu betreiben. Mittlerweile sind akademische Forschung und industrielle Forschung eng verzahnt und davon profitieren beide.

Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft
Es wäre für einen Leonardo da Vinci undenkbar gewesen, eine solche Differenzierung zu machen. Und es war für Leibniz, den Gründer unserer Akademie, undenkbar, beides zu trennen. Er hat diese Akademie, und diesen Akademietyp, der sich weltweit durchgesetzt hat, in deutlicher Abhebung zur Londoner Royal Society und Pariser Académie des sciences und auch zur damaligen Leopoldina gegründet, indem er sie eben nicht auf Naturwissenschaften und Medizin beschränkte. Er wollte ausdrücklich ALLE Wissenschaften zusammenführen. Heute müssen wir noch weiter­ehen. Wir müssen innerhalb der Naturwissenschaften g stark interdisziplinär arbeiten. Und wir sind, wenn wir die großen

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011 Interview

Herausforderungen unserer Zeit meistern und uns nicht mit technischem Fortschritt begnügen wollen, sondern umfassenden gesellschaftlichen Fortschritt anstreben, auch auf sozial- und geisteswissenschaftliche Expertise angewiesen. Der rechtliche, soziologische, ethische Dialog muss parallel zur Entwicklung technischer Lösungen geführt werden.

Wissenschaft und Politik
Die Emanzipation der Wissenschaft von staatlichem oder hoheitlichem Willen ist eine große Errungenschaft. Politik hat die Aufgabe, die Randbedingungen für Forschung und Wissenschaft so zu gestalten, dass sie sich entwickeln können, und darauf zu achten, dass die Wissenschaft sich selbst Maßstäbe gibt und selbst ihre Qualität kontrolliert. Die Wissenschaft ihrerseits muss versuchen, auch solche Probleme zu lösen, die von der Politik und von der Gesellschaft als dringlich angesehen werden. Sie muss zudem den Anspruch haben, der Politik in jenen Fragen Rat zu geben, in denen wissenschaftlicher Rat angezeigt ist. Dabei muss sie Fakten zur Verfügung stellen, aber auch klar sagen, wo es noch Unsicherheit gibt. Und sie muss der Versuchung widerstehen, selbst politische Entscheidungen treffen oder beeinflussen zu wollen.

Wirtschaft oder gar der Industrie. Dann hat man entdeckt, dass Gesundheit Geld kostet und Medizin vornehmlich als Kostenfaktor und medizinischen Fortschritt als Kostentreiber gesehen. Ich denke, wir tun gut daran, Gesundheit als hohes Gut und die Gesundheitswirtschaft als im doppelten Sinne lohnendes Unterfangen zu erkennen. Jeder von uns möchte zu Recht auf höchstem Niveau versorgt werden. Viele von uns – in Berlin-Brandenburg sind es über 350.000 Menschen – arbeiten in der Gesundheitswirtschaft. Auch die Vorstellung, medizinischer Fortschritt führe zwangsläufig zu wachsenden Kosten, ist falsch. Wir können heute oft durch medikamentöse Behandlung Operationen vermeiden. Und selbst wenn wir mehr Geld für Gesundheit ausgeben, so darf man nicht übersehen, dass dadurch Kosten für Arbeitsausfall und Arbeitsunfähigkeit gesenkt werden. Gerade die medikamentöse Behandlung hat auch ein demokratisches Element. Es gibt keine Wartezeiten, und fast jeder kommt in den Genuss. Dieses kann eigentlich nur ein Zyniker beklagen.

Vergangenheit und Zukunft
In der Berlin-Brandenburgischen Akademie wird sehr viel über das kulturelle Erbe gearbeitet: wie wir es erhalten können, aber auch erschließen und für Zukunftsfragen berücksichtigen können. Wenn wir die Errungenschaften der Vergangenheit nicht genügend kennen und würdigen und darauf aufbauen, dann werden wir die Zukunft weniger gut gestalten. Es gibt keine vergangenheitsfreie Zukunft. Von Newton stammt der Satz: „If I have seen further it is by standing on the shoulders of giants“. Damit ist Ehrfurcht ausgedrückt, aber auch der Ehrgeiz, den kommenden Generationen einen noch weiteren Blick zu ermöglichen.

Bildung und Wohlstand
Ohne Bildung kein Wohlstand, ohne Wohlstand weniger Bildung. Bildung hat auf volkswirtschaftlicher und auch persönlicher Ebene zweifellos mit Wohlstand zu tun. Bildung hat aber auch damit zu tun, sein Leben selbständig, autonom gestalten zu können und für sich selber unmittelbar Lebensqualität zu gewinnen. Man erlangt „inneren Reichtum“, der mit dem äußeren nicht direkt korreliert ist. Bildung ist damit alles andere als bloßes Mittel zum Zweck.

Gesundheit und Wirtschaft
Gesundheitswirtschaft (in einem Wort) ist ein spannendes Thema. Und zwar deshalb, weil wir, gerade in Deutschland, darin immer noch fast einen Gegensatz sehen. Mit Gesundheit Geld zu verdienen, war lange Zeit nicht besonders ästimiert. Gesundheit wurde der Sphäre des Sozialen zugerechnet, nicht der Welt der

Prof. Dr. Dr. h.c. Günter Stock ist Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Kurato­ riumsvorsitzender der TSB Technologiestiftung Berlin. Die Stichworte gab Thilo Spahl.

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011

Innovationen aus der Hauptstadtregion

Funkelbeton

Berlin-Brandenburg ist innovativ. Doch viele Produkte, Ideen oder revolutionäre Konzepte sind kaum bekannt. Deshalb haben wir eine bunte Mischung von kleinen und großen, einfachen und komplizierten, nützlichen oder auch lebensrettenden Innovationen aus der Region zusammengestellt.

HINTERGRUND: Beton ist überall – meist grau und unauffällig. IDEE: Eine Betonwand, die einem plötzlich ein Signal gibt, fällt auf, dachten sich die Schöpfer von BlingCrete™. Um dies zu erreichen, werden Mikroglaskugeln in die Betonoberfläche eingelassen. Sie bewirken, dass eine Lichtreflektion beim Vorbeigehen für einen bestimmten Moment stark sichtbar wird. Die sogenannte retroreflektierende Oberfläche wirft einfallendes Licht präzise in Richtung der Lichtquelle zurück. So wechselt die Betonober­ fläche von einem passiven in einen aktiven Zustand. MARKT: Die Eigenschaften von BlingCrete™ eröffnen vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten in der Architektur, der Innenarchitektur, dem Produktdesign und in verkehrstechnisch sicherheitsrelevanten Bereichen. AUSGEWÄHLT VON: Ines Junge Wissenschaftliche Mitarbeiterin Technologie & Innovation

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Gate of Trust

Kameras aus dem Salzstreuer

HINTERGRUND: Um Anschläge zu vermeiden, wurden Kontrollen an Flughäfen stark ausgeweitet. Diese sind oft zeitintensiv und nur bedingt erfolgreich. IDEE: Das European Aviation Security Center (easc) hat ausgehend von diesen Herausforderungen einen konzeptionellen Ansatz mit dem Namen „Gate of Trust“ für Flughäfen entwickelt: ein dualer Ansatz mit realem und „virtuellem“ Security Check. Der reale Security Check besteht aus einem mit attraktiven flächigen OLEDs illuminierten Durchgang („OLED-Gate“), hinter dessen Wänden verschiedenste, für den Passagier nicht zuordenbare Detektionstechnologien verborgen sind. Im „virtuellen“ Security Check werden für den Passagier nicht erkennbare Detektionstechnologien über das gesamte Terminal verteilt. MARKT: Das Sicherheitskonzept kann in modifizierter Form, aber auch in anderen kritischen Infrastrukturen zum Einsatz kommen, wie etwa in Bahnhöfen, Schiffsterminals oder auch Veranstaltungshallen. AUSGEWÄHLT VON: Dr. Uwe Weigmann Projektleiter Modern Airport Verkehr & Mobilität

HINTERGRUND: Sehen, wo man von Natur aus nicht hinsehen kann, ist nicht nur reizvoll, sondern inzwischen unverzichtbarer Bestandteil vieler technischer Prozeduren. IDEE: Je kleiner und billiger, desto besser. Das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM hat zusammen mit dem Unternehmen Awaiba eine Minikamera von der Größe eines Salzkorns entwickelt, die kleiner als ein Stecknadelkopf ist. Ein spezielles Produktionsverfahren ermöglicht es, dass die Kameras nicht nur kleiner, sondern auch sehr viel billiger herzustellen sind. MARKT: Mit Kosten von wenigen Euros eignet sich das System als Einmalkamera besonders für den medizinischen Einsatz in Endoskopen. Zudem interessiert sich auch die Automobilindustrie für den Kamera-Winzling. Aktuell wird daran geforscht, mit Mikrokameras Außenrückspiegel von Fahrzeugen zu ersetzen. AUSGEWÄHLT VON: Gerrit Rössler Projektmanager Optik & Mikrosystemtechnik

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Zähler mobil

Klärwerke als Kraftwerke

HINTERGRUND: In Deutschland sollen bis 2020 eine Million Elektroautos unterwegs sein. Das gelingt nur, wenn Kosten minimiert werden. IDEE: Die Berliner Firma ubitricity hat ein Konzept für eine Lade­ infrastruktur auf Basis mobiler Zähl- und Kommunikationstechnik entwickelt, die mit geringen Investitionen die Installation einer Vielzahl von Ladepunkten ermöglicht. Die Ladestation ist dabei wenig mehr als eine Steckdose. Die Zähl- und Kommunikationstechnik bringt der Nutzer mit: entweder als Teil seines Fahrzeugs (On-Board Metering) oder eingebaut in einem Kabel (Cable Metering). MARKT: Elektromobilität ist mittelfristig ein stark wachsender Markt. Wenn sich das Konzept durchsetzt, kann es zum Standard in jedem E-Mobil werden. AUSGEWÄHLT VON: Frank Behrendt Projektleiter Verkehr & Mobilität

