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Argentinien

Full text: Der internationale Mädchenhandel / Baer, Karl M. (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Argentinien. 
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Sie kam in Vuenos Aires krank an und erfuhr, 
daß sie die.Sklavin dieses Kumpanski sei, an den ihr 
sauberer Freund sie verkauft hatte. Als sie sich weigerte, 
zum Männerfänge auf die Straße zu gehen, wurde sie 
auf die Polizei gebracht, die sie auf Veranlassung ihres 
Kasten vor die Alternative stellte, sich seinen Wünschen 
zu fügen oder ins Gefängnis zu wandern. Als er abreiste, 
verkaufte er sie an eine Madame Nathalia, die sie jedoch 
auf ihren Wunsch nach einigen Tagen mit einem Emp¬ 
fehlungsbrief nach Rio de Janeiro entließ. Dort ange¬ 
kommen, wurde sie gleich wie eine Meretrize empfangen, 
die man von einem Schlafzimmer ins andere versetzt. 
Sie beschloß, sich Geld zur Flucht zu verdienen. Nach 
14 Tagen endlich hatte sie 14 Pfund Sterling zusammen 
und reiste mit der „Weser" nach Deutschland ab. In 
ciiient Bremer Hospital wurde sie von einem Mädchen 
entbunden. Sie fuhr nach Lodz, traf aber Borosky nicht, 
der nach Afrika abgereist war. Seine Mutter trennte 
sie von dem Kinde und zwang sie, in ihrem Bordelle zu 
bleiben. 
Als B. aus Afrika zurückkehrte, wo er in Berufs- 
geschäften gewesen war, beruhigte er das unerfahrene Mäd¬ 
chen und wies ihren Vater zurück, der intervenieren wollte. 
Nach anderthalb Jahren reiste er mit ihr und vier andern 
Frauen nach Buenos Aires ab, wo sie fünfzehn Monate 
unter seiner Aufsicht arbeitete. Als er auf einer Ge¬ 
schäftsreise in Rußland war, floh sie nach Montevideo, 
von wo er sich aber nach kurzer Zeit die Sklavin zurück¬ 
holte. Auch eine zweite Flucht nach Rio wurde vereitelt, 
da Borosky sie nach acht Tagen wieder auffand und zur 
Rückkehr zwang. 
Sie entfloh aber ein drittes Mal nach Rio. Das 
war im Dezember. Diesmal ließ er sie einige Monate 
unbehelligt.
	        
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