Publication:
2018
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365665
Path:
Das Magazin für Erneuerbare Energien und naturstrom

Baustelle Energiewende
WAS JETZT ZU TUN IST

Kohleausstieg gestalten
Bürgerenergiewende in der Lausitz

n Seite 18

Agrophotovoltaik
Solarenergie und Landwirtschaft passen zusammen

n Seite 26

Heft 25

ISSN 1863-9178

energiezukunft

energiezukunft

Herbst 2018

13 Ohne schädliche Emissionen mobil sein

FOTO: © FRAUNHOFER ISE

FOTO: CLEMENS WEISS

FOTO: LAURA SCHRÖDER/URSTROM EG

INHALT

21 Mieterstrom demokratisiert die Energie-

und dabei Ressourcen schonen: Das
praktiziert die Mainzer Bürgerenergiegenossenschaft UrStrom beim e-Carsharing – mit Erfolg und Spaß dabei.

wende – nach dem Startschuss mit dem
neuen Gesetz erweist sich die politische
Regulierung jedoch eher als Hindernis.
Wie geht es trotzdem weiter?

26 Wie passen Solarenergie und Landwirtschaft zusammen? Die Kombination
von regenerativer Energieversorgung
und Nahrungsmittelproduktion bringt
Vorteile für Klima- und Umweltschutz.

Heft 25 Herbst 2018
4 N
 EWS
5 ENERGIEWENDE GESTALTEN
		
NEUES AUS DER ENERGIEPOLITIK
6 Klimasünder zur Kasse bitten
7 Frischer Wind statt altes Eisen
		
BAUSTELLE ENERGIEWENDE
8 Was jetzt zu tun ist
12 Ein Kommentar zum europäischen Bürgerenergierecht
13 e-Car-Sharing in Bürgerhand
14 Das Auto muss seine dominante Rolle verlieren
18 Die Lausitz kann mehr als Kohle

		MEINUNG
24 	Smart Meter – Wichtiger Baustein für das Energie­
system der Zukunft? Robert Spanheimer, Bitkom und
Udo Sieverding, Verbraucherzentrale NRW

		 SOLARENERGIE UND LANDWIRTSCHAFT
26 	Sellerie unterm Solarmodul – Agrophotovoltaik
		
		WÄRMEWENDE
30 	Wärme-Innovation im Naturpark
32 Dezentral und klimafreundlich: Nahwärmenetze im Bau

		

		
NACHGEFRAGT
16 	Christoph Timpe, Öko-Institut: „Mehr Windenergie
im Süden kann den Netzausbau verringern“

		
MIETERSTROM
21	Mieterstrom in der Warteschleife?
22 In Mettmann fließt jetzt Mieterstrom
23 IT-Unternehmen pachtet die Sonne

		GEWINNSPIEL
36 Abschalten und auftanken in Europas
erstem zertifizierten Klimahotel

		ENGAGEMENT
37 A-Moll statt A-Müll – mit Musik gegen die Atomenergie
38 ENERGIEZUKUNFT ONLINE / IMPRESSUM

		

Titelbild: Braunkohle-Tagebau Garzweiler Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Gemeinsam bewegen wir etwas!

V

or 40 Jahren – also zu einer Zeit, als der Bundes­
kanzler Helmut Schmidt hieß, die deutschen Fuß­
baller sich bei der WM in Argentinien blamierten und
ABBA noch fröhlich trällerte, bekam die damalige Firma
Rheinbraun, heute RWE, das Recht, am Nieder­rhein das
Hambacher Becken für den Braunkohleabbau zu nutzen.
Was auch sofort begann mit dem Abholzen von Wäldern
und der Verlagerung kompletter Ortschaften.

billigten Recht festkrallt – nur um seine Gewinne kurz­
fristig zu maximieren und dabei weiterhin die Umwelt
zu zer­stören? Und dass zur Durchsetzung der monetären
Interessen die Staatsmacht in Bewegung gesetzt wird,
mit lächerlichen Argumenten und großem Polizeiauf­
gebot den alten Wald zu räumen, damit endlich die
Bulldozer ihr Werk verrichten können?
Ich glaube, dass diese bornierte Vorgehensweise vie­
len Bürgern in unserem Land die Augen geöffnet hat:
ein Konzern, der die Zukunft der Energieversorgung
verschlafen hat, nun am Abgrund steht und alles in
Bewegung setzt, um noch an Geld für die Aktionäre zu
kommen. Ein solcher Konzern benimmt sich nicht
vernünftig, sondern wie ein waidwundes Tier. Als
Bürger und Konsument kann man guten Gewissens
einem solchen Konzern sein Geld nicht mehr anvertrauen
– aber das wissen wir ja schon seit den Zeiten, in denen
der Atomausstieg rückgängig gemacht wurde. Gut, dass
es Alternativen gibt wie die NATURSTROM AG, die
es trotz aller Abwehrreaktionen der alten Energiewirt­
schaft und gerade wegen deren Verbohrtheit geschafft
hat, in 20 Jahren eine Energieversorgung jenseits von
Kohle und Atom aufzubauen. Ein Erfolg all der vielen
Mitarbeiter, Aktionäre, Geschäftspartner und natürlich
vor allem der Kunden. Wie sagt man noch: Jeder alleine
mag schwach sein, aber gemeinsam bewegen wir etwas!
Darauf können wir in diesem Jubiläumsjahr stolz sein.
Wer hätte vor 20 Jahren gedacht, dass wir alle zusammen
einen solchen Erfolg gestalten werden – für eine lebens­
werte Erde und die Zukunft unserer Kinder!

Heute sehen wir mit Erschrecken, wie schnell der Kli­
mawandel weltweit voran schreitet und welche verhee­
renden Folgen er hat, insofern bemüht man sich inter­
national um eine Begrenzung des CO2-Aussoßes. Dass
Deutschland seine Ziele zur CO2-Verringerung bis
2020 nicht erreicht, ist inzwischen allgemein bekannt,
aber immerhin ist der gesellschaftliche Druck, den
Klimawandel aufzuhalten, inzwischen so groß, dass eine
Kommission eingesetzt wurde, den Ausstiegsweg aus der
Braunkohleverstromung zu finden. Ergebnisse sollen
noch in diesem Jahr vorliegen.
Erschreckend für sehr viele Bürger, dass trotz solcher
Bemühungen um gesellschaftliche Konsensbildung zu
einem wahrlich nicht einfachen Thema das Unterneh­
men RWE genau daran nicht interessiert ist, sondern
sich darauf besinnt, dieses 40 Jahre alte Recht noch nicht
vollständig ausgenutzt zu haben und deshalb nun endlich
den restlichen Waldbestand im Hambacher Forst roden zu
wollen – und zwar möglichst schnell, bevor es vielleicht
neue Gesetze gibt und der Widerstand zu groß wird.
Überlegen Sie einmal was es bedeutet hätte, wenn
alle Dinge, die 1978 für richtig befunden wurden,
heute noch mit Verweis auf damals Zugestandenes mit
Macht umgesetzt würden. Wir hätten einen paffenden
Bundes­k anzler, träumten von Neckermann Reisen
nach Mallorca und hätten nach wie vor eine Mauer,
die Berlin teilt. Kann es da richtig sein, dass sich ein
Energiekonzern ohne Rücksicht auf neues Wissen
um die Schädlichkeit von Braunkohleabbau und
-verstromung um alternative Technologien und die
politische Diskussionen an einem vor 40 Jahren zuge­

Manchmal liegen Licht und Schatten ganz schön eng
beieinander.

Ihr

Dr. Thomas E. Banning
3

FOTO: ROLAND HORN

EDITORIAL

NEWS

CLEMENS WEIS
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+++ 2018 wird ein Rekordjahr für die Solarenergie in Deutschland +++ Der lange
Sommer zeigt seine Vorzüge: In den ersten neun Monaten wurde bereits so
viel Solarstrom erzeugt wie im gesamten letzten Jahr. Die 1,7 Millionen
Photovoltaikanlagen lieferten 40 Milliarden Kilowattstunden, ein Plus von
11 Prozent gegenüber 2017 und so viel wie nie zuvor. Die guten Zahlen deuten an, in welche Richtung es auch für den Zubau neuer Solaranlagen geht:
Nach schweren Jahren könnte 2018 erstmals das von der Politik anvisierte
Ziel von 2,5 Gigawatt neuer Anlagen erreicht werden. Für die Erreichung
der Klimaziele ist dennoch mindestens die doppelte Menge nötig.

EDOUANE EL HAM
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+++ Falsche Spritangaben führten zu 264 Mio. Tonnen CO2-Emissionen +++
Falsche Angaben der Autokonzerne zum Spritverbrauch haben enorme
Klimafolgen: Seit dem Jahr 2000 sind zusätzlich 264 Millionen Tonnen CO2-Emissionen entstanden, mehr als die Niederlande pro Jahr
ausstoßen. Autofahrer zahlten zudem 150 Milliarden Euro zu viel an
den Zapfsäulen. Illegal war das dennoch nicht, denn die offiziellen
Testverfahren hatten nichts mit der Realität zu tun. Seit September
gilt mit dem WLTP ein neues System, das näher an der Wirklichkeit
misst. Dennoch: Auch hier bleiben Schlupflöcher für die Autoindustrie.

WFILM, UNSP
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+++ Die Welt hat 1.000 Gigawatt Wind- und Solarleistung erreicht +++ Davon haben
die ersten Ökostrom-Pioniere geträumt: Erstmals wurde weltweit die Marke von
1.000 Gigawatt installierter Wind- und Solarstromleistung geknackt. Der
Boom ist gleichmäßig verteilt: Auf Windenergie entfallen 54 Prozent, auf
Solarenergie 46 Prozent. Atemberaubend sind die Zuwachszahlen der letzten
Jahre: Seit der Jahrtausendwende ist die installierte Gesamtleistung um das
65-fache gestiegen, seit 2010 hat sie sich mehr als vervierfacht. Im gleichen
Zeitraum sind die Kosten stark gesunken. Bereits 2023 könnte die Grenze von
2.000 Gigawatt erreicht sein – und das 46 Prozent günstiger als zuvor.

.COM, CC0 1.0
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+++ Schweden erreicht schon jetzt Ökostrom-Ziel für 2030 +++ Schweden
wird voraussichtlich schon in diesem Jahr so viel Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugen wie ursprünglich erst für das Jahr 2030
vorgesehen. Zurückzuführen ist diese positive Entwicklung vor allem
auf den starken Ausbau der Windenergie. Die Skandinavier haben noch
viel vor: Bis 2040 sollen der gesamte Energiebedarf des Landes durch
Erneuerbare Energien gedeckt werden und die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2045 auf null sinken.

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+++ Weltweit erster Wasserstoffzug rollt durch Niedersachsen +++ Ende September ging der erste mit Wasserstoff betriebene Zug der Welt in Niedersachsen
in den kommerziellen Betrieb – auf einer Strecke, wo sonst in der Regel
Dieselzüge fahren. Nach Testläufen ist das Modell des französischen Herstellers Alstom mit Wasserstofftank und Brennstoffzelle auf dem Dach nun
serienreif und verkehrt zwischen den Städten Cuxhaven, Bremerhaven, Bremervörde und Buxtehude. Der emissionsfreie Wasserstoffzug soll mit Diesel
betriebene Loks von den nicht elektrifizierten Abschnitten des Schienennetzes verbannen und damit zur Dekarbonisierung des Verkehrs beitragen.

Tagebau Hambach:
NATURSTROM unterstützt BUND NRW

W

FOTO: KIMBA REIMER/FLICKR.COM, CC BY 2.0

ährend in Berlin die Kohle­
kommission verhandelt, wurde
der Hambacher Wald bei Aachen zum
Symbol für einen zügigen Kohleaus­
stieg. Die Räumung der Baumhäuser
durch ein Großaufgebot der Polizei

ab Mitte September konterkarierte
die Arbeit der Kommission und die
Bemühungen aus Teilen der Politik,
aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft
für eine schnelle Energiewende und
einen wirksamen Klimaschutz. Des­
wegen unterstützt NATURSTROM
finanziell die rechtlichen Schritte des
BUND NRW, mit denen der Tagebau
gestoppt werden soll.
„Wind- und Solarstrom aus neuen
Anlagen ist längst viel günstiger
als Kohle- und Atomstrom aus neu
errichteten Kraftwerken“, betont
NATURSTROM-Vorstand Oliver
Hummel. „Und der Preisrutsch bei

den Erneuerbaren geht immer weiter.
Landespolitik und Tagebaubetreiber
in den Braunkohle-Ländern dürfen
diese Entwicklung nicht einfach aus­
blenden. Die Braunkohleverstromung
kann zügig beendet werden, ohne dass
in NRW die Lichter ausgehen.“ Daher
unterstützt NATURSTROM den
BUND NRW. (tl)

Unter n www.naturstrom.de/stattkohle kann man
an einer Kunden-werben-Kunden-Sonderaktion
teilnehmen. Bei jeder Aktion geht eine Spende an
den BUND, der die Rodung des Hambacher Waldes
mit legalen Mitteln zu stoppen versucht.
#naturstromstattkohle

Schwarmfinanzierung erfolgreich

N

ATURSTROM will bei der Finan­
zierung von regenerativen Erzeu­
gungsanlagen Bürger – bevorzugt aus
der jeweiligen Region – mit einbinden.
Sei es durch Kommanditbeteiligungen,
Genussrechte oder Darlehen – es gibt
viele Möglichkeiten. Doch eine Kritik in
der Vergangenheit war, dass für einige
Interessierte zu hohe Einstiegshürden
mit Mindestsummen ab 5.000 Euro, bei
Kommanditeinlagen sogar meist erst ab
30.000 Euro, vorhanden waren.
Der Gesetzgeber hat eine Alternative
über sogenanntes Crowdfunding eröff­
net – auch als Schwarmfinanzierung
bekannt. Die Abwicklung läuft ganz
einfach über das Internet und der
einzelne Anleger ist schon mit kleinen
Beträgen dabei, die gesetzliche Höchst­
grenze liegt bei 10.000 Euro.
Auch in der NATURSTROM-Gruppe
sollte dieses Instrument genutzt
werden und nach Vorbereitungen
wurde im letzten Jahr die Plattform
www.klimaschwarm.de als Partner

gewonnen. Seit Anfang dieses Jahres
wurden von zwei NATURSTROMBeteiligungsgesellschaften Nachrang­
darlehen mit einer Laufzeit von 10 Jah­
ren und einem Zinssatz von 3,5 % zur
Zeichnung angeboten. Die NaturStrom­
Quelle Berg/Vogtland hat 400.000 Euro
und die NaturstromErzeugung Ober­
franken hat 1.000.000 Euro jeweils für
den Betrieb von Windenergieanlagen
eingeworben – und das in ganz kurzer
Zeit nach Veröffentlichung des Ange­
botes.
Auch in Zukunft werden weitere
Anlagemöglichkeiten über die Kli­
maschwarm-Plattform angeboten, ein
konkretes Projekt befindet sich aktuell
in Vorbereitung. Wenn auch Sie sich
für solche nachhaltigen Geldanlagen
interessieren, dann sollten Sie bei
klimaschwarm.de öfters nach den
neuesten Angeboten schauen oder
Ihre Mailadresse hinterlassen, damit
Sie über neue Projekte automatisch
informiert werden – nicht dass schon
wieder alles verteilt ist:
5

n

www.klimaschwarm.de

NEUES AUS DER ENERGIEPOLITIK

Klimasünder zur Kasse bitten
Die deutschen Klimaschutzziele für 2020? Längst kassiert.
Die weniger ambitionierten Ziele der EU? In weiter Ferne.
Es sieht nicht gut aus für den Klimaschutz hierzulande. Tim Loppe

V

erhagelt wird die Bilanz durch Kohlekraftwerke,
die unbeirrt weiterlaufen, trotz steigender Ökostrom­
mengen im Netz. Aber auch durch veraltete Öl- und
Gasheizungen, die Industrieproduktion und Millionen
Autos und LKW, die sich täglich durch die Städte und
über die Autobahnen schieben. Im Verkehrssektor sind
die CO2-Emissionen zuletzt sogar gestiegen.

FOTO: NICOLE ALLÉ

Vor diesem Hintergrund hat das Forum Ökologisch-Soziale
Marktwirtschaft (FÖS) für das Umweltbundesamt geprüft,
wie sich Klimaschutzbemühungen im Verkehrs- und Wär­
mesektor forcieren lassen. Und, ein wichtiger Nebeneffekt:
Wie dadurch zugleich die Verbraucher bei der Finanzie­
rung der Energiewende im Stromsektor entlastet werden
können. Zwei Vorschläge hat das FÖS unterbreitet, die
es sich zu diskutieren lohnt. Der erste besteht darin, den
CO2-Ausstoß von Heiz- und Kraftstoffen zu bepreisen.
Dafür müsste die Energiesteuer reformiert werden, die
auf Mineralöle, Erdgas und andere Energieträger erhoben
wird. Das zusätzliche Steueraufkommen solle zur anteiligen
Finanzierung der EEG-Umlage verwendet werden, so der
Vorschlag des FÖS. Die EEG-Umlage und somit auch der
Strompreis für Endverbraucher würden dadurch sinken,
so dass die Bevölkerung unter dem Strich nicht zusätzlich
belastet wird.

Als positiven Effekt erwartet das FÖS eine Lenkungswir­
kung: Wenn Strom günstiger und fossile Energieträger im
Wärme- und Mobilitätsbereich teurer werden, lohnt sich bei­
spielsweise der Umstieg auf ökostrombetriebene Elektrofahr­
zeuge deutlich eher. Auch eine ökologische Wärmeversor­
gung – zum Beispiel durch Solarthermie oder den Anschluss
an ein Nahwärmenetz – würde attraktiver werden. Das FÖS
hat durchgerechnet: Bei einem Aufschlag von 30 Euro pro
Tonne CO2 könnten rund 10 Mrd. Euro mehr in die staat­
lichen Kassen fließen. Von dort müsste das Geld direkt und
gesetzlich geregelt auf das EEG-Konto umgeleitet werden.
Von 6,88 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2017 könnte die
EEG-Umlage um drei Cent sinken.
Als zweite Reformoption schlagen die FÖS-Gutachter vor,
auch die fossile Stromerzeugung aus Kohle und Gas in die
Energiebesteuerung einzubeziehen. So könnte ergänzend
zum Emissionshandel eine weitere am CO2-Gehalt orien­
tierte Belastung für fossile Energieträger im Stromsektor
erreicht werden. Die Stromerzeugung aus Kohle und Gas
würde somit verteuert, was einen treibenden Einfluss auf
die Börsenstrompreise hätte. Auf diese Weise ließe sich der
Förderbedarf bei den Erneuerbaren dämpfen und die EEGUmlage reduzieren. Die steuerlichen Mehreinnahmen von
gut neun Milliarden Euro könnten außerdem direkt für eine
weitere Senkung der EEG-Umlage genutzt werden.
Die Idee, Emissionen in anderen Sektoren zu belasten
und somit indirekt klimafreundliche Technologien zu
befördern, ist nicht neu. Der Verein CO2 Abgabe fordert
dies schon seit längerem, NATURSTROM hat sich dieser
Position frühzeitig angeschlossen. Die Studie des FÖS
unterfüttert die bisherigen Forderungen und zeigt Wege
zur Umsetzung auf. Unterstützung für solche Ideen
kommt mittlerweile auch von ganz unerwarteter Seite:
„Wir müssen die Lasten besser verteilen. Ich bin für eine
CO2-Steuer auch auf Öl und Gas“ – das sagte kürzlich
Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Andreas Pink­
wart von der FDP. Die gilt bislang nicht unbedingt als
progressive Kraft in Energiefragen.
Der Druck steigt, die Energiewende im Verkehrs- und
Wärmesektor in Gang zu bringen. Warum nicht einfach mal
beherzt handeln, liebe Bundesregierung? Die Vorschläge
liegen auf dem Tisch.

NEUES AUS DER ENERGIEPOLITIK

Frischer Wind
statt altes Eisen
N

eujahr 2021 läutet eine neue Epoche für die Erneuer­
baren ein: Mehrere tausend ältere Windenergie- und
andere Ökostromanlagen, die bis einschließlich des Jahres
2000 in Betrieb genommen wurden, erhalten von diesem
Datum an keine feste Vergütung mehr für ihre Stromproduk­
tion. Nach 20 Jahren Förderung ist Schluss. Der Austritt von
Erzeugungsanlagen aus dem Vergütungssystem des Erneuer­
bare-Energien-Gesetzes wird fortan jährliche Routine werden.
Für die Energiewende als solche, vor allem aber auch für jeden
einzelnen Anlagenbetreiber, bedeutet das einen harten Ein­
schnitt. Sind die alten Anlagen fit für weitere Betriebsjahre?
Rechnet sich der Weiterbetrieb überhaupt? Und was würde es
für den Klimaschutz bedeuten, wenn funktionstüchtige alte
Anlagen aus Kostengründen abgeschaltet werden müssen?
Für einen Großteil der in die Jahre gekommenen Windmühlen
kann ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb nicht als selbstver­
ständlich vorausgesetzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt
eine von NATURSTROM in Auftrag gegebene Studie des
Beratungsunternehmens Deutsche WindGuard. „Sollte ab
2021 jährlich ein Großteil der Altanlagen stillgelegt werden,
droht dem Ausbau der Erneuerbaren auf Jahre hinweg Stag­
nation“, warnt NATURSTROM-Vorstand Oliver Hummel.
Denn die Ziele der Bundesregierung für den Neubau von
Windenergieanlagen sind niedrig bemessen und unflexibel.
Dass es gar nicht erst so weit kommt, daran arbeitet
NATURSTROM mit Hochdruck. „Um vielen Altanagen
einen Weiterbetrieb zu ermöglichen, sind Kostensenkungen
in der Betriebsführung und im Service ebenso wichtig wie
eine optimierte Vermarktung der Stromerzeugung und somit
höhere Einnahmen“, weiß Hummel. „Hier setzen wir an.“
Bereits seit 2007 nutzt NATURSTROM unterschiedliche
Formen der Direktvermarktung, ist damit Pionier in diesem
Markt und somit prädestiniert für die Abnahme von Wind­
strommengen aus Altanlagen. „Vor über zehn Jahren waren
wir die ersten, die Ökostrom direkt aus dezentralen ÖkoAnlagen an ihre Kunden geliefert haben“, berichtet Oliver
Hummel. „Mehr Erfahrung darin, hiesigen Wind- und Son­
nenstrom an die Verbraucher zu liefern, hat wohl niemand.“
Darüber hinaus hat NATURSTROM 2017 begonnen, ein
umfassendes Angebotspaket auch für die Kostenseite des
Altanlagenbetriebs zu erarbeiten. Als Projektentwickler und
Betreiber eigener, teils auch älterer Anlagen, verfügt das
Unternehmen bereits über eine umfassende Expertise im

Bereich der Windenergie. Weiteres Knowhow bringen die
wind 7 AG und deren Tochter, die StiegeWind GmbH, ein.
An beiden ist NATURSTROM beteiligt. Die wind 7 AG
betreibt oder überwacht als unabhängiger Betriebsführer für
ihre Kunden über 150 Windenergie- und Photovoltaikanlagen
in Deutschland. „Die Herausforderung im Betrieb alter Anla­
gen wird darin bestehen, hohe Erträge zu erzielen und gleich­
zeitig das Material zu schonen“, erläutert Oliver Hummel. „Für
alte Windräder gilt das gleiche wie für Oldtimer: Beide wollen
besonders pfleglich behandelt werden.“ Da passt auch die
Beteiligung an der wind 7-Tochter StiegeWind: Sie erbringt
herstellerunabhängig Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten
insbesondere für alte Windenergieanlagen.
Das ungewöhnlich breite Spektrum an Dienstleistungen und
Produkten rund um die Windenergie, das NATURSTROM
bereits seit Jahren abdeckt und weiter ausgebaut hat, ermög­
licht ein überzeugendes Rundumangebot für Anlagenbetrei­
ber, auch für die Jahre nach 2020. Dazu kommt noch einer
der zentralen Grundwerte von NATURSTROM: fair mit
Geschäftspartnern zusammenzuarbeiten. Den Windmüllern,
die zu den Pionieren der Energiewende in Deutschland gehö­
ren, ist NATURSTROM ein Partner, der sich erheblich von
Wettbewerbern unterscheidet: fachlich kompetent und auf
Augenhöhe. (tl)
7

Baustelle
Energiewende
Neue Bauleiter gesucht!

