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Argentinien

Full text: Der internationale Mädchenhandel / Baer, Karl M. (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

40 Großstadt-Dokumente Bd. 37. Der internationale Mädchenhandel. 
reichen Familien vermittelt hat, werden oft noch in Europa, 
spätestens aber auf der Seereise von ihren „Beschützern" 
derartig instruiert, daß die Polizei nur schwer einschreiten 
kann. 
In Buenos-Aires, dem Zentralplatz des südameri- 
kanischen Mädchenhandels, wohl auch dem größten Ein¬ 
fuhrhafen für lebende Ware, führen die Mädchenhändler, 
Maqueraur oder Kasten genannt, ein üppiges Leben. 
Neben dem Großunternehmer, der nur seine Agenten 
reisen läßt, während er selbst in verschwenderischem Lurus 
die Früchte seines schrecklichen Gewerbes genießt, tritt der 
„Mittelstand" in markanten Typen hervor, Händler, die 
sich zu Gruppen vereinigen, um kapitalkräftiger zu sein. 
Diese assozierten Unternehmer senden einen ihrer besonders 
Vertrauenswürdigen von Zeit zu Zeit nach Europa, um 
sie mit neuer Ware zu versorgen, oder sie gehen auch ge¬ 
meinsam dorthin, wenn sie glauben, einen neuen Trick er¬ 
folgreicher zu Zweit durchführen zu können. 
Eine andere Klasse unterhält Agenten in Europa, 
welche die Verfrachtung über Genua, Havre, Cherbourg, 
La Palice und Southampton besorgen. 
Bei einer Razzia in Genueser Hotels würde man 
schreckliche Erfahrungen machen über die Größe der ständi¬ 
gen Vorräte an weißen Sklavinnen, die der Weiterbeförde¬ 
rung harren. 
Und was erwartet die unglücklichen Mädchen im 
fremden Lande? Selbst eine Feder, die immer und immer 
nur die finsteren Nachtseiten des Lebens schildert, wäre 
unvermögend, den Jammer zu beschreiben, der in dem 
hiesigen Ghetto der Verlorenen herrscht. In der Calle 
Iunio leben 400 bis 600 solcher beklagenswerten Mädchen, 
und eine andere Straße, die Calle Laralle, wo nahezu 
2200 europäische Weiber, zumeist (EntfüMe, dahinsiechen, 
heißt im Munde der Bevölkerung nur n ' °^ugre
	        
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