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Altbauten bis Baujahr 1945

Full text: Altbauten bis Baujahr 1945

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Ergebnisse der Studie „Strategien und Potenziale energieeffizienter Sanierung für den Bremer Wohnungsbestand“

Teil 1: Altbauten bis Baujahr 1945

Inhalt:

3 Modernisieren mit Köpfchen 4 Energie sparen — Wohnkomfort steigern — Klima schützen 6 Bremer Studie liefert fundierte Planungshilfe 10 Finden Sie Ihren Haustyp! 12 Bautyp I: Bremer Haus — Reihenhaus, Klassizismus/Historismus (Baujahr etwa 1848-1900) 14 Bautyp II: Freistehendes Haus, Jugendstil (Baujahr etwa 1900-1930) 16 Bautyp III: Einfaches Bremer Haus — Reihenhaus, einfache Gebäudeform, Jugendstil (Baujahr etwa 1900-1914) 18 Bautyp IV: Bremer Kleinhaus — Reihenhaus (Baujahr etwa 1900-1945) 20 Energetisch modernisieren heißt nachhaltig investieren 22 Anlaufstellen und Vor-Ort-Beratungen 23 Die Partner von Bremer Modernisieren

energiekonsens — die Klimaschützer energiekonsens ist die gemeinnützige Klimaschutzagentur für das Land Bremen und die Regionen ElbeWeser und Weser-Ems. Ihr Ziel ist es, den Energieeinsatz so effizient und klimafreundlich wie möglich zu gestalten. Ihre Angebote richten sich an Kommunen, Unternehmen, Bauschaffende, Institutionen sowie private Haushalte. Für Hauseigentümer und Modernisierungswillige hat energiekonsens 2006 die Hausmodernisierungsinitiative Bremer Modernisieren ins Leben gerufen.

Impressum:
Herausgeber energiekonsens Am Wall 172/173 28195 Bremen Telefon: 0421/37 66 710 info@energiekonsens.de www.energiekonsens.de Konzeption und Text pr/omotion GmbH, Hannover Layout und Grafik k wie gestaltung – Tanja Kruse Druckerei Druckerei Meiners, Bremen

Das ist BREMER MODERNISIEREN
Bremer Modernisieren ist die gemeinsame Dachmarke etablierter Beratungseinrichtungen aus dem Stadtgebiet Bremen und der Region. Ziel ist es, Hausbesitzern schnell, einfach und fundiert alle Informationen für eine erfolgreiche und optimale Hausmodernisierung zu geben. Eine Liste der Partner von Bremer Modernisieren mit Kontaktdaten finden Sie auf Seite 23. Besuchen Sie uns oder rufen Sie einfach an! Wir beraten Sie gern.

1. Auflage, Dezember 2013

Modernisieren mit Köpfchen

Werden Altbauten intelligent energetisch modernisiert, können sie nachhaltig Energie sparen und das Stadtbild aufwerten. Dr. Joachim Lohse (Senator für Umwelt, Bau und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen) und Martin Grocholl (Geschäftsführer energiekonsens) im Kurzinterview über Bauen und Klimaschutz, stadtbilderhaltende Modernisierung und die Bedeutung der vorliegenden Broschüre. Welche Potenziale stecken in einer Altbaumodernisierung? Martin Grocholl: Durch eine umfassende energetische Modernisierung können die Heizkosten bis zu 80 Prozent gesenkt werden. Gleichzeitig steigen der Wohnkomfort und der Wert der Immobilie. Aber auch wer nicht gleich eine Vollsanierung in Angriff nehmen möchte, kann mit einzelnen Maßnahmen und deren geschickter Kombination oft schon eine Menge erreichen. Wichtig: Das Bauteil, das angefasst wird, sollte auf den technisch besten Stand modernisiert werden. Welchen Stellenwert hat die energetische Modernisierung des Gebäudebestands für den Klimaschutz? Dr. Joachim Lohse: Das ist ganz zentral, denn der Verbrauch von Heizenergie ist für einen großen Teil der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich. Das Bremer Klimaziel, die CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, ist ohne die energetische Modernisierung des Gebäudebestands nicht machbar – die Energiewende auch nicht. Vor welchen Herausforderungen stehen Bremer Hausbesitzer, wenn sie modernisieren möchten und wie hilft ihnen diese Broschüre? Dr. Joachim Lohse: In Bremen haben wir ja viele Altbauten, die uns allen am Herzen liegen. Die historischen Fassaden prägen das Bild von Straßen, Plätzen und ganzen Stadtteilen und müssen erhalten werden. Wir können zeigen, wie solche Gebäude auf einen hohen energetischen Standard gebracht werden und dabei ihre Schönheit behalten. Um Hausbesitzern hier eine fundierte Planungshilfe an die Hand zu geben, haben wir gemeinsam mit energiekonsens eine Studie in Auftrag gegeben. Das erste Ergebnis ist die vorliegende Broschüre. Sie zeigt an verschiedenen Haustypen bis zum Baujahr 1945, was alles möglich ist und was sich wie rechnet. Die späteren Baujahre werden dann in einer zweiten Broschüre betrachtet.

Martin Grocholl (li.) und Senator Dr. Joachim Lohse (re.)

Konkret: Wie gehen Hauseigentümer am besten vor? Martin Grocholl: Es gibt zahlreiche Informationsmöglichkeiten für Hausmodernisierer. Diese Broschüre bietet bereits konkrete Anhaltspunkte zu Energieeinsparpotenzialen und Investitionskosten speziell für typische Bremer Häuser. So können die typischen Altbaufassaden auch bei einer Wärmedämmung der Fassade erhalten werden. Hierfür stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, etwa Kerndämmung oder bewährte Innendämmsysteme. Eine professionelle Beratung ist jedoch unerlässlich. Wer modernisieren will, kann die Beratungsmöglichkeiten der Initiative Bremer Modernisieren nutzen und sich einen unabhängigen Energieberater vermitteln lassen. Dieser stellt vor der Umsetzung von Maßnahmen einen individuellen Modernisierungsfahrplan auf.

2-3

Fassaden erhalten – Energie sparen – Klima schützen

Eine gute Wärmedämmung ist neben einer modernen Heizungs- und Lüftungstechnik der Schlüssel, um nachhaltig Energiekosten zu sparen. Auch wenn bei Altbauten das Erscheinungsbild der Schmuckfassade erhalten werden soll, gibt es für jedes Haus effiziente Sanierungslösungen. In dieser Broschüre finden Sie wertvolle Tipps speziell für die typischen Bremer Altbauten, die vor 1945 erbaut wurden. Bevor Sie starten, sollten Sie sich zudem professionell beraten lassen: Erste Ansprechpartner vor Ort sind die Klimaschutzagentur energiekonsens sowie die Partner der Hausmodernisierungsinitiative Bremer Modernisieren wie der Eigentümerverband Haus & Grund, die Bremer Umwelt Beratung, die Verbraucherzentrale Bremen, das Beratungs- und Ausstellungszentrum bauraum Bremen und der Energieversorger swb.