FOTO: © RAIMOND SPEKKING / CC BY-SA 4.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

XXX
Gut ein Drittel des Stroms in Deutschland
kommt bereits aus Erneuerbaren Energien,
die Energiewende genießt breite Zustimmung
in der Bevölkerung. Doch Deutschland reguliert
seit Jahren seine eigene Energiewende erfolgreich herunter. Die Klimaziele sind unter den
jetzigen Rahmen­bedingungen nicht mehr zu
erreichen. Der Bundesrechnungshof hat nun
gewarnt, dass die Bundesregierung mit ihrem
Generationenprojekt der Energiewende zu
scheitern drohe. Nicole Allé

E

U-Kommissar Cañete wollte vor der bevorstehenden
Weltklimakonferenz in Polen ein Zeichen setzen und die
Partner dazu ermutigen, mehr gegen die Erderwärmung zu
tun. Er hatte dafür plädiert, auf internationaler Ebene bis
2030 das Niveau für die Senkung der Treibhausgase wei­
ter anzuheben. Doch sein Vorschlag stieß auf Ablehnung.
Widerstand kam auch aus Deutschland von Seiten der
Bundesregierung und der Industrie – kein Wunder, wird
Deutschland ja selbst das 2020-Ziel klar verfehlen. Dabei
hat Angela Merkel einst die internationalen Klimaverhand­
lungen mitgeprägt, mit ehrgeizigen Zusagen beschleunigt
und Skeptiker überzeugt. Doch in Deutschland hat sie
kaum etwas davon umgesetzt. Dabei ist alles bekannt. In
den Ministerien sitzen kluge Berater und Experten, doch sie
finden kein Gehör. Stattdessen wurde in den vergangenen
Jahren der Fortschritt der Energiewende totreguliert. Dabei
sinken die Gestehungskosten für Erneuerbare Energien,
die Erträge steigen. Heute lässt sich Solarstrom so günstig
erzeugen wie noch nie. In den ersten neun Monaten 2018
wurde in Deutschland bereits so viel Solarstrom erzeugt
wie im gesamten letzten Jahr, berichtet der Bundesverband
Solarwirtschaft. Trotz guter Zahlen ist die Branche verär­
gert. „Es herrscht großes Unverständnis, warum der Ausbau
der Solarenergie in Deutschland noch immer so erschwert
wird“, sagt Carsten Körnig, Geschäftsführer des BSW. Die
Bundesregierung hat den Ausbau von Solaranlagen ab einer
Leistung von 750 Kilowatt gedeckelt, in diesem Jahr werden
in drei Ausschreibungen nur 600 Megawatt neue Kapazi­
täten ausgeschrieben. Viel zu wenig, um das eigene Ziel von
65 Prozent Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch bis
2030 zu erreichen.

Bäume statt Kohle – die Wende im Wald
Nach Rekordsommer und einer alarmierenden Heißzeit­
studie sind zunehmend Menschen für das Thema Klima­
schutz und Energiewende sensibilisiert. Doch während in
Berlin die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und
8

BAUSTELLE ENERGIEWENDE

Energiewende um Faktor vier beschleunigen
Doch die Regierung macht einmal mehr den Kotau vor
der klimaschädlichen Industrie. „Sie schadet damit der
gesamten deutschen Volkswirtschaft und verspielt genau
die Jobs, die sie angeblich retten will“, sagt der Autor Franz
Alt. Ohne Einbeziehung klima- und energiepolitischer
Ziele in ihrer strategischen Ausrichtung könnten wichtige
deutsche Industriesparten bald immens an Vermögens­
werten verlieren, warnt die Stiftung 2 Grad. Bisher werden
immer noch große Summen in Öl-, Gas- und Kohleprojekte
investiert. Eine wachsende Divestment-Bewegung versucht
gegenzusteuern: Fonds und Institutionen ziehen ihr Geld
aus klimaschädlichen Energien ab und lenken es in nach­
haltige Kapitalanlagen und klimaschützende Unternehmen.
Jede Einsparung von fossilen Energieimporten hat positive
Effekte auf die Energiesicherheit und die Volkswirtschaft.
Für Menschen, die in der alten fossilen Energiewirtschaft
beschäftigt sind, geht die Energiewende jedoch meist mit
Zukunftsangst einher. Ihnen müssen Chancen aufgezeigt
werden anstatt ihnen vorzugaukeln, dass ihre Arbeitsplätze
auf Jahre sicher bleiben. „Wenn wir die Probleme ignorieren,
werden sie am Ende nicht verschwinden, sondern uns mit
noch größerer Wucht treffen“, warnt Professor Quaschning
und fordert, das Tempo der Energiewende „um den Faktor
vier“ zu steigern. „Wir müssen endlich akzeptieren, dass
die Zeit für den Abschied von den fossilen Brennstoffen
gekommen ist. Für eine erfolgreiche Sektorenkopplung brau­
chen wir eine Elektrizitätsversorgung, die vollständig durch
Erneuerbare Energien gedeckt wird.“

Preise müssen die ökologische Wahrheit sagen
Laut des Sozialen Nachhaltigkeitsbarometers zur Energie­
wende, die das Potsdamer Institut IASS erstellt hat, erhält
der Kohleausstieg eine ähnlich hohe Zustimmung wie der
Atomausstieg. Eine große Mehrheit in Deutschland empfindet
die Transformation in der jetzigen Form jedoch als ungerecht,
chaotisch und teuer – dabei geht es um die ungerechte Ver­
teilung der Kosten. 72 Prozent der Bevölkerung lehnen die
Ausnahmeregelungen für die Industrie bei der EEG-Umlage
ab und 60 Prozent fordern: „Wer mehr klimaschädliche Emis­
sionen verursacht, soll mehr dafür zahlen.“ Zu diesem Schluss
kam auch der Bundesrechnungshof und kritisiert, dass Auf­
wand und Ertrag beim ökologischen Umbau der Energiever­
sorgung in einem „krassen Missverhältnis“ stehen. Die Steu­
erung der Energiewende durch das Wirtschaftsministerium
sei mangelhaft und erreiche ihr zentrales Ziel nicht – nämlich
die Senkung der CO2-Emissionen. Statt die Energiewende mit
einer Vielzahl komplizierter Gesetze und Verordnungen zu
regeln, solle die Bundesregierung einen rechtlichen Rahmen
und ökonomische Anreize zu umweltverträglichem Verhal­
ten setzen – mit einer allgemeinen CO2-Bepreisung, wie es
viele Energieexperten und Klimaökonomen längst fordern.
Damit würde der Ausstoß von Treibhausgasen für Indus­
trie, Gewerbe und Verbraucher teurer und der Umstieg auf
klimafreundliche Technologien wirtschaftlich angetrieben.
Umlagen und Steuern könnten entfallen und das Regelungs­
dickicht gelichtet werden.

Nachhilfe für den Energieminister
Und was sagt der schlecht benotete Steuermann Peter Alt­
maier dazu? Er sieht immer noch keinen Handlungsbedarf.
In einem Interview erzählt er dagegen wie selbstverständlich,
dass er sich just zuhause eine neue Ölheizung hat einbauen
lassen. „Daran kann man ermessen, wie es im einstigen
Vorreiterland um Energiewende und Klimaschutz steht“,
kommentiert der Grünen-Fraktionsvize im Bundestag Oliver
Krischer auf Twitter. „Was hätten Sie denn einbauen lassen?“,
twittert Altmaier zurück. Krischer schickt ein Foto vom eige­
nen Haus mit begrünter Fassade, PV-Anlage und Solarther­
mie auf dem Dach. „Ich wollte ja Wärmepumpe + Solarther­
mie und PV + alten Kessel für Extremlagen. Gab dafür leider
keine Steuerung“, antwortet der Bundesenergieminister.
▸

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FOTO: INFOZENTRALE/FLICKR.COM/PHOTOS/ PUBLIC DOMAIN CC0 1.0

Beschäftigung“ den Ausstieg aus der Kohle verhandelt
und bis Jahresende eine sozialverträgliche und ökonomisch
sinnvolle Strategie zum Ausstieg aus der Kohleverstromung
ausarbeiten soll, beginnt die Polizei im Auftrag der Landes­
regierung von NRW mit der Räumung der symbolträchtigen
Baumhäuser von Umweltaktivisten im Hambacher Wald –
und verteidigt damit die alten Rechte des RWE-Konzerns,
der hier weiteren Braunkohle-Tagebau geplant hat. Doch
die Klimaaktivisten erfahren ungeahnte Unterstützung von
einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis. Es erinnert
an die Anti-AKW-Bewegung der 80er-Jahre. RWE und die
nordrhein-westfälische Landesregierung bewegen sich zwar
noch im gesetzlichen Rahmen, doch das Beharren auf ver­
alteten Strukturen verstößt gegen jede ökologische als auch
ökonomische Vernunft. Zumal die Kohle unter dem Wald
für eine verlässliche Stromversorgung in den kommenden
Jahren noch nicht mal benötigt wird. 500 Windkraftanlagen
oder 29 Quadratkilometer Solaranlagen könnten die Menge
Strom ersetzen, die RWE mit der Braunkohle unter dem
Hambacher Wald erzeugen will, hat Volker Quaschning,
Professor für das Fachgebiet Regenerative Energiesysteme an
der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin,
ausgerechnet. Die Folgekosten mit eingerechnet, wäre der
vergleichbare Ökostrom nicht nur klima- und umweltscho­
nender, sondern sogar deutlich günstiger.

Dass es bei der Steuerung der Energiewende auch mächtig
schief läuft wurde ihm ja nun bestätigt. Es fehlt die ausrei­
chende Lenkung für Investitionen in saubere Technologien,
im Gegenteil gibt es Steuerboni und Zuschüsse für fossile
Heizsysteme und Brennstoffe. „Statt Stückwerk bei der
Energiewende braucht es endlich grundlegende Reformen“,
sagt Jan Dobertin, Geschäftsführer des Landesverband
Erneuerbare Energien NRW. Auch er befürwortet eine CO2Bepreisung, doch dabei müsse das System insgesamt auf­
kommensneutral umgesetzt werden und in der Summe keine
zusätzlichen Steuereinnahmen entstehen. Bekommen wir
den Klimawandel also in den Griff, wenn CO2 teurer wird?
„Politische Reden bewirken wenig, aber die Macht der Preise
schlägt massiv zu“, sagt Prof. Ottmar Edenhofer, Direktor des
Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Hans-Josef Fell,
Präsident der Energy Watch Group und Mitautor des EEG,
geht noch einen Schritt weiter und fordert eine Steuer auf
alles, was klimaschädlich ist – nicht nur auf CO2, sondern
ebenso auf Methan, auf Radioaktivität, auf Feinstaub und
Stickoxide, klimaschädliche Kältemittel und Glyphosat.

Totalausfall beim Klimaschutz wird teuer
Über viele Jahrzehnte hat sich eine Gesetzgebung entwickelt,
die die Interessen der fossilen Wirtschaft befördert. Dabei sind
alle notwendigen Technologien und auch marktwirtschaft­
lichen Konzepte für eine CO2-arme Zivilisation verfügbar –
und sie sind auch bezahlbar. Doch wenn die Bundesregierung
Energiewende und Klimaschutz weiterhin blockiert, werden
die europarechtlich verbindlichen Ziele in allen folgenden
Jahren weit verfehlt werden – und das wird teuer für die Steu­
erzahler, warnt eine Studie von Agora Energiewende. Um die
Defizite auszugleichen, müsste Deutschland bis 2030 für bis
zu 60 Milliarden Euro Emissionsberechtigungen von anderen
EU-Ländern zukaufen. Dabei sind die Erneuerbaren Energien
der große Klimaschutz-Faktor in Deutschland. Sie allein ver­
mieden 180 Mio. Tonnen CO2 im Jahr 2017 – so viel, wie der
gesamte deutsche Verkehrssektor ausstieß. Die erneuerbare
10

Energieversorgung darf dabei nicht nur Aufgabe der länd­
lichen Räume sein, auch Ballungsräume bieten große Poten­
ziale: Kluge Energiekonzepte für Quartiere, E-Car-SharingModelle, Solarpachtmodelle, Mieterstrom und vieles mehr.
Häufig mangelt es auch nur an der Vorstellungskraft, wie
ein verändertes Energiesystem aussehen und funktionieren
könnte. Für Nutzer, Eigentümer oder Mieter von Autos oder
Wohnungen ist die Komplexität der Gesetze, Verordnungen
und Normen zudem oft nicht mehr überschaubar, noch
weniger nachvollziehbar. Täuschungsmanöver der Industrie
erschüttern zudem die Glaubwürdigkeit.

Klient Erde
Man kann nicht mehr darauf warten, dass Politiker auf die
Klimabedrohung angemessen reagieren, meint der Jurist
und ehemalige Bundestagsabgeordnete Hermann Ott und
ruft deshalb die Juristen auf den Plan. Die Gesetze zu mehr
Klimaschutz seien ja längst da – sie müssten nur eingehalten
werden. In der gerade erst eröffneten Berliner Dependance
der internationalen Umweltrechtsorganisation ClientEarth
will er die Causa Klimaschutz in Deutschland voranbringen
– denn die Organisation zieht Regierungen und Konzerne
vor Gericht, um sie zum Klimaschutz zu zwingen. In den
Niederlanden hat die Organisation Urgenda es geschafft,
dass die Regierung von einem Gericht dazu verurteilt wurde,
strengere Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen. Das ließe
sich auf Deutschland übertragen. Liefert die Kohlekom­
mission nicht, muss der Klimaschutz juristisch durchgesetzt
werden, fordert Ott.

Klimaschutz in die Verfassung
Die Grünen im Bundestag schlagen deshalb vor, die Ver­
pflichtung zum Klimaschutz im Grundgesetz zu verankern,
dafür müsste Artikel 20a erweitert werden. Wer dann ver­
bindliche Klimaziele wie das Pariser Abkommen ignoriert,
beginge Verfassungsbruch. Und auch die Nutzung der
Kernenergie zur Stromerzeugung soll nach Vorstellung der

BAUSTELLE ENERGIEWENDE

Anreize statt poltische Hürden
Die Studie „Transparenz Stromnetze“ des Öko-Instituts zeigt,
dass ein kompletter Kohleausstieg bis 2030 möglich wäre und
Erneuerbare Energien mit 85 Prozent an der gesamten Strom­
erzeugung dann zum dominanten Akteur werden können. Für
eine dezentrale Bürgerenergiewende mit einem Kohleausstieg
bis 2030 müsste das Marktdesign kräftig umgekrempelt wer­
den, sagt Malte Zieher, Vorstandsmitglied im Bündnis Bür­
gerenergie, und sieht gerade das als große Chance. „Das Sze­
nario kommt mit einem geringeren Netzausbau aus, als es die
Übertragungsnetzbetreiber für 2030 vorsehen, obwohl diese
nur von 52,5 Prozent Erneuerbaren und noch 19 Gigawatt an
Kohlekapazitäten ausgehen. Eine beschleunigte Energiewende
wäre dementsprechend nicht nur möglich, sondern es gibt
viele gute Gründe, sie auch anzugehen“, sagt Zieher. „Gerin­
gere variable Stromerzeugungskosten, deutlich geringere
CO2-Emissionen, ein guter Ausgleich von Stromerzeugung
und -nachfrage, eine ausgeglichene Import-Export-Bilanz und
34 statt 48 nötige Netzausbauvorhaben.“ Im Zusammenspiel
mit Energieeinsparungen und -effizienzmaßnahmen müsste
der Ausbau von Wind- und Solarenergie in allen Bundes­
ländern gleich verteilt und Speichermöglichkeiten vor Ort
erweitert werden. Das unsinnige System der Ausschreibungen
müsste abgeschafft werden, das zu einer starken Verunsiche­
rung aller Akteure geführt habe, was bspw. an der dramatisch
eingebrochenen Zahl der Genehmigungen für Windkraft­
anlagen abzulesen sei. Für Photovoltaik-Anlagen würde ein
solcher Anreiz bspw. in einem Bürgerstromhandel auf der
untersten Netzebene bestehen, den die neue ErneuerbareEnergien-Richtlinie der EU vorsieht. In Griechenland werde
das bereits praktiziert. Die regionale Sektorenkopplung werde
nur möglich, so Zieher, wenn die Abgaben auf Energie dafür
Anreize bieten.

Energiewende selber machen
Es ist ja vieles schon da: Gebäude, die kaum mehr Energie
verbrauchen oder sogar produzieren, Heizen mit der Sonne,
Nullemissionsfabriken, Autos, die mit Ökostrom fahren,

energieautarke Dörfer und Inseln oder Bioenergie-Kommu­
nen. Manchmal fehlen nur die Kenntnisse zur Nutzung der
neuen Energien und Systeme. Die Nordseeinsel Borkum
testet solche Systeme in der Praxis. Der Standort ist ideal
für die Erprobung von Energiespeichern und Energiema­
nagementsystemen, also genau jenen Technologien, die in
Zukunft für die Energiewende notwendig werden, wenn die
wetterabhängige Wind- und Solarstromerzeugung zunehmen
wird. Die Borkumer stehen Erneuerbaren Energien aufge­
schlossen gegenüber: Bereits in den Jahren 2001 und 2002
wurden zwei Windkraftanlagen errichtet, im Jahr 2010 kam
ein Solarpark hinzu. Von den alten fossilen Energien haben
Borkums Bürger die Nase voll. Der Energiekonzern RWE
begann im Jahr 2006 in nur 30 Kilometern Entfernung das
niederländische Kohlekraftwerk Eemshaven zu planen, die
Gemeinde protestierte, doch der Kohlemeiler ging ans Netz.
„Ein Kohlekraftwerk, das im 21. Jahrhundert neben dem
Nationalpark und UNESCO Weltnaturerbe Niedersäch­
sisches Wattenmeer in Betrieb geht, ist Energiepolitik, die in
die völlig falsche Richtung geht“, findet nicht nur der Bürger­
meister, sondern die ganze Gemeinde. Auf Borkum beklagt
sich keiner über Windräder oder Solarfelder – und dass die
Insel Testfeld für die Energiewende ist, finden die meisten
spannend. Bis 2030 will die Gemeinde klimaneutral sein.
FOTO: PXHERE / CC0 ÖFFENTLICHE DOMÄNE

Grünen untersagt werden. Zusätzlich angepasst werden soll
der Artikel 106 und somit eine Besteuerung von CO2 möglich
werden. In Bayern hatte der Verein „Klimaschutz – Bayerns
Zukunft“ im September ein Volkbegehren gestartet, um den
Klimaschutz und damit auch eine vollständige Umstellung der
Energieversorgung auf Erneuerbare Energien in die Bayerische
Verfassung zu heben. Kurz davor hatten in Frankreich nach
einer Initiative des französischen Umweltministers Nicolas
Hulot die Abgeordneten in der Nationalversammlung den
„Schutz der Umwelt, einschließlich Schutz der Artenvielfalt
und Maßnahmen gegen die globale Erwärmung“ in Artikel 1
der französischen Verfassung aufgenommen. Doch in der
gesamten europäischen Energiepolitik gibt es derzeit kein
gemeinsames ehrgeiziges Ziel, alle verfolgen nationale Ener­
gieinteressen – von Kohle in Polen und Deutschland bis zu
Atom in Frankreich.

Seit rund acht Jahren energieautark ist auch das kleine Dorf
Feldheim im südlichen Brandenburg, wo der größte Batterie­
speicher Europas am Netz ist. Es ist das erste Dorf in Deutsch­
land, das sich zu 100 Prozent eigenständig mit Ökostrom
versorgt – und andere mit. Die Dorfbewohner haben vor
acht Jahren die Energiewende auf eigene Faust umgesetzt und
investierten gemeinsam in das eigene Strom- und Wärmenetz.
Wirtschaftliche Gründe standen hier im Vordergrund, sagen
die Feldheimer, der Klimaschutz ist ein schöner Nebeneffekt.
Doch was, wenn es den menschengemachten Klimawandel
gar nicht gibt, wie es der US-amerikanische Präsident in die
Welt hinausposaunt – und wir uns ganz umsonst anstrengen?
Dann würden wir – ganz ohne Not! – Atom- und Kohlekraft­
werke abschalten, würden in leisen E-Bussen ohne Abgas­
entwicklung durch die Straßen schnurren, unsere Daseins­
vorsorge würde in nachhaltiger Energieversorgung und
kommunaler Wertschöpfung stecken, wir würden gemeinsam
mit unseren Nachbarn Sonnenstrom vom Dach ernten und
regionales Obst und Gemüse vertilgen – das wäre in der Tat
nur schwer zu verkraften!
11

BÜRGERENERIE

FOTO: © STIFTUNG NEUE VERANTWORTUNG (SNV)

Dr. René Mono
Vorstandsmitglied
im Bündnis Bürgerenergie

„Weit mehr als ein
Silberstreif am dunklen Horizont“
Ein Kommentar zum neuen europäischen Bürgerenergierecht

W

o viel Licht ist, ist auch viel Schatten – weiß der Volks­
mund. Manchmal ist aber auch dort, wo viel Schatten
ist, etwas Licht – zum Beispiel beim neuen europäischen
Energierecht. Europaparlament und Energieministerrat stehen
kurz vor seiner Verabschiedung. Dunkel ist es beim großen
Ganzen. Gerade einmal auf 32 Prozent des gesamten Energie­
verbrauchs sollen die Erneuerbaren in Europa bis 2030 aus­
gebaut werden. Das reicht für die Einhaltung der Verpflich­
tungen aus dem Pariser Klimaabkommen nicht aus.
Doch es gibt auch Licht. In Europa werden nämlich künf­
tig ein Recht auf Prosum und ein Recht der Bürgerenergie
gelten. Das betrifft vor allem den Eigenverbrauch. Der
europäische Gesetzgeber schafft hier einen einfachen
Rechtsgrundsatz: Eigenverbrauchter Strom soll prinzipiell
frei von Abgaben sein. Damit würde also die deutsche Pra­
xis auf Eigenverbrauch, ab einer bestimmten Anlagengröße
eine anteilige EEG-Umlage zu verhängen, grundsätzlich
unzulässig. Leider ist es den Mitgliedsstaaten gelungen, in
letzter Minute Ausnahmen in den Gesetzestext hineinzuver­
handeln. Unter drei Voraussetzungen – Anlagen größer als
30 Kilowatt, effektive Förderung von Eigenverbrauch und
Anteil von Eigenverbrauch mehr als acht Prozent der gesam­
ten installierten Leistung eines Landes – sind doch Abgaben
auf Eigenverbrauch möglich. Aber wenn ein Mitgliedsstaat
dies machen will, dann muss er dies gegenüber der Kommis­
sion gut begründen. Zumindest die Zeit der willkürlichen
Verhinderung von Eigenverbrauch ist also vorbei.
Außerdem soll Mieterstrom dem individuellen Eigenver­
brauch gleichgestellt werden. Auch damit würde eine deut­
sche Rechtspraxis obsolet – nämlich die, für Eigenverbrauch
eine Personenidentität zwischen Anlagenbetreiber und
Verbraucher vorauszusetzen. Bemerkenswert sind die Rechte
für Eigenverbraucher und Bürgerenergiegesellschaften auch,
wenn es um die regionale Vermarktung von Bürgerstrom
12

geht. Denn die Richtlinien sehen vor, dass Eigenverbraucher
Energie handeln und Bürgerenergiegesellschaften den Ener­
gietausch zwischen ihren Mitgliedern organisieren dürfen.
Dafür sollen sie auch gemeinschaftliche Stromnetze betrei­
ben dürfen. Dies öffnet die Tür zum Bürgerstromhandel, wie
ihn das Bündnis Bürgerenergie in einem Impulspapier von
Energy Brainpool hat beschreiben lassen. Bisher ist Bürger­
stromhandel aufgrund der hohen administrativen Hürden
praktisch unmöglich. Dies wird sich nun ändern. Denn das
neue Europarecht verpflichtet die Mitgliedsstaaten, einen
fördernden Rechtsrahmen für Bürgerenergie zu entwickeln.
Alle nicht gerechtfertigten regulatorischen und administra­
tiven Hürden sind aufzuheben.
Zwar ist es auch heute in Deutschland nicht verboten, Strom
selbst zu erzeugen, zu speichern und zu handeln. Doch ein
explizites Recht schafft eine ganz andere Realität. Denn vom
Tag des Inkrafttretens des europäischen Gesetzespakets an
kann jede Stromverbraucherin, kann jede Bürgerenergie­
gesellschaft klagen, wenn sie der Meinung ist, dass sie in der
Ausübung der Rechte behindert wird.
Insgesamt ist noch kaum absehbar, was die europäischen
Bürgerenergieregeln konkret bedeuten werden. Schließlich
muss Deutschland sie ja noch in nationales Recht gießen
– und das vor 2021. Klar ist jedoch: Mit der Umsetzung
wird sich eine historische Chance bieten. Die Rahmenbe­
dingungen für Bürgerenergie können endlich mal wieder
sub­stanziell verbessert werden, nachdem sie in den letzten
Jahren mit großem Vorsatz massiv degradiert wurden.
Dr. René Mono übernahm 2011 die Geschäftsführung der neu
gegründeten 100 prozent erneuerbar stiftung und ist zudem
Vorstandsmitglied im Bündnis Bürgerenergie, Fellow bei der
stiftung neue verantwortung, Vorstand der Veolia Stiftung und
Mitglied im Kuratorium der Naturstiftung David.

