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Die neue deutsche Kirche

Full text: Berlin und seine Umgebungen im neunzehnten Jahrhundert (Public Domain)

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BERLIN IM NEUNZEHNTEN JAHRHUNDERT. 
etwas, das selbst auf unserer Ansicht, durch die zur Rechten sichtbare Dachlinie, 
bemerklich wird. — Die Peristyle haben jedes 6 korinthische Säulen: die Akroterien 
der Giebelfelder, oder Frontons, sind mit Bildsäulen besetzt, und die Felder selbst 
mit Basreliefs, Abschnitte aus der h. Schrift darstellend, geschmückt, von denen die 
an der französischen Kirche von dem, als geschickten Zeichner und geistreichen Kupfer 
stecher bekannten, Dan. Chodowiecki, angegeben, die an der deutschen von B. Rode 
erfunden, und von den Bildhauern Sartori und Föhr ausgeführt worden sind. Aus 
der Mitte des Baues erhebt sich, auf einer viereckten Basis, ein Dom von 56 Fuss im 
Durchmesser, mit einer Umgebung von 12 freistehenden korinthischen Säulen, auf 
denen ein Brustgeländcr, mit Vasen verziert, ruht. Innerhalb dieses letztem steigt die 
eigentliche Kuppel, aus Holz, mit Kupfer gedeckt, grün angestrichen und mit ver 
goldeten Rosetten verziert, empor, und auf ihrer Spitze steht eine kolossale, aus Kupfer 
getriebene und vergoldete, 15 Fuss hohe Figur *). 
Friedrich d. Grosse hatte im Allgemeinen den Plan zu beiden Thürmen angegeben 
und dem Major und Baumeister C. v. Gontard **) die Leitung und Ausführung des Baues 
übertragen. Der deutsche Thurm war bereits bis an den Architrav der Säulen, welche 
den Dom umgeben, vollendet, als der ganze obere Theil des Baues in der Nacht vom 
28. zum 29. Juli 1781 zusammenstürzte. Glücklicherweise geschah dies zu einer Zeit, 
wo weder die Bauleute beschäftigt, noch die Strassen in der Umgegend belebt waren: 
hätte sich iiidess der Unfall am Tage ereignet, so würden die Folgen desselben nicht zu 
berechnen gewesen seyn. Ein Ergebniss dieser Störung war das, dass die Vollendung 
des Baues dem damaligen Bau-Inspektor (später Ober-Baurath) Unger übertragen 
wurde, der unverzüglich den Grund verstärken liess, um dem Ganzen die gehörige 
Festigkeit zu geben. Beide Thürme standen im J. 1785 fertig da, und ihre Erbauung 
soll die, verhältnissmässig geringe, Summe von 350,000 Thalem gekostet haben. 
Die Wendeltreppe 
im Königlichen Schlosse. 
In dem sogenannten iunern Schlosshofe, welcher diesen Namen im Gegensätze zu 
dem äussern, pag. 7. von uns erwähnten, führt, und ganz nach Schlüters Angabe 
gebaut ist, bemerkt man, wenn man von dem Lustgarten, d. h. von der nördlichen 
Seite, hereintritt, zur Linken, ein in wahrhaft grossartigem Stile aufgeführtes Portal, 
das unten drei, mit dorischen Säulen verzierte, grosse Eingänge hat. Der mittlere Ein 
gang führt zu der Thür, welche nach den kleinen Hinterhöfen des Schlosses geht, 
und mit gercifeiten Säulen und einem Gebälk verziert ist, an welchem zu beiden Seiten 
lebensgrossc Figuren angebracht sind, von denen man auf unserer Platte den unteren 
Theil sieht. Von den beiden andern führt der zur Rechten zu einer Stufentreppe, 
deren Absatz man im Vordergründe des Bildes erblickt; der zur Linken aber, zu 
*) Die anf der Kuppel der französischen Kirche stehende, stellt die Religion, die andere die Tugend 
dar. Beide wurden nach Kambly's Modellen von Köhler in Potsdam angefertigt. 
Er war im J. 1738 in Mannheim gehören und trat schon früh in Prensszsche Dienste.
	        
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