Fast 90 Prozent des Energieverbrauchs in privaten Haushalten in Deutschland werden für Heizung und Warmwasser verwendet. Durch eine energetische Modernisierung lässt sich dieser Energiebedarf auch in Altbauten auf ein Minimum reduzieren. Eine umfassende Sanierung im besonders energieeffizienten Passivhausstandard spart sogar über 80 Prozent Heizenergie. Viele Altbauten müssen nicht nur wegen der hohen Energiekosten modernisiert werden, sondern auch zum Erhalt der Bausubstanz. Bröckelnde Fassaden, feuchte Wände oder sogar Schimmel sind ein weitverbreitetes Problem. Eine Modernisierung steigert den Wohnkomfort und damit auch den Wert einer Immobilie. Fassaden erhalten und trotzdem dämmen Im Bundesland Bremen wurden 78,3 Prozent aller Gebäude vor 1978 gebaut. Also zu einer Zeit, als Heizkosten noch kaum ins Gewicht fielen. Heizöl und Erdgas waren im Vergleich zu heute extrem günstig. 32 Prozent der Häuser entstanden sogar vor 1949. Viele Häuser aus dieser Zeit haben attraktive Schmuckfassaden, die erhaltenswert sind. Auch wenn die meisten dieser Altbauten nicht unter Denkmalschutz stehen, wollen viele Hauseigentümer die Fassade nicht durch eine Außenwanddämmung verändern. Außenwände lassen sich jedoch auch von innen effektiv dämmen. Selbst sinnvolle Modernisierungsmaßnahmen ohne Straßenfassadendämmung bringen energieeffiziente Ergebnisse. Das belegt die aktuelle Studie „Strategien und Potenziale energieeffizienter Sanierung für den Bremer Wohnungsbestand“. In dieser Broschüre haben wir die Ergebnisse des ersten Teils, der sich mit den Altbauten bis 1945 beschäftigt, für Sie aufbereitet.

Gebäude in Bremen nach Baualtersklassen

13%
1979-2011

vor 1919

22%

19% 1919-1948

1949-1978

46%

Quelle: Statistisches Landesamt Bremen, Mai 2013

Die Studie wurde vom Bremer Senator für Umwelt, Bau und Verkehr sowie der Klimaschutzagentur energiekonsens in Auftrag gegeben, um die technischen Möglichkeiten und Vorteile einer Modernisierung aufzuzeigen. Kompetenter Rat Hauseigentümer finden für vier beispielhafte Gebäudetypen konkrete Berechnungen zu den Energieeinsparpotenzialen und den damit verbundenen Investitionen. Auf diese Weise steht Ihnen eine fundierte Planungsgrundlage für ihr eigenes Sanierungsvorhaben zur Verfügung. Weder diese Broschüre noch die umfassende Studie selbst ersetzen jedoch eine professionelle Energieberatung. Ein Modernisierungsvorhaben sollte schon in der Planungsphase durch einen unabhängigen Fachmann begleitet werden. Auf Seite 23 finden Sie die Beratungsstellen der Partner von Bremer Modernisieren. Sie bieten fundierte Informationen und kompetente Ansprechpartner. Für Vor-Ort-Beratungen durch einen unabhängigen

Energieberater gibt es übrigens Fördermöglichkeiten, sodass Sie nur einen geringen Eigenanteil übernehmen müssen. Mehr dazu lesen Sie auf den Seiten 20 und 21.

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Bremer Studie liefert fundierte Planungshilfe

Welche Modernisierungsmöglichkeiten gibt es für mein Haus? Wie viel Energie kann ich sparen? Was kostet eine umfassende Modernisierung? Die Studie „Strategien und Potenziale energieeffizienter Sanierung für den Bremer Wohnungsbestand“ gibt einfache und praktische Hilfestellungen, um diese und andere Fragen zu beantworten. Die Autoren haben vier exemplarische Haustypen herausgearbeitet und dafür jeweils konkrete Berechnungen angestellt, die für Hausbesitzer wertvolle Richtwerte sind. Eine Altbaumodernisierung umfasst in der Regel eine Wärmedämmung der Außenwände, des Dachs und des Kellers. Hinzu kommen neue Fenster und zumeist eine effiziente Heizung. In optimal gedämmten Häusern spielt eine herkömmliche Heizungsanlage nur noch eine Nebenrolle. Stattdessen kommen Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung verstärkt zum Einsatz. Diese sind für energiesparende Passivhäuser bereits bewährter Standard. Die Einsparpotenziale lassen sich fünf Bereichen zuordnen: Die Dämmung der Außenwände kann laut der Studie 32 Prozent Heizkosten einsparen. Auf die Heizung entfallen knapp 10 Prozent, auf das Dach 18, die Fenster 16 sowie den Keller 5 Prozent. Ein optimales Ergebnis wird jedoch nur durch eine umfassende Modernisierung erreicht.

Für einen optimalen Wärmeschutz sollte die gesamte Gebäudehülle beziehungsweise der beheizte Wohnbereich lückenlos gedämmt werden. Um Schäden zu vermeiden, ist dabei auf eine weitgehend luftdichte Ausführung zu achten. Beim Einbau von neuen Fenstern wird empfohlen, im gleichen Zug auch die Außenwände zu dämmen. Das optimiert nicht nur den Dämmeffekt, die Kombination ist darüber hinaus sinnvoll, um Schäden durch Feuchtigkeit oder sogar Schimmelbildung zu verhindern. Außerdem fallen die Gerüstbaukosten nur einmal an. Für die Dämmung der Außenwände gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) In der Regel werden Außenwände von außen gedämmt, da hierdurch die höchste Energieeinsparung erzielt wird. Bei der Außenwanddämmung von Altbauten kommen meistens Wärmedämm-Verbundsysteme zum Einsatz. Das vorgefertigte Dämmmaterial wird dabei direkt auf die Außenwand aufgebracht und anschließend verputzt. Die für Bremen typischen Altbauten sind jedoch oftmals straßenseitig mit Stuck oder anderen Schmuckelementen verziert. In diesem Fall kann auf eine Innendämmung oder eine Kerndämmung ausgewichen werden. Die Rückfassade auf der Gartenseite ist zumeist ohne Schmuckelemente ausgeführt. Hier bleiben Wärmedämm-Verbundsysteme die erste Wahl.

DIE MACHER: Die Studie „Strategien und Potenziale energieeffizienter Sanierung für den Bremer Wohnungsbestand“ wurde durchgeführt von Prof. Dipl.-Ing. Ingo Lütkemeyer und Mathias Salbeck (M. A.) von „IBUS – Architekten und Ingenieure“ sowie Prof. Dr.-Ing. Rolf-Peter Strauß von „VENTECS – Ingenieurbüro für energieeffiziente Gebäudetechnik“. Kooperationspartner war das Zentrum für energieeffiziente Technik und Architektur der Hochschule Bremen (zeta). Auftraggeber der Studie sind der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr des Landes Bremen und die Klimaschutzagentur energiekonsens.

