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Österreich-Ungarn

Full text: Der internationale Mädchenhandel / Baer, Karl M. (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Oesterreich-Ungarn. 
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Andere nahm sie, entgegen den polizeilichen Vorschriften, 
die das Halten jugendlicher Dienstboten in einem tole¬ 
rierten Hause ausdrücklich verbieten, vorerst als Dienst¬ 
boten auf; denn sie konnte darauf rechnen, daß die bereits 
sittlich gesunkenen Mädchen in Kürze dem demorali¬ 
sierenden Einflüsse der Herren und der übrigen Umgebung 
erliegen würden. In der Tat hat selten ein Mädchen, 
angesichts der Not, die ihm beim Verlassen des Hauses 
drohte, auf das nach einiger Zeit gestellte Angebot, auch 
„Dame" zu werden, eine ablehnende Antwort gegeben. 
Nun galt es, für das Mädchen ein Gesundheitsbuch 
zu beschaffen, wozu bei Minderjährigen die Einwilligung 
der gesetzlichen Vertreter der Bewerberin erforderlich war. 
In mehreren Fällen wurde diese Einwilligung mit 
größerer oder geringerer Schwierigkeit erreicht. 
War eine solche, wenigstens der Form nach, ent¬ 
sprechende Erledigung der Angelegenheit nicht zu ge¬ 
wärtigen, so behalf sich Regine Riehl mit der Irreführung 
der Behörden. Sie veranlaßte die Mädchen, über ihre 
gesetzlichen Vertreter und deren Wohnort dem Polizei- 
kommissariate unwahre Auskünfte zu geben, indem sie 
angeben sollten und auch angaben, ihre Eltern seien schon 
verstorben oder unbekannten Aufenthaltsortes; in anderen 
Fällen begleitete sie das Mädchen zur Vernehmung und 
brachte für diese solche Unwahrheiten selbst vor; auch 
gefälschte schriftliche Zustimmungserklärungen wurden ge¬ 
gebenenfalls produziert. 
Durch solche Umtriebe erreichte sie die sofortige 
Ausstellung des Gesundheitsbuches, erschwerte und ver¬ 
zögerte aber auch die vorgeschriebene Verständigung der 
gesetzlichen Vertreter von dem Eintritte der Mädchen und 
brachte es dahin, daß dieselben manchmal erst Monate 
später von dem verhängnisvollen Schritte ihres Kindes 
oder Mündels Kenntnis erhielten, zu einer Zeit, wo die
	        
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