HINTERGRUND: Kommunales Abwasser enthält erhebliche Mengen an chemischer Energie, die bislang als erneuerbare Energiequelle weitestgehend ungenutzt bleiben. Stattdessen wird in den klassischen kommunalen Kläranlagen zusätzliche Primärenergie zur Belüftung eingesetzt. IDEE: Im Projekt CARISMO am Kompetenzzentrum Wasser Berlin (KWB) werden schrittweise neue Wege gesucht, um Kläranlagen von Verbrauchern fossiler Energie zu Nettoproduzenten regenerativer Energie zu verwandeln. Die großen Kläranlagen Berlins haben derzeit einen spezifischen Energiebedarf von 0,2 bis 0,4 Kilowattstunden pro Kubikmeter. Bei vollständiger Umwandlung aller im Abwasser enthaltenen organischen Stoffe zu Methan mit der derzeit besten verfügbaren Technik könnten bis zu 0,8 Kilowattstunden pro Kubikmeter Abwasser erzeugt werden. In Pilotversuchen werden mit realem Abwasser drei neue Behandlungskonzepte erprobt und evaluiert. Bei allen geht es darum, mit Einsatz von Mikrosieb-Separationstechnik bereits im Primärschlamm die Kohlenstoffausbeute zu erhöhen. MARKT: abhängig von Investitionsbedarf und Entwicklung der Energiekosten AUSGEWÄHLT VON: Dr. Dieter Müller Geschäftsbereichsleiter Bildung & Projektförderung

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Märchenonkel 2.0

Neuartiger Steinzertrümmerer

HINTERGRUND: Die in der Medizin eleganteste Methode, schmerzhafte Nieren-, Blasen- oder Gallengangsteine loszuwerden, besteht darin, sie mit einem gepulsten Laserstrahl zu zertrümmern. Größter Nachteil hierbei ist aber die Gefahr von Schäden am umliegenden Gewebe durch die Hitzeentwicklung des konzentrierten Lichts. Zudem kommt es vor, dass der Stein unkontrollierbar weggestoßen wird und deshalb zusätzliche Laserpulse nötig werden. HINTERGRUND: Smartphones und Tablets mit GPS-Funktion verbreiten sich immer mehr und ermöglichen neue Anwendungen. IDEE: Jede Geschichte hat einen Ort, an dem sie spielt. Warum nicht Ort und Geschichte zusammenbringen? Mit dem Produkt STORYTUDE entwickelt die mobile melting GmbH spannende Hörgeschichten und Stadt-Touren für iPhone und Android. Diese sind „location based“, so dass Hörgeschichten an bestimmten Orten abgespielt werden, die man sich erläuft. MARKT: Beliebte Reiseziele sind auch beliebte Orte für Geschichten. Allein für Berlin gehen die Geschichten so schnell nicht aus. Das Unternehmen hat aber auch schon Hamburg, Frankfurt und München im Programm. AUSGEWÄHLT VON: Carl-Philipp Wackernagel Stellvertretender Bereichsleiter Informations- & Kommunikations­ echnologien t IDEE: Entscheidend ist die Dauer der Laserpulse: Während herkömmliche Steinzertrümmerer (Holmium-YAG-Laser) für einen einzelnen Puls mindestens 300 Mikrosekunden benötigen und entsprechend viel Hitze erzeugen, reichen dem Lasergerät der Limmer Laser GmbH, FREDDY 400 plus, für eine hochintensive Schockwelle 1,2 Mikrosekunden. Damit ist das Hitzeproblem gelöst und der Stein auch in sensitiven Organen zertrümmert. MARKT: Die lasergestützte Therapie von intrakorporalen Steinen zeigt deutliche Vorteile gegenüber klassischen Alternativen. Die beim Laser verwendeten Lichtleiter sind flexibler und dünner. Dadurch können auch schwer zugängliche Organe erreicht werden. Wichtigste Limitierung war bislang die Hitzeentwicklung, welche sich mit der hier vorgestellten Idee vermeiden lässt. AUSGEWÄHLT VON: Pia Jost Koordinatorin medtecnet-BB Life Science & Gesundheit

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Energiecontrolling

Körper auf dem Chip

HINTERGRUND: Über dem Verbrauch von Strom, Gas, Wasser und Druckluft hängt meist ein „dichter Nebel“. Er verdeckt den hohen Anteil überflüssiger Verbräuche und Kosten. Sensorik und Informationstechnik erlauben es, diesen Nebel zu lichten. IDEE: Die Firma deZem GmbH hat eine Visualisierungs- und Analysesoftware für Energie-, Umwelt- und Prozessdaten entwickelt, mit der jede Verschwendung in Echtzeit sichtbar wird. So entsteht höchste Energietransparenz mit einfach nachvollziehbaren Verbrauchs- beziehungsweise Kostenkurven und vielfältigen anderen Visualisierungen, die zu genauer Untersuchung einladen und oft eine schnelle Problemlösung oder Optimierung erlauben. MARKT: Durch Energieeinsparung kann praktisch jeder Kosten senken. deZem liefert Komplettlösungen aus Hardware (Sensoren und Übertragungstechnik) und Software. Energiecontrolling findet unter anderem schon Anwendung in Industriebetrieben, Rechenzentren, Bürogebäuden, Schulen und Forschungseinrichtungen. Das Unternehmen hat Projekte in Europa, Zentral- und Südamerika sowie Asien. AUSGEWÄHLT VON: Martin Schipper Bereichsleiter Energietechnik

HINTERGRUND: Tierversuche sind ethisch umstritten, kostenintensiv und auch nur bedingt aussagekräftig, da Tiere anders auf Substanzen reagieren als Menschen. Die Methoden der dreidimensionalen Gewebezüchtung können dazu beitragen, die Notwendigkeit deutlich zu verringern. IDEE: Die Firma TissUse entwickelt zusammen mit der Technischen Universität Berlin winzige menschliche Organe auf einem Biochip. Auf dem Chip werden die einzelnen Organmodelle, etwa für Leber, Haut und Nervengewebe, über ein Mikrofluidiksystem versorgt, also unter ähnlichen Bedingungen wie im lebenden Organismus kultiviert. Über verschiedene Sensoren kann gemessen werden, wie das Miniaturorgan auf die zugegebenen Substanzen reagiert. Das Fernziel ist, den gesamten menschlichen Organismus als modulare Ansammlung von 3D-Zellmodellen auf einen Mikrochip zu packen. MARKT: Nicht zuletzt weil Tierversuche teuer sind, besteht für die Medikamentenentwicklung, aber auch beim Testen von Chemikalien und Kosmetika, ein großer Bedarf an Alternativmethoden. AUSGEWÄHLT VON: Volker Erb Projektmanager Life Science & Gesundheit

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Dom für unterwegs

Jede Minute zählt

HINTERGRUND: Die wachsende Mobilität macht auch vor „Immobilien“ nicht Halt. Kluges Design und innovative Materialien ermöglichen Leichtbaukonstruktionen für die unterschiedlichsten Anlässe. IDEE: Die Firma ZENDOME hat sich auf mobile Architektur in Gestalt von geodätischen Kuppeln spezialisiert. Eine geodätische Kuppel ist ein konvexes, unregelmäßiges Polyeder. Das Unternehmen setzt auf höchsten ästhetischen Anspruch bei minimalem Materialaufwand und größtem Innenraumvolumen. Die Kon­ struktionen von ZENDOME sind in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Berliner Wissenschaft in vielen technischen Details für schnellen Aufbau, hohe Mobilität und hohe Belastbarkeit der Außen­haut optimiert. MARKT: Ein Schwerpunkt der Nutzung liegt im Bereich des Event-Marketings. Das Unternehmen bietet Kuppeln von 20 bis 300 und mehr Quadratmetern Grundfläche. AUSGEWÄHLT VON: Siegfried Helling Bereichsleiter Industrie & Forschung

HINTERGRUND: Schlaganfall ist die häufigste Ursache für eine bleibende Behinderung im Erwachsenenalter und die dritthäufigste Todesursache. Wie schwer die Folgen sind, hängt entscheidend davon ab, wie schnell die Therapie einsetzt. IDEE: In dem Berliner Verbundprojekt STEMO werden Technologien und Methoden entwickelt und erprobt, damit in Zukunft wertvolle Zeit gewonnen wird. Das Forschungsprojekt, an dem die Charité, die Berliner Feuerwehr sowie die Firmen MEYTEC und B·R·A·H·M·S beteiligt sind, zielt darauf, mit der Behandlung bereits beim Rettungseinsatz zu beginnen. In das Stroke-EinsatzMobil (STEMO) wurden dafür erstmals ein CT-Gerät, ein Notfall­ labor und eine telemedizinische Verbindung in die Klinik eingebaut. MARKT: Der medizinische Bedarf ist groß. Alle 100 Sekunden erleidet ein Mensch in Deutschland einen Schlaganfall. AUSGEWÄHLT VON: Dr. Christian Hammel Geschäftsbereichsleiter Technologie & Innovation

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011

Die Stiftung

Die TSB Technologiestiftung Berlin ist eine private, gemeinnützige Stiftung. Ihr Ziel ist es, Wissenschaft und Forschung sowie Bildung in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik zu fördern. Schwerpunkte der Tätigkeit sind Strategieentwicklung zur Unterstützung der regionalen Innovationspolitik, Projekte zur MINT-Bildung sowie Beiträge zum öffentlichen Diskurs über Wissenschaft und Technologie.

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011 Die Stiftung

Technologiekommunikation

Informationen, Diskussionen, Ideen

Die TSB sorgt dafür, dass über Forschung und Technologie gesprochen wird. Mit einer Vielzahl von Veranstaltungen fördern wir den Austausch zwischen Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft auf der einen und Politik und breiter Öffentlichkeit auf der anderen Seite.

Rot + Grün = Gelb
Die TSB hat gemeinsam mit dem UniLab Adlershof der HumboldtUniversität Experimentierworkshops für Eltern und Großeltern entwickelt, die praktisch lernen wollen, wie man mit Kindern naturwissenschaftlich spielt. Nach erfolgreichen Testläufen wird das Format in das UniLab-Angebot übernommen und vom Schülerforschungszentrum Helleum angeboten.