Wärmeschutzfenster

Innendämmung der Außenwand Ist eine Außendämmung nicht möglich oder nicht gewollt, kann eine Fassade auch von innen gedämmt werden. Oftmals verbietet bereits der Denkmalschutz die Dämmung von außen. Aber es gibt auch viele Altbauten, deren Fassaden nicht denkmalgeschützt sind, aber dennoch erhalten werden sollten. Dies gilt auch für einen Großteil der typischen Bremer Häuser. Eine Innendämmung erreicht zwar nicht die beste Dämmwirkung, sie ist aber dennoch in vielen Fällen energetisch und wirtschaftlich sinnvoll. Wird die straßenseitige Fassade eines Altbaus bei einer umfassenden Modernisierung mit einer Innendämmung anstatt mit einem WDVS ausgestattet, sind die Energieeinsparungen nur wenig geringer. Der vollständige Verzicht auf eine Dämmung der Straßenfassade hat jedoch weiterhin hohe Wärmeverluste zur Folge, kann aber durch Maßnahmen an anderer Stelle kompensiert werden.

Kerndämmung als Alternative Besteht eine Außenwand aus zwei Schalen, bietet sich als Alternative auch die Kerndämmung an. Nach einer professionellen Voruntersuchung kann der Hohlraum mit einem Dämmmaterial aufgefüllt werden. Der Hohlraum zwischen den Schalen ist bei den 1945 erbauten Häusern etwa vier bis acht Zentimeter breit. Die Kerndämmung ist ebenso wie die Innendämmung wirtschaftlich sinnvoll und somit uneingeschränkt zu empfehlen. Hoher Dämmstandard zahlt sich aus Die Energieeinsparverordnung (aktuell EnEV 2009, ab 1. Mai 2014 EnEV 2014) legt fest, welche MindestDämmstandards bei einer Modernisierung eingehalten werden müssen. Allerdings lassen sich solche Mindestanforderungen ohne Weiteres übertreffen. Wer bei einer energetischen Sanierung zum Beispiel den KfWStandard erfüllt, spart deutlich mehr Energiekosten und kann von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) attraktive Fördergelder beantragen. Noch sparsamer sind Passivhäuser. Durch die optimale Dämmung benötigen sie fast keine Heizenergie mehr. Dieser Baustandard wird nicht nur immer häufiger bei Neubauten, sondern mittlerweile auch bei anspruchsvoller Altbaumodernisierungen angewendet.

vorhandene Wand

vorhandener Innenputz

Ausgleichschicht Klebemörtel

Kapillaraktive Dämmebene, z.B. Calciumsilikatplatte, Mineraldämmplatte

Putz
Schematische Darstellung eines Innendämmsystems

6-7

... Bremer Studie liefert fundierte Planungshilfe

Nach dem Dämmen kommt die Heizung: Die Heizungsanlage ist erst dann wirklich sparsam, wenn sie richtig eingestellt ist.

Stilvolle Fassadengestaltung ist erhaltenswert.

Re-Modernisierung heilt Bausünden Die vorgestellte Studie geht auch auf das Thema Re-Modernisierung ein. Denn rund 40 Prozent des Bremer Wohnungsbestands, der vor dem zweiten Weltkrieg entstanden ist, wurde im Rahmen von zurückliegenden Sanierungen äußerlich verändert. Historische Fassaden sind oft hinter Verblendmauerschichten, aufgeklebten Fliesen, Bitumenpappe oder PVC-Verkleidungen verschwunden. Diese „kaputtsanierten“ Fassaden gelten aus heutiger Sicht meist als Bausünde. Durch eine Re-Modernisierung wird entweder der Charakter der ursprünglichen Fassade wieder hergestellt oder neu gestaltet. Teilweise kommen dann Innendämmungen zum Einsatz und die Häuser erhalten neue Fenster. Die Re-Modernisierung führt in der Regel zu einer optischen Aufwertung der Immobilie, die sich auch beim Verkauf oder der Vermietung positiv bemerkbar macht.
Modernisierte Außenfassade mit Innendämmung

Dach und Keller bieten große Potenziale Eine umfassende Modernisierung berücksichtigt auch die Dachdämmung. Falls im Dachgeschoss kein Wohnraum vorgesehen ist, bietet sich eine Wärmedämmung der obersten Geschossdecke an. Diese Lösung ist in der Regel besonders einfach und kostengünstig umsetzbar. Soll der Dachraum bewohnt werden, muss die Dämmung direkt am Dach ansetzen. Hierfür gibt es Dämmlösungen sowohl von außen als auch von innen.

in Bremen-Peterswerder

Zur Gebäudehülle gehört auch die Kellerdecke beziehungsweise der Kellerfußboden. Bei unbeheizten Kellern wird die Kellerdecke gedämmt. Das kann von unten oder auch von oben geschehen. In Bremen werden Souterrainräume oftmals als Wohnraum genutzt. In diesem Fall bietet sich die Fußbodendämmung an, was meistens aufwendiger ist als die Dämmung der Kellerdecke. Auch für die Dämmung der Kellerwände gibt es unterschiedliche Lösungen, die im Einzelfall geprüft und geplant werden müssen.

Nach dem Dämmen kommt die Heizung Bei der energetischen Modernisierung hat das Dämmen stets Priorität. Denn dadurch kann das Heizsystem an den geringeren Wärmebedarf angepasst werden. Auch das spart Energie. Die Nutzung von Solarenergie trägt ebenso dazu bei, die Energiekosten weiter zu reduzieren. Sie hängt aber stark von der Größe und Ausrichtung der Dachflächen ab. Bei den typischen Altbremer Häusern, deren Dachflächen häufig durch Gauben, Dachfenster oder Loggien zerklüftet sind, sind meist nur kleine zusammenhängende Dachflächen für Solarenergie nutzbar. Gut geeignet für kleine Dachflächen sind SolarthermieAnlagen. Eine thermische Solaranlage mit etwa fünf Quadratmetern Kollektorfläche deckt etwa 50 bis 60 Prozent des Warmwasserbedarfs einer vierköpfigen Familie. Für größere Dachflächen ist eine PhotovoltaikAnlage empfehlenswert, da sie die größere Fläche nicht ungenutzt lässt. Da sich beide Arten der Solaranlagen hinsichtlich ihres Beitrags zu Energieeinsparung nicht nennenswert unterscheiden, kommt der Wirtschaftlichkeit eine größere Bedeutung zu: Letztendlich ist es ein wichtiger Aspekt, mit dem hierfür (persönlich) zur Verfügung stehenden Geld den größtmöglichen umweltrelevanten Nutzen zu erzielen. Ist das Geld für eine Modernisierung begrenzt und die Heizung noch intakt, dann empfiehlt die Studie prinzipiell eine Investition in die Dämmung anstatt in die Heizanlage. Denn Maßnahmen, die den Energiebedarf senken, sind häufig ökonomisch und ökologisch effektiver, als Maßnahmen, die die benötigte Wärme effizienter erzeugen. Nur wenn ein Gebäude in absehbarer Zeit (circa zehn Jahren) nicht gedämmt wird, ist zum Beispiel der Austausch von alten Niedertemperaturkesseln durch moderne Anlagen mit energiesparender Brennwerttechnik empfehlenswert. Bei jeder Planung sind jedoch die Nachrüstanforderungen der Energieeinsparverordnung zu berücksichtigen.

