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Österreich-Ungarn

Full text: Der internationale Mädchenhandel / Baer, Karl M. (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

58 Großstadt-Dokumente Bd. 37. Der internationale Mädchenhandel. 
Verkommenheit des Mädchens schon soweit vorgeschritten 
war, daß jede Aussicht, es wieder auf rechte Wege zu 
bringen, ausgeschlossen war, welcher Umstand die gesetz¬ 
lichen Vertreter veranlaßte, nachträglich zu dem Eintritt 
des Mädchens ihre Zustimmung zu erteilen. 
Eine Einflußnahme im Sinne der Rückkehr zur 
Ehrbarkeit von feiten der Angehörigen suchte die Beschul¬ 
digte nach Möglichkeit zu hintertreiben, indem sie die 
Mädchen vor derartigen Besuchern verleugnete oder, wenn 
jemand sich nicht ableugnen ließ, die gesuchte Person zuerst 
als Dienstmädchen kleidete und dann nur in ihrer Gegen¬ 
wart mit dem Besucher sprechen ließ. Wagte es jemand, 
dem Mädchen das Schimpfliche seines Lebenswandels 
vorzuhalten, so wurde er an die Luft gesetzt. 
Das Leben der Prostituierten in diesem Hause ge¬ 
staltete sich wie folgt: Am frühen Morgen, nachdem die 
Besucher das Haus verlassen hatten, wurden die Mäd¬ 
chen in die Schlafräume geführt, die sie die Kaserne nann¬ 
ten. Die Türen wurden hinter ihnen versperrt, die Fenster 
dieser Zimmer waren mit Milchglas versehen und mittels 
eiserner Vorlegstangen versperrt. Die Mädchen schliefen 
dort bis in den Mittag; war das Mittagsmahl, das ge¬ 
meinsam eingenommen wurde, aufgetragen, so öffneten 
sich die Türen der Kaserne, und in Reih' und Glied ver¬ 
ließen die Mädchen den Raum, in den sie sofort nach 
Beendigung der Mahlzeit wieder eingesperrt wurden. 
Sie verbrachten daselbst den Nachmittag und konnten 
die Kaserne nur verlassen, wenn die Wirtschafterin sie 
holte, weil ein Besucher sie verlangte. Erst abends wurden 
sie in den „Salon" geführt, in dem die Fenster in gleicher 
Weise verwahrt waren wie in den Schlafräumen. 
Dort wurden die Besucher empfangen, die dann mit 
einem der Mädchen „aufs Zimmer" gingen. 
Das Zimmergeld von 10 Kronen aufwärts bezahlten
	        
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