Path:
Österreich-Ungarn

Full text: Der internationale Mädchenhandel / Baer, Karl M. (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Oesterreich-Ungarn. 
59 
sie zu Händen der Kupplerin oder einer bevorzugten 
Prostituierten, der diese dadurch einen Beweis ihres Ver¬ 
trauens und Wohlwollens gegeben hatte. Manche Be¬ 
sucher pflegten nun auch die Mädchen selbst mit dem sog. 
Strumpfgelde zu beschenken, auch dieses aber mutzte an 
die Niehl oder ihre Stelloertreterin abgeführt werden. 
Der Versuch eines Mädchens, diese Gabe für sich zu be¬ 
halten, wurde von der Niehl für Diebstahl erklärt und 
mit Beschimpfungen und Schlägen bestraft. Ueberhaupl 
war die Riehl bemüht, — wie sie sich ausdrückte — Zucht 
und Ordnung im Hause aufrecht zu erhalten; sie bediente 
sich dabei der allerordinärsten Schimpfworte, schlug aber 
auch häufig mit der Hand, dem Schürhaken oder mit der 
Hundepeitsche zu. Die Hausbesorger und die Nachbarn 
berichten, daß sie oft das Wehgeschrei mißhandelter Mäd¬ 
chen auf große Entfernungen hörten. 
Die Garderobe der Mädchen bestand aus zwei 
Hemden und Unterrock, Strümpfen und einem paar Atlas¬ 
schuhen ; in der kalten Zeit erhielten sie noch einen Schlaf¬ 
rock. Die Kleider, die sie mitgebracht hatten, wurden 
ihnen beim Eintritt abgenommen und fortgesperrt. 
Ein Ausgang wurde den Mädchen nicht gestattet, 
dem Hausbesorger war es aufs strengste eingeschärft, das 
Haustor stets geschlossen zu halten. Für den Fall, daß 
V Mädchen entkam, war ihm sofortige Entlassung an - 
oht. Bezeichnend für die Wichtigkeit, welche die Niehl 
r Absperrung des Hauses beimaß, war die in den 
ragen mit den Hausbesorgern enthaltene Klausel, laut 
»er sie bei Kündigung des Postens sofort die Schlüssel 
geben hatten. 
Unter solchen Umständen kam es vor, daß ein Mäd- 
oft wochen- und monatelang nichts mehr von der 
sah, als was zwischen den Milchglasfenstern und der 
errten Tür lag.
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.