EMPFEHLUNGEN: • Historische Fassaden schützen. • Aus wirtschaftlicher und energetischer Sicht sollte die Dämmqualität (inkl. Berücksichtigung der Wärmebrücken) hochwertig im Niveau des Passivhausstandards ausgeführt werden: Wenn gedämmt wird, dann sollte es richtig und nicht halbherzig gemacht werden. • Es lohnt sich langfristig haltbare Materialien einzusetzen, da diese sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich sinnvoll sind. • Die Sanierung sollte immer auf einem umfassenden Modernisierungsplan basieren, auch wenn zunächst nur einzelne Maßnahmen umgesetzt werden. Die hier empfohlene richtige Reihenfolge sollte beachtet werden. • Die Wirtschaftlichkeit der Modernisierungsmaßnahmen hängt wesentlich von den angenommenen Randbedingungen ab. Hier spielen unter anderem das Zinsniveau, der angenommene Energiekostenanstieg sowie die Inflationsrate eine wesentliche Rolle. Der für die Studie speziell entwickelte Prognosefaktor und das entsprechende Rückflussverhältnis bilden diese Einflussgrößen transparent ab. Die komplette Studie finden Sie im Internet unter www.energiekonsens.de. Hier finden Sie auch ausführliche Informationen zur Verwendung des Prognosefaktors.

8-9

Finden Sie Ihren Haustyp!

Ob Jugendstil, Klassizismus oder Historismus – viele Altbauten haben erhaltenswerte Fassaden aus unterschiedlichen baugeschichtlichen Epochen und prägen den Charakter eines Quartiers oder einer ganzen Stadt. Bei einer energetischen Modernisierung sollte daher das historische Gesicht der Häuser bewahrt werden. Eine Innendämmung der Außenwand oder eine Kerndämmung bieten in diesem Fall Lösungen, die das Erscheinungsbild erhalten und gleichzeitig wirtschaftlich sinnvoll sind. Auch kompensierende Maßnahmen, die eine Straßenfassadendämmung außer Acht lassen, bringen Energieeinsparungen. Sie lassen sich genauso wie die notwendigen Investitionen weitgehend verlässlich kalkulieren. Altbau ist nicht gleich Altbau. Bei den typischen Bremer Häusern gibt es zum Beispiel Unterschiede bei Größe und Bauart. Auf den folgenden Seiten finden Sie konkrete Modernisierungsempfehlungen für vier exemplarische Haustypen, die jeweils einen großen Anteil des Wohnungsbestands repräsentieren. Die Fallbeispiele gehen jeweils von einem unsanierten Gebäude aus. Auf dieser Grundlage werden die zu erwartende Energieeinsparung sowie die Kosten für die Einzelmaßnahmen berechnet. In vielen Fällen können Hauseigentümer bereits anhand der aufgeführten Merkmale ihren eigenen Altbau einem der beschriebenen Typen zuordnen. Dadurch erhalten sie erste Anhaltspunkte zu den eigenen Einsparpotenzialen und den entsprechenden Investitionen.

Die Dämmung einer Straßenfassade mit einem WärmedämmVerbundsystem spart besonders viel Energie. Bei erhaltenswerten Fassaden empfiehlt sich jedoch eine Innendämmung oder eine Kerndämmung.

Energieeinsparung Komplettes Gebäude nach:
(komplettes Gebäude)

EnEV-Dämmstandard 76,5 % KfW-Dämmstandard 82,3 % Passivhaus-Dämmstandard 86,3 %
0 20 40 60 80 100%

Energieeinsparung bei der Umsetzung aller Sanierungsmaßnahmen

Bei der Entwicklung der vier Haustypen wurde zunächst ein Standard-Typ entworfen, um daran je nach Umfang der Modernisierungsmaßnahmen unterschiedliche Qualitätsstandards zu beschreiben. So sinkt der Energiebedarf eines typischen Bremer Altbaus, der vor 1945 errichtet wurde, durch eine umfassende Modernisierung entsprechend der Energieeinsparverordnung (EnEV) um rund 77 Prozent. Bei Anwendung des KfW-Dämmstandards werden bereits Energieeinsparungen von rund 82 Prozent und beim Passivhausstandard sogar von rund 86 Prozent erreicht.

Dabei entfallen fast drei Viertel der Einsparungen auf die Sanierung der Gebäudehülle, den Rest macht die Gebäudetechnik aus. Dass vor allem die Fassadendämmung besonders effizient ist, zeigt der KostenNutzen-Vergleich: So beträgt der Anteil an den Gesamtinvestitionen nur 18 Prozent, während diese Maßnahme allein für rund ein Drittel der Energieeinsparung verantwortlich ist. Schützenswerte Fassaden richtig dämmen Obwohl das Wärmedämm-Verbundsystem in der Regel die energetisch besten Ergebnisse für eine Fassadendämmung liefert, ist diese Lösung nicht immer die erste Wahl. Eine Zerstörung erhaltenswerter Fassaden allein aus energetischer Sicht ist nicht sinnvoll – zumal sich Alternativen anbieten: Zwar bringt die Dämmung von außen durch ein Wärmedämm-Verbundsystem mit etwa 86 Prozent die höchste Energieeinsparung. Eine umfassende Modernisierung mit einer Innendämmung oder Kerndämmung der Straßenfassade fällt jedoch kaum dahinter zurück. Auch auf diese Weise lässt sich der Energieverbrauch um über 80 Prozent senken. Wer jedoch ganz auf eine Dämmung der Straßenfassade verzichtet, erreicht durch alle übrigen Maßnahmen zusammen immerhin noch eine Energieeinsparung von rund 65 Prozent. Die genannten Werte beziehen sich auf eine Umsetzung der Modernisierungsmaßnahmen im Passivhausstandard. Auch die Kalkulation zu den vier Haustypen auf den Folgeseiten geht davon aus, dass der Passivhausstandard das Ziel ist. Die exemplarischen Berechnungen in dieser Broschüre gelten natürlich nur als Richtwerte für eine erste Einschätzung. Wer eine Modernisierung plant, sollte einen Energieberater zurate ziehen. Er kann die zu erwartenden Einsparungen und Investitionskosten individuell berechnen und Fördermöglichkeiten nennen.