CO2-frei mobil sein, Ressourcen schonen,
das Klima schützen. Das ist die Idee des
Projektes UrStromMobil der Mainzer
Bürger­energiegenossenschaft UrStrom.

FOTO: LAURA SCHRÖDER/URSTROM EG

e-CarSharing
in Bürgerhand

Rainer Lange , Bündnis Bürgerenergie e.V.

Mitglied und Stromkunde der Urstrom eG

I

Schwärmen. Dazu gehören hochwertige Autos mit Klima­
automatik, Tempomat, Navi und weiteren Extras. „Es geht
nicht um Verzicht. Es geht um 0 Prozent Emission und
100 Prozent Fahrspaß und Service.“

m Juni 2018 war es soweit. Die Bürgerenergiegenossen­
schaft UrStrom eG nahm in Mainz die erste e-CarSharing
Station mit zwei vollelektrischen Renault ZOE und einer
Ladesäule in Betrieb. „Wir wollen den Grundstein legen für
eine umweltfreundliche Mobilität in Bürgerhand, die auf
dem Prinzip ‚Teilen statt besitzen‘ beruht“, sagt UrStromVorstand und Projektleiter Klaus Grieger. Zusammen mit
engagierten Bewohnern der Wohnprojekte VIS-a-VIS und
„Am Cavalier Holstein“ auf dem Mainzer Hartenberg
haben die UrStromerInnen das e-CarSharing auf den Weg
gebracht.
Anfang 2017 stellten die EnergiegenossInnen mit einer
Roadshow das bürgerschaftliche E-Carsharing in verschie­
denen Quartieren in Mainz vor und stießen auf Interesse bei
umweltbewussten Bewohnern. Als sich auf dem Hartenberg
sieben Personen verbindlich anmeldeten, startete die Bürger­
energiegenossenschaft das Leuchtturmprojekt. UrStrom
übernahm die Projektentwicklung, traf sich mit Vertretern
der Wohnprojekte, klärte Stromanschluss und Gestattungs­
vertag für die Stellplätze, kaufte die Ladesäule und suchte
einen Dienstleister für das Flottenmanagement. Den fanden
die EnergiegenossInnen im E-Mobil-Anbieter Mobileeee,
der die Fahrzeuge stellt, inklusive Buchungsplattform und
24-Stunden-Hotline. Die differenzierte Tarifgestaltung und
die Abrechnung übernimmt UrStrom und versorgt die Lade­
säule mit dem eigenen Ökostrom UrStromPur.

Keine Reparaturen, kein Tanken, kein Parkplatzsuchen.
Die Gebäudeeigentümerin Wohnbau Mainz GmbH hat die
Parkplatz-Zuordnungen neu geordnet und für UrStrom­
Mobil Plätze mitten im Wohnquartier bereitgestellt. Nach
drei Monaten haben sich über zwanzig NutzerInnen bei
UrStromMobil registriert, das deckt die Ausgaben zu
70 Prozent. Bis Ende des Jahres soll das Projekt wirtschaft­
lich sein. Derweil beginnt die Idee Kreise zu ziehen, in
anderen Stadtteilen haben sich Interessenten gemeldet,
UrStrom plant weitere Fahrzeuge und Ladesäulen.
Ein Team von fünf bis sechs Personen hat UrStromMobil
mit viel ehrenamtlicher Zeit auf den Weg gebracht. Entschei­
dender Erfolgsfaktor waren für Klaus Grieger die Bewohner
der Wohnprojekte. „Es funktioniert nur, wenn Mieter Mobi­
lität als ihr Projekt sehen und sich dafür engagieren.“ Für ihn
hat sich die Pionierarbeit schon jetzt gelohnt. „Wir können
eine Vorbildfunktion haben und zeigen: e-CarSharing redu­
ziert die Zahl der Autos und klimaschädigende Emissionen.“
Vier Personen haben nach Einführung des E-CarsharingProjektes ihr eigenes Auto verkauft und setzen nun auf eine
Kombination von Fahrrad, ÖPNV und e-CarSharing.

„Wir wollen Qualitätsführer sein“
Mit hochprofessionellem Service will die Energiegenossen­
schaft viele Menschen für das e-Auto-Teilen begeistern.
Das kostenfreie Buchen, der Zugang zum Fahrzeug und die
Rückgabe funktionieren mit einer Smartphone-App. Die
UrStrom-Aktiven unterstützen etwa bei der Einrichtung der
Smartphones und die NutzerInnen geben wertvolle Tipps
für die Weiterentwicklung des Projektes. „Wir bieten Car­
Sharing auf allerhöchstem Niveau“, gerät Klaus Grieger ins

Kontakt
UrStromMobil „e-CarSharing in Bürgerhand“ ist Teil des
Programms 100 Prozent Klimaschutz Mainz
UrStrom BürgerEnergieGenossenschaft Mainz eG
Klaus Grieger, Projektleiter
info@urstrom-mobil.de
n www.urstrom-mobil.de

13

FOTO: ED 259 / UNSPLASH

XXX

Das Auto muss seine
dominante Rolle verlieren
Die Bundespolitik kommt bei der Verkehrswende nicht voran,
zu zögerlich und ängstlich agiert das Verkehrsministerium.
Dabei ist längst bekannt, was zu tun ist. Die Vorschläge reichen
von radikal bis realistisch. Clemens Weiß

D

er SUV steht sinnbildlich für das was schief läuft im
Verkehrssektor, jeder dritte Neuwagen ist heute ein
SUV. Während 2008 die durchschnittliche Motorleistung
der Neuzulassungen noch bei rund 96 Kilowatt lag, betrug
sie 2015 bereits 106 Kilowatt. Macht pro Jahr neun Milli­
onen Tonnen CO2-Emissionen mehr. In den Konzernzen­
tralen in Wolfsburg, München oder Stuttgart kommt dieser
Trend blendend an, die Gewinne sprudeln. Von schlechtem
Gewissen keine Spur. Und die Politik, die laut Grund­
gesetz verantwortlich ist für das Wohl seiner Bürger, schaut
wohlwollend zu. Das seit Jahren CSU-geführte Verkehrs­
ministerium protegiert die Autobauer wo es nur kann. Mit
dem Kraftfahrt-Bundesamt hat es eine Aufsichtsbehörde,
die zahnloser und willenloser kaum sein könnte. Die Folge:
Die Emissionen im Verkehrssektor sind im Vergleich zu 1990
sogar gestiegen. Was muss sich also ändern? Die Bundesre­
gierung versucht es mit 130 Millionen Euro für zwei Jahre,
fünf Modellstädten und „innovativen Verkehrsprojekten“.
Das sieht dann so aus: vergünstigter ÖPNV, höhere Taktung
von Bussen und Bahnen oder eine klimaneutrale Paketzu­
stellung in der Innenstadt. Als wirklich innovativ würden
das wohl die wenigsten bezeichnen, das Geld läuft 2020 aus.
14

Systemwechsel statt Kleinklein
Bisher kranken nahezu alle Modellvorhaben daran, dass
sie nur kleine Rädchen im System verändern, zudem auch
noch zeitlich begrenzt. So lässt sich für die Bürger aber
kaum ein attraktives Alternativangebot zum bequemen
SUV-Fahren aufbauen. Dabei sind Beispiele aus der Praxis
vorhanden: Die chinesische Millionen-Metropole Shen­
zhen hat kürzlich ihre gesamte Busflotte umgestellt. Dort
fahren nun 16.000 E-Busse und ersparen den Einwohnern
Feinstaub, Stickoxide und pro Jahr 1,35 Millionen Ton­
nen CO2. Derweil werden in deutschen Großstädten nur
wenige elektrisch angetriebene Busse getestet – obwohl
einige Verkehrsbetriebe wohl gerne fortschrittlicher wären.
Allerdings habe die deutsche Autoindustrie das Thema
Elektromobilität verschlafen, beklagte zuletzt öffentlich
der Chef des Bremer kommunalen Verkehrsunternehmens
BASG. Auch die Deutsche Post fand keine Autofirmen,
die ihr E-Transporter baute, und entwickelte diese kurzer­
hand selbst. Das Geschäft mit den StreetScootern boomt
und zeigt: Die Nachfrage ist da. Tatsächlich laufen bei der
chinesischen Konkurrenz Elektrobusse im großen Stil vom
Band, während die europäischen Konzerne noch mit Ent­

VERKEHRSWENDE

wicklung und Produktionsaufbau beschäftigt sind.
Von deutschlandweit rund 45.000 ÖPNV-Bussen sind
nur 300 elektrisch unterwegs, schätzen Experten.

„Wir brauchen einen massiven Strukturwandel“
Was sagen also Wissenschaftler? Es gibt jene, die auf kleine
und stetige Veränderungen setzen, die Car-Sharing-Modelle
und vernetzte Verkehrsangebote im Praxistest erforschen.
Und es gibt andere, die den großen Systemumschwung for­
dern. Dazu gehört Heiner Monheim. Der pensionierte Pro­
fessor an der Universität Trier war vor seiner Wissenschafts­
karriere lange Jahre Referatsleiter im NRW-Ministerium für
Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr. Er kennt sich mit
träger Verkehrsplanung und wissenschaftlichen Erkennt­
nissen aus. Er hat unbequeme Neuigkeiten: „Wir brauchen
einen massiven Strukturwandel“, sagt Monheim. Die Auto­
industrie müsse ihre dominante Rolle verlieren und sich
auf Mobilitätsdienstleistungen wie Car- und Ride-Sharing
sowie die Herstellung von Bussen und Bahnen konzentrie­
ren. Monheims Weg zum idealen Verkehrskonzept klingt
zunächst plausibel. Zuerst müsse ermittelt werden, wie viel
Autoverkehr aus Gründen des Umwelt- und Klimaschutzes
sowie aus städtebaulicher Perspektive sinnvoll sei. Seine
radikale These dazu lautet: „Maximal zehn Prozent der heu­
tigen Fahrzeugflotte darf übrig bleiben und die Fahrleistung
muss auf etwa 20 Prozent der heutigen zurückgeführt wer­
den.“ Wie bewegen sich die Menschen also fort? „Der Radver­
kehr muss sich gegenüber heute mindestens verdreifachen, der
Personenbahnverkehr vervierfachen, Güterverkehr auf der
Schiene um das Sechsfache steigen und Fußverkehr verdop­
peln.“ Die Bahn verwandelt sich in ein differenziertes System
mit Fern-, Regional- und Nahverkehrsbahnen, ergänzt durch
ein flächendeckendes Bussystem. Die Zahl der Haltestellen
wird verzehnfacht. In den Städten nehmen Rad- und Fußver­
kehr einen deutlich höheren Stellenwert ein, u.a. durch eine
Reform der Straßenverkehrsordnung. Auf Autobahnen und
Schnellstraßen gilt ein Tempolimit von 100 km/h. Das Ziel
Monheims ist klar definiert: Die schrittweise Abschaffung
des individuellen Autos für alle, die mit einem massiv ausge­
bauten öffentlichen Nahverkehr und Radwegen darauf ver­
zichten könnten. Statt Pkw eine Bahncard 100 für jedermann
zum geringen Preis. Als Vision mag dieses Konzept sinnvoll
erscheinen, realistisch ist es derzeit nicht.

Inlandsflüge abschaffen!
Andere Verkehrsforscher wie Andreas Knie vom Wissen­
schaftszentrum Berlin verlangen nicht den 180-GradSystemwechsel, seine Forderungen wirken im heutigen
Mobilitätsverständnis dennoch radikal. „Verbieten Sie Flüge
innerhalb Deutschlands“, forderte der Professor an der
TU Berlin jüngst von der Politik und wandte sich zugleich an

die Passagiere: „Lassen wir wenigstens die kurzen Flüge sein!“
Die Verkehrswende sei ein Umdefinieren der Prioritäten: Die
allumfassende Förderung privater Autos, ob steuerlich oder
in der Verkehrsordnung, müsse zurückgefahren werden. „Wir
haben eine Struktur aufgebaut, in der das Auto das Maß
aller Dinge ist.“ Das Hauptproblem seien schlicht zu viele
Fahrzeuge, da ist er sich mit Professor Monheim einig. In den
Städten sei deren Anzahl weit über das Maß des Erträglichen
gestiegen in Bezug auf Lärm, Schadstoffe und Raumnot. Erst
wenn es weniger Autoverkehr und parkende Fahrzeuge gebe,
sei genügend Platz für einen ordentlichen Fahrradverkehr. Das
neue Berliner Mobilitätsgesetz sei in dieser Hinsicht ein erster
wichtiger Schritt, findet Professor Knie und zeigt gleich, wo
es seiner Meinung nach hingehen sollte: „In einer Smart City
darf es kein parkendes Auto geben.“ Gleichwohl weiß er, dass
auf dem Land andere
Verhältnisse herr­
„In einer Smart City darf es
schen. Dort werde das
Auto weiterhin eine
kein parkendes Auto geben.“
wichtige Stellung ein­
nehmen, die Nutzung
müsse aber effizienter werden. „Es macht mehr Sinn, wenn
fünf Menschen jeden Morgen nicht mit fünf Autos fahren,
sondern mit einem.“ Eine bessere Vernetzung mit digitalen
Plattformen sei schon heute möglich. Die Politik müsse gesetz­
liche Rahmenbedingungen und Anreize schaffen.

Reichen Veränderungen am bestehenden System?
Wenn man die Klimaschutzziele der Bundesregierung für
2030 als Maßstab nimmt, reichen Veränderungen am beste­
hen Verkehrssystem aus. Das sagt die Berliner Denkfabrik
Agora Verkehrswende und betont zugleich: Es muss aber
mehr als eine einzelne Maßnahme sein. Die Autoindustrie
müsse saubere Autos produzieren und Subventionen wie
das Dieselprivileg wegfallen. Ohnehin sei eine grundle­
gende Reform der Steuern und Abgaben auf Kraftstoffe und
Fahrzeuge unumgänglich. Weitere Ideen: Eine Pkw-Maut
abhängig von den gefahrenen Kilometern und ein Tempo­
limit von 120 km/h auf Autobahnen. Die wissenschaftli­
chen Erkenntnisse klingen plausibel, sind aber oft von der
Realität (noch) weit entfernt. Vielleicht sollten Politik und
Gesellschaft zunächst dort ansetzen, wo schnelle Erfolge
möglich sind. 30 Prozent der Autofahrten in Ballungszentren
könnten schon heute durch das Rad ersetzt werden, sagt das
Umweltbundesamt. Dass dieses Ziel nicht weit entfernt liegt,
zeigen Städte wie Kopenhagen, Amsterdam oder Münster:
Der Radverkehr kann den motorisierten Individualverkehr
als wichtigste Fortbewegungsmöglichkeit ablösen – falls die
Politik es denn zulässt. Denn wenn immer mehr SUVs Fahr­
radfahrer von der Straße drängen, wird es nie etwas mit der
Verkehrswende.
15

FOTO: © ÖKO-INSTITUT E.V.

NACHGEFRAGT

Im Gespräch:
Christof Timpe
Leiter Bereich Energie & Klimaschutz
beim Öko-Institut e.V.

„Mehr Windenergie im Süden
kann den Netzausbau verringern“
Wirtschaftsminister Altmaier hat den Ausbau der Stromnetze in
Deutschland zur Chefsache erklärt. Wir haben mit Christof Timpe
vom Öko-Institut darüber gesprochen, ob der Netzausbau
tatsächlich die Energiewende beflügeln kann und was dafür
in den nächsten Jahren wichtig wird.

C

hristof Timpe ist Leiter des Bereichs Energie und
Klimaschutz beim Öko-Institut e.V. in Freiburg. Dort
beschäftigt er sich unter anderem mit politischen Instru­
menten zur nachhaltigen Gestaltung der Energiewirtschaft
sowie mit kommunalen Klimaschutzstrategien. Für das vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte
Projekt „Transparenz Stromnetze“ hat das Öko-Institut
unterschiedliche Entwicklungsszenarien im Stromsektor
untersucht.
Herr Timpe, Bundeswirtschaftsminister Altmaier war im
Sommer auf „Netzausbaureise“ und hat nach Lösungen
für einen schnellen Ausbau gesucht. Kommt jetzt
Schwung in die Energiewende?
Das ist dringend zu hoffen, denn wir müssen die Geschwin­
digkeit der Energiewende unbedingt erhöhen, um die Treib­
hausgasemissionen in Deutschland rasch zu senken und
wieder auf einen Pfad zu gelangen, der den Vereinbarungen
des Klimaabkommens von Paris entspricht. Dazu sind klare
16

Entscheidungen in der Verkehrs- und Energiepolitik not­
wendig, die lange aufgeschoben wurden.
Ist es richtig, dass Herr Altmaier den Erfolg der Energiewende an den Netzausbau koppelt?
Nein, das ist eine falsche Strategie. Wir brauchen sowohl
einen zügigen weiteren Ausbau der Stromerzeugung aus
Erneuerbaren Energien wie auch rasche Fortschritte beim
Umbau der Stromnetze. Dabei ist es aber auch wichtig,
den Wind nicht nur dort auszubauen, wo er am günstigsten
erzeugt werden kann, sondern dort, wo er insgesamt am
meisten Nutzen für das künftige Stromsystem leistet, also
eben auch im Süden Deutschlands.
Der Widerstand gegen große Stromautobahnen, die nach
Angaben der Bundesregierung Windenergie in den Süden
der Bundesrepublik transportieren sollen, ist groß. Haben
wir überhaupt Alternativen?
Die Modellanalysen in unserem Forschungsprojekt haben

NACHGEFRAGT

gezeigt, dass neue oder verstärkte Stromtrassen vielfältige
Auswirkungen auf den Strommarkt haben. Die Leitungen
dienen generell einem effizienteren Stromsystem und
sind daher weder reine Wind- noch Braunkohleleitungen.
Generell ist jedoch offensichtlich, dass wir im Zuge einer
weitgehenden Umstellung der Stromerzeugung auf Erneuer­
bare Energien auch deutlich verstärkte Netze insbesondere
zwischen Nord- und Süddeutschland benötigen. Dies dient
unter anderem einem Ausgleich des zeitlich schwankenden
erneuerbaren Stromangebots in den Regionen Deutschlands
und der Nachbarländer. Es wird nicht möglich sein, auf den
Netzausbau ganz oder weitgehend zu verzichten.

Phasenschieber, die den Stromfluss im Netz steuern kön­
nen. Auch vorhandene Stromspeicher können hier einen
begrenzten Beitrag leisten. Der Einsatz von Hochtempera­
turseilen kann die Kapazität einer Leitung erhöhen. Durch
intelligente Konzepte des Netzbetriebs können bisher erfor­
derliche Sicherheitsmargen reduziert werden. Hierzu hat
Agora Energiewende im Januar eine Studie „Toolbox für
die Stromnetze“ veröffentlicht. Es ist denkbar, dass durch
solche Maßnahmen ein Teil des Netzausbaus vermieden oder
zumindest zeitlich nach hinten geschoben werden kann.
Das wird aber meiner Einschätzung nach nur wenige der
geplanten Maßnahmen betreffen.

Was ist an der Behauptung dran, Atom- und Kohlestrom
würde das Stromnetz zu Lasten der Erneuerbaren Energien verstopfen? Immer wieder werden beispielsweise
das Atomkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein oder
das Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg genannt.
In gewissem Sinn ist das so: Die Atom- und Kohlekraft­
werke belegen einen Teil der verfügbaren Netzkapazität
und tragen derzeit zur Abregelung von Erneuerbaren bei.
Das gilt genau genommen nur für die sogenannten Mustrun-Anlagen wie zum Beispiel Kohle-Heizkraftwerke, die
nicht im Rahmen des Einspeisevorrangs der Erneuerbaren
aus dem Markt gedrängt werden dürfen. Wenn wir nun
hoffentlich zügig neben den Atom- auch die Kohlekraft­
werke durch Erneuerbare Energien ersetzen, dann müssen
wir entsprechend hohe Erzeugungsleistungen an Wind und
Photovoltaik zubauen. Diese benötigen auch ein starkes
Netz, um eine sichere Versorgung zu ermöglichen. Wir wer­
den also auch nach dem Atom- und Kohleausstieg weitere
Leitungen zubauen müssen.

Gibt es noch Alternativen, um den Netzausbau zu
reduzieren?
Um spürbare Effekte auf den erforderlichen Netzausbau
zu haben, müsste die Energiewende weitgehend auf eine
verbrauchernahe erneuerbare Stromerzeugung und -spei­
cherung ausgerichtet werden. Dazu müsste vor allem die
Windkraft in der Nähe der Regionen mit hohem Strom­
verbrauch massiv ausgebaut werden, also zum Beispiel in
Süddeutschland und in NRW. Zudem müssten wir den
Strommarkt deutlich verändern: Es bräuchte entweder
einen regional orientierten Strommarkt, der zu spürbaren
Unterschieden in den Strompreisen zwischen verschie­
denen Regionen Deutschlands führen würde. Oder aber
wir akzeptieren den Redispatch, also den Eingriff in den
Strommarkt aufgrund von Netzengpässen, und auch
die teilweise Abregelung erneuerbarer Stromerzeugung
aufgrund von Netzengpässen als langfristig notwendige
Bestandteile des Marktgeschehens.

Weshalb stößt auch die Verlegung von Erdkabeln auf so
viel Widerstand?
Vermutlich haben einige Akteure gehofft, dass Erdkabel
alle Ursachen für Akzeptanzprobleme der Freileitungen
unsichtbar machen und damit aus der Welt schaffen. Dabei
ist klar, dass auch ein Erdkabel eine bedeutende Infrastruk­
tur darstellt. Die Verlegung der Kabel erfordert an vielen
Stellen schmerzhafte Eingriffe in die Natur. Zudem treibt
die Entscheidung für Erdkabel die Kosten des Netzausbaus
deutlich in die Höhe. Letztlich muss für jeden Trassenab­
schnitt abgewogen werden, welche Technologie angemes­
sen ist.
Gibt es Möglichkeiten, bestehende Netz­kapazi­täten besser
auszulasten und so den Netzausbau zu verringern?
Es gibt eine Reihe technischer Maßnahmen, durch die die
Netze höher ausgelastet werden können. Dazu gehören das
Monitoring der Temperatur der Leiterseile und sogenannte

Für einen starken Zubau von Windkraftanlagen nahe den
Städten wird die gesellschaftliche Akzeptanz womöglich
eher gering ausfallen. Wie kann es dennoch gelingen?
Angesichts der bestehenden gesellschaftlichen und poli­
tischen Konstellationen, zum Beispiel in Bayern, aber
auch in anderen Regionen, halte ich einen umfassend
lastnahen Ausbau der Windkraft nicht für realistisch. Die
Vision, durch eine dezentrale Energiewende wesentliche
Teile des Netzausbaus vermeiden zu können, erscheint
mir daher nicht erreichbar. Aber hier geht es ja nicht um
‚alles oder nichts‘: Es ist auf jeden Fall sinnvoll, für eine
moderat dezentrale Stromerzeugung einzutreten. Im besten
Fall können damit einige Hochspannungstrassen vermie­
den werden. Darüber hinaus gibt es ja auch andere gute
Gründe, die gegen eine Konzentration der erneuerbaren
Stromerzeugung in bestimmten Regionen und bei wenigen
Unternehmen sprechen.
Das Interview führte Joschua Katz.
17

FOTO: © JENS HILLIG, WP SYSTEMS

XXX

Mit dem High-Tech-Lift zur Reparatur von Rotorblättern – bei Wind und Wetter

Die Lausitz kann mehr als Kohle
Der Kohleausstieg reißt die Lausitz ins wirtschaftliche Verderben –
diese weit verbreitete Meinung hält sich hartnäckig. Dabei wird
verkannt: Die Energiewende ist eine Chance für strukturschwache
Regionen und ausgerechnet in der Lausitz gibt es dafür
zahlreiche Beispiele. Clemens Weiß

W

o einst riesige Schaufelradbagger Braunkohle aus der
Erde holten und eine zerstörte Landschaft hinterlie­
ßen, drehen sich schon seit knapp 20 Jahren Windräder und
erzeugen 300.000 Solarmodule klimafreundlichen Strom. Es
klingt nach dem Wunschdenken überzeugter Ökos und ist
dennoch längst Realität. Wie die Energiewende im Herzen
einer Braunkohleregion funktioniert, zeigt die Gemeinde
Schipkau. „Da, wo sich jetzt die Windmühlen drehen und den
Jahresverbrauch an Strom von knapp 50.000 Haushalten pro­
duzieren, klaffte ein 70 Meter tiefes Loch im Boden“, erklärte
Bürgermeister Klaus Prietzel anlässlich der Auszeichnung
„Energie-Kommune des Monats“, die seine Gemeinde 2012
von der Agentur für Erneuerbare Energien erhielt. Auf dem
Gelände des ehemaligen Tagebaus Klettwitz wurden 1999 die
ersten Windenergieanlagen errichtet – lange bevor die mei­
sten Deutschen das Wort Energiewende überhaupt kannten.
18

Da der Untergrund aus Abraum aus dem Tagebau besteht,
fruchtbarer Boden fehlt und kaum Grundwasser existiert,
ist eine Konkurrenz mit landwirtschaftlicher Nutzung aus­
geschlossen. Die mehr als 50 Windenergieanlagen mit einer
Gesamtleistung von über 100 Megawatt entstanden in vier
verschiedenen Bauabschnitten über mehrere Jahre.