Forschungspolitischer Dialog
Mit der Senatsverwaltung für Forschung führt die TSB seit über 15 Jahren die Reihe „Forschungspolitische Dialoge“ durch. Diese stellt die Leistungsfähigkeit und Attraktivität des Wissenschaftsstandortes dar und arbeitet notwendige strukturverbessernde Maßnahmen und Leitprojekte für das Zusammenwirken von Wissenschaft und Wirtschaft in innovativen Zukunftstechnologien heraus. Beim Forschungspolitischen Dialog im April 2011 wurden die vielfältigen Aktivitäten zu Elektromobilität aufgegriffen, die regionalen Potenziale und Handlungsempfehlungen thematisiert und mit hochrangigen Akteuren aus Wissenschaft, Unternehmen, Politik und Verwaltung diskutiert.

Kontakt mit der Welt
Ein weiterer Schwerpunkt im Geschäftsbereich Technologiekommunikation ist der internationale Austausch. Hier ein Ausschnitt aus den Aktivitäten: kk In Anknüpfung an einen niederländischen Delegations­ esuch b in Berlin im Jahr 2009 fand im Februar 2011 ein Besuch von Berliner Wissenschaftlern im Life-Science-Cluster Rotterdam und Eindhoven statt. kk Im Juni wurde von der TSB ein Austausch des Hong Kong Science and Technology Parks und des Technologieparks Adlershof initiiert. kk Im Rahmen der Asien-Pazifik-Wochen fand in Kooperation mit dem Berlin-Brandenburg Center for Regenerative Therapies ein Symposium zur Regenerativen Medizin statt. kk In der Reihe „Treffpunkt WissensWerte“ diskutieren Experten mit internationalen Forscherkarrieren zum Thema „Globetrotter – Wissenschaftliches Reiseziel: Berlin“. kk Vertreter aus 17 Ländern folgten am 12. Oktober 2011 der  Einladung der TSB zur Veranstaltung „Innovation Policy Made in Berlin – Turbo Engines“ ins Siemens Gasturbinenwerk Berlin. kk In der Veranstaltungsreihe „Researchers Forum – Networking Opportunities in Berlin“ fanden drei Veranstaltungen zu den Themen Biotechnologie, Medizintechnik und Gesundheitswirtschaft statt. Ziel der Veranstaltungen sind langfristige und nachhaltige Vernetzungen internationaler Gastwissenschaftler untereinander und mit Berliner Einrichtungen.

Treffpunkt WissensWerte
„Gipfelstürmer“, „Turbomaschinen“, „Sternenzeit“, „Kunst-Stoff“, „Herzenssache“ lauteten 2011 die Themen in der Reihe Treffpunkt WissensWerte, die die TSB gemeinsam mit Inforadio (rbb) durchgeführt hat, um die Öffentlichkeit über aktuelle Technologie- und Innovationsthemen aus der Region zu informieren. Die Podiumsdiskussionen mit Experten aus der Wissenschaft und Wirtschaft finden vor Publikum statt, werden aufgezeichnet und mehrfach auf Inforadio ausgestrahlt.

TSB Aktionstage
Die TSB Aktionstage in der Urania zielen darauf, Kinder an technische und wissenschaftliche Themen heranzuführen. 2011 nahmen rund 5.200 Dritt- bis Sechstklässler und 400 Lehrkräfte teil. Die TSB bot gemeinsam mit vielen Partnern aus den Schülerlaboren naturwissenschaftlich-technische Workshops und MitmachVersuche an, die darauf angelegt sind, von den Schülern zuhause beziehungsweise mit ihren Lehrern im Unterricht nachgemacht und weiterentwickelt zu werden.

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011 Die Stiftung

Bildung & Projektförderung

Aktivitäten entlang der gesamten Bildungskette

Das Berlin Laboratory for Innovative X-Ray Technologies (BliX) – ein Erfolg der Stiftungsprofessur Röntgenanalytik
Anfang 2009 ist die Physikerin Prof. Dr. Birgit Kanngießer auf die Stiftungsprofessur „Analytische Röntgenphysik“ berufen worden. Die Einrichtung der Professur wurde von 13 in- und ausländischen Unternehmen, der TSB und der Technischen Universität Berlin (TU) initiiert. Ziel ist es, die anwendungsnahe Forschung der analytischen Röntgenphysik nachhaltig auszubauen sowie eine fundierte Ausbildung der Studierenden auf diesem Gebiet zu gewährleisten. Um die Unternehmen in ihrer Eigeninitiative zu unterstützen und der Universität eine langfristige Forschungspartnerschaft anzubieten, hat die TSB ein Modell einer nicht rechtsfähigen Verbrauchsstiftung unter ihrem Dach entwickelt. So konnten der TU für die Stiftungsprofessur 515.000 Euro aus den Zustiftungen der Unternehmen und wei­ere 135.000 Euro aus TSBt Mitteln zugesichert werden, zusammen 650.000 Euro über einen Zeitraum von 5 Jahren. Ein großer Erfolg dieser Stiftungsprofessur ist die Etablierung des „Leibniz-Applikationslabors für innovative Röntgentechno­ogien“ l – kurz BliX – zusammen mit dem Max-Born-Institut. Die offizielle Eröffnung erfolgte am 4. Februar 2011. Das BliX ist mit bislang 1,2 Millionen Euro aus Senats- und Bundesmitteln ausgestattet. Im BliX werden durch eine neuartige Laser-Plasma-Quelle Experimente möglich, die bisher nur an Synchrotronquellen wie BESSY durchführbar sind. Auch Strukturen, die dünner sind als 100 Nanometer, wie zum Beispiel diejenigen innerhalb von DünnschichtSolarzellen, können mit dieser Laserquelle untersucht werden. Das Labor soll durch Angebote an kleine und mittlere Unternehmen für einen Technologietransfer in die Wirtschaft stehen sowie als Ausgangspunkt für innovative kommerzielle Produkte dienen. Die TSB sieht damit die großen Erwartungen bestätigt, die sie in die Kofinanzierung der Stiftungsprofessur gesetzt hat. Es ist gelungen, durch die Sicherung von Grundlagenforschung an einer Hochschule gleichzeitig Anstöße für die anwendungsnahe Forschung in Kooperation mit Unternehmen zu geben und damit weitere Mitteleinwerbungen in die Region zu ermöglichen.

Die TSB unterstützt Aktivitäten zur Verbesserung der Bildung in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik entlang der gesamten Bildungskette. Im Jahr 2011 wurde unter anderem das Kinderforschungs­ entrum Helleum ins Leben gerufen z und das Leibniz-Applikationslabor für innovative Röntgentechnologien etabliert.

Kinderforscherzentrum HELLEUM
Neigungen werden bereits sehr früh in der Bildungskarriere entwickelt und gefestigt. Das HELLEUM in Marzahn-Hellersdorf, Lehr- und Lernort zugleich, will mit einem spielerischen Zugang zu Wissenschaft und Technik das Interesse an naturwissenschaftlichen und technischen Berufen wecken. Das HELLEUM dient auch als Plattform für die wissenschaftliche Entwicklung neuer Lernangebote. Das Projekt unterstützt dazu besonders die Aus- und Weiterbildung von MINT-Lehrkräften. Das Konzept des HELLEUM wurde in einem Netzwerk aus Bezirksamt, der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, den lokalen Grundschulen und beteiligten Hochschulen entwickelt. Die TSB fördert dieses Leuchtturmprojekt der regionalen MINT-Bildung. Am 1. September 2011 konnte in feierlichem Rahmen der erste Spatenstich für den Neubau gesetzt werden. Zu Gast waren neben Vertretern des Bezirks auch die Staatssekretärinnen für Stadtentwicklung, Hella Dunger-Löper, und für Bildung, Jugend und Familie, Claudia Zinke.

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011 Die Stiftung

Technologie & Innovation

Daten, Fakten, Handlungsempfehlungen

Die Berliner Wirtschaft hat begonnen, ein sehr spezifisches Profil herauszubilden, das stark von Spitzentechnologien geprägt ist. Daten und Fakten aus dem Geschäftsbereich Technologie und Innovation der TSB zeigen dies deutlich. Sie belegen, dass die TSB und das Land mit ihrer Strategie, Wissen aus der öffentlichen Forschung der Region in die Anwendung in der Region zu bringen, auf die richtigen Pferde gesetzt haben und dass so wieder endogenes Wachstum entsteht. Studien der TSB geben Handlungsempfehlungen, wie dieser Erneuerungsprozess weiter gestärkt werden kann. In der TSB Schriftenreihe „Studien zu Technologie und Innova­ tion“ sind zwei Bücher erschienen. Die Studie „Turbomaschinen in Berlin-Brandenburg. Forschung – Industrie – Innovation“ zeigt Bedeutung und Entwicklungschancen des Turbomaschinenbaus in der Hauptstadtregion auf. Die Studie „Wie neues Wissen in die Wirtschaft kommt“ legt erstmals für die Region empirische Daten und Fakten zu Art, Umfang, Regionalität und Motivation von Kooperationen zwischen Unternehmen und (Fach-)hochschulen vor. Die wichtigsten Ergebnisse: kk Kooperation zwischen Hochschulen und Unternehmen hat erheblichen Umfang: Rund die Hälfte aller Unternehmen aus dem produktiven Gewerbe und den technischen Dienstleistungen kooperiert mit Hochschulen. Rund 85 Prozent der Hochschullehrer der drei großen technischen Fachhochschulen kooperieren mit Unternehmen. Gründungen aus Hochschulen heraus sind ein weiterer relevanter Innovationsfaktor. kk Abschlussarbeiten und gemeinsame Forschungsprojekte sind die wichtigste Form der Kooperation. Während Hochschul­ lehrer vorwiegend an Forschungsfragen interessiert sind, hat für die Unternehmen auch die Gewinnung künftiger Fachkräfte einen hohen Stellenwert. kk Bei der Anbahnung von Kooperationen sind persönliche Kontakte zwischen den Hochschullehrern und den Industrie­ forschern ausschlaggebender Faktor. kk Trotz des hohen Niveaus der Kooperationen sieht die Studie noch Steigerungschancen und gibt dazu Empfehlungen: Da fachliches Interesse und persönliche Kontakte entscheidend sind, sollten die Aktivitäten in fachlich orientierten Netzwerken intensiv gepflegt werden. Den Unternehmen empfiehlt die Studie, Kooperationen längerfristig anzulegen. Darüber hinaus zeigt sie, dass dadurch noch ein erhebliches Reservoir an Fachkräften erschlossen werden kann.

Zwei Themenhefte der Reihe „Daten und Fakten“ stellen in komprimierter Form Hintergrundwissen zu Innovationsfaktoren in Berlin vor: kk „Forschung und Entwicklung in Berlin – Woher das neue Wissen kommt“ zeigt die FuE-Ausgaben der Region: Obwohl 60 Prozent der FuE-Ausgaben von der öffentlichen Hand getätigt werden, ist auch die Industrieforschung erfreulich angestiegen. Der überwiegende Teil der Industrieforschung entfällt auf die Großindustrie, aber bei den kleinen und mittleren Unternehmen ist der Anstieg besonders groß. Und das Forschen zahlt sich aus: Die Umsätze mit neuen oder verbesserten Produkten sind bei Berliner Unternehmen deutlich höher als im Bundesdurchschnitt. kk „Kapital in Köpfen – Potenzial für Innovation und Wachstum in Berlin-Brandenburg“ zeigt Daten und Fakten zu hochqualifizierten Fachkräften und zu Hochtechnologiegründern in der Region.

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011

Die Innovationsagentur

Die TSB Innovationsagentur Berlin GmbH ist ein Tochterunternehmen der TSB Technologiestiftung Berlin. Sie ist von den Ländern Berlin und Brandenburg mit dem Clustermanagement beauftragt und konzentriert sich daher auf die Themen Gesundheitswirtschaft, Verkehr & Mobilität, Energietechnik, Optik sowie IKT. Darüber hinaus unterstützt die TSB Innovationsagentur auch Unternehmen anderer Branchen beim Technologietransfer und übernimmt das kaufmännische Management von Förderprojekten.

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011 Die Innovationsagentur

Verkehr & Mobilität

Die Verkehrssysteme der Zukunft

Verkehr und Mobilität markieren ein Spannungsfeld für die Entwicklung von Gesellschaften und Wirtschaftssystemen. Einerseits werden Grundbedürfnisse befriedigt und der Austausch von Waren ermöglicht, andererseits verursacht der „physische“ Verkehr Belastungen – vom Flächenverbrauch über Lärm und Unfallgefahren – bis hin zur Emission klimarelevanter Gase. Die Gestaltung nachhaltiger Verkehrssysteme ist der Schlüssel zur Sicherung der Mobilität. Dies gilt auf regionaler, nationaler und letztlich auf globaler Ebene. Die Region Berlin-Brandenburg mit ihren besonderen interdisziplinären Kompetenzen bringt gute Voraussetzungen mit, die Verkehrssysteme der Zukunft in wesentlichen Teilen zu gestalten. Diese Potenziale noch besser zu nutzen, ist eine wichtige Handlungsmaxime des Bereichs Verkehr und Mobilität in der TSB, die die Federführung im gemeinsam mit der Zukunfts­Agentur Brandenburg und Berlin Partner getragenen Clustermanagement Verkehr, Mobilität und Logistik hat.

Verkehr auf dem Flughafenvorfeld – effizient und sicher Das Cluster formiert sich
Am 25. Mai ging das Cluster Verkehr, Mobilität und Logistik in Berlin-Brandenburg offiziell an den Start. Prof. Barbara Lenz, die Leiterin des Instituts für Verkehrsforschung des DLR, wurde als Clustersprecherin berufen. Frau Prof. Lenz steht besonders für das interdisziplinäre Entwickeln zukünftiger Verkehrssysteme und damit für den integrativen Ansatz der Clusterstrategie. Sicherheit und Wirtschaftlichkeit der Verkehre auf dem Flug­ hafenvorfeld weiter zu optimieren – das ist das Leitmotiv des von der TSB koordinierten EU-Projektes AAS. Im Rahmen der Abschlusskonferenz auf dem Flughafen Tegel im April 2011 wurde demonstriert, wie das Zusammenspiel moderner Telematiklösungen mit den unterschiedlichen Leitstellen auf einem Flughafen den Airportbetrieb optimieren kann.

Berlin und Brandenburg – Vorreiter der Elektromobilität
Die Hauptstadtregion strebt eine führende Position beim Zukunftsthema Elektromobilität an. In der Modellregion BerlinPotsdam und anderen Erprobungsvorhaben sind wichtige Erkenntnisse für das Funktionieren elektrischer Mobilität gewonnen worden. Der nächste große Schritt für die Schaffung von kritischer Masse bei Fahrzeugen und Infrastruktur wird das „Internationale Schaufenster Berlin-Brandenburg“ sein. Die Ende 2010 gemeinsam von Berlin Partner und TSB Innovationsagentur gegründete Berliner Agentur für Elektromobilität (eMO) hat in 2011 die Erstellung des Schaufensterantrags koordiniert. Im Frühjahr 2012 gab die Bundesregierung bekannt, dass die Region zu den vier Siegern des Wettbewerbs gehört. Es stehen nun Fördermittel von bis zu 50 Millionen Euro zur Verfügung.

Rahmenbedingungen für umweltfreundliche Bahnsysteme
Die Nutzung der technischen Möglichkeiten für verringerten Energieverbrauch von Eisenbahnen erfordert passende rechtliche Rahmenbedingungen. Das EU-Projekt EcoRailS erarbeitete und testete an der Schnittstelle zwischen Technik und Verkehrswirtschaft einen rechtssicheren Leitfaden mit dem Ziel, die Energieeffizienz regionaler Bahnverkehre nachhaltig zu optimieren. Koordiniert von der TSB Innovationsagentur und mit maßgeblicher Rolle des Senats haben die Partner aus sechs europäischen Ländern diesen Leitfaden 2011 unter ihren jeweiligen Randbedingungen erfolgreich erprobt.

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011 Die Innovationsagentur

Life Science & Gesundheit

Der innovative Kern der Gesundheitswirtschaft

Die Gesundheitswirtschaft nimmt in der Region Berlin-Brandenburg eine herausragende Stellung ein. Mit 16 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung und über 350.000 Beschäftigten ist sie ein entscheidender Wirtschaftsfaktor in der Hauptstadtregion. Den innovativen Kern bilden dabei Unternehmen der Biotechnologie-, Medizintechnik- und Pharmabranche, die am Standort mit einer Vielzahl von akademischen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie Kliniken kooperieren. Die TSB Innovationsagentur ist von den beiden Ländern mit dem Management des Clusters Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg beauftragt. Dies umfasst auch Management und Koordination des Branchennetzwerks BioTOP, des Leitprojekts „Zentrum für Molekulare Diagnostik und Bioanalytik“ (ZMDB), der Regenerativen Medizin Initiative Berlin-Brandenburg (RMIB), des Imaging Netzwerks Berlin (INB), des Medizintechniknetzwerks Berlin-Brandenburg (medtecnet-BB) sowie des Netzwerks Gesundheitswirtschaft Health Capital.

bringen. Zum Einstieg wurde am 29. November 2011 ein von Experten der „Hasso Plattner School of Design Thinking“ moderierter Workshop mit Unterstützung der SAP durchgeführt, um gemeinsam Zukunftsszenarien für die Gesundheitsregion BerlinBrandenburg zu entwerfen. In gemischten Teams aus Wirtschafts­ experten und Wissenschaftlern beider Disziplinen wurden Szenarien dazu entwickelt, wie mit den Herausforderungen im Gesundheitsbereich in den nächsten Jahren umgegangen werden kann. Die neue Aktionslinie berücksichtigt auch vorhandene Projekte in der Telemedizin. Dort lag 2011 ein Schwerpunkt auf der Entwicklung der länderübergreifenden Telemedizin, insbesondere in Zusammenarbeit mit Institutionen des Landes Brandenburg. Es wurde eine Kooperationsvereinbarung mit der Telemed-Initiative Brandenburg e. V. geschlossen und Formate zur Beförderung der Telemedizin wie zum Beispiel Praxisseminare für niedergelassene Ärzte weiterentwickelt. Zudem wird im Rahmen des EUProjekts „Regions of Europe working together for Health (Renewing Health)“, daran gearbeitet, Kosten und Nutzen von Telemedizin bei Diabetes und COPD bei der Betreuung von europaweit 7.900 Patienten zu erheben.

Regionale und nationale Branchentreffs
Im März nahmen rund 500 Menschen an der neunten BIONNALE der Biotechnologie teil. Thematische Schwerpunkte waren HerzKreislauferkrankungen sowie Dienstleistungen für die Arzneimittelentwicklung. Erstmals gab es ein Partnerland, nämlich die Niederlande, von wo 15 Unternehmen nach Berlin kamen. Mit über 1200 Teilnehmern konnte die SchülerBIONNALE im April, bei der in einem umfangreichen Programm Berufsmöglichkeiten in den Biowissenschaften vorgestellt werden, einen Rekordbesuch verzeichnen. Im Mai folgte der 25. Treffpunkt Medizintechnik in der Charité, der sich diesmal dem Thema „Nicht-invasive Diagnostik“ widmete. Im Juni organisierte die TSB die Zukunftskonferenz Medizintechnik als wichtigstes nationales Treffen der Branche. Die gemeinsam von den Ländern Berlin und Brandenburg sowie den Bundesministerien für Bildung und Forschung, für Wirtschaft und Technologie und für Gesundheit sowie der Branchenverbände BVMed, Spectaris, VDGH, ZVEI und der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik getragene Zukunftskonferenz Medizintechnik 2011 war der Auftakt für den „Strategieprozess Innovationen in der Medizintechnik“. Aufbauend auf den in der Konferenz erarbeiteten Ergebnissen führt das BMBF zusammen

Gesundheit und Informationstechnologie
Im Rahmen der Gemeinsamen Innovationsstrategie der Länder Berlin und Brandenburg (innoBB) wurde im Herbst 2011 auf Initiative der TSB eine gemeinsame Aktionslinie zum Thema „Health  IT“ gestartet, um die Grenzen zwischen der Gesundheitswirtschaft und der Informations- und Kommunikationstechnologie zu überwinden und die regionalen Akteure auf dem Weg zur innovativen Gesundheitswirtschaft der Zukunft zusammenzu-

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011 Die Innovationsagentur

mit dem BMG und dem BMWi einen Strategieprozess „Innovationen in der Medizintechnik“ unter Beteiligung von Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesundheitswesen durch. Ziel ist es, die deutsche Medizintechnikindustrie zu stärken, Innovationsprozesse in der Medizintechnik zu beschleunigen und die Patientenversorgung zu verbessern. Weitere größere Veranstaltungen mit überregionaler Wirkung waren das 5. Senftenberger Innovationsforum Multiparameteranalytik, das 3. Berlin-Brandenburger Technologieforum „In-vitro-Diagnostik und Bioanalytik“, die Potsdam Days on Bioanalysis, die Transferveranstaltung „Science to Market“ zusammen mit der European Association of Pharma Biotechnology sowie der IFCC Weltkongress der Labormediziner im Mai in Berlin, an dem sich das ZMDB mit einem Gemeinschaftsstand und einem Workshop beteiligte.

Durchblick bei den Regularien
Ein wichtiger Bestandteil der Weiterbildungsaktivitäten des Bereichs Life Science & Gesundheit ist das Programm BB LIFE. Es informiert über Voraussetzungen und empfohlene Vorgehensweisen, die bei der Entwicklung, Prüfung, Herstellung, Zulassung beziehungsweise Vermarktung von Arzneimitteln, Medizinprodukten, In-vitro-Diagnostika und anderen Life-Sciences-Produkten zu beachten sind – oder bei der Erbringung von Dienstleistungen für diese Produktgruppen. 2011 wurden insgesamt 21 ganztägige Veranstaltungen mit 73 Referenten und 555 Teilnehmern aus 198 verschiedenen Organisationen durchgeführt, darunter erstmals ein Inspektorenworkshop, als gemeinsames Angebot von TSB, dem Paul-Ehrlich-Institut, der Expertenfachgruppe „Biotechnologie und Gewebe” der ZLG, der Abteilung Gesundheit beim Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg und der Regenerative Medizin Initiative Berlin-Brandenburg (RMIB).

Internationale Vernetzung
Mit der Etablierung der European Diagnostics Cluster Alliance (EDCA), an der neben dem ZMDB sieben weitere Netzwerke aus Belgien, Großbritannien, Frankreich, Schweden, Polen und Spanien teilnehmen, ist die Region einen wichtigen Schritt in der internationalen Vernetzung gegangen. Hauptziele von EDCA sind die Förderung des Wachstums von europäischen KMU im Bereich der medizinischen Diagnostik, die Unterstützung von Kooperationen zwischen Diagnostik-Clustern und die Internationalisierung der Diagnostika-Entwicklung durch europäische Verbundprojekte. Im September trafen sich führende Ernährungsforscher aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland zum „Trilateral Workshop on Innovative health-promoting food“, den die TSB gemeinsam mit der britischen und französischen Botschaft organisierte. Ein weiterer Schritt in der kontinuierlichen Zusammenarbeit mit Korea war das „Symposium Regenerative Medizin“ im Rahmen der Asien-Pazifik-Wochen. Dem Symposium im Rathaus schloss sich einen Tag später ein German-Korean Workshop im Berlin-Brandenburg Center for Regenerative Therapies (BCRT) an. Am Rande der Asien-Pazifik-Wochen wurde unter anderem im Beisein des Gouverneurs der koreanischen Provinz Chungbuk, Herrn Si Jong Lee, ein Memorandum of Understanding zwischen dem Chungbuk-Technopark und dem Biotechnologiepark Luckenwalde unterschrieben.

Nachwachsende Rohstoffe
Vor dem Hintergrund der nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030 wurde mit Vertretern der Universität Potsdam, dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), dem Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim, dem MaxPlanck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie und der Fachhochschule Lausitz ein neuer Themenschwerpunkt Bioökonomie (beziehungsweise BioCleanTech) vorbereitet. Zur weiteren Roadmap-Entwicklung erfolgte Ende 2011 mit der Unterstützung der TSB eine „Potenzialanalyse zur regionalen Bioökonomie in Berlin und Brandenburg“. Ziel war es, vorhandene Kompetenzen zu analysieren und die Innovationspotenziale in der Nutzung nachwachsender Rohstoffe zu identifizieren. Die Analyse zeigt, dass die Region Berlin-Brandenburg das Potenzial hat, beim Aufbau der Bioökonomie in Deutschland und Europa eine führende und maßgebliche Rolle zu übernehmen. Für den Themenbereich Biomaterialien hat BioTOP gemeinsam mit dem Kunststoffverbund Berlin/Brandenburg, BASF und dem Fraunhofer Institut für Angewandte Polymerforschung ein Innovationsforum zum Thema „Biopolymere und biobasierte Kunststoffe – nachhaltige Materialien mit Zukunft“ beim BMBF beantragt, das im Februar 2012 bewilligt wurde.

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011 Die Innovationsagentur

Energietechnik

Innovationen für die Energiewende

identifizierten gemeinsam Handlungsbedarfe, die als Zielsetzungen und Maßnahmen in den Masterplan Energietechnik eingehen werden. Ein wesentlicher Baustein für die Energiewende und damit auch ein wichtiges Aufgabenspektrum für das Cluster ist die Integration von Erzeuger-, Verbraucher- und Energieversorgungsstrukturen im Sinne einer zunehmenden Nutzung erneuerbarer Energien. Eine Integration der unterschiedlichen Dimensionen ist jedoch nur durch eine entsprechende Zusammenarbeit der Akteure möglich. Darum wurde unter anderem der Expertendialog „Berlin-Brandenburg – Region der Energiewende“, in dem Unternehmen aus allen fünf Handlungsfeldern sowie die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung und das Brandenburger Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten vertreten sind, konzipiert und gemeinsam mit der ZAB umgesetzt.

Das Jahr 2011 war für den Energiesektor mit tiefgreifenden Veränderungen verbunden. Die durch die Bundesregierung eingeleitete Energiewende mit dem Ziel, bis 2050 einen umfassenden Wechsel hin zur überwiegenden Versorgung durch erneuerbare Energien zu erwirken, ist für die Energieregion Berlin-Brandenburg mit vielen wichtigen Impulsen und neuen Technologie- und Marktpotentialen verbunden. Berlin und Brandenburg haben sich daher entschlossen, in der Innovationspolitik die Energietechnik noch stärker zu berücksichtigen. Im Januar 2011 wurde das Cluster­ anagement Energietechnik etabliert, das gemeinsam m von der ZukunftsAgentur Brandenburg (ZAB), der TSB Innovationsagentur sowie Berlin Partner getragen wird. Im Mittelpunkt der Clusteraktivitäten 2011 stand der Aufbau von Managementstrukturen sowie die Vorbereitung des Masterplans Energietechnik (Fertigstellung: 2012). Die TSB übernahm unter anderem die Koordination der Handlungsfelder Solarenergie (gemeinsam mit der ZAB), Turbomaschinen und Kraftwerkstechnik sowie Energieeffizienztechnologien.

Berliner Wirtschaftskonferenz 2011: Energie – Technik, Effizienz, Services aus Berlin
Die TSB beteiligte sich als Mitglied in der Wachstumsinitiative Berlin an der Umsetzung der Berliner Wirtschaftskonferenz, die am 23. November 2011 unter dem Motto „Energie – Technik, Effizienz, Services aus Berlin“ stattfand. Dabei wirkte sie an der inhaltlichen Vorbereitung der Konferenz mit und organisierte und moderierte gemeinsam mit der Berliner Energieagentur das Fachforum IV „Energieservices. Stärken und Impulse industrie­ naher Dienstleistungen“. Die Konferenz verdeutlichte die große Bedeutung von Energiethemen für die deutsche Hauptstadt hinsichtlich Unternehmens- und Forschungskompetenzen, die es in Zukunft gezielt weiterzuentwickeln gilt.

Nachhaltige Wasserwirtschaft Bedarfe und Ziele
In den insgesamt fünf Handlungsfeldern des Clusters (neben den genannten Themen auch Energienetze und -speicher/Elektromobilität sowie Windenergie/Bioenergie) wurden Auftaktveranstaltungen sowie eine übergreifende Clusterkonferenz durchgeführt. Regionale Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, sowie Vertreter von intermediären Organisationen und politischen Institutionen Im Rahmen der Clean Economy/Technology-Themen wurde insbesondere die nachhaltige Wasserwirtschaft im Sinne einer Weiterentwicklung der in Berlin vertretenen, großen Technologiepotentiale verfolgt. Ein Beispiel ist die durch die TSB in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zur Anwendung von Innovationen im Rahmen der Nachnutzung des Flughafens Tegel, die vom Netzwerk WaterPN erstellt wurde.

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011 Die Innovationsagentur

Informations- & Kommunikationstechnologien

Offene Standards, vernetztes Leben, funkende Verbindungen
Das Cluster IKT/Medien/Kreativwirtschaft umfasste im Jahr 2009 29.349 Unternehmen mit 211.801 Erwerbstätigen, davon 122.660 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, und erzielte einen Umsatz von 22,4 Milliarden Euro. Auf den Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie entfielen 5.400 Unternehmen mit 51.200 Erwerbstätigen, davon 40.860 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Der Umsatz der Branche betrug 7,9 Milliarden Euro. Die TSB Innovationsagentur übernahm, in Abstimmung mit dem Clustermanagement, die Leitung und in­ altliche Bearbeitung der Handlungsfelder Open Source/ h Open Standards, Wireless – RFID- und Nahfeldfunktechno­ogien l und Vernetztes Leben – IKT für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen.

Jetzt funkts-ionierts in Berlin
Die TSB Innovationsagentur begleitete auch im Jahr 2011 die vier großen Berliner FuE-Projekte im Bereich der drahtlosen Identifikationstechnik (RFID): POSEIDON zum Einsatz von RFID im Museum, sowie Profile HU, und TENIVER – beides Projekte zum Einsatz von RFID in Bibliotheken, damit Bücher schneller, einfacher und bei längeren Öffnungszeiten ausgeliehen werden können. Am 13. September 2011 wurde der Showroom des Berliner Wireless Transfer- und EntwicklungsCenter BeWiTEC an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin eröffnet. Das BeWiTEC soll zur zentralen Anlaufstelle werden, die Entwickler, Anbieter und Nutzer zusammenbringt und die Entwicklung und Nutzung neuer Produkte und Dienstleistungen initiiert. operabilität als gemeinsames Dach, um ihre Aktivitäten zu bündeln und ihre Sichtbarkeit zu erhöhen. Auch das von der TSB geführte Netzwerk „open source berlin“ verbindet Berliner Innovation und gebündeltes Open-Source-Know-how. Die Netzwerkpartner sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und im Verbund optimale Ansprechpartner für große Projekte im Bereich OpenSource-Software.

Wohnen und Arbeiten von Morgen
Highlight des Handlungsfeldes und Netzwerkes „Vernetztes Leben“ waren die gemeinsamen Aktivitäten auf der CeBIT und der IFA 2011. Der Bereich „Vernetztes Leben“ engagiert sich für Lösungen, die Menschen zukünftig durch intelligente Technik im Wohn- und Arbeitsbereich unterstützen werden. Themen sind beispielsweise Komfort und Sicherheit, aber auch generationengerechtes Wohnen und Energieeffizienz.

Berlins Zukunft ist „offen“
Unter dem Motto „Berlins Zukunft ist offen“ lobte die TSB im Sommer 2011 einen Ideen- und Best-Practice-Wettbewerb zu Open Source/Open Standards aus. Die Preisverleihung durch die Staatssekretärin Almut Hartwig-Tiedt fand am 8. August 2011 anlässlich des Desktop Summit 2011 vor rund 800 Teilnehmern aus aller Welt statt. Damit weitere gute Projekte und innovative Unternehmen aus Berlin im Bereich von freier und offener Software noch bekannter werden, wurde im September die Dachmarke „open it berlin – Berliner Netzwerk für freie IT“ ins Leben gerufen. Die gleichnamige Website dient Berliner Akteuren im Bereich Open Source, Open Hardware und Open Standards/Inter­

Unternehmen im Web
Mit dem Projekt eCOMM Berlin unterstützt die TSB Unternehmen, die das Internet und Internet-Technologien geschäftlich nutzen wollen. In über 20 anwenderbezogenen Info-Veranstaltungen wurden 2011 über 1000 Besucher über die neuesten Entwicklungen der Webtechnologien und Nutzung von Social Media unterrichtet.

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Optik & Mikrosystemtechnik

Alleinstellungsmerkmal im Wettbewerb der Regionen
Brandenburg e. V., der mit 110 Mitgliedern neben OpTecBB das größte Branchennetzwerk der Optischen Technologien bildet. Wichtige Aktivitäten 2011 waren unter anderem der Laserstammtisch sowie Workshops bei dem führenden Laserhersteller Rofin-Sinar in Bergkirchen und im Forschungs- und Anwendungszentrum für Füge- und Beschichtungstechnik an der TU Berlin.

Optik aus Berlin weckt internationales Interesse
Das große Interesse internationaler Unternehmer und Wissenschaftler an Optischen Technologien made in Berlin zeigte sich auch während des Kooperationsprojekts „Baltic Sea Innovation Network Centres“, kurz BaSIC. Nachdem das Interreg-Projekt 2011 auslief ergriff die TSB in Zusammenarbeit mit der WISTA Management GmbH und der Messe Berlin GmbH und Unterstützung der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung die Initiative zur Etablierung einer Partnerschaft zwischen den Optik-Clustern in Berlin und Warschau. Im November 2011 trafen sich führende Vertreter aus Wissenschaft und Industrie in Berlin und besiegelten als ersten Schritt zur langfristigen Zusammenarbeit die Teilnahme Polens als Partnerland auf der Laser Optics Berlin 2012.

Seit der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung von OpTecBB, TSB, ZAB und Berlin Partner auf dem Innovationsgipfel 2011 ist das Cluster Optik Teil der Gemeinsamen Innovationsstrategie Berlin-Brandenburg. Zum Cluster gehören 390 Unternehmen sowie 36 Hochschulen und Forschungseinrichtungen in der Hauptstadtregion mit Schwerpunkt in den Optischen Technologien und der Mikrosystemtechnik. Die Entwicklung ist sehr dynamisch. Über 4.000 Industriearbeitsplätze sind in den letzten 10 Jahren entstanden; die Umsätze stiegen im Schnitt um über 8 Prozent jährlich. Mit insgesamt rund 16.600 Beschäftigten in Industrie und Forschung ist die Optik zwar das nominell kleinste der fünf Cluster, aber im internationalen Vergleich wird deutlich, dass die Hauptstadtregion zu den weltweit führenden Standorten der Photonik zählt – ein Alleinstellungsmerkmal im Wettbewerb der Regionen, von dem auch die anderen Cluster enorm profitieren. Denn Optik und Mikrosystemtechnik bilden häufig die Grundlage für innovative Produkte und Dienstleistungen in Medizin, Biotechnologie oder Kommunikationstechnik.

Innovationen für Europa
Im Bereich Optik & Mikrosystemtechnik der TSB ist auch das Enterprise Europe Network (EEN) angesiedelt, das sich um internationale Messen, multilaterale Kooperationsbörsen und komplexe Technologietransfers kümmert. Im Jahr 2011 bot das EEN in der TSB erstmalig eine Seminar- und Workshopreihe zum 7.  Forschungsrahmenprogramm an. Unternehmen und Forschungseinrichtungen erhalten Informationen und Unterstützung, um sich für die internationale Zusammenarbeit vorbereiten zu können. Themen waren Antragstellung, Projektmanagement, Controlling und geistige Schutzrechte. Auch wurden bewährte Formate, wie zum Beispiel die Matchmaking-Software, die Datenbankprofile für den Technologietransfer und für die Geschäftspartnersuche ausgebaut, die ein fester Bestandteil des Serviceangebots der TSB für technologieorientierte kleine und mittlere Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind.

Fokus Lasertechnik
Rund 65 Unternehmen beschäftigen sich in der Region mit der Entwicklung von Lasern und Lasersystemen für ein breites Anwendungsfeld von der Materialbearbeitung bis zur Messtechnik. Die Lasertechnik bildet eines von sechs Handlungsfeldern im Cluster Optik und wird von der TSB betreut. Die TSB setzt dabei auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Laserverbund Berlin-

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Industrie & Forschung

Energie- und Ressourceneffizienz in der Produktion
Serviceleistungen des Bereiches Industrie und Forschung im Rahmen des Projekts Wissens- und Technologietransfer (WTT) tragen seit 2007 dazu bei, das hohe wissenschaftliche Potential der Hauptstadtregion noch enger mit der Wirtschaft zu verzahnen, insbesondere mit Unternehmen der Branchen Elektrotechnik/ Elektronik, des Maschinen- und Anlagenbaus sowie der Chemischen Industrie. Das ermöglicht vor allem kleinen und mittleren Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Der Bereich Industrie und Forschung konzentriert sich auf cluster­ bergreifende Themen, wie zum Beispiel Energie- und ü Ressourcen­ ffizienz in der Produktion. Diese gewinnt als Wettbee werbsfaktor immer stärker an Bedeutung. Die Steigerung der Produktivität von Unternehmen gelingt nur bei effizientem und intelligentem Umgang mit Energie, Material und Personal. Die Energie- und Ressourceneffizienz wird künftig eine der wichtigsten Wettbewerbsgrößen sein, die das Gewicht der Produk­ tionsfaktoren neu definiert. Klimaschutzziele, Verbraucherbedürfnisse und Ressourcenverknappung führen dabei zu neuen Fragestellungen: Wie kann man maximalen Gewinn aus minimalen Ressourcen schöpfen? Welche Potentiale lassen sich für das verarbeitende Gewerbe in der Region ableiten? Welche Möglichkeiten ergeben sich durch den Einsatz effizienterer Technologien bei der Kostenreduktion und Ressourcenschonung? Um die Berliner Unternehmen bei dieser Herausforderung zu unterstützen und zu begleiten, wurde im Rahmen der WTT-Kooperationsforen die Veranstaltungsreihe „Trends und Entwicklungen für eine energie- und ressourceneffiziente Produktion“ ins Leben gerufen. Die Auftaktveranstaltung am 10. Mai 2011 widmete sich dem oft vernachlässigten Thema der „Ressourceneffizienz in der Entwicklung“. Das frühzeitige Erkennen effizienter Technologien ist essentiell. Denn Produktdesign ist auch Produktions­ esign. 80 Prod zent der Produktkosten werden bereits im Entwicklungsprozess festgelegt. Industriedesigner, Entwick­ungs­ngenieure, Konstrukl i teure und Werkstofftechniker legen somit das Fundament für nachhaltige Produkte sowie Prozesse. Die Auftaktveranstaltung war mit einer Vielzahl an Teilnehmern aus Wissenschaft sowie KMU sehr erfolgreich und spiegelte das enorme Interesse am Thema. Die 2. Veranstaltung vom 15. September 2011 beleuchtete das Thema „Energie- und Ressourceneffizienz in Fertigungsprozessen und -systemen“ aus verschiedenen Blickwinkeln. Es wurden Lösungen und Beispiele aus Industrie und Forschung, unter anderem für die Bereiche Arbeitsmittel und Software, sowie Möglichkeiten zur Förderungen dargestellt. 62 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und intermediären Einrichtungen nahmen an dem Forum teil. Immer stärker in den Fokus rücken auch die Energiekosten. Vor diesem Hintergrund lohnt es, den Energieverbrauch in jedem Unternehmen genauer unter die Lupe zu nehmen. Das 3. WTTKooperationsforum vom 10. November 2011 konzentrierte sich deshalb auf die „Energie- und ressourcenschonende Fabrik“. Bereits im Verwaltungsbereich lassen sich oft erhebliche Einspar­ potenziale erschließen. Größere Einsparungen sind in Unternehmen mit energieintensiver Produktion möglich und nötig. Auch die industriell orientierten KMU, beispielsweise im Bereich der Oberflächentechnik oder Metall und Holz verarbeitender Betriebe, haben meist größere Energieeinsparpotenziale, die ausgeschöpft werden sollten. Weitere Themen auf WTT-Veranstaltungen waren unter anderem Schutz vor Produktpiraterie, Micro Energy Harvesting, das heißt die Nutzung von Umgebungsenergie (Ambient Energy), RFID für mobile und webbasierte Anwendungen sowie angewandte Automation.

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011

Publikationen der TSB Technologiestiftung Berlin

Die TSB informiert in Studien, Dokumentationen und Reporten zu Technologieschwerpunkten, Fragen der Innovationsförderung und Clusterentwicklung. Einen Überblick über unsere Veröffentlichungen finden Sie unter www.tsb-berlin.de/publikationen.

In der Reihe „Daten und Fakten“ sind die Studien Kapital in Köpfen. Potenzial für Innovation und Wachstum in Berlin-Brandenburg sowie Forschung und Entwicklung in Berlin – Woher das neue Wissen kommt erschienen. Der erste Band dokumentiert das große Reservoir der Hauptstadtregion an hochqualifizierten Fachkräften und Gründern. Berlin hat – gemeinsam mit Hamburg – bundesweit den höchsten Anteil an hochqualifizierten Beschäftigten und die höchste Gründungsintensität im High-Tech-Sektor. Der zweite Band belegt anhand von FuE-Ausgaben die Entwicklung Berlins zum Spitzentechnologiestandort. Die Umsätze der Industrie mit neuen oder verbesserten Produkten sind deutlich überdurchschnittlich.

In keiner anderen Region Deutschlands gibt es so viele Schülerlabore auf engstem Raum wie in Berlin-Brandenburg. Darüber hinaus bieten zahlreiche Unternehmen und freie Träger Aktionen und Informationen für Schülerinnen und Schüler zu naturwissenschaftlich-technischen Themen an. Der Report Berlin-Brandenburg. Hier forscht die Jugend! gibt einen Überblick über die Angebote.

Die von der TSB beauftragte Machbarkeitsstudie Wassermanagement für die Nachnutzung des Flughafens Berlin TXL untersucht die Möglichkeiten eines nachhaltigen Wassermanagements, entwickelt, angepasst an Bestand und Entwicklungsziele, die Realisierung in Szenarien und stellt die Realisierbarkeit der „Modellstadt Wasser TXL“ dar.

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011 Publikationen der TSB Technologiestiftung Berlin

Berlin-Brandenburg ist eine führende Biotechnologieregion. Der jährlich erscheinende BioTOP Report gibt einen Überblick über Wissenschaft und Wirtschaft.

In der TSB Schriftenreihe „Studien zu Technologie und Innovation“ sind im REGIOVERLAG zwei Bücher veröffentlicht worden. Die Studie Turbomaschinen in Berlin-Brandenburg. Forschung – Industrie – Innovation zeigt Bedeutung und Entwicklungschancen des Turbomaschinenbaus in der Hauptstadtregion auf.

Berlin-Brandenburg ist heute schon als Standort für Praxisprojekte im Bereich Elektromobilität führend in Deutschland. Die bestehenden interdisziplinären Forschungskompetenzen müssen weiter vernetzt werden, um die positive Ausgangsposition zu nutzen und die Attraktivität der Region für Anwendung, FuE und Produktion in der Elektromobilität weiter auszubauen. Der hier dokumentierte Forschungspolitische Dialog Elektromobilität lieferte wichtige Beiträge zur Strategie Berlins, um sich gemeinsam mit dem Land Brandenburg zur führenden Metropolregion der Elektromobilität zu entwickeln.

Die Studie Wie neues Wissen in die Wirtschaft kommt gibt Empfehlungen zur Verbesserung des Wissens- und Technologietransfers.

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011

Der Förderverein

Mit vielfältigen Aktivitäten unterstützt der Förderverein Technologiestiftung Berlin e. V. die anwendungsorientierte regionale Wissenschaft und damit die Arbeit der TSB. Besonderes Anliegen des Fördervereins ist die Intensivierung der Kommunikation zwischen Hochschule und Wirtschaft. Ziel ist es, durch den praxisorientierten Dialog Forschungs-Know-how schneller in die Anwendung zu bringen sowie die Vernetzung der Akteure zu fördern.

Werden Sie Mitglied!
Interessierte aus Forschungs- und innovativen Wirtschaftskreisen sind als Mitglieder im Förderverein stets herzlich willkommen. Informationen erhalten Sie bei der Geschäftsstelle des Fördervereins: Karin Lemansky-Timm Telefon +49 30 46302 461 · lemansky@tsb-berlin.de

TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011 Der Förderverein

Treffpunkt für innovative Menschen aus Wissenschaft und Wirtschaft

Regelmäßig treffen sich Mitglieder des Fördervereins sowie Gäste aus Wissenschaft und Wirtschaft zu Fördervereinsabenden und Besichtigungen von Forschungseinrichtungen beziehungsweise Produktionsstätten. Hier werden interessante Forschungsbereiche, aktuelle Entwicklungen und Innovationen vorgestellt sowie neue Wege für die Intensivierung des Dialoges zwischen Wissenschaft und Wirtschaft beschritten. Im Jahr 2011 wurde unter anderem der im Bau befindliche neue Hauptstadtflughafen besucht, wo die Teilnehmer einen Blick hinter die Kulissen moderner Sicherheitssysteme auf dem Flug­ hafenvorfeld werfen konnten. Beim Clubabend im Produktionstechnischen Zentrum wurden den Teilnehmern neueste Entwicklungen im Bereich industrieller Automatisierungstechnik im Versuchsfeld demonstriert. Der Firmenbesuch bei der IAV GmbH, die mit 4000 Mitarbeitern Ingenieurleistungen für die Automobilindustrie bietet, beleuchtete das Thema „Elektromobilität“. Und auf der Mitgliederversammlung berichtete anlässlich des 50. Jahrestages des Mauerbaus der DDR-Oppositionelle und heutige Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Rainer Eppelmann, als Zeitzeuge.

preiswürdig werden herausragende Transferprojekte betrachtet, die mit überdurchschnittlichem Erfolg durchgeführt werden und ein hohes Innovations- und Marktpotenzial erkennen lassen.

Gewinner des TransferPreises 2011. Von links nach rechts: Dr. Hans Wenzel, Dr. Götz Erbert, Dr. Steffen Knigge, Paul Crump PhD, Dr. Andreas Maaßdorf, Dr. Jörg Fricke

Die Ausschreibungen für den Transferpreis WissensWerte haben in den zurückliegenden Jahren ein lebhaftes Interesse gefunden. Die aus der Fülle der Einreichungen ausgewählten Preisträger und die ausgezeichneten Innovationen haben auf beeindruckende Weise gezeigt, wie vielfältig und anwendungsorientiert die regionale Wissenschaft arbeitet. Im Jahr 2011 war der Transferpreis WissensWerte erstmals mit 50.000 Euro dotiert. Preisträger ist eine Forschergruppe des Ferdinand-Braun-Instituts (FBH). Das von Dr. Götz Erbert geleitete Team konnte die Leistungsfähigkeit von Diodenlasern auf der Basis von Galliumarsenid bei höherer elektri­cher Ausgangsleistung deutlich steigern. Mit dieser Fors schungsleistung vertieft das FBH die enge Kooperation mit der Jenoptik AG, die zurzeit in Nachbarschaft zum Institut durch einen Neubau ihre Produktionskapazitäten für Diodenlaser verdoppelt.

Clubabend im Produktionstechnischen Zentrum

Transferpreis WissensWerte
Seit 2003 vergibt der Förderverein den Transferpreis WissensWerte. Er wendet sich an Wissenschaftler aus Berlin und Brandenburg, die ein Technologietransferprojekt in Kooperation mit einem nach Möglichkeit in der Region ansässigen Unternehmen erfolgreich begonnen oder abgeschlossen haben. Als besonders

Norbert Geyer, Vorsitzender des Fördervereins bei der Preisverleihung im Rahmen des Eröffnungsabends auf der Laser Optics Berlin 2012

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Die Köpfe der TSB
TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011

Köpfe der TSB Technologiestiftung Berlin

Norbert Quinkert
Vorsitzender des Vorstands der TSB Technologiestiftung Berlin

Dr.-Ing. Adolf M. Kopp
Geschäftsführer der TSB Innovationsagentur Berlin

Sein ganzes Berufsleben hat Norbert Quinkert im Bereich der Hochtechnologie gewirkt. Seine Karriere begann 1965 als Systemanalytiker bei der BULL AG, die später als General-Electric-Informations-Service GmbH ausgegründet wurde. Von 1978 an bekleidete er verschiedene Positionen als Vertriebsdirektor, Marketingdirektor und schließlich Geschäftsführer des Unternehmens. 1984 wurden ihm auch die Tochtergesellschaften in Österreich, Schweiz, Norwegen und Schweden unterstellt. 1988 übernahm Quinkert die General Electric Healthcare in Zentraleuropa als Vice President Central European Operations. Durch Jack Welch wurde er in Personalunion zum Präsidenten von General Electric Deutschland ernannt mit der Aufgabe, alle GE-Geschäftsfelder in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu führen. Norbert Quinkert wechselte 1995 als Vorsitzender der Geschäftsführung zur Motorola GmbH. Er war außerdem als Regionsmanager für die Motorola Tochtergesellschaften in Österreich, der Schweiz und den Niederlanden verantwortlich. Ende 2006 legte er den Vorsitz der Geschäftsführung nieder und wechselte in den Aufsichtsrat der Motorola GmbH. Im Januar 2007 gründete er mit zwei Partnern die Quinkert & Esser Executive Search GmbH. Er ist Mitglied des Aufsichtsrates der AMG (Advanced Metallurgical Group), Wayne Pennsylvania, USA, und der VTION Wireless Technologies AG, Frankfurt und Peking, sowie Beiratsmitglied der Commerzbank, Frankfurt, und der MSC Gleichmann Gruppe, Karlsruhe. Im Ehrenamt war Norbert Quinkert von 1993 bis 2011 Executive Vice President der American Chamber of Commerce in Germany. Er ist Mitglied des Beirates von Project HOPE und Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse.

Dr. Adolf M. Kopp ist Experte für den Bereich Technologietransfer. Sein Credo: „Wir sind Vertrauensarbeiter und Vermittler, denn erfolgreicher Technologietransfer gelingt immer dann, wenn wir die richtigen Partner zusammenbringen und Vertrauen für die Zusammenarbeit schaffen.“ Nach seinem Studium in Hannover wurde Dr. Adolf M. Kopp 1997 an der Universität Göttingen promoviert und schloss parallel sein interdisziplinäres Masterstudium zur Phytomedizin ab. Von 1998 bis 2002 arbeitete er als stellvertretender Geschäftsführer bei der Innovationsagentur des Landes Niedersachsen. 2002 nahm er eine neue Herausforderung als Prokurist bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes Bremen an. Hier verantwortete er sämtliche Technologiezentren Bremens und gestaltete die Technologie- und Innovationsstrategie des Landes mit. Im Anschluss setzte er sich als Direktor der Wirtschaftsförderung Karlsruhe für eine verstärkte Clusterbildung der Wirtschaft ein. Impulse setzt er in der Vernetzung der Wirtschaftsförderer im deutsch-französischen Wirtschaftsraum, als Vorstandsvorsitz­ ender der Wirtschaftsstiftung Südwest, Vorstand des Cyberforums und als Leiter des AEN Automotive Engineering Network Südwest e. V. 2008 kam Dr. Kopp nach Berlin und übernahm die Geschäftsführung der TSB Innovationsagentur. Er engagiert sich in zahlreichen Gremien für die Förderung von Wissenschaft, Technologie und Innovation.

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TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011 Die Köpfe der TSB

Prof. Dr. Dr. h. c. Günter Stock
Kuratoriumsvorsitzender der TSB Technologiestiftung und Aufsichtsratsvorsitzender der TSB Innovationsagentur

Norbert Geyer
Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender des TSB Fördervereins e. V.

Prof. Dr. Stock ist Mediziner. Er war von 1980–1983 Professor für Vegetative Physiologie an der Universität Heidelberg, bevor er in die Schering AG in Berlin eintrat, wo er von 1989 bis 2005 als Mitglied im Vorstand den Bereich Forschung und Entwicklung verantwortete. Seit Januar 2006 ist er Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, seit 2008 Präsident der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und seit 2012 Präsident der „All European Academies“ (ALLEA). Günter Stock war bis 2012 Mitglied des Senats- und des Verwaltungsrates der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), ist Vizepräsident der MPG, Senator der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, Senator und Mitglied des Kuratoriums der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Mitglied in der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften (acatech), Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste, Mitglied in der Academia Europaea, Vorsitzender der Jury des Deutschen Zukunftspreises des Bundespräsidenten, Mitglied in der Forschungsunion Wirtschaft – Wissenschaft des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Mitglied in verschiedenen Kuratorien, Aufsichtsräten und wissenschaftlichen Institutionen (u.a. Carl Zeiss AG, Charité). Clustersprecher Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg (HealthCapital), Inhaber des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und des Verdienstordens des Landes Berlin.

Für den Mittelständler Norbert Geyer ist staatsbürgerliches Engagement selbstverständlich. Besonders liegt ihm die Innovationsfähigkeit der Berliner Wirtschaft und damit die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft am Herzen. Der gelernte Werkzeugmacher Norbert Geyer absolvierte von 1967 bis 1971 ein Abendstudium der Fachrichtung Feinwerktechnik an der Ingenieurschule Gauss in Berlin, legte die Meisterprüfung ab und übernahm 1972 die Leitung des väterlichen Betriebes, den er zur heutigen Geyer-Gruppe Industrieholding GmbH mit Fertigungsstätten in Berlin und Dessau ausgebaut hat. Norbert Geyer engagiert sich in vielfältiger Weise für Berlin. Der Förderverein mit seinen innovationspolitischen Impulsen und seinen Begegnungsmöglichkeiten zwischen Wissenschaftlern und Unternehmern ist ihm ein wichtiges Anliegen. Geyer ist neben seiner Tätigkeit in der TSB Vorstandsmitglied und Landessprecher des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Vorstandsmitglied der Berliner Wirtschafts­ gespräche, Kurator der Beuth Hochschule für Technik Berlin, Mitglied der Vollversammlung und des Kompetenzteams der IHK zu Berlin, Beirat des TCC, Kurator des VDI, ehrenamtlicher Sozialund Handelsrichter, Mitglied im Arbeitskreis evangelischer Unternehmer AEU, Gesellschafter des Instituts für technische Weiterbildung (itw); er ist Vorsitzender des Industriebeirats der Werkstätten für Behinderte (BWB) sowie Unterzeichner und Unterstützer des Masterplans Industriestadt Berlin 2010–2020.

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Die Köpfe der TSB
TSB Technologiestiftung Berlin · Jahresbericht 2011

Gremien der TSB Technologiestiftung Berlin

Mitglieder des Kuratoriums der TSB Technologiestiftung Berlin/des Aufsichtsrats der TSB Innovationsagentur Berlin GmbH (Personalunion)
kk Burkhard Ischler Ltr. Berliner Büro der Leitung · Siemens AG (Vorsitzender bis 29.05.2011) kk Prof. Dr. Günter Stock Präsident · Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Vorsitzender ab 30.05.2011) kk Prof. Dr. Andreas Busch	 Mitglied des Vorstandes · Bayer Pharma AG kk Harald Eisenach Mitglied der Geschäftsleitung · Deutsche Bank AG kk Norbert Geyer	 Inhaber · Geyer Gruppe kk Arno Hager 1. Bevollmächtigter · Industriegewerkschaft Metall Verwaltungsstelle Berlin kk Ingeborg Junge-Reyer Senatorin · Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin (bis 05.12.2011) kk Ulrich Kissing Vorstandsvorsitzender · Investitionsbank Berlin kk Erwin Kostyra Vizepräsident · Handwerkskammer Berlin kk Mathis Kuchejda Geschäftsführender Gesellschafter Schmidt + Haensch GmbH & Co. (stellvertretender Vorsitzender bis 29.05.2011) kk Michael Müller Senator · Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin (ab 06.12.2011) kk Dr. Andreas Penk Vorsitzender der Geschäftsführung · Pfizer Pharma GmbH kk Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach Präsident · Technische Universität Berlin (stellvertretender Vorsitzender ab 30.05.2011)

kk Sandra Scheeres Senatorin Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin (ab 06.12.2011) kk Prof. Dr.-Ing. Reinhard Thümer Präsident (bis 30.09.2011) · Beuth Hochschule für Technik Berlin kk Prof. Dr. Günther Tränkle Wissenschaftlicher Direktor · Ferdinand-Braun-Institut Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik kk Sybille von Obernitz Senatorin · Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung (ab 06.12.2011) kk Harald Wolf Senator · Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen Berlin (stellvertretender Vorsitzender) (bis 05.12.2011) kk Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner Senator · Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung Berlin (bis 05.12.2011)

Vorstand der TSB Technologiestiftung Berlin
kk Norbert Quinkert Vorsitzender kk Steffen Döring Stellvertretender Vorsitzender (ab 30.05.2011) kk Jürgen Fechner StellvertretenderVorsitzender (bis 29.05.2011) kk Prof. Dr. Günther Seliger Stellvertretender Vorsitzender

Geschäftsführung der TSB Innovationsagentur Berlin GmbH
kk Dr.-Ing. Adolf M. Kopp Geschäftsführer

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Impressum
Herausgeber TSB Technologiestiftung Berlin · TSB Innovationsagentur Berlin GmbH Fasanenstraße 85 · 10623 Berlin · www.tsb-berlin.de Redaktion Thilo Spahl Frauke Nippel Gestaltung Frau Supiran gestaltet visuelle Kommunikation www.supiran.de Druck Hermann Schlesener KG, Berlin www.schlesener.de Fotos/Abbildungen Seite 3 SenWTF Seite 4/5 (auch 6/7, 28, 42) Christopher Ewing* Seite 8 TSB Seite 10 TSB Seite 12 TSB/Phillip Görs, TSB, TSB Seite 13 TSB/Svea Pietschmann, Berlin Partner, Rolf Ruppenthal, Presse- + Bilderdienst; TSB/Elke A. Jung-Wolff, TSB, ZAB Seite 14 TSB/Christian Kruppa, TSB/Uwe Steinert, TSB/Phillip Görs, TSB, TSB, Messe Berlin GmbH Seite 15 TSB/ Elke A. Jung-Wolff, TSB, TSB, TSB/André Müller, TSB/ Elke A. Jung-Wolff Seite 17 BBAW Seite 18 Moth*, BlingCrete/ Roman Polster Seite 19 Björn Rolle/Flughafen Berlin Brandenburg, IZM/ Awaiba GmbH Seite 20 ubitricity, Darknightsky* Seite 21 mobile melting GmbH, B_karloff*/ Edhardream* Seite 22 Limmer Laser GmbH, TissUse/Sven Brincker Seite 23 ZENDOME, Charité – Universitätsmedizin Berlin Seite 24 Pricelessphotos*/Ron Chapple Stock Seite 26 Tatyanagl* Seite 27 Igor Dolgov* Seite 28 Christopher Ewing* Seite 29 (auch 36/37) moniquewuestenhagen.de Seite 30 Grafoo* Seite 32 Steamroller* Seite 33 Logoboom* Seite 34 Seahorse* Seite 35 Cyclotimia* Seite 38 TSB Seite 39 TSB, Stefan Parsch, Messe Berlin GmbH Seite 40 TSB Seite 41 BBAW, Geyer Gruppe. *dreamstime.com

Diese Publikation der TSB Technologiestiftung Berlin wird aus Mitteln des Landes Berlin und der Investitionsbank Berlin gefördert, kofinanziert von der Europäischen Union – Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung. Investition in Ihre Zukunft.

www.tsb-berlin.de

Die TSB Technologiestiftung Berlin steht für Innovation und Technologie­ ntwicklung in der Hauptstadtregion. Sie fördert die e Wissenschaft und unter­tützt die Wirtschaft. Schwerpunkte der Arbeit der Stiftung sind Strategieentwicklung, Bildung und s Wissen­ chafts­ ommunikation. Kernaufgaben der TSB Innovationsagentur Berlin GmbH sind Cluster­ anagement, Vernetzung s k m und Technologietransfer auf den Feldern Life Science & Gesundheit, Verkehr & Mobilität, Energietechnik, Optik & Mikrosystemtechnik, IKT sowie in weiteren technologieorientierten Industriesegmenten.
        
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