Prozentuale Verteilung der Energieeinsparung auf die Sanierungsmaßnahmen Kessel Heiznetz

4%
Lüftung

5%
Fassaden

32%

19%

Kellerdecke

5%
Dach Fenster

18%

16%

Prozentuale Verteilung der Investitionskosten auf die Sanierungsmaßnahmen Kessel Heiznetz

1%
Lüftung

9%

Fassaden

18%

20%

Kellerdecke

5%
Dach

Fenster

27% 20%

10 - 11

Bautyp I: Bremer Haus — Reihenhaus, Klassizismus/Historismus
Baujahr etwa 1848-1900

Der Typ I steht exemplarisch für das Bremer Haus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wesentliche Merkmale: • Reihenhaus, traufständig (Dachfirst parallel zur Straße) • Zweigeschossig, ausgebautes Dachgeschoss • Souterrain, nicht beheizt • Halbgeschossiger Geländeversatz (Garten liegt tiefer als die Straße) • Straßenfassade: einschaliges Mauerwerk, verputzt mit klassizistischen oder historischen Stuckelementen • Gartenfassade: einschaliges Mauerwerk, verputzt ohne Verzierung • Grundfläche: rund 8 Meter mal 13 Meter • Wohnfläche: rund 225 Quadratmeter

Energiekosten* Sanierung von:
pro Jahr f. Heizung & Lüftung

AW + F 2.280 € AW + F + D 1.600 € AW + F + D + K 1.360 € AW + F + D + K + L AW + F + D + K + L + H 850 € 640 €

Unsaniertes Gebäude 3.370 €
0 1.000 2.000 3.000 €

* Preisbasis 2013, ohne Berücksichtigung zukünftiger Energiepreissteigerungen

Energiekosten für die Maßnahmenpakete — Gebäudetyp I; AW: Außenwände, F: Fenster, D: Dach, K: Kellerdecke, L: Lüftung, H: Heizung

Bautyp I

KG

EG

1. OG

DG

Investitionskosten
Gesamtkosten 98.200 €, davon 2.400 € Ohnehin-Kosten

Energieeinsparung Sanierung von: AW + F
(bez. auf unsaniertes Gebäude)

Heiznetz

1.500 € 5.300 €
Lüftung

Kessel

32 %

Fassaden

AW + F + D 53 % AW + F + D + K 60 % AW + F + D + K + L 77 % AW + F + D + K + L + H 83 %

20.300 €
Kellerdecke

17.800 €

5.300 €
Dach

Fenster

0

20

40

60

80 100%

24.600 €

23.400 €

Energieeinsparung nach der Sanierung der Hüllflächenbauteile und der Gebäudetechnik für Gebäudetyp I; AW: Außenwände, F: Fenster, D: Dach, K: Kellerdecke, L: Lüftung, H: Heizung

Modernisierungsempfehlung Die Straßenfassade bekommt eine Innendämmung. Die Rückseite des Hauses kann von außen gedämmt werden. Die Fassadendämmung und der Austausch der Fenster bringen allein eine Energieeinsparung in Höhe von 32 Prozent. Mit einer Dämmung des Dachs und der Kellerdecke werden bereits 60 Prozent erreicht. Erhält das Haus außerdem eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und eine neue Heizungsanlage, dann summieren sich die Energieeinsparungen auf 83 Prozent. Die jährlichen Energiekosten sinken bei einer umfassenden Modernisierung von 3.370 Euro auf 640 Euro. Die Gesamtkosten für die Maßnahmen liegen bei 98.200 Euro.

Good-Practice-Beispiel
Bremen-Ostertor Baujahr: 1850 Wohnfläche: 300 qm Modernisierung: 2011, Püffel Architekten BDA Maßnahmen: Fassadenmodernisierung, Austausch der Fensterelemente, Dachausbau

12 - 13

Bautyp II: Freistehendes Haus, Jugendstil
Baujahr etwa 1900-1930

Der Typ II steht exemplarisch für ein freistehendes Haus aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hier wurden zwei Modernisierungsvarianten untersucht – eine mit Außendämmung durch ein Wärmedämm-Verbundsystem und eine mit einer Innendämmung der Außenwände. Wesentliche Merkmale: • Freistehendes Haus, Mansardendach • Zweigeschossig, nicht ausgebautes Dachgeschoss • Souterrain, nicht beheizt • Fassaden: einschaliges Mauerwerk, verputzt mit Jugendstil-Stuckelementen • Grundfläche: rund 9,5 Meter mal 12,5 Meter • Wohnfläche 170 Quadratmeter

Energiekosten* Sanierung von: AW + F AW + F + D AW + F + D + K AW + F + D + K + L AW + F + D + K + L + H
pro Jahr f. Heizung & Lüftung

2.190 € 1.520 € 1.280 € 890 € 690 €

Unsaniertes Gebäude 4.120 €
0 1.000 2.000 3.000 4.000 €

* Preisbasis 2013, ohne Berücksichtigung zukünftiger Energiepreissteigerungen

Energiekosten für die Maßnahmenpakete — Gebäudetyp II; AW: Außenwände, F: Fenster, D: Dach, K: Kellerdecke, L: Lüftung, H: Heizung

Bautyp II

KG

EG

DG

Investitionskosten
Gesamtkosten 101.400 €, davon 5.800 € Ohnehin-Kosten

Energieeinsparung Sanierung von:
(bez. auf unsaniertes Gebäude)

Heiznetz Lüftung

1.200 € 5.300 €
Fassaden

Kessel

AW + F 47 % AW + F + D 63 % AW + F + D + K 69 % AW + F + D + K + L 80 % AW + F + D + K + L + H 85 %
0 20 40 60 80 100%

15.300 €
Kellerdecke

34.700 €

5.600 €
Dach

20.400 €
Fenster

18.900 €

Energieeinsparung nach der Sanierung der Hüllflächenbauteile und der Gebäudetechnik für Gebäudetyp II; AW: Außenwände, F: Fenster, D: Dach, K: Kellerdecke, L: Lüftung, H: Heizung

Modernisierungsempfehlung Ein optimaler Wärmeschutz wird durch ein Wärmedämm-Verbundsystem erreicht (WDVS). Die umfassende Modernisierung spart hier 85 Prozent der Energie ein. Eine Innendämmung ist bei diesem Gebäudetyp ebenfalls realisierbar. Die Einsparung liegt dann etwas niedriger. Mit 75 Prozent ist der Wert aber immer noch gut. Bei einer Innendämmung der Außenwände sinken die jährlichen Energiekosten von 4.120 Euro auf 1.090 Euro. Mit einem WDVS lässt sich eine weitere Reduzierung auf 690 Euro pro Jahr erreichen.