Solarmodule statt Schaufelradbagger
Nur wenige hundert Meter entfernt erzeugen auf dem
Gelände des ehemaligen Tagebaus Meuro 300.000 Solar­
module genügend Strom für etwa 17.500 Haushalte. 2011
entstand dort der mit 70 Megawatt Leistung damals größte
Solarpark Europas. Direkt neben den Ökostromanlagen
steht ein ausrangierter Schaufelradbagger als Industriedenk­
mal. Während die Bagger die Landschaft verwüsteten und
hunderte Orte zerstörten, sind Windräder und Solarmodule

ein Teil der rekultivierten Landschaft und Zukunft in der
Lausitz. Der „innovative Energieort“, so die Selbstbeschrei­
bung von Schipkau, bindet zudem seine Bürger mit ein. 2009
wurde in der knapp 7.000-Einwohner-Gemeinde eine Photo­
voltaik-Anlage auf der Grundschule installiert. Die Schüler
können genau verfolgen, wann wie viel Solarstrom erzeugt
wird. Es folgten zwei Blockheizkraftwerke (BHKW) und ein
Solarcarport auf dem Parkplatz der Gemeindeverwaltung.
Dort können E-Auto-Besitzer sauberen Sonnenstrom tan­
ken. Genauso regional wie der in der Lausitz omnipräsente
Braunkohlestrom, aber wesentlich sauberer.

Die Kohle-Jahre sind gezählt
Über eben jenen Braunkohlestrom wird in der Region
seit Jahren gestritten. Viele Bewohner besitzen eine tiefe
Beziehung zu diesem heimischen und gleichzeitig klima­
schädlichen Energieträger. Sie schufteten im Bergbausektor
oder Zuliefererbetrieben und einige tun das noch immer.
Bergarbeiter sind Verwandte und Freunde. Keine Industrie
ist hier stärker verwurzelt und nicht wenige Menschen treibt
das Gefühl um, mit der Kritik an der Braunkohle und dem
drohenden Aus allein gelassen zu werden. Dass mit der
schmutzigen Braunkohle bald Schluss sein muss, ist politisch
fast unbestritten. Die Frage ist nicht ob, sondern wann und
über welchen Zeitraum der Kohleausstieg vonstattengeht,
wie der damit einhergehende Strukturwandel für die Lausitz
aussehen soll und welche Hilfen der Bund übernimmt. Denn
eines ist ebenso unbestritten: So schlecht die Braunkohle für
Klima und Natur sowie die Gesundheit der Menschen ist, so
sehr wird sie oftmals als letztes wirtschaftliches Standbein
der gesamten Lausitz gesehen. Tatsächlich stehen hier die
von Helmut Kohl beschriebenen „Blühenden Landschaften“
allenfalls in der Natur. Nachdem die Treuhand nach der
Wiedervereinigung aufgeräumt hat, war von einer wirt­
schaftlichen Entwicklung nur noch wenig übrig – bis heute.
Mitte Dezember soll die sogenannte Kohlekommission, offi­
zieller Name „Kommission Wachstum, Strukturwandel und
Beschäftigung“, ihren Abschlussbericht vorlegen. Die Bun­
desregierung erhofft sich davon konkrete Vorschläge, wie die
deutschen Braunkohleregionen nach einem Kohleausstieg
wieder auf die Beine kommen sollen.

Der Umbau an der Basis läuft
Dabei wird übersehen: So düster wie viele die Lage zeichnen
ist sie nicht. Denn unabhängig von der Politik verändern
seit Jahren engagierte Menschen, Unternehmen und Initi­
ativen die Region in eine nachhaltige Richtung. Schipkau
ist dafür nur ein Beispiel, ein weiteres liegt nur wenige
Kilometer westlich. Wieder ist es eine Gemeinde, die nicht
auf Pläne aus Potsdam oder Berlin wartet. In Senftenberg
installierten die Stadtwerke 2016 die größte thermische
Solaranlage Deutschlands. Auf einer ehemaligen Deponie
versorgen 1.680 Röhrenkollektoren über das Fernwärmenetz
10.000 Haushalte mit sauberer Wärme. Die Solaranlage
wurde so dimensioniert, dass sie an normalen Sommertagen

FOTO: NICOLE ALLÉ

BÜRGERENERGIE

Botschaft an Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke bei der
großen Energiewende-Demo 2012 in Berlin

den gesamten Wärmebedarf des Netzes abdecken kann. Im
ersten Jahr speiste die Anlage 4,1 Gigawattstunden Wärme
ins Netz ein – mehr als erwartet und etwa vier Prozent des
gesamten Bedarfs. Ergänzt durch Erdgaskessel ersetzt die
neue Anlage das alte Braunkohlekraftwerk.

Ausgezeichnete Aussichten
An ausgezeichneten Beispielen mangelt es nicht: Als ein
„Vorzeigeprojekt für den Strukturwandel in der Lausitz“
bezeichnet der Energiewende-Verein EUROSOLAR ein
aktuelles Neubauvorhaben in Cottbus und verlieh kur­
zerhand den renommierten Deutschen Solarpreis 2018.
Diesmal sind es engagierte Bürger in Form der Baugenossen­
schaft eG Wohnen und Prof. Timo Leukefeld. Der mehrfach
ausgezeichnete Experte für energieautarkes Wohnen gilt als
Pionier für die intelligente
Nutzung von Solarenergie
„Unabhängig von der
in Gebäuden. Die zwei ver­
netzten Mehrfamilienhäuser
Politik verändern seit
mit je sieben Wohneinheiten
Jahren engagierte
setzen auf innovative Mie­
terstrom- und Mieterwär­
Menschen, Unterneh­
mekonzepte und wurden im
KfW-Effizienzhaus-Standard
men und Initiativen
und ohne zusätzliche För­
die Region in eine
dermittel errichtet. Die
Gebäude sind mit jeweils
nachhaltige Richtung.“
100 Quadratmetern Solar­
thermie-Kollektoren und
Solarstrom-Modulen sowie mit Langzeitwärmespeichern
und Lithium-Ionen-Batterien zur Zwischenspeicherung über­
schüssiger Energie ausgestattet. Bis zu 75 Prozent des Ener­
giebedarfs werden mit selbst produzierter und kostenfreier
Solarenergie gedeckt, den Rest bezieht die Genossenschaft
über Lieferverträge vom Energiemarkt. Von dem bundes­
weit einmaligen Projekt profitieren nicht nur die Mieter,
deren Energiekosten sich gegenüber dem schon fortschritt­
lichen Passivhaus-Standard halbieren. Das Konzept biete ▸
19

FOTO: © EG WOHNEN

Die zwei vernetzten Mehrfamilienhäuser der Baugenossenschaft eG Wohnen
in Cottbus setzen auf innovative Mieterstrom- und Mieterwärmekonzepte

zugleich Chancen für die Wohnungswirtschaft als auch neue
Geschäftsmodelle für Energieversorger und Banken, heißt
es in der Würdigung zum Deutschen Solarpreis. „Es zeigt
eindrucksvoll, wie die intelligente Nutzung Erneuerbarer
Energien ganze Regionen stärken kann – und das ohne die
Unterstützung des Gesetzgebers.“

„Die kleine Lausitzer Revolution“

Die Politik darf die Chance nicht verspielen
Es sind nur wenige von vielen Beispielen, die zeigen, dass
die wirtschaftliche Entwicklung der Lausitz alles andere als
perspektivlos ist. Menschen, Gemeinden und Unternehmen
arbeiten mit großem Enthusiasmus und starkem Willen an
der Zukunft der Region. Die Politik darf sie im Strukturwan­
del nicht allein lassen, sondern muss mit Geld und Visionen
den Wandel vorantreiben.

FOTO: © OTTOKRUEJA / WIKIMEDIA COMMONS, CC BY-SA 3.0

Ohne große politische Hilfe aber mit Technologieförderung
aus Brüssel sind zwei Start-ups knapp 50 Kilometer südwest­
lich von Cottbus erfolgreich. Im brandenburgischen Land­
kreis Oberspreewald-Lausitz, genauer gesagt in der Kleinstadt

Ruhland, arbeiten Ole Renner und Holger Müller an einem
neuen Ansatz für die Wartung von Windrädern. „Die kleine
Lausitzer Revolution am Rotorblatt“, titelte die Lausitzer
Rundschau Anfang September stolz über die beiden Firmen
WP Systems und structrepair. Und tatsächlich scheinen die
beiden auf dem besten Weg dorthin zu sein. Ihr Geheimnis
ist eine Neuentwicklung, eine Art Fahrstuhl zur Reparatur
von Rotorblättern, die ein Arbeiten auch bei Wind und Regen
möglich werden lässt. Mit bestehenden Wartungssystemen
dauert es viele Stunden, bis die Monteure überhaupt am
Rotorblatt arbeiten können. Wenn sich dann das Wetter
dreht, müssen sie runter. Eine „Urzeit-Technik“ nennt Renner
das und verspricht Besserung. Unternehmen aus der Bran­
che würden unentwegt ihren Prototypen des Hightech-Lifts
testen, erzählen die Gründer. Dieser hängt am Turm, fädelt
sich von unten ins Rotorblatt ein, kann bis zum Leck am
Flügel hochgezogen werden und umschließt diesen. So könne
man die Anlagen ganzjährig reparieren, verspricht Renner.
Damit aber nicht genug, denn die Lausitzer erfanden gemein­
sam mit polnischen Partnern für die Reparatur einen neuar­
tigen Kleber und die dazugehörige Prozesstechnologie. Auch
hier ist das Ziel: Die Windräder sollen schneller einsatzfähig
werden und sauberen Strom erzeugen können. Investoren zu
finden war offenbar keine Schwierigkeit.

Von der Cottbusser Oberkirche St. Nikolai kann man das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde nur wenige Kilometer vor der Stadt sehen

20

Neues von NATURSTROM
Heft 25 Herbst 2018
n.1
n.2
n.4
n.6
n.7
n.8
n.9

NATURSTROM im Netz
Strom- und Gasmix
CO2-Einsparung mit naturstrom
Arbeitgebergutschein
Kunden-Serviceseite
CO2-Kompensation: Umfrageergebnisse
Urbane Energiewende
NATURSTROM-Hauptversammlung

n.10 E-Lastenrad-Sharing mit Donk-EE
n.11 ANDHERI HILFE – Solarlicht für Bangladesh
NATURSTROM-Geschenkkarte
n.12 Kundenportraits
n.14 NATURSTROM-Ladekarte
n.15 SonnenDach und SonnenDuo + Wallbox
n.16 Die naturstrom-Städte-Bundesliga

Großes Jubiläum – feiern Sie mit uns im Netz

NATURSTROM „im Netz“

NATURSTROM feiert dieses Jahr Jubiläum: Auf vielen großen
und kleinen Festen und natürlich auch auf unserer Jubi­läumswebsite im Netz. Begleiten Sie uns auf eine Zeitreise durch
20 aufregende Jahre von den ersten Anfängen bis zum großen
Jubiläums-Festakt in Düsseldorf im vergangenen September.

Wir sind jetzt auch auf Instagram für Sie da
NATURSTROM erweitert seinen
Social-Media-Auftritt und ist jetzt
auch bei Instagram zu finden! Fast
täglich informieren wir Sie mit
schönen Bildern und Eindrücken
über alle wichtigen Themen rund
um Erneuerbare Energien, Öko­
strom und Umwelt. Wir posten kleine und große, nahe
und ferne, überraschende und spannende Geschichten
und Motive. Folgen Sie uns:
n

Unsere Kolleginnen und Kollegen erzählen von den NATUR­
STROM-Anfängen, was sie heute bewegt und wie sie Nachhaltigkeit
privat leben, unser Vorstandsvorsitzender Thomas E. Banning
kommt mit einer Geburtstags-Video-Nachricht zu Wort – und
natürlich dürfen auch unsere Kunden nicht fehlen.
Die Website wächst über das Geburtstagsjahr kontinuierlich weiter:
Schauen Sie deshalb regelmäßig vorbei. Wir freuen uns auf Sie.

www.instagram.com/naturstrom_ag

n

Neue Seiten für Quartiersversorgung,
Nahwärme und Bürgerenergie
Gemäß der Vision der NATURSTROM AG steht für uns im
Mittelpunkt eine saubere, sichere und wirtschaftliche Ener­
gieversorgung gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern
vor Ort zu schaffen. Nun haben wir die Webseiten für die
Themen Quartierskonzepte, Nahwärme und Bürgerenergie
aktualisiert und stellen Ihnen unsere jeweiligen lokalen Akti­
vitäten vor:
www.naturstrom.de/quartierskonzepte
n www.naturstrom.de/nahwaerme
n www.naturstrom.de/buergerenergie
n

n.1

www.naturstrom.de/jubilaeum

Neues von NATURSTROM

Der NATURSTROM-Doppelnutzen: saubere Energie
naturstrom unterscheidet sich bezüglich der Stromherkunft
wesentlich von den meisten anderen Stromproduk­ten: Unser
Ökostrom stammt aus deutschen Wasser- und Windkraftwer­

ken und wird nicht wie in der Branche üblich an der Strombörse
gekauft. Darüber hinaus fördern wir den Ausbau der Erneuer­
baren Energien mit einem festen Betrag je Kilowattstunde.

100 % erneuerbare Energien. Diesen Strom liefern wir Ihnen:
naturstrom-Strommix 2016*

Deutscher Strommix 2016

Überwiegend fossile Energieträger:
41,8 % Kohle 9,5 % Erdgas
2,4 % sonst. fossile Energieträger
14,3 % Atomkraft
32 % erneuerbare Energien

100 % erneuerbare Energien
Bestehend aus:
45 % EEG**
55 % Wasserkraft aus
Deutschland
Quelle: NATURSTROM.

0 g/kWh
0 mg/kWh
* Gilt für Kundinnen und Kunden der NaturStromHandel GmbH.

Quelle: BDEW; Stand 25.08.2017.

Umweltauswirkungen
CO2-Emissionen
Radioaktive Abfälle

471 g/kWh
0,4 mg/kWh

** Erneuerbare Energien, gefördert nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz.

Klimaneutral: Unser Strom aus Wasser- und Windkraft wird klimaneutral erzeugt. Die unvermeidbaren
CO2-Emissionen aus der Vorkette (zum Beispiel bei der Erstellung der Öko-Kraftwerke) werden über
Klimaschutzprojekte nach Gold Standard (VER) neutralisiert.

Ausbau der Erneuerbaren Energien.
Diese Öko-Kraftwerke wurden bisher gebaut:
Durch die im Preis enthaltene Förderung für den Bau neuer ÖkoKraftwerke konnten seit 1998 bereits 311 neue Kraftwerke für
Strom aus Sonne, Wind- und Wasserkraft sowie Biomasse errich­
tet werden. Hinzu kommen mehr als 2.200 Klein-Solaranlagen
für arme Familien in Bangladesch, die NATURSTROM zusam­
men mit der ANDHERI HILFE ans Netz gebracht hat.

183

97

Ermöglicht haben dies vor allem NATURSTROM-Kundinnen
und -Kunden, die sich im Rahmen unserer Kunden-werbenKunden-Aktion für eine Spende an die ANDHERI HILFE als
Prämie entschieden haben.

25
6
PV

Wind

Biomasse

Wasser
Stand: 28.08.2018

Das Grüner Strom Label
naturstrom wird bereits seit 1999 mit
dem Grüner Strom Label zertifiziert,
dem hochwertigsten Ökostromsiegel. Es wird von namhaften
Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden getragen
und kennzeichnet Ökostromprodukte mit besonders hohem
Umweltnutzen. Das Label bescheinigt, dass naturstrom zu
n.2

100 % aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen wird und
wir für jede verkaufte Kilowattstunde 1 Cent netto in den
Bau neuer Öko-Kraftwerke investieren (gilt für Kundinnen
und Kunden der NaturStromHandel GmbH). So wird die
Stromerzeugung in Deutschland Schritt für Schritt sauberer,
sicherer und zukunftsfähiger.

Neues von NATURSTROM

und neue Öko-Kraftwerke
naturstrom biogas wird ausschließlich aus Klärgas sowie Restund Abfallstoffen und damit ökologisch verträglich herge­
stellt. Unser Biogas stammt aus Biogasanlagen in Deutschland

– ohne Konkurrenz zu Nahrungsmitteln und ohne Gentech­
nik. Darüber hinaus fördern wir den Ausbau der Erneuerbaren
Energien mit einem festen Betrag je Kilowattstunde.

100 % erneuerbare Energien. Dieses Gas liefern wir Ihnen:
naturstrom biogas 2016*

Deutscher Gasmix 2016

100 % Biogas
20 % Biogas (Rest Erdgas)
10 % Biogas (Rest Erdgas)

1 % Biogas
99 % Erdgas

Quelle: NATURSTROM.

Quelle: AG Energiebilanzen, dena.

Umweltauswirkungen
0 g/kWh

CO2-Emissionen

202 g/kWh

Klimaneutral: Als erster Energieversorger in Deutschland bieten wir seit 2009 ein 100 %iges
Biogas-Produkt an. CO2-Emissionen aus den Erdgas-Anteilen der Tarife mit 10 % und 20 % Biogas
kompensieren wir über Klimaschutzprojekte nach Gold Standard (VER).

Beispiele für von NATURSTROM geförderte Öko-Kraftwerke:
Je Kilowattstunde
naturstrom fördern wir
den Ausbau der Erneuer­
baren Energien mit
1 Cent, um die Energie­
erzeugung in Deutschland
sauberer zu machen.
Hierdurch konnten bereits
mehr als 300 neue ÖkoKraftwerke errichtet
werden.

Im Oktober 2017 ging unser bisher größter Windpark mit
elf Anlagen am Rande der Fränkischen Schweiz in Betrieb.
Mit einer Gesamtleistung von 29 Megawatt liefert er saubere
Energie für 18.000 durchschnittliche Drei-PersonenHaushalte.
In der oberfränkischen Gemeinde Hallerndorf haben wir
Bayerns größte Solarthermieanlage in Kombination mit einem
Nahwärmenetz realisiert. Seit Februar 2017 werden dort
91 Haushalte mit nachhaltiger und vor Ort erzeugter Wärme
versorgt.

Weitere Informationen finden Sie unter www.naturstrom.de/kraftwerke

Das Grünes Gas Label
Unsere Biogastarife (10, 20 und 100 %
naturstrom biogas) wurden im Januar
2014 als erste Biogastarife überhaupt mit dem Grünes Gas
Label zertifiziert. Seitdem haben wir seine Kriterien kontinu­
ierlich erfüllt: Das Biogas muss ökologisch verträglich aus
Reststoffen oder nachwachsenden Rohstoffen aus der Region

produziert werden. Problematische Unkrautvernichter sind
ebenso verboten wie der Einsatz gentechnisch veränderter
Organismen bei der Gaserzeugung. Ein unabhängiges Institut
prüft jährlich die Einhaltung dieser Kriterien. Das Grünes
Gas Label wird wie das Grüner Strom Label von namhaften
Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden getragen.
n.3

Neues von NATURSTROM

Gemeinsam geschafft:
3.700.000 Tonnen CO2 eingespart
Seit mittlerweile 20 Jahren treiben unsere Kundinnen und
Kunden mit ihrer Entscheidung für saubere Energie die
Energiewende voran. Ein schöner Moment, einmal Bilanz
zu ziehen und Danke zu sagen.

M

it jeder neuen NATURSTROMKundin und mit jedem neuen
NATURSTROM-Kunden fließt mehr
grüne Energie durch Deutschlands Leitungen. In den vergangenen zehn Jahren hat sich unsere Kundenanzahl in
etwa verzwanzigfacht. Heute vertrauen
uns über eine Viertelmillion Menschen
– vom kleinen Single-Haushalt bis
zum mittelständischen Industrieunternehmen. Gemeinsam haben wir viel
erreicht!

Ihr Beitrag zum Umweltschutz
Allein durch den Bezug von naturstrom
und naturstrom biogas haben wir
alle zusammen bis Ende 2017 rund
3,7 Millionen Tonnen CO2 eingespart.
Das ist eine starke Leistung! Die Zahl
ist sogar so riesig, dass man sie sich

kaum richtig vorstellen kann.
Zwei Beispiele machen anschaulich,
wie sehr sich unser Engagement für
erneuerbare Energie lohnt:
3,7 Millionen Tonnen CO2 entsprechen
der jährlichen CO2-Bindung des
gesamten Bayerischen Waldes, eines
der größten Wälder Europas.
Oder anders berechnet: Wir haben
der Erdatmosphäre so viel CO2
erspart, wie alle Bewohner Islands
innerhalb von etwa zwei
Jahren erzeugen.
Weiter so!

n.4

Dankeskarte abziehen und mitnehmen!

Danke
Danke!

n.2

Neues von NATURSTROM

Der NATURSTROM-Arbeitgeber-Gutschein für Strom und Gas
macht mit

N

achhaltige Produkte zu verkau­
fen ist inzwischen kein Allein­
stellungsmerkmal mehr. Von A bis Z
nachhaltig zu handeln schon. Damit
das gelingt, bietet NATURSTROM
einen Arbeitgeber-Gutschein an.
Teilnehmende Unternehmen können
damit einen Teil der Strom- und/oder
Gasrechnung ihrer Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter übernehmen. Und
dabei gewinnen beide. So wie bei der
memo AG. Der Versandhändler hat
ausschließlich umwelt- und sozialver­
trägliche Produkte in seinem Sorti­
ment. Auch sonst ist die Firmenphi­
losophie durch und durch nachhaltig.
Inzwischen beliefert das Unternehmen
Gewerbe- und Privatkunden mit nach­
haltigen Produkten fürs Büro und für
zu Hause – auch NATURSTROM.

Auch die Mitarbeiter/innen hat das
Unternehmen dabei im Blick – am
Arbeitsplatz und darüber hinaus. Seit
Sommer 2017 bietet memo ihnen den
NATURSTROM-Arbeitgebergutschein
an: Damit hat der Arbeitgeber die Mög­
lichkeit, den Bezug von naturstrom
oder naturstrom biogas seiner Mitar­
beiter/innen in Höhe der steuerlichen
Freigrenze von 44 Euro pro Arbeitneh­
mer/ in und Monat zu bezuschussen.
„Beim AG-Gutschein profitieren Arbeit­
geber und Arbeitnehmer von steuer­
lichen Vorteilen – und da die saubere
Energie von NATURSTROM geliefert
wird, freut sich die Umwelt gleich mit“,
sagt Laura Friedrichs, Leiterin des Pro­
duktmarketings bei NATURSTROM.
„Unsere Mitarbeiter/innen nehmen das

Angebot sehr positiv wahr“, bestätigt
Lothar Hartmann, Leiter Nachhaltig­
keitsmanagement der memo AG. Die
Abwicklung des Gutscheins läuft pro­
blemlos. Der Arbeitgebergutschein ist
dabei nur eines von vielen Beispielen,
bei denen memo und NATURSTROM
zusammenarbeiten. (fs)
Voraussetzungen
• Rahmenvertrag zwischen Arbeitgeber
und NATURSTROM
• ein bestehendes Strom-/ GasVertragsverhältnis des
Arbeitnehmers mit NATURSTROM
Vorteile
•A
 brechnung als steuerfreier Sachbezug
• Erweiterung der NachhaltigkeitsMaßnahmen
• Stärkung der Arbeitgeber-Marke
• Erhöhung der Mitarbeiterbindung
und -zufriedenheit

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n.6

NATURSTROM-Service: Ihre Vorteile auf einen Blick

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n.7

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Tel 0211 77 900-300
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Kundencenter Strom und Gas:
Tel 0211 77 900-100
kundenservice@naturstrom.de

Neues von NATURSTROM

Unsere Umfrage – Ihre Auswahl
Die CO2-Kompensations-Projekte der Zukunft

B

ei NATURSTROM leben wir bür­
gernahe Entscheidungen. In der
Sommerausgabe 2018 der energiezu­
kunft haben wir Sie deshalb eingeladen
mitzubestimmen, welche Projekte zur
CO2-Kompensation wir in Zukunft
unterstützen sollen. Mit diesen Pro­
jekten kompensieren wir für uns leider
unvermeidbare CO2-Emissionen, die
z. B. beim Bau und Betrieb von Öko­
kraftwerken entstehen.
An unserer Online-Umfrage haben
230 Personen teilgenommen. Sie
konnten aus 17 Zielen der Vereinten
Nationen für nachhaltige Entwicklung
in den Bereichen Soziales, Umwelt und
Wirtschaft wählen – und zudem Ihre
bevorzugten Regionen für CO2-Kom­
pensations-Maßnahmen angeben.

