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Die Artillerie- und Ingenieur-Schule

Full text: Berlin und seine Umgebungen im neunzehnten Jahrhundert (Public Domain)

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BERLIN IM NEUNZEHNTEN JAHRHUNDERT. 
Bestimmung vom 13. Juni 1816 gestiftet. Der jedesmalige Chef oder General-Inspectcur 
der Artillerie, und der General - Inspecteur der Festungen und Chef der Ingenieure 
und Pioniere, sind die Curatoren der Anstalt. Seit dem J. 1831 ist die obere Leitung 
derselben dem Inspecteur der ersten Ingenieur - Inspection übergeben worden, und 
ein Stabs -Officier der Artillerie ist als Direktor der Anstalt angestellt. Die Stellen 
des Inspecteurs und des Direktors wechseln im Ingenieur- und Artillerie-Corps ab. 
Zugleich besteht eine Studien-Commission, der die Leitung des Wissenschaftlichen 
insbesondere obliegt. Die Gegenstände der wissenschaftlichen Vorträge bestehen in 
der Lehre der Artillerie- und Befestigungskunst, des Land-, Wasser- und Maschinen- 
Baues zu Kriegs- und militairisclien Zwecken, der Taktik, der Mathematik, der Physik 
und Chemie, der deutschen und französischen Sprache, der Geographie und im Zeichnen. 
Zu den praktischen Uebungen der Zöglinge sind besondere Stunden für die Besuche 
in den Werkstätten, Modell-Sälen, Laboratorien, Artillerie-Magazinen, und zu den 
Uebungen im Schiessen und Werfen, zum Exerciren mit dem Geschütze, zur Hand 
habung der Maschinen, zur Schätzung der Entfernung, zur Anlage der Batterien und 
zur Feldbefestigung festgesetzt. Der vollständige Unterricht auf der Schule umfasst 
einen Zeitraum von drei Jahren. Seit dem Jahre 18f^ nehmen nicht bios die Porte- 
d'Epee-Fähnriche, sondern auch jüngere Officiere der Artillerie und des Ingenieur- 
Corps an dem Unterricht der Anstalt Theil. Das Lehrpersonal besteht theils aus 
Officiereu, theils aus Civilpersonen. Die Anstalt besitzt eine aus mehr als 4500 Bänden 
bestehende Bibliothek, eine ansehnliche Modellsammlung, und seit dem J. 1833 einen 
kostbaren chemisch-physikalischen Apparat. Seit der Stiftung der Schule bis in die 
Mitte des Jahres 1833 sind 656 Zöglinge dieser Anstalt als Officiere in die Armee 
getreten. Das, seiner äusseren Ansicht nach, schöne Gebäude gereicht der mit dem 
Namen: unter den Linden, bezeichneten Strasse zu einer Zierde. 
Auf unserm Bilde erblickt man auch den Eingang in die neue Wilhelmsstrasse, 
unter einer Colonuade Über derselben befindet sich der ansehnliche Adlersche Saal. 
Das Erdgeschoss der Artillerie- und Ingenieur-Schule wird von dem Oekonomen und 
den Haus-Officianten bewohnt; das hohe Parterre enthält die Zimmer der Officiere, 
welche die Aufsicht führen; den Lchrsaal, den Speisesaal, das Laboratorium für Chemie 
und Physik, und das Zimmer des physikalisch-chemischen Apparats; die oberen Etagen 
aber dienen zur Wohnung der Zöglinge und zu den Hör- und Zeichen-Sälen. Das 
Gebäude führt mit erhabenen vergoldeten Buchstaben die Aufschrift: die Artillerie- 
und Ingenieur-Schule, Stiftung Friedrich Wilhelm, III. MDCCCXXH. 
Das Königliche Schauspielhaus. 
Der grosse, schöne Platz, in dessen Mitte sich dieses prachtvolle Gebäude erhebt, 
ist der Marktplatz der Friedrichsstadt; er wurde früher auch der Mittelmarkt 
und der neue Markt genannt, und jetzt führt er den Namen Gendarmenmarkt. 
Diese letzte Benennung erhielt er von den Ställen des Regiments Gendarmen, welche 
hier vom Jahre 1736 bis 1773, wo sie abgebrochen und an den Weidendamm verlegt 
wurden, standen. Das jetzige neue Schauspielhaus ist in den Jahren 18^o nach des 
Ober-Bau-Direktors Schinkel Zeichnung auf dem Fundamente des im J. l&jjj gebauten, 
aber 1817 in Flammen aufgegangenen, älteren Schauspielhauses aufgeführt. Seine Haupt- 
Facade ist nach Osten gegen die Seehandlung hin gerichtet. Die Länge des Gebäudes
	        
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