Good-Practice-Beispiel
Bremen-Schwachhausen Baujahr: 1908 Wohnfläche: 270 qm Modernisierung: 2007, Püffel Architekten BDA Maßnahmen: Innendämmung, Austausch der Fensterelemente, Modernisierung des Daches und der Heizung

14 - 15

Bautyp III: Einfaches Bremer Haus — Reihenhaus, einfache Gebäudeform, Jugendstil Baujahr etwa 1900-1914
Der hier vorgestellte Typ III steht exemplarisch für das kleinere Bremer Haus, das zum Ende des 19. Jahrhunderts bis etwa 1917 zum Beispiel in den Stadtteilen Findorff und Schwachhausen sowie im Bremer Westen gebaut wurde. Wesentliche Merkmale: • Zweigeschossiges Reihenhaus, traufständig (Dachfirst parallel zur Straße) • plus ausgebautes Dachgeschoss • Souterrain, nicht beheizt • Halbgeschossiger Geländeversatz (Garten liegt tiefer als Straße) • Straßenfassade: einschaliges Mauerwerk, verputzt mit Judenstil-Stuckelementen • Gartenfassade: einschaliges Mauerwerk, verputzt ohne Verzierungen • Grundfläche: rund 6 Meter mal 9 Meter • Wohnfläche: 110 Quadratmeter
Energiekosten* Sanierung von: AW + F AW + F + D AW + F + D + K AW + F + D + K + L AW + F + D + K + L + H 710 € 460 € 350 €
pro Jahr f. Heizung & Lüftung

1.270 € 820 €

Unsaniertes Gebäude 1.850 €
0 500 1.000 1.500 2.000 €

* Preisbasis 2013, ohne Berücksichtigung zukünftiger Energiepreissteigerungen

Energiekosten für die Maßnahmenpakete — Gebäudetyp III; AW: Außenwände, F: Fenster, D: Dach, K: Kellerdecke, L: Lüftung, H: Heizung

Bautyp III

KG

EG

1. OG

DG

Investitionskosten
Gesamtkosten 58.800 €, davon 1.000 € Ohnehin-Kosten

Energieeinsparung Sanierung von:
(bez. auf unsaniertes Gebäude)

Heiznetz Lüftung

700 € 5.300 € 10.000 €
Kellerdecke

Kessel

AW + F 31 % Fassaden AW + F + D 56 % AW + F + D + K 62 % AW + F + D + K + L 77 % Fenster AW + F + D + K + L + H 83 %
0 20 40 60 80 100%

8.300 €

2.500 €
Dach

16.300 €

15.700 €

Heizenergiebedarf für die Maßnahmenpakete des Gebäudetyp III; AW: Außenwände, F: Fenster, D: Dach, K: Kellerdecke, L: Lüftung, H: Heizung

Modernisierungsempfehlung Die Straßenfassade bekommt eine Innendämmung. Die übrigen Seiten können von außen gedämmt werden. Die Optimierung der Gebäudehülle durch eine Dämmung der Wände, des Dachs, der Kellerdecke sowie durch den Einbau neuer Fenster spart 62 Prozent Energie. Durch den zusätzlichen Einbau einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sowie die Sanierung der Heizungsanlage summieren sich die Einsparungen auf 83 Prozent gegenüber dem unsanierten Zustand. Von den jährlichen Energiekosten (1.850 Euro) bleiben weniger als ein Fünftel über (350 Euro). Die Gesamtkosten der Modernisierung belaufen sich auf 58.800 Euro.

Good-Practice-Beispiel
Bremen-Findorff Baujahr: 1901/38 Wohnfläche: 125 qm Modernisierung: 2008, Architekten R. Strauß und I. Lütkemeyer Maßnahmen: Fassadenmodernisierung, Innendämmung, Austausch der Fensterelemente, Dachausbau und -modernisierung, Einbau einer Lüftungsanlage

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Bautyp IV: Bremer Kleinhaus — Reihenhaus
Baujahr etwa 1900-1945

Der Typ IV steht stellvertretend für das Bremer Kleinhaus aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bei der hier vorgestellten Modernisierung bleibt das Erscheinungsbild der Straßenfassade dank einer Innendämmung der Außenwand erhalten. Wesentliche Merkmale: • Reihenhaus, traufständig (Dachfirst parallel zur Straße) • Souterrain, nicht beheizt • Straßenfassade: einschaliges Mauerwerk, verputzt mit Jugendstil-Stuckelementen (Innendämmung) • Gartenfassade: einschaliges Mauerwerk, verputzt, ohne Verzierungen (Außendämmung) • Grundfläche: rund 6 Meter mal 9 Meter • Wohnfläche: rund 94 Quadratmeter

Energiekosten* Sanierung von:
pro Jahr f. Heizung & Lüftung

AW + F 1.310 € AW + F + D AW + F + D + K AW + F + D + K + L AW + F + D + K + L + H 960 € 740 € 530 € 410 €

Unsaniertes Gebäude 2.400 €
0 500 1.500 2.500 €

* Preisbasis 2013, ohne Berücksichtigung zukünftiger Energiepreissteigerungen

Energiekosten für die Maßnahmenpakete — Gebäudetyp IV; AW: Außenwände, F: Fenster, D: Dach, K: Kellerdecke, L: Lüftung, H: Heizung

Bautyp IV

KG

EG

1. OG

DG

Investitionskosten
Gesamtkosten 63.700 €, davon 3.100 € Ohnehin-Kosten

Energieeinsparung Sanierung von:
(bez. auf unsaniertes Gebäude)

Heiznetz

Kessel

AW + F 46 % AW + F + D 60 % Fassaden AW + F + D + K 69 % AW + F + D + K + L 79 % AW + F + D + K + L + H 84 %

Lüftung

600 €

5.300 € 19.600 €

8.500 €
Kellerdecke

6.200 €
Dach

0

20

40

60

80 100%

8.900 €

Fenster

14.600 €

Energieeinsparung nach der Sanierung der Hüllflächenbauteile und der Gebäudetechnik für Gebäudetyp IV; AW: Außenwände, F: Fenster, D: Dach, K: Kellerdecke, L: Lüftung, H: Heizung

Modernisierungsempfehlung Bei der Modernisierung wird die straßenseitige Außenwand von innen gedämmt. Die übrigen Maßnahmen entsprechen dem Passivhausstandard. Dadurch belaufen sich die Energieeinsparungen auf insgesamt 84 Prozent. Dabei leisten die Wärmedämmung der Außenwände und der Austausch der Fenster einen Beitrag von rund 46 Prozent. Die Dämmmaßnahmen an Dach und Kellerdecke bringen zusätzlich 14 Prozent. Durch den Einbau einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sowie die Sanierung der Heizungsanlage kommen noch einmal weitere 15 Prozent dazu. Die jährlichen Energiekosten können dadurch von rund 2.400 Euro auf 410 Euro gesenkt werden. Die Gesamtkosten für diese umfassende Modernisierung belaufen sich auf 63.700 Euro.

