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Österreich-Ungarn

Full text: Der internationale Mädchenhandel / Baer, Karl M. (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

56 Großstadt-Dokumente Bd. 37. Der internationale Mädchenhandel. 
der Kasermerung der Prostitution und dem Mädchen¬ 
handel hier besonders deutlich hervor. 
Das Geschäft hatte einen bedeutenden Umfang; 
die Richl hielt bis zu 20 Prostituierte und hatte für 
ihren Zweck ein ganzes Haus gemietet, für das sie einen 
Iahreszins von 10 000 Kr. zu entrichten hatte. 
Die Räumlichkeiten, soweit sie dem Bordellverkehre 
dienten, waren mit großem Komfort eingerichtet. 3m 
krassen Gegensatz hierzu standen die sanitärwidrigen Ver¬ 
hältnisse in den Schlafräumen der Prostituierten, die, in 
wenigen, ärmlich ausgestatteten Räumen zusammenge¬ 
pfercht, zu zweien in einem Bett schlafen mußten. 
Mit der Anwerbung junger Mädchen für ihr Haus 
war eine große Anzahl von Personen verschiedenster Art 
beschäftigt. Alte Frauen oder junge Burschen näherten 
sich auf der Straße oder im Prater vagierenden Dienst¬ 
boten, von denen einige die Not oder der Leichtsinn 
zur Ausübung der geheimen Prostitution getrieben hatte 
und erboten sich, ihnen einen guten Dienstplatz zu ver¬ 
schaffen. Dienstvermittlungsbureaus sendeten ihr junge 
Mädchen zu, und sogar in den Spitälern kam es vor, daß 
einer Patientin von ihrer Leidensgefährtin das Haus 
Niehl empfohlen wurde. Das Augenmerk dieser Agenten 
war vorwiegend auf Mädchen gerichtet, die kaum dem 
Kindesalter entwachsen waren. Die jüngste von allen 
war nach den Erhebungen Ottilie Eeresch, die bei 
ihrem Eintritt 14 Jahre und 3 Monate zählte. Um 
die Mädchen leichter in ihre Netze zu locken, hatte sie außen 
an dem Hause eine große Tafel mit der Aufschrift: 
„Kleidersalon Rieht". 
Den Eintretenden gegenüber war ' 
Kupplerin je nach dem Grade ihrer - 
verschiedenes. Den einen machte sie k 
Geschäfte, dem sie in ihrem Hause n
	        
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