Das Ergebnis
Ihr Votum fiel eindeutig auf die Nach­
haltigkeitsziele, die sich unmittelbar mit
dem Schutz von Klima, Landschaften
und Gewässern befassen. Klarer Favorit
bei den Regionen wurde das westliche
und östliche Afrika – mit insgesamt
46 Prozent Ihrer Nennungen. Unsere
Umfrage hat zudem ergeben, dass knapp
die Hälfte der Teilnehmer auch schon
selbst Maßnahmen zur CO2-Kompensa­
tion veranlasst haben. Fast zwei Drittel
sind zudem der Meinung, dass CO2Kompensation wirkungsvoll ist.

Die Konsequenz
Für die Zukunft heißt das: Sobald wir
neue CO2-Kompensations-Projekte
unterstützen, werden wir diese so gut wie
möglich an Ihren Wünschen ausrichten.

n.8

ZIEL 13: Umgehend
Maßnahmen zur
Bekämpfung des
Klimawandels und
seiner Auswirkungen
ergreifen
ZIEL 14: Ozeane,
Meere und Meeres­
ressourcen im Sinne
einer nachhaltigen
Entwicklung erhalten
und nachhaltig nutzen
ZIEL 15: Landökosysteme schützen,
wieder­herstellen
und ihre nachhaltige
Nutzung fördern,
Wälder nachhaltig
bewirtschaften,
Wüstenbildung
bekämpfen, Boden­
verschlechterung
stoppen und umkehren und den Biodiversitätsverlust stoppen

Entspannen in
theiner’s garten

Das NATURSTROM-Gewinnspiel mit
theiner’s garten und BIO HOTELS

Gewinnen Sie einen Aufenthalt im
Biorefugium theiner’s garten 4*S für
zwei Personen inkl. fünf Übernachtungen,
Frühstücksbuffet, Mittagsimbiss,
5-Gänge-­A bendessen, Wellnessbereich,
Aktiv­programm u.v.m. Zudem erhalten
Sie E-Bikes für die Dauer des Aufenthalts
und ein Elektroauto für zwei Tage.
Die Anreise ist nicht inklusive.

Entdecken Sie grünen Luxus in theiner’s garten, dem ersten Biohotel im Meraner Land.
Das 4*S Biorefugium in Gargazon nahe Meran ist Ihr nachhaltiger Wohlfühlort, um Energie
zu schöpfen. Zeitgleich ist es der ideale Ausgangspunkt, um das Outdoor-Paradies Südtirol
zu erkunden. Hier lebt die Familie Theiner ihre Lebensphilosophie, indem sie modernen
„Bio-Lifestyle“ mit Genuss und Herzlichkeit vereint. Erfahren Sie vollkommenes Urlaubsglück
und genießen Sie den Ausblick auf das weite Etschtal und die umliegenden Berge bis hin zu
den Ausläufern der Dolomiten. Willkommen im ersten zertifizierten Klimahotel Europas.
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Der Gewinner / die Gewinnerin wird direkt
von theiner’s garten benachrichtigt.
Eine Barauszahlung oder Übertragung
des Preises ist nicht möglich.

Einfach das Rätsel lösen, Karte ausfüllen und an uns zurücksenden!
Teilnehmer/-in am Gewinnspiel:
Name, Vorname:

Straße/Nr.:

Wie alt ist der Hambacher Wald?
ca. 2.000 Jahre
ca. 12.000 Jahre
ca. 120 Jahre

PLZ/Ort:

E-Mail:

Die Antwort finden Sie in diesem Heft
oder auf unserem Online-Portal

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Telefon:

Danke für Ihre Teilnahme und viel Glück!

Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Der
Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Preise können nicht
bar ausgezahlt werden. Teilnahmeschluss (Poststempel/
oder per E-Mail an: gewinnspiel@energiezukunft.eu)
ist der 15. März 2019. NATURSTROM wird diese Daten ausschließlich im Rahmen der Gewinnspielaktion nutzen.

Gedruckt mit Farben auf Pflanzenölbasis, auf 100 % Recyclingpapier, zertifiziert mit dem blauen Umweltengel.

n Lesen Sie mehr über theiner’s garten und BIO HOTELS auf Seite 36 …

Mitmachen und gewinnen

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Mitmache
und
gewinnen

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NATURSTROM AG
Redaktion energiezukunft
Kronenstr. 1
10117 Berlin

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Jede erfolgreiche Empfehlung von naturstrom oder naturstrom biogas wird belohnt.
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der Geworbene von NATURSTROM beliefert wird. Ist keine Prämie angekreuzt, wird automatisch die
30-€-Gutschrift ausgewählt.)
Bitte schicken Sie die NATURSTROM-Unterlagen an:
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40468 Düsseldorf

NATURSTROM wird diese Daten ausschließlich im Rahmen der „Kunden-werben-Kunden“-Aktion und der damit verbundenen Kontaktaufnahme nutzen. Eine Weitergabe der Daten an Dritte erfolgt nur, soweit dies für die Durchführung und Abwicklung der Aktion erforderlich
ist (z. B. an Kooperationspartner zur direkten Übermittlung der Prämien). Unter www.naturstrom.de/kwk finden Sie immer die aktuellen
Prämien und Teilnahmebedingungen. NSH-KWK-09/2018.

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27.08.18 10:2

Die urbane Energiewende erlebbar machen

U

m die urbane Energiewende erleb­
bar zu machen und mit den betei­
ligten Akteuren in Dialog zu treten, hat
NATURSTROM in diesem Jahr bereits
drei Energietouren in Berlin veranstal­
tet und begleitet, weitere sind geplant.
Hintergrund ist der Anspruch, vor Ort
zu zeigen, wie die Sache in der Praxis
funktioniert – dazu gehören die Besich­
tigung von Photovoltaikdachanlagen,
Blockheizkraftwerken und verbauter
Haustechnik sowie Fachvorträge und
Berichte von Projektpartnern über die
Zusammenarbeit mit NATURSTROM
– wie bspw. im Berliner Quartier
Möckernkiez, wo die Energiewende
gemeinschaftlich umgesetzt wird.
Strom, Wärme und Mobilität – in
allen drei Sektoren gibt es viel tun. Die
gute Nachricht: Nachhaltige Lösungen
sind da und werden bereits umgesetzt.
Wermutstropfen: Bislang gibt es nicht

genügend vorbildliche Projekte, damit
der Klimaschutz in den Städten so rich­
tig in Gang kommt. NATURSTROM
will deshalb interessierten Akteuren die
Möglichkeit bieten, sich vor Ort selbst
ein Bild von bereits realisierten BestPractice-Projekten zu machen.

Green Energy Night
Zu einem Erfahrungsaustausch hat
NATURSTROM daher im Juni die
„Green Energy Night“ ins Berliner
NATURSTROM-Büro eingeladen.
Dabei handelt es sich um regelmäßige
Networking-Events für innovative
Ideen und neue Technologien im
Bereich der Erneuerbaren Energien.
Anfangs als eine Art InnovationsStammtisch entstanden, hat sich
mittlerweile eine vitale internationale
Community gebildet, in der vom
Start-up bis zum Energiewende-Pionier
alle vertreten sind. Unter dem Event-

Thema „Smart City“ wurde über
Quartierskonzepte berichtet oder wie
innovative Start-ups, Unternehmen
und Kommunen bei der EnergiewendeUmsetzung zusammenfinden. Rund
65 „Energy Enthusiasts“ waren vor Ort
und tauschten sich zum Energiesystem
der Zukunft aus. Fazit: Lösungen sind
vorhanden und warten nur darauf,
umgesetzt zu werden. (og)

Hauptversammlung:
NATURSTROM investiert in Zukunftsbranchen

A

uf ihrer Hauptversammlung
im August in Hamburg ließ die
NATURSTROM AG das Geschäfts­
jahr 2017 Revue passieren. Im Sinne
seiner Vision hat der Ökostrom-Pionier
wieder erheblich in die dezentrale
Energieversorgung investiert. So wur­
den das Nahwärmenetz in Hallerndorf
ausgebaut, der größte eigene Windpark
im fränkischen Wattendorf fertiggestellt
und zahlreiche Mieterstromprojekte
verwirklicht.
„Für NATURSTROM war 2017
ein aktives und spannendes Jahr, in
welchem wir unsere Betriebsleistung
auf 319 Millionen Euro und unseren
Außenumsatz auf 279 Millionen Euro
steigern konnten“, informierte Vor­
standsvorsitzender Dr. Thomas E.
Banning. Das Ergebnis der gesamten

Unternehmensgruppe nach Steuern
liegt mit rund einer Million Euro nied­
riger als in den Vorjahren. Dies wurde
bei der Hauptversammlung zwar disku­
tiert, aber auch unter den Aktionären
bestand Konsens: Bei NATURSTROM
stehen inhaltliche Ziele im Vorder­
grund, nicht die Rendite.

n.9

„Unsere Kunden geben uns einen
enormen Rückhalt für alle Geschäfts­
aktivitäten“, so Oliver Hummel,
NATURSTROM-Vorstand, „wir haben
uns deshalb Anfang 2017 dafür ent­
schieden, ihnen etwas zurückzugeben:
Wir haben die eigentlich zum Jahres­
anfang notwendige Preiserhöhung für
unseren Ökostrom um zwei Monate
verschoben und die Kostensteigerungen
nicht vollständig weitergegeben.“ Diese
Entscheidung sei bewusst und zu Lasten
des Ergebnisses getroffen worden.
Zugleich hat der NATURSTROM-Kun­
denservice die internen Abläufe weiter
verbessert, was sich für die Kunden in
einer besseren Erreichbarkeit nieder­
schlägt. Eine Studie unter zahlreichen
Energieversorgern zeigte 2017, dass
NATURSTROM in punkto Service zur
absoluten Spitze zählt. (fs)

Neues von NATURSTROM

Donk-EE-Partner Matthias Latz (li.) und Sebastian Zimmermann (re.) vom Bioladen Naturata

Donk-EE – Radeln für Kölns Verkehrswende
Einkaufen ohne lästige Parkplatzsuche, sperrige Stücke transportieren ohne Automieten, mit den Kindern CO2-frei durch die City düsen – das E-Lastenrad-Sharing
Donk-EE bietet den Kölnerinnen und Kölnern eine saubere Alternative zum Auto.
Eine Idee, die gut ankommt: Die KlimaExpo.NRW hat diesen erlebbaren Beitrag zur
Verkehrswende unlängst in ihre virtuelle Leistungsschau aufgenommen.

E

ngagement für Klimaschutz und
Klimafolgenanpassung wird in
Nord­rhein-Westfalen ausgezeichnet:
So erhielt das E-Lastenrad-Projekt
Donk-EE eine positive Bewertung der
KlimaExpo. NRW. Die mit 100 Prozent
Ökostrom betriebenen Räder entlasten
die Innenstadt und tragen zur Einspa­
rung von Treibhausgasen, Feinstaub und
Stickoxiden bei. „Für die Nutzer stellt das
Angebot einen niederschwelligen Einstieg
in die Elektromobilität dar und kann als
Brücke zu nachhaltigeren Formen der
Mobilität fungieren. So leistet das Pro­
jekt einen konkreten Beitrag zum Gelin­
gen der Verkehrswende“, begründet der
Geschäftsführer der KlimaExpo.NRW
Heinrich Dornbusch die Aufnahme in
die Liste der qualifizierten Projekte.
Das Konzept, 50 Bikes an 50 Standorten
auf einem engen Raum zum Ausleihen

anzubieten, ist aufgegangen. Ungefähr
alle 500 Meter steht ein E-Esel im Dienst
der Energiewende bereit. Auf diese
Weise prägen die Donk-EEs nachhaltig
das Kölner Stadtbild. Die Partner, mit
denen Donk-EE zusammenarbeitet,
sind vielfältig. Das Miet-Lastenrad-Netz
reicht vom Theater über Jugendhilfen
bis zum Bioladen. „Ich freue mich, dass
so motivierte und ganz unterschiedliche
Partner Donk-EE unterstützen. Die
Mietlasträder kommen bei allen gut an“,
berichtet Projektleiter André Beyer.
Warum sich Unternehmer dazu ent­
scheiden, ihre Arbeitskraft in das
Thema Lastenrad zu investieren? –
Immerhin zählt es zu den Aufgaben
der Fahrradstationspartner, die Akkus
aufzuladen und die Räder regelmäßig
zu pflegen. „Wir sind davon überzeugt,
dass es Alternativen bei der Mobilität
n.10

geben muss. Mit Donk-EE haben wir
einen Partner, der sich dafür einsetzt.
Verstopfte Straßen und dreckige Luft in
Städten sind ein großes Problem“, erläu­
tert Sebastian Zimmermann, Geschäfts­
führer von Naturata. „Dadurch, dass wir
Stationspartner sind, kommen wir mit
den Donk-EE-Kunden ins Gespräch. Die
Registrierung ist einfach und die Kosten
gerecht. Nach ein bisschen Übung ist
das Handling einfach.“ (pk)

Weitere Informationen:
Tel. 0211 77 900-555
info@donk-ee.de
n www.donk-ee.de
Donk-EE ist ein Angebot der Green
Moves Rheinland GmbH & Co. KG.
Diese gehört zur NATURSTROM AG.

Zehn Jahre
„Solarlicht für Bangladesch“

A

rmen Familien in Bangladesch
helfen und zugleich das Klima
schützen – das ist das Ziel der seit zehn
Jahren bestehenden Kooperation mit der
ANDHERI HILFE. Der gemeinnützige
Verein aus Bonn setzt sich seit 1967 für
die integrierte Entwicklungszusammen­
arbeit in Bangladesch und Indien ein.
Im Rahmen der Initiative „Solarlicht
für Bangladesch“ hat NATURSTROM
seit 2008 mehr als 2.200 Solar Home
Systems finanziert. Neben direkten
Spenden der NATURSTROM AG an
die ANDHERI HILFE können Kunden
im Rahmen des Programms „Kundenwerben-Kunden“ als Prämie eine Spende
für das Projekt auswählen.
Die Solarsysteme bestehen aus einem
Photovoltaikmodul, einer Batterie und

der dazugehörigen Lampe und sind für
ein bis zwei Haushalte ausgelegt. Die
durch NATURSTROM finanzierten
Systeme spenden somit elektrisches
Licht für mehrere Tausend Familien,
die in kleinen Dörfern ohne Anschluss
ans Stromnetz leben.
Durch die Nutzung Erneuerbarer Ener­
gien werden zum einen Ressourcen
und zum anderen die Gesundheit der
Menschen vor Ort geschützt. Denn
die Familien im Projektgebiet nutzen
meist Petroleum-Lampen, deren Rauch
Atemwegserkrankungen verursacht
und die zudem eine enorme Menge an
CO2 ausstoßen. Gleichzeitig steigern die
Solar Home Systems die Lebensqualität,
indem sie den Familien nach Sonnen­
untergang gemeinsame Stunden bei

Licht ermöglichen. Auch Oliver Hum­
mel, Vorstandsmitglied von NATUR­
STROM, findet: „Das gemeinsame
Projekt mit der ANDHERI HILFE ist für
uns eine echte Herzensangelegenheit,
denn es hilft doppelt: dem Klima sowie
den Menschen vor Ort.“ (tl)
n www.andheri-hilfe.de

Spendenkonto: Sparkasse KölnBonn
IBAN: DE80 3705 0198 0000 0400 06
BIC: COLSDE33

Sauberes Weihnachtsgeschenk
Ab jetzt können Sie naturstrom und naturstrom biogas verschenken.

T

eilen Sie Ihre Begeisterung für
saubere Energie mit Ihren Lie­
ben: Verschenken Sie mit der neuen
NATURSTROM-Geschenkkarte
saubere Energie – zu Weihnachten,
zum Geburtstag oder als wertvolle
Anregung.
Ob NATURSTROM-Kundin/-Kunde
oder nicht – jeder kann die Geschenk­
karte im Wert von 25 Euro, 50 Euro
oder 100 Euro online bestellen und per
Rechnung bezahlen. Das Guthaben
kann für jeden – gegebenenfalls auch
frisch gebackenen – NATURSTROMVertrag genutzt werden und wird mit
der nächsten Rechnung verrechnet.

Das ideale Geschenk also für NATUR­
STROM-Kundinnen und Kunden und
alle, die es werden wollen. Denn manch­
mal braucht es nur einen freundlichen
Stups in die richtige Richtung, um die
guten Vorsätze in die Tat umzusetzen.

Die NATURSTROM-Geschenkkarte
ist ab Ausstellungsdatum drei Jahre
gültig und nicht in Bargeld
um­wandelbar.
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50 € NATURSTROMGeschenkkarte

25 € N
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n.11

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100 €

Neues von NATURSTROM

Für einen nachhaltigen Konsumalltag

Seit 2015 touren die Veranstalter der
Berliner Agentur ECOVENTA durch
Deutschland und werben mit der Fair­
Goods & Veggienale für einen nachhal­
tigeren Konsumalltag. Die Öko-Messe
lädt dabei nicht nur zum Kennenlernen
und Ausprobieren ein, sondern auch
zum Mitmachen. Die Veranstalter wol­
len ihre Besucher dadurch animieren,
über den Tellerrand des alltäglichen
Konsums zu schauen und nachhaltige
Alternativen kennenzulernen. Dabei
soll sowohl die große Vielfalt guter Pro­
dukte gezeigt werden als auch die prak­
tische Verbindung von Lebensfreude
und Verantwortung im Alltag.

FOTOS: © GUT BOLTENHOF

Gleichzeitig werden regionale Startups, Shops, Urban Gardening, RepairCafés, Vereine und interessante
Projekte vorgestellt. Das Themenspek­
trum reicht von aktueller Öko-Mode,
veganer Naturkosmetik, Ökostrom
und nachhaltigen Geldanlagen bis hin

zu Angeboten zur pflanzenbasierten,
gesunden Ernährungs- und Lebens­
weise. Neben kostenfreien Workshops
gibt es auch spannende Fachvorträge
sowie ein anspruchsvolles Bühnenpro­
gramm mit Kochshows oder Modeprä­
sentationen. Mit Aktionen wie zum
Beispiel Theateraufführungen oder
Bastelworkshops kommen auch die
kleinen Gäste voll auf ihre Kosten.
Dabei soll die FairGoods & Veggie­
nale weitaus mehr sein als eine reine
Öko-Messe. Vielmehr soll ein Ort
entstehen, an dem sich Hersteller,
Händler und Verbraucher treffen und
untereinander austauschen können.
Menschen mit neuen Produkten tref­
fen dabei auf die Pioniere der Branche,
alte Hasen auf interessierte Personen
mit jungen, kreativen Ideen. Sie alle
vereint die Idee von einer besseren
Welt und die Lust auf Lösungen, die
Spaß machen, kreativ gedacht sind
und überraschen. Die Veranstalter
wollen mit ihrer Messe informieren,
aufklären und inspirieren – vor allem

FOTO: © SECHERT/ECOVENTA

Kundenportrait – FairGoods & Veggienale

aber zeigen, dass Nachhaltigkeit im
Alltag und ein veganer Lebensstil
keine Kompromisse sein müssen, son­
dern ein Mehr an Vielfalt und Lebens­
qualität bedeuten können. (jk)
Die nächsten Termine
Münster 02./03. März 2019
Freiburg 23./24. März 2019
Nürnberg 13./14. April 2019
Hannover 27./28. April 2019
n
n

www.fairgoods.info
www.veggienale.de

Das Gute liegt oft näher als man denkt
Kundenportrait – Gut Boltenhof
Man muss nur der
Straße folgen, die aus­
sieht, als würde nach
der nächsten Kurve das Ende der Welt
kommen. Dann ist man genau richtig,
wenn man zum Gut Boltenhof gelangen
will. Die denkmalgeschützte Gutsanlage
liegt in idyllischer Umgebung inmitten
des Naturparks Uckermärkische Seen
in Brandenburg, rund 80 Kilometer
nördlich von Berlin. Dort können die
Besucher entweder in einem der sechs
Hotelzimmer oder einer der zehn unter­
n.12

schiedlich großen Ferienwohnungen
unterkommen. Im alten Gutshaus war­
tet auf die Gäste neben einem kleinen
Café auch ein Restaurant in hohen,
mit Stuck und Schnitzereien verzierten
Räumen – hier werden frische Köst­
lichkeiten aus eigener Produktion oder
von ausgewählten regionalen Erzeugern
angeboten.
Zum Gut Boltenhof gehören außerdem
rund 80 Hektar biolandwirtschaftlich
genutzte Flächen, die von zahlreichen

Tieren bevölkert werden. Neben frei­
laufenden Hühnern, Gänsen und Enten
streifen auch Schafe, Ponys, Esel und
Ziegen umher. Für die stetig wachsende
Kuh-Herde wird extra Winterroggen
sowie Kleegras angebaut. Unweit der
Gutsanlage finden sich mehrere Seen
und die Havel fließt nur wenige Kilo­
meter entfernt vorbei.
Da die Gutsanlage schon seit Jahrhun­
derten tief mit der Region verwurzelt
ist, wird viel Wert darauf gelegt, Tra­
ditionen und Brauchtum der lokalen
Brandenburgischen Kultur zu pflegen.
So wird nicht nur regelmäßig zum
Osterfest mit einem traditionellen
Osterfeuer eingeladen, sondern auch

zum Maibaumfest. Im Sommer können
die Gäste dann an Kräuterwande­
rungen oder dem Honigschleudern
teilnehmen. Mit dem Schmücken des
traditionellen Holzwagens wird im Sep­
tember dann das Erntedankfest gefei­
ert. Dadurch soll altes Brauchtum über
das ganze Jahr verteilt aufrechterhalten
werden, denn die Geschichte des Ortes
Boltenhof geht bis ins 17. Jahrhundert
zurück. Damals noch als Vorwerk des
Ritterguts Blumenow kann der Gut
Boltenhof selbst auf mehr als 200 Jahre
eigene Geschichte zurückblicken.
Gemeinsam mit der Beuth Hochschule
für Technik Berlin hat Gastgeber JanUwe Riest im Jahr 2016 für die gesamte

Anlage ein zukunftsfähiges und nach­
haltiges Energiekonzept ausgearbeitet.
Neben dem Bezug von naturstrom
wird seitdem auf zwei natürliche
Ressourcen Brandenburgs gesetzt: Holz
und Sonnenenergie. Im Vordergrund
steht dabei der den alten Rittergütern
innewohnende Gedanke der Selbstver­
sorgung. (jk)
n

www.gutboltenhof.de

Klimaschutz fängt zu Hause an
Kundenportrait – bad&heizung

FOTO: ROSTAN GMBH

Wärmepumpen,
Solarthermie oder
Biogas – es gibt
mittlerweile viele Wege, mit der eigenen
Heizung den Kampf gegen den Klima­
wandel aufzunehmen. Wer sich für eine
neue Heizung entscheidet, ist aber selten
selbst Experte auf diesem Gebiet. Umso
wichtiger sind Handwerksbetriebe, die
sich mit klimafreundlichen und ener­
gieeffizienten Technologien auskennen.
Neue Wege geht in dieser Hinsicht die
bad&heizung AG, eine Vereinigung von

ca. 80 Fachbetrieben aus dem Bereich
Sanitär, Heizung, Klima.
Auf Initiative des Mitglieds Rostan
GmbH entstand eine Kooperation
zwischen bad&heizung und NATUR­
STROM, die über den reinen Öko­
strombezug hinausgeht. Das Konzept
dahinter: Energieeffizienz durch eine
fachgerecht geplante, ausgeführte und in
Betrieb genommene Heizung, im besten
Fall eine hochwertige Wärmepumpe
oder eine effiziente Gastherme. Die
noch notwendige Energie kann durch
Ökostrom oder Biogas von NATUR­
STROM bezogen werden. Das Ziel
ist eine so umweltfreundliche Art der
Wärmeerzeugung, wie die Verhältnisse
vor Ort es zulassen. Denn nicht immer
ist der Einbau einer Wärmepumpe
sinnvoll und nicht überall gibt es einen
Gasanschluss. Manchmal ist Kreativität
gefragt und das erfordert Sachkenntnis.
Angestoßen hatte die Idee Pascal
Rostan, der das große Klimaschutz­
n.13

potenzial im Wärmesektor erkannt hat.
Denn laut Umweltbundesamt verwen­
den private Haushalte in Deutschland
über 80 Prozent ihres Endenergiever­
brauchs für Raumwärme und Warmwas­
ser. Deshalb wollen die bad&heizungsBetriebe ihre Kunden für dieses Thema
sensibilisieren und aufzeigen, welch
wichtige Stellung die private Heizung
und Warmwasserzeugung für die Ener­
giewende einnimmt. „Es gibt Möglich­
keiten, mit geringem organisatorischem
und ökonomischem Aufwand mehr für
die Umwelt und gegen den Klimawan­
del zu unternehmen. Glücklicherweise
gerade in dem Bereich, den wir als
Installateure beeinflussen können“,
erläutert Pascal Rostan. „Aus Überzeu­
gung möchten wir unsere Kunden dazu
bewegen, den kleinen Schritt mehr zu
gehen und bewusst die Entscheidung
zu treffen, nicht nur energieeffizient,
sondern gleichzeitig auch CO2-neutral
zu heizen.“ (cw)
n

www.badundheizung.de

Neues von NATURSTROM

Die NATURSTROM-Ladekarte:
Zugang zum größten ÖkostromLadenetz in Deutschland
Immer mehr Ladestationen, neue Tarife