Good-Practice-Beispiel
Bremen-Mitte Baujahr: 1928 Wohnfläche: 24 qm Modernisierung: 2009, Architekturbüro Marlies Hestermann Maßnahmen: Modernisierung der Fassade und Heizung, Austausch der Fensterelemente, Dachausbau, Grundsanierung

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Energetisch modernisieren heißt nachhaltig investieren

Die Wirtschaftlichkeit spielt eine wichtige Rolle bei einem Modernisierungsvorhaben. Ein Energieberater kann die Investitionskosten sowie die zu erwartende Einsparung weitgehend zuverlässig berechnen. Zu berücksichtigen sind unter anderem auch die Energiepreisentwicklung, die Inflation oder Zinsen. Die Autoren der vorgestellten Studie haben einen Berechnungsansatz entwickelt, der unterschiedliche Einflussfaktoren berücksichtigt. Für jede beliebige Altbaumodernisierung lässt sich mithilfe des Rechenmodells ein sogenanntes Rückflussverhältnis R und ein Prognosefaktor P berechnen – beide Werte sind für Hausbesitzer hilfreiche Indikatoren. Für eine Modernisierung gibt es viele Gründe. Oftmals ist ein Eigentümerwechsel der Anlass. In anderen Fällen geben Feuchteschäden, Schimmel, bröckelnde Fassaden oder eine defekte Heizungsanlage den Anstoß, dass Hauseigentümer aktiv werden. Eine umfassende Modernisierung bietet sich auch an, wenn das Dachgeschoss für Wohnzwecke ausgebaut werden soll oder andere Umbauarbeiten geplant sind. Wärmeschutzmaßnahmen sind dann besonders wirtschaftlich, wenn sie sich mit einer ohnehin fälligen Instandsetzungsarbeit kombinieren lassen. Eine gute Gelegenheit für eine Außenwanddämmung ist somit gegeben, wenn Sie die Fassade sowieso streichen oder verputzen müssen. Die „Ohnehin-Kosten“ wie etwa der Gerüstaufbau lassen sich in diesem Fall von der energiesparenden Dämmmaßnahme abziehen. Dadurch wird die Dämmung noch wirtschaftlicher und die Investitionskosten amortisieren sich in kürzerer Zeit.

Das Haus als Ganzes im Auge Auch wenn der Auslöser für eine Modernisierung oftmals nur eine einzelne Maßnahme ist, wie etwa der Austausch undichter Fenster oder ein Schaden am Dach, ist es sinnvoll, sich bei dieser Gelegenheit Gedanken über eine umfassende Modernisierung zu machen. Dabei muss das Haus als Ganzes betrachtet werden. Hierbei spielen zum Beispiel die Themen Lüftung, Wärmebrücken oder Anschlussdetails eine Rolle. Nur ein umfassendes Maßnahmenbündel garantiert eine optimale Nutzung der Energieeinsparpotenziale und verhindert mögliche Bauschäden. Ein Energieberater kann nach einer individuellen Analyse für jedes Gebäude einen sinnvollen Fahrplan aufstellen. Ob sich eine energetische Modernisierung lohnt oder nicht, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Dabei ist nicht nur die Energieeinsparung zu berücksichtigen sondern ebenso die Wertsteigerung der Immobilie. Aber auch Faktoren, die sich nicht in Zahlen ausdrücken, sind zu berücksichtigen. So etwa der Wohnkomfort und die Umweltauswirkungen. Außerdem kann eine attraktive Fassade positive Effekte auf das Erscheinungsbild einer Straße oder eines ganzen Viertels haben. Gerade in Bremen sind die typischen Altbauten stadtbildprägend. Rückflussverhältnis und Prognosefaktor Die in dieser Broschüre vorgestellte Altbaustudie liefert für Energieberater und Hauseigentümer eine fundierte Grundlage zur Berechnung der Wirtschaftlichkeit. Das sogenannte Rückflussverhältnis R wird darin als nachvollziehbare Bewertungsgröße eingeführt. Liegt das Rückflussverhältnis über 100 Prozent, wird über die Nutzungszeit der Modernisierungsmaßnahme mehr Geld gespart als sie gekostet hat. Bestandteil einer sinnvollen Wirtschftlichkeitsberechnung ist der Prognosefaktor P, der als Multiplikator in das Rückflussverhältnis einfließt. Er beinhaltet die Zinsen für die Kapitalbeschaffung, die Inflation und Energiepreissteigerungen. Der Prognosefaktor kann für unterschiedliche Zukunftsszenarien berechnet werden. Theoretisch lässt sich auch dem Komfortgewinn oder dem Klimaschutz ein monetärer Wert zuordnen wenn diese Entscheidungsfaktoren ebenfalls in die mathematische Rechnung eingehen sollen. Die komplette Studie ist im Internet unter www.energiekonsens.de veröffentlicht. Hier finden Sie auch ausführliche Informationen zur Berechnung und Interpretation des Rückflussverhältnisses sowie des Prognosefaktors.

Eine optimale Hausmodernisierung beinhaltet einen individuellen Modernisierungsfahrplan.

Wer Dämmmaßnahmen plant, sollte sich vorher unbedingt fachgerecht beraten lassen.

Förderung nutzen Für energetische Modernisierungen gibt es attraktive Fördermöglichkeiten. Lassen Sie sich von Ihrem Energieberater schon in der Planungsphase beraten. Fördergelder oder zinsgünstige Kredite gibt es beispielsweise bei der KfW Förderbank oder dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Über das Programm „Energieeffizient Sanieren“ der KfW unterstützt der Bund sowohl umfassende energetische Sanierungen als auch einzelne Sanierungsmaßnahmen wie den Einbau eines energieeffizienten Heizsystems oder die Dämmung einzelner Bauteile. Bei umfassenden energetischen Sanierungen steigt die Förderung mit zunehmender Energieeffizienz je nach erreichtem Standard. Außerdem fördert das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) im Rahmen des Marktanreizprogramms die Nutzung von erneuerbaren Energien. Hierzu zählen Solarkollektoranlagen, Heizungen auf Biomassebasis, Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen und Wärmepumpen. Auch das Land Bremen vergibt Zuschüsse. Diese können im Rahmen des Förderprogramms "Wärmeschutz im Wohngebäudebestand" des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen beantragt werden (www.bremo.info).

Beratungsförderung Bereits für die Vor-Ort-Beratungen gibt es Zuschüsse. Als Initialberatung bietet sich in der Region Bremen der Gebäudeenergie-Check des Qualitätsnetzwerks „Energie Experten“ (Partner von energiekonsens) oder der Gebäude-Check der Verbraucherzentrale Bremen an. Für die geförderten Beratungen zahlen die Hauseigentümer lediglich 20 beziehungsweise 25 Euro. Eine vertiefende Gebäudeenergieberatung kostet durch die Förderung nur noch rund 400 bis 500 Euro Eigenanteil. Das BAFA fördert die Vor-Ort-Beratung mit bis zu 400 Euro für Ein- und Zweifamilienhäuser. Bei Wohnhäusern ab drei Wohneinheiten können bis zu 500 Euro beantragt werden (Stand: 2013). Im Land Bremen zahlt energiekonsens zusätzlich 125 Euro. Der Eigenanteil der Beratungskosten fällt für die Hauseigentümer dadurch unter 50 Prozent. Denken Sie daran, die Förderanträge rechtzeitig zu stellen. Dies muss in der Regel vor der Beauftragung von Modernisierungsmaßnahmen erfolgen. Beachten Sie dazu unbedingt die Förderrichtlinien.

