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Die lange Brücke

Full text: Berlin und seine Umgebungen im neunzehnten Jahrhundert (Public Domain)

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BERLIN IUI NEUNZEHNTEN JAHRHUNDERT. 
wurde im J. 1703 am Geburtstage Fridriehs III. (dem i. Julius) feierlich eingeweiht, 
nachdem sie nach Schlüters Modelle*) in dem, ebenfalls von ihm erbauten, hinter 
dem K. Zeughause befindlichen, Gicsshause, von Jacobi gegossen worden war. 
Der Kurfürst ist zu Pferde, im Costum eines römischen Imperators, mit Waffenrock 
und Mantel dargestellt, den Commandostab in der Hand haltend, und sowohl Reiter 
als Pferd sind so grossartig in der Ausführung behandelt, dass dies herrliche Kunst 
werk mit Recht als eine der Hauptzierden der prachtvollen Königsstadt angesehen 
werden kann. Auch die Aufstellung, auf einem hohen Piedestal von weissem Marmor, 
trägt dazu bei, die Statue als höchst imposant erscheinen zu lassen, und das Auge, 
sobald man die Umgegend der Brücke betritt, unwillkührlich auf sie hiuzuleiten. — 
Durch die, vor einigen Jahren, unter SchinJcel's Leitung, vorgenommene Ersetzung 
des früheren, schwerfälligen steinernen Geländers, durch ein leichtes und geschmack 
volles, aus gegossenem Eisen, hat der Anblick der Brücke sehr gewonnen. 
Die Gebäude im Vorgrunde zur Linken gehören zu dem Königl. in der breiten Strasse 
befindlichen Marstall, und der vorderste, hervorstehende, einstöckige Ausbau ist das 
Ende der zweiten Reitbahn, oder der der ehemal. Ritter-Academie. Weiterhin sieht 
man den äussersten östlichen, am Wasser gelegenen Flügel des Schlosses (zum Theil 
aus dem 16. Jahrhundert), mit seinen Thünnchen und Ausbaucn, und die Bäume, 
welche den Raum ausfüllen, der zwischen dem Flusse und dem neueren (ursprüng 
lich von Friedrich II. und gegenwärtig von S. K. H. dem Kronprinzen bewohnten), 
zunächst dem Wasser liegenden, Theil des Schlosses, frei geblieben ist. 
Die im Mittelgründe durch ihr leichtes Geländer sichtbar werdende Brücke, ist die, 
an der Stelle der ehemaligen, sogenannten Cavalierbrücke, von einer Actien-Gesell- 
schaft erbaute, und im vorigen Jahre (1832) eröffnete, für Fussgänger bestimmte Brücke, 
zu welcher man, auf der einen Seite, durch einen, zwischen der Hof-Apotheke und 
dem Dome cröffnetcn Zugang gelangt, und die zu der Burgstrasse hinüberführt. Im 
Hintergründe sieht man die schöne, auf 7 Bogen ruhende, grosse Friedrichs- oder 
(nach der Nähe des, noch itzt stehenden, Oraugeriehauses) sogenannte Pomeranzen- 
Brücke **). 
Der Kav zur Rechten, welcher die Burgstrasse bildet, ist einer der grossartigsten 
Theile der Stadt, und nimmt sich, besonders von der grossen Friedrichsbrücke gesehen, 
da, wo der Fluss am breitesten ist, ungemein prachtvoll aus. Das Haus im Vorgrunde, 
dessen Attika mit vier Statuen geziert ist, gehört ebenfalls zu Schlüters Schöpfungen, 
und w'urde in den Jahren 1701 —1703 für den Premier-Minister Friedrichs I., dem 
Grafen v. Wartenberg, erbaut. Späterhin erhielt es die K. Post, und es ist gegen 
wärtig das Eigenthum eines Privatmannes geworden, dessen bekannter Kunstsinn die 
äussere schöne Facade unangetastet gelassen hat. 
*) Nur die Statue, wurde von Schlüter selbst modellirt. Die vier, an den Ecken des Fussgestclles 
angebrachten, sitzenden Sklaven sind, nach SchTs. Angaben, von seinen Schülern: Becker,Brückner, 
Ilenzi und Sohl dem Vater, geformt, von Schlüter indess eigenhändig ciselirt worden. 
**) Sie wurde im J. 1769, unter der Regierung Friedrichs //., von Boumann (an die Stelle der, im 
J. 1719 erbauten, hölzernen), von Stein aufgeführt, und hat unter den späteren Regierungen (nament 
lich durch den, von Langhaus in den Jahren 1790—1792 veranstalteten, Umbau) bedeutende Ver 
besserungen erhalten.
	        
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