S

eit dem Sommer 2016 gibt es die
NATURSTROM-Ladekarte. Seit­
dem hat sie sich zu einem Erfolgsmodell
entwickelt. An mehr als 500 Ladestati­
onen für Elektroautos in ganz Deutsch­
land bietet sie Zugang zu naturstrom.
Eine laufend aktualisierte Übersicht der
von uns belieferten Ladestationen kann
unter der Adresse www.naturstrom.de/
ladekarte bequem auf der NATUR­
STROM-Website abgerufen werden.
Für den Großteil dieser sauberen
Lademöglichkeiten ist nach wie vor
der Ladeinfrastruktur-Betreiber Allego
verantwortlich. Allego hatte sich schon
früh für eine Belieferung seiner Stati­
onen durch NATURSTROM entschie­
den und baut seine Ladeinfrastruktur
mit großem Engagement stetig aus.
Besonders hervorzuheben sind dabei die
weit verbreiteten Schnellladestationen,
an denen jedes gängige Elektroauto mit
hoher Leistung aufgeladen werden kann.
Ergänzt wird das Angebot seit Jahres­
beginn um zahlreiche Ladestationen
von E-Wald, einem Unternehmen, das
schwerpunktmäßig den ländlichen
Raum mit Ladeinfrastruktur und
Sharing-Angeboten ins E-Mobilitäts­
zeitalter führt.
Insgesamt sind mit der NATUR­
STROM-Ladekarte sogar 76.000
öffentliche Ladestationen in ganz Eur­
opa nutzbar, so dass auch auf längeren

Ladestation: AC/DC

Ladestation: AC

Fahrten immer genügend Energie zur
Verfügung steht. Die Ladekarte selbst
ist kostenlos, abgerechnet werden nur
die einzelnen Ladevorgänge – und
zwar transparent nach einheitlichen
Preisen. Diese Kombination aus
Stromqualität, Verfügbarkeit und
Kostentransparenz hat inzwischen
über 600 Fahrerinnen und Fahrer von
Elektroautos überzeugt.
Bislang wurden die Ladevorgänge
nach Standzeit an der Ladestation
abgerechnet. Zum 1. Oktober die­
ses Jahres wird das Tarifmodell der
NATURSTROM-Ladekarte noch
einmal einfacher: So werden künftig
Pauschalpreise je Ladevorgang berech­
net, so dass bereits im Vorhinein klar
ist, wie teuer das Aufladen wird. Tat­
sächlich geladene Energiemenge und
Standzeit spielen dabei keine Rolle,
einziges Unterscheidungskriterium
ist der verwendete Anschluss der
Ladestation. Für einen Normallade­
vorgang (Wechselstromanschluss mit
maximal 22 kW Ladeleistung) werden
n.14

5,90 Euro in Rechnung gestellt, ein
Schnellladevorgang (Gleichstroman­
schluss oder Wechselstromanschluss
mit mehr als 22 kW Ladeleistung)
kostet 7,90 Euro. Mit dem neuen Tarif­
modell reagiert NATURSTROM auf
aktuell stattfindende Diskussionen zur
Auslegung des Mess- und Eichrechts.
Denn nach Auslegung der zuständigen
Behörden ist die bislang von vielen
Anbietern praktizierte Zeitabrechnung
in dieser Form nicht länger gangbar.
Erklärte Zielsetzung des Gesetzgebers
ist, dass der Energiebezug an öffentli­
chen Ladestationen künftig verbrauchs­
basiert, also nach Kilowattstunden erfol­
gen soll. Dies begrüßen wir im Sinne der
Transparenz und Fairness ausdrücklich.
Somit ist die nun eingeführte Pauschal­
abrechnung nur ein Zwischenschritt,
bis die technischen und organisato­
rischen Rahmenbedingungen für eine
eichrechtskonforme Abrechnung von
Ladevorgängen im Roaming wirklich
flächendeckend geschaffen sind. (ps)
n

www.naturstrom.de/ladekarte

Eigener Solarstrom mit NATURSTROM –
hausgemacht und unabhängig
Seit etwas über einem Jahr ermöglichen das NATURSTROM
SonnenDach und SonnenDuo die persönliche Energiewende
auf dem eigenen Dach zu verwirklichen und hausgemachten
Solarstrom zu nutzen.

I

m August vergangenen Jahres
startete das Pachtangebot für eine
reine Photovoltaikanlage und eine
Photovoltaik- und Speicheranlage.
Seitdem wurden bereits einige Eigen­
heimbesitzerinnern und -besitzer zu
Anlagenbetreiberinnen und -betrei­
bern. Sie produzieren und verbrauchen
ihren eigenen Solarstrom und können
dies mit Hilfe des Überwachungspor­
tals sogar direkt mitverfolgen. Um
alles andere kümmert sich NATUR­
STROM. Nicht nur die Planung und
Realisierung der Anlage werden dabei
übernommen, sondern nach Inbetrieb­
nahme auch die Überwachung der
Funktionstüchtigkeit, gesetzliche War­
tungen und notwendige Reparaturen
über die gesamte Pachtlaufzeit.

und die Qualifikationen zertifizierter
Fachpartner garantieren, dass die Rea­
lisierung zügig und professionell durch­
geführt wird. Die Investitions­kosten
hierfür sowie alle anfallende Kosten
für eine umfassende Dienstleistung
(Wartung, Reparaturen, Garantie sowie
Versicherung und Überwachung der
Anlage) trägt NATURSTROM. Die
Kosten, die für Kundinnen und Kunden
anfallen, sind die monatlichen Pachtbe­
träge – feste Beträge über die gesamte
Vertragslaufzeit hinweg. Besteht Inte­
resse, die Anlage nach Laufzeitende auf
dem eigenen Dach zu belassen und wei­
terhin Strom selbst zu erzeugen, unter­
breitet NATURSTROM ein attraktives
Angebot, welches die Überführung ins
Eigentum der Kunden umfasst.

Rund-um-sorglos bedeutet für NATUR­
STROM, dass sich unsere Kundinnen
und Kunden entspannt zurücklehnen
können. Wenn uns eine Anfrage über
den Solaranlagenrechner unter
www.naturstrom.de/sonnendach erreicht,
wird das Anliegen geprüft und ein
individuelles Angebot ausgestellt. Jetzt
trennt nur noch die Unterschrift von der
eigenen Erneuerbare-Energien-Anlage.
Fällt die Entscheidung für NATUR­
STROM, wird der nächstgelegene Fach­
partner aus unserem Netzwerk mit der
Installation beauftragt. Die Regionalität

Im gesamten Prozess werden die Kun­
den von NATURSTROM begleitet.
Der Kundenservice nimmt sich dabei
die Zeit, allen Interessierten während
sowie nach der Angebotslegung Fragen
rund um die Umsetzbarkeit oder auch
den Installationsablauf zu beantworten.
Kommt es zu einer Beauftragung, gibt
es ein paar wenige Schritte, die von den
Anlagenbetreibern selbst durchgeführt
werden müssen. Dazu gehören bspw.
eine eventuelle Zählerschrankerneue­
rung oder die Anlagenmeldung bei der
Bundesnetzagentur – aber auch hier

SonnenDach
36%

SonnenDuo
56%

ca. 55 € Kosten/Monat

ca. 120 € Kosten/Monat

Stromautarkie

Stromautarkie

n.15

„Wer auch immer seine eigene kleine Energiewende
angehen möchte, kann sich hier sicher auf qualitativ
hochwertige und vor allem zügige Arbeit einstellen“, so
Sebastian Hahn, NATURSTROM SonnenDach-Kunde.
Mehr unter www.naturstrom.de/sonnendach-kunde-blog

stehen NATURSTROM und der Instal­
lationspartner gern beratend zur Seite.
Das Angebot wird weiter ausgebaut.
So gibt es seit kurzem für Betreiber
einer bereits bestehenden Solaranlage
das Angebot einer Speichernachrüstung
– mit dem NATURSTROM Sonnen­
Speicher. Über unseren Kundenservice
oder den gesonderten SonnenSpeicherRechner können Interessierte Angaben
zu ihrer Anlage und ihrem Stromver­
brauch machen und eine Angebotsan­
frage stellen. Und da hausgemachter
Solarstrom und Elektromobilität sich
auf bzw. unter demselben Dach perfekt
ergänzen, wird NATURSTROM in
naher Zukunft eine Wallbox, eine kleine
Wandladestation für schnelles und
sicheres Laden zuhause, anbieten. Soll
das eigene Elektroauto auch unterwegs
mit 100% Ökostrom geladen werden,
so kann dann die NATURSTROMLadekarte an einer Ladestation unserer
vielen Partner angelegt werden
(www.naturstrom.de/ladekarte). Für
mehr Infos zur zukünftigen NATUR­
STROM Wallbox kann unser Kunden­
service kontaktiert werden. (nl)

Haben Sie noch Fragen?
Ihre Ansprechpartnerin
Nora Lönnendonker
Tel. 0211 77900 - 256
loennendonker@naturstrom.de
n www.naturstrom.de/sonnendach

Neues von NATURSTROM

Die naturstromStädte-Bundesliga:
Bewegung in allen
Spielklassen

Die Top 10 Städte / Gemeinden
1.000 bis 10.000 Einwohner ( )
Anteil naturstrom-Abnahmestellen an Privathaushalten
9,0
8,0
7,0

6,9
5,4

DÜSSELDORF
KÖLN

4,3

4,2

Waake
Gleichen

B. GLADBACH

Witzenhausen
Melsungen

3,7

Stand 09 /2018

GÖTTINGEN
Rosdorf

4,0

Gleichen

Waake

1,0

Kleinmachnow

POTSDAM

Wennigsen

PADERBORN
Marsberg

BERLIN

Eggolsheim

Clenze

2,0

Jameln
Küsten
Wustrow

Küsten

Schneverdingen

Wustrow

Lüneburg

3,0

Schornsheim

OLDENBURG

Adendorf

4,5

Jameln

5,5

4,0

Schneverdingen

5,6

Marsberg

6,0

5,0

Clenze

6,0

Die Top 10 Städte / Gemeinden
10.000 bis 100.000 Einwohner (

LEIPZIG

)

Anteil naturstrom-Abnahmestellen an Privathaushalten

BONN

9,0
8,0

Eggolsheim

7,0
Schornsheim

Weilheim

B

ei den Gemeinden mit bis zu 10.000 Einwohnern
herrscht Bewegung. Schneverdingen hat es sich auf
Rang 8 gemütlich gemacht, während Jameln und Mars­
berg die Plätze tauschen, wodurch letzterer auf Platz 7
aufsteigt. Zernien scheidet aus und überlässt seinen
10. Platz Gleichen.

Rosdorf

2,3

Dießen

2,4

1,0

Kleinmachnow

2,6

2,0

Adendorf

3,4

Ebersberg

3,0

Witzenhausen

4,0

Ebersberg

Wennigsen

Weilheim i. OB

Melsungen

5,0

Dießen

Lüneburg

6,0

1,8

1,8

1,7

1,6

1,6

1,6

Stand 09 /2018

Die Top 10 Städte
> 100.000 Einwohner (

)

Anteil naturstrom-Abnahmestellen an Privathaushalten
9,0
8,0
7,0

1,4

Potsdam

Paderborn

1,7

Düsseldorf

2,0

Bergisch Gladbach

1,0

3,1

Bonn

2,0

In der Spielklasse der Großstädte ist nach dem Chaos
der letzten Monate Ruhe eingekehrt. Göttingen,
Köln und Berlin verteidigen die ersten drei Plätze
eisern. Im Mittelfeld freut sich Leipzig über einen
5. Platz, Bonn verschlägt es auf Rang 6.

Leipzig

3,0

Berlin

4,0

Köln

5,0

Oldenburg

6,0

Göttingen

In der Mittelklasse mit bis zu 100.000 Einwohnern geht’s
ebenfalls turbulent zu: Nach starren Monaten auf Rang 4
gibt Wennigsen Gas. Die Belohnung: Platz 3. Gleichzeitig
verabschiedet sich Hemmingen nach nur einer Saison
wieder aus der Tabelle und macht Platz für Neueinsteiger
Dießen, der es aus dem Stand auf den 8. Platz schafft.
Dafür geht’s für Rosdorf und Weilheim jeweils um einen
Platz nach hinten.

1,1

1,0

0,9

0,9

0,9

0,8

Stand 09 /2018

*Für diesen Artikel haben wir nur Orte ab einer Einwohnerzahl von 1.000 berücksichtigt.

n.16

Mieterstrom ist eine gute Möglichkeit, um die Energiewende in die
Städte zu bringen und jeden Stadtbewohner zu beteiligen. Doch
die Regulierung von Seiten der Bundesregierung erweist sich als
halbherzig bis kontraproduktiv und verhindert den Durchbruch.
Ein Kommentar von Tim Meyer

W

ie eine halbherzige Regulierung den Markt behindern
kann, hat NATURSTROM bei seiner Gründung vor
20 Jahren hautnah erfahren müssen. Bei der Liberalisierung
im Jahr 1998 hatte es die Politik trotz Mahnungen versäumt,
klare Spielregeln und Prozessvorgaben für alle Marktakteure
zu erlassen. Lieferanten der ersten Stunde wie NATUR­
STROM waren im sogenannten „verhandelten Netzzugang“
der Willkür der Netzbetreiber ausgeliefert, durch deren
Netze sie den Strom zum Kunden liefern mussten. Um den
Schwesterunternehmen, die bislang das Versorgungsmono­
pol hielten, die Konkurrenz vom Leib zu halten, haben viele
Netzbetreiber ihre „Gestaltungsspielräume“ des verhandel­
ten Netzzuganges weidlich ausgenutzt und uns immer neue
Steine in den Weg gerollt. Mit viel Engagement und Pionier­
geist ist es uns und anderen damals gelungen, dennoch
immer mehr Kunden für guten Ökostrom zu gewinnen und
in Belieferung zu nehmen. Der Durchbruch und ein deutlich
beschleunigtes Wachstum des freiwilligen Ökostrommarktes
war jedoch erst mit der Einführung des „regulierten Netzzu­
gangs“ im Jahr 2005 durch die Bundesnetzagentur möglich.
Droht dem Mieterstrom heute ein ähnliches Schicksal?
Aus den Fehlern der Vergangenheit hat die Politik und das
verantwortliche Wirtschaftsministerium jedenfalls nicht
gelernt – oder bewusst nicht lernen wollen. Die notwendi­
gen neuen Prozesse für die Abwicklung von MieterstromLieferungen sind heute einzeln mit den Netzbetreibern zu
verhandeln. Klare Regeln, wie der Messstellenbetrieb zu
organisieren ist und wer darin welche Aufgabe hat, fehlen.
Überbordende Nachweisregeln für die Mieterstromförde­

FOTO: CLEMENS WESS

Mieterstrom in
der Warteschleife?
Dr. Tim Meyer vertritt im Vorstand von NATURSTROM den
Geschäftsbereich Dezentrale Energieversorgung

rung wie die „Preisobergrenze“ oder arg verbogene Ausle­
gung rechtlicher Vorgaben durch die Bundesnetzagentur
machen Anbietern das Leben zusätzlich schwer. Wieder
nutzen einige Netzbetreiber diese Gemengelage aus und
stellen sich eher hinderlich in den Weg.
Andere hingegen sehen das Potenzial von Mieterstrom für
die Energiewende und gehen pragmatisch und partner­
schaftlich mit uns an die Aufgabe heran. Dennoch: Die
Zahlen geförderter Mieterstromprojekte liegen mit gut
4 Megawatt (MW) – Stand Juli 2018 – dramatisch unter
dem Potenzial und dem gesetzlichen „Deckel“ von 500 MW
pro Jahr. Hat man Mieterstrom also positiv angekündigt und
am Ende gar bewusst „vermasselt“?
Zwei entscheidende Unterschiede zur Situation vor
20 Jahren gibt es heute beim Mieterstrom: Der langsame
Hochlauf des Marktes liegt nicht ausschließlich an den
oben genannten Widrigkeiten. Denn die meisten Projekte
werden im Neubausegment entwickelt, so dass Messkon­
zepte und Hausinstallationen von vorneherein für Mie­
terstrom optimiert werden können. Vorhaben, die heute
unterschrieben werden, werden daher oft erst in ein bis
zwei Jahren umgesetzt und in der Statistik sichtbar. Und
Pioniere wie NATURSTROM haben die notwendige Kraft,
Erfahrung und Renitenz, sich nicht vom Weg abbringen zu
lassen. Mieterstrom wird ein Erfolgsmodell in den Städten
werden – es benötigt nur wieder einmal viel Beharrungs­
vermögen und dauert länger, als im Sinne des Klima­
schutzes verantwortbar ist.
21

MIETERSTROM

In Mettmann fließt
jetzt Mieterstrom
Sonnenstrom vom Dach direkt in die Steckdose – in Mettmann bei
Düsseldorf gibt es das nun auch für Mieter. Seit dem Sommer speist
eine Photovoltaikanlage sauberen Strom für die Bewohner eines
neu gebauten Mehrfamilienhauses ins Hausnetz ein.

I

m Herzen von Mettmann geht es jetzt besonders nachhal­
tig zu. Hier befindet sich das erste Mieterstromprojekt der
Stadt, bei dem die Bewohner hausgemachten Sonnenstrom
direkt vom Dach beziehen können. Die Photovoltaikanlage
auf dem 250 m² großen Flachdach des Neubaus produ­
ziert klimafreundlichen und kostengünstigen Strom, den
NATURSTROM den 25 Haushalten im Rahmen eines
günstigen Mieterstromtarifs anbietet. Die Solaranlage ver­
fügt über eine Leistung von 20 Kilowattpeak und produziert
voraussichtlich ca. 18.000 Kilowattstunden Sonnenstrom pro
Jahr. Ergänzend liefert NATURSTROM den Mieterstrom­
kunden Ökostrom über das öffentliche Netz und garantiert
somit eine sichere Stromversorgung rund um die Uhr.
Solarstrom, der an besonders sonnigen Tagen nicht von den
Bewohnern verbraucht wird, wandert ebenfalls ins Netz.
„Ein Mieterstromprojekt mitten im Rheinland ist nicht
nur ein tolles Aushängeschild für uns als Düsseldorfer
Unternehmen, sondern auch ein handfestes Beispiel dafür,
was die dezentrale Energiewende ausmacht“, sagt Tim
Meyer, Vorstandsmitglied von NATURSTROM und Leiter
des Geschäftsbereichs Dezentrale Energieversorgung.

22

„Mieterstrom demokratisiert die Energiewende – und ist
dabei noch günstig, sauber und lokal.“ Der Hintergrund:
Bis vor wenigen Jahren konnten nur Eigenheimbesitzer
Solarstrom vom Dach direkt verbrauchen. Das ändert sich
nun, zumal die Bundesregierung im vergangenen Jahr mit
einem Mieterstromgesetz für Anschub sorgte.
Auch die MBV Mettmanner Bauverein eG, Eigentümerin
des Mehrfamilienhauses, zieht ein positives Fazit. „Die
Photovoltaikanlage auf dem Dach wertet nicht nur die
Immobilie auf, sondern liefert auch einen echten Mehrwert
für unsere Mieterinnen und Mieter. Die freuen sich über
den nachhaltigen Strom und langfristig günstige Preise“,
sagt Volker Bauer, Vorstandsvorsitzender des Bauvereins.
NATURSTROM ist Pionier in der deutschlandweiten
Umsetzung von Mieterstromprojekten. Abhängig von den
Bedürfnissen der Projektpartner übernimmt der Öko-Ener­
gieversorger nicht nur die energiewirtschaftlichen Aufgaben
rund um die Strombelieferung der Mieter, sondern auch die
Entwicklung und den Betrieb der Photovoltaikanlage sowie
das Zähler- und Abrechnungswesen. (dc)

IT-Unternehmen
pachtet die Sonne
Ohne Strom geht beim IT-Dienstleister TENSQUARE gar nichts. Damit dieser
100 Prozent nachhaltig ist, setzt das Gelsenkirchener Unternehmen auf
NATURSTROM. So entwickelte der Öko-Energieversorger ein Photovoltaik­
projekt im Nordsternpark, verpachtet die Anlage an TENSQUARE und liefert
in sonnenarmen Zeiten Ökostrom aus dem Netz.

S

trom fließt bei TENSQUARE in rauen Mengen – und
das ganz ohne schlechtes Gewissen. Denn dank einer
Photovoltaikanlage ist der Strom, der aus den Steckdosen
des Gelsenkirchener IT-Unternehmens kommt, nicht nur
nachhaltig, sondern zum Teil sogar hausgemacht. Möglich
macht das die NATURSTROM AG, die das Flachdach
von TENSQUARE im Gelsenkirchener Nordsternpark mit
Photovoltaik-Modulen bebaut hat. Dank der installierten
Leistung von 83 Kilowatt peak sollen so pro Jahr durch­
schnittlich rund 66.000 Kilowattstunden Ertrag zusammen­
kommen.

Partner an die Seite geholt. So hat NATURSTROM die
gesamte Projektorganisation übernommen – von der Pla­
nung über die Absprache zwischen allen Beteiligten bis hin
zur Installation und Inbetriebnahme. Durch das Pachtmo­
dell ist TENSQUARE Betreiber der Anlage, die Nutzung
des Solarstroms gilt somit als Eigenverbrauch. Für jede Kilo­
wattstunde Sonnenstrom, die TENSQUARE verbraucht,
ist daher nur eine reduzierte EEG-Umlage fällig. Damit das
IT-Unternehmen zu hundert Prozent mit grünem Strom
arbeiten kann, liefert NATURSTROM ergänzend zum
Strom vom Dach Ökostrom aus dem Netz.

Eigenverbrauch ohne eigene Investition

Solarstrom auch fürs E-Auto nutzen

„Pachtmodelle sind besonders für Mittelständler attraktiv“,
erläutert NATURSTROM-Vorstandsmitglied Tim Meyer.
„Denn viele kleine und mittlere Unternehmen möchten
sich sauber und langfristig günstig mit Sonnenstrom versor­
gen, wollen sich aber nicht abseits ihres Kerngeschäfts um
die Entwicklung einer Photovoltaikanlage kümmern. Eine
Anlagenpacht ist in solchen Fällen optimal. Der Pächter ver­
meidet den Planungsaufwand und die Anfangsinvestition,
wird aber dennoch zum Eigenverbraucher.“

Bei der Konzeption der Anlage galt es, die besonderen
Anforderungen des Unternehmens zu berücksichtigen.
Eine davon: ein Stromzähler mit registrierender Leistungs­
messung. Dadurch kann TENSQUARE die Erzeugung
der Dachmodule in Echtzeit dem tatsächlichen Stromver­
brauch gegenüberstellen. Das Ziel von TENSQUAREGeschäftsführer Tassilo Nitz ist es, ein ressourcen­
schonendes Demand-Side-Management einzuführen.
„Wir wollen dann vermehrt Strom verbrauchen, wenn er
dank unserer Solaranlage gerade verfügbar ist, und damit
beispielsweise auch unsere Elektroautos laden. Davon pro­
fitiert die Umwelt und wir freuen uns über kosten­g ünstigen
Strom.“ (dc)

Der Pachtvertrag erlaubt es TENSQUARE, grüne Energie
direkt vom eigenen Dach zu beziehen. Mit dem Düsseldorfer
Ökostrom-Pionier hat sich TENSQUARE einen erfahrenen

23

FOTO: © BITKOM

Robert Spanheimer
Referent Smart Grids beim
Digitalverband Bitkom

EIN THEMA, ZWEI MEINUNGEN

Smart Meter – ein wichtiger Baustein
I

ntelligente Stromzähler sind nicht nur Voraussetzung für
das Gelingen der Energiewende – sie machen vor allem
den Kunden das Leben leichter. So lassen sich mit ihrer
Hilfe zum Beispiel der aktuelle Energieverbrauch anzeigen
und gleichzeitig Stromfresser im Haushalt identifizieren.
Der Smart Meter kann aber auf Wunsch auch mitzählen,
wie oft die Spülmaschine gelaufen ist und so rechtzeitig
automatisch neue Spültabs bestellen. Oder es kann eine
Art „Hausnotruf“ angeboten werden: Wenn morgens die
Kaffeemaschine nicht läuft und mittags nicht gekocht
wird, können Angehörige über das Mobiltelefon informiert
werden und so frühzeitig
„Die Digitalisierung klären, ob ein allein leben­
der älterer Mensch Hilfe
ist Voraussetztung benötigt.

für ein Gelingen der
Energiewende“

Der Einbau von Smart
Metern ist gesetzlich gere­
gelt und setzt Maßstäbe bei
Datenschutz und IT-Sicherheit. Es entsteht eine hochsi­
chere Infrastruktur mit verschlüsselter Kommunikation
und einem Zulassungsverfahren, in dem die Messstellen­
betreiber einen verantwortungsvollen Umgang mit den
Daten nachweisen müssen. Die so entstehende hochsichere
Kommunikationsinfrastruktur kann dann auch für andere
Daten genutzt werden, etwa für Bank- oder Gesundheits­
dienste.
Beim Datenschutz gelten strenge Vorgaben: Im vorein­
gestellten Standard übermitteln intelligente Zähler nur
aggregierte Verbrauchsdaten– es werden im Vergleich zu
herkömmlichen Zählern keine zusätzlichen Informationen
über die Nutzer preisgegeben. Jede zusätzliche Datenüber­
mittlung bedarf der Zustimmung des Verbrauchers. Hier
setzt das Digitalisierungsgesetz die europäische Daten­
24

schutzgrundverordnung um. Alle neuen Dienstleistungen
sind also nur mit der ausdrücklichen Freigabe der Daten
durch die Stromkunden möglich. Und die werden auch
sonst zu nichts gezwungen: Das Gesetz zur Digitalisierung
der Energiewende sieht ab 2020 zwar eine Pflicht zum
Einbau von intelligenten Zählern ab einem Jahresver­
brauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden (kWh) vor.
Der durchschnittliche Jahresverbrauch liegt pro Haushalt
allerdings bei rund 3.500 kWh, das heißt: Es gibt für die
meisten Haushalte keine Pflicht.
Die Digitalisierung erhöht aber nicht nur den persön­
lichen Komfort, sie ist vor allem auch Voraussetzung für
ein Gelingen der Energiewende. Die Energieversorgung
der Zukunft basiert in erster Linie auf Wind und Sonne
und damit auf Millionen von größeren, aber gerade auch
kleineren Anlagen. Wenn zukünftig ein hoher Anteil der
Stromerzeugung dezentral aus Quellen erfolgt, die mal
mehr und mal weniger Strom liefern, können extreme
Schwankungen auftreten. Deshalb müssen Verbraucher
und Erzeuger über ein intelligentes, digitales Netz mitei­
nander kommunizieren, damit das hohe Niveau bei der
Versorgungssicherheit auch künftig gewährleistet bleibt.
Dasselbe gilt übrigens auch, wenn es uns gelingt, den
Verkehr mit Hilfe von E-Autos umweltfreundlicher zu
gestalten oder wenn wir mit Wärmepumpen ökologischer
heizen. Durch das gleichzeitige Laden vieler Fahrzeuge in
einem Viertel oder bei einer Großveranstaltung können
ebenso wie beim gleichzeitigen Einsatz vieler Wärmepum­
pen extreme Lastspitzen entstehen. Das Energiesystem der
Zukunft muss sich automatisch regeln lassen – dies kann
nur digital erfolgen.
n

www.bitkom.org

Bereichsleiter Energie bei der
Verbraucherzentrale NRW

FOTO: © VERBRAUCHERZENTRALE NRW

Udo Sieverding

für das Energiesystem der Zukunft?
S

mart Meter gehören zum Energiesystem der Zukunft. Sie
bieten Chancen etwa für Prosumer, die ihren Solarstrom
vermarkten, für die intelligente Ladung von Elektroautos,
für Photovoltaik-Communities oder Mieterstrommodelle.
Aber sie verursachen auch Kosten, sammeln Daten und
werden per Gesetz verordnet. Deshalb begleiten wir ihre
Einführung kritisch und fordern Nachbesserungen.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet schon eine
nicht vernetzte moderne Messeinrichtung zunächst einmal
steigende Kosten für den Messstellenbetrieb. Versprochen
werden Einsparungen, weil man den Stromverbrauch besser
im Blick habe. Doch solange eine Ablesung gespeicherter
Zählerdaten mühsames Blinken mit der Taschenlampe
erfordert, bleibt das wohl eher Theorie. Zudem drohen
teils Kosten in ganz anderen Dimensionen: Passt der Smart
Meter nicht in den Zählerschrank, ist ein Umbau nötig.
Dafür können mehrere tausend Euro fällig werden.
Viel gibt es im Gegenzug erstmal nicht für dieses Geld. So
beginnt der Rollout wohl mit einer Generation von Geräten,
die für einige nützliche Anwendungen gar nicht ausgelegt
sind. Wie etwa eine funktionierende, eichrechtskonforme
Visualisierung bei intelligenten Messsystemen aussehen wird,
ist noch nicht final geklärt. Flexible Tarife und praktische
Lösungen für die Steuerung von Erzeugungs- und Verbrauchs­
anlagen stehen ebenfalls noch nicht zur Verfügung.
Holprig ist auch das „Wie“ des Rollouts. Derzeit erhalten
viele Haushalte entsprechende Ankündigungen für den Ein­
bau der neuen Stromzähler per Post. Die geltenden Fristen
werden dabei nicht immer eingehalten. Sperrige Begriffe wie
„moderne Messeinrichtung“ und „intelligentes Messsystem“
werden selten hinreichend erklärt. Auch der vorgeschrie­
bene Verweis auf die mögliche Wahl des Messstellenbetrei­

bers wird dabei nicht erläutert. So entsteht gar nicht erst
Nachfrage auf einem Markt, auf dem bislang nur zwei alter­
native Anbieter für Haushaltskunden aktiv sind.
Eine intensive Aufklärung über die hohen Sicherheits- und
Datenschutzstandards der in Deutschland verbauten Geräte
bleibt ebenfalls aus. Dabei weckt die Übertragung von Ver­
brauchsdaten durchaus berechtigte Bedenken und Zweifel.
Entscheidend für die Akzeptanz der „smarten“ Welt ist, dass
persönliche Daten vor Missbrauch geschützt sind.
Was ist also zu tun? Der Rollout-Fahrplan muss nach etli­
chen Verzögerungen dringend angepasst werden. Nur so las­
sen sich Anfangsprobleme beheben, bevor die große Gruppe
der Haushalte mit Jahresverbräuchen von unter 10.000 Kilo­
wattstunden (kWh) und die Prosumer betroffen sind. Bei
letzteren sollte die Untergrenze für den Pflichteinbau von
7 auf 10 Kilowatt (kW) Anlagenleistung erhöht und so mit
den Klassifizierungen im EEG harmonisiert werden.
Für den Umbau der Zählerkästen muss es eine Härtefall­
regelung geben, die die hohen Kosten abfedert. Vertrags­
beziehungen und Abrechnungsweisen im neuen Markt
des Messstellenbetriebs sind einheitlich zu regeln und
transparent zu machen. Die Rechte von Verbraucherinnen
und Verbrauchern bei Datenschutz und Datensicherheit
müssen durch stetige Kontrolle der Einhaltung vereinbarter
Standards lückenlos gewahrt werden. So können trotz des
holprigen Starts noch Bedingungen entstehen, unter denen
Smart Meter ihre Stärken – sobald verfügbar – ausspielen
und ihren Nutzen für das Energiesystem der Zukunft unter
Beweis stellen können.
Erklärungen und Hinweise rund um Smart Meter:
n www.verbraucherzentrale.nrw/smart-meter
25

FOTO: © FRAUNHOFER ISE

XXX

Die Agrophotovoltaik-Pilotanlage in Heggelbach am Bodensee kombiniert Strom- und Nahrungsmittelproduktion

Sellerie unterm Solarmodul
Landwirte mussten sich bisher entscheiden: Wenn sie Solarmodule auf einer Fläche
aufstellen wollen, ist eine landwirtschaftliche Nutzung des Bodens nur noch bedingt
möglich. Dieses Problem kann die Agrophotovoltaik lösen und damit die Konkurrenz
um Flächen entschärfen. Die Kombination von regenerativer Energieversorgung und
Nahrungsmittelproduktion bringt noch weitere Vorteile. Nicole Allé

L

aut einer Schätzung der Internationalen Energieagentur
wird bis zum Jahr 2020 die installierte Leistung von Pho­
tovoltaik-Anlagen bei über 400 Gigawatt weltweit liegen.
Europas Landwirte sind wichtige Akteure der Photovoltaik­
branche und damit auch der Energiewende. Laut Angaben
einer Studie der französischen Energieagentur zum Thema
„Landwirtschaft und Erneuerbare Energien“ erzeugten
Anfang 2018 allein in Frankreich rund 11.000 Agrarbe­
triebe Strom aus Solarenergie. In Deutschland besitzen
Landwirte sogar 25 Prozent der installierten PhotovoltaikGesamtleistung. Nach Zahlen der Agentur für Erneuerbare
Energien wächst der Anteil an PV-Investitionen im deut­
schen Landwirtschaftssektor konstant und betrug im Jahr
2017 rund 37 Prozent der neuen Investitionen im Bereich
der Erneuerbaren Energien. Und dennoch: An großen
Freiflächen-Solaranlagen scheiden sich oft die Öko-Geister.
Manche kritisieren daran den Flächenverbrauch, der dann
der Natur oder landwirtschaftlichen Nutzung nicht mehr zur
Verfügung stehe. Dabei werden in der Regel nur Flächen mit
Solaranlagen bestückt, die ohnehin Brachflächen darstellen
und für die landwirtschaftliche Nutzung nicht mehr geeignet
sind – wie etwa ehemalige Mülldeponien oder schadstoff­
26

belastete Flächen aus vormals militärischer Nutzung. Um
das System im Sinne von Klimaschutz und nachhaltiger
Landwirtschaft weiter zu optimieren, haben sich Forscher
der Frage gestellt: Wo machen Freiflächen-PV-Anlagen am
meisten Sinn, wie wirken sie sich auf Klima und Ökosystem
der bebauten Gebiete aus?

Photovoltaik und Photosynthese
Oben Solarmodule, unten Nutzpflanzen: Das ist die ein­
fache wie geniale Idee hinter der Agrophotovoltaik (APV).
Was man bei der Umsetzung in die Praxis dabei beachten
muss, haben Wissenschaftler der Universität Hohen­
heim und ihre Partner bereits in der Praxis erforscht. Das
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat in
Kooperation mit der Innovationsgruppe APV-RESOLA an
einer Forschungsanlage nachgewiesen, dass Agrophotovol­
taik die Landnutzungseffizienz um 60 Prozent steigert. Die
Pilotanlage am Bodensee läuft seit September 2016. „Flä­
chenressourcen stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung“,
sagt Professorin Petra Högy vom Fachgebiet Pflanzenökolo­
gie an der Uni Hohenheim. „Daher macht es Sinn, Flächen
doppelt zu nutzen, also für die Nahrungsmittel- und für die

SOLARENERGIE UND LANDWIRTSCHAFT

Was wächst am besten unterm Solarmodul?
Die Solarmodule sind in über fünf Metern Höhe aufgestän­
dert – da kommt selbst ein Mähdrescher durch. Rund
2,4 Hektar umfasst die Versuchsfläche, wovon die For­
schungsanlage ein Drittel Hektar belegt. Kleegras, Winter­
weizen, Kartoffeln und Sellerie wurden in einer Fruchtfolge
getestet. Auf der restlichen Fläche haben die Forscher eine
Referenzfläche mit der gleichen Bepflanzung, aber ohne
Solarpanele ange­
legt. So konnten
„Agrophotovoltaik sie mitverfolgen,
kann die Landnutzungs­ wie sich die
verschiedenen
effizienz um 60 Prozent Kulturen unter
PV-Modulen
steigern“ den
entwickelten und
verglichen sie
bezüglich ihrer Eignung. Um auch die Auswirkungen auf
Umwelt und Biodiversität zu untersuchen wurden 32 Mikro­
klima-Stationen auf der Versuchsfläche verteilt, an denen
sich Strahlung, Niederschläge, Beschattung, Temperatur
und Feuchte in Luft und Boden ablesen lassen.

Lösungsansatz für die Zukunft
Die APV-Anlage ist mit sogenannten bifazialen PV-Modu­
len bestückt – die können nicht nur auf ihrer Vorderseite
Sonneneinstrahlung in Strom umwandeln, sondern über
die Rückseite auch die reflektierte Strahlung der Umge­
bung aufnehmen. Sie erhöhen damit den Energieertrag
pro Fläche und sorgen durch die beidseitige Zellverglasung
für eine homogenere Lichtverteilung über den Pflanzen.
„Der Landwirtschaftssektor steht u. a. vor der Herausfor­
derung, den starken Ausbau der Erneuerbaren Energien
und damit verbunden den Wandel von Kulturlandschaften
hin zu Energielandschaften zu bewerkstelligen“, so Stephan
Schindele, Projektleiter am Fraunhofer ISE. In diesem
Kontext könne die Agrophotovoltaik ein wegweisender
Lösungsansatz für die Zukunft sein. Dabei ist die Idee der
Agrophotovoltaik gar nicht so neu. Bereits im Jahr 1981
veröffentlichte Professor Adolf Goetzberger unter dem
Titel „Kartoffeln unter dem Kollektor“ in der Zeitschrift
Sonnenenergie einen „Vorschlag für eine besonders gün­
stige Anordnung für Solarenergieanlagen in Verbindung
mit der landwirtschaftlichen Nutzung“. Erst viele Jahre
später holten Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solar
Energiesysteme ISE die Idee wieder aus der Schublade, um
weiter daran zu arbeiten.

Enormes Potenzial in wärmeren Klimazonen
Die Agrophotovoltaik hat sich in Pilotprojekten nun schon
in mehreren europäischen Ländern bewährt. Bei der dop­
pelten Flächennutzung erwarteten die Forscher unter den
hiesigen Klimabedingungen zwar etwas geringere Pflanzen­
erträge – das machten die erheblichen Mengen an regenera­
tiver Energieerzeugung aber in der Klimabilanz wieder wett.
In trockeneren und heißeren Regionen könnte die teilweise
Beschattung der Fläche durch die Solarpaneele aber sogar
von Vorteil für die Pflanzenproduktion sein, vermuteten die
Forscher nach ersten Erfahrungen. Die Technologie wird
daher bereits in anderen Klimazonen getestet. „Im nächsten
Schritt geht es nun darum, den ,Proof of Concept‘ der APVSystemtechnik in Entwicklungs- und Schwellenländern zu
etablieren, wo sie ihre Stärken aufgrund der höheren Solar­
einstrahlung noch besser ausspielen kann. Hier liegt ein
enormes Potenzial“, erläutert Schindele.

Gut für Brokkoli, Kräuter und Hühnereier
In einem APV-Pilotprojekt in Kooperation mit Fraunhofer
Chile wurden daher drei APV-Anlagen mit einer Leistung
von je 13 Kilowatt in den Gemeinden El Monte, Cura­
caví und Lampa getestet. In dem von der Metropolregion
Santiago de Chile unterstützten Projekt wird untersucht,
welche Kulturpflanzen von einer weniger starken Sonnen­
einstrahlung profitieren. Sensoren erfassen meteorologische
Daten wie Sonneneinstrahlung und Luftfeuchte, aber auch
Bodenfeuchte und -temperatur. Die Daten werden auch für
die Optimierung der Bewässerungszyklen genutzt. Die land­
wirtschaftlichen Betriebe wiesen dabei sehr unterschiedliche
Profile auf: Im ersten Fall kam die APV-Anlage in einem
Betrieb zum Einsatz, der Brokkoli und Blumenkohl anbaut.
Der Solarstrom wird dabei in den Veredelungsprozessen
wie Reinigung, Verpackung und Kühlung verwendet. Die
zweite Pilotanlage wurde in einem Familienbetrieb errichtet,
der Kräuter unter den Solarmodulen anpflanzt. Im dritten
Fall, in einer abgelegenen Region mit schwach entwickelter
Infrastruktur und unzuverlässiger Stromversorgung, stellt ▸
GRAFIK: © FRAUNHOFER ISE / UNI HOHENHEIM

Energieproduktion. Und das muss so geschickt erfolgen, dass
die Pflanzen unter den Solarpanelen weiterhin gut wachsen
können.“ Die APV-Pilotanlage mit einer installierten Lei­
stung von 194 kWp – damit können im Durchschnitt rund
62 Haushalte mit Strom versorgt werden – wurde auf den
Ackerflächen der Demeter-Hofgemeinschaft Heggelbach am
Bodensee installiert.

1 Technischer Eigenverbrauch
zukünftig mit Energiespeicher

27

2 Direktvermarktung an nahe­
liegende Wohnsiedlung

3 Energieeinspeisung
ins Strom- und Gasnetz

FOTO. © FRAUNHOFER CHILE

SOLARENERGIE UND LANDWIRTSCHAFT

In Chile wurde in drei Pilotanlagen, wie hier in Curacaví, u.a. die Kombination von Photovoltaik und Gemüseanbau getestet

Ressourcenschutz und neue Einnahmequellen
Das Potenzial der Agrophotovoltaik für die ariden und
semi-ariden Regionen von Nord- und Zentralchile scheint
vielversprechend, da große Teile der Bevölkerung von der
Landwirtschaft leben, die von Trockenheit, Wüstenbil­
dung und Wassermangel infolge des Klimawandels stark
betroffen ist. In netzfernen Regionen bedeuten bereits
wenige Solarmodule eine erhebliche Verbesserung der
Lebensqualität. Durch die partielle Verschattung von
Ackerflächen senken APV-Anlagen nachweislich den
Bedarf an der wertvollen Ressource Wasser und bieten
Nutztieren Schatten. Auch Fruchtarten, die normaler­
weise aufgrund des trockenheißen Klimas und der starken
Sonneneinstrahlung nicht wachsen würden, können so
kultiviert werden, berichten die ISE-Forscher. Gleichzei­
tig kann der produzierte Solarstrom für den Betrieb von
Wasserpumpen oder -entsalzungsanlagen genutzt werden.
Durch die APV ergeben sich für die Landwirte eine ganze
Reihe neuer Einkommensquellen, gleichzeitig sinkt die
Abhängigkeit der Landbevölkerung von fossilen Energie­
trägern.
28

Landwirtschaft im Klimawandel
Auch Forscher der britischen Lancaster University und des
Lancaster Environment Centre haben die klimatischen Aus­
wirkungen von Freiflächen-PV-Anlagen auf Bodenflächen
untersucht und kommen auf vergleichbare Ergebnisse wie
ihre Kollegen aus Deutschland und Chile. Im Schatten der
PV-Module können Pflanzen angebaut werden, die unter der
starken Sonneneinstrahlung sonst nicht gedeihen würden –
vorteilhaft in Regionen, wo Wasser eher knapp ist, dort kann
die Verdunstung verringert werden. Das auf den großen Flä­
chen der Solarmodule anfallende Wasser kann zudem gesam­
melt und zur Bewässerung wiedergenutzt werden. Ein Gewinn
für Klima und Umwelt – und ein hoffnungsvoller Wegweiser
für eine nachhaltige Landwirtschaft im Klimawandel.
Weitere Informationen n www.agrophotovoltaik.de
FOTO: VON GRÜNEFRAKTIONBAYERN - FLICKR: 04, CC BY 2.0

die APV-Anlage die Stromversorgung für sieben Familien
sicher, u.a. auch für einen Inkubator zum Ausbrüten von
Hühnereiern. Die drei APV-Anlagen in Chile sind die ersten
ihrer Art in Lateinamerika. Anpassung und Optimierung
der APV-Technik auf landesspezifische klimatische und
wirtschaftliche Randbedingungen standen im Fokus der
Forscher. Die Ergebnisse sind erfreulich, so dass der
APV-Forschungsschwerpunkt von Fraunhofer Chile mit
Unterstützung der dortigen Regierung weiter ausgebaut
werden soll.

Unter Freiflächen-Photovoltaikanlagen sind oft Sekundärnutzungen
wie etwa eine extensive Weidewirtschaft möglich, bspw. mit
Schafen wie hier im Solarpark Untermöckenlohe. Die Anlage ist so
ausgelegt, dass sie gleichzeitig als Weide genutzt werden kann

XXX

29

FOTO: SUNSTROM

XXX

Eine neue PV-Anlage auf dem Bechstedter Heizhausdach erzeugt jetzt Ökostrom

Wärme-Innovation im Naturpark
„Hier hat Zukunft Tradition“ – so lautet der Landes-Slogan Thüringens.
Die kleine Gemeinde Bechstedt im Thüringer Wald hat sich den Spruch zu
Herzen genommen, eine Energiegenossenschaft gegründet und versorgt
sich seit 2012 selbst mit nachhaltiger Wärme. NATURSTROM ermöglicht
die Weiterführung des Leuchtturmprojekts in Thüringen. Oliver Grob

E

igentlich ist das Gebäude am Ortsrand von Bechstedt im
Thüringer Schiefergebirge eher unscheinbar. Doch ver­
birgt sich dort der Grund, warum die 150-Seelen-Gemeinde
im Jahr 2014 einen bundesweiten Wettbewerb für sich ent­
schied. Tatsächlich handelt es sich um die Heizzentrale von
Bechstedt, in der ein Holzvergaser-Blockheizkraftwerk und
ein Biomasse-Heizkessel wummernd ihre Arbeit tun und via
Nahwärmenetz mehr als die Hälfte der Haushalte im Ort
mit nachhaltig erzeugter Wärme versorgen. Entstanden ist
dieses Beispiel für die oft geforderte und selten umgesetzte
Wärmewende durch das Engagement der Menschen vor Ort.
Und auch hier in Bechstedt machten einige wenige Personen
den Unterschied. Angetrieben vom ökologisch begeisterten
Ortsbürgermeister Jürgen Patschull und dem Kulturwissen­
schaftler Burkhardt Kolbmüller reifte seit dem Jahr 2010 die
Idee, in der Gemeinde eine eigene, nachhaltige Energiever­
sorgung zu schaffen.

Ideen und Inspiration durch gelungene Projekte
Um sich dem Thema zu nähern machten sich die Bech­
stedter gemeinsam auf die Reise. Mehrere Busexkursionen
zu Bioenergiedörfern in Niedersachen und Franken zeigten
was möglich ist und überzeugten die Beteiligten von der
Machbarkeit. Schließlich fiel die Entscheidung, sich der
Herausforderung zu stellen. Zumindest beim Thema Brenn­
30

stoff musste man nicht lange überlegen – ergibt sich dieser
durch die Lage im Naturpark Thüringer Wald eigentlich
schon von selbst: „Wir dachten uns, wir nehmen das Holz,
das hier überall anfällt, und bekommen Strom und Wärme
unabhängig vom Öl“, erinnert sich Burkhardt Kolbmüller,
Vorstand der Energiegenossenschaft Bechstedt eG. Und
so macht man sich umgehend an die Umsetzung: Genos­
senschaftsgründung im Februar 2012, Konzepterstellung
und Anlagenplanung in den Folgemonaten, Spatenstich im
September, Verlegung des 1,2 Kilometer langen Nahwärme­
netzes in Eigenregie und Inbetriebnahme der Heizzentrale
am 20. Dezember 2012.

Wärme und Strom aus regionalem Restholz
Technisch entschieden sich die frischgebackenen Genos­
sinnen und Genossen dann für einen HolzhackschnitzelHeizkessel und ein Holzvergaser-BHKW (Blockheizkraft­
werk). Der Holzvergaser gewinnt aus Holz ein brennbares
Gas, das im BHKW dann in Wärme und Strom umge­
wandelt wird. Die Einnahmen aus der Stromeinspeisung
senken den Heizpreis der Genossenschaftsmitglieder.
Um den Wärmebedarf der 32 angeschlossenen Haushalte
zu decken, braucht es im Sommer nur das HolzvergaserBHKW. Mit seiner Leistung von 50 Kilowatt (kW) elek­
trisch und 100 kW thermisch produziert es aber selbst

WÄRMEWENDE
ohne den Heizkessel oftmals noch Wärmeüberschüsse.
Diese werden genutzt, um die regionalen Holzhackschnit­
zel – die vorwiegend aus Landschaftspflegeholz stammen
– zu trocknen. In der kalten Jahreszeit kommt dann der
Hackschnitzel-Heizkessel mit einer Leistung von 400 kW
thermisch hinzu und sichert die Wärmeversorgung des
Ortes. Der Ökostrompionier NATURSTROM stand der
Genossenschaft von Anfang an beratend zur Seite und
unterstützt sie im Rahmen des „Grüner Strom Labels“ auch
finanziell.

Als Bioenergiedorf ausgezeichnet
Die Aktivität der Genossenschaft bleibt nicht unbemerkt:
Auf Tagungen und in Fachbroschüren gilt Bechstedt als
Vorzeigebeispiel. Im Jahr 2014 gewinnt die Gemeinde gar
einen bundesweiten Wettbewerb und wird vom Bundes­
ministerium für Landwirtschaft und Ernährung als „Bio­
energiedorf“ prämiert. Ein toller Erfolg. Jedoch gibt es auch
Schwierigkeiten. Der Vergaser hat mit dem Landschafts­
pflegeholz zu kämpfen und ist deshalb störanfällig; auch
die Silo-Konstruktion für die Trocknung der Holzhack­
schnitzel erweist sich als nicht optimal. Insgesamt ist die
Wartung und Pflege der Anlage aufwändig, und so kippt
die Bilanz der Genossenschaft ins Minus. Eine schwierige

Situation, in der die Genossenschaft erneut den Kontakt
zu NATURSTROM sucht.

Kooperation: Genossenschaft und NATURSTROM
Gemeinsam findet sich schließlich eine Lösung. Zur Sanie­
rung der Bilanz erwirbt NATUSTROM im Januar 2017 die
Heizzentrale und übernimmt – ausgestattet mit reichlich
Erfahrung – deren Betrieb, während die Genossenschaft
weiterhin das Nahwärmenetz betreibt. „So wird, was als Bür­
gerenergieprojekt begann, auch weiterhin als Bürgerprojekt
betrieben. Denn uns liegt sehr viel daran, dass die Ursprungs­
idee des Projekts erhalten bleibt“, erklärt Thilo Jungkunz,
Geschäftsbereichsleiter bei NATURSTROM. Um die tech­
nischen Probleme zu lösen, nimmt der Ökoenergie-Versorger
Modifikationen vor – baut beispielsweise den Holzvergaser
um und optimiert den Silo-Rost für eine effektivere Trock­
nung der Holzhackschnitzel. Außerdem erhält das Dach eine
Photovoltaik-Anlage mit 15 kWp. Burkhardt Kolbmüller freut
sich über diese Entwicklung. „Wir haben Lehrgeld bezahlt,
aber jetzt sind wir auf einem guten Weg“, resümiert der
Genossenschaftsvorstand. Die NATURSTROM AG, auch
Genossenschaftsmitglied in Bechstedt, habe sowohl das grö­
ßere technische Know-how wie auch den besseren Marktzu­
gang, etwa zu Holz oder Wärmetechnik, so Kolbmüller.

WÄRMEWENDE

Dezentral und klimafreundlich:
Nahwärmenetze im Bau
Die Spatenstiche für den Bau weiterer Nahwärmenetze sind getan: Im oberbayrischen
Moosach feierten die Gemeinde, NATURSTROM und die Energiegenossenschaft
Regenerative Energie Ebersberg eG Anfang Mai den offiziellen Baubeginn.
Auch in Markt Erlbach in Mittelfranken wurde diesen Sommer gegraben:
Die Wärme wird künftig vor Ort erzeugt und über ein Netz an Nahwärmeleitungen
bis zu den angeschlossenen Haushalten transportiert. Bestehende Nahwärmenetze
wurden zudem erweitert. Verena Steindl

E

ine Kombination regenerativer Techniken ersetzt in
Moosach (Landkreis Ebersberg) künftig viele alte Ölhei­
zungen und macht die oberbayrische Gemeinde dadurch fit
für eine nachhaltige Zukunft: „Der Wärmesektor braucht
den Ölausstieg besonders dringend. Unsere dezentralen
Nahwärmenetze leisten einen bedeutenden Anteil zur
Dekarbonisierung: Heizen mit Sonne und Holz ist ein
Gewinn für alle“, sagt Thilo Jungkunz, Geschäftsbereichslei­
ter Dezentrale Energieversorgung bei NATURSTROM. Der
Wärmebedarf der privaten und kommunalen Anschlussneh­
mer wird mit einem 390 kW und zwei 530 kW Biomassekes­
seln sowie einer 1.106 m² großen Freiflächen-Solarthermie­
anlage gedeckt, die im Sommer einen wichtigen Beitrag für
die Wärmeversorgung leistet. Die Anlage reduziert in der
Energiezentrale den Einsatz von Holz. Bei Mehrbedarf sowie
in den Wintermonaten werden die Biomassekessel bedarfs­
gerecht zugeschaltet. Zwischengespeichert wird die in den
Kesseln oder durch die Solarthemieanlage erzeugte Wärme
in einem 100 m³ großen Pufferspeicher.

jekts betont, dass die Einbindung der Bürgerinnen und Bür­
ger beim Erreichen der Klimaschutzziele dringend notwendig
sei. Nur so könne man die Gemeinde fit für eine nachhaltige
Zukunft machen.

Gemeinsam die Zukunft gestalten
Die Planung und Projektierung der Energiezentrale in
Moosach – bestehend aus einem Heizhaus und der Freiflä­
chen-Solarthermieanlage – erfolgte durch NATURSTROM.
Nach Fertigstellung wurde die Energiezentrale schlüssel­fertig an die Betreibergesellschaft, die NatCon Südbayern
GmbH & Co. KG, übergeben. Diese übernahm den Betrieb
der Energiezentrale und pachtet das Nahwärmenetz von
der Gemeinde. Die Regenerative Energie Ebersberg eG
(REGE eG) fungiert als Servicepartner der Betreiber­
gesellschaft und ist für die Anschlussnehmer regionaler
Ansprechpartner mit komplettem Vor-Ort-Service.

Energie vor Ort nutzen
Als Brennstoff für die drei Biomassekessel kommen Hack­
schnitzel aus der Region zum Einsatz. Ein Plus für die regi­
onale Wertschöpfung. Zunächst sieht das Betriebskonzept
die Nutzung des beim angrenzenden Sägewerk anfallenden
Restholzes vor, das direkt vor Ort gehackt und in den Bun­
ker eingebracht wird. Darüber hinaus werden von lokalen
Anbietern die entsprechenden Hackschnitzelmengen
zugekauft. „Die Wärmeversorgung von Kommunen ist ein
lokales Thema. Hier müssen wir schneller umdenken und
vor allem handeln“, sagt Hans Gröbmayr, der seit 2011 als
Klimaschutzmanager des Landkreises Ebersberg Durchhal­
tevermögen und Engagement beweist. Willi Mirus, zweiter
Bürgermeister der Gemeinde Moosach und Initiator des Pro­
32

Hans Gröbmayr und Willi Mirus machen sich stark für die
kommunale Wärmewende

Gemeinsam für die Energiewende: Symbolischer Spatenstich in Markt Erlbach

Wärme aus der Markt Erlbacher Nachbarschaft
Im Osten der Marktgemeinde Markt Erlbach in Mittelfran­
ken stellt der Honigabfüller Breitsamer & Ulrich GmbH +
Co. KG ein Grundstück für die Hauptenergiezentrale und
künftig Bayerns größte in ein Nahwärmenetz eingebun­
dene Solarthermieanlage zur Verfügung. Zusätzlich wird
auch der Abfüllbetrieb an das Netz angeschlossen. „Die
Energieversorgung unseres Betriebes wird so künftig deut­
lich ökologischer sein“ sagt Thomas Ulrich, Geschäftsfüh­
rer der Breitsamer & Ulrich GmbH + Co KG. In der Nähe
des Markt Erlbacher Schulzentrums wird in einer weiteren,
etwas kleineren Energiezentrale ebenfalls Wärme erzeugt,
die über das Leitungsnetz an die umliegenden Anschluss­
nehmer, speziell die kommunalen Großabnehmer, gelangt.
Zudem werden auch hier im Rahmen des Nahwärme­
anschlusses Leerrohre für Glasfaser mitverlegt – ohne
Zusatzkosten für die Nahwärmekunden. Das schafft beste
Voraussetzungen für eine schnelle und leistungsstärkere
Internetverbindung in der Marktgemeinde.

„Wir setzen auch bei diesem Projekt auf die Kombination
aus Holz und Sonne. Im Sommer ist es für uns nachhaltiger,
den Wärmebedarf durch die Kraft der Sonne zu decken.
Denn Holz ist zwar nachwachsend, aber dennoch kostbar.
Die Solarthermieanlage erzeugt im Sommer so viel Leistung,
dass wir die Biomassekessel abschalten können. So heizen
wir zu jeder Jahreszeit 100 Prozent erneuerbar.“

100% erneuerbar
Überzeugt, dass die Energiewende nur dezentral und
gemeinschaftlich gelingen kann, ist auch Thilo Jungkunz:

Im oberbayrischen Moosach wird in Zukunft nachhaltig geheizt.
Die Verlegearbeiten begannen im Mai

Kaltes Nahwärmenetz fürs neue Quartier

I

n Reichenbach an der Fils (Baden-Württemberg) ent­
stehen in einem Neubauquartier 41 Einfamilien- und
Doppelhaushälften auf der Basis einer umweltbewussten
Gesamtkonzeption. Ein Musterbeispiel für nachhaltiges und
energieeffizientes Bauen, auch „Green Building“ genannt.
Zusammen mit der NATURSTROM AG will die verant­
wortliche Projektentwicklungsgesellschaft, die EcoShare
Solutions GmbH aus Augsburg, in Zusammenarbeit mit der
AktivPlus e.V., das Quartier in nachhaltiger Bauweise hoch
effizient mit einer zukunftsweisenden Energieversorgung
ausstatten. Für die Häuser, die aufgrund ihrer Konzeption

einen geringen Wärmebedarf haben werden, sieht das Ener­
giekonzept erstmals eine zentrale Wärmeversorgung über
ein Netz vor, das über ein oberflächennahes Geothermiefeld
gespeist wird. „Gerade im Neubaubereich müssen gemäß
Energieeinsparverordnung Primärenergieanforderungen
eingehalten werden, die wir mit diesem Konzept vorbildlich
erfüllen“, erläutert Jungkunz.

Öko-Heizung unter der Erde
Die Verlegung des Geothermiekollektors für das GreenBuilding-Projekt begann im Spätherbst 2018. Die Planung
33

▸

WÄRMEWENDE

FOTO: © ECOSHARE SOLUTIONS GMBH

des Projektträgers ging davon aus, dass das kalte Nahwär­
menetz im Rahmen der Erschließungsarbeiten ab Frühjahr
2019 umgesetzt wird. Die erste Wärmelieferung für das
Neubauquartier ist für die Heizperiode 2019/2020 geplant.
Die Temperaturen im Netz belaufen sich im Jahresmit­
tel auf 8 bis 10° C, weshalb man das Netz als „kaltes
Nahwärmenetz“ bezeichnet. In den Gebäuden erfolgt die
Wärme­bereitung inklusive der Warmwasserbereitung dann
umweltschonend dezentral mittels Wärmepumpen. Nach
aktuellen Planungen werden für das Kollektorfeld etwa
3.700 m² Wiesenfläche benötigt. Diese Fläche ist räumlich
durch eine Straße vom Neubaugebiet getrennt. Nach der
Verlegung wird das Grundstück wieder uneingeschränkt
landwirtschaftlich nutzbar sein.

Reichenbach a.d. Fils: Von der Grünen Wiese zum nachhaltigen Wohnquartier

Plus-Energie mit viel Wohnkomfort
Für die zukünftigen Bewohner bieten die Wohnhäuser in
Reichenbach an der Fils einen hohen Wohnkomfort: Die
Technologie ermöglicht im Sommer eine passive Kühlung.
Gleichzeitig kann durch diesen Effekt das Erdkollektorfeld
seine Regeneration verbessern. Die Jahresarbeitszahl der

Wärmepumpe – auch Maßstab für die Effizienz – erhöht sich,
und der Betrieb wird so effizienter. Ergänzt wird das innova­
tive Energiekonzept des Projektes durch dezentrale PV-Anla­
gen, die auf den Dächern installiert werden. Um den Nutzen
zu steigern, sind diese mit Batteriespeichern gekoppelt. Der
damit erzeugte Strom kann vom Hauseigentümer selbst
genutzt werden und trägt somit zum Entstehen eines PlusEnergie-Quartiers bei. Die zukünftigen Eigentümer haben die
Wahl, die PV-Anlage inklusive des Speichers als Bestandteil
des Gebäudes zu erwerben oder alternativ zu pachten. Im
Quartier wird zudem ein Solar-Carport errichtet, der eine
E-Carsharing-Flotte mit sauberem Strom versorgt.

Nahwärmenetze in Hiltpoltstein und Hallerndorf
Im Sommer 2018 begannen auch die Arbeiten der Nahwär­
menetz-Erweiterungen in den beiden oberfränkischen
Gemeinden Hiltpoltstein und Hallerndorf, denn die Beliefe­
rung weiterer Gebäude mit Wärme ist bereits zu Beginn der
nächsten Heizperiode geplant. Die Abwärme der Hiltpolt­
steiner Biogasanlage liefert seit 2001 Wärme und kann min­
destens bis zum Jahr 2021 genutzt werden. Zur Wärmeerzeu­
gung werden danach auch andere Technologien eingesetzt:
Das Konzept sieht die Installation von weiteren Grund- und
Spitzenlastkesseln sowie einem Pufferspeicher vor, so dass
jederzeit ausreichend Wärme erzeugt und zwischengespei­
chert werden kann.
Im Spätsommer 2016 verlegte NATURSTROM auch in
Hallerndorf – nur unweit vom NATURSTROM-Standort
in Eggolsheim entfernt – ein Nahwärmenetz, das sowohl
ein komplettes Neubaugebiet sowie Bestandsgebäude im
Ort mit regenerativer Wärme versorgt. Das Engagement
wurde von der Bundesregierung vergangenes Jahr hono­
riert: Der Rat für Nachhaltige Entwicklung zeichnete das
Projekt in Hallerndorf als „Projekt Nachhaltigkeit 2017“
aus. 2018 wird das Hallerndorfer Netz zum zweiten Mal
erweitert und elf weitere Haushalte an das Netz ange­
schlossen.

Hallerndorf: 2018 erfolgt der dritte Bauabschnitt im ausgezeichneten Nahwärmeprojekt

34

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Abschalten und auftanken
Eine Auszeit im BIO HOTEL bietet jeden Tag eine Vielzahl an Möglichkeiten, um neue Energie für Körper und Seele zu tanken. Das kann
man bei der Familie Theiner durchaus wörtlich nehmen. Mit ihrem
Bio­refugium theiner's garten haben die Gastgeber das erste Klima­
hotel Europas und zeitgleich einen Ort für alle Sinne geschaffen.

I

m Etschtal, inmitten weitläufiger Apfelheine gelegen, lebt
die Familie Theiner ihren Traum, indem sie modernen „BioLifestyle“ mit Genuss und Herzlichkeit vereint: „Unser Hotel
entstand aus dem Wunsch heraus, ein Hotel zu erschaffen,
das unsere ökologische, naturnahe und biologische Lebens­
philosophie widerspiegelt. Angefangen beim Bauwerk über die
Verwendung biologischer Lebensmittel und hochwertigster
Naturkosmetik bis hin zur Ausstattung und Einrichtung“,
so Myriam Theiner. Welche Lebensmittel in der Küche
verarbeitet werden, entscheidet die Chefin selbst. Für beste
Bio-Lebensmittel sorgen der hauseigene Bio-Bauernhof „Ber­
gerhof“, der bereits auf eine 30-jährige Tradition zurückblickt,
sowie zahlreiche Bio-Lieferanten aus der Region. Das Obst
vom eigenen Bauernhof wird individuell verarbeitet und hat
selbst zu eigens kreierten Naturpflegeprodukten inspiriert.
Diese kommen unter anderem im „garten der sinne“, einer
über 1.000 m² großen Wellnessoase samt türkischem Dampf­
bad, Finnischer- und Bio Kräuter-Sauna, zum Einsatz. Zum
Verweilen laden zudem der großzügige Kräuter- und Aroma­
garten, der mediterrane Garten und die begrünte Dachter­
rasse mit Blick auf die Gebirgszüge der Dolomiten ein.

Nachhaltig entspannen
Im ersten zertifizierten Klimahotel Europas wird Energie nicht
nur erzeugt, sondern auch erlebbar gemacht. Die Räumlich­
keiten entsprechen höchsten baubiologischen Standards,
sind Elektrosmog reduziert und schallgeschützt. Durch den
Verzicht auf Bindemittel und Leime wurde eine völlig schad­
stofffreie Bauweise ermöglicht. Die Eigentümer haben von
Beginn an auf Erneuerbare Energien gesetzt. 40 Prozent der
Energie werden beispielsweise durch Photovoltaik- und Solar­
anlagen generiert. Somit ist urlauben hier mit einem ökolo­
gischen Fußabdruck von nur acht Kilogramm CO2 pro Nacht
36

möglich. Dieser liegt in konventionellen Hotels im Durch­
schnitt bei 30 bis 50 Kilogramm CO2 pro Gast und Nacht.
Besonders am Herzen liegt den Hoteliers auch das Thema
Mobilität. Gefördert wird nicht nur die Bahnanreise der
Gäste, sondern auch die Nutzung von E-Bikes und E-Autos.
Seit kurzem präsentiert theiner's garten in Zusammenarbeit
mit der Autoindustriale Bozen die neue Mercedes-Benz
B-Klasse Electric Drive. Diese wird künftig sowohl für den
Abhol- und Bringer-Dienst, als auch als Mietwagen für die
Hotelgäste zum Einsatz kommen. Aufgeladen wird anschlie­
ßend mit dem Strom der hauseigenen Photovoltaikanlage.

BIO HOTELS – mehr als Hotel
theiner's garten zählt wie rund 90 weitere Betriebe zum
Verein der BIO HOTELS. Was die einzigartige Hotelverei­
nigung verbindet, ist die Überzeugung für eine nachhaltige
Lebensweise. Die BIO HOTELS bieten mehr als Hotel,
stehen für Achtsamkeit und neue Visionen, was zukunfts­
fähiges Wirtschaften anbelangt.
Weitere Infos zum nachhaltigen Reisen finden sich unter
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Weitere Infos auf der Karte in der Heftmitte…
Gewinner/innen aus Heft 24 Sommer 2018: Lena Carle aus Melbeck,
Sebastian Fischer aus München, Kerstin Jehle aus Nürnberg

ENGAGEMENT

A-Moll statt A-Müll
Eine niedersächsische Konzertreihe protestiert
gegen die Nutzung von Atomenergie. Elisabeth Jürgens

D

ie ASSE-Konzerte sind Deutschlands einzige Konzert­
reihe mit klassischer Musik, die sich gegen die Nutzung
von Atomenergie wendet. Musikerinnen und Musiker die
hier auftreten, wollen in den Konzerten ein „klingendes Zei­
chen gegen Atomenergie“ setzen und aufmerksam machen
auf die immer noch ungelöste Problematik der Endlagerung
des strahlenden Mülls. Konkret protestieren sie gegen die
Lagerung von radioaktivem Abfall im undichten ehemaligen
Kali- und Salzbergwerk Asse-II bei Wolfenbüttel. Ruth Jäger,
selbst Musikerin und Professorin, organisiert gemeinsam mit
der Braunschweiger Psychotherapeutin Elisabeth Jürgens das
Podium mit allen anfallenden Kosten – außer den Gagen.
Denn: Wer in dieser Reihe auftritt, verzichtet auf eine
finanzielle Vergütung.

Musikerinnen dazu auf, sich mit einem etwa einstündigen
Konzertprogramm dafür zu bewerben. „Es musiziert sich gut
in unseren Konzerten: Volle Kirchen, ein begeistertes Publi­
kum – und das eigene ökologische Gewissen zu beruhigen,
tut ja auch gut.“ Bis Ende 2018 werden 55 Konzerte stattge­
funden haben, über 200 MusikerInnen haben sich engagiert
– internationale Stars ebenso wie „regionale Sternchen“.
Kontakt und weitere Infos unter n www.asse-konzerte.de

„Die Asse bringt es an den Tag“, so beschreiben die Orga­
nisatorinnen ihre Motivation: „Das Konzept einer sicheren
Endlagerung des atomaren Mülls ist gescheitert. Noch
viele Generationen werden damit beschäftigt sein, die
radioaktiven Altlasten eines verfehlten Energiekonzeptes
zu betreuen. Atomstrom ist gerade nicht sauber, nicht preis­
günstig und schon gar nicht sicher!“ Daher geht der Wider­
stand gegen Atomenergie auch auf der musikalischen Ebene
weiter: Im nächsten Jahr heißt es „10 Jahre Asse-Konzerte“.
Die beiden Organisatorinnen rufen engagierte Musiker und

Probende Musiker vor dem Eröffnungskonzert 2018, links im Bild
Tabea Höfer, rechts im Bild Marek Stawniak

FOTO: FRANZISKA RUTZ

In der Asse wurden vor 51 Jahren die ersten Fässer eingela­
gert. 98 Prozent des Mülls stammt aus deutschen Atomkraft­
werken. Das wesentliche Problem: Das Bergwerk ist undicht.
Täglich strömen ca. 12.000 Liter Wasser in den alten
Salzstock. Das Wasser droht das Bergwerk zum Einsturz zu
bringen, lässt die radioaktiven Fässer korrodieren und wird
zu einer zusätzlichen radioaktiv strahlenden Gefahr. Jeder
Liter muss aufgefangen und entsorgt werden und seit einem
Bundestagsbeschluss aus dem Jahr 2013 steht fest, dass auch
der Müll aus dem Salzstock wieder geborgen werden muss.
Doch geschehen ist seither noch nicht viel.

FOTO: RUTH JÄGER

Klassische Musik als politische Aktion: Das hat Geschichte,
auch in der Anti-AKW-Bewegung! Bereits 1986 wurde in
Regensburg Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ aufgeführt
– als Protest gegen den geplanten Bau der Wiederaufberei­
tungsanlage in Wackersdorf. 1994 veranstaltete die Aktion
„lebenslaute“ eine „musikalische Inspektion des geplanten
Atommüll-Zwischenlagers Gorleben“ als „Go-in mit Freund_
innen“, und auch 1999 wurde eine „Abschiedssinfonie an
die Atomenergie“ von dem Ensemble zu Gehör gebracht.

Die beiden Organisatorinnen der Konzertreihe, links Elisabeth Jürgens,
rechts Ruth Jäger

37

20 Jahre NATURSTROM mit
energiezukunft on stage

A

uf der 20-Jahr-Feier konnten sich Kunden und Inte­
ressierte an einem sonnigen September-Samstag über
NATURSTROM und seine zahlreichen Geschäftsbereiche
informieren und mit den Mitarbeitern ins Gespräch kommen.
Diese hatten zur Feier des Tages einiges aufgefahren: Von
Anlagenbau über Bürgerenergie und Quartierskonzepte bis
zur E-Mobilität gab es jede Menge zu entdecken und auszu­
probieren – zum Beispiel Probefahren mit dem E-Lastenrad
Donk-EE und diversen Elektroautos. Für die kleinen Besucher
stand „Klimaschutz zum Anfassen“ auf dem Programm.
Die energiezukunft-Redaktion nutzte die Gelegenheit, um
das beliebte Kolumnen-Format „Meinung der Woche“ von
energiezukunft.eu auf die Bühne zu bringen – mit Meinungs­
beiträgen zum aktuellen Geschehen im Hambacher Wald, den
neuen Chancen der europäischen Bürgerenergie sowie den
notwendigen Bausteinen für die Wärmewende. Diskutieren
und Einmischen war dabei ausdrücklich erwünscht. Das gilt
gleichermaßen für unser Online-Magazin. Dort bieten täglich
aktuelle Artikel und Hintergrundberichte sowie Meinungs­
beiträge wertvolle Informationen rund um die Energiewende.
Wir freuen uns weiterhin über Kommentare, Anregungen
sowie Themenvorschläge.

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Herausgeber und V.i.S.d.P.:
NATURSTROM AG, Vorstand Dr. Thomas E. Banning

Titelbild: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Weitere Fotos (sofern nicht anders gekennzeichnet): NATURSTROM AG

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Produktion /Druck:
dieUmweltDruckerei GmbH
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Redaktion energiezukunft
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Chefredaktion: Nicole Allé
Redaktion: Joschua Katz, Clemens Weiß

Hinweis: Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt
die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor,
Beiträge zu kürzen.

Autoren: Nicole Allé (na), Dominique Czech (dc), Tanja Dürdoth (td),
Philipp Fuchs (pf ), Oliver Grob (og), Elisabeth Jürgens, Joschua Katz (jk),
Petra Kraxner (pk), Nora Lönnendonker (nl), Tim Loppe (tl), Finja Seroka (fs),
Verena Steindl (vs), Clemens Weiß (cw)

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