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Anlaufstellen und Vor-Ort-Beratungen

Eine Modernisierung will gut geplant sein. Deshalb empfiehlt sich von Anfang an eine professionelle Beratung. Fundierte Informationen bieten die Partner von Bremer Modernisieren in ihren Beratungsstellen oder auch im Internet. Außerdem sollten Sie schon in der Planungsphase einen unabhängigen Energieberater hinzuziehen. Er kann mit Ihnen ein individuelles Energiekonzept erstellen und berät bei der Finanzierung. Professioneller Rat legt den Grundstein für eine erfolgreiche Altbaumodernisierung. Der erste Weg führt in Bremen zu einem Beratungsangebot der Initiative Bremer Moderniseren: Dazu gehören das Beratungs- und Ausstellungszentrum bauraum Bremen, die Verbraucherzentrale Bremen, die Bremer Umwelt Beratung, die swb (für Kunden) sowie Haus & Grund (für Mitglieder). Die einführenden Hausmodernisierungsund Energieberatungen sind zumeist kostenlos. Der zweite Schritt ist die Beratung vor Ort, also in dem Haus, das modernisiert werden soll. Dabei besichtigt ein unabhängiger Fachmann das Gebäude und gibt erste Sanierungsempfehlungen. Ein Energieberater kann Ihnen in der Regel schon bei der ersten Hausbegehung die energetischen Schwachstellen Ihres Altbaus aufzeigen. Lassen Sie sich vor dem Beginn von Sanierungsmaßnahmen ein Gesamtkonzept erstellen. Das Energiekonzept beinhaltet konkrete Maßnahmen, die speziell für Ihr Gebäude sinnvoll sind. Der Energieberater berechnet schon in der Planungsphase die zu erwartende Energieeinsparung sowie die Investitionskosten. Beim Kauf eines unsanierten Altbaus sollten Sie schon vor dem Notartermin einen Energieberater zurate zu ziehen, damit Sie frühzeitig wissen, welche Kosten auf Sie zukommen. Initialberatung und vertiefende Gebäudeenergieberatung Für Vor-Ort-Beratungen gibt es unterschiedliche Angebote und Fördermöglichkeiten. Als Initialberatung bietet sich in der Region Bremen der Gebäudeenergie-Check des Qualitätsnetzwerks „Energie Experten“ (Partner von energiekonsens) oder der Gebäude-Check der Verbraucherzentrale Bremen an. Für eine vertiefende Beratung gibt es beim Qualitätsnetzwerks „Energie Experten“ eine Gebäudeenergieberatung, die ein individuelles und umfassendes Sanierungskonzept beinhaltet. Diese Beratung wird vom BAFA und zusätzlich von energiekonsens gefördert. (siehe Seite 21 zur Förderung) Energie Experten – Das Bremer Netzwerk für energiesparende Altbausanierung und Neubauten. Im Qualitätsnetzwerk Energie Experten, Partner von energiekonsens, finden Hausbesitzer Planungsund Handwerksbetriebe wie Dachdecker, Maler, Haustechniker, Energieberater, Zimmermann, Maurer und Architekten, die auf energetisches Bauen und Modernisieren spezialisiert sind. Das Leistungsspektrum des unabhängigen Netzwerks deckt den gesamten Bau- und Modernisierungsprozess ab. Es reicht von der Energieberatung über die Planung und Bauausführung bis zur Installation moderner, umweltfreundlicher Haustechnikanlagen. Weitere Informationen sowie aktuelle Energie Experten-Listen finden Sie im Internet unter www.energie-experten.net.

Die Energie Experten stehen für Qualität bei Beratungsund Handwerksleistungen.

Die Partner von Bremer Modernisieren

Hier erhalten Sie weitere Informationen zum Thema Modernisieren und finden einen Energieberater:

energiekonsens Am Wall 172/173 28195 Bremen Telefon: 0421/37 66 710 Telefax: 0421/37 66 719 info@energiekonsens.de www.energiekonsens.de

BREMER MODERNISIEREN
Modernisierungs-Hotline: Telefon: 0421/835 888 22 Di – Do 10 – 16 Uhr Per Mail und Post: Bremer Modernisieren c/o energiekonsens Am Wall 172/173 28195 Bremen info@bremer-modernisieren.de Weitere Informationen: www.bremer-modernisieren.de

bauraum Bremen e.V. Friedrich-Karl-Straße 96 28205 Bremen Telefon: 0421/526 189 51 info@bauraum-bremen.de www.bauraum-bremen.de Öffnungszeiten: Mo + Di 14 – 18 Uhr Fr 10 – 18 Uhr Sa 10 – 14 Uhr

Haus & Grund Bremen e.V. Am Dobben 1/3 28203 Bremen Telefon: 0421/368 040 information@hug-hb.de www.haus-und-grund-bremen.de Öffnungszeiten: Mo – Do 8 – 16 Uhr Fr 8 – 12 Uhr

Verbraucherzentrale Bremen e.V. Altenweg 4 28195 Bremen Terminvereinbarung unter Telefon: 0421/16 07 77 info@vz-hb.de www.verbraucherzentrale-bremen.de Öffnungszeiten: Mo + Di 10 – 18 Uhr Do 10 – 20 Uhr Fr 10 – 13 Uhr

swb Vertrieb Bremen GmbH swb-Kundencenter Am Wall/Sögestraße 28195 Bremen Telefon: 0421/359 3590 www.swb-gruppe.de/kontakt www.swb-gruppe.de Öffnungszeiten: Mo – Fr 9 – 18 Uhr

Bremer Umwelt Beratung e.V. Am Dobben 43 A 28203 Bremen Telefon: 0421/707 0100 info@bremer-umwelt-beratung.de www.bremer-umwelt-beratung.de Öffnungszeiten: Mo – Do 9 – 15 Uhr oder nach Vereinbarung

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Kontakt:

energiekonsens Am Wall 172/173 28195 Bremen Telefon: 0421/37 66 710 Telefax: 0421/37 66 719 Modernisierungs-Hotline Telefon: 0421/835 888 22 10 – 16 Uhr Di – Do info@energiekonsens.de www.energiekonsens.de

Freie Hansestadt Bremen Senator für Umwelt, Bau und Verkehr Contrescarpe 72 28195 Bremen www.bauumwelt.bremen.de
        
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