Path:
Fußverkehrsfreundlicher Einzelhandel

Full text: Fußverkehrsfreundlicher Einzelhandel

Verkehrspolitik

Fußverkehrsstrategie für Berlin Modellprojekt 6 Fußverkehrsfreundlicher Einzelhandel

Fußverkehrsstrategie für Berlin I Modellprojekt 6

Kurzbericht

Vorwort
Der Berliner Senat möchte die Fußverkehrsfreundlichkeit von großen Einzelhandelsbetrieben bzw. Einkaufsstraßen und städtischen Zentren fördern. Es sollen Ideen und Konzepte vermittelt werden, die das Einkaufen zu Fuß erleichtern und angenehmer machen. Denn: wenn mehr Einkäufe zu Fuß statt mit dem Auto zurückgelegt werden, trägt dies zur Lebendigkeit und Zukunftsfähigkeit der Geschäftsstraßen und Einkaufszentren in den Stadtvierteln bei und verringert die Belastungen durch den Kfz-Verkehr.

Informatives
Das Modellprojekt befasst sich mit der Entwicklung von Kriterien für die Fußverkehrsfreundlichkeit von großen Einzelhandelsbetrieben bzw. Einkaufsstraßen und der Auszeichnung von Straßen- oder Zentreninitiativen, die sich in besonderem Maße für ein fußverkehrsfreundliches Einkaufsumfeld einsetzen. Die Funktionsfähigkeit und der Erfolg der städtischen Zentren und Einkaufsstraßen hängen von der fußverkehrsfreundlichen Ausgestaltung ihres städtischen Umfeldes und der Attraktivität der Wegeverbindungen dorthin ab. Eine gute fußläufige Erreichbarkeit der Einzelhandelsstandorte – nicht nur in der Innenstadt und in den Zentren, sondern auch in der äußeren Stadt und in Streulagen – ist darüber hinaus von großer Bedeutung für die wohnungsnahe Versorgung der Bevölkerung, zumal gerade in Berlin vielen Haushalten kein Auto zur Verfügung steht. Nicht zuletzt sind die meisten Touristinnen und Touristen, die auch zum Einzelhandelsumsatz beitragen, in Berlin zu Fuß unterwegs. Die Bedeutung der Fußgängerinnen und Fußgänger als Kunden wird vom Einzelhandel teilweise noch unterschätzt. Das Projekt zielt auf unterschiedliche, für Berlin typische Einkaufslagen, vom straßenbegleitenden Stadtteilzentrum über die kleinteilige Einkaufsstraße im Altbauquartier oder das Einkaufszentrum in der Großsiedlung bis hin zu Einzelstandorten von Discountern oder Agglomerationen von Fachmärkten. Mit dem Projekt sollen Maßnahmen entwickelt werden, die geeignet sind, durch eine verbesserte Fußverkehrsfreundlichkeit die wohnungsnahen, zu Fuß gut erreichbaren Zentren und Nahversorgungsangebote zu stärken und zugleich Kfz-Verkehr zu vermeiden. Dazu wird eine Arbeitshilfe für Geschäftsstraßeninitiativen und andere Organisationsformen des Handels sowie für die bezirkliche Umsetzungsebene entwickelt und es werden drei Pilotvorhaben zur Umsetzung konkreter Maßnahmen vorbereitet.

Mitwirkende
Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt hat ein Stadtplanungsbüro und ein Büro, das auf Einzelhandelsthemen spezialisiert ist, mit der Erarbeitung von Grundlagen für das Modellprojekt beauftragt. Das Projekt wird begleitet durch einen Arbeitskreis, in dem neben den Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und für Wirtschaft u.a. die Industrie- und Handelskammer, der Handelsverband Berlin-Brandenburg, der FUSS e.V., der BUND, die Behindertenbeauftragte des Senats sowie zwei Berliner Stadtbezirke vertreten sind. Der Arbeitskreis tritt in regelmäßigen Abständen zusammen, um über die Arbeitsergebnisse und Vorschläge des Projektteams zu beraten und weitere Ideen und

2

Fußverkehrsstrategie für Berlin I Modellprojekt 6
Anregungen einzubringen. Es besteht ein enger Zusammenhang mit anderen Planungen und Initiativen des Landes Berlin, u.a. mit dem Stadtentwicklungsplan Zentren 3, dem Förderprogramm „Aktive Zentren“ und dem Wettbewerb „MittendrIn Berlin!“.

Zwischenergebnisse
In einem ersten Arbeitsschritt wurden aktuelle Fakten und Trends zum Einkaufsverkehr, zu den Ansprüchen der Einkaufenden und den Anforderungen des Einzelhandels und zur Fußverkehrsförderung in anderen Großstädten recherchiert. Im Mittelpunkt standen dabei die Fragen:
 

Unter welchen Bedingungen geht man gern zu Fuß einkaufen? Und wie kann das Einkaufen zu Fuß durch die Gestaltung des Einkaufsumfeldes und attraktive Angebote der Händler gefördert werden?

Zur Beantwortung dieser Fragen wurden empirische Untersuchungen zum Einkaufsverkehr sowie Interviews mit einem breiten Expertenkreis geführt und fußverkehrsfreundliche Projekte aus in- und ausländischen Großstädten im Hinblick auf Anregungen für Berlin geprüft:

 Anteil der fußläufigen Kundengruppe wird vom Handel unterschätzt

Quelle: eigene Darstellung Stadt + Handel nach Schwab et al. 2012, S. 99

 In Berlin dominiert der Anteil an Fußgängerinnen und Fußgängern im Einkaufsverkehr

Quelle: eigene Darstellung SenStadtUm nach Follmer et al. (2008): Mobilität in Brandenburg und Berlin

Die gesamten Ergebnisse sind in einem Zwischenbericht dokumentiert.

3

Fußverkehrsstrategie für Berlin I Modellprojekt 6 Leitfaden
Auf der Grundlage dieses Materials wird ein Leitfaden „Fußverkehrsfreundlicher Einzelhandel“ erarbeitet. Beabsichtigt ist eine Arbeitshilfe für Geschäftsstraßeninitiativen, Zentrenmanagements und andere Betreiber von größeren Einzelhandelsstandorten, aber auch für Stellen der öffentlichen Verwaltung, die für Einzelhandelsfragen, für Straßenbau oder auch für die Genehmigung von Sondernutzungen im Gehwegbereich verantwortlich sind. Der Leitfaden soll anschauliche Beispiele für gute Praxis und Ideen für mit realistischem Aufwand umsetzbare Maßnahmen enthalten. Er soll damit auch zum Mitmachen bei der Konzeption und Umsetzung von konkreten Vorhaben zur fußgängerfreundlichen Aufwertung von Einzelhandelsstandorten motivieren. In einem ersten Schritt wurden dazu in Form einer Checkliste Kriterien für die Bewertung von „Fußverkehrsfreundlichkeit“ erarbeitet.

Pilotprojekte
Für die weitere Bearbeitung des Modellprojekts sollen drei Handelsstandorte in Berlin ausgewählt werden, um dort Möglichkeiten einer fußverkehrsfreundlichen Aufwertung zu testen. Die Pilotvorhaben sollen beispielhaft unterschiedliche Einzelhandelssituationen und ihre spezifischen Problemlagen abdecken. Für die Bereiche der Pilotvorhaben werden jeweils die relevanten Rahmenbedingungen und Handlungserfordernisse erhoben und Maßnahmen entwickelt, die am jeweiligen Standort zur Verbesserung der Fußverkehrsfreundlichkeit umgesetzt werden können. Da der Erfolg von Pilotprojekten eine frühzeitige Einbindung unterschiedlicher Gruppen von Betroffenen und örtlichen Akteuren voraussetzt, werden sowohl die zu beteiligenden Stellen der Verwaltung, insbesondere der Bezirke, als auch vor allem die privaten Akteure im jeweiligen Vorhabengebiet in die Maßnahmenentwicklung eingebunden. Ziel ist es, sie für die Mitwirkung zu gewinnen. Eine „Vorher-Nachher-Untersuchung“ soll den Erfolg der Maßnahmen evaluieren.

Zeitrahmen
Ein Zwischenbericht zu Fakten und Trends im Einkaufsverkehr und zu Praxisbeispielen liegt vor. Die Erarbeitung des Leitfadens und die Festlegung der Pilotvorhaben erfolgen bis Jahresende 2014. Die Konkretisierung und örtliche Abstimmung der Pilotvorhaben sowie die „Vorher-Untersuchungen“ in den Projektgebieten sind für 2015 vorgesehen; „Nachher-Untersuchungen“ sind erst in einem zeitlichen Abstand zur tatsächlichen Durchführung von Maßnahmen sinnvoll.

Kommunikation Württembergische Straße 6
 10707 Berlin
 Fotos und Abbildungen: Copyright